Des armen Narren Rettung?

von Firiel
GeschichteFantasy, Freundschaft / P18
17.03.2019
11.10.2019
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Das verspätete Begräbnis



Es war ein ruhiger Tag als Indrys in der Nähe von Weißlauf ihre Runde drehte. Lange war die junge Waldelfe noch nicht in Himmelsrand, höchstens ein paar Monate. Seither war sie von Fürstentum zu Fürstentum gezogen hatte in den dortigen Tavernen geschlafen und sich ihr Geld damit verdient, Banditenlager auszulöschen und dafür ein bisschen Gold und die Anerkennung der Jarl zu erhalten. Letzteres natürlich nur auf dem Papier, als ob die hohen Herren sich mit einer einfachen Söldnerin abgeben würden, geschweige denn der schmutzigen Arbeit, die sie verrichtete um sich den Bauch zu füllen, wirkliche Anerkennung zu zollen. Aber sei's drum, es war ein sicheres Einkommen und Indrys musste nicht hungern. Außerdem kam sie so mit ziemlich interessanten Leuten ins Gespräch. Gerade lief sie die Straße an den Ställen vor Weißlauf vorbei -auf dem Weg in die Beflaggte Märe um Hulda nach Arbeit zu fragen- da hörte sie wie Uthgerd sich mit einem der Männer unterhielt die am Hof arbeiteten.
Was die beiden da besprachen, klang in den spitzen Ohren von Indrys nahezu lachhaft. Ein Narr der mit einer Kiste am Wegesrand festhing und wahrscheinlich fluchte was die Stimmbänder hergaben, so lautete Uthgerds Behauptung und die Bosmer winkte das im Vorbeigehen mit einem schiefen Lächeln ab, ehe sie ihren Weg ins Stadtinnere von Weißlauf fortsetzte.
Als Indrys das Stadttor passierte, fiel ihr Blick auf den Horizont und ein mulmiges Gefühl machte sich in ihrer Magengegend breit. Da zogen ganz schön finstere Wolken auf, die sich nach und nach immer weiter auftürmten. Bei dem Wetter das sich hier ankündigte, sollte man wahrlich nicht draußen bleiben. Den Kopf schüttelnd um sich von diesen Gedanken wieder zu lösen, bahnte sich Indrys den Weg durch die Stadt und hielt geradewegs auf die Taverne am Markt zu. Gerade als sie durch die Tür schritt und sie warmes Licht und die Wärme des Feuers in der Mitte des Schankraumes Willkommen hießen, war am Horizont ein lautes Grollen zu hören.
„Nicht dran Denken, Indrys. Der Narr hat bestimmt Unterschlupf bei Loreius gefunden...”, murmelte sie leise zu sich selbst als sie sich dem Tresen näherte, wo Hulda sie schon mit einem freundlichen Lächeln begrüßte. Es war nicht das erste Mal, dass die Waldelfe Unterschlupf für die Nacht in der Taverne suchte und würde auch nicht das letzte Mal sein. Hulda und ihre Freundin, deren Name Indrys dauernd entfiel, machten gutes Essen und das Zimmer, dass sie immer mieten konnte war bezahlbar und sauber.
„Hallo, meine Liebe. Dasselbe wie immer?”, erkundigte sich Hulda und hatte schon einen Becher in der Hand um ihn mit etwas Met zu füllen, den Indrys für gewöhnlich zu trinken pflegte, wenn sie in Weißlauf einkehrte. Die Frau nickte und setzte sich direkt an den Tresen.
„Wie schaut es aus? Hast du was für mich?”, fragte sie die Tavernenbesitzerin als diese ihr den Becher vor die Nase stellte, zusammen mit einer großen Schüssel Wildeintopf und einem Stück Brot dazu. Es roch wahrlich lecker was sie da gezaubert hatten und wie Hulda das in dieser schweren Zeit -immerhin herrschte mehr oder weniger Krieg- zu Stande brachte, würde wohl ewig ein Rätsel bleiben. Auf ihre Frage hin bekam Indrys ein kurzes Zwinkern und dann schob Hulda ihr einen Steckbrief zu.
