Des armen Narren Rettung?

von Firiel
GeschichteFantasy, Freundschaft / P18
17.03.2019
05.04.2020
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02 - Flüstern im Dunkeln



Wie Indrys da hineingeraten war, das fragte sich die Junge Bosmer auch etliche Wochen später noch und gerade wieder, als sie auf dem Heimweg von ihrem letzten Auftrag war. Nein, kein Banditenlager auslöschen... nun, jedenfalls nicht direkt. Auslöschen dennoch.
Gut zwei Wochen nach ihrer Begnung mit Cicero -den drolligen Kerl hatte sie fast vergessen gehabt- war Indrys in Windhelm gewesen um da nach Aufträgen in der Taverne zu fragen und nachdem sie ein Gerücht auf der Straße aufgeschnappt hatte, war sie Kopfüber ins Chaos gestolpert. Sie hatte sich vergewissern wollen, dass der Junge Aventus Arretino sich nicht in Gefahr brachte, indem er das Schwarze Sakrament durchführte und das Kind hatte sie doch glatt für einen Auftragsmörder der Dunklen Bruderschaft gehalten.
Schön und gut, sie hätte ablehnen können... und sie hatte es versucht, doch der Junge war in seinem Kummer nicht von seinen Gedanken abzubringen gewesen und nachdem sich Indrys erkundigt hatte, wie es in dem besagten Waisenhaus denn stand, war sie zu dem Schluss gekommen, dass es um die Alte Schachtel kaum schade wäre und noch bevor sie den Gedanken beendet hatte, war der Pfeil schon von der Sehne geschossen und hatte Grelods schwarzes Herz durchbohrt.
Indrys wähnte die Sache erledigt und ging ihrem üblichen Tagwerk nach, nachdem sie von dem Jungen ein teures Erbstück erhalten hatte und dafür hatte sie von Belethor ein schönes Sümmchen erhalten. Genug um die Nacht erneut in der Beflaggten Märe zu verbringen -und dieses Mal nicht mitten in der Nacht aufzubrechen- und sich ein ordentliches Frühstück zu gönnen. Sie hatte den Kalten Braten auf Brot kaum hintergeschluckt als ein Kurier in den Schankraum gestolpert gekommen war und lauthals nach ihr gesucht hatte.
Die Nachricht war eindeutig und erschreckend zugleich.
Die Dunkle Bruderschaft -die echte!- wusste von dem Vorfall in Rifton. Hastig hatte Indrys den Brief verbrannt und hatte so getan als wäre nichts, aber damit war die Sache noch lang nicht gegessen.
Am nächsten Morgen war sie nicht in ihrem Bett in der Taverne erwacht sondern auf dem Boden einer Verlassenen Hütte und eine Frau hatte ihr gesagt, was Phase war. Widerstrebend hatte Indrys sich auf das Angebot eingelassen, denn dass die Fremde der schwerere Gegner sein würde, war selbst ihr klar. Aber sie hatte nicht blind einfach  irgendwen getötet.
Indrys hatte jeden befragt, bevor sie ihre Entscheidung gefällt hatte und gleich der Erste hatte ihr die Magensäure aufkochen lassen.
Vasha, dieser Bastard von einem Khajit, hatte doch die Frechheit sich vor einer Frau als „Töchterschänder” vorzustellen. Innerlich hatte Indrys ihre Entscheidung zwar schon gefällt, doch mit zusammemgepressen Kiefer hatte sie die anderen befragt.
Von Alea hatte sie erfahren, dass sie mit sechs Kindern von ihrem Mann sitzen gelassen worden war und auch wenn die Frau sie zuerst mit ihrer schroffen Art an Grelod erinnert hatte, so beschloss Indrys, dass sie diese Frau verschonen würde. Manch einer mochte sie verweichlicht nennen, sie nannte es Prinzipien haben.
Mit dem Söldner Fultheim hatte sie mehr als nur Mitleid. Sie hatte selbst eine ähnliche Arbeit verrichtt und sicher gab es den ein oder anderen der einen BanditenFreund durch sie verloren hatte und Rache war nicht auszuschließen. So beschloss sie, dass auch Fultheim nicht in dieser Nacht und nicht durch sie sein Ende finden würde.
