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Alle tanzten mit dem Tod doch niemand wie Elisabeth

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Der Tod Kaiser Franz Joseph Kaiserin Elisabeth Kronprinz Rudolf Lucheni OC (Own Character)
16.03.2019
10.04.2019
3
4.123
 
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16.03.2019 831
 
Vorwort

Die FanFiction ist anhand des Musicals zeitlich nach der Szene einzuordnen, in der Elisabeth mit dem Tod, verkleidet als Arzt spricht. Franz Josef hat Elisabeth betrogen und sie nimmt dies zum Anlass sich von Franz Josef zu entfernen und ihren eigenen Weg zu gehen. Zeitgeschichtlich ordne ich diese Szene ungefähr ein, als die Kaiserin beginnt 1860+ an körperlichen Beschwerden zu leiden und daraufhin viele Kurorte zu besuchen bzw. generell zu verreisen. Ob diese zeitliche Einordnung so realitätsnah ist, darüber lässt sich vielleicht streiten, aber ich denke doch, dass es in etwa passen könnte. Unsere Protagonistin ist demnach zu Beginn unserer Geschichte um die 30 Jahre alt.

Die letzte wichtige Anmerkung: aus handlungstechnischen Gründen ist die Erscheinungsform des Todes in meiner Geschichte die einer Frau.


Prolog

Nach meiner zwei jährigen Reise kehrte ich zurück zum Wiener Hof. Dort war alles beim alten geblieben, aber ich hatte mich nun verändert. Aus mir war eine starke, selbstbewusste Frau geworden, wodurch ich an vielerlei Stellen deutlich aneckte. Die Erwartungen und Hoffnungen der Menschen in höheren Positionen: eine willenlose, kleingeistige Kaiserin zu haben, die ihrem Mann wie ein treudoofer Hund folgte, hatte ich nun endgültig zu Nichte gemacht. Natürlich stieß das auf Kritik, aber hie und da gab es auch einige Unterstützer, die meinten, dass meine Art ein neuer, revolutionärer Fortschritt sei. Aber diese Menschen waren sehr wenige. Im Allgemeinen hatte man Angst vor Veränderungen und versuchte nach wie vor sie klein zu halten. Doch an mir bissen sie sich die Zähne aus. Mein Mann hatte mir nun einmal durch seinen Fehltritt, den nötigen Spielraum verschafft. Über seinen Verrat war ich schon längst hinweg, aber ich genoss die Vorteile und Freiheiten, die er mir brachte. Zu lange war ich eingesperrt, als das ich mir diese Freiheit wieder nehmen lassen würde.

An jenem morgen, als diese Geschichte begann, lies mich ein verwirrender Traum zu einer sehr frühen Stunde aus dem Schlaf schrecken. Da war sie wieder gewesen. Meine ständige Begleiterin. In den zwei Jahren in denen ich fort war, hatte ich sie beinahe vergessen. Sie war nur zu Beginn ab und an meinen Rufen gefolgt, doch ich brauchte sie binnen kürzester Zeit nicht mehr. Immerhin war ich nun wieder frei und mein Leben so, wie ich es mir wünschte. Ich begann mir einzureden, dass ich aufgrund der Umstände an einer Geisteskrankheit gelitten hatte und nun von selbst geheilt war. Diese Erklärung war nicht schön, aber eine Geisteskrankheit zu haben, die einen den Tod sehen lässt, war doch deutlich beruhigender, als den Tod tatsächlich zu sehen, oder nicht?

Da war sie wieder gewesen, die wunderschöne Frau, die mich so faszinierte und die eine gespenstige Anziehungskraft auf mich ausübte. Gelacht hatte sie ihr bezauberndes Lachen, was mir jedoch jedes Mal sowohl einen wohligen, als auch einen unangenehmen Schauder über den Rücken jagte. Immerhin war sie der Tod. So schön, liebevoll und gut sie auch war, sie wollte mich für sich gewinnen und aus diesem Leben reißen, was ich doch eigentlich liebte. Ihre kurzen braunen Haare fielen ihr in das markantes Gesicht, mit den hohen Wangenknochen. Die grau-grünen Augen blickten mich, mit dem Ausdruck von unendlicher Liebe an und ihr Körper bewegte sich elegant. Ich saß an einem Strand und blickte über das Meer, da setzte und legte sie ihren Arm um mich. Immer wieder erstaunt und empört war ich von ihrem Körper, der so offensichtlich nicht dem Schönheitsideal einer Frau, sondern eher eines Mannes entsprach, mit doch recht breiten Schultern und den Muskeln, die sich deutlich abzeichneten. Sie war anders als jede Frau, die ich kennengelernt hatte und jeder in unserer Zeit hätte über sie getuschelt und ihr Aussehen, als eine Schmach empfunden. Vielleicht fand ich sie grade deswegen, derart wunderschön? „Was hast du zu sagen?“, fragte ich mit kalter Stimme, doch loslösen konnte ich mich nicht von ihr. Zu angenehm war ihre Berührung. „Es war Zeit, dass wir uns wieder sehen. Zu lang schon, wolltest du mich nicht mehr bei dich haben. Ich hatte Angst, du würdest mich vergessen“, antwortete sie ruhig. „Ich möchte dich auch vergessen, aber du lässt mich ja nicht in Ruh“, gab ich unbarmherzig zurück und die Worte zerrissen mein Herz innerlich. Es stimmte, doch es war auch so falsch. „Ich könnte gar nicht hier sein, wenn du mich tatsächlich vergessen wollen würdest. Ich erscheine nur, wenn du mich rufst“, erklärte sie mir und lächelte mich dabei abermals an. „Ich habe dich bestimmt nicht gerufen!“, stieß ich plötzlich von Wut gepackt hervor und schaffte es nun endlich mich von ihr zu lösen und aufzustehen. Sie setzte sich in den Schneidersitz und sah, belustigt mit dem Kopf schüttelt, zu mir empor, während sie sprach: „Du hast mich nicht aktiv gerufen ja, aber dein Unterbewusstsein hat es getan. Deswegen erscheine ich auch hier in deinem Traum. Aber bald schon werden wir uns in der richtigen Welt wieder sehen, das spüre ich.“ Die Worte erschraken mich so sehr, dass ich aus meinem Traum erwachte. Nein...das konnte nicht sein. Sie sollte nicht wieder kommen!
 
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