mouth of lies

von anoesis
MitmachgeschichteMystery, Romanze / P16 Slash
18.03.2019
07.09.2020
3
17.033
13
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18.03.2019 5.242
 
mouth of lies
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even the devil appears kind

behind the right wording.


                                                                                                                     —

take a seat little liarˍ the tragedy is about to start

Ich heiße euch herzlich Willkommen zur größten Tragödie dieses Jahres.

Nach langer Planung, vielen schlaflosen Nächten und eine menge Kaffee, habe ich es tatsächlich geschafft dieses kleine Projekt auf die Beine zu stellen. Und god, ich bin super excited euch nun das fertige Werk präsentieren zu können! Wow, klang das jetzt sehr expensive? Ich hoffe nicht, haha.

Meine Motivation für diese Geschichte liegt so ungefähr bei 157% und mir kribbelt es bereits jetzt dermaßen in den Finger in die Tasten zu hauen und dem Ganzen hier Leben einzuhauchen. Ich kann mich kaum beherrschen nicht gleich 100 Seiten runter zu tippen, weil ich einfach so große Lust auf dieses Projekt habe.

Inspiriert wurde diese kleine Geschichte übrigens vor allem durch Pretty Little Liars, Riverdale und Tote Mädchen lügen nicht. Außerdem habe ich noch einige Songs auf meiner Playlist und Bücher auf meinem Nachttisch, die mich hierzu inspiriert haben.

Ich wollte zudem noch einmal die Gelegenheit nutzen und mich bei vier wundervollen Menschen bedanken, die mich bezüglich mouth of lies (vorheriger tietel dirty little secrets) unterstützt haben und mir eine unglaublich große Hilfe gewesen sind. lune- scintilla  sophrosyne  dermisfortunaHerzlichen Dank für eure Hilfe, für die Tipps und einfach, dass ihr mich hierbei so sehr unterstützt habt.Fühlt euch ganz fest gedrückt.

Nun entlasse ich euch alle aber von meiner wundervollen chaotischen Vorrede und übergebe euch in die Hände von   - your best friend

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dirty rumorsˍ plottbunny hiding secrets

Der Selbstmord einer 17 Jährigen schockiert ganz Daegu. Lee Sunmi, die beste und angesehenste Schülerin der Elite Akademie Chul Soon, nimmt sich am 6.April 2018 das Leben und tritt damit eine Lawine aus dreckigen Geheimnissen und gefährlichen Intrigen los. und erschafft ein unaufhaltbares Monster,der sich selbst your best firend nennt.

wich one of you killed sunmi? unmask the killer, or i will expose your dirty secrets. your best friend

Die Geschichte spielt in der von mir frei erfundenen Elite Akademie Chul Soon. Sie befindet sich in Daegu und ist eine Akademie für Jugendliche aus reichen und wohlhabenden Verhältnissen. Allerdings verteilt die Akademie jährlich Stipendien an Jugendliche aus armen Verhältnissen, diese sind natürlich in der Unterzahl. Vor allem die extrem reichen Schüler scheinen mit den Armen auf Kriegsfuß zu stehen. Kaum zu glauben, dass erst der Tod einer Schülerin und das Auftauchen einer bescheuerten Liste sie alle auf irgendeine Art und Weise zusammenschweift.  

Drei Monate nach dem Selbstmord von Sunmi erhält nur der Hauptcast eine Liste von einer anonymen Person, der sich selbst your best friend nennt. Auf dieser Liste sind ihre Namen in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet unter der Überschrift „wich one of you killed sunmi?“ Urplötzlich soll der Selbstmord einer Schülerin doch Mord gewesen sein und des Mordes beschuldigt werden ihre Freunde und Schüler mit denen sie Täglich im Kontakt stand. Der Mörder befindet sich also direkt unter ihnen, denn sie alle hätten einen Grund gehabt, um Sunmi zu töten. Nach außen hin schienen sie alle zwar irgendwie mit Sunmi befreundet zu sein, doch eigentlich hassten sie alle die Schülerin, aus den unterschiedlichsten Gründen. Eine Sache hatten sie aber alle gemeinsam; Sunmi kannte ihre dreckigsten Geheimnisse und nutzte diese als Druckmittel gegen sie.

Neben der Liste erhält der Hauptcast einen für jeden ganz individuell geschriebenen Brief, indem ihr dreckigstes Geheimnis steht, welches nur Sunmi wusste. Aber Sunmi ist tot, wer versteckt sich also hinter your best friend? In diesem Brief wird der Hauptcast aufgefordert den Mörder von Sunmi zu finden und im Gegenzug würde your best friend ihre dreckigen Geheimnisse für sich behalten.