Anstatt Vasha jedoch, wie Grelod, mit einem Schnellen Schuss und einem Pfeil ins Herz zu töten, war Indrys langsam auf den Khajit zugegangen, ihren Dolch gezückt und hinter ihm war sie zum stehen gekommen und in die Hocke gegangen.
„Das ist für die Töchter Tamriels!”, flüsterte sie ihm ins Ohr und der Kater musste gespürt haben, was nun folgte denn alles schien sich angespannt zu haben, doch das würde ihn auch nicht retten. Langsam schlitzte die Klinge die Kehle Vashas auf und das Blut spritzte über ihre Hände und den ganzen Boden. Die anderen „Opfer” wurden nervös, doch Indrys ignorierte sie dann.
Sie hatte sich wieder an Astrid gewandt, die sich köstlich über ihre Arbeit amüsiert hatte und wie Indrys wie versprochen den Schlüssel gab... und noch sehr viel mehr. Indrys hatte doch tatsächlich eine Einladung zur Dunklen Bruderschaft erhalten. Wie viele Augenblicke vergangen waren, in denen sie Astrid nur perplex angestarrt hatte, sich fragend ob das ein Scherz sein musste oder doch nicht, das vermochte sie nun nicht mehr zu sagen, aber die Assassine schien sich darüber amüsiert zu haben. Mehr aus Neugier als aus tatsächlichem Interesse war Indrys dann eine Woche später in Falkenring gewesen und hatte sich auf den Weg zur Zuflucht der Bruderschaft gemacht. Dass die Losung die sie erhalten hatte in der Tat die echte gewesen war, verwunderte Indrys heute noch und kaum dass die gruselige Tür „Willkommen zu Hause” gesagt, viel mehr gekrächzt, hatte, da war der Waldelfe klar, dass sich ihr Leben von nun an rapide ändern würde. Sie hatte einen Tiefen Atemzug genommen und war über ihren Schatten gesprungen, nur um in der Zuflucht von Astrid aufs wärmste begrüßt zu werden.
Auch die anderen Mitglieder der Assassinen-Gilde hatte sie kennen gelernt und musste zugeben, dass sie für Auftragsmörder alle recht... normal war zu viel gesagt, aber wie sie miteinander umgingen war familiärer als sie es von Assassinen erwartet hatte.
Nazir war ihr am sympathischsten, fand Indrys, denn auch wenn er ein wenig grummelig daherkam, meinte er es doch im Inneren gut. Außerdem hatte er ihr die ersten Aufträge gegeben, die sie quer durch Himmelsrand geschickt hatten. Sie hatte beschlossen, sie alle auf einmal zu erledigen und dann erst bei Nazir Bericht zu erstatten. Was hieß, dass sie Lange Zeit unterwegs gewesen war. Begonnen hatte sie mit Beithild in Dämmerstern, war dann nach Windhelm gereist um Ennodius Papius zu erledigen , der nicht weit in den Bergen lebte, und letzlich hatte sie sich um Narfi gekümmert.
Der Rückweg nach Falkenring hatte Indrys durch die Berge geführt und diese Reise war mehr als nur unangenehm gewesen, doch nun schritt sie gut gelaunt durch Falkenring und dachte sich nichts böses. Als sie an der kleinen Stadt Helgen vorbei gekommen war, hatte die Elfe geglaubt, einen Drachen gesehen zu haben, der davon flog, doch das schob sie dann auf die Erschöpfung und die Kälte.
Nach drei Tagen unterwegs wollte sie eigentlich nur noch eines: Die Kalten Klamotten loswerden, was warmes Essen und bis zum nächsten Morgen durchschlafen. An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass es kaum Mittag war. Doch das würde Indrys wohl nicht gegönnt werden, denn kaum dass sie einen Fuß zur Zuflucht hinein gesetzt hatte, spürte die Frau, dass etwas anders war als sonst.
