Doppeldate

von mandiese
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
Fernando Alonso Mark Webber OC (Own Character)
17.03.2019
06.12.2019
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Bonus zum Rennsonntag

Liese

Nach einem sehr erfolgreichen dritten Platz der Jungs beim Rennen in Fuji fliegen Mark und ich für zwei Wochen zum Entspannen nach Australien. Irgendwie bin ich nervös. Wir sind gerade am Weg vom Flughafen in Brisbane nach Noosa. Dort befindet sich Marks Ferienhaus. Ferienhaus ist vielleicht etwas untertrieben, es ist mehr eine Villa. Mark und Ann sind bei ihrer Trennung übereingekommen, dass sie das große Haus in Aston Clinton bekommt und Mark dieses hier in Noosa. Das Ferienhaus in Südfrankreich haben sie mittlerweile veräußert.

Auch wenn Ann vor ein paar Wochen hier war und ihre Sachen geholt hat, habe ich ein mulmiges Gefühl bei der Sache. Immerhin war Mark das letzte Mal noch gemeinsam mit Ann hier.

Als wir ankommen, kann ich nur staunen. Die Lage ist wirklich ein Traum und man hat eine wunderschöne Aussicht über die Bucht mit ihrem breiten und langen Sandstrand. Hinter dem Haus, in den Hang gebaut, befindet sich ein riesiger türkisblauer Pool. Eigentlich kann ich es kaum erwarten, nach dem langen Flug da hinein zu springen. Aber zuerst will mir Mark das Haus und die Zimmer zeigen. Im Haus zeigt er mir zuerst die Küche und den Wohnbereich und dann geht er weiter einen Gang entlang, vorbei an einem ziemlich geräumigen Schlafzimmer, weiter zu einem kleineren.

„Das hier wird unser Schlafzimmer. Es war bisher ein Gästezimmer. Nehme mal an, du möchtest nicht in Anns und meinem ehemaligen Schlafzimmer schlafen.”

Oh, das war das große Zimmer am Anfang des Ganges. Alles klar. Mark hat Recht, ich würde dort nicht schlafen wollen.

Etwas später fährt Mark noch einkaufen. Ich aber beschließe beim Haus zu bleiben und die Ruhe zu genießen. Ich muss nicht schon wieder unter Menschen, mir haben die beim Flug gereicht. Stattdessen schlüpfe ich in einen Bikini und gehe ein paar Längen schwimmen. Das ist herrlich und es tut so gut, nach dem langen Flug.

Nach einem späten Abendessen wollen Mark und ich nochmals schwimmen gehen.

Gerade als ich mir meinen Bikini wieder anziehen will, sagt Mark mit diesem dunklen Unterton in seiner Stimme: „Hier brauchst du den nicht. Es kann dich keiner sehen, außer mir.”

Sein anzügliches Lächeln dazu spricht tausend Bände. Keine fünf Minuten später sind wir im Pool, beide nackt natürlich. Mich erinnert es ein wenig an Melbourne, an unsere erste gemeinsame Nacht. Ich lehne am Beckenrand und schaue in die Finsternis und auch etwas in den klaren Sternenhimmel. Da ist er wieder, dieser Moment, wie damals in diesem Hotelpool. Mark taucht hinter mir auf, wieder spüre ich nur die Bewegungen des Wassers und viele kleine Luftbläschen, die zwischen meinen Beinen und über meinen Rücken aufsteigen. Unweigerlich fange ich zu zittern an. Die Situation hat etwas sehr Aufregendes, auch wenn es nichts Neues für mich ist. Obwohl wir uns nicht berühren, kann ich seine Anwesenheit genau spüren. Auch seine Blicke, die über meinen Körper wandern. Ich weiß genau wie er mich gerade ansieht.

Plötzlich lehnt er sich etwas nach vor, aber so, dass er mich noch immer nicht berührt und flüstert mir ins Ohr: „Weißt du eigentlich wie verdammt sexy und begehrenswert du aussiehst? Jede Kurve an deinem Körper ist perfekt. Muss immer wieder daran denken, wie ich dich das erste Mal an dem Strand auf Phillip Island in diesem ziemlich knappen Bikini gesehen habe. In dem Moment war meine Selbstbeherrschung schon fast dahin.”

