Der Junge, der keine Wahl hatte

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18
Astoria Greengrass Draco Malfoy Lucius Malfoy Narzissa Malfoy Scorpius Malfoy
17.03.2019
22.05.2019
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Nachdem die ersten Monate der Alltag ins Leben der jungen Malfoys eingekehrt war, wurde es Zeit, einmal wieder die gesamte Familie zum Neujahrsfest einzuladen.

Astoria und Draco hatten alle Hände voll zu tun mit ihrem kleinen Sohn, der mittlerweile umher krabbelte und versuchte, sich überall hoch zu ziehen.

Er war nun neun Monate alt und liebte es, den Zauberstab von Astoria zu schnappen und ihn von oben bis unten voll zu sabbern, während er zahnte.
Es waren einmalige Eindrücke, die sie im ersten Lebensjahr begleiteten.

Seit er auf der Welt war, bemerkten seine Eltern so viele seiner Fortschritte mit großem Staunen. Und es stimmte, dass die Zeit wie im Flug verging, wenn man es am eigenen Kind sehen konnte.

Wie er vom winzigen Säugling zum Kleinkind heranwuchs, verzauberte im wahrsten Sinne des Wortes alle, ganz besonders seine Großväter.
Die alten Männer ließen sich auffällig oft in ihrem Landhaus blicken, und es war rührend mitanzusehen, wie sich Lucius oder ebenso Hyperion für ein Baby begeistern konnten.

Er war der ganze Stolz seiner Familie, auch wenn es anfangs eine große Umstellung gewesen war, mit dem Schlafmangel und den Unsicherheiten als junge Eltern zurecht zu kommen.
Es war schwierig, als es Komplikationen mit dem Stillen gab und Astoria besorgt wegen seines ersten Fiebers war. Das alles war neu und ungewohnt für sie gewesen. Keinerlei Erfahrung zu besitzen, es aber irgendwie lösen zu müssen war durchaus eine Herausforderung.

Narzissa stand ihnen dabei immer unterstützend mit Rat und Tat zur Seite.
Sie hatte Draco und Astoria oftmals abends noch besucht, um sich um ihren Enkelsohn zu kümmern, damit seine Eltern auch einmal wieder zu Kräften kommen konnten.
Astoria war meist gleich darauf eingeschlafen, anstatt wie vorgenommen ein langes Bad zur Entspannung zu nehmen oder mit Draco ein paar Stunden auszugehen.

Ein Baby zu haben war ihr größtes Glück und gleichzeitig unglaublich anstrengend.
Aber es hatte sich mit Geduld alles irgendwann eingespielt. Sie unterstützten sich gegenseitig und Draco war ein wunderbarer Vater.

Astoria liebte die Momente, in denen Scorpius noch winzig klein und angekuschelt auf ihr oder Draco eingeschlummert war.
Sie war zufrieden mit ihrem Leben. Sie hatte erreicht, was sie immer wollte.


Sie dekorierte gerade mithilfe ihres Zauberstabs passend zu Silvester den langen Esstisch mit ein paar silbernen Blumen, als die Haustür aufging. Draco erschien vor ihr und klopfte sich Schnee von seinen Schultern.

„Hallo, Draco. Scorpius, sieh mal, dein Papa ist wieder da! Hast du die Urkunde noch erhalten?“, begrüßte sie ihren Mann im Eingangsbereich, als sich hinter ihr der kleine Scorpius über den schwarzweiß gefliesten Steinboden robbte.
Draco wedelte mit einem Blatt Pergament und gab seinen beiden Liebsten einen Kuss.

„Hallo, meine Schätze. Ja, ich habe alles bekommen. Hast du die Lieferung der Hauselfe vorhin erhalten? Ich hatte sie nämlich aus Manor zu uns geschickt. Haben wir jetzt alles für die Feier oder fehlen noch ein paar Flaschen Elfenwein?“, erkundigte sich der Blonde und legte seinen Wintermantel an der Garderobe ab, worauf sich dieser selbst an einen Platz hängte.

Er hob Scorpius vom Boden auf und warf ihn spielerisch hoch in die Luft.
Der Kleine jauchzte belustigt auf und versuchte mit seinen kurzen Ärmchen die verschneiten Haarsträhnen seines Vaters zu greifen.
Er trug dem festlichen Anlass entsprechend einen weißen Strampler mit passender kleiner Fliege und sah damit wirklich wie das Ebenbild seines Vaters aus, der bereits in ein maßgeschneidertes weißes Hemd mit schwarzer Weste und Anzughose gekleidet war.

