Die Darcys auf Pemberley Teil XXIX

von Bihi
GeschichteRomanze, Familie / P16
Catherine "Kitty" Bennet Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Georgiana Darcy Mr. Bennet
17.03.2019
31.05.2019
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17.03.2019 1.831
 
Fitzwilliam und Elizabeth wachten mehr oder weniger zeitgleich auf. Das war etwas ungewöhnlich, aber nicht unangenehm. Zeitgleich kam ihnen auch die Erinnerung, dass sie es in der vorherigen Nacht unterlassen hatten, der Vorsehung für die vergangenen achtundzwanzig Jahre zu danken. Das hatte zwar bisher jeder für sich – und meist stumm – gemacht, aber gestern eben leider vergessen.
„Fitzwilliam, lass uns nur nichts dazwischen kommen, wenn wir in die Elfenkammer gehen wollen. Ich muss dort meinen Dank abstatten, den ich gestern Abend sträflicherweise vergessen habe.“
„Oh, Elfchen! Ich habe ihn auch unterlassen! Ich hoffe doch sehr, dass er heute auch noch akzeptabel ist!“
„Ich denke doch. Schließlich kennt sie uns jetzt schon lange genug und weiß, dass wir uns immer ihrer erinnern, wenn auch nicht immer unbedingt mit der gebotenen Pünktlichkeit. Aber wir sollten jetzt umziehen.“
Sie standen kurz darauf vor dem Gutsherrenbett im anderen Schlafgemach. Hm, und jetzt ins kalte Bett?
Sie hatten wohl wieder synchron gedacht, denn in dem Augenblick, in dem Elizabeth es laut sagte, dachte es auch Fitzwilliam: „Nun aber nichts wie schnell unter die Decken geschlüpft. Je eher, desto schneller wird es kuschelig warm.“ Fitzwilliam schlug die Decke zurück. Wärmesteine auf den Kopfkissen? Wer kam nur auf eine solche Idee?? Dann wurden die beiden weiteren Wärmesteine entdeckt. Fitzwilliam entfernte erst die Steine auf Elizabeths Seite, damit sie schnell zwischen die angewärmten Laken schlüpfen konnte. Er brachte die Steine zum Ofen und kehrte dann zu seinem Elfchen zurück. Dann lagen sie dort, freuten sich über das angewärmte Bett und rätselten, wem sie diesen Luxus wohl zu verdanken hatten. Für Elizabeth stand fest, dass es dieses Mal nicht Fitzwilliam gewesen sein konnte. Dazu hatte er zu verblüfft auf die Steine auf den Kopfkissen gesehen. Die Dienerschaft würde das nie ohne Order tun. Blieben also nur noch ihre Kinder. Dem Faun war so etwas zuzutrauen, aber den Mädchen ja auch. Gigi hätte die nötige Gewandtheit, mit den heißen Steinen umzugehen, während Annie wohl eher nur den umsichtigen Vorschlag machen und dann die Diener rufen würde. Nun, das war ja wohl im Laufe des Vormittags herauszubekommen.
Fitzwilliam lachte auf einmal leise auf: „Kannst Du mir jetzt einmal verraten, warum wir jeden Morgen umziehen, auch wenn ganz bestimmt keine Kuschler kommen werden?“
Elizabeth lachte nun ebenfalls: „Die Macht der Gewohnheit, denke ich mir. Aber ich freue mich, dass wir das immer noch tun. Besonders heute, denn wir können davon ausgehen, dass unsere geheimen Wohltäter ein Zeichen von uns erhoffen. Sie wären dann sehr enttäuscht, wenn keines käme.“
„Du gehst also davon aus, dass es die Mädchen waren?“
„Ja. Arthur hätten wir sicherlich gehört, wenn er mit den schweren Steinen hantierte. Er kann ja auch in der Elfenkammer nicht leise hantieren, obwohl er sich dort solche Mühe gibt, sie nicht ungebührlich zu stören. Ein- oder zweimal, ja, das geht vielleicht, aber viermal traue ich ihm einfach nicht zu. Dazu ist er zu sehr Faun.“
„Stimmt, und wenn er die Steine ohne Lärm geschleppt hätte, wären wir bestimmt durch sein erwartungsvolles Kichern wach geworden.“
Sie genossen die restliche Zeit, die ihnen noch im Bett verblieb, für anheimelndes Kuscheln. Fitzwilliam stellte fest, dass sein Elfchen fast genau so gut wühlen konnte wie die Mädchen. Vielleicht genau so gut, aber bei den kleinen Mädchen waren immer Schultern und Beine zu spüren oder auch der Po – je nachdem, welchem Elternteil sie sich zugewandt hatten, beim Elfchen nur der Oberkörper. Er wunderte sich, dass ihm das nicht früher aufgefallen war.

