Gute Besserung!

GeschichteAllgemein / P12
Dr. Anja Licht Franz Hubert
16.03.2019
16.03.2019
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Lauter trockener Husten, gefolgt von einem verzweifelten Aufstöhnen drang durch das eingeschneite, alte Landhaus. Kurz herrschte Stille bevor man ein leises „I hob kei Lust mehr“ hörte. Der Satz ging jedoch aufgrund eines erneuten Hustenanfalls eher unter. Immer wieder brach die Ärztin diesen Anfall ab, atmete ruckartig ein, nur um sich dann wieder dem quälendem Reizhusten unterzuordnen. Schon seit mehreren Tagen bellte die Pathologin vor sich hin. Ihr Burstkorb schmerzte und sie spürte jeden Atemzug in ihrer Lunge, die regelrecht brannte. Mittlerweile brachte jeder, auch noch so kleine, Huster ihren ganzen Körper an seine Grenzen. Auch ihre Stimmbänder versagten langsam, obwohl sie täglich literweise selbst gebrühten Ingwertee zu sich nahm. „...I hob kei Lust mehr.“, wiederholte sie genervt, als sich eine kurze Verschnaufpause ankündigte. „Des muss doch endlich besser wern.“, flüsterte sie heißer, setzte sich auf und nahm einen kurzen Schluck des bereits erkalteten Ingwertees aus ihrer Lieblingstasse. Einen tiefen Atemzug später ließ sie sich wieder auf die Couch zurückfallen. Erschöpft schloss sie ihre Augen, zog die Wolldecke noch etwas höher, bevor sie sich der bleierneren Müdigkeit hingab. Natürlich ließen die Hustenanfälle auch nachts nicht nach. Der Reizhusten raubte ihr regelrecht den Schlaf. Ihre Nerven lagen blank. Wo sie den Husten aufgeschnappt hatte, konnte sie sich selbst nicht erklären und auch ihr Mann war bis jetzt verschont geblieben - zum Glück! <3

„Hubsi!“, wisperte sie verschlafen, ehe sie müde eine halbe Stunde später ihre Augen öffnete. Ein Rascheln am Türschloss ließ sie erkennen, dass ihr Mann von der Arbeit heimkam. Endlich war er wieder bei ihr. Doch auch diese Freude wurde ihr von einer quälenden Hustenattacke getrübt. „Anja? Wo bist du, Schatz?“, drang wenige Sekunden später die tiefe Stimme des Polizisten durch den Hausflur. „Hier?“, wollte sie ihm entgegen, wurde aber durch einen weiteren, lauten Husten davon abgehalten. „Also aschleichen und verstecken kannst di momentan echt nird.“, lächelte Franz und trat zu seiner Frau ins Wohnzimmer. Voller Sorge richtete sich sein Blick auf Anja, welche noch immer aus tiefstem Inneren hustete. Ihr Körper bebte. Ganz langsam ging er auf sie zu und drückte ihr zärtlich zur Begrüßung einen kurzen Kuss auf die Stirn, ehe er neben ihrem Körper auf dem Sofa platznahm. Sein Blick streifte ihr Gesicht. Abgeschlagenheit, Erschöpfung, sogar ein wenig Wut spiegelte sich dort wieder. Der Infekt hatte sie im Griff. Auch der unvergleichliche Glanz in ihren Augen war weg. Mühevoll richtete sie sich ein wenig auf, nur um kurz, zum Dank, dass er nun endlich bei ihr war, mit ihrer kalten Hand über seine Wange zu streichen. „Schatz? Meinst du nicht, du solltest nochmal zum Arzt? Das ist doch nicht normal. Du hörst dich an, wie n altes Auto mit Anlassschwierigkeiten.“ - „Ich bin ... Ärztin, Hubsi. Des... wird scho.