Ich - Der andere Zwilling

von Alex1912
GeschichteRomanze, Familie / P16 Slash
Caroline Forbes Damon Salvatore Elena Gilbert OC (Own Character)
16.03.2019
14.09.2019
33
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„It‘s going down tonight“

Wir schienen zu den letzten Gästen des Maskenballs zu gehören, denn aus dem Lockwood-Anwesen strömte bereits laute Musik und es war Lachen zu hören. Schweigend folgte ich Katherine und Lucy zu dem Eingang, wo uns niemand groß Beachtung schenkte. In meinem Kopf drehte sich alles und doch blieb nur ein einziger Gedanke übrig.
Ich musste zu Tyler.

„Du weißt was du zu tun hast?“, hakte Katherine nach, als wir uns in der großen Eingangshalle wiederfanden.
Überall rannten bereits angetrunkene Menschen mit Masken herum, niemand schien irgendwelche Hemmungen zu haben. Was vielleicht auch der Sinn des Ganzen zu sein schien.
„Ja“, murmelte ich ihr mit ausdrucksloser Stimme zu, dann bahnte ich mir einen Weg durch die Menschenmassen.
Ich kannte Tyler gut genug um zu wissen, dass ihn keine zehn Pferde zu einem solchen Fest bringen würden. Aber seine Mutter würde ihm auch nicht erlaubt haben, sich auszuquartieren. Also war er wohl oben in seinem Zimmer und schmiss eine Gegenparty.

Doch ich hatte die Treppe noch nicht ganz erreicht, als mich plötzlich ein paar kalte Hände, die sich um meinen linken Arm schlossen, zurück hielten. Unsanft wurde ich herum gewirbelt und blickte in ein paar aufgewühlte blaue Augen.
„Chloe, was machst du hier? Wo ist Katherine? Hat sie dich freigelassen?“, fragte Damon leicht aufgebracht.
Sofort sank mein Herz in die Hose.
„Ja, Katherine hat mich gehen lassen. Aber sie will trotzdem den Mondstein. Und sie hat mich manipuliert, um sicher zu stellen, dass sie bekommt, was sie will.“, versuchte ich zu erklären.
Wozu genau Katherine mich manipuliert hatte ließ ich mal außer Acht. Ich war mir sicher, dass Damon einfach verlangen würde, Tylers Fluch auszulösen, dann wäre die Sache für ihn erledigt. Aber das konnte ich nicht so einfach.
„Dann geh nach Hause, bringe dich in Sicherheit!“, wies er mich mit fester Stimme an.
„Nein, dass kann ich nicht!“, widersprach ich entschlossen und vielleicht eine Spur zu hart. Damon weitete überrascht seine Augen. „Katherine, sie verlangt etwas von mir.“, fügte ich etwas versöhnlicher hinzu.
„Und was genau?“, wollte er wissen.
„Das kann ich dir nicht sagen.“, wich ich aus, und ich konnte sehen, dass ich Damon mit diesen Worten verletzte. Aber ich konnte ihm einfach nicht die Wahrheit sagen.
„Du musst mir einfach vertrauen!“, flehte ich ihn an und umfasste nun meinerseits sein Handgelenk, um ihm tief in die Augen zu sehen. „Und wenn du die Chance dazu bekommst, töte Katherine. Egal wie hoch der Preis ist!“