Aufgeregtes Stimmengewirr war zu hören und Astrid wartete nicht, wie sie es sonst tat, am Eingang auf einen. Nein, die gesamte Gruppe hatte sich im großen Hauptraum der Höhle versammelt und, wie Indrys überrascht feststellte, war da noch jemand. Eine nur zu bekannte Gestalt hatte sich zu den Mitgliedern der Dunklen Bruderschaft gesellt und hielt gerade eine Rede davon, wie die Mutter der Nacht allen eine Mutter sei und wie ihr Wort das einzige sei, dem man zu folgen habe. Hinter sich hatte er die große Kiste gestellt, die Indrys jetzt als jene wieder erkannte, die Cicero vor ein paar Wochen auf dem Wagen gehabt hatte.
Das ganze lag zwar einige Zeit zurück, doch sie erinnerte sich lebhaft an den Vorfall und musste lächeln als sie an das Gespräch mit Cicero dachte und seine ehrliche Freude über ihre Hilfe. Die anderen Mitglieder der Dunklen Bruderschaft schienen weniger glücklich über den Gast zu sein und so hielt sich Indrys eher im Hintergrund und hörte zu. Arnbjorn schien die nächste Chance gekommen, Streit zu suchen, doch zu seinem Glück schritt Festus gleich ein, um die Situation zu entschärfen und Indrys gab dem alten Mann im Stillen Recht. Cicero hatte eine lange Reise hinter sich und sie hatte die Probleme, die er gehabt hatte aus Erster Hand mitbekommen. Wäre der Alte nicht eingeschritten, so hätte sie es wohl getan. Doch auch Astrid nahm die Chance wahr, ihren Mann zurecht zu weisen und Indrys hörte zum ersten Mal, welchen Rang der Narr innerhalb der Bruderschaft hatte.
Bewahrer...
Was es damit auf sich haben mochte, würde sie schon noch rausfinden, doch nun galt es erst einmal abzuwarten, wie sich das ganze entwickeln mochte und dann bei Nazir ihren Lohn einszustreichen. Doch ihr entging nicht, dass Astrid ebenfalls recht gereizt erschien. Aber ihre Ermahnung schien das Gespräch beendet zu haben und alle wandten sich wieder ihren eigenen Angelegenheiten zu. Indrys schwankte kurz und beschloss, die Chance zu nutzen und Cicero gleich zu begrüßen. Er war so in seinen kleinen Vortrag vertieft gewesen, dass er sie gar nicht bemerkt hatte. Zudem trug sie nun die Rüstung der Dunklen Bruderschaft und ihr Gesicht war verhüllt.
„Ich freue mich, dich wieder zu sehen”, begrüßte sie den Narren, der sie erst etwas verwirrt ansah, doch diese Miene wich einen breiten Grinsen, als sie ihre Kapuze zurückschlug und ihr Gesicht zu erkennen gab.
„Haha~, ich kenn dich doch!”, rief er aus und hüpfte kurz. „Von der Straße, genau! Du hast Cicero geholfen als der Wagen kaputt war. Loreius hat uns dann geholfen... Cicero und die Mutter der Nacht konnten ihren Weg fortsetzen...Hierher, zur Zuflucht, wo Cicero die Nette Frau wiedertreffen kann. Haha, herrlich!”
Indrys konnte über die wilde Euphorie des Mannes nur schmunzeln und wartete, bis er wieder halbwegs ruhig war, so dass man ihn ansprechen konnte. Nun, da sie wusste, dass er zu den Assassinen gehörte, brannten ihr so ein paar Fragen unter den Nägeln und auch wenn er vielleicht nicht die beste Adresse dafür war, so lohnte es sich doch es einfach mal zu probieren.
„Cicero sag mal...”, begann sie und der Narr hielt mit seinem Freudentänzchen inne um sie abwartend zu mustern. Wie schnell er den Wandel von euphorisch tanzend zu ruhig und milde neugierig machte, fand die Elfe faszinierend und fuhr fort. „Astrid nannte dich... Bewahrer oder so. Was genau heißt das?”
