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Shadowrun: Wie man es nicht machen sollte!

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
OC (Own Character)
15.03.2019
29.03.2019
3
10.727
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22.03.2019 3.727
 
Rachel lächelte dem riesigen Troll mit den Armen von der Größe eines menschlichen Torsos freundlich zu, als dieser sie und Dem erkannte. „Seid ihr hier, um zu arbeiten?“, fragte der Troll verschmitzt, welcher im allgemeinen als Thor bekannt war und seit der Eröffnung des Ladens die Tür hütete.
     „Yep.“, bestätigte Rachel augenzwinkernd.
     „Habt ihr Handwerkszeug dabei?“, fragte Thor, als hätte er diese Frage unzählige Mal heruntergekauert ( was er auch getan hatte). Ohne große Reden zeigten ihm die Zwillinge die vielen Sachen, die sie mitgebracht hatten. Die Ares Predator Mark V. Ein von Rachel verzaubertes Dantó, sowie einige weitere Kleinigkeiten.
     Ohne groß etwas zu sagen, ließ er die beiden ein.
     In der Kneipe herrschte trotz später Stunde nicht allzu viel Betrieb. Es waren höchstens vier Gäste da. Und doch schaute es im inneren so aus, als wären sie gerade in eine Show von versteckter Kamera gelandet. An insgesamt drei Ständen hatten verschiedene Leute, ein Professor mit vielen Einmachgläsern, zwei Damen in doch sehr, sehr freizügigen Minikleidchen, welche jede Menge Schwerter für eine Darbietung zu präperarieren schienen und ein dunkles, abgesperrtes Separee, welches uneinsichtig war und vor dem ein vercyberter Mann ( zumindest glaubte sie, das es ein Mann war) mit jeder Menge Metallarmen stand und sie langsam in der Luft herumschwengte.
     Fasziniert ging Rachel zu einem der Gläser hin und besah sich deren Inhalt. Darin befand sich etwas, was so aussah, wie eine zweiköpfige Echse. „Beeindruckt?“, fragte eine Stimme mit Universitätsakzent. Rachel sah sich um und starrte in das Gesicht des Mannes mit der Brille, welcher den Stand leitete. Sie verzog etwas angebidert das Gesicht, als ihr Blick auf die vielen Falten, das fettige lange Haar und die dünne Statue des Mannes viel, der sie anschaute, als wäre sie ein schönes Exemplar in seiner Sammlung.
     „Was ist das da eigentlich?“, fragte sie dennoch neugierig und zeigte auf die Echse.
     „Ach das. Das ist meine eigene Kreation. Leider hat sie nicht überlebt.“ Das Gesicht des Mannes zeigte offensichtliches Bedauern, bevor er voller Freude sich wieder der Elfe zuwandte. „Würden sie gerne mehr wissen wollen?“

Ramiel sah auf die Fassade des Gebäudes vor sich und schüttelte den Kopf. „Man, was für eine schabrake Fassade.“, dachte er laut und ging weiter auf den Eingang zu. Der massige Troll vor der Tür versperrte ihm, offenbar durch seinen Kommentar mies gelaunt den Weg.
     „Hast du ein Problem mit damit?“, fragte er und spannte die dicken Muskelpakete unter der Haut an.
     „Nein. Hab ich nicht.“, antwortete Ramiel seufzend und sah dabei hinauf in das Gesicht des Metamenschen. „Ist das hier Kurts Kneipe?“
     „Was glaubst du wohl, steht da auf dem Schild?“
     „Aha.“, meinte er nur. „Kennst du einen Mann namens Khalid?“
     „Khalid? Hm. Ja, denke schon. Wieso?“, fragte der Troll, als müsse er den Namen kennen.
     „Er schickt mich. Hat was von 'nem Job gefaselt, einem Run. Also …“
     „Ach, du bist hier um zu arbeiten? Sag das doch gleich. Hast du irgendwelches Werkzeug?“
     Ramiel zeigte seine Hände vor. „Hier.“
     „Ha, also nur zwei Kleine Mädchenhände.“, sagte der Troll belustigt und machte Platz.
     „Kleine Mädchenhände?“ Ramiel spürte, wie ihm das Blut in die Wangen schoss.