Dies ist eine Geschichte die auf Lügen, Intrigen und dem Tod einer Jugendlichen aufgebaut ist;die ein Monster erschaffen hat, das bereit ist über Leichen zu laufen und Leben zu zerstören, um den Mörder zu finden.Es wird dreckig und gefährlich.

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status quoˍ don’t break these rules

-01- Bei Unklarheiten oder Fragen, steht euch mein Postfach zu jeder Zeit offen.Habt keine Angst davor Fragen zu stellen, selbst wenn ihr 100 Fragen habt. Ich beantworte sie gerne und gebe bei Bedarf auch super gerne Rückmeldungen.Zu erreichen bin ich hauptsächlich über Ask und meinem Fanfiktionaccount.

-02- Wenn ihr eine Rückmeldung zu einem Konzept oder eurem fertigen Steckbrief haben möchtet, kontaktiert mich bitte nur über die Mail Funktion hier auf Fanfiktion. Wenn ihr bei mir nicht ausdrücklich um eine Rückmeldung  anfragt, gehe ich davon aus, dass ihr keine Rückmeldung haben möchtet. Ich bitte euch dann sowohl die positive, wie auch die negative Kritik anzunehmen,ich möchte niemanden mit der Rückmeldung angreifen oder kränken.

-03- Kündigt mir den Steckbrief bitte schon im Vorfeld über die Mailfunktion an. Das erleichtert mir die Orientierung und hinzukommen kann ich absehen mit wie vielen Steckbriefen ich zu rechnen habe. Ganz wichtig zu erwähnen: Kündigt mir den Steckbrief nicht über die Reviewfunktion an!Die Vorlage zur Ankündigung findet ihr weiter unten, unter dem Punkt hello little liar

-04- Sowohl weibliche als auch männliche Characktere dürfen eingesendet werden.Ich freue mich natürlich auf beide Geschlechter gleichermaßen, aber hoffe auch auf einige Jungs.

-05- Achtet bitte darauf, dass Homosexualität an der Akademie ein kritisches Thema ist.Das heißt also, man kann sich nicht einfach mal so Outen, denn man muss mit heftiger Kritik rechenoder sogar schlimmeres, was bis hin zu Mobbing und mehr führen kann.Das hat allerdings nichts mit meiner eigenen Einstellung gegenüber Homosexuellen zutun.

-06- Die Geschichte wird an einer koreanischen Akademie in Südkorea, Daegu spielen. Deshalb sind lediglich asiatische Nationalitäten erlaubt. Versucht außerdem dem Charakter nicht mehr als zwei Nationalitäten zu geben.

-07- Ich setzte euch in eurer Kreativität und eurer Fantasie keine weiteren Grenzen.Ihr könnt euren Charakter so ausfallend und bunt machen, wie es euch lieb ist.Außerdem bin ich ein kleiner Softie für kleine Details, die den Menschen meiner Meinung nach erst so richtig  besonders machen.

-08- Bedenkt immer, dass kein Mensch perfekt ist. Gibt eurem Charakter kleine Makel, denn das macht ihn erst schön und anders.

-09- Als Love Interest stehen euch ausschließlich die Jungs aus dem Hauptcast zur Verfügung.Nur Jungkook und Chanyeol sind nicht mehr zu haben, dafür könnt ihr euch aber gerne auf den Rest stürzen.

-10-Ich weiß noch nicht genau wieviel weitere Charaktere ich annehmen werden,aber es werden sicher nicht weniger als fünf. Die Entscheidung wird auch erst folgen,wenn die Einsendefrist abgelaufen ist. Vorher nehme ich niemanden an.

-11- Der Einsendeschluss läuft ab heute bis zum 20.April um 23:59 Uhr. Was danach kommt akzeptiere ich nicht mehr. Man kann mich allerdings anschreiben und um eine Verlängerung bitte. Diese würde dann allerdings maximal zwei Tage sein.

-12-Haltet bitte die Formatierung im Steckbrief ein, damit ich mich besser orientieren kannund folglich nicht zu lange suchen muss, wenn ich eine bestimmte Information brauche.Den Steckbrief findet ihr übrigens auf der Website unter dem Punkt Blog.