„Ah...”, machte er wie ein Dozent dessen Student eine Frage gestellt hatte, die er unbedingt beantworten wollte. „Der Bewahrer kümmert sich um unsere unheilige Dame. Ölt und salbt den Körper der Mutter und führt regelmäßige Weihungen durch, falls sie mit einem Zuhörer in Kontakt treten will. Ihr Körper muss geschützt bleiben, versteht ihr. Und für den Fall das der... ”, Cicero unterbrach sich und Indrys glaubte einen traurigen Ausdruck über sein Gesicht huschen zu sehen, ehe er wieder ein Lächeln aufsetzte, doch irgendwie wirkte es... falsch.
„Du kümmerst dich um die Überreste der Mutter der Nacht, versteh ich das richtig?”
Der Narr nickte eifrig, das schien aber auch alles zu sein, was er sagen wollte und sie kam zu dem Schluss, ihn nicht weiter zu befragen. Sie wollte ihn schließlich nicht dazu zwingen über Dinge zu reden, die ihm noch unangenehm wären. Sie schenkte dem Mann ein aufmunterndes Lächeln, wie sie es schon in der Nacht getan hatte, als sie unter dem Wagen ausgeharrt hatten und wandte sich ab.
"Ich geh mir erst mal meine Bezahlung abholen, aber ich hoffe man sieht sich hier öfter.”, sagte sie über die Schulter an ihn gewandt und zwinkerte kurz „Vielleicht kann ich ja demnächst einen Kuchen besorgen?”
Cicero schien diese Andeutung zu verstehen, denn sein Lächeln wurde eine Spur breiter und schließlich trennten sich ihre Wege. Er kümmerte sich um den Sarg der Mutter der Nacht, sie aber suchte Nazir auf der es sich im Esszimmer mehr oder minder bequem gemacht hatte.
„Komischer Vogel, eh?”, machte der Rothwardone und gönnte sich einen Schluck Wein, während sich Indrys mit einem Schulterzucken auf einen Freien Stuhl setzte.
„Hab schon schlimmere getroffen!”, meinte sie und nahm sich einen Apfel um den zu zerteilen, ehe sie an einem Stückchen zu knabbern begann. „Ich hab ihn schon mal gesehen!”, gestand sie nach wenigen Sekunden und Nazir musterte sie verwundert. Sie aß schweigend noch ein Stück Apfel, bevor sie ihm die Geschichte vom Loreiushof erzählte, dabei aber auslies, dass sie begonnen hatte den „komischen Vogel” ganz nett zu finden. Nazir schien das ganze weder gut noch schlecht zu finden, er zuckte nur mit den Schultern.
„Ich maß mir da kein Urteil an. Dann kennst du ihn ein bisschen besser, ist doch nicht schlecht. Ich hab meine Meinung und du deine. Und nur weil er ein seltsamer Kauz ist, muss er kein schlechter Mensch sein. Warten wir's ab. Aber nun zu den Aufträgen. Hast du sie erledigt?”
„Jap!”
„Alle drei tot?”
„Mausetot!”
„Sehr gut!”, brummte Nazir zufrieden und holte einen kleinen Lederbeutel hervor. „Damit dürfte alles abgedeckt sein. Deine Reisekosten und ein bisschen was extra weil es so flott ging.  Aber du solltest mal mit Astrid reden, die hat einen Auftrag für dich!”





Der Auftrag, wie sich herausstellte, ähnelte ihrer ursprünglichen Tätigkeit, die sie ausgeführt hatte bevor sie mehr oder minder in die Dunkle Bruderschaft gestolpert war, denn die Frau in Markarth die die aufsuchen sollte, trug ihr auf den Räuber Alain Dufont zu töten. Ihr wurde auch ein Bonus versprochen, doch sie entschied von vornherein diese Chance nicht wahrzunehmen. Nilsine hatte ihrer Auftraggeberin wahrscheinlich nicht mal direkt was getan sondern nur den Worten des Familienoberhauptes gehorcht was das anging und Indrys hatte nach wie vor ihre Prinzipien. Lustig wenn man ihre Stellung bedachte, doch so war es nun einmal.
