Doppeldate

von mandiese
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
Fernando Alonso Mark Webber OC (Own Character)
17.03.2019
16.10.2019
98
284195
10
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10.10.2019

Minna

Ich bringe Liese auf den neuesten Stand, als wir in Kanada sind. Ich musste ein paar Tage verstreichen lassen, ehe ich Liese davon berichten konnte. Heute ist Samstag und ich sitze im Schlafzimmer, während Nando im Wohnzimmer ist und sich mental auf das Rennen vorbereitet.

Meine lange Erzählung lässt sie ruhig über sich ergehen. Am Ende teile ich ihr meine Gedanken mit.

„Was ist, wenn ich die falsche Entscheidung getroffen habe? Wenn ich das Kind doch nicht so lieben kann, wie das Kind es verdient hat?”

Diese Frage nagt schon seit Tagen an mir. Ich habe einfach ungeheure Angst davor, dass mich das kleine Würmchen immer daran erinnert.

Liese spricht mir gut zu. „Das wird nicht passieren, Minna. Du bist so ein liebevoller Mensch. Die Entscheidung, die du getroffen hast, rechne ich dir hoch an und ich bewundere dich für die Stärke und Größe. Wie ihr beide schon gesagt habt, das Baby kann nichts dafür.“

„Und was ist, wenn das Kind mir später Vorwürfe macht? Vielleicht denkt es, dass ich daran schuld bin, dass Dasha es nicht haben wollte“, spreche ich weiter meine tiefsten Ängste aus.

„Minna, nun hör mal zu. Du darfst dir nicht Gedanken darüber machen, was vielleicht alles passieren könnte. Keiner kann dir sagen, was später vielleicht noch auf euch zukommen wird. Ganz sicher ist aber, dass ihr beide ganz liebevolle Eltern sein werdet. Für alles andere gibt es eine Lösung.“

Überzeugt bin ich immer noch nicht. Liegt wohl auch daran, dass mir langsam alles zu viel wird. Auch das muss ich los werden. „Mich überfordert das alles, Liese. Nandos plötzlicher Meinungswechsel, der Heiratsantrag und dann diese ganze Baby-Geschichte. Ich habe echt Angst, dass Dasha es schafft, uns auseinander zu bringen. Ihr Drohung, das Kind abzutreiben, zeugt schon von Verzweiflung. Auf was für Ideen kommt sie erst, wenn sie begreift, dass es mit Nando wirklich keine Zukunft gibt?“

Meine ältere Freundin ist weiterhin geduldig und ruhig, wofür ich ihr so dankbar bin. Es färbt langsam auf mich ab.

„Die Frau ist auf jeden Fall mit allen Wassern gewaschen. Trotzdem kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie dem Baby ernsthaft schaden wird. Die Beichte von Dasha liegt jetzt schon ein paar Wochen zurück. Wenn Nando ernsthaft darüber nachdenken würde, zu Dasha zurück zu kehren, wäre er schon weg. Glaub mir. Er wird sicherlich genauso viel Angst haben, von dir verlassen zu werden, wie du von ihm.“

Nachdenklich und noch ein Stück weit unsicher fummle ich an dem Kissenbezug herum. Dabei lasse ich mir die Worte von Liese durch den Kopf gehen. „Wahrscheinlich hast du Recht. Eigentlich sieht es mir auch gar nicht ähnlich, den Kopf in den Sand zu stecken, aber irgendwie…“ Zwar beende ich den Satz nicht, doch Liese weiß, was ich sagen will.

„Es wird sich alles zum Besten wenden! Glaube mir. Nächstes Jahr um diese Zeit sitzt du mit einem Baby auf dem Arm auf dem Sofa und ihr beide feuert Nando an!“

Das stelle ich mir sogleich bildlich vor und muss anfangen zu lachen.