     „Hast du ein Problem …?“
     Wortlos ging Ramiel an dem Troll vorbei in die Kneipe. Im Inneren schlug ihm das vertraute Aroma von abgestandenen Alkohol, Zigarettenqualm sowie der scharfe Geruch von Sterilisierungsmittel entgegen, was angesichts der vielen Stände zu seiner linken und den Alkoven rechts von ihm, wo zwielichtige Händler Ware von zweifelhafter Herkunft anboten kein Wunder war. Ramiel sah einen Stand dessen Händler sich mit fast vollständig mit vercyberten Gliedmaßen in der Luft herum stand und die Gäste beobachtete. Vielleicht galten seine Blicke auch den beiden aufgetakelten Schönheiten in einem weiteren Alkoven, die sich dort freizügig mit knapp wie tief ausgeschnittenen Kleidchen und hochgestylten Frisuren einen Drink nach dem anderen gönnten, während sie die vielen Schwerter vor sich feil boten.
     Vielleicht sah er auch zu einem der anderen beiden Stände, wo bei einem wegen einem dunklen Vorhangs ( und welcher offensichtlich ihm gehörte) nicht einmal ansatzweise etwas zu sehen war.
     An dem letzten stand jedoch ein dürrer Mensch mit Rundglasbrille, der gerade eine überaus ansehnliche Elfe mit langen roten Haaren und der Figur einer aufgetakelten Stripperin vollquatschte. Ramiel seufzte. Einmal mehr ging einem Körperschlitzer ein guter Fang ins Netz. Er trat an die Bar.
     „Barmann?“, fragte Ramiel ruhig.
     „Hallo?“, sagte ein Mann mittleren Alters mit Halbglatze. „Was darf's sein?“
     „Sind sie Kurt?“, fragte Ramiel weiter und musterte den Mann von oben bis unten. Wobei er sich fragte, ob der Mann italienischer Abstammung war oder nicht und welche Sicherheitsmaßnahmen er wohl gegen ungewollte Gäste haben würde.
     „Ja, ich bin Kurt. Was darf's sein?“, fragte der Barmann, welcher auch der Besitzer des Etablissements zu sein schien nun ungeduldig. Ramiel lächelte ihn nur selbstsicher an.
     „'n dreifachen Absinth, bitte.“, bestellte der Magier freundlich. Verzog das Gesicht aber zu einer Grimasse, als er den erschrockenen Gesichtsausdruck des Inhabers vor sich sah, als dieser nochmal nachfragte.
     „Ja, bitte. Also schenken sie ein.“, erklärte Ramiel ungeduldig weiter. Der Inhaber schluckte noch einmal, kam der Bitte seines Gastes aber nach und schenkte drei Schnapsgläser mit einer durchsichtigen Flüssigkeit mit der Klarheit von Teppichkleber ein, welche der Magier eines nach dem anderen an die Lippen setzte und den Inhalt in seinem Rachen verschwinden ließ.
     „Hallo?“, fragte eine summende Stimme neben ihm.
     „Hallo.“, sagte Ramiel, als er sich kurz zur Seite drehte und einem Elf mit drahtiger Statur und derselben Haarfarbe wie die andere Elfin neben sich sah. In seinem Kopf begannen sich Zahnräder zu drehen oder ineinander zu greifen. „Willst das ich dir einen ausgebe?“
     Der Elf schüttelte den Kopf.
     „Nein. Ich wollte einfach mal Hallo sagen, Mister …?“
     „Cipher.“, sagte der Magier. „Einfach Cipher.“
     „Dem. Dem Scarlett.“
     Ramiels Gesichtszüge entspannten sich etwas zu sehr, als er den Nachnamen des Elfs hörte und er hätte beinah losgelacht, wenn er nicht einen Blick auf die Elfe geworfen hätte, welche nun von dem Brillenheini allmählich bedrängt wurde.
     „Deine Freundin?“, fragte Ramiel vorsichtig.
     Der Elf drehte sich in die richtige Richtung um und schüttelte erneut den Kopf. „Zwillingsschwester.“, antwortete er nur lächelnd. Anscheinend bekam er das Statement doch sehr oft zu hören.
     „Tja, ich würde dann mal deinen brüderlichen Pflichten nachkommen und deiner Schwester zur Hilfe eilen, bevor sie eine sehr unangenehme Erfahrung machen wird.“ Dem, der Elf, sah nun doch besorgt wieder zu seiner Schwester hinüber, welche nun vor dem Mann mit der Brille zurückwich. Das Knacken der Knochen in den Fingern hallte an Ramiels Ohren, als der Elf sich entschuldigte und sich zu seiner Schwester gesellte.