„Ich muss mich nur noch umziehen und frisieren. Kann ich euch beide alleine lassen, ohne dass Scorpius wieder funken aus deinem Zauberstab sprühen lässt?“, fragte Astoria und hob die Augenbrauen, als Draco über ihre Aussage breit grinste.
„Entschuldige bitte, ich habe doch nur sehen wollen, wie viel Magie bereits in ihm steckt. Wir werden hier schon nichts in die Luft fliegen lassen, Astoria. Du kannst dich entspannt fertig machen gehen. Schließlich hören wir auf Mommy, nicht wahr Scorpius?“, wandte sich Draco zwinkernd an seinen Sohn und setzte ihn vor dem Kamin auf dem Lammfell ab.

Er erhielt undefinierbare, blubbernde Laute als Antwort von seinem Kleinen und machte sich an die letzten Vorbereitungen, bevor ihre Gäste eintrafen.



Als sich seine Eltern, Schwiegereltern und Arnold zusammen mit Mary zum Dinner eingefunden hatten, war die Stimmung freudig und entspannt.

Draco erhob sich, um eine kleine Ansprache zu halten.
„Wir freuen uns, dass ihr heute gemeinsam mit uns in das neue Jahr feiern wollt, welches hoffentlich genauso einzigartig werden wird wie das, was wir diese Nacht verabschieden. Es ist schön, dass unsere Familie mittlerweile zu dieser großen Runde zusammengewachsen ist.“
Er machte eine kurze Pause, um seinen Blick auf seinem rothaarigen Freund ruhen zu lassen. Arnold saß mit Mary am Ende der Tisches und hielt aufmerksam die Hand seiner Frau.

„Arnold, dir gilt ganz besonders mein Dank. Ohne dich, würde ich hier vermutlich ganz alleine sitzen. Ohne meine wunderbare kleine Familie. Ich hätte Astoria und Scorpius nicht ohne deine großartigen Künste. Du bist nicht nur unser Tränkemeister, sondern mehr als dieser geworden. Für uns bist du ein wahrer Freund, der durch seine Hilfsbereitschaft Unmögliches vollbracht hat. Deshalb wollen wir dich zum heutigen Abend zum Paten unseres Sohnes machen. Wir können uns keinen besseren Menschen vorstellen, sollten Astoria und ich einmal nicht mehr sein, wäre Scorpius bei dir in den allerbesten Händen. Es wäre uns eine Freude, wenn du ihn durch sein Leben begleiten würdest. Denn manchmal brauchen Kinder auch eine dritte Meinung, wenn sie nicht in jeder Angelegenheit zu ihren Eltern kommen möchten. Eine andere Betrachtungsweise und erwachsene Vertrauensperson sind uns wichtig für Scorpius. Deshalb würden wir dir gerne diese Urkunde zur Patenschaft überreichen.“

Arnold war überrascht von dieser ehrenhaften Aufgabe, die ihm seine Freunde zutrauten. Er nahm den kleinen blonden Jungen von Astoria auf seinen Schoß, bevor er die passenden Worte für seine Antwort suchte.

„Es wäre mir eine Ehre, auf euren Sohn zu achten und ihm ein treuer Begleiter zu sein. Mir liegt viel am Herzen, dass ihr mich dafür ausgewählt habt. Ich kann mich nur ebenso bedanken. Durch euch habe ich meine wundervolle Frau kennengelernt und meine besten Freunde gefunden. Ich nehme meine Aufgabe sehr gerne an und zeige Scorpius, wie vielfältig die Welt ist. Mit all den Reinblütern, Halbblütern und Muggel, die seinen Weg noch kreuzen werden.“, erklärte Arnold und war immer noch unheimlich geschmeichelt.

„Oh, mein Glückwunsch, Arnold Avery. Diese Auffassung entspricht ja so gar nicht der deines Vaters. Hoffen wir doch, dass es nicht zu viele Muggel sein werden, die sich Scorpius in den Weg stellen.“, bemerkte Lucius und legte eine abschätzige Betonung in das Wort für nichtmagische Menschen.
Arnold blickte wortlos über die Anspielung der Todesservergangenheit hinweg und legte den Kopf schief.

„Lucius, bitte! Wir erziehen Scorpius nicht mit Vorurteilen über die Muggelwelt. Er soll und wird tolerant aufwachsen. Wenn er zukünftig einmal einen muggelstämmigen Schulfreund haben sollte, dann werden da nichts dagegen einwenden.“, mischte sich Astoria ein, die leicht schockiert über die Aussage ihres Schwiegervaters reagierte.

Sicher war seine rassistische Einstellung dem gegenüber kein Geheimnis, aber ihr Sohn sollte nicht so aufwachsen, wie Draco damals erzogen wurde.