Ich schmunzle, wenn ich daran denke, dass es nur mehr wenige Stunden später war, als wir beide unsere Selbstbeherrschung komplett verloren haben. Und auch daran, wie unsicher ich war, mich vor ihm auszuziehen. So in Gedanken spüre ich wie seine Hände zärtlich über meinen Rücken zum Po streichen, während ich seinen schweren Atem in meinem Nacken spüre. Meinen Körper überzieht eine Gänsehaut und in meinem Inneren zieht sich etwas zusammen und eine wohlige Wärme breitet sich von meiner Mitte aus. Jetzt presst er seinen Körper ganz fest an meinen. Seine Bewegungen unter Wasser lassen mich immer deutlicher spüren, dass er mich will. Mit einem raschen Ruck dreht er mich zu sich herum und presst mich an den Beckenrand. Meine Beine schlingen sich wie von selbst um seine Hüften und mit einem langsamen, aber kräftigen Stoß dringt er in mich ein. Auch seine nun folgenden Bewegungen sind langsam und eher träge. Aber ich genieße diese Zweisamkeit, die wir hier in aller Ruhe auskosten können. Kein Terminstress, niemand der plötzlich an die Tür klopfen könnte oder die Angst erwischt zu werden. Ich lasse mich vollkommen fallen und genieße jeden einzelnen Stoß von Mark. Auch ich komme ihm entgegen und lasse ihn spüren, was meine inneren Muskeln so alles mit seinem besten Stück anstellen können, ohne dass er viel dazu beiträgt. All das steigert sich immer mehr einem gemeinsamen Höhepunkt entgegen, der uns heftig und intensiv überrollt.


Mark

„Wow, das hat sich gerade verdammt gut angefühlt”, hauche ich in Lieses Ohr.

Ich kann mir ein schmutziges Grinsen nicht verkneifen. Liese hat das schon einmal mit mir gemacht. Da saß sie auf mir. War das schon der Wahnsinn, ist das hier im Pool nur noch umso heißer.

Noch immer bin ich in ihr und sie fängt schon wieder mit diesen rhythmischen Bewegungen an. Anscheinend hat sie Lust auf eine zweite Runde. Nichts lieber als das.

„Willst du etwa mehr?”, frage ich sie verschmitzt und versuche sie mit meinen Händen auf ihrem Po etwas ruhig zu halten.

„Ja, ich will mehr. Kann gar nicht genug von dir bekommen”, stöhnt sie mehr als sie es normal sagen könnte.

Mittlerweile bin ich schon wieder so hart, dass der Erfüllung ihrer Wünsche nichts mehr im Wege steht.


Minna

Völlig verplant wache ich um halb zwölf mittags auf. Die vielen Zeitzonen machen mich scheinbar ganz wirr im Kopf. Ich setze mich auf und wecke damit Nando.

„Morgen“, grummelt er.

Gut, dass er wach ist. Da kann ich ihm ja erzählen, was los ist. Im Schneidersitz setze ich mich vor ihm hin und erzähle: „Alfi, ich habe voll den komischen Kroams geträumt. Ganz wirres Zeug.“

„Hmm“, kommt es teilnahmslos von ihm, aber das ist mir egal. Ich fahre unbeirrt fort.

„Ich war im Haus von den Eltern einer früheren Freundin von mir. Aber das sah da ganz anders aus. Also eigentlich war es dann gar nicht das Zuhause. Aber es hat sich so angefühlt“, überlege ich nachdenklich, „naja egal, auf jeden Fall war ich in dem Zuhause meiner früheren Freundin, was ja nicht aussah wie ihr Zuhause, aber sich trotzdem so vertraut angefühlt hat“, fasse ich es nochmal zusammen und überhöre Nandos leicht verzweifeltes Seufzen, „und dann bin ich da immer von einem Raum in den nächsten gelaufen und hab da alle von früher getroffen.“

Ich bemerke meinen Fehler und korrigiere mich sofort: „Also natürlich nicht alle, sondern nur die Familie. Ach so, und dann war da noch einer vom Secret Service. So richtig mit Anzug, USA-Flaggen-Brosche und Knopf im Ohr. Der wollte irgendwas von mir, aber ich bin einfach weggegangen.“

Nandos Körper bebt und er gibt komische Geräusche von sich. Er versucht sein Lachen zu unterdrücken.