Die Sache in der Zwergenruine hatte sich relativ schnell erledigt, zumindest für ihre Standards und die Reise dahin mal ausgenommen, denn von Markath nach Windhelm war es nach wie vor kein Katzensprung. Genau genommen war man fast einen Tag unterwegs wenn man sich keine Pause gönnte.
Kurz gesagt: Ein paar Pfeile und die Sache war erledigt, Indrys somit schnell wieder auf dem Weg zurück in die Zuflucht der Dunklen Bruderschaft.
Dort erwartete sie erneug eine Überraschung und das in Form einer recht aufgebrachten Astrid. Sie lehnte zwar wie immer nonchalant am Türrahmen zum Hauptraum aber man konnte ihr ansehen, dass sie ein bisschen aufgekratzt war.
„Na, wie war der erste richtige Auftrag?”, erkundigte sie sich bei Indrys die kurz fragend die Brauen hob. Sah sie die Aufträge von Nazir als „nicht-echt” an und wenn ja, so fragte sich die Bosmer, was war denn bitte der Unterschied?
„War interessant, gelinde gesagt!”, gab sie zu und Astrid trat sprichwörtlich von einem Bein aufs andere. „Was ist los?”, hakte Indrys deshalb nach und wurde von der Assassine näher herangewinkt. Als sie so nah beieinander standen, dass Arnbjorn sauer geworden wäre, hätte er das gesehen, begann Astrid zu erzählen:
„Es geht um diesen kleinen Narren, Cicero!”, begann sie hastig und sah Indrys beschwörend an, als wolle sie sie bitten ihr zu glauben. „Er ist vollkommen irre! Er schließt sich andauernd in dem Raum ein, wo der Sarg der Mutter der Nacht steht und redet. Gedämpft aber gehetzt klingt dieser Idiot, fast als hätte er Angst erwischt zu werden” Der Blick mit dem Astrid sie bedachte schien zu sagen, dass man doch wissen müsse, was das zu bedeuten hatte doch die Elfe zuckte nur mit den Schultern. Dass Cicero nicht gerade der besonnenste Mensch war, war schließlich nichts neues, sogar für sie die ihn im Grunde sympathisch fand.
„Dann führt er halt Selbstgespräche, na und?”
„Das sind keine Selbstgespräche!”, widersprach Astrid überzeugt und Indrys fragte sich kurz, wer denn hier nicht ganz bei Sinnen war. „Dieser Verrückte plant etwas, da bin ich mir sicher. Wir müssen herausfinden, was er da macht...”
„Meinst du nicht, dass du etwas übertreibst?”
„Besser das, als dass unserer Familie etwas zustößt, findest du nicht?”
Widerstrebend nickte Indrys und ließ es zu, dass Astrid sie am Arm regelrecht in den Hauptraum und dann den Korridor zog, in dem es zu den einzelnen Schlafzimmern ging.
„Ich will dass du rausfindest, was er im Schilde führt!”, trug sie ihr auf und Indrys sah sie erneut verständnislos an.
„Wie soll ich das denn bitte anstellen?”
„Belausch ihn, wenn er wieder eines dieser Gespräche führt. Versteck dich in dem Raum und warte ab, was passiert!”
Das konnte doch nicht ihr ernst sein!Abgesehen davon, dass es vollkommen an den Haaren herbeigezogen war, war es auch noch eine ziemlich miese Sache jemanden zu belauschen der für sich sein wollte. Hinzu kam die Frage:
„Und wo soll ich mich verstecken?
”„Im Sarg der Mutter der Nacht!”
„Vergiss es!”
„Indrys!”
„Nein!”
Indrys!”
Astrid klang mehr als nur gereizt und sie sah wie deren Hand am Knauf des Dolches lag. Offenbar gab es in dieser Situation nur „Alles oder Nichts” Und wenn sie nicht sterben wollte, dann musste sie wohl oder übel in den sauren Apfel beißen und Cicero belauschen. Noch einmal holte sie tief Luft und fühlte sich wie Dreck, als sie schließlich nachgab. Hatte sie denn eine andere Wahl?