„Wieder eine ganze Bande?”, erkundigte Indrys sich nachdem sie sich einen großen Bissen Brot gegönnt hatte und Hulda nickte nur.
"Haben versucht die Honigbräu Brauerrei leerzuräumen und sind mit dem Gold abgehauen. Die Wachen haben sie bis Grauwinterwacht verfolgen können, aber da war dann ein Troll und gegen den waren sie wohl nicht gut genug gerüstet. Ob die noch da sind weiß ich nicht, aber da findest du auf jeden Fall erste Hinweise”, meinte die Wirtin und zuckte nur mit den Schultern. Indrys nahm das mit einem Nicken zur Kenntnis und widmete sich in aller Ruhe wieder ihrem Eintopf. Der Trieb einem wahrlich die Kälte aus den Knochen und schmeckte noch dazu vorzüglich.

Nachdem der erste Hunger gestillt war und Indrys sich nun schon den zweiten Becher Met gönnte, am Feuer mit den anderen Gästen -darunter auch Uthgerd, da hörte man es laut grollen und der Regen begann auf das Strohdach zu prasseln. Das würde eine ungemütliche Nacht werden für jeden der nicht das Glück hatte, einen Unterschlupf gefunden zu haben. Indrys' Blick wanderte zu Uthgerd und wieder kam ihr der Narr in den Sinn, der laut deren Aussage irgendwo im Nirgendwo gestrandet zu sein schien.
'Jetzt mach aber mal halblang, der wird ja schon eine Weile unterwegs sein... Der kommt schon klar!', dachte sie sich dann und vertrieb den Narren gewaltsam aus ihren Gedanken. Der Met und das warme Feuer, sowie ein paar lustige Lieder des Barden Mikaels taten ihr übriges und Indrys hatte das ganze im Nu vergessen..Zumindest so lange bis sie zu späterer Stunde im Bett lag. Sie hatte ihr übliches Zimmer gemietet und trug nur noch ihre Unterkleider zum Schlafen, einen Dolch hatte sie jedoch immer unter dem Kissen. Nur für den Fall...
Indrys fand einfach keinen Schlaf und draußen tobte es immer noch. Wenn sie sich nicht gar zu sehr verhörte, dann pustete auch ein ordentlicher Wind, von dem sturzbachartigen Regen und dem Rumoren am Himmel ganz zu schweigen. Es war als wäre der Ganze Himmel in Aufruhr und Indrys fragte sich, was die Acht Göttlichen denn derart verärgert haben könnte? Nun war sie zwar nicht derart religiös aber solches Wetter hatte man selbst im Rauen Himmelsrand nicht oft.
„Das darf doch nicht wahr sein...”, murrte sie frustriert als sie wieder an den Narren dachte. Die Nacht hatte ihren Zenit längst überschritten und sie machte sich mit ihren Sorgen wohl lächerlich aber es wollte sie einfach nicht loslassen und das obwohl es steil auf die Morgenstunden zuging. Sie würde ohnehin nicht vor der Dämmerung an dem Ort sein, wo sich der Arme Narr laut Uthgerd aufhalten sollte also warum-...
Ehe sie sich selbst schelten konnte, war Indrys schon aufgestanden und legte ihre Rüstung wieder an. Sie trug eher leichte Sachen aus Leder. Nicht etwa weil  eine Schwere Rüstung für sie als Frau schwerer wäre sondern weil es einfach besser zu ihrem Kampfstil passte. Die Waldelfe verließ sich lieber auf einen Präzisen Schuss in den Rücken -wahlweise auch Auge- als mit dem Schwert wild brüllend drauf los zu stürmen. Ab und zu griff sie auch zu einem Messer aber dann schlich sie zumeist so nah an ihre Opfer dass sie ihnen einfach die Kehle durchschneiden konnte und Banditen waren eher simpel gestrickt weshalb sie so leicht Geld verdienen konnte.Sich selbst und den Narren verfluchend wickelte sich Indrys in ihren Umhang, schulterte ihr Gepäck und ihre Waffen -ihr ganzer Stolz war der Bogen nach der Art ihres Volkes gefertigt, ein Erbstück ihrer Mutter- und war auch schon zur Tür raus.