-13-Den fertigen Steckbrief sendet ihr mit bitte mit folgendem Betreff zu:Vollen Namen hier einfügen is a dirty liar.Das Ergebnis würde dann wie folgt aussehen, um es in einem Beispiel zu zeigen:Im Jiae is a dirty liar

-14-Ich habe einige kleine Frage vorbereitet, die ich euch zu euren Charakteren stellen möchten. Die Fragerunden würden auf Ask stattfinden – wer kein Ask benutzt, dem würde ich eine Mail schreiben. Damit möchte ich die Wartezeit einwenig interessanter gestalten. Ob ihr die Fragen beantwortet oder unbeantwortet lässt liegt ganz bei euch. Mich würde es auf jeden Fall freuen.

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hello little liarˍ tell me something about you

﹥ what’s your name ? – vollen namen angeben.
﹥ how old are you ? – alter (16 –18) angeben.
﹥ what do you look like ? – faceclaim angeben.
﹥ who is your love interest ? – zwei pairwünsche angeben.
royalty [ ]  poverty [ ] – choose.
﹥ sende die folgenden informationen an mich, wenn du mitmachen möchtest
damit kündigst du mir deinen steckbrief an.
mit dem betreff: a dirty little liar



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prologˍ july 06. 2018

― memories always bring tears ―


기억은 언제나 눈물을 데려와




Mit 17 Jahren machte man sich noch keine Gedanken darüber, wie man irgendwann mal sterben würde. In jungen Jahren fühlten wir uns unverwundbar. Unvergänglich, als hätten wir noch eine Ewigkeit zu Leben. Meine Ewigkeit dauerte 17 Jahre an. Am 6.April 2018 nahm ich mir das Leben, aber ich führte die tödliche Klinge nicht an meinen Unterarm. Ich hatte lediglich eigenhändig die Bestie erschaffen, die mich tötete. Ich dachte, wir waren Freunde gewesen. ―




Die schwarze Krawatte von Pietro Baldini hing lose um seine Schultern. Ein zugeknöpftes Hemd in der selben Farben schmiegte sich eng um seinen trainierten Oberkörper, zeichnete die Konturen seiner Muskeln ab, die sich hinter dem dünnen Stoff verbargen. Jiaes Augenlieder flatterten wie wild, passten sich ihrem rasantem Herzschlag an. Mit Vorsicht nahm sie die zwei Enden der Krawatte zwischen ihren dünnen Finger, um sie zusammenzubinden. Nur ab und an schaute Jiae auf, um für einige Sekunden in das Gesicht ihres besten Freundes sehen zu können. Jungkook starrte lediglich stur an ihr vorbei, die Hände tief in den Taschen seiner schwarzen Jeans vergraben. Jiae schob überlegend ihre Unterlippe zwischen ihre Zähne, unsicher ob sie den Schritt tatsächlich wagen wollte. Achtsam, straffte sie die Krawatte noch einwenig, hing dabei einwenig ihren eigenen Gedanken nach, ehe sie erneut zu ihrem besten Freund aufsah. „Wir müssen da nicht hingehen.“

Jungkook senkte seinen Blick abrupt auf seine beste Freundin. Es überraschte ihn immer wieder, wie gut Jiae ihn lesen konnte. Allerdings hatte er die feine Unsicherheit in ihrer sanften Stimme nicht überhört, konnte dem aber keinen Grund zuordnen. „Schon okay Jay.“ Ein schwaches Lächeln umspielte seine Lippen, so hauchzart, als könne es die leichteste Briese von seinen Lippen wischen.

Nichts war okay. Doch die Wahrheit war; Jiae fürchtete sich davor, dass Jungkook verängstigt vor ihr flüchten würde, sobald sie die vergangenen Geschehnisse auch nur mit einem Wort ansprach. Sie hatte es versucht, allerdings wich er ihr aus, sobald er witterte, dass es tatsächlich zu einem Gespräch kommen konnte, über ihn und das Chaos in seinem Kopf. „Jungkook du kannst mit mir ―“ - „― wir sollten los, in 15 Minuten fängt die Trauerfeier an und wir müssen noch Kai und Jinsol finden.“, schnitt Jungkook seiner besten Freundin das Wort ab, als er eilig nach ihrer Hand griff und mit ihr zusammen die Tür ansteuerte. Jiae ließ es über sich ergehen, denn sie wusste, dass er auch heute nicht bereit war sie komplett reinzulassen und ihr zu erlauben, an seiner Seite zu sein.

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Ich hatte viele Freunde gehabt,von Freundschaften hatte ich aber nie etwas verstanden.Vielleicht wollte ich aber auch einfach nicht verstehen,weil es leichter für mich war.Wissend, dass es unglaublich schwer für meine Freunde war.