     Ramiel lächelte in sich hinein. Vielleicht würde es doch kein so schlechter Abend werden, wie er gedacht hatte.
     Dann klingelte die Tür erneut und ein Zwerg im grünen Bodysuit betrat die Kneipe. Ramiel schüttelte den Kopf. "Aber ich habe mich auch schon früher mal geirrt."

Rachel sah schluckend auf das Häufchen elend hinunter, welches einmal ein Professor mit der Vorliebe von künstlichen Kreuzungen exotischer Spezies gewesen war, welches nun vor ihrem Zwillingsbruder im Ragemode auf allen Vieren um sein Leben flehend danieder kniete. „Bitte. Ich …“, flehte der Mann heulend vor sich hin. „Ich wollte doch nur …“
     „Du wolltest was, hm?“, fragte der Elf mit kalter Miene und eisiger Stimme.
     Genau in diesem Moment ging die Tür von Kurts Kuriositäten erneut auf und ein altbekannter Zwerg im grünen Bodysuit gesellte sich ins Innere. „Evilon!“, rief Rachel freudig und ging auf den Zwerg zu, welcher ihr freudestrahlend die Hand reichte.
     „Rachel. Ist lange her.“, antwortete der kleinwüchsige Mann und lächelte über beide behaarten Backen. Dann sah er zu dem wimmernden Menschen am Boden. „Was ist denn hier los? Hat mal jemand wieder dir an die Wäsche wollen oder was?“
     Die Elfe errötete über beide Ohren und schilderte ihrem Freund die Situation. „Oh.“, sagte der Zwerg und schüttelte den Kopf. „Oh man.“
     „Yep. Allerdings.“, sagte die Elfe trocken. Ihr Blick glitt wieder zu dem Professor, welcher sich ihrem Bruder nun kleinlaut erklärt hatte, das er zwar bisher um die ganze Welt gereist war, aber niemals eine Frau ins Bett gekriegt hatte, weil sich diese einfach nicht für einen weitgereisten, intellektuellen begeistern ließen. „Deshalb hatte ich so sehr gehofft, wenigstens heute Abend jemanden …“
     „Schon klar. Schon klar.“, sagte Dem kopfschüttelnd und blickte peinlich berührt, ob des Missgeschicks zu seiner Schwester. „Sei nächstes Mal einfach vorsichtiger, wenn du eine Dame etwas zeigst. Vielleicht ist der Bursche, der mit ihr kommt, nicht ihr Bruder oder so verständnisvoll wie ich, okay?“
     „Das kannste laut sagen.“, ertönte eine rauchige Stimme von der Theke herüber. Rachels Blick fiel auf einen Menschen. Einen großgewachsenen Menschen von ungefähr einen Meter neunzig, mit blonden, kurzgeschnittenen Haaren und einfachem Dreitagebart im schwarzen Ledermantel, welcher grinsend eine Augenbraue hochgehoben hatte und welchen eine finstere Aura aus Tod und Schmerz umgab, wobei sie instinktiv zusammenzuckte.
     Die Elfe brauchte keine drei Sekunden, um den Mann als Urheber des Fiaskos auszumachen. „Und sie sind, Mister?“, fauchte Rachel trotzig. Der Mann stieß sich sichtlich amüsiert vom Tresen ab und ging auf die Elfin zu. Nun konnte sie auch spüren, was die Unruhe in ihr auslöste. Sie brauchte keine zwei Sekunden, um festzustellen, das ihr gegenüber ein Magier war.
     Mit fließender Bewegung verbeugte sich der Mann.
     „Mein Name ist Cipher.“, sagte der Magier selbstgefällig und enthüllte im selben Moment, das er ein Runner war. Ein charmanter, aber dennoch ungehobelt streitsüchtiger Magier, von dem was Rachel so sah ( ihr entging nicht, das ihr der Menschenmagier ins üppige Dekolletee starrte). „Und mit wem habe ich das Vergnügen, Miss?
     Augenblicklich stieg ihr die Röte ins Gesicht. "Wie unhöflich", dachte Rachel und lächelte peinlich berührt. „Tabulah Rasa.“, sagte sie schluckend und kam sich plötzlich falsch am Platz vor. „Dies ist …“
     „Evilon.“, sagte der Zwerg im grünen Body und nickte freundlich zu dem Menschen hinüber.