„Hör auf zu lachen. Ich muss das schnell erzählen, sonst vergesse ich die Hälfte. Außerdem kommt noch das Wichtigste!“

„Die Pointe“, bringt er angestrengt von sich.

„Ja genau! Also nachdem ich vom Secret Service Agenten geflohen bin, bin ich erst ins Badezimmer gegangen und dann war ich plötzlich im Schlafzimmer. Ich weiß aber nicht, wem das von der Familie gehörte. Naja, und auf dem Bett, da standen zwei Shetlandponys. Aber die waren dünner, als normale. Und die hatten eine schwarze, gelockte Mähne. So richtig schöne Locken. Wie vom Friseur!“

Fernando kann sein Lachen nicht weiter unterdrücken und ihn überfällt ein Lachkrampf.

Ich finde das allerdings gar nicht lustig, sondern will viel lieber wissen: „Was glaubst du, was das zu bedeuten hat?“

Unter Tränen krächzt Nando: „Das heißt, dass du gerne reitest.“

„Aber ich kann doch gar nicht reiten“, widerspreche ich.

„Auf mir bist du eine spitze Reiterin!“, grinst er frech.

Ich hingegen verdrehe genervt die Augen. „Mit dir kann man keine vernünftige Unterhaltung führen!“

Er lacht weiterhin. „Wie soll ich dabei denn ernst bleiben? Secret Service Agent und hüpfende Ponys mit gelockter Mähne auf dem Bett!“

„Hey, von hüpfen habe ich nichts gesagt. Sie haben nur ihre Hufe immer wieder in die weiche Matratze gedrückt!“, kläre ich das Missverständnis auf.

Nando überkommt ein weiterer Lachflash. Dabei grölt er: „Ich habe noch nie so eine verrückte Freundin wie dich gehabt!“

Er atmet einmal tief durch, um sich wieder unter Kontrolle zu kriegen, dann wischt er sich die Tränen aus dem Gesicht und gibt mir einen Kuss, ehe er sagt: „Ich liebe dich, mi amor!“

Ich erwidere den Kuss, sage aber gleich hinterher: „Ich dich auch, Alfi, aber zum Traum deuten bist du echt nicht zu gebrauchen! Ich rufe jetzt Liese an. Sie kann mir bestimmt helfen.“

„Minna, die beiden sind in Australien. Da ist es jetzt mitten in der Nacht!“, erinnert er mich mahnend.

„Ja und? Das ist wichtig!“, antworte ich und wähle Lieses Nummer.

„Verrücktes Huhn“, antwortet Nando grinsend und kuschelt sich an mich. Ich mag es, wenn er das macht.


Liese

Erschrocken fahre ich hoch. Mein Handy läutet Sturm, zumindest hört es sich so an. Noch etwas verwirrt von dem Traum, der gerade so jäh unterbrochen wurde, taste ich nach dem Telefon. Es ist Minna, genau die Richtige nach diesem Schlaferlebnis. Während ich abhebe, drehe ich mich noch kurz zu Mark um, der aber tief und fest schläft. Gut so, wer weiß ob ich im Schlaf rede. Wäre bei dem Traum etwas blöd gewesen.

„Hey, Minna! Was ist los, dass du mitten in der Nacht anrufst?”, frage ich etwas verschlafen.

Ohne eine Begrüßung fragt mich Minna: „Wie gut kennst du dich mit Traumdeutung aus?”

Das frage ich mich auch gerade, weil mich eine Deutung meines Traums auch interessieren würde.

„Na ja, ich weiß nicht. So richtig habe ich mich noch nie damit beschäftigt. Wieso?”, frage ich.

