Tims neue Babysitterin

von Lady0409
KurzgeschichteFamilie / P12
Dr. Lea Peters OC (Own Character) Tim Peters
16.03.2019
26.09.2019
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Tims neue Babysitterin


Nach dem Tod von Jenne hat Lea Probleme, die Arbeit und die Sorge um ihren kleinen Sohn Tim unter einen Hut zu bekommen. Abhilfe aus dieser verzwickten Situation verspricht eine neue Babysitterin, die sich bei Lea vorstellt. Werden die Beiden miteinander klar kommen? Und welches Geheimnis trägt die neue Babysitterin in sich?



Kapitel 1
Eine schwere Zeit

Nachdem Lea schon wieder ihren kleinen Tim zu spät von der Tagesmutter abgeholt hatte, hatte sie nun die Kündigung des Platzes vor sich liegen.

‚Es tut mir sehr leid, Dr. Peters. Aber so geht es wirklich nicht weiter. Sie haben zum wiederholten Male ihren kleinen Sohn zu spät geholt. Ich kann nicht bis neunzehn, zwanzig Uhr auf Tim aufpassen; der Kleine braucht besonders jetzt in dieser verkorksten Situation sie als seine Mutter. … Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es für sie sicherlich auch nicht leicht ist. Zumal sie alleinerziehend sind. Aber sie müssen sich mehr um ihren Sohn kümmern.‘, hatte die Tagesmutter gesagt, als sie Lea ihre Kündigung in die Hand gedrückt hatte und sich von Tim verabschiedete.

Natürlich; Lea wusste, dass es nicht einfach war, sich anständig um Tim zu kümmern und dann auch noch Vollzeit als Ärztin zu arbeiten. Aber wie sollte sie sonst ihrem kleinen Sohn den Luxus ermöglichen, den sich der Kleine als Halbwaise ihrer Meinung nach verdiente.

Der Kleine vermisste seinen Vater. Und klar, er brauchte besonders jetzt in dieser schweren Zeit seine Mutter.
Doch sobald Lea ihren kleinen Tim sah, stand auch Jenne vor ihr. Tim hatte viel von seinem Vater; er hatte die gleichen Augen; das gleiche Lachen. Alles an dem Kleinen war für Lea so… so schwer zu ertragen.

„Es tut mir so leid, Tim.“, flüsterte Lea immer wieder tränenerstickt und sah sich die gespeicherten Lesezeichen in ihrem Internetbrowser an. ‚Adoption in Leipzig – was ist zu beachten?‘, hieß dort ein Tab und Lea atmete tief durch.
Diese gespeicherte Internetseite stammte noch aus der Zeit ihrer Schwangerschaft erinnerte sich Lea. Sie sah sich wieder als hochschwangere Frau vor der Entscheidung ihres Lebens.

Seit ihrer Kindheit, als ihre Mutter die damals noch nicht elfjährige Lea und ihren psychisch schwer kranken Vater zurückließ, hatte sich Lea vorgenommen, niemals ein eigenes Kind zu haben. Sie wollte nicht vor der gleichen Entscheidung stehen, wie ihre Mutter damals.

Als sie jedoch schwanger war und zunehmend immer mehr von dem kleinen Wunder in ihrem Bauch mitbekam, war sich die Neurochirurgin einfach nicht mehr sicher. Sie wusste nicht mehr, was sie tun sollte und auch der nicht vorhandene Kontakt zwischen ihr und Tims Vater machte diese Angelegenheit nicht besser.

„Ich habe doch alles versucht… Ich habe damals alles versucht, um dir ein angenehmes Leben zu… zu schenken. Ich wollte nicht, dass du auch noch von deiner Mutter verlassen wirst. Ich wollte nicht, dass du genauso endest, wie deine Mutter. Aber…“

Liebevoll betrachtete Lea ihren kleinen Sohn, der in der Ecke im Wohnzimmer auf seiner großen Krabbeldecke spielte und das bunte Bilderbuch, das Leas Vater noch aus der eigenen Kindheit seiner geliebten Tochter aufgehoben hatte, ab und an in die Hand nahm.

„Ich habe gehofft, dass du einfach… Dass du nicht mit den gleichen Problemen konfrontiert wirst, wie deine Mutter. Ich habe doch alles versucht, um dich zu beschützen…“, erklärte Lea ihrem kleinen Sohn und ging, schweren Herzens, zu Tim, den sie auf den Arm hob. „Weißt du, wie lieb ich dich habe. Ich… Du bist das beste, was ich jemals bekommen konnte… ich liebe dich über alles, Tim. Aber… Ich will auch nicht, dass du merkst, dass ich traurig bin. Dass ich deinen Papa vermisse…“

„Papa… Papa…“ Tim deutete aufgeregt auf das Bild von ihm und seinem Vater; ein Bild, das Arzu damals bei ihrem Kontrollbesuch gemacht hatte, als Lea den ersten Tag nach der Geburt ihres Sohnes wieder arbeiten gegangen war.

