Doppeldate

von mandiese
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
Fernando Alonso Mark Webber OC (Own Character)
17.03.2019
09.12.2019
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Ende Oktober 2013

Minna

Ich bin einfach sowas von nervös. Schon während der Zugfahrt nach Frankfurt ging mir einiges durch den Kopf. Wie kann ich denn bitte so bescheuert sein und mutterseelenalleine nach Indien fliegen? Indien! Hallo? Und das auch noch als Frau? Wenn RTL sich nicht richtig um mich kümmert, dann verklage ich die! Die Vorfreude Fernando zu treffen, macht es auch nicht besser. Ich hatte ja wirklich befürchtet, dass ich jemand anderen treffe. Zum Beispiel Räikkönen. Das wäre ja ein Desaster geworden. Der Iceman und ich… oh oh… naja gut. Nun stehe ich hier am Schalter und warte darauf, dass ich endlich einchecken kann. Dem Online-Check-In traue ich ja nicht so. Lieber alles persönlich machen. Außerdem will ich noch einen guten Platz bekommen.

Die Schlange der Economy ist aber auch wirklich lang. Hoffentlich ist der Flug nicht ausgebucht. Aber, wer will denn schon nach Indien? Indien … da wären wir wieder beim Grand Prix, bei dem ich am wenigstens sein wollte. Wie kommen die denn bitte auf Indien? Vielleicht will da sonst keiner hin und sie müssen irgendwie die Ränge vollkriegen.

„Würden Sie bitte aufschließen!", werde ich freundlich angesprochen und gucke perplex zu dem jungen Mann neben mir.

Der hat aber auch einen beschissenen Job. Den ganzen Tag hier rumstehen und nichts wirklich Gescheites zustande bringen. Bestimmt ein Praktikant.

Bevor ich den Mann weiter bemitleide, gehe ich zum nächsten Schaltermitarbeiter und entschuldige mich erst einmal freundlich. Schließlich will ich noch was von der Frau mittleren Alters. Susanne, laut Namensschild. Na Susanne, dann wollen wir doch mal sehen, ob wir hier auf einen Nenner kommen. Ich hieve meinen Koffer aufs Band und habe nicht wirklich damit gerechnet, dass ich auch nur ansatzweise an die zwanzig Kilogramm Grenze komme. Elf komma vier Kilogramm, da ist noch Platz nach oben für Souvenirs. Sehr schön. Was soll ich auch großartig mitnehmen? Nach INDIEN!

„Wäre es möglich, einen Fensterplatz zu bekommen?", frage ich Susanne höflich.

„Ich schaue mal."

Sie schaut wie gebannt auf ihren Bildschirm und dann erhellt sich die Miene.

„Einen einzigen habe ich noch. Der ist in der fünft-letzten Reihe. Wäre das OK? Ansonsten habe ich nur noch Gangplätze oder die in der Mitte des Fliegers frei."

„Oh ne, dann lieber den Fensterplatz. Danke, Susanne", lächle ich sie an und freue mich wirklich.

Wenigstens kann ich dann schlafen. Mit meinem Kopf am Fenster. Ums Rausgucken geht’s mir gar nicht. Schließlich fliegen wir eh über Nacht. Aber wie soll man im Flieger schlafen, wenn man sich nirgends anlehnen kann? Genau. Gar nicht.

Mein Gepäck wird vom Band in den großen Bauch des Frankfurter Flughafens gezogen, während die Schalterdame mir erklärt, wann und wo das Boarding beginnt. Ich schnappe mir meine Bordkarte, meinen Pass und mein Handgepäck, dann gehe ich ein paar Schritte vom Schalter weg und will erstmal meine Dokumente sicher verstauen.

Als ich damit fertig bin, frage ich mich: Wohin jetzt? Am besten als erstes durch die Sicherheitskontrollen. Wer weiß, wie lange das dauert. Ich bin erst ein paar Meter gegangen, da werde ich an der Schulter angetippt. Ach, der Praktikant. Was will der denn noch?

„Entschuldigen Sie Frau Ewens, haben Sie ein paar Minuten? Meine Kollegin hätte ein Anliegen", bittet er mich freundlich und zeigt mit der Hand in Richtung Susanne.

Etwas verwirrt stimme ich zu und sehe am Schalter eine große, schlanke Frau mit schulterlangen mittelbraunen Haaren, die durchzogen sind von blonden und dezent roten Strähnen. Sie hat einen übergroßen Pullover zu ihrer weiter geschnittenen Jeans an. Scheinbar hat sie wohl auch einen Langstreckenflug vor sich.