Sie wurde von einem kalten Schauer und eisigem Wind begrüßt.
„Wehe der Idiot ist nicht da, ich dreh dem nächstbesten den Hals um...”, fluchte sie vor sich hin, während sie durch den Regen laufend den Weg aus der Stadt nahm und dann querfeldein in Richtung Norden ging...






Das durfte doch nicht wahr sein. Er wurde von Pech verfolgt, jawohl vom Pech!
Dieses dämliche Wagenrad verhöhnte ihn! Verhöhnte den armen Cicero, nachdem es die Frechheit besessen hatte, abzubrechen. Durften Räder das überhaupt? War ihre Aufgabe nicht, ganz zu bleiben und den Wagen sicher an sein Ziel zu bringen? Dieses hier hatte ganz offenbar versagt!?
Aber nicht nur die Tatsache, dass der Wagen nicht mehr fuhr, machten Cicero unsagbar wütend. Himmelsrand an sich brachten das Blut des Narren zum kochen. Es war kalt. Die Luft war kalt, das Land war kalt, sogar die Menschen waren kalt, kalt, kalt!
Cicero hatte um Hilfe gebeten, mehr als einmal.
Den Besitzer des Hofes, der keinen Steinwurf entfernt war, hatte er gefragt, ob er das Rad reparieren könne, doch der hatte ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen. Dummer Bauer! Und die Wachen von Pale die regelmäßig unterwegs patrouillierten waren keinen Deut besser! Hatten ihn ausgelacht und waren weiter gegangen als der arme Cicero gebeten hatte, sie mögen einen Zimmermann in der Stadt von seinem Problem erzählen. Er konnte ja nicht einfach selbst gehen. Seine Mutter durfte er nicht allein lassen schon gar nicht bei dem Wetter.
Dieses verdammte Wetter!
Seit Stunden goss es wie aus Eimern, seine Kleidung klebte an ihm wie eine zweite Haut und der kalte Wind machte das ganze noch schlimmer. Als die ersten Tropfen gefallen waren, hatte Cicero noch einmal bei dem Bauern geklopft, hatte den Mann namens Loreius gefragt, ob er die Nacht in der angrenzenden Mühle verbringen dürfe, er würde sogar großzügig dafür zahlen. Wieder ein Lachen, wieder wurde ihm die Tür vor der Nase zu gedonnert.
Da saß er nun, unter dem kaputten Wagen, damit der Regen ihn nicht noch nasser werden ließ, zusammengekauert unter einer Decke, die er glücklicherweise dabei gehabt hatte, und hoffte darauf dass diese Tortur bald ein Ende haben würde.
Aber wann hatte sie das je?
Der Regen prasselte so laut, der Wind heulte und der Donner grollte.
Doch das Lachen schwand niemals. Dieses Lachen das die Stille erfüllte. Stille konnte er nicht ertragen, Nein. Die Stille war grausam zu ihm, verhöhnte ihn und das Lachen war da nur ein kleineres Übel. Doch es war Fluch und Segen zu gleich, vor allem wenn er allein war. Und Cicero war immer allein.
Die Stille verschluckte ihn und das wahnsinnige Lachen erfüllte seinen Geist. Er hörte es, wieder und wieder. Da war das wahnwitzige Lachen und das Gesicht des Narren. Nein, Nein, nicht seins... der andere... Welcher andere? Da war nur er...Er war allein, denn seine Mutter sprach nicht. Sie sprach nie...