Es kam ihr vor, als wäre es erst gestern gewesen, als sie auf diesem Schwangerschaftstest gelesen hatte, dass sie schwanger war. Dieses Wort "schwanger" - es war ein so großer Schock für die Ärztin gewesen; Lea hatte sich sehr über die Schwangerschaft erschrocken.
Und dann gingen auch schon die Probleme los. Durch einen Plan von Arzu von einer Abtreibung abgebracht, hatte sich Lea für eine Adoption des kleinen Wunders entschieden.
Allerdings kam sie damals auch mit den zukünftigen Eltern von Tim klar; zumal sie nicht einmal mit ihnen gesprochen hatte.

Und dann war da der Plan, Tim nach der Geburt zu seinem leiblichen Vater Jenne nach Schwerin zu bringen, damit er sich um den Kleinen kümmern konnte.

Aber der Augenblick, in dem sie ihren Sohn das erste Mal gesehen hatte, der war schuld. Dieser eine Moment, als die Augen des kleinen Tim zum allerersten Mal auf die Augen seiner Mutter trafen; der Moment, als Arzu den Kleinen seiner Mutter zeigte.
Es war Liebe auf den ersten Blick.

Und heute? Was hatte Lea heute?
Sorgen… Ängste… Trauer… - alles, was sich Lea vorher niemals zugemutet hätte.

„Ich hätte dich damals lieber mit deinem Vater nach Schwerin gehen lassen sollen, Tim. Dann… Dann wäre Jenne noch hier… Dann hätte es diesen verdammten Unfall nicht gegeben. Diesen… dieser verfluchte Mensch…“

In Leas Augen sammelten sich Tränen. Tränen der Angst, Tränen der Verzweiflung. Tränen über den Verlust ihrer großen Liebe.
Ja, Jenne war der Mann ihrer Träume. Der Mann, den sie sich so sehr gewünscht hatte. Ein Mann, der ihr so wichtig war.

Und dann war dieser verdammte Tag gekommen. Lea hatte extra einen Weihnachtsbaum für Tims erstes Weihnachten mit seinen Eltern gekauft, hatte sich auf Jennes Gesicht gefreut, wie er reagierte, wenn er am Abend mit dem Kleinen von einem Ausflug nach Hause gekommen wäre und den Baum hätte stehen sehen.
Aber es kam nicht dazu; Jenne hatte diesen schrecklichen Unfall.

Lea sah noch den Patienten vor sich, der bis zur Unkenntliichkeit verbrannt war. Sie roch die Haut des Patienten. Sie hatte wieder diese Situation vor Augen.
Dr. Hoffmann und sie waren im Schockraum, untersuchten diesen Patienten. Sie wusste nicht, wer da vor ihr lag; sie wusste nur aus jahrelanger Erfahrung als Ärztin, dass dieser Patient mit Sicherheit die nächsten Tage wohl nicht überleben würde. Oder es zumindest sehr schwer haben könnte; zumal die Verletzungen sehr schwerwiegend waren und die Verbrennungen teilweise sehr tief gingen.
Und dann war diese eine Narbe da. Die Narbe am Fuß – eine Narbe von einem Blitzschlag. Lea war die Narbe nur zufällig in den Blick gehuscht, doch nach wenigen Augenblicken wurde aus diesem ihr unbekannten Patienten ihre große Liebe.

‚Jenne… Das ist Jenne…‘, hatte sie immer wieder wiederholt, als sie ihren Lebensgefährten endlich erkannt hatte und ihr kam ihr kleiner Junge in den Sinn. Sie erinnerte sich daran, dass Jenne doch mit ihrem gemeinsamen Sohn unterwegs gewesen war. Was also war mit ihrem kleinen Tim nur passiert? Und vor allem, wo war ihr kleiner Sohn? Warum war der Zweijährige nicht mit in die Klinik eingeliefert wurden? War er vielleicht...?

Die schlimmsten Bilder schossen ihr sofort ins Auge und sie verabschiedete sich innerlich schon von ihrem kleinen Tim.

Doch zum Glück alles war in Ordnung und Tim ging es körperlich soweit gut, was Lea mitbekam, als sie ihren kleinen Sohn wenig später mit Pfleger Kris aus dem Auto ihres Lebensgefährten geholt hatte.

Und jetzt? Jetzt war sie alleine. Sie war alleine mit einem knapp dreijährigen Jungen, der seinen Vater nicht einmal richtig kennen lernen konnte. Der von seinem Vater seine Zuckertüte nicht überreicht bekommen könnte. Der seinen ersten Liebeskummer mit seiner Mutter besprechen musste, weil Jenne einfach nicht mehr da war.