Und dann fängt Minna zu erzählen an. Während sie sehr lebhaft einen Traum von einem Haus alter Freunde, dem Secret Service und dunkel gelockten Shetlandponys erzählt, verlasse ich leise das Schlafzimmer, weil ich merke, dass ich gleich lauthals zu lachen anfangen muss. Trotzdem versuche ich es mir zu verkneifen, vor allem als ich merke wie ernst Minna die Sache ist und dass sie nicht gerade darüber erfreut war, als Nando einfach los geprustet hat. Schon während sie spricht, versuche ich mir Gedanke zu ihrem Traum zu machen.

Als sie dann mit ihrer Erzählung am Ende ist, sage ich: „Als Laie würde ich behaupten, du reitest gerne auf dunkel gelockten … ähm … was weiß ich und stehst auf Männer in Uniform oder Anzug … oder auch Overalls, die ja auch nichts anderes als Uniformen sind. Außerdem lässt du dich gerne beschützen und soweit ich weiß, können solche Geheimagenten auch sehr schnell Autos fahren. Also James Bond kann das zumindest. Das Haus steht wahrscheinlich dafür, dass du dich gerne geborgen fühlst. Vielleicht sollten du und Nando euch auf Haussuche begeben, Pferde züchten und du solltest ihn reiten, während er noch seinen Overall trägt, also nicht ganz und du greifst ihm dabei in seine dunklen Locken.”

Vom anderen Ende der Leitung kommt nur ein lautes Schnauben.

„Sag mal, spinnst du komplett? Wie kommst du nur auf so hirnrissige Ideen?”, fragt mich Minna etwas empört.

Kurz lache ich auf. „Kommt wahrscheinlich daher, dass du mich mitten in der Nacht aus meinen Träumen aufweckst.”

„Ach ja, was hast du denn geträumt? Erzähl, vielleicht darf ich das deuten?”, gibt mir meine liebe Freundin daraufhin zu verstehen.

„Nein, das werde ich dir nicht erzählen. War nichts Besonderes.” Wenn ich ausgerechnet Minna erzähle, von wem ich geträumt habe, lässt sie mich ein Leben lang nicht mehr damit in Ruhe.

Doch sie lässt nicht locker, sonst wäre sie ja auch nicht Minna. „Das glaube ich dir jetzt nicht, sonst hättest du nicht erwähnt, dass ich dich aus einem Traum geweckt habe. Hast was Unanständiges von Mark geträumt?”

Eigentlich egal, ob ich ihr den Traum erzähle oder nicht, sie wird nie lockerlassen. „Nein, nicht von Mark!”

„Oh, jetzt wird es interessant. Von Eric vielleicht, oder von Alex?”, kommt es neugierig vom anderen Ende.

Schnell vergewissere ich mich noch, dass die Tür zum Schlafzimmer zu ist und sage leise: „Weder noch! Der Traum war eigenartig. Meine Mutter hatte da ein Restaurant und da gab es einen Barkeeper. Der hat an einem Abend Schnaps ausgeschenkt und ihn nicht boniert. Daraufhin gab es Stunk mit der Chefin, also meiner Mutter und er hat sich das sehr zu Herzen genommen. Anscheinend habe ich dort auch gearbeitet, als Kellnerin. Und dann saß der Typ plötzlich mit dem Rücken zu mir in der alten Küche meiner Eltern und als ich an ihm vorbeiging, habe ich ihm tröstend über den Rücken gestreichelt. Der hat sich dann aber sofort zurück an mich angelehnt, was sich irgendwie gut angefühlt hat. Ich konnte seinen Hinterkopf an meiner Brust spüren. Dann ist er aufgestanden und hat mich mit dem Worten ‘Kuscheln tut gut’ umarmt. Ganz eigenartig war, dass da dann auch noch ein etwa zehnjähriger Junge aufgetaucht ist, der anscheinend mein Sohn war und sich auch an uns gekuschelt hat. So als ob wir eine kleine Familie wären. Nur war eindeutig klar, dass der Barkeeper nicht der Vater des Kleinen war. Und dann war der Junge auf einmal wieder weg und ich mit dem Kerl allein, der mir einfach so auf die Brust gegriffen hat. Ich habe aber mit den Worten ‘Nicht hier, nicht jetzt’ gleich seine Hand weggeschlagen. Na ja, und dann hat mich das Läuten des Telefons geweckt.”