„Dabei trage ich Puschen in Form von Boliden und das Baby einen Formel 1-Auto-Strampler. Wie diese witzigen Verkleidungen zu Halloween. Meinst du, sowas gibt’s?“

Liese lacht ebenfalls und ich sehe sie förmlich den Kopf schütteln. „Wenn ja, brauche ich sowas in Form eines Porsche“, gackert Liese.

Die Vorstellung beide Babys so anzuziehen, rettet meinen Tag. „Danke, Liese. Ich fühle mich schon viel besser!“

„Aber gerne doch! Wenn was ist, dann melde dich jederzeit!“

„Mache ich. Du aber auch!“

Klar doch! Bis dahin!“

„Mach‘s gut!“

Und schon haben wir aufgelegt. Besser gelaunt und nicht mehr so voller Zweifel, gehe ich in den Wohnbereich und sehe Nando auf dem Sofa sitzen. Zielstrebig gehe ich hin und drängle mich zu ihm auf die Zweiercouch. Nachdenklich guckt er mich an, als er so weit wie möglich an die Rückenlehne rutscht und seine Arme um mich legt.

Wir schweigen uns erst einige Zeit an, bevor mein Verlobter etwas sagt. „Du hast lange mit Liese telefoniert.“

Ich streiche ihm eine Strähne aus dem Gesicht. „Gab ja auch viel zu erzählen.“

Wieder erfüllt Schweigen den Raum. Dieses Mal bin ich diejenige, die etwas sagt oder besser gesagt, ich fange an zu lachen.

„Was ist? Habt ihr wieder eure verrückten Träume gedeutet?“, schmunzelt er.

Ich schüttle den Kopf und muss was googeln, während ich ihm das mit dem Rennwagenkostüm erzähle. Seine Miene hellt sich dadurch auf und wirkt weniger angespannt. Dann breche ich allerdings in tosendes Gelächter aus und kann dadurch nichts erklären. Deswegen zeige ich Nando nur das Bild in den Suchergebnissen. Auch er muss kräftig lachen.

„Das unterlässt du!“, fordert er sofort.

Ich verstehe gar nicht, was er hat. „Warum? Das ist doch total süß!“

Er schüttelt den Kopf. „Unser armes Baby. Das … das können wir echt nicht machen!“, lacht er weiterhin.

„Doch! Ich bestell das sofort. Mit diesem kleinen Rennoverall-Strampler. Das ist ja sowas von knuffig!“

Was uns so zum Lachen gebracht hat, ist ein Kostüm für Babys in Form eines grünen Duftbaums, die man oftmals in Autos hängen sieht. Sogar ein Schriftzug mit ‚car-freshner‘ ist darauf zu finden. Das muss unser Baby beim ersten Besuch in der Boxengasse angezogen bekommen. Das Kostüm gibt’s sogar für Kleinkinder. Perfekt.

Nando und ich suchen weiter die Kostüme durch und können uns kaum noch halten vor Lachen. Was es nicht alles gibt. Oktopusse mit Tentakeln, Wikinger, Küken. Mein Favorit ist allerdings die Sushi Rolle. Nando und ich beschließen nächstes Jahr zu Halloween eine Party zu schmeißen. Wir wollen unbedingt unser Kind verkleiden!


Liese

Es ist noch nicht einmal zwei Wochen her, dass Mark seinen Unfall in der Wüste hatte. Und heute sitzt er schon wieder in voller Montur auf einem Motocross Bike. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen, auch wenn ich ihn irgendwie verstehe. Würde auch gerne mal so ein Ding fahren, auch wenn ich es mit Motorrädern nicht so habe. Heute bin ich mitgekommen, weil er sich das Erzbergrodeo anschauen will. Das ist nur eine Stunde Fahrtzeit von unserem Zuhause, also in meiner Heimat und ich wollte schon immer mal dabei sein. Aber bisher habe ich es nie geschafft. Also war es eine gute Fügung, dass Mark von Red Bull eingeladen wurde. Hier sind meiner Meinung nach ja die richtig Durchgeknallten dabei. Sich über extrem steile Geröllpisten zu quälen, und das mit einem Motorrad, ist doch total crazy. Aber ich finde es trotzdem faszinierend.

