Ruf aus der Vergangenheit

von Rav0969
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
15.03.2019
03.09.2019
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Es war ein sonniger Morgen an der Nordküste Himmelrands. Obwohl es Hochsommer war kamen die Temperaturen kaum aus den Minusgraden heraus. Doch das waren die Bewohner Winterfestes, einem kleinen Dorf direkt am Geistermeer gewohnt. Der Blick in Richtung Norden gab immer wieder Anlass zum Träumen, wenn an solch ruhigen Tagen wie heute, das Wasser fast glatt vor einem lag und die Eisschollen in der Sonne glitzerten. Auf einem kleinen Plateau vor der Küste stand majestätisch die Akademie der Magier in schwindelerregender Höhe, nur mit dem Land verbunden durch einen schmalen Weg, der von der Akademie bis zum Festland führt. Was immer wieder Anlass gab darüber nachzudenken, ob es noch die Natur war oder Magie die dieses Gebäude dort hielt.

An der Akademie von Winterfeste hatte Tolfdir mal wieder seine Schüler zu einer Exkursion aufgerufen. Es sollte auf eine der nördlichen kleinen Inseln gehen, die das ganze Jahr über mit Eis bedeckt waren, um ihnen die verschiedenen Auswirkungen von Feuermagie näherzubringen.
Es waren nur drei Schüler erschienen, Siegurd ein rothaariger, eher klein geratener und schmächtiger Nord, der schon als Kind davon träumte mal ein großer Magier zu werden, das und die Tatsache seines für einen Nord recht untypischen Körperbaus brachte ihm in Kinder und Jugendtagen sehr viel Spott und Hähme ein, umso glücklicher war er, als man ihn an der Akademie annahm und er sich seinen Traum erfüllen konnte.
Dann war da noch Sheria, eine Dunmer die zuerst aus Morrowind floh und dann die Verachtung und Geißelung durch die Nord in Windhelm zu spüren bekam. Sie sehnte sich nach einem Ort, an dem sie ihre magischen Studien fortführen konnte, die sie in Morrowind begonnen hatte. Auch sie war Glücklich an der Akademie einen Platz bekommen zu haben.
Und zu guter letzt noch Anriel, ein junger Altmer, Sohn von Botschafterin Elenwen. Er war in Ancanos Obhut gegeben worden und hatte dadurch seinen Studienplatz in der Akademie erworben, was ihn allerding eher anwiderte, da er seiner Meinung nach einen Studienplatz auf Summerset hätte belegen müssen. Er stand in seiner hochelfischen Arroganz Ancano in nichts nach und machte weder vor Schülern, noch vor Lehrern einen Hehl aus seiner Ablehnung gegenüber allen, seiner Meinung nach  lebensunwürdigen Rassen. Was im Großen und Ganzen, sowohl Menschen als auch Mer betraf, die nicht zu den Altmer gehörten, da sie ja nur minderwertige Nachkommen der Urelfen waren und die einzigen die des Lebens Wert waren, aus den Reihen der Altmer stammten. Ganz extrem äußerte er sich über die Tiermischwesen, Argonier und Khajiit hätten in seinen Augen gar nicht exestieren dürfen, sie waren für ihn der größte Abschaum den Nirn je hervorgebracht hat.

Tolfdir hätte sich gewünscht, Anriel nicht wieder einen Tag ertragen zu müssen, doch Ancano achtete darauf das sein Mündel den Unterricht nicht versäumte und hielt seine Fortschritte im Blick. Kurz nach dem Zusammentreffen der Drei, auf dem Hof der Akademie, zwischen dicken Mauern und hohen Türmen die an den Seiten der Akademie das Gelände von dem gähnenden Abgrund trennten, fingen auch schon wieder die Sticheleien gegen seine Mitschüler an. An Sheria gewannt wisperte er: "Du und dein Volk hättet besser in Morrowind bleiben und die Lava des roten Bergs Willkommen heißen sollen. Seit aus dem großen Volk der Chimer euer trauriger Haufen wurde, ist nicht mehr viel los mit euch." Sheria drehte sich weg, damit Anriel nicht sah, daß sie mit den Tränen kämpfte.
Dann wandte er sich Siegurd zu und flüsterte: "Unser mikriges Männlein ist also auch wieder dabei; du bist eine Schande für dein Volk. Sieh dich nur an, so klein, so zurückgeblieben. Nichts verbindet dich mit den mächtigen Kriegern die dein Volk hervorbrachte. Gut, es sind durch die Bank weg hirnlose muskelbepackte Schläger, aber selbst dazu bist du ja nicht mal im Stande." In seinem Blick kochte Wut hoch über die Anmaßung die sich dieser elfische Wurm erlaubte und als Siegurd sich gerade zu einer Antwort durchringen will, betritt Tolfdir den Hof. Siegurd fing sich wieder und schluckte die Wut herunter.