„Frau Ewens", begrüßt mich Susanne freundlich, „die Dame ist ebenfalls auf Ihrem Flug und hatte mich wegen ihrer Klaustrophobie um einen Fensterplatz gebeten. Da Sie den letzten haben, wollte ich Sie fragen, ob es wohl möglich wäre, der Dame den Platz zu überlassen."

Ich blicke zu dem Fluggast und hatte eigentlich erwartet, dass sie mir freundlich gesinnt ist. Doch allen Anschein nach ist sie das nicht. Denn ihre Blicke sind ganz schön herablassend. Weil ich aber ein gut erzogener Mensch bin, versuche ich diplomatisch mitzuteilen, dass sie mich mit ihrer Klaustrophobie dezent am Arsch lecken kann.

„Ja, also das ist natürlich sehr ungünstig mit Ihrer Klaustrophobie. Macht es da nicht mehr Sinn für Sie am Gang Platz zu nehmen? Alleine schon wegen Ihrer Größe!"

„Nein, ich will einen Fensterplatz", antwortet sie kurz angebunden.

Na gut, wenn sie kein vernünftiges Gespräch haben will.

„Tja, und ich will den Weltfrieden. Was haben wir gemeinsam? Wir bekommen beide nicht, was wir wollen."

Mit großen Augen schaut sie mich an.

„Das darf doch wohl nicht wahr sein. Ich habe Klaustrophobie und Sie überlassen mir nicht den Fensterplatz? Was sind Sie bloß für ein Mensch!?"

„Ein Mensch, der gelernt hat, die anderen Menschen in seiner Umgebung zu respektieren und zu achten. Sie haben mir weder Respekt gezeigt, noch mich geachtet. Denn andernfalls hätten Sie sich nicht so unfreundlich mir gegenüber verhalten."

Wenn sie jetzt schlau ist, entschuldigt sie sich. Wundert mich nicht, dass das nicht der Fall ist.

„Nein, nein. Sie bringen mir keinen Respekt entgegen!", fängt sie an zu wettern. Dabei mischt sich Susanne ein

„Frau Ewens, wäre es für Sie wirklich so weit hergeholt, dass Sie der Dame ihren Platz überlassen?"

„Ehrlich gesagt, ja. Denn ich habe das Gefühl, als möchte die Frau um jeden Preis einen Fensterplatz. Wie kann jemand, der Klaustrophobie hat, ernsthaft an einem Fenster sitzen wollen? Da ist sie doch eingeengt. Das macht überhaupt keinen Sinn, und nur weil sie keine Lust hat am Gang zu sitzen, werde ich sicherlich nicht auf den Platz verzichten", erkläre ich wahrheitsgemäß meine Gedanken, worum es wirklich geht.

Die Frau neben mir seufzt etwas wütend. „Das ist unerhört! Als würde ich mir so etwas ausdenken. Nun seien Sie sich nicht so und geben Sie mir doch bitte Ihren Fensterplatz!"

Jasses nee, die Frau wird ja immer unfreundlicher. Dabei will sie was von mir. Unglaublich, was es für furchtbare Menschen auf der Welt gibt.

„Nein. Und Ihren patzigen Ton können Sie sich schnell mal abgewöhnen. Scheinbar kommen Sie damit in Ihrer rosaroten Regenbogen-Welt weiter, aber sicherlich nicht bei mir. Und jetzt entschuldigen Sie mich. Ich muss einen Flieger kriegen!"

Damit ist für mich das Gespräch beendet und ich laufe einfach mal drauf los. Keine Ahnung, wo ich genau hinmuss. Aber Hauptsache weg von dieser schrecklichen Person. Wäre sie freundlich gewesen und hätte mich nett um den Platz gefragt, hätte ich ihr diesen natürlich überlassen. Aber so sicherlich nicht! Die denkt wohl auch, sie kann sich alles erlauben und dabei auch noch so einsilbig zu sein. Tz…