     „Ah, Evilon. Haben sie etwas dagegen, wenn ich sie `Mister Evil´ nenne?“, fragte Cipher noch immer lächelnd. Die Zwillinge sogen scharf die Luft ein. Spitznamen hasste Evilon normalerweise wie die Pest und gedachte solche, die ihm welche gaben häufig den Geschmack seiner Fäuste zu geben.
     Überraschenderweise jedoch legte der Zwerg nur den Kopf schief. Bevor er nachdenklich nickte. „Hm. Hmpf. Hm. Ja, doch. Ich denke, das kommt hin. Mister Evil, hm. Ja, ich denke, das geht, Cipher.“, sagte Evilon nach einer Weile und schenkte seine Aufmerksamkeit dann Kurt, welcher mit einem Baseballschläger hinter dem Tresen stand. Bereit die Szenerie mit einfachen Mitteln zu lösen.
     Doch der Mensch winkte ab.
     „Ich mach' das.“, sagte Cipher freundlich und hob den Professor bei den Schultern hoch und staubte ihm etwas imaginären Staub von den Schultern seines Laborkittels. Die anwesenden Runner schauten einfach zu, als Cipher dem älteren Mann mit der rundlichen Brille und der dünnen Figur wohlwollend zusprach und dann in Richtung der zwei aufgetakelter Frauen mit knappen Minikleidchen in einer der Logen zeigte.
     Cipher drehte sich danach dem Dreierteam zu. „Na dann. Ich denke, das wir alle aus demselben Grund hier sind, nicht wahr?“, fragte er grinsend. „Wie wär's, wenn wir uns dann mal dem Job zuwenden, ja?“
     Rachel sah sprachlos zu den anderen in die Runde. Allen war ins Gesicht geschrieben, dass dies für sie nicht real sein konnte, da die Szene an sich so schon qualvoll war. Doch Kurts Nicken hinter dem schwarzgekleideten Magier machte deutlich, das es stimmte. Dieser Chaot ( ein besserer Aufdruck fiel Rachel einfach nicht ein) war ihr neuestes Mitglied im Team.
     Die Elfe richtete ein Stoßgebet an ihre Patronin, sie möge ihr Kraft geben, bevor sie sich Kurt zuwandte. „Hinterzimmer.“, sagte der Inhaber derweil nur und ging den vier Runnern voraus, um ihnen den Weg zu zeigen und überließ einem der Barmädchen den Tresen.
     Gerade als Rachel als letzte durch die Tür schritt, sah sie noch wie der Professor an die Bar kam. „Dreimal Whisky, bitte.“, sagte er freudestrahlend über beide Ohren.
     "Das darf doch nicht wahr sein!?"

Das Hinterzimmer war ein karger, spartanisch eingerichteter Raum mit einem breiten Holztisch aus Mahagoni in der Mitte, an dessen gegenüberliegendem Ende eine zierliche Elfe mit maßgeschneidertem dunklem Hosenanzug und verdunkelter Brille saß, welche im Licht der Lampe dunkelblaugrüne Farbtönung abgab, welche im krassen Kontrast zu den lockigen, kastanienbraunen Haaren standen, die ihr die Schulter hinunterfielen.
     „Willkommen.“, sagte sie im finstren Tonfall eines typischen Mister Schmidt und bedeutete ihren Gästen sich zu setzen. „Setzen sie sich bitte.“ Die Bitte hatte jedoch den scharfen Unterton eines Befehls, der keinerlei Widerworte duldete. Doch einer aus der Gruppe schien dies bewusst nicht wahrgenommen zu haben.
     „Danke, aber ich stehe lieber, Mademoiselle.“, sagte Cipher und starrte unverhohlen auf den breiten Busen unter dem Anzug der Elfe, welche wie es aussah, die weiße Seidenbluse drohte zu sprengen. „Darf ich ihnen sagen, wie hübsch sie sind, Ma'am? Sie sind an und für sich ein Kunstwerk ohnegleichen.“
     Die Luft in dem Raum hätte man mit einem Blatt Papier schneiden können, da war sich Rachel sicher. Kein Schmidt – männlich oder weiblich – mochte es leiden, wenn ihm ein Runner quer kam und sich aufplusterte, wie ein Pfau. Doch der Neuling, Cipher, tat genau das. Und das komische dabei war: er hatte Erfolg!