"So meine Lieben, ihr wisst ja worauf es heute ankommt. Wie schon erwähnt, geht es heute mit dem Feingefühl für die Feuermagie los. Wir werden gleich zu einer der kleinen Inseln fahren und da dürft ihr euch an dem Eis ausprobieren. Ich habe für euch ein paar Dinge Eingefroren die ich nachher gerne ohne Beschädigung wieder hätte." sagte Tolfdir.
Während von Siegurd und Sheria ein vorsichtiges Nicken kam, grinste Anriel breit und antwortete: "Wenn ihr die Sachen unbeschädigt wieder haben wollt, solltet ihr diese Versager hier lassen. Ich denke ich bin hier der Einzige, der hier in der Lage ist eure Aufgabe zu erfüllen."
Tolfdirs Lächeln war eiskalt, als er in einem tadelndem Ton sagte: "Lass es uns abwarten und keine voreiligen Schlüsse ziehen, wer weiß wer am Ende das beste daraus macht. Und jetzt laßt uns den Weg zum Boot antreten, ich glaube Anriel war mit rudern dran." Sie gingen den langen Weg, der zum Dorf führte hinunter, vorbei an den magischen Brunnen deren Licht selbst in der Sonne noch funkelte. Vorbei an dem Stück, als während des magischen Zwischenfall ein Stück des Weges weggebrochen und in das tief darunter liegende Meer gestürzt war. Und dann durch das Portal an dem Mirabell so gerne stand und Neulingen ihre erste Prüfung abnahm. Dann kamen sie an dem, von dem Zwischenfall zerstörten Stück von Winterfeste vorbei, der nur noch aus ein paar Ruinen und einem Steilhang bestand. Die Bewohner des Dorfes hatten es den Magiern übel genommen, daß durch ihre schuld die halbe Stadt, vor dem Zwischenfall hatte Winterfeste noch Stadtrechte und Teile der Umgebung vom Meer verschlungen wurden. Als sie an den Ruinen vorbei waren, hielten sie sich an den Pfad, der an einem schneebedeckten Hügel entlang Richtung Wasser führte.
Am Anleger angekommen stiegen alle in das Boot und setzten sich. Anriel nahm mit bittersaurer Mine die Ruder und legte los. Die Fahrt verlief ohne besondere Vorkommnisse, über das ruhige Wasser vorbei an einigen Eisschollen und innerhalb von etwa fünfzehn Minuten legten sie an der kleinen Insel an, nicht viel mehr als eine große Eisscholle mit einem kleinen Hügel darauf. Am Ziel angekommen gab es dort nichts als Eis und ein wenig Schnee. Anriel keuchte und hustete als würde er gleich sterben und verfluchte immer wieder diese Aufgaben, die den Schülern neben ihrem eigentlichen Studium zuteil wurden und die eines angesehen Altmermagiers nicht würdig sei.