Sie standen schließlich auf, um Arthur beim Frühstück Gesellschaft zu leisten. Auch Mr. Bennet und die Mädchen kamen eisern jeden Morgen, damit sich der Jüngste nicht so einsam fühlte. Es war ja nicht unbedingt notwendig, ihm die Schulzeit noch saurer zu machen.
Dieses Mal fiel Fitzwilliam etwas wichtiges ein: „Arthur, wir müssen uns noch überlegen, wie wir das machen, wenn es morgens noch dunkler wird. Ich möchte Dich dann eigentlich nicht gerne alleine durch den Park fahren lassen. Es könnte sein, dass Wild aufgestört wird. Wild richtet sich nach den Lichtverhältnissen, nicht nach der Uhr, und ich bin mir sicher, dass die Gig mit einem scheuenden Pferd Deine Kräfte übersteigt.“
„Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Aber Du hast recht, ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich ein so richtig doll erschrockenes Pferd nur mit den Zügeln wieder beruhigen kann. Und je nach dem, was für Wild das ist, ist es vielleicht auch nicht gut, wenn ich absteige.“
„Du kannst ein erschrockenes Pferd zu Fuß beruhigen?“ 'Ich bin mir nicht einmal sicher, ob sich das Charles inzwischen zutraut!'
„Ja, ich hatte irgendwann einmal gehört, wie ihr wieder von meinem ersten Zusammentreffen mit Wildschweinen geredet habt. Da bin ich in den Stall gegangen, und habe mir von den Stallburschen genau erklären lassen, was ich machen muss. Schließlich kann ich mich nicht immer darauf verlassen, dass scheuende Pferde Rücksicht auf mich nehmen. Die Stallburschen wollten mir erst nicht helfen. Aber sie sahen ein, dass ich so etwas wissen muss, wenn ich alleine zur Schule fahre. Erst haben sie mir das in den Boxen erklärt, und als die jungen Pferde an Zaumzeug und Sattel gewöhnt wurden, habe ich dann geholfen. Zuerst nur ganz am Schluss, und dann auch von Anfang an. Es waren immer genügend Stallburschen dabei, sofort zu helfen. Das fand ich zwar nicht gut, aber sie sagten, sonst darf ich gar nicht mitmachen, weil Du mit ihnen schimpfen wirst, wenn mir was passiert. Das wollte ich natürlich auch nicht. Es wäre sicherlich nicht gut, wenn ich so etwas alleine machen müsste, aber ich kann es zur Not wirklich auch alleine!“
„Und warum weiß ich nichts davon?“
„Jetzt weißt Du es ja, und im Frühjahr hättest Du es mir doch bestimmt nicht erlaubt, wenn ich Dich gefragt hätte.“ Dabei sah der Faun so treuherzig aus, dass Fitzwilliam ihm nicht böse sein konnte. Und immerhin hatte er ja nicht heimlich alleine geübt, sondern unter Aufsicht. Donnerwetter, das Kerlchen konnte ja auch unter normalen Umständen umsichtig sein!

Elizabeth hatte nur mit halbem Ohr hingehört. Sie beobachtete ihre beiden Mädchen, die mit blitzenden Augen dasaßen und immer wieder von Fitzwilliam zu Elizabeth und zurück sahen. Es war klar, dass sie unbedingt etwas loswerden wollten, aber nicht in Anwesenheit ihres kleinen Bruders.
Als Arthur schließlich zur Schule aufgebrochen war, zog sich Mr. Bennet zurück. Er wolle sich noch etwas hinlegen, bis das Licht endlich angenehmer sei.
Elizabeth sah nun von Gigi zu Annie zu Fitzwilliam. Dann entschloss sie sich dazu, Klartext zu reden: „Papa und ich wurden heute früh mit einem angenehm warmen Bett überrascht. Ich glaube, das hatten wir euch zu verdanken, stimmt's?“
„Ja, Annie hatte die Idee und ich fand sie toll. Da haben wir uns den Wecker für ganz früh gestellt, in der Hoffnung, dass ihr noch im anderen Schlafgemach seid. Also, so im Dunkeln durch Pemberley House zu laufen, ist ganz schön gruselig, finde ich. (Annie nickte dazu.) Aber wir konnten nicht mit Licht laufen, weil wir ja nicht entdeckt werden wollten. Also, jeden Morgen werden wir das nicht machen!“
„Die Geste war ja deshalb so wunderschön, weil sie nicht alltäglich ist. Wir waren überrascht, gerührt, erfreut.“, sagte jetzt Fitzwilliam. „Es ist wirklich erstaunlich, wie leise ihr mit den Steinen im Dunkeln hantieren konntet.“
Annie sagte: „Nee, dafür hatten wir eine Petroleumlampe auf Nachtlicht eingestellt. So ganz im Finstern hätten wir wohl den Ofen verfehlt. Wenn wir durch ein Wunder die Steine nicht auf die Füße bekommen hätten, hättet ihr das Poltern sicher gehört. Sonst wäre es wohl von unseren Schreien überdeckt worden. Aber die hätten euch sicher noch schneller ins Kuschelzimmer geholt. Warum habt ihr eigentlich zwei Schlafzimmer?“
Ein kurzer Blick zwischen Elizabeth und Fitzwilliam, dann antwortete sie: „In wohlhabenden Häusern ist es üblich, dass der Herr und die Dame getrennte Zimmer haben. Aber Papa und ich fanden es von Anfang an nicht gut, jeder alleine zu schlafen. Da das breitere Bett in meinem Raum zum Kuscheln mit vielen Kindern geeigneter ist, sind wir eben immer umgezogen, bis wir das so gewohnt waren, dass wir das ohne nachzudenken immer so machten.“ 'Und warum wir nicht von Vornherein dort schlafen, wird nicht verraten.'
„Ob das Jane und Dorothy auch so machen? Und George und Charles?“, überlegte Gigi laut.
„Das weiß ich nicht, und untersteht euch, danach zu fragen!“, fauchte Fitzwilliam.
„Keine Sorge, das sind sicher Ehegeheimnisse, danach frag ich nicht!“, versicherte Gigi schnell.