Liebevoll setzte Lea ihren kleinen Sohn wieder auf die Krabbeldecke und streichelte ihm über den Kopf, als sie kurz an das Bild sah und seufzte: „Warum hast du uns nur verlassen, Jenne? Warum… Warum hast du diesem Mann… Warum musstest du diesem Kerl nur das Leben retten?“

„Ich bin als Held von dieser Welt gegangen, Lea.“, hörte sie plötzlich wieder eine ihr bekannte Stimme und erschrocken drehte sich die Chirurgin um.
„Jenne… Jenne, was machst du hier?“ „Ich habe von da oben aus gesehen, dass du seit meinem Tod nicht ganz klar kommst… Was ist denn los, Lea?“, sprach der Tischler auf seine Lebensgefährtin ein und Lea musste sich erst einmal setzen, um nicht zusammen zu brechen.
„Ich habe… Was soll das? Warum hast du mich verlassen? Warum hast du mich alleine gelassen? Warum hast du Tim alleine gelassen? TIM IST UNSER SOHN! Du hättest ihn nicht einfach alleine in deinem Auto lassen dürfen. Er ist doch… Er hätte sterben können…“

„Wenn ich meinen Wagen in der Nähe des Autos geparkt hätte. Aber ich habe schon so eine Ahnung gehabt, Lea. Irgendwas hat mich nachdenken lassen und dann habe ich das Auto weit weg in dieses Gebüsch gestellt, damit nichts passiert. Ich habe Tim beschützt.“, erklärte Jenne seiner Lebensgefährtin und Lea ging auf ihn zu.

„Du hast mich im Stich gelassen. Du hast Tim im Stich gelassen! Er ist doch noch so klein… Er ist erst zwei Jahre alt, Jenne. Er ist ZWEI! Mit zwei Jahren braucht man doch noch seine Eltern… BEIDE Eltern. Ich kann Tim seinen Vater nicht ersetzen… Ich kann es nicht, Jenne… Bitte, komm doch… Bitte komm doch zurück… Ich brauche dich.“ Tränenerstickt ließ sich Lea an die Brust ihres toten Lebensgefährten fallen und Jenne legte beschützend seine Hand auf den Kopf seiner Liebsten.
„Ich brauche dich, du Idiot. Lass mich doch nicht alleine… Lass mich nicht alleine, Jenne. Du… Du kannst nicht gehen… NEIN! NEIN!“, schrie die Ärztin, als sie merkte, wie sich Jenne langsam wieder von ihr entfernte und sie brach weinend in sich zusammen.

Mehrere Minuten blieb Lea auf Knien am Boden und weinte und schrie nach ihrem Lebensgefährten, bis eine Stimme sie erneut aus dem Tagtraum riss.
„Mama… Mama…“, weinte plötzlich ihr kleiner Junge, als er das Bild seines Vaters in die Hand nehmen wollte und dieses ihm dabei aus den Händen fiel. „Papa…“, deutete Tim auf den zerbrochenen Bilderrahmen und Lea fing an, ihren Sohn anzuschreien.

„WAS HAST DU GETAN? WAS SOLL DAS? WILLST DU MIR MEIN LEBEN ZERSTÖREN? GEH! VERSCHWINDE! GEH IN DEIN ZIMMER!“, brüllte Lea ihren Sohn an und gab dem Kleinen in ihrer Trauer einen Klaps auf den Po.
„MAMA!“, brüllte Tim sofort los und rannte, so schnell ihm seine kurzen Beinchen trugen, weinend in sein Zimmer.

Erst durch die Reaktion des Kleinen merkte Lea, was sie getan hatte und sie versuchte, so schnell wie möglich wieder auf die Beine zu kommen, um ihrem Sohn zu folgen.
„Tim… Tim, ich wollte das nicht… Tim, es… Es tut mir leid… TIM! Tim… Bitte… TIM! Komm her… Komm bitte her!“, weinte die Neurochirurgin und lief ihrem Kind hinterher, doch je näher die Mutter kam, desto lauter schrie der kleine Tim und er drückte sich in die äußerste Ecke seines Kinderzimmers.

„Ich habe… Es tut mir leid, Tim… Es tut mir so leid; ich wollte dich nicht schlagen… Ich wollte dir nicht wehtun… Ich wollte es nicht… Tim, ich wollte es nicht…“, weinte die Ärztin und sah wieder zu ihrem Sohn, der allerdings nicht mehr mit seiner Mutter reden wollte und Lea verließ weinend das Zimmer des knapp Dreijährigen, der sich panisch in der Ecke seines Kinderzimmers verkroch.
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