Jinsol schmiss sich Jungkook um den Hals und platzierte einen kurzen aber festen Kuss auf seine Wange, bevor sie sich klammerhaft an Jiae warf und sie einwenig zu fest drückte, obwohl ihr letztes Treffen keine zwei Stunden her war. Jiae verdrehte missfällig ihre dunklen Augen, ehe sie die anhängliche Blondine von sich schob. „Du zerknitterst total mein Kleid.“, merkte Jiae gefrustet an, gab dem darauffolgendem Batzen an Worten aus Jinsols Mund aber keine weitere Beachtung. Stattdessen schloss sie Jongin zur Begrüßung in eine zarte Umarmung.

„Drei Monate später kommen diese Idioten auf die Idee eine Trauerfeier zu veranstalten. Einwenig spät für Trübsal blasen.“ Jongin hatte überhaupt keine Lust auf die nächsten Stunden, die er damit verbringen musste zwischen Rotz und Wasser weinende Person zu sitzen und einer elendig depressiven Trauerrede über ein Mädchen zu lauschen, die ihn einen Scheiß interessierte. „Ich werde jedenfalls nicht so tun, als würde mich das alles hier auch nur im geringsten interessieren.“ Seine Stimme war kalt und schneidend, hinterließ keinerlei Zweifel an den Gerüchten, die um ihn kursierten; Jongin hatte kein Herz.

Jiae linste unauffällig zu Jungkook rüber, um zu sehen, wie er die äußerst unsensiblen Bemerkungen von Jongin aufgenommen hatte. Es beruhigte Jiae kein bisschen, dass Jungkooks Gesichtszüge so entspannt waren, als hätten die Worte von Jongin keinerlei Wirkung auf ihn gehabt. Allerdings befürchtete Jiae, dass in seinem Inneren ein Sturm aus verwirrten Gefühlen und aufgebrachten Emotionen tobte. Deshalb fing sich Jongin auch einen frostigen Blick von Jiae ein, die unter normalen Umständen Jongin sogar extrem gerne um sich hatte.

„Welcher Idiot kam überhaupt nochmal auf diese Idee?“

„Dieser Idiot ist Jungeun“, antwortete Jungkook auf Jongins Frage, mit einem belustigtem Grinsen auf den Lippen.

„Meine Schwester ist ein Idiot, deshalb sind ihre Haare ja auch blond!“, kicherte Jinsol mit neu gewonnener Erkenntnis, ignorierte dabei die urteilenden Mienen von Jongin und Jiae. Jungkook hingegen konnte über Jinsol lediglich schmunzeln. Sie war nie die hellste Birne an der Akademie gewesen, aber sie hatte ein ziemlich reines Herz, wenn sie sich nicht so leicht beeinflussen ließ, dessen war er sich sicher.  

„Sagte die Blondine“, hing Jiae hinten an, wurde von Jungkook aber sofort in die Wange gekniffen. Allen anderen hätte sie übrigens die Hand brechen lassen. „Sei nicht so gemein, Jay.“ Er lachte, als er das sagte und auch Jiaes Lippen verzogen sich zu einem sanften Lächeln.

Anscheinend schien nur Jongin diese nutzlose Trauerfeier gewaltig auf die Eier zu gehen.

                                                                                                                     —

„Hey Schülersprecher! Wo hast du den Jungeun gelassen? Sonst weicht sie dir doch auch nicht von der Seite.“ Lucas zehntausend Voltlächeln entlockte Jaehyun auch heute ein herzliches Lächeln. Die Frage galt zwar ihm, aber Lucas Augen hingen an einem Mädchen, die sich eilig zwischen der angesammelten Menschenmasche durchdrängelt. Jaehyun war nur kurz seinem Blick gefolgt, ehe er ihn wieder auf Lucas richtete. „Sie ist noch im Büro des Direktors, um die letzten Vorbereitungen zu treffen und die Trauerrede durchzugehen.“ Lucas‘ Kopf schoss schlagartig zur Seite, die Augenbrauen in Überraschung emporgedrückt. Er starrte ihn an, als hätte Jaehyun den Verstand verloren. „Wie jetzt? Wird Lip die Trauerrede halten?“ Es klang bereits so absurd in Lucas Ohren, dass er sich ein belustigtes Auflachen nicht verkneifen konnte. Jaehyun nickte kurz aber fest. „Ja. Sie plant das alles hier schon seit Monaten.“

Lucas machte einen Schritt zurück und hob abwehrend die Hände, als ob er damit verhindern konnte, dass Jaehyun weiterhin blödsinnige Worte über die Lippen kamen. „Wir wissen alle, dass sie die Trauerfeier plant. Von der Trauerrede war aber nicht die Rede gewesen.“ Jaehyun drückte seine Schultern kurz hoch und ließ sie unmittelbar danach wieder fallen, als das Lächeln auf seinen Lippen einwenig abklang.