Schritte? Waren das Schritte?
Nein, das musste sich Cicero einbilden. Loreius würde einen Teufel tun und ihm nun noch zu helfen, so wie er ihn verhöhnt hatte und wer ginge bei dem Wetter schon vor die Tür. Keiner der noch... bei Sinnen war. Der Narr amüsierte sich köstlich über den Scherz und wäre es nicht so nass und verregnet gewesen hätte er den Witz wohl niedergeschrieben.
Das waren eindeutig Schritte. Da kam jemand näher, ohne Zweifel. Cicero war doch nicht verrückt...
Alarmiert zog er seinen Dolch. Ein fein gearbeitetes Stück aus Ebenerz. Ein Mitbringsel aus Bruma, als Cicero noch kein Narr gewesen war...Blödsinn! Er war doch schon immer ein Narr gewesen!
Vorsicht war besser als tot sein, sagte er sich trotz all der wirren Gedanken die den armen Mann in ihrem Griff hielten und so sah er sich mit gezogener Waffe um und da! Da sah er es!
Ein Paar Füße kam zielstrebig näher. Eine Fackel machte bei diesem Wetter keinen Sinn, aber die Person schien eine Öllaterne bei sich zu tragen und ging langsam und bedächtig. War das eine der Wachen? Hatte man ihn verraten und nun waren die Soldaten hinter ihm her? Aber Cicero hatte doch kein Verbrechen begangen. Es war doch nicht seine Schuld, dass das Wagenrad kaputt war und Loreius sich benahm wie ein Arsch...
Cicero erschrak kurz über seine Wortwahl, selbst in Gedanken.
'Nicht vor Mutter fluchen!', ermahnte er sich und beobachtete wie die Füße vor dem Wagen stoppten. Kleine Füße... Entweder ein Jüngling,...oder eine Frau! Cicero wusste nicht warum, aber Frauen waren ihm sympathischer. Sie waren sanfter zu ihm, auch wenn sie alle mit Argwohn auf ihn zugingen.
„Hallo? Ist hier jemand?”
Eindeutig eine Frau... Klang seltsam. Klang besorgt.
Sollte er sie erstechen? Sollte er?
Oder doch nicht. Wollte sie vielleicht helfen? War sie zufällig unterwegs? Nein, bei dem Wetter war keiner auf den Straßen der keinen triftigen Grund hatte.
„Hallo? Ich hab gehört hier bräuchte jemand Hilfe?”
Tatsache... Keine Wache... Niemand der den armen Cicero angreifen wollte. Oder war das ein Trick? Besser mal nachgucken.
Die Waffe immer noch gezückt krabbelte er unter dem Wagen hervor und nahm die Frau genau in Augenschein. So genau wie es bei dem schlechten Licht und dem prasselnden Regen eben ging.
„Mutter... sie ist hübsch...”, stellte er leise murmelnd fest. Viele Frauen waren hübsch. Selbst für Cicero. Aber er tötete sie trotzdem. Zumindest die die ihm was tun wollten.





Indrys hatte schon wieder gehen wollen. Das war doch Wahnsinn bei diesem Wetter in die Pampa zu rennen und nach einem gestrandeten Narren Ausschau zu halten und gerade als sie sich wieder hatte umdrehen wollen, war ihr der Wagen ins Auge gefallen.
„Also doch...”, stellte sie fest und hatte ihre Schritte beschleunigt. Nur um dann festzustellen, dass niemand da war. Wie sie sich das gedacht hatte, war die Person die zu dem Wagen gehörte sicher bei Loreius unter gekommen. Dennoch ging Iriwiel um den Wagen herum und in der Tat war da ein Rad von der Achse gebrochen. Das wäre sicherlich mit ein bisschen Arbeit wieder erledigt, nichts was ein normaler Handwerker nicht hinbekäme und Loreius würde das sicher schaffen. Kein Grund sich Gedanken zu machen. Dennoch...