Mit diesen Worten löste ich mich von Damon, warf ihm noch einen entschuldigenden Blick zu und stieg dann die breite Holztreppe hinauf in die oberen Stockwerke.
Als ich die zweite Etage erreichte wandelte sich langsam die Musik. Das seichte Geplänkel der angeheuerten Band unten wich leisem Rock, der aus Tylers Zimmer kam. Er hatte offensichtlich schon ohne mich mit seiner Party angefangen. Vor der Tür blieb ich kurz stehen und atmete tief ein, dann legte ich meine Hand auf die Klinke und drückte sie nach unten.
Aus dem Zimmer schlug mir der leichte Geruch von Gras entgegen, zusammen mit Schweiß und einer interessanten Zusammensetzung an verschiedenen Parfüms und Deos. Es hatte sich bereits eine kleine Menschenmenge in den Zimmer versammelt, natürlich Tyler, zusammen mit seinem besten Freund Matt, dazu noch Angela und ein weiteres Mädchen aus unserem Jahrgang deren Namen ich nicht kannte.
„Ihr habt doch etwa nicht schon ohne mich angefangen?“, fragte ich mit einem aufgesetzten Grinsen, trat ein und stellte sicher, dass die Tür hinter mir wieder sorgfältig verschlossen war.
„Chloe! Wir wussten nicht das du kommst!“, begrüßte mich Tyler und sprang von dem Sofa auf, auf dem er bis eben noch mit Amber geknutscht hatte.
„Du glaubst doch nicht, dass ich mir so eine Feier entgehen lasse.“, erwiderte ich sarkastisch.
„Schon, aber ich dachte, Damon hat dir immer noch verboten, mit mir zu sprechen.“, wandte Tyler ein.
Das versetzte mir einen Stich in den Magen. Ja, Damon hatte von mir verlangt, dass ich mich von Tyler fern hielt. Aber nicht nur deswegen war ich meinem besten Freund aus dem Weg gegangen, sondern auch, weil ich die Wahrheit über Mason wusste. Damon hatte eine Nachricht von ihm gefälscht, dass er zurück nach Florida gegangen war. Wortlos zu verschwinden passte perfekt auf Masons Charakter. Nur ich wusste, dass er vergraben in einer kleinen Kuhle hinter dem Salvatore-Haus lag.
„Ich höre nicht immer auf das was Damon sagt!“, brummte ich gespielt beleidigt, dann ging ich an Tyler vorbei und schnappte mir eines der Gläser vom niedrigen Holztisch, um es mit gutem Bourbon zu füllen, den Tyler wohl aus den Hinterlassenschaften seines Vaters gestohlen hatte. Dann ließ ich mich auf eines der Sofas fallen, schlüpfte aus meinen Schuhen und zog meine Beine an.
Dabei begann ich mich sorgfältig im Raum umzusehen. Keiner der Anwesenden in diesem Raum schien mir irgendwie verdächtig, nicht, als wären sie irgendwie von Katherine manipuliert. Aber das konnte ich von außen ja schlecht beurteilen. Kurz horchte ich in mich hinein. Verspürte ich den Drang, einen der Anwesenden vor Tyler zu stoßen, damit er ihm seine Wolfszähne in den Hals schlagen konnte? Nein. Verspürte ich den Drang, mir den Brieföffner vom Schreibtisch zu schnappen, um ihn mir in den Bauch zu stoßen? Auch Fehlanzeige. Also, so weit so gut. Ich redete mir ein, dass alles gut werden würde. Damon und Stefan würden Katherine umbringen, den Mondstein in Sicherheit bringen und dann war alles vorbei. Tyler würde seinen Fluch nicht brechen müssen und ich musste mich nicht umbringen.
Doch so sehr ich es mir auch wünschte, die dunklen Gedanken im hintersten meines Gehirns verschwanden einfach nicht. Was, wenn Katherine recht hatte? Wenn Damon es nicht über sich brachte, sie umzubringen? Wenn er sie noch liebte? Doch ich musste auf Stefan vertrauen. Elena war die Liebe seines Lebens, er würde niemals zulassen, das Katherine ihn bedrohte. Er würde sie umbringen. Und bis das passiert war, würde ich mich irgendwie anders ablenken müssen.

„Hey, ich rieche Gras. Habt ihr noch irgendwas?“, fragte ich und blickte Tyler auffordernd an.
Tyler wirkte überrascht. Und ich konnte das verstehen. Ich war nicht unbedingt die größte Kifferin, diese Rolle überließ ich eher meinem kleinen Bruder. Vor allem mochte ich die Fressattacken danach nicht. Aber heute musste ich mich ablenken, und außerdem wollte ich die dunklen Gedanken vertreiben.
Tyler langte kurzerhand in seine Tasche und holte einen länglichen Joint heraus, um ihn mir zu reichen. Ich zündete ihn an, dann nahm ich einen Zug. Sofort begann ich zu prusten, wie gesagt, ich war es nicht gewohnt. Also reichte ihn den Joint weiter und eine Weile lang ließen wir ihn kreisen, während wir begannen, uns über unverfängliche Themen zu unterhalten.
Allerdings zeigte das Gras schon bald seine Wirkung und wir fingen an, wie bescheuerte über die Geschichte zu lachen, in der Amber zusammen mit dem Captain des Footballteams nachts in die Schule eingebrochen war, um ihm Zeugraum rumzuknutschen. Eigentlich war die Geschichte nicht einmal besonders witzig, aber trotzdem lachten wir als würde von irgendwo Lachgas in den Raum strömen.
Schließlich beschloss ich, dass es Zeit wurde, zu tanzen. Ich drehte die Musik auf und zog dann Tyler mit ihr auf die Füße. Die anderen taten es mir gleich und so sprangen wir schließlich alle zu „Give me everything tonight“ von Pitbull durch das Zimmer. Ich wollte nicht wissen, wie wir dabei aussahen. Wie ein paar bekiffte Teenager eben. Aber ich fühlte mich wunderbar frei und unbeschwert, die Sache mit Katherine und ihre Manipulation war schon fast vergessen. Wenn ich gewusst hätte, dass es das letzte Mal für eine lange Zeit sein würde, dass ich mich so fühlte, hätte ich es wahrscheinlich mehr genossen. Doch so war da immer eine Stimme tief in meinem inneren, die mich darauf hinwies, achtsam zu bleiben.