„Ich weiß.“

„Die Frage ist: weiß Jay darüber Bescheid?“

Jaehyun schielte auf die andere Seite des Saals. Seine Augen huschten nur kurz über die Headcheerleaderin, die sich an Jungkook angelehnt hatte, dann schaute er wieder Lucas ins Gesicht. Das Lächeln auf Jaehyuns Lippen war sanft. „Nein. Jungeun hat mich gebeten es Jay nicht zu erzählen.“ Es ist die Wahrheit. Nur leider wusste Jaehyun auch ganz genau, wie das heute für Jungeun ausgehen würde und Lucas Gesichtsausdruck nach zu beurteilen, wusste er es auch.

„Jay wird richtig wütend sein“, sprach Lucas das aus, was Jaehyun schon klar war, als Jungeun ihn eine Woche nach Sunmis Tod darauf angesprochen hatte. Lucas hatte allerdings weniger besorgt, sondern viel mehr amüsiert geklungen. Jaehyun hingegen konnte seinen guten Freund nur belächeln.

„Scheint so. ― wir sollten zu ihnen rüber gehen.“



                                                                                                                     —

Der erboste Ausdruck funkelte intensiv in den dunklen Augen Jimins. Eine furchteinflößende Aura hatte sich um ihn gelegt. Seine blonden Haare fielen ihn in wirren Strähnen ins schneeweiße Gesicht und verliehen ihm eine noch ungeheurere Erscheinung. Verängstigt, wichen ihm die Schülerinnen und Schüler aus dem Weg, um bloß nicht die geballte Ladung seines Zorns auf sich zu ziehen. Obwohl man Jimin häufig und fast Täglich so erlebte wie heute, konnte man sich nicht an seine Wutausbrüche gewöhnen. Es würde immer schrecklich aussehen, wenn ein Monster wütete.

Lediglich ein zierliches Mädchen, die ihre dunkelbraunen Haare in einem hohen geflochtenem Zopf trug, lief unmittelbar hinter ihm. Sie schien keine Angst vor dem tobendem Jungen zu haben, der alles in seiner Nähe zerfetzen würde. Die meisten hier bewunderten Sinjae für ihre Furchtlosigkeit, doch auch Sinjae fürchtete sich vor dem Monster, das ihren besten Freund innewohnte. Sie kannte lediglich ganz genau die Grenzen von Jimin und wusste, dass sie diese nicht überstreiten durfte. Das war auch einer der vielen Gründe, weshalb sie sich nicht einmischte, wenn Jimin aufgebracht war. Auch heute nicht.

Der Ausdruck in Jimins Augen verfinsterte sich augenblicklich, als er die kleine Gestallt erspähte, die in seinem übergroßen Streifenpullover fast schon unterging. Seine dunkelbraunen Haare lagen auch heute unordentlich auf seinem Kopf, passten sich perfekt dem restlichen Chaos seiner Erscheinung an. Eine zerrissene Jeans saß locker um seine dünnen Hüften, darunter die dreckigen Sneaker, die er noch nicht einmal zugeschnürte hatte. Kim Hanbin, alles an dem Jungen schrie nach elendiger Armut und das machte Jimin rasend vor Wut. Mit einer enormen Kraft, die Hanbin beinahe den Boden unter den Füßen weggerissen hätte, rammte Jimin seine Schulter gegen die des ruhigen Künstlers. Erschrocken von der Wucht, stolperte Hanbin einige Schritte zurück und fing sich nur mit der Hilfe von Joy, die blitzschnell ihre Arme um ihn geschlungen hatte. Jimin würdigte den Jungen nicht weiter, der in dem festen Griff seiner guten Freundin zitterte, als hätte der Winter seine fröstelnden Fänge um ihn gelegt. Hanbin starrte dem Teufel persönlich aus großen Augen hinterher, während er versuchte seinen wilden Herzschlag zu beruhigen. Mit bebenden Händen krallte er sich an den weichen Stoff des schwarzen Pullovers fest, welches Joy heute anlässlich der Trauerfeier trug.