Tolfdir überhörte sein Fluchen einfach, wischte ein wenig Schnee zur Seite und fing an zu erklären: "Also Schüler, wenn ihr hier genau hinseht, könnt ihr meine Sandalen erkennen. Es sind insgesamt noch drei weitere Gegenstände im Eis auf dieser Insel eingefroren, für jeden einer. Setzt eure Feuermagie weise ein, um diese Gegenstände zu befreien. Ich werde mit euch nicht eher zurückgehen bis alle Teile wieder da sind." Dann formte er in seiner Hand einen kleinen Feuerball und ließ ihn auf das Eis zuschnellen. Es knackte laut als der Feuerball sein Ziel traf und ein Stück des Eises brach heraus, genau das Stück in dem die Sandalen steckten. Dann befreite er unter zuhilfenahme eines Flammenstrahls innerhalb weniger Minuten die Sandalen aus ihrem eisigen Gefängnis. Danach verringerte er die Intensität des Flammenstrahls und nach wenigen Augenblicken waren die Sandalen unter dampfen getrocknet.
"Jetzt ist es an euch, es mir gleich zu tun und denkt immer daran in Maßen zu agieren, zuviel und ihr zerstört was ihr haben wollt, zuwenig und ihr seid noch ewig hier. Noch Fragen?"
Alle Schüler schüttelten den Kopf und fingen an um die Insel herum zu gehen und an der einen oder anderen Stelle den Schnee wegzuwischen. Nach nicht allzu langer Zeit hatten sie ihre Ziele gefunden, eines an jeder Seite der Insel.
Siegurd formte einen winzigen Feuerball und schleuderte ihn gegen das Eis, doch es passierte nichts. Dann versuchte er einen etwas Größeren und beim Aufprall flogen ein paar Eissplitter weg. Bei seinem dritten Versuch wurde der Ball noch etwas größer und beim Aufprall knackte etwas. Als Siegurd nachschaute hatte sich ein Riss gebildet.
Hinter ihm tauchte Tolfdir auf und schaute ihm über die Schulter. "Das sieht schon sehr gut aus, einen Hauch mehr und der richtige Winkel und du hast es." sagte er. In Gedanken stellte Siegurd einige Berechnungen an und erwog die Größe und den ungefähren Winkel, dann formte er wieder einen Feuerball und diesmal knackte es lauter. Das Stück Eis mit dem schwarzen Stein darin fiel zu Boden.
"Gut." sagte Tolfdir "Und jetzt noch das Eis schmelzen."
Dann ging er weiter und schaute was Sheria gerade tat. Auch ihr blickte er über die Schulter und stellte zufrieden fest das Sheria ihren eigenen Weg gefunden hatte, um das Probelm zu lösen. Sie hatte mit Kleinen, aber sehr heißen Feuerbällen das Eis um die Stelle eines dunklen Tuches Perforiert. Jetzt steckte sie die Finger in die Löcher, drückte ein wenig zur Seite , dann knackte es und sie zog das Stück heraus.
Als sie ihren Fund betrachtete und abwägte wieviel magische Energie sie zum Auftauen und trocknen verwenden muß, gab es einen Knall von der Seite auf der Anriel stand.Tolfdir, Sheria und Siegurd sahen zu Anriel herüber der gerade einen riesigen Feuerball formte. Tolfdir schrie: "Stopp. Du zerstörst noch die ganze Insel." Doch Anriel hörte ihn nicht in dem Rauschen der Magie um ihn herum. Unter den erschreckten Blicken der anderen, ließ er dieses entfesselte Inferno auf die Stelle vor sich niedergehen. Die Druckwelle schleuderte ihn gute vier Meter in das Geistermeer hinein. Die kleine Insel erzitterte und ein riesiger Riss zog sich in der Mitte durch das Eis, knapp zwei Meter breit und von einem Ende zum anderen der Insel, doch sie blieb unbeindruckt, außer dem Zittern geschah sonst nichts. Jetzt konnte man den erdigen Boden sehen, der vorher Jahrhunderte  unter dem Eis verborgen war.
Tolfdir rief die beiden anderen zu sich und sie gingen über den freigelegten Boden zu der Stelle wo Anriel gestanden hätte. Überall lagen kleine Muschelschalen in die Erde gedrückt. Sheria blieb hinter ihnen zurück, sie hatte etwas im Eis gesehen was ihre Aufmerksamkeit erweckte. Tolfdir schaute auf das Meer hinaus und sah Anriel leicht angesenkt und qualmend unter husten und prusten auf das Land zuschwimmen.
"Den Göttern sei gedankt er lebt." rief Tolfdir und fügte in Gedanken hinzu: "Was das wieder einen Schreibkram bedeutet hätte."
Als Anriel am Ufer ankam stürzte Tolfdir auf ihn zu, schüttelte ihn und schrie: "Bist du noch bei Trost, du hättest dich umbringen können, uns alle, hatte ich nicht gesagt mit Gefühl? Aber Nein Herr Altmer muß es wieder besser wissen..."
Anriel schaute ihn an und sagte in einem Ton, den man in einer solchen Situation besser vermeiden sollte: "Was denn? Es leben doch noch alle, die Insel ist noch da und außerdem wäre es sowieso nur um mich schade gewesen."
In Tolfdirs sonst so ruhig und gefasst wirkenden Augen explodierte etwas und er wollte sich auf Anriel stürzen. Das hatte Siegurd mitbekommen und hielt unter großen Anstrengungen Tolfdir fest, der sich am liebsten losgerissen hätte, um Anriel Dinge anzutun, die man sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausmalen will.
Alle schreckten zusammen als plötzlich von hinten Sherias Stimme erklang. "Ich habe hier etwas Ungewöhnliches gefunden."
Sie stand etwa einen Meter in dem Riss, der durch die Insel ging und schaute auf das Eis an der Innenseite. Alle drehten den Kopf zu ihr hin und zu Arniels Erleichterung verwandelte sich Tolfdirs Wut in Neugier. Siegurd ließ jetzt von Tolfdir ab und die Beiden gingen in Sherias Richtung. Sie hatte mit einem Magierlicht den Teil neben sich erleuchtet und deutete auf eine Stelle mitten im Eis. Als Tolfdir und Siegurd bei ihr ankamen, bückten sie sich und schauten auf die Stelle die ihnen gezeigt wurde. In dem Eis zeichnete sich eine Kontur ab, fast menschlich und ein paar fast weiße Haare hingen aus dem Eis heraus.
Tolfdirs Verstand setzte die Informationen sofort um und er stand aus seiner gebückten Haltung auf. Er schaute auf Siegurd und Anriel und sagte: "Ihr beide nehmt das Boot und rudert zur Akademie. Dort sagt ihr