Kurzes Schweigen am anderen Ende. „Wer war der Kerl? Hat der auch einen Namen? Gibt es den in echt?”

Drei Fragen, auf die ein Name als Antwort reicht. Aber ich bringe ihn nicht raus. Fehler.

„Oh Liese, wenn du so schweigst, ist es jemand, den wir kennen. Spuk es schon aus! Ich verspreche nicht zu lachen”, versucht mich Minna zu überzeugen.

Doch ich weiß genau, dass sie das mit dem ‘nicht lachen’ sicher nicht hinbekommen wird, wenn ich ihr den Namen sage. Mit noch etwas mehr Zögern sage ich dann ganz leise: „Jenson.”

Vom anderen Ende der Leitung höre ich erst eigenartiges Grunzen, dann Minnas ansteckenden Lacher.

„Jen?“, fragt sie kaum atmend nach.

Nachdem ich das mit einem kurzen und verlegenen ‚ja‘ beantwortet habe, lacht sie plötzlich so schrill los, dass es sich anhört wie einer dieser australischen Vögel, der mich letztens geweckt hat.

Ich lasse Minnas Lachanfall über mich ergehen und warte auf ihren Kommentar, der nicht lange auf sich warten lässt.

„Ach du scheiße, ist das geil. Und ich dachte schon mein Traum wäre verrückt!“ Sie holt einmal tief Luft, ehe sie fragt: „Bereit für meine Traumdeutung?“

Ehrlicherweise antworte ich mit einem ‚nein‘.

„Gut.... hui, ... davon muss ich mich erstmal erholen. Aber die Deutung ist ganz klar, du möchtest eine eigene, kleine Familie haben, die engen Kontakt zu deiner Mama hat. Dein Erstgeborenes soll ein Junge sein.“

Skeptisch, weil das für Minnas Verhältnisse viel zu unspektakulär klingt, frage ich: „Das war’s?“

„Natürlich nicht. Du willst mit Jenson schlafen.“

„Oh bitte verschone mich!“

Minna hingegen denkt gar nicht dran. „Warum? Du wolltest, dass ich deinen Traum deute. Ist in deinem Traum zufälligerweise auch Mark aufgetaucht? Dann würde es heißen, dass du gerne einen Dreier hättest. Wobei da eher Eric, anstatt Jenson hätte auftauchen müssen. Schließlich wolltest du ihn in eurem Hotelzimmer verführen!“

Ich werde sauer. „Du immer mit deinem Dreier! Das ist doch Humbug! Außerdem wollte ich Eric nicht verführen.“

„Wieso ‘ich immer mit meinem Dreier’? Was soll das heißen?”, fragt Minna kurz nach.

„Na, bei der Sache mit Alex kam auch so eine Bemerkung”, bekommt sie gleich eine Erklärung.

„Das war damals eigentlich Nandos Idee. Aber egal, Lieschen, das ist doch super! Ist die Auswahl noch größer. Du tobst dich sexuell aus. Hat noch niemandem geschadet und es schweißt zusammen.“

„Warum schweißt das bitte zusammen?!“

Minnas banale Antwort: „Keine Ahnung. Klang im Kontext einfach gut.“

Gerade als ich Minna sagen will, dass sie nicht mehr richtig tickt, höre ich geschäftiges Treiben auf ihrer Seite. Hört sich an, als würde sie Papier zerreißen.

„Minna, was machst du jetzt bitte?”, frage ich neugierig.

Ganz lapidar antwortet sie: „Wir machen Losziehung, wer der dritte im Bunde sein soll.”

Oh mein Gott, diese Frau ist wirklich nicht zu bremsen. „Lass den Unfug!”

„Nein, das wird witzig. So, haben wir alle vier, die zur Auswahl stehen, beieinander. Ich bitte um Trommelwirbel vor der großen Ziehung!”, kommt es nach wie vor ernst von ihr.