„Hanbin?“ Angesprochener riss sein Kopf erschrocken zur Seite, so als hätte er vergessen, dass Joy ihn noch immer festhielt. Joy meinte in seinem Gesicht etwas wie Erkenntnis zu sehen, als würde er sich an etwas erinnern. Besorgt, legte Joy die Stirn in Falten, während sie den Griff um ihren guten Freund etwas lockerte. „Alles in Ordnung?“, fragte Joy vorsichtig, obwohl man von ihr harschere Methoden gewohnt war. Hanbin senkte beschämt den Kopf und befreite sich ausweichend aus ihrem Griff. Das hier war ihm so unglaublich peinlich und kratzte an seinem Stolz. „Es geht schon“, gab er knapp zu verstehen, fuhr sich dabei nachdenklich durch die wilden Haare und linste verstohlen zu Jimin rüber, der sich zu Jiae und den Ranghören Schülern gesellt hatte. Gedrückt, biss er sich auf die Unterlippe, seine Augen huschten unsicher durch den großen Raum, bevor er wieder in die mitleidige Miene Joys schauen musste – und es tat ihm verdammt weh. „Hanbin…“ Joy unterbrach sich selbst, als Hanbin heftig mit dem Kopf schüttelte und schützend die Arme um seinen Körper schlang. Erst das leichte zerren an ihrem Oberteil, entriss Hanbin ihren sorgevollen Blick. Stattdessen starrte Joy nun in die glasigen Augen von Vivi, die sie bis eben völlig vergessen hatte. Joy seufzte laut auf und setzte keine Sekunde darauf ihre strenge Miene auf, als sie Vivi etwas zu fest in die Wange kniff. „Jetzt weine doch nicht, du bist kein Baby mehr!“ Vivi spannte sich an und versuchte tapfer gegen die Tränen zu kämpfen, aber es machte sie so traurig, dass Hanbin zum Sandsack dieses Monsters geworden war. „Das ist nicht fair“, flüsterte Vivi, hoffend das Hanbin sie nicht hören würde, doch irgendwie wusste sie, dass er es sowieso tat. „Das Leben war noch nie fair, wieso würden die Bösen sonst immer gewinnen und die Aufrichtigen verlieren.“

-


„Dieser Gestank von billigem Parfüm für Arme macht mich krank!“, zischte Jimin erbost, als er sich zu seinen Freunden ― minus Jongin ― dazustellte und einen kurzen aber missbilligenden Blick in Richtung Hanbin und Co warf. Dabei entging ihm nicht der geladene Blick von Joy, die ihm gradewegs in die dunklen Augen starrte. Jimin spannte sich unwillkürlich an und schnaubte grimmig aus. Für diese Respektlosigkeit und ihren dämlichen Übermut würde sie noch einen hohen Preis bezahlen. Auch den anderen war der stirnbietende Ausdruck auf Joys Gesicht aufgefallen, was einige von ihnen nur belustigt belächeln konnten, während andere verachtungsvoll planten Joy für ihre Unhöflichkeit zur Rechenschaft zu ziehen.

„Hätte sich Sunmi nicht mit billigen Geschöpfen dieser Rangklasse abgegeben, müssten wir jetzt nicht diesen Armengestank ertragen.“ Lucas zuckte unbeeindruckt mit den Schultern, als er Jimin verstehend auf den Rücken klopft, der lediglich ein verärgertes Knurren ausstieß.

„Ich habe nie verstanden, was sie so toll an ihnen fand.“, warf nun auch Jinsol ein, die sich ihre blonde Haarpracht mit einer geschmeidigen Bewegung hinter ihre Schultern legte und erneut zum Reden ansetzte; „Außer natürlich Jaebum!“ Ihr Kichern war hoch und sie ließ sich nicht von den brandmarkenden Blicken ihrer Freunde beirren. „Er ist extrem heiß!“

Sinjae starrte Jinsol eine Weile wortlos an, bevor sie sich den anderen zuwandte. „Ganz ehrlich Leute, lasst uns nicht vergessen, dass das eine Pflichtveranstaltung ist.“ Sinjae wollte nicht irgendwie Partei ergreifen und sich auch ganz sicher nicht auf die Seite der anderen stellen, aber manchmal verstand sie den enormen Groll gegenüber den Ärmeren nicht. Jaehyun nickte zustimmend, als er seine Hände in die Taschen seiner dunklen Hose gleiten ließ. „Sin hat Recht. Die sind wahrscheinlich nur hier, weil sie müssen, nicht weil sie wollen. Genauso wie wir.“