“, rang sich Anja die Wörter schwerfällig ab und ließ sich daraufhin geplättet zurückfallen. Eine erneute Hustenattacke überkam sie, fast so, als wolle ihr der Husten zeigen, dass es ihm egal war, dass sie Ärztin sei. Verzweifelt und voller Sorge sah Hubsi in das atemringende Gesicht seiner Frau und wollte ihr am liebsten alles abnehmen. Seine Hand wanderte vorsichtig zu ihrer. Sanft umschlossen sich ihre Hände und während Anja noch immer bellend mit geschlossenen Augen sich dem Hustenreflex hingab, drückte er ihre Hand zur Bestätigung, dass er bei ihr war. Er liebte sie. „Ich hab dir trotzdem Bonbons mitgebracht. Speziell für Reizhusten, mein großer Hustinettenbär.“, grinste Hubsi und zog aus seiner Hosentasche kleine Hustenbonbons in Form von Tabletten. Schnell drückte er ihr eine hinaus und reichte sie Anja. Dabei beugte er sich ganz leicht über seine kranke Ehefrau. „Danke, Liebling. Wenn ich könnte, würde ich dich jetzt küssen.“ - „Was hindert dich?“, näherte sich Hubsi weiter den Lippen seiner Frau. „Nicht, Hubsi. Bitte... Du steckst dich sonst nur bei mir an.“, sagte Anja und schob ihre Hand zwischen sich und seinen Körper, um Hubert wieder zu distanzieren. „Und wenn i dir etz, sag dass mir des wurscht wär...“ - „Dann sag ich dir, als Ärztin und nicht als deine Frau, dass des total unvernünftig von dir wär‘.“, wisperte Anja und konnte ihren Blick nicht mehr aus seinen blauen Augen lösen. Wie schon so oft geschehen, verfingen sich ihre Blicke. Sekunden vergingen. Stille. „Unvernünftig klingt gut.“, überbrückte der Polizist nach weiteren Sekunden die vorherrschende Distanz und drückte gefühlvoll seine Lippen auf ihre. Genießerisch schloss die Ärztin ihre Augen und gab sich trotz der kurzen Bedenken dem sanften Kuss ihn. Kurz lösten sie sich, um in den Augen des jeweils anderen Antwort auf die ungestellte Frage zu finden und noch ehe jemand etwas sagen konnte lagen die Lippen der beiden erneut, nun jedoch fordernder, aufeinander. Franzs Hand wanderte ganz automatisch in ihre Haare und zog somit ihren Kopf noch näher an seinen. Immer intensiver wanderten seine Lippen über ihre. Seufzend lösten sie sich und das Glitzern in Anjas Augen war wieder da. Allein durch seine bloße Anwesenheit und seine unbändige Liebe gab er ihr mehr, als jedes Medikament. „Legst du di bitte zu mir?“, wisperte Anja leise und hob die Wolldecke an. So schnell konnte die Ärztin gar nicht schauen, war sie von den starken Armen ihres Mannes umgeben, welche ihr unendlich Geborgenheit spendeten. Sie genoss seinen Duft, spürte seinen gleichmäßigen Herzschlag und jeder Atemzug von ihm zeigte ihr, wie sehr sie ihn vermisst hatte, sodass sich die Ärztin noch ein wenig dichter in seine Arme kuschelte. „Weißt du, dass ich dich von Tag zu Tag mehr liebe? Ich liebe einfach alles an dir.  Deine Fähigkeit mich zu beruhigen. Du bist immer für mich da... Immer... Du beschützt mich, bist mein Held, mein Anker. Bist einfach mein Ehemann.“, flüsterte sie leise und zeichnete mir ihren Finger auf seinem Brustkorb verschiedenste Zeichen. „Psss, schlaf... mein Schatz.“, erwiderte er nur leise gegen ihre Stirn, als er merkte das ihre Worte immer undeutlicher wurden und auch ihre Finger irgendwann zum liegen kamen. „Ich liebe dich übrigens auch von Tag zu Tag mehr, mein Engel.“, setzte er mit einem Kuss auf ihren Haaransatz nach und nahm das leichte Grinsen auf ihren Lippen sofort wahr. Ihre Augen waren längst geschlossen und es sollte auch nur noch eine Frage von Sekunden sein, ehe die Pathologin in einem tiefen erholsamen Schlaf fiel. Einen Schlaf, den sie dringend nötig hatte.
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