Na gut, dann spiele ich halt bei diesem albernen Spiel mit, aber wie bitte kommt sie auf vier. „Minna, wie bitte kommst du auf vier?”

„Na ja, auf alle Fälle mal Eric, das ist doch klar. Dann dieser Alex. Mit dem versteht sich Mark ja auch gut. Jenson, nach diesem Traum auch ganz oben auf der Liste. Und Daniel!”, bekomme ich gelassen erklärt.

„Daniel, wie kommst du auf Daniel?”, frage ich nach.

Minna grunzt leise ins Telefon. „Hihi, na erstens, weil er dich in Spielberg ja schon etwas angebaggert hat und weil du sowas in Spa nach der Sache mit Eric und Mark erwähnt hast, zwecks ein Australier mehr oder weniger ist auch schon egal.”

Verdammt, das hatte ich schon wieder komplett vergessen. Während ich darüber nachdenke, höre ich wie Minna Trommelwirbel veranstaltet. Doch ich rufe: „Stopp, du hast noch einen vergessen! Ganz wichtig!” Ich kann auch, wenn ich will.

Kurz stutzt Minna, man kann förmlich hören, wie sie nachdenkt. „Wer denn bitte?”

Jetzt sage ich ganz lapidar: „Nando, natürlich.”

Damit habe ich den Spieß umgedreht.

„Nein, ganz sicher nicht!”, ruft Minna empört ins Telefon.

„Ganz sicher doch!”, sage ich mit einem Grinsen. „Schmeiß ihn dazu hinein. Wenn du schon solche Spielchen spielen willst …”

Ich höre ein Murren und wie noch ein Blatt Papier zerrissen wird.

„Ich hoffe für dich, dass auf den fünf Zetteln auch wirklich fünf verschiedene Namen oben stehen”, erkläre ich Minna noch.

Sie lacht ins Telefon. „Ich glaube, diese Retourkutsche habe ich verdient.”

Langgezogener Trommelwirbel, dann folgt laut: „Tada! Es ist Jenson!”

Das einzige, was mir dazu einfällt, ist: „Nein, bitte nicht Jenson!”

„Was ist mit Jenson?”, höre ich plötzlich Mark hinter mir, während Minna am anderen Ende fragt: „Wieso, was hast du für ein Problem mit Jenson? Du hast von ihm geträumt und jetzt wurde er gezogen. Passt doch!”

Sofort lege ich auf, ohne auch nur irgendwie auf ihre Ansage zu reagieren.

Da ich nicht immer so schlagfertig bin wie meine Freundin und es auch noch mitten in der Nacht ist und mein Hirn nicht gerade auf Hochtouren arbeitet, ringe ich mir mit Müh und Not eine Antwort ab. „Ach nichts. Minna brütet nur schon wieder irgendwelche Kindereien aus.”

„Ich dachte schon, er hatte einen Unfall oder ähnliches, weil Minna mitten in der Nacht anruft. Aber für sowas … na ja”, gibt mir Mark etwas verständnislos zu verstehen.

„Du kennst Minna doch, wenn sie sich was in den Kopf gesetzt hat … “, versuche ich die Sache zu verharmlosen.

„Deswegen muss sie aber trotzdem nicht mitten in der Nacht hier anrufen. Was brütet sie denn so Geniales aus, dass sie dir das nicht zu einer anderen Zeit sagen kann?”

Verdammt, der lässt nicht locker.

„Ach, wegen seinem Geburtstag.” Das erklärt zwar jetzt nicht ganz meine Ansage, aber einen Versuch ist es wert.

„Der ist aber doch erst in drei Monaten”, stellt Mark kopfschüttelnd fest.

Kann der endlich aufhören. Ich weiß genau, dass er mir das nicht wirklich abkauft. Muss mir was einfallen lassen, um ihn abzulenken oder auf andere Gedanken zu bringen. Und da fällt mir nur eine Sache ein, die immer funktioniert, wie bei fast jedem Mann. Gut, dass Mark nur Shorts anhat. So kann ich ihm mit einer Hand über seine Brust und durch die feinen Haare dort fahren und mit der andere zupfe ich leicht am Bund seiner Shorts. Dazu flüstere ich in sein Ohr: „Komm, lass uns wieder ins Bett gehen.”