Die Stunden vergingen wie Minuten und ehe wir uns versahen, war es tief in der Nacht. Ich bemerkte das allerdings erst, als die Tür aufgestoßen wurde und Caroline herein stürmte, dicht gefolgt von einem sichtlich aufgewühltem Damon. Wie erstarrt blieb ich stehen und blickte sie an, in der Hoffnung, dass nun alles in Ordnung war.
„Gott sei dank, dir geht es gut!“, rief Damon aus als er mich sah, stürmte auf mich zu und umarmte mich.
Die anderen waren noch so in ihrer eigenen Welt abgesunken, sodass sie nichts von uns bemerkten, nur Tyler hielt ebenfalls inne und beobachtete uns skeptisch.
„Warum sollte es mir nicht gut gehen?“, fragte ich verwirrt und versuchte mich aus Damons Griff zu befreien. Er schien immer noch überfordert, sodass Caroline antworten musste.
„Katherine. Sie hat die Hexe, die sie begleitet hat, irgendwie dazu gebracht, sie und Elena mit einem Zauber zu verbinden, sodass alles, was Katherine passiert, auch Elena zustößt. Aber keine Sorge, wir haben es geschafft, ihr den Mondstein abzunehmen. Stefan bringt sie jetzt in die Gruft, in der die Gruftvampire eingesperrt waren.“
„Nein!“, entfuhr es mir fassungslos, da ich nun erkannte, dass ich gewaltig in der Scheiße saß. „Bitte, wir müssen irgendwie den Zauber lösen und Katherine umbringen! Wir haben keine andere Wahl!“
„Warum denn?“, wollte nun wieder Damon wissen.
Doch noch bevor ich weiter erklären konnte, schnappte sich das Mädchen aus unserem Jahrgang, dessen Namen ich immer noch nicht kannte, den Brieföffner vom Tisch um damit auf Tyler loszugehen. In dessen Augen konnte ich Panik sehen, doch gleichzeitig machte er sich kampfbereit. Sie musste die Person sein, die Katherine manipuliert hatte, um Tylers Fluch auszulösen. Noch bevor etwas weiteres passieren konnte, sprang ich sie von hinten an. Zwar hatte ich gegen Katherine heute morgen noch kläglich versagt, aber das Mädchen hier war ein Mensch. Also schaffte ich es, sie zurück zu schleudern. Das Mädchen fiel rückwärts auf den Boden und verzog schmerzhaft ihr Gesicht, mir gelang es unterdes, ihr den Brieföffner zu entreißen.
„Katherine hat mich manipuliert.“, begann ich dann zu erklären, wobei ich am ganzen Leib zitterte.
„Ich soll dafür sorgen, dass Tyler seinen Werwolffluch auslöst. Und wenn ich das nicht tue ...“
Da war es. Ein kurzes Flackern in meinem Gehirn, die Verbindung zweiter Synapsen. Unter anderen Umständen hätte ich es interessant gefunden, wie eine solche Manipulation funktionierte, aber nun hatte ich keine Zeit dafür. Denn alles, woran ich nun noch denken konnte, war der Brieföffner in meiner Hand.
Mit einer einzigen Bewegung und einem zischenden Geräusch versenkte ich die silberne Klinge in meiner Magengrube. Allerdings war die die Spitze nur sehr stumpf, sodass sie nur eine vergleichsweise geringe Verletzung hinterließ. Das half jedoch nicht, denn sofort verspürte ich den Drang, das zu wiederholen. Ich war nun aber stark genug, dem Drang für einen Moment zu widerstehen.
„Ansonsten hat sie mich gezwungen, mich umzubringen, sollte das nicht passieren.“
„Dann las Tyler seinen Fluch auslösen!“, flehte mich Damon an.
Mittlerweile waren alle wie festgewachsen stehen geblieben und starrten uns an. Nur die wenigsten von ihnen schienen zu verstehen, worum es wirklich ging.
„Nein, das werde ich nicht tun!“, widersprach ich, entschlossen, während Caroline das Mädchen auf die Füße zog und davon abhielt, erneut anzugreifen.
Ein weiteres Mal versenkte ich den Brieföffner in meinem Magen, nun breitete sich langsam Blut auf dem Stoff meines Kleides aus. Ich spürte nun deutlich den Schmerz, nicht einmal der Alkohol oder die berauschende Wirkung des Gras schafften es, diesen zu überdecken.
„Chloe, bitte! Hör auf damit!“, rief Damon auf, und sprang auf mich zu. Seine kalten Finger legten sich um meine Handgelenke und versuchten mich mit aller Kraft von meinem Tun abzuhalten.
„Ich kann nicht.“, versuchte ich mit Tränen in den Augen zu erklären. „Nicht, solange Katherine lebt. Sobald sie tot ist, verschwindet auch ihre Manipulation. Also, bitte bringt Katherine einfach um. Und sorgt dafür, dass es schnell geht.“