Gerade rast Mark auf so einem Ding an mir vorbei und steuert direkt auf eine senkrecht aufsteigend wirkende Geröllpiste zu. Doch kurz davor bremst er ab und dreht wieder um. Bei mir und seinem Instruktor angekommen, erklärt er, dass er es doch lieber sein lässt. In ein paar Tagen ist das Rennen in Le Mans und da wolle er kein weiteres Risiko eingehen, so wie in der Wüste. Ich glaube ja, dass das nur bedingt der Grund ist. Sonst hat Mark sich auch nicht geschert, was er vor welchem Rennen angestellt hat. Meine Vermutung ist ja eher die, dass meine Anwesenheit ihn etwas davon abgehalten hat.

Aber eigentlich will ich nicht weiter darüber nachdenken. Es ist einfach ein zu schöner Tag. Das Wetter ist traumhaft, perfekt um sich diesen Zirkus anzusehen. Und dann noch den ganzen Tag gemeinsam mit Mark zu verbringen. Das fehlt mir doch sehr oft. Auch wenn ich ihn hier auch nicht für mich allein habe, weil er ständig angesprochen wird oder ein Interview gibt, bin ich doch die meiste Zeit in seiner Nähe.

Manchmal habe ich das Gefühl unser neues gemeinsames Zuhause ist für ihn immer nur Zwischenstation auf seinen vielen Reisen. Schon morgen geht es wieder nach Le Mans. Nur diesmal begleite ich ihn. Er hat sich das gewünscht und ich freue mich ehrlich darüber. Auf diese ganz besondere Stimmung, die dort herrschen soll. Außerdem werden Minna und Nando auch hinkommen. So habe ich dann wenigstens meine beste Freundin zum Quatschen, wenn Mark für mich keine Zeit haben wird.


Mark

Am Heimweg vom Rodeo ist Liese außergewöhnlich still und sieht nur zum Seitenfenster raus. Vorsichtig lege ich meine Hand auf ihren Oberschenkel, um sie nicht zu sehr zu erschrecken und frage: „Alles in Ordnung? Du bist schon den ganzen Tag so still und jetzt noch mehr.“

Jetzt sieht sie zu mir und fängt zu erzählen an, was ihr am Herzen liegt. „Ich hab gestern mit Minna telefoniert. Sie will das Baby von Dasha adoptieren, wenn es auf der Welt ist. Anscheinend hat Dasha kein Interesse an dem Kind, nachdem sie Nando dadurch nicht zurückgewinnen kann. Sie wollte es abtreiben lassen.“

Ich schüttle vielsagend den Kopf. „Wieso wundert mich das bei der Frau nicht?!“

Liese kennt meine Meinung zu Dasha, trotzdem versteht sie es nicht. „Was ist das nur für ein Mensch? Wie kann sie nur so kalt sein. So kalt, dass ihr das Kind nichts bedeutet. Wo ist die bloß aufgewachsen, und wie?“

„Vielleicht in Sibirien und ohne Eltern!“, entgegne ich mit etwas Ironie in der Stimme.

„Mark, das ist nicht witzig“, zickt mich Liese daraufhin etwas an.

„Das sollte es auch nicht sein. Nur ich mochte diese Frau noch nie. Und jetzt hat sich mir bestätigt, dass sie einen Schaden hat. Und zwar einen gewaltigen.“

Plötzlich fängt Liese zu weinen an und unter Schluchzen sagt sie: „Wie kann sie nur so einfach ihr Kind weggeben? Sie muss doch irgendwelche Muttergefühle haben.“ Liese geht das natürlich in ihrer Situation noch näher. „Allein die Vorstellung, ich würde einfach so unser Baby nach der Geburt weggeben. Das geht doch nicht.“

Liese weint immer mehr und ihr Stimme überschlägt sich schon leicht. Aus Angst, dass sie sich noch mehr aufregt, bleibe ich stehen, steige aus und gehe um das Auto herum. Bei der Beifahrertür angekommen, öffne ich diese und ziehe Liese an mich.