Und, wie zu erwarten, funktioniert dieser Trick!


Minna

„Wieso, was hast du für ein Problem mit Jenson? Du hast von ihm geträumt und jetzt wurde er gezogen. Passt doch?”, will ich wissen. Ich find’s ja echt zum Schreien. Allerdings kriege ich einen halben Herzinfarkt, als Liese wegen Mark auflegen muss.

„Verdammt Alfi, warum zum Teufel schleichst du dich so an? Hast du mich etwa belauscht?“, frage ich erschrocken, aber leicht angesäuert, als ich Fernando hinter mir stehen sehe.

Skeptisch guckt er mich an und fragt: „Warum sprichst du mit Liese über Jenson?“

„Ach, nur so. Hat sich so ergeben“, versuche ich es beiläufig klingen zu lassen und gehe an ihm vorbei ins Schlafzimmer. Natürlich folgt er mir und weiß, dass das nicht ganz richtig ist, was ich sage.

„Ich kann zwar nicht viel Deutsch, aber ein wenig habe ich doch verstanden. Ihr habt irgendwas von einem Dreier gesagt. Was zum Teufel soll das heißen?“

Ich höre heraus, dass Nando sauer ist. Ich habe gar keine Chance etwas darauf zu erwidern, weil sein Temperament gleich wieder mit ihm durchgeht.

„Bist du etwa nicht mit unserem Sexleben zufrieden? Du ...“

Ich unterbreche ihn einfach. Das ist ja nicht auszuhalten. „Alfi, nun lass mich doch …“

Es macht fast den Eindruck, als hätte er mich nicht gehört. Er redet einfach weiter.

„Du hättest mir auch einfach sagen können, dass dir etwas fehlt, anstatt dich bei Liese auszukotzen!“

Wie nicht anders zu erwarten, läuft er aufgebracht in der Suite hin und her.

„Nun lass mich doch ...“, wage ich einen weiteren Versuch. Doch auch der wird von ihm ignoriert.

„Ich finde das wirklich unglaublich. Ich habe eindeutig gehört, dass ihr über einen Dreier mit Jenson gesprochen habt!“

Nur platzt mir aber der Kragen. Das Fernando ständig so überreagieren muss. Scheiß spanisches Temperament.

„Fernando Alonso Diaz! Jetzt hörst du mir gefälligst mal zu!“, fordere ich ihn mit den Händen in die Hüften gestemmt auf. Er blickt mir trotzig entgegen und bleibt endlich stehen.

„Ich habe Liese wegen meinem verrückten Traum angerufen. Dabei hat sich herausgestellt, dass sie ebenfalls einen verrückten Traum hatte. Ich habe sie verarscht, und gemeint, dass das ein Zeichen dafür ist, dass sie sich einen Dreier mit Jenson wünscht!“

Erstaunt guckt Nando mich an. Seine Gesichtszüge wechseln innerhalb von Sekunden von verärgert, zu entspannt, so amüsiert.

„Liese träumt also von Sex mit Jenson!“, schlussfolgert er komplett falsch und grinst.

„NEIN!“, untermaure ich meinen Widerspruch laut, weil ich nicht will, dass er was völlig in den falschen Hals kriegt, „sie hat davon nicht geträumt. Das habe ich in ihrem Traum hineininterpretiert. Einfach nur, um sie auf die Palme zu bringen.“

Sein Grinsen ist immer noch breit, als er meint: „Also träumst DU insgeheim von einem Dreier mit Jenson?“

Meine Augenbrauen ziehen sich zusammen und ich antworte empört: „Nein, natürlich nicht!“

Seine nächste Anmerkung bringt mich aus dem Gleichgewicht. „Die Vorstellung scheint dir aber zu gefallen.“

Ich springe auf den Zug auf, weil die Unterhaltung sich gerade in eine interessante Richtung entwickelt.