Ich konnte den Kampf in Damons Augen sehen. Und es brach mir das Herz. Er musste überlegen. Er musste tatsächlich nachdenken, bevor er sich entscheiden konnte, was er tun sollte. Hier war ich, seine Freundin, die kurz davor stand, sich umzubringen. Und die einzige Möglichkeit, wie er mich davor beschützen konnte, war es, seine mörderische Ex zu opfern. Es war alles so einfach, zumindest in meinen Augen. Trotzdem schien sich Damon nicht sicher zu sein.
„Damon, bitte!“, flehte ich, nun liefen mir Tränen über die Wangen.
Da ich nun den Brieföffner nicht mehr in meinen Magen rammen konnte, machte ich einen Schritt nach vorne, sodass ich meine Haut gegen das kalte Metall drückte. Wieder spürte ich, wie sie zerriss und dann die Wärme, die sich ausbreitete.
Dieses Mal musste ich ein wichtiges Gefäß erwischt haben, denn auf einmal fühlte sich alles taub an. Das Bild vor meinen Augen begann zu verschwimmen und ich musste mich gegen Damon stützen, um nicht umzufallen. Dennoch schien er sich immer noch nicht entschieden zu haben, obwohl ich wahrscheinlich in wenigen Minuten sterben würde. Und dennoch reichte es nicht, dass mir entging, was als nächstes passierte.

Ein tiefes Grollen drang aus Tylers Kehle, seine Augen veränderten sich. Sie wurden zu schmalen Schlitzen und bekamen einen bernsteinfarbenen Ton. Tyler machte einen Schritt nach vorne, doch nicht auf mich zu, sondern in die Richtung von Caroline und dem Mädchen, dass versucht hatte, ihn anzugreifen. Er stieß sie beiseite, und entweder die blonde Vampirin war komplett überfordert oder mein bester Freund hatte in diesem Moment Superkräfte erhalten, denn sie ließ es einfach geschehen und taumelte Richtung Boden. Dann packte er das Mädchen, in deren Augen nun die blanke Angst stand. Das Knurren aus seiner Kehle wurde noch eine Spur lauter, dann, innerhalb einer Sekunde stieß er sie wieder von sich.
Sarah. Der Name des Mädchens war Sarah. Es war merkwürdig, dass er mir genau jetzt einfiel, da er innerhalb einer Sekunde so unwichtig wurde. Sarah taumelte nach hinten, stolperte über ihre eigenen Füße und landete dann mit ihrem Hinterkopf auf dem großen Glastisch, welcher daraufhin in tausend Teile zerbarst. Dickflüssiges, süßliches riechendes Blut trat aus. Seit wann konnte ich Blut riechen? Egal, jedenfalls erfüllte es alle meine Sinne. Mir war klar, dass sie noch im selben Moment tot war, dazu war es einfach zu viel Blut, dass aus der Platzwunde an ihrem Kopf schoss. Ich erwartete, dass ich in Ohnmacht fallen würde. Eine rettende Schwärze wäre jetzt genau das, was ich brauchte. Aber ich wurde nicht ohnmächtig. Stattdessen sank ich zu Boden und zog wie paralysiert meine Beine an.
Ich spürte Hände, die sich auf meine Schultern legten. Warme Hände. Und eine mitfühlende Stimme, die auf mich einredete, eine Stimme, deren Worte ich nicht verstand. Ich erwartete, dass Damons Gesicht vor meinem Blickfeld erschien, Damon, mein Freund, der sich um mich sorgen sollte. Aber es war Tyler. Tyler, der für mich einen Menschen umgebracht hatte. Tyler, der nun für mich sein Leben lang leiden würde.