„Hey, psst, schon gut. Unserem Baby wird es gutgehen und auch dem Baby von Dasha. Immerhin kommt es zu Minna und Fernando. Es hätte viel schlimmer kommen können. Sie hätte das kleine Wesen aus Wut auch jemand anderem geben können. Sieh es mal so. Und Minna wird sicher eine fantastische Mutter sein, egal unter welchen Umständen dieses Kind entstanden ist.“

Langsam beruhigt sich mein Mädchen in meinen Armen wieder. „Das denke ich doch auch. Nur Minna hatte gestern am Telefon so ihre Zweifel.“

„Welche Zweifel denn?“, frage ich erstaunt nach.

„Sie hat Angst davor, dass sie das Baby dann doch nicht so lieben könnte, wie wenn es ihr eigenes wäre. Vor allem im Hinblick darauf, wann und wie das Kind entstanden ist. Auch befürchtet sie, dass Dasha das Kind vielleicht doch noch abtreiben könnte, wenn sie merkt, dass sie wirklich keine Chancen mehr bei Fernando hat. Egal wie weit sie ist, in Russland geht das sicher zu jedem Zeitpunkt. Das Kind kann doch nichts dafür, dass seine Mutter eine blöde Schlampe ist.“ Liese fängt wieder an sich aufzuregen.

Dazu sage ich jetzt nichts, denn leider traue ich Dasha so etwas Unüberlegtes sofort zu. Und wenn ich das Wort ‚Schlampe‘ eigentlich nicht mag, in diesem Fall passt es leider nur zu gut. Aber damit will ich Liese jetzt nicht noch mehr aufregen.

Außerdem spricht sie auch schon weiter. „Natürlich habe ich Minna gut zugeredet und die weise, ältere und starke Freundin gegeben. Aber auch wenn ich zuversichtlich geklungen habe, habe ich auch Angst, dass das doch noch alles in die Hose geht und Minna nachher noch fertiger dasteht. Ich mache mir wahnsinnige Sorgen. Bin schon froh, wenn das alles durchgestanden ist.“

Eigentlich bewundere ich Minna sehr dafür, dass sie so einen Schritt wagen will. Auch zweifle ich nicht an ihrer Liebe zu dem Kind, so wie sie es selbst tut. Aber ich verstehe die Zweifel, was Dasha angeht und vor allem die Sorge von Liese.

Ob Liese und ich sowas auch hinbekommen würden? Nein, darüber brauche ich mir keine Gedanken machen. Mir wäre sowas wie Fernando nicht passiert. Das soll kein Vorwurf ihm gegenüber sein. Aber was Frauengeschichten angeht, waren wir immer sehr unterschiedlich. Ich habe mich so gefreut, als es mit Minna und ihm geklappt hat. Das hat einfach gepasst. Sie ist sein Anker, das hat bisher noch keine geschafft.

Liese merkt mir anscheinend meine Nachdenklichkeit an. „Mark, was ist los? Worüber denkst du nach?“

„Ach, ob wir sowas hinbekommen würden und wie. Ob du …“, versuche ich zu erklären.

„Ich … ich weiß auch nicht, ob ich das könnte, was Minna da macht. Aber ich denke, es kommt immer auf die Situation an. Und man muss darin stecken. Da kann man schwer spekulieren. Ich hoffe so sehr, dass die beiden das hinbekommen und alles gut wird“, entgegnet mir Liese darauf.

Glücklicherweise hat sie sich wieder etwas beruhigt und wir können unseren weiteren Heimweg antreten. Den Rest des Weges schweigen wir wieder, jeder hängt seinen Gedanken nach, auch wenn zu ein und dem selben Thema.



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