„Könnte vielleicht schon sein. Nach deinem Grinsen zu schlussfolgern, bist du dem Gedanken auch nicht ganz abgeneigt.“ Ich fange auch zu grinsen an, und schaue ihn herausfordernd an, als ich wissen will: „Wen hättest du denn gerne als dritte Person dabei?“

Ich sehe Fernando an, dass ihm das Thema gefällt und er sich bildlich vorstellt, wer sich mit uns das Bett teilt.

Sein Grinsen wird immer breiter. „Welche Art von Dreier meinst du denn?“

„Welchen hättest du denn gerne?“, frage ich provozierend zurück.

„Beide“, kommt es ehrlich von ihm.

Interessant. Das weckt meine Neugier. Mittlerweile sitzen wir beide auf dem Bett.

„Hattest du schonmal einen? Egal welcher Art“, will ich bei solch einer Steilvorlage natürlich wissen.

„Nein“, antwortet mir Fernando ernst. Ich habe keinen Grund, ihm nicht zu glauben. Ehrlich gesagt, hätte ich das nicht erwartet. Das sage ich ihm auch. Verwundert schaut er mich daraufhin an.

„Warum bist du der Meinung, dass ich schon einen Dreier gehabt haben soll?“

Ich zucke mit den Schultern, ehe ich antworte: „Keine Ahnung. So ungewöhnlich ist das ja eigentlich nicht und du bist ja nicht prüde. Aber ich hatte auch noch keinen.“

Überraschen tut ihn das ebenfalls. „Hättest du denn gerne mal einen?“, will er wissen.

Wieder zucke ich mit den Schultern. „Keine Ahnung. Darüber habe ich mir noch nie ernsthafte Gedanken gemacht. Bisher war ich mit meinem Sexleben immer zufrieden und kam gar nicht auf die Idee. Aber das heißt nicht, dass ich dem völlig abgeneigt bin. Und du?“

Ich sehe bereits an seinem Gesicht, dass ihm die Vorstellung schon nicht ganz unberührt lässt.

„Ja, doch. Ganz abgeneigt bin ich dem nicht“, drückt er sich vage aus.

Das nutze ich, um ihn festzunageln. „OK, dann beantworte mir mal ehrlich die Frage, wer für dich für einen Dreier in Frage kommen würde“.

Fernando antwortet nicht. Ich habe fast den Eindruck, als hätte er sich darüber sehr wohl schon Gedanken gemacht, aber er will es nicht zugeben. Erst nachdem ich ihn mit meinem Ellenbogen leicht in die Rippen haue, rückt er mit der Sprache raus.

„Na gut, den einen mit deiner lesbischen Arbeitskollegin und den anderen mit meinem guten Freund Jimmie Johnson!“

Das haut mich jetzt doch aus den Socken. Schließlich ist sein guter Freund Jimmie ein paar Jahre älter als er. Wie er so ist, kann ich nicht beurteilen. Bisher habe ich ihn noch nicht kennengelernt. Erst an Silvester wird das der Fall sein, weil er uns nach Italien in sein Haus eingeladen hat. Skifahren und Silvester zusammen verbringen.

Was allerdings der Wunsch nach Dalarna angeht, wundert es mich nicht.

Meine Gedanken kann ich nicht weiter nachgehen, weil Nando im Gegenzug natürlich wissen will, wie es bei mir aussieht.

Ohne groß zu überlegen, antworte ich ihm ehrlich: „Dalarna und Dan.“

Mit großen Augen guckt er mich an. „Daniel Ricciardo? Wirklich?“, fragt er überrascht nach.

Ich nicke. „Jo. Er ist süß und sieht gut aus. Außerdem fühle ich mich bei ihm wohl. Passt also.“

Nando schiebt seine Hand unter mein Schlaftop und drückt mich auf die Matratze, als er mich erst am Hals küsst und mir dann ins Ohr haucht: „Abgemacht. Einmal Dalarna, einmal Jim, einmal Dan“

Kaum ausgesprochen, drängt er sich schon zwischen meine Beine und ich muss innerlich schmunzeln. Die Vorstellung hat ihn ganz schön scharf gemacht. Aber nicht nur ihn ...
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