Irgendwie wurde ich auf das Sofa gebracht. Während Caroline versuchte, die Schäden zusätzlich zu der Leiche zu beseitigen und Amber und Matt mit neuen Erinnerungen auszustatten, lehnte Tyler an der Wand und ertrank seine Sorgen in Whisky. Eigentlich hätte ich es ihm gerne gleich getan, aber ich hatte keine Stimme mehr, um nach der Flasche zu tragen. Damon ging unruhig auf und ab und machte mich dabei wahnsinnig. Dauerhaft versuchte er Elena, Stefan oder sonst jemanden anzurufen, aber sie alle waren nicht zu erreichen. Ich konnte ihm in diesem Moment nicht in die Augen sehen. Er hatte die Chance gehabt, mir zu beweisen, dass er mich liebte. Er hätte einfach dafür sorgen können, dass man Katherine umbringen würde. Ich wusste nicht, ob Katherine immer noch an Elena gekettet war oder nicht, aber ich war mir sicher, dass man diesen Zauber hatte lösen können. Schließlich hatten sie es auch irgendwie geschafft, Katherine in die Gruft zu bringen. Dennoch hatte er gezögert, so lange, bis es zu spät war. Zwar war es sein Blut gewesen, das die Verletzungen an meinem Bauch wieder geheilt hatte. Aber dabei hatte ich ihm nicht in die Augen blicken können. Und das Blut hatte sich in meiner Kehle wie flüssiges Feuer angeführt.
„Verdammt!“, schrie Damon wahnsinnig und schleuderte sein Handy gegen die Wand, worauf es in seine Einzelteile zersprang.
„Kannst du bitte still sein!“, seufzte ich, irgendwo schien ich doch meine Stimme wiedergefunden zu haben.
„Nein, kann ich nicht, weil ich gerade durchdrehe!“, entgegnete Damon und funkelte mich an. In seinen Augen lag eine Mischung aus Wut, Wahnsinn und Angst.
„Du drehst durch?“, fragte ich und meine Stimme schoss ein paar Oktaven in die Höhe. „Ich habe mir gerade mehrmals einen Brieföffner in den Bauch gerammt, Tyler wird sich bald in einen Vampir verwandeln. Das alles, während du nur nutzlos daneben standest. Also, du hast kein Recht, durchzudrehen!“
Die Wut in Damons Augen verschwand und es blieb nur Bedauern zurück. Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen. Vielleicht, um sich schon wieder zu entschuldigen. Überhaupt kam es mir vor, als würde er mich die ganze Zeit nur anschreien oder sich entschuldigen. Doch ich wollte es nicht hören. Stattdessen drehte ich einfach meinen Kopf weg, sodass ich seinen blauen Augen nicht begegnen musste.

Ich hörte Schritte auf dem knarrenden Dielenboden, das musste Damon sein, der auf mich zukam. Für eine Sekunde spielte ich mit dem Gedanken, einfach aufzuspringen und vor ihm wegzulaufen. Zum Glück wurde mir diese Wahl erspart, denn im nächsten Augenblick hörte ich, wie die Tür
aufgeschlagen wurde. Stefan stand im Raum, seine Augen weit aufgerissen und am ganzen Körper bebend.
„Ist Elena hier?“, waren die einzigen Worte, die er heraus brachte.
„Nein, ich dachte sie wollte mit dir nach Hause fahren.“, sagte Damon, er war der erste, der seine Sprache wieder fand.
„Nun, sie ist nicht gekommen. Und ich habe Jeremy und ihre Tante gefragt, aber beide hatten keine Ahnung, wo sie ist. Elena ist verschwunden, wahrscheinlich wurde sie entführt!“
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