Ein weiteres Ehegeheimnis war das Verschwinden ihrer Eltern zur Mittagszeit. Aber auch danach fragten die Töchter nicht, Mr. Bennet schon gleich gar nicht.

Arthur sagte beim Tee: „Ich werde in der Kutsche mitfahren, in der auch Charleen fährt. Da ist noch Platz. Ich hab Mr. Hood schon gefragt. Er sagt, wenn ich sofort mitfahren möchte, soll ich morgen Bescheid sagen, damit er übermorgen hier Station macht. Aber ich kann auch, wenn ihr einverstanden seid, bis zum 30. noch selber fahren. Dazu müsste das Licht reichen. Wenn ihr mich morgen nicht fahren lassen wollt, müsst ihr ihm heute noch eine Nachricht schicken.“
Es war ihm nicht recht, schon morgen auf die Gig zu verzichten, das sah man ihm an. Fitzwilliam rechnete ihm zwei Dinge, nein drei, hoch an: Er hatte diese Frage alleine geregelt, er überließ es den Eltern, wozu sie zustimmen wollten, und vor allem hatte er keine Extra-Zeit dafür gefordert.
„Nun, für morgen eine Nachricht zu schicken, werde ich unterlassen. Du achtest morgen bitte genau darauf, wie die Schatten sowohl auf dem Hin- wie auf dem Rückweg sind. Denn auch Schatten können erschrecken. Wenn Du ganz ehrlich meinst, dass das noch zu verantworten ist, reicht es, wenn Mr. Hood Dich ab 1. Dezember mitfahren lässt. Ich kontrolliere das nicht. Ich verlass mich darauf, dass Du jetzt so umsichtig bist wie im Frühjahr.“
Arthur strahlte. Er hatte sich diese Antwort erhofft, aber damit gerechnet, dass Papa auf übermorgen bestehen würde. „Die Schatten sind wohl eher nachmittags ein Problem, aber ich werde darauf auch morgens achten – jeden Tag bis zum 1. Dezember.“
Während er die Hausaufgaben machte, ließ Fitzwilliam den Heger kommen. Der versprach, bis zum 1. Dezember verdeckt Wache zu gehen. Es ging ihm nicht um die Zuverlässigkeit Arthurs, sondern um die Gefahren, die entstehen konnten, wenn wirklich ein Wild aufgestört wurde.

Im Schlafgemach:
„Fitzwilliam, jetzt haben wir unsere Kinder schon so lange, und können immer wieder überrascht werden. Ich glaube, Arthurs verantwortungsvolles Handeln hat mich am meisten überrascht. Er wird die Schulzeit besser überstehen als wir bisher befürchtet hatten.“ 'Irgendwas stimmt mit diesem Argument nicht, aber ich bin zu müde, den Fehler zu suchen. Vielleicht ist er ja auch unwichtig.'
„Ja, ich war auch angenehm überrascht, dass er nicht nur in Krisen Verantwortung übernehmen kann, sondern aktiv vorausschauend Krisen vermeiden möchte.“ 'Ich mag jetzt nicht sagen, dass George das auch konnte – obwohl er so großes Heimweh hatte. Ich bin froh, wenn mein Elfchen sich mit dem Gedanken beruhigter fühlt. Es reicht doch, wenn ich mich sorge.'

Über die Mädchen hatten sie bereits in der Elfenkammer gesprochen, somit war der Tag 'abgehakt'.
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