„Hallo? Ist hier jemand?”, rief sie, laut genug damit man sie in der unmittelbaren Nähe des Wagens hören konnte aber nicht zu laut. Nicht dass noch Wölfe auf die Idee kämen sie wäre ein guter FrühImbiss. War da ein Knacken gewesen? Fast so wie Kies der unter den Sohlen von Schuhen knirschte, fand die Elfe und ging vorsorglich einen Schritt zurück. Nicht dass man dachte sie wäre eine Bedrohung, doch zur Sicherheit zog sie ihren eigenen Dolch. Sie war oft genug in Hinterhalte gerannt um es inzwischen besser zu wissen.
„Hallo? Ich hab gehört hier bräuchte jemand Hilfe?”, rief sie erneut um eventuelle Leute in der Nähe davon zu überzeugen, dass sie keine Gefahr war. Es schien gewirkt zu haben, denn keinen Augenblick später krabbelte jemand unter dem Wagen hervor und Indrys klappte überrascht der Mund auf. Es war tatsächlich ein Narr. Von der Kleidung bis zum Gebahren und der hohen Stimme -auch wenn sie nicht verstehen konnte, was er sagte.
„Geht es dir gut?”, fragte sie deshalb besorgt und sah zwischen dem Narren und dem Wagen hin und her.
„GUT?!”, brüllte dieser und Indrys machte ob des rasanten Stimmungswechsels noch einen Schritt nach hinten, ihre Waffe zwischen sich und den Narren bringend. „Hast du keine Augen im Kopf, das dämliche Rad ist kaputt und ich kann nicht weiter!!!”
'Bei dem Wetter sowieso nicht', dachte sie, verbiss sich den Kommentar aber, denn sie hatte die vage Vermutung, es würde ihn noch mehr reizen. Laut sagte sie also:
„Bleib mal ruhig, ich will dir doch helfen!” und die Miene des Narren wechselte schlagartig von wutverzerrt zu verwundert, fast glücklich und Indrys traute ihren Augen nicht, als er vor ihren Augen im strömenden Regen einen Freudentanz aufführte.
„Hast du bei dem Bauern mal nachgefragt?”, erkundigte sie sich nach dem kleinen Freudenausbruch und der Narr nickte eifrig.
„Hat Cicero gemacht... Aber der Dumme Mann will nicht helfen!”
Indrys klopfte dem Mann in Gedanken auf die Schultern und holte einen Ledertrinkschlauch hervor, der mit ein bisschen Wein aus der Beflaggten Märe gefüllt war und hielt ihm das Teil vor die Nase.
„Hier! Es wärmt zwar nicht wirklich, aber es macht das Wetter erträglicher. Was dagegen, wenn ich dir unter dem Wagen Gesellschaft leiste, bis die Sonne aufgeht? Und morgen kümmer ich mich um Loreius”, fügte sie hastig hinzu und beobachtete den Narren, Cicero wie sie nun wusste, wie er den Trinkschlauch skeptisch beäugte und dann doch aus der Hand nahm um sich einen kleinen Schluck zu gönnen. Ob es gut war, dem Mann in seinem offenkundig seltsamen Geisteszustand auch noch Alkohol zu geben, war fraglich, aber sie hatte gelernt, dass Trinken Leute meist etwas offener machte und das Kennenlernen erleichterte.
„Mylady!”, sagte er mit einem Schmunzeln und wies einladend gen Wagen und Indrys stellte verwundert fest, dass seine Stimme kurz ein paar Takte tiefer geklungen hatte. Fast wie die eines normalen Mannes...
„Danke!”, meinte sie und erwiderte das Lächeln, um der ganzen Situation die Anspannung zu nehmen. Unter dem Schutz des Wagens hockend holte sie noch eine Decke aus ihrem Rucksack, eine sehr alte, und breitete sie auf dem Nassen Boden aus, damit man sich setzen konnte, ehe sie ihren Blick Cicero zu wandte. „Hast du Hunger?”