Liese

Hier sitze ich nun. Wieder einmal in einem viel zu eng bestuhlten Langstreckenflieger und meine Klaustrophobie macht mir schon wieder zu schaffen. Das ist aber gar nicht das Schlimmste an der Sache. Nein, das Schlimmste ist, dass ich neben dieser überheblichen Piefke-Tussi sitzen muss. Wenigstens ist der Platz zwischen uns frei. Obwohl vielleicht wäre es besser, wenn da jemand sitzen würde, denn dann würde ich nicht ständig ihren Blick auf mir spüren. Sie wirkt total entspannt und ich könnte an die Decke gehen. Ich habe doch nur den Wunsch geäußert, am Fenster zu sitzen, weil ich mich da einfach wohler fühle. Ich solle doch am Gang sitzen, da ist man schneller draußen. Vielleicht habe ich etwas ungehalten geklungen, mag schon sein. Aber jedes Mal, wenn mich die Panik überkommt, bin ich in einer eigenen Welt und da merke ich oft nicht, wie ich rüberkomme. Das Argument mit dem ‚am Gang sitzen‘ musste ich mir schon öfter anhören. Da könnte ich dann eigentlich schon explodieren. Leider sind das immer Personen, die keine Ahnung haben, wie sich Klaustrophobie eigentlich anfüllt. Am Fenster kann man an die Wand gelehnt auch besser dösen, als am Gang. Mir ist eine Flugzeugwand deswegen lieber als Menschen, weil es mich noch mehr einengt, zwischen zwei Menschen zu sitzen oder ständig jemand an mir vorbeiwetzen zu spüren. Da vergeht die Zeit schneller und man ist nicht ständig auf die Enge um einen herum fixiert. Dies ist zwar nicht mein erster Langstreckenflug, aber bei den letzten konnte ich meine Plätze immer zeitig im Voraus reservieren. Nur hier hat das einfach nicht funktioniert. Noch dazu hatte mein Anschlussflug aus Graz, den ich mir noch dazu selber bezahlen musste, Verspätung. Als ich endlich am Schalter ankam, waren alle Plätze belegt. Und obwohl die freundliche Dame, das Namensschild wies sie als Susanne aus, mit Engelszungen versucht hat, diese … diese blöde Kuh dazu zu überreden mir ihren Platz abzugeben, hat die sich strikt geweigert.

Warum ausgerechnet Indien? Konnte es nicht irgendwo anders hingehen. Australien, zum Beispiel. Nein, das hätte ja nichts gebracht. Das wäre ja erst im nächsten Jahr und da wäre es dann zu spät gewesen.

Indien war schon immer ein Land gewesen, wo ich niemals hinwollte. Einige meiner ehemaligen Arbeitskollegen hatten mir erzählt, wie schrecklich es dort sei. Wenn da aber nicht die Aussicht auf ein einmaliges Treffen mit jemandem, von dem ich schon lange schwärme, gewesen wäre, wäre ich nie in diesen Flieger eingestiegen. Was tut man nicht alles, um einmal seinem Idol etwas näher zu kommen.

Dann noch die Sache mit dem Gepäck. Mein Koffer hatte Übergewicht, zwei Kilo. Aber was konnte ich dafür. Ich bin nun mal sehr groß und mein Gewand ist daher auch länger als andere Sachen. Außerdem hatte ich mich nicht entscheiden können, was ich mitnehmen soll und was nicht. Vor allem bei den Schuhen. Normalerweise habe ich damit kein Problem, aber das war eben eine Ausnahmesituation. Naja, wenigstens musste ich nichts für das Übergepäck bezahlen. Susanne hat mir dies erlassen, nachdem es ihr unmöglich gewesen war, mir einen Fensterplatz zu besorgen.

Hoffentlich hält wenigstens das Hotel den Luxus, den die Webseite verspricht.


Zwei Stunden später
Na toll, jetzt fängt die auch noch zu schnarchen an. Zuerst hatte sie die ganze Zeit lauthals über den Film, den sie sich angesehen hatte, gelacht und jetzt das. Ich bin schon so unendlich müde. Die Aufregung der letzten Tage hat mich nicht viel schlafen lassen und die Anreise nach Frankfurt hat sich auch ewig gezogen. Keine Ahnung, wie ich es mir auf so einem Gangplatz gemütlich machen soll. Mehr als sich von einer Seite zur anderen zu wälzen, ist da nicht drinnen. Ich werde einfach versuchen, mich auf das Schöne zu konzentrieren, das mich hoffentlich in den nächsten Tagen erwartet. Niemals habe ich damit gerechnet bei dem Preisausschreiben wirklich zu gewinnen. Und dann auch noch das Glück zu haben, auf den Richtigen treffen zu dürfen. Man stelle sich vor, es wäre der Iceman gewesen. Auf keinen Fall, ich wäre sofort vom Gewinn zurückgetreten.

Oh nein, das kann doch nicht wahr sein. Jetzt fängt die auch noch an, im Schlaf zu reden. Was ist das für eine Sprache? Ich dachte, sie ist Deutsche. Komisches Kauderwelsch, aber es kommt mir irgendwie bekannt vor. Hat die gerade sowas wie Nando gesagt? Sehr eigenartig.