     Der Elfe schoss das Blut nur so ins Gesicht, als sie schwitzend den Mund aufmachte und wieder schloss. Kam denn alles, was der Bastard zu anderen sagte, wie einem wie eine Hitzewelle entgegen, die Frauen die Röte ins Gesicht trieb und wünschte nicht ihm zu verfallen?
     Rachel trat vor und sprach die Schmidt in Sperethiel an.
     „Entschuldigt das Verhalten meines … Gefährten. Er ist noch neu bei uns und wir … hatten noch nicht Zeit, ihm gewisse … Macken auszutreiben.“, erklärte Rachel peinlich berührt. „Also verzeihen sie nochmal, wenn er noch nicht ganz so die Hackordnung verstanden hat.“
     „Hmpf. Na  gut. Wenn sie das so sagen, liebe Stammesgenossin.“, antwortete die Elfen Schmidt und zupfte sich ihre weiße Seidenbluse zurecht. Wobei sie Cipher einen Blick zu warf, den jeder hätte verstehen können. „Mach das nochmal und du bist dran. Deine Familie ist dran und jeder den du kennst!“
     Doch Cipher setzte mit einem kecken Zwinkern der Schmidt gegenüber noch einen drauf, bevor ihr ein süßes Lächeln zu warf. Die Schmidt ignorierte es ( oder versuchte es zumindest) und hustete kurz. „Kommen wir also zum Punkt.“, sagte sie mit typisch elfischer Hochnäsigkeit. „Wir haben für sie einen Job …“
     „Der gute Bezahlung verspricht. Wissen wir, Ma'am. Sonst wären wir ja nicht hier, oder?“
     Alle im Raum ( Kurt ausgeschlossen, da er bereits wieder gegangen war und wahrscheinlich draußen vor der Türe Schmiere stand) drehten sich zu dem Magier in dem schwarzen Mantel um, welcher nun gelangweilt eine Augenbraue hochhob. „Was?“, fragte Cipher mit einer Stimme eines unschuldigen Engels.
     "Oh bitte? Das hat er jetzt nicht wirklich gesagt", dachte Rachel entgeistert und betete im Stillen ein weiteres Mal zu ihrem Schutzpatron, das er dieser Bastard endlich mal das Maul hielt, bevor jemand einen Thorhammer abfeuerte.
     Die Schmidt zitterte leicht, sagte jedoch nichts und setzte ihr Gespräch ungerührt fort. „Nun, wo waren wir? Ach ja: wie ihr Kollege es so `trefflich´ auf den Punkt gebracht hat, haben wir einen Job für sie, der gut bezahlt wird. Vorausgesetzt sie können das Paket aus den Händen unserer Gegner `unbeschädigt´ bergen und ihr Großmaul da drüben hält endlich die Klappe!“
     Cipher sagte nichts. Doch Rachel glaubte, das er nur abwartete, bevor er die nächste Bombe zünden würde. Die Schmidt deutete es anscheinend jedoch anders und fuhr mit ihrer Erklärung fort. „Also, das Paket liegt in einem Lagerhaus am Hafen, wo es unter uns unbekannten Sicherheitsmaßnahmen beschützt wird. Sie müssen dort, wie ihr Kollege bereits trefflich auf den Punkt gebracht hat, das Paket unter allen Umständen bergen und es uns `unbeschadet´ zurückbringen.“
     „Definieren sie unbeschadet?“, fragte Dem und legte den Kopf schräg. Die Elfe seufzte.