Der Narr nickte kaum merklich und Indrys holte milde Lächeln einen Süßkuchen aus der Tasche, eingewickelt in ein Stofftuch und mit einem kleineren Messer. Sie schnitt weit große Stücke von dem Kuchen und hielt ihrer neuen Bekanntschaft eines davon hin.
„Also... Wenn du mir sagen willst wo du hin möchtest, kann ich dir vielleicht helfen?”
„Oh, nette Frau, nett in der Tat. Will dem armen Cicero noch mehr helfen. Aber Cicero kann nicht viel erzählen... Außer dass er mit seiner Mutter unterwegs ist”, er wies auf den Wagen über ihnen wo Indrys nur vage eine große Kiste gesehen hatte. „... und bringt sie in ein neues Versteck. Sie muss in ein Versteck, verstehst du? Böse Menschen wollten ihr vor langer Zeit schlimme Dinge antun. Cicero muss sie beschützen!”
Was genau er damit meinen mochte, konnte sie nicht sagen, aber sie erkannte den Grundgedanken dahinter und meinte milde lächelnd:
„Das zu schützen, was einem wichtig ist, ist sehr nobel, Cicero!”
Die Miene des Narren hellte sich deutlich auf und Indrys kam nicht umhin, leichte Sympathie für den Irren Kerl zu empfinden. Er mochte ein paar Schrauben locker haben, aber er wirkte für den Moment so lieb und herzlich wie ein Kind. Vielleicht war er das im Geiste auch?

Indrys begann Cicero ein bisschen von sich und ihrer Heimat zu erzählen und der Narr hörte aufmerksam zu und während sie sich unterhielten, ging die Nacht vorbei, der Sturm flaute ab und der Süßkuchen war alle als die Sonne ihre ersten Strahlen schickte.
Indrys streckte sich ausgiebig denn die Nacht zusammengekauert unter dem Wagen zu verbringen war nun wirklich nicht unangenehm. Sie konnte von Glück sagen, dass sie nicht so groß und wuchtig war, wie die Nord.Cicero war ein bisschen weg gedämmert, wenn auch sein Schlaf unruhig war -was mochte den Armen Narren quälen, fragte sie sich- als die Elfe ihren Weg zu dem Bauernhof ansetzte und wenige Augenblicke später fand sie Loreius auf dem Feld stehend.
„Guten Morgen”, grüßte sie höflich und wies mit dem Daumen hinter sich zu dem Wagen „Du weißt schon, dass da jemand vor deinem Hof quasi festhängt, oder?”
Der Mann zog nur eine abfällige Miene und lehnte sich auf die Schaufel mit der er gerade umgegraben hatte
.„Du meinst diesen Narren, Cicero? Komischer Kauz, fragte er doch gestern echt ob er in der Mühle schlafen kann!”, echauffierte sich der Bauer als hätte Cicero verlangt den Hof in Besitz zu nehmen. Indrys teilte die Abneigung nicht wirklich, zumal sie den armen Mann in den letzten Stunden etwas kennen gelernt hatte.
„Na hör mal es hat gegossen und gestürmt!”
„Nicht mein Problem!”, war die Meinung des Bauern und er zuckte mit den Schultern. Indrys seufzte resigniert und verdrehte kurz die Augen über so viel Ignoranz und auch Dummheit. Wenn der Mann sich weiter weigerte, dem Narren zu helfen, würde der auch nicht verschwinden, eher im Gegenteil.
„Na wenn du ihm nicht hilfst von hier weg zu kommen hast du ihn länger an der Backe als nötig!”, versuchte sie ihm das verständlich zu machen und Loreius schien das wohl auch langsam zu bemerken, war aber noch unwillig und redete etwas von wegen „Waffen” oder „Schmuggelware” daher, was Indrys ein weiteres Augenrollen entlockte.