„Das könnt ihr doch wohl nicht ernst meinen?“, hakte Lucius belustigt nach, der Astorias Antwort als scherzhaft angenommen hatte.

„Vater, du weißt ganz genau, wohin uns solche Ansichten damals geführt haben. Es ist nicht umsonst ein Krieg ausgebrochen, weil man Menschen in verschiedene Klassen unterteilen und unterdrücken wollte.“, schaltete sich Draco ein, der versuchte die Situation zu entschärfen.

„Aber wir unterscheiden uns von ihnen! Und das ist auch gut so... Es fehlt ihnen doch etwas ganz Entscheidendes, um mit den praktischen Dingen des Lebens klarzukommen. Ganz ohne Magie erscheint mir dies als völlig unterbelichtet. Immer noch. Ihr könnt Scorpius doch nicht beibringen, dass Muggel gleichwertige Menschen wären. Wir sind schließlich um Längen begabter als sie.“

Astoria konnte ihren Ohren kaum trauen, dass der alte Malfoy nach Jahren diese verstaubten Sichtweisen seinem Enkel vermitteln wollte.
Die anderen Mitglieder am Essenstisch starrten gespannt zwischen Lucius und dem gegenüber sitzenden Ehepaar hin und her. Keiner wagte auch nur, in diese Diskussion einzusteigen oder sie gar zu unterbrechen.
Die feierliche Stimmung war wie auf einen Schlag verflogen.

„Du hast dich jedoch nicht in die Erziehung unseres Sohnes einzumischen, Lucius. Und es ist ja wohl weitaus bekannt, dass muggelstämmige Zauberer des Öfteren als Jahrgangsbeste die Prüfungen in Hogwarts absolvieren. Ich wurde auch traditionell erzogen, habe allerdings einen toleranten Erziehungsstil genossen, wenn es um dieses Thema ging. Muss ich dich denn daran erinnern, dass Voldemort Vergangenheit ist?“, entgegnete Astoria hitzig.

Scorpius fing an zu wimmern, als er die strengen Stimmen seiner Familienmitglieder verarbeitete und unruhig auf Arnolds Arm wurde.

„Schluss jetzt, ich verbiete dieses Gesprächsthema in unserem Anwesen. Es ist nicht wichtig, wer welchen Blutstatus hat. Zumindest nicht mehr für uns... Respektiert dies bitte ein für alle Mal. Es ist unsere Sache und meine Erziehung war wahrlich nicht die perfekte Vorgabe. Wir folgen schon einmal der Regel, dass wir nicht vor dem Kind streiten. Und daran wird sich hier jeder halten. Ende der Diskussion, Vater.“, unterbrach Draco, aber um einen ruhigen Ton bemüht, damit er Scorpius nicht noch mehr verunsicherte.

„Danke, Draco. Ich freue mich jedenfalls, dass wir in Arnold den passenden Paten gefunden haben. Entschuldigt mich, ich werde kurz in die Küche gehen, um das Dessert zu servieren.“, sprach Astoria, als sie den restlichen Schluck ihres Weinglases leerte und mit einem lauten Klirren wieder auf der Tischplatte abstellte.

„Auch dafür wären Hauselfen doch äußerst sinnvoll, Liebes.“, ließ Narzissa leise anmerken und versuchte das Tischgespräch wieder friedvoller einzulenken.

Astoria winkte im Vorbeigehen ab und verschwand aus dem Raum. Sie wollte keine Hauselfen, sie hatte sich in ihrem eigenen Haus nicht mit dieser Sklaverei anfreunden können.
Sicher waren die Elfen bei einem so großen Anwesen wie Malfoy Manor sinnvoll, allerdings konnte sie alleine mit Einsatz ihres Zauberstabs auch sehr gut ohne sie zurechtkommen.

„Ich werde sehen, wie ich dir behilflich sein kann, Astoria.“, entschied sich Mary umgehend und nahm Scorpius von Arnolds Platz auf ihren Arm, um seiner Mutter hinterher zu eilen.

Es konnte doch nicht sein, dass sie sich rechtfertigen musste, wie sie ihr Kind richtig zu erziehen vermochte.

Die Malfoys saßen stillschweigend mit den Greengrass' am Tisch, während sich Draco seufzend mit den Fingerspitzen an die Stirn fuhr.
Er ließ mit einem Schwenker seines Zauberstabs die alkoholischen Getränke der Gäste erneut auffüllen und griff danach selbst zu seinem Whiskyglas.

Welch froher Einstieg in das neue Jahr...
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