„Fein, fein ich mach es! Aber ich tu's nicht gern und das da...”, sie nickte in Richtung Dolch „... ist auch der einzige Grund”
Damit ließ sie Astrid zurück und schlich sich in den Raum, in dem Cicero den Sarg der Mutter der Nacht aufgestellt hatte. Die Tür schloss sie vorsorglich hinter sich und lauschte ein paar Augenblicke, um Sicherzugehen, dass auch niemand kam, ehe sie sich daran machte, das Schloss zu knacken, das den Sarg verschloss hielt. Auch wenn Schleichen und Heimlichkeit ihr Metier war, Schlossknacken bedurfte bei ihr nach wie vor noch etwas Übung, weshalb das ein paar Sekunden in Anspruch nahm. Als der Sarg sich öffnete, schlug ihr ein recht übler Geruch entgegen. Leichen rochen nie gut, ganz gleich wie gut sie erhalten waren und der Duft von Verwesung gepaart mit dem herbsüßen Öl das Cicero wohl nahm um die Leiche zu erhalten war das eine Mischung die man ungern in der Nase hatte.
„Ich kann nicht glauben dass ich das wirklich tue!”, murmelte sie leise zu sich, nicht wissend dass sie damit ihr Leben ein weiteres Mal auf den Kopf stellen würde. Ein letzter Atemzug frische Luft und dann stellte sie sich so dicht vor die Leiche, wie sie konnte, ohne ihr zu nah zu kommen und aber gleichzeitig den Sarg wieder schließen zu können.
Keine Sekunde zu früh, denn sie hörte wie Cicero summend den Raum betrat.







Ein fröhliches Liedlein summend ging Cicero zu seiner Mutter.
Endlich war er allein... so viele Stimmen, so viele Menschen...oder nicht-Menschen... So viel, so viel, so viel. Alle redeten, alle atmeten... Er konnte die Stille nicht mehr hören, konnte das Lachen nicht mehr hören, sie nicht mehr hören. Doch sie hörte er nie, niemand hörte sie. Es gab niemanden der die Mutter hätte hören können. Die letzte Person die die Stimme der Mutter vernommen hatte war tot, tot, tot schon seit mehreren Jahren. Und die Mutter der Nacht hatte sich seither niemanden mehr zu erkennen gegeben. Ihre Stimme ungehört, die heiligen Worte ungesagt und Cicero in Stille gefangen.
Wieso nur, wieso sprach sie nicht zu ihm? War er unwürdig? Hatte er die Mutter verärgert? Er kümmerte sich doch so gut um sie,warum wollte sie ihn ihre süße  Stimme nicht hören lassen. Cicero hätte weinen mögen, doch stattdessen drang nur das kreischende Lachen aus seinem Mund, das Lachen des Narren, dass ihn bis in seine Träume verfolgte. Das Lachen, das Lachen, das Lachen!
„Ich hab mit den anderen gesprochen Mutter”, fuhr er an den Sarg gewandt fort. Er sprach dennoch mit ihr, ganz gleich ob sie ihn erhören würde oder nicht. Wenigstens hatte er jemanden der ihn nicht verurteilte und wenn doch, dann wusste er es nicht. So war sie zu seiner einzigen Vertrauten geworden. „Ein paar werden mir sicher Gehör schenken -anders als Ihr-...sie erinnern sich an die Alten Wege. Der Zauberer, er wird es gutheißen ich weiß es. Und habt Ihr-? Nein, nein natürlich nicht. Ihr redet nicht, redet mit niemanden. Nicht mit den anderen, nicht mit dem Armen Cicero. Dabei war Cicero all die Jahre so ein treuer Bewahrer! WIESO... Wieso macht mich das noch so wütend. Nein, Nein. Ganz ruhig, Cicero. Du bist der Bewahrer... Der Bewahrer tut seine Pflicht...”, seine Stimme war von einem trällern zu einem wütenden Kreischen geworden und schließlich abgeklungen zu einem resignierten, fast traurigen Murmeln. „Eines Tages werdet ihr Reden. Cicero weiß es!”
Was Cicero in dem Moment noch nicht wusste war, dass sehr wohl jemand die Stimme der Mutter vernahm und zwar in eben jenen Augenblick!





Indrys hatte angestrengt dem kleinen Anfall Ciceros gelauscht, dabei bedacht so flach und leise wie möglich zu atmen und ein Stein bildete sich im Magen der jungen Elfe. Cicero hoffte scheinbar vergeblich, dass die Mutter der Nacht zu ihm sprach, was auch immer das heißen mochte, und hatte Jahre damit zugebracht darauf zu hoffen, nur um wieder und wieder enttäuscht zu werden und in Stille zu verharren. Indrys biss sich auf die Lippen und ein mitleidigen Seufzer zu unterdrücken als das zu ihr durchsickerte. Am liebsten hätte sie den Sarg verlassen und und Cicero umarmt. Nur wäre dann Astrids toller Plan aufgeflogen und er würde sie mit großer Wahrscheinlichkeit erstechen.
Sie glaubte die Sache schon ausgestanden, da hörte Indrys eine Stimme und es war nicht die Ciceros. Um einen Schrei zu unterdrücken schlug sie die Hand vor den Mund und presste die Lippen zusammen. Eine Stimme, kalt und rau wie die einer Toten sprach zu ihr.
Armer Cicero. Der Bewahrer wird meine Stimme niemals vernehmen können... und es wird ihn verzehren...
Nein, das war nicht wahr! Das durfte nicht wahr sein. Indrys Atmung ging nun flach und hastig und sie hoffte, hoffte inständig sich verhört zu haben. Das konnte nicht sein. Und doch gab es keine andere Möglichkeit. Die Stimme kam von der Leiche der Mutter der Nacht. Das also  hatte Cicero damit gemeint, dass er ihre Stimme nich hören könne und nun war es ausgerechnet sie, eine Waldelfe, die kaum einen Monat bei der Dunklen Bruderschaft verweilte, die die Stimme der angebeteten Mutter der Nacht vernahm.
'Warum Ich?', dachte sie verzweifelt, nicht wissend was sie nun tun sollte.
Ich habe einen Auftrag für dich, mein Kind. Gehe in die Ruine von Volunruud und sprich mit dem Mann namens Armaud Motierre!”, schallte die unheimliche Stimme wieder in Indryss Kopf und dieses Mal gab es keinen Zweifel. Die Mutter der Nacht sprach zu ihr. Die Aufgabe bekam sie nur am Rande mit, denn diese Tatsache zu verabeiten war ein hartes Stück Brot das es zu schlucken galt. Draußen gab sich Cicero immer mehr der Verzweiflung hin, weil die Mutter weder zu ihm Sprechen wollte -was Indrys nur zu gern an ihn abgetreten hätte!- noch zu einem anderen wie es schien und das obwohl er laut seinen Worten so viel Kraft in die Sache gesteckt hatte. Die Ironie tat schon fast weh!
Sag Cicero, dass es an der Zeit ist. Diese Worte hat er all die Jahre hören wollen und nun wirst du sie ihm überbringen: Dunkelheit erhebt sich, wenn die Stille stirbt!
Bevor Indrys begreifen konnte, was sie da hörte und was überhaupt geschah, öffnete sich die Tür des Sarges...


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Und da haben wir es auch schon, Kapitel Zwei.
Es ist ein bisschen flotter im Tempo als das erste und weniger Detailreich und das ist im Grunde auch Absicht, denn ich wollte mich in der Geschichte gar nicht so lange mit den Ereignissen der Questline aufhalten. Ganz überspringen wollte ich es aber dennoch nicht um ein bisschen mehr auf die einzelnen Charaktere und die Beziehungen zueinander einzugehen und die Handlungen aus dem Spiel sind da quasi nur das Drumherum.
Ich bedanke mich herzlich noch einmal bei allen, die mir ein bisschen Rückmeldung zu der Geschichte gegeben haben, sei es mit einem Review oder per Mail. Beides freut mich sehr und wem etwas auf dem Herzen liegt (zur Story) der kann sich gern bei mir melden.
Ich wünsche noch viel Spaß beim Lesen

LG Firiel
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