So, Schluss jetzt, Liese! Lass dich doch nicht von dieser Person so aus der Fassung bringen. In ein paar Stunden steigt ihr aus diesem Flieger und du wirst sie nie wiedersehen.

Irgendwann versinke ich vor lauter Erschöpfung doch in einen leichten Schlaf. Aber nicht so leicht, dass ich nicht etwas träume. Ich träume von ihm und wie es sein wird, ihm das erste Mal gegenüber zu stehen.

Wir stellen uns einander vor. Etwas schüchtern sage ich: „Hi, ich bin Liese.“ Er lächelt mich an und sagt: „Hi, ich bin …“

Verdammt, was ist jetzt wieder passiert? Verstört schrecke ich aus meinem Traum hoch. Das Flugzeug ruckelt deutlich und meine Hose ist komplett nass. Ich blicke zur Seite und sehe wie diese Person ein fast leeres Saftglas in den Händen hält.


Minna

Hoppla, da haben die Turbulenzen dafür gesorgt, dass ich der blöden Ziege mein Getränk über die Hose gekippt habe. Tja, Sachen gibt’s. Karma, oder wie nennt man das?

„Tschuldigung. War keine Absicht", will ich trotzdem die Etikette wahren.

„Ja sicher!", schnauzt sie mich an und steht auf, um etwas aus ihrem Handgepäck zu holen.

Sie will sich sicher umziehen. Na, wenn sie eh schon mal aufgestanden ist, kann ich das gleich nutzen und auf die Toilette gehen. Schnell trinke ich den Rest des Saftes aus, dann gehe ich ganz nach vorne zum WC. Ein wenig die Beine vertreten. Kaum bin ich wieder raus aus dem engen Raum, sehe ich schon die Servierwagen. Oh, nun aber zackig. Mal sehen, wie mein vorbestelltes Essen schmeckt. Ich hätte auch etwas vom normalen Angebot nehmen können, jedoch mag ich das Fleisch im Flieger nicht. Deswegen wollte ich lieber auf Nummer sicher gehen und etwas Vegetarisches haben. In Gedanken, ob das wohl schmecken wird, bin ich schnell wieder an meinem Platz, wo gerade eine Reihe hinter uns das Essen bekommt. Meine Sitznachbarin lässt mich missmutig durch und ich habe mich gerade hingesetzt, da bekomme ich schon mein Essen in die Hand gedrückt. Natürlich kann sie nicht einmal warten, bis ich mich gesetzt habe. Etwas umständlich klappe ich den Tisch mit dem Tablet in der Hand aus und mache die Abdeckung der Schale ab. Moment mal, da ist Fisch drauf.

„Ähm, entschuldigen Sie...", will ich die Stewardess ansprechen, sehe aber im nächsten Moment, dass wohl meine Sitznachbarin mein Essen bekommen hat.

„Das ist mein Essen", weise ich sie sehr bestimmt darauf hin, bevor sie noch anfängt es zu essen.

Sie schaut erst mich, dann das Essen, an.

„Das vegetarische Gericht hier auf meinem Tablet?", fragt sie mich.

„Ja, genau das", antworte ich etwas pampig.

Ohne mit der Wimper zu zucken, nimmt sie eine Gabel davon und meint: „Mmh, schmeckt nach mehr."

Die nächste Gabel verschwindet in ihrem Mund.

„Lass dir deinen Fisch schmecken", kommt es süffisant von ihr.

So eine blöde… grrrr… ich fasse es nicht. Ich bin zwar kein Vegetarier, aber Flugzeugfisch muss ich nun wirklich nicht haben. Weil mir jetzt also nichts anderes mehr übrigbleibt und die Stewardessen schon zu weit weg sind, um sie zurückzurufen, esse ich notgedrungen den Fisch auf Couscous-Salat. Der Hammer ist das nicht. Aber wie sagt man so schön? Der Hunger zwingt es rein. Zum Glück gibt es noch ein Brötchen und einen kleinen Kuchen dazu. Beides spare ich mir bis zum Schluss auf, damit ich den seltsamen Geschmack des Fisches aus meinem Mund bekomme.

„Und, wie schmeckt dein Fisch?", werde ich gefragt und antworte: „Hoffentlich erstickst du an ´ner Sojasprosse!"

Sie kichert. So ein böswilliges Kichern. Na gut, schön. Vielleicht übertreibe ich etwas. Aber meine Laune wird immer schlechter. Egal. Erstmal aufessen und dann mal sehen, was das Bordprogramm sonst noch so zu bieten hat. Kann ja nur besser werden.
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