     „Unbeschadet in dem Sinne, das es weder geöffnet werden darf. Noch in irgendeiner Weise vertauscht, beschädigt oder im sonstigen Sinne kopiert werden darf. Habe ich mich klar ausgedrückt?“
     „Und was, wenn es uns runterfällt und es `aus versehen´ beschädigt wird und der Inhalt unseren unbefugten Augen zugänglich wird?“, fragte Cipher plötzlich aus heiterem Himmel. „Gilt diese Regel dann auch, Ma'am?“
     Die Elfe zuckte nun doch offensichtlich zusammen. „In jedem Fall, Mister.“, sagte die Schmidt mit aller Höflichkeit, die sie noch im Stande war, aufzubringen. „Sollte es jedoch nicht möglich sein, die Unversehrtheit zu garantieren, wird die Auszahlung ihres Honorars die Geringste ihrer Sorgen sein. Sonst noch irgendwelche Fragen?“
     „Yep.“, schaltete sich nun Evilon ein. „Wenn wir das Paket haben. Wohin bringen wir es dann?“
     Die Schmidt griff mit einer ihrer zierlichen Hände in die Innenseite ihrer Tasche und förderte eine kleine Notiz mit einer Anschrift zutage. „Bringen sie es dann zu dieser Adresse. Aber kommen sie bitte passend gekleidet. Das heißt also nicht diese … brachiale Tracht, die ihr Kollege da trägt. Verstanden?“
     „Keine Sorge. Das werden wir bestimmt.“, sagte Rachel mit einem Seitenblick zu dem neusten Mitglied ihrer Clique. „Das werden wir.“
     „Gut. Wenn dann …“
     „Eigentlich schon.“, sagte der Magier ein weiteres Mal. „Sagen sie, könnten wir sie um ein paar Dinge anhauen?“
     „Hmpf. Ja, aber das ziehen wir vom Entgeld ab.“, antwortete die Schmidt allmählich müde.
     „Ausgezeichnet.“, sagte Cipher und förderte einen kleinen Zettel zutage, denn er anscheinend just geschrieben zu haben schien ( woher er Stift und Papier hergenommen hatte, wusste Rachel bei bestem Willen nicht) und reichte ihr der Schmidt über den Tisch. Diese hob verwirrt eine Augenbraue.
     „Was ist das?“, fragte sie im gewohnt hochnäsigen Tonfall.
     „Eine Einkaufsliste.“, antwortete Cipher nun doch ernst und ratterte die einzelnen Punkte herunter. „Ares Predator Mark V für jeden von uns, der noch keine hat. Sowie je eine Schusssichere Weste Typ III für jeden der Anwesenden hier, Ma'am. Dazu hätten wir noch Aufnahmen aus der Luft von einem ihrer schicken Überwachungssatelliten, die ja andauernd über unseren Köpfen im Orbit kreisen über die Aufteilung des Geländes. Der Anzahl der Wachwechsel und dergleichen. Ich glaube ihnen nämlich nicht, das sie solche Details einfach nicht aufgrund fehlender Budgetcodes nicht haben, sondern diese uns vielmehr nicht beschaffen wollen, da sie im besten Fall uns entweder überhaupt nicht bezahlen müssen oder nur mindestens einen von uns. So sehe ich das jedenfall, aber na ja, das ist nur meine bescheidene Meinung.“
      Die Luft im Raum war kalt und drohte sich in kaltes, starres Eis zu verwandeln. Der Schmidt jedenfalls war sämtliche Farbe aus dem Gesicht gewichen, als Cipher seinen Tonfall um mehrere Töne tiefer gestellt hatte und nun im selben Jargon wie die Elfe sprach. "Er macht sowas nicht zum ersten Mal", schoss es Rachel durch den Kopf. So wie er redet, muss er einen extensiven Kurs beim Militär hingelegt haben, um so eine Reaktion bei einem Schmidt hervorzurufen.
      Die Schmidt atmete aus. Rachel hatte gar nicht bemerkt, das sie überhaupt die Luft angehalten hatte. „Sonst noch etwas?“, fragte sie eisern jedes Wort betonend. „Oder war das alles?“
      „Zwei Dinge.“, fuhr Cipher süßlich fort. „Erstens einen gepanzerten SUV, der auch Sturmgewehrmunition sowie magisch verstärkten oder Kohlenstoffgehärteten Überzügen standhält.“
     „Brauchen wir nicht.“, sagte Dem plötzlich. „Meine Karre ist gepanzert und von mir persönlich getunt. Da kommt keine Kugel durch.“
     Rachel dankte ihrem Zwillingsbruder im Stillen, so besonnen zu sein, an die Nachrüstungen nach dem letzten Job gedacht zu haben. Die Schmidt lächelte nun und legte an seiner Stadt den Kopf schräg. Schwieg sich jedoch aus.
      „Und das andere, Mister?“, fragte sie unverhohlen süßlich.
     Cipher schluckte, dann sprach er es aus und trieb der elfischen Schmidt ein weiteres Mal das Blut in die Wangen. Rachel, Evilon und Dem indes waren einfach sprachlos und schienen plötzlich dasselbe im selben Moment zu denken.
     "Das meint, der doch jetzt nicht ernst!"
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