„Du würdest auch wollen, dass andere dir helfen, wenn du in so einer Klemme steckst, oder?”, hakte sie nach und sah nach und nach wie der Widerstand in dem Bauern zu bröckeln begann. Entweder weil er ihn wirklich loswerden wollte, oder weil er doch irgendwo sein Gewissen gefunden hatte, Indrys war es einerlei. Sie lächelte dankbar als Loreius ankündigte, er würde seine Werkzeuge suchen und sie solle Cicero Bescheid geben und die Sache war erledigt.

Der Narr begrüßte sie, bereits neben dem Wagen stehend und sie fand ihre Decke fein säuberlich zusammen gelegt und ihren Rucksack ordentlich gepackt vor. Ein Kurzer Blick in das Innere verrieten ihr, dass nichts fehlte und auch wenn es sich nicht gehörte anderer Leute Sachen anzufassen, hatte er es doch nur gut gemeint, weshalb sie ihn nicht darauf ansprach.
„Loreius wird dir helfen”, teilte sie ihm mit, nachdem sie auch die Decke in der Tasche verstaut hatte und der Narr begann erneut zu tanzen.
„Danke, Vielen, Vielen Dank!”, freute er sich und klatschte vor Freude in die Hände. „Nun kann Cicero seine Mutter in ihr Neues Zuhause bringen! Hier, als Dank. Gold für den Helfer. Klimperndes, schönes Gold. Danke, und nochmals Danke!”
Die Freude des Narren war derart ansteckend, dass auch Indrys ein kleines Lachen herausrutschte, ehe sie ihren Lohn annahm, zögernd aber er blieb unnachgiebig was das anging, und hielt ihm ihre Hand hin.
„Auf Wiedersehen, Cicero. Ich wünsch dir eine gute Weiterreise. Vielleicht sieht man sich ja noch einmal!”
„Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen!”, erwiderte Cicero und schüttelte ihre Hand kräftig, ehe sich Indrys abwandte und mit einem letzten Winken verschwand.
Sie konnte ja nicht ahnen wie Recht sie hatte.
Den Narren würde sie auf jeden Fall wieder sehen!



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Ich habe absolut keine Ahnung wo das auf einmal herkam. Skyrim spiele ich ja nun schon länger und die Quests der Dunklen Bruderschaft sind mir am liebsten. Außerdem hab ich einen Narren (XDDDD) an Cicero gefressen, vor allem seit ich mir seine Tagebücher mal genauer angeguckt hab und seither... Will ich den Kerl eigentlich nur noch in eine flauschige Decke wickeln und ihm einen Kakao vor die Nase setzen. Und da er meinen Spiel-Charakteren ein treuer und hilfreicher Begleiter ist, hab ich gedacht, schreib ich diese kleine Story (Und Zack übers Wochenende mehrere Tausend Wörter aufs Papier gekotzt. Keine Ahnung woher die Schreibwut kam).
Der Anfang spielt sich innerhalb der Questline ab, aber ich werd wohl darüber hinaus gehen. Was den Charakter Indrys angeht ( i und e bitte einzeln lesen kein langes i, Vielen Dank) so basiere ich ihr Verhalten viel auf meinem Spielverhalten im Spiel. Sie ist noch nicht so richtig ausgearbeitet aber das nehme ich noch in Angriff...
Wer Anregungen oder Kritik anzubringen hat, mit der ich was anfangen kann, der darf sich natürlich gern an mich wenden und Feedback jeder Art ist bei mir gern gesehen.

Viel Spaß beim Lesen
LG
Firiel



P.S: Nachtrag einen Tag nach Upload des Kapitel: Ja, ich habe den Charakter nachträglich umbenannt. Mir fiel auf wie ähnlich der ursprüngliche Name (Irwiel) meinem Username klang und das war unbeabsichtigt gewesen. Glaubt es oder nicht ich hab einfach nur "fantasynamegenerators.com" genutzt. Wie auch beim Zweiten Namen, der jetzt Endgültig sein wird.

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