Lucas lachte belustigt auf, als er Jaehyun einen Arm um die Schulter warf. Das breite Grinsen konnte ihm wohl nichts und niemand von den Lippen wischen. „Seit wann interessieren die sich denn für Regeln?“

                                                                                                                     —



Die Kapuze seines schwarzen Hoodies hatte sich Jaebum tief ins Gesicht gezogen, seine dunklen Augen angespannt auf das schwarze Gerät zwischen seinen großen Händen fixiert. Blasse Bilder flackerten ihm entgegen, während er wie wild mit seinem Daumen auf dem Display herumtrommelte. Wonho hatte ihm vor einigen Wochen das Spiel Darkness Rises empfohlen. Hätte Jaebum gewusst, wie süchtig dieses Spiel machen konnte und wie viel Nerven es ihn kosten würde, hätte er dieses Abenteuer nie gestartet. „Verdammt!“ Jaebums plötzliches auffahren, ließ Wonho überrascht zusammenfahren. Die Überraschung in seinem Gesicht legte sich allerdings schnell, als ihm die grimmige Miene seines Freundes entgegenstarrte. Stattdessen entfuhr ihm ein äußerst amüsiertes Lachen, als er Jaebum auf den Rücken klopfte. „Schon wieder verloren, Großer?“ Die Tatsache, dass Wonho sich über ihn lustig machte, tat seiner Laune nicht grade gut. Ungeachtet seiner Kraft, schlug Jaebum die Hand seines besten Freundes weg, während er ihn aufgebracht aus seinen dunklen Augen anfunkelte. „Halt die Fresse!“

Sein Handy schob Jaebum in die große Tasche seines Hoodies. Der belustigte Ausdruck auf Wonhos Gesichtszügen kotze ihn immer noch gewaltig an. „Ich lasse die Idioten gewinnen, nur dass das klar ist.“, merkte Jaebum beiläufig an, seine Stimme noch immer triefend vor Zorn. Damit entlockte er dem Blonden allerdings nur ein weiteres Lachen, lauter als das davor. „Natürlich tust du das.“ Jaebum verdrehte erbost die Augen, ehe er Wonho kräftig gegen die Schulter schlug. Dieser zischte einwenig auf, was Jaebum augenblicklich ein zufriedenes Grinsen auf die Lippen zauberte. „Verdammtes Arschloch“, fluchte Wonho noch immer belustigt und schlug fast genauso fest zurück.

„Ich bin überrascht, dass du überhaupt aufgetaucht bist.“ Mit der Erkenntnis, wo Wonho sich grade befand, schien seine Laune augenblicklich zu kippen. Er erinnerte sich wieder daran, dass er heute den gesamten Vormittag hier festsaß.

„Wir wurden schließlich ausdrücklich darum gezwungen. Ich kann es mir nicht leisten aus dem Team zu fliegen. Einfach unglaublich was für einen Einfluss diese Bitch auch nach ihrem Tod noch hat.

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Lisa rammte mit voller Kraft ihren Ellenbogen in die Rippen von Chanyeol, der sich sofort vor Schmerzen krümmte und seine Arme um seinen Bauch schlang. „Verdammter Mist“, schnauzte Chanyeol verärgert und baute sich keine Sekunde darauf vor Lisa auf. Er überragte sie um einiges, doch Lisa ließ sich überhaupt nicht von ihm einschüchtern. „Was sollte der Scheiß, Bitch?!“, beschwerte sich Chanyeol aufgebracht, was die Blondine alleinig mit einem genauso aggressivem Schnauben registrierte.

„Bist du letzte Nacht vor lautem Alkoholkonsum etwa Farbenblind geworden? Dresscode schwarz du Weichei!“, meckerte Lisa, die Hände dominant gegen ihre Hüften gestemmt. Chanyeol kräuselte lediglich die Nase, als er kurz an sich hinunterschaute. Der rote Pullover schien wohl nicht ganz den Vorschriften für den heutigen Tag zu entsprechen, aber genauso wenig tat es sein Inneres. Er war nicht traurig darüber, dass Sunmi gestorben war – und das Traurig Sein war eine Voraussetzung zum Trauern, oder etwa nicht?

„Dresscode für die, die um Sunmi trauern wollen.“ Ein dämliches Grinsen schlich sich auf die Lippen von Chanyeol, der abwechselnd zwischen Taehyung und Lisa hin- und herschaute. „Ich werde heute feiern, dass diese Bitch endlich ins Grass gebissen hat“, hing er stolz hinterher und entlockte Taehyung ein ähnlich dämliches Grinsen, wie er es auf seinen eigenen Lippen trug. Auch Lisas Mundwinkel zuckten verdächtig.

„Gut, dass ich was zum Trinken mithabe!“ Taehyung hielt die schwarze Tasche hoch, verschmitzt lächelnd. „Du spinnst“, rief Lisa aus, ebenfalls nicht abgeneigt von dem Gedanken einige Flaschen zu kippen. „Hast du schon wieder Alkohol reingeschmuggelt?“, setzte sie hinten an, kannte die Antwort auf ihre Frage aber bereits.

„Die bescheuerte Trauerfeier kann starten!“

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Ich frage mich, ob ich in die Hölle kommen werde. Hinter meinem Rücken nannten sie mich ein Monsterund diese gehörten doch in die Hölle.Definierte das mein wahres Ich?War ich tatsächlich das Monster dieser Geschichte?




„Hallo.

Jungeun räusperte sich. Ihre dunklen Augen verfingen sich in der großen Mengen an Menschen, die alle hier saßen, um sich von einem Mädchen zu verabschieden, dessen wahres ich wahrscheinlich niemand wirklich gekannt hatte.

Wir haben uns heute hier zusammengefunden, weil die Zeit gekommen ist um Abschied von Lee Sunmi zu nehmen. Ein Abschied, den wir schon zu lange aufgeschoben haben, weil wir noch nicht bereit dazu waren und es wahrscheinlich auch niemals wirklich sein werden.

Leere Gesichter. Jungeun starrte in leere Gesichter, kaum einer schien in Trauer über den Tod der 17 Jährigen zu sein. Es war eher Mitleid, das in ihren glasigen Augen funkelten. Mitleid dafür, dass ein junges Mädchen zu früh gestorben war.

Der Selbstmord von Sunmi war ein großer Schock für uns alle. Für mich, weil sie grade mal so alt war wie ich. Für euch, weil alle, die Sie hier sind, eine ganz individuelle Geschichte mit Sunmi gehabt haben.

Die Entscheidung ihrem Leben ein Ende zu setzen, hinterlässt uns mit  unzählige Fragen und Schuldgefühlen, die uns bis ans Ende unseres Leben begleiten werden. Wir werden uns immer Fragen, ob wir Schuld an Sunmis Tod sind; weil wir zu wenig getan haben, weil wir zu wenig bemerkt haben.

Jungeun wusste wie sich Schuldgefühle anfühlten, vielleicht brachte das ihre Stimme zum Zittern. Sie hielt kurz inne, ihre glasigen Augen huschten über die fremden und die bekannten Gesichter, alle trugen die selbe Maske. Auch Jungeun. Denn statt der Trauer, die sie den Menschen vorspielte, verspürte sie nur Erleichterung, darüber, dass Sunmi nicht mehr existierte. Vielleicht rührten daher ihre Schuldgefühle. Schuldgefühle, weil sie nicht trauerte.

Ich, und so viele andere hier, hatten Soyeon als einen hilfsbereiten und stets freundlichen Menschen kennengelernt, die immer ein offenes Ohr und ein herzliches Lächeln für ihre Mitmenschen hatte. Es ist erschreckend und schmerzhaft, dass ein so fröhliches und engagiertes Mädchen, dermaßen verzweifelt war, um sich das eigene Leben zu nehmen.

Lügen. Auf Lügen hatte Sunmi ihr Imperium aufgebaut, das auch nach ihrem Tod von dem von ihr erschaffenem Lügengerüst gehalten wurde. Ein Lügengerüst, in dem soviel mehr Schüler verwickelt waren. Schüler, die heute hier saßen, oder wie Jungeun, eine Trauerrede hielten, die auch nur auf diesen Lügen basierten.

Sie hatte viele Freunde gehabt und war selbst stets eine gute Freundin für uns alle gewesen ―“

Bullshit!“

Jungeun verstummte augenblicklich, schockiert über den plötzlichen Ausbruch aus der vorletzten Reihe. Ein Stuhl wurde geräuschvoll zurückgeschoben und ein Junge im roten Pullover erhob sich von seinem Platz, in seiner Hand eine Flasche Alkohol, die er mit boshafter Miene empor streckte.

„Auf den Tod von Sunmi und darauf, dass diese Bitch einmal in ihrem Leben etwas richtig gemacht hat! PROST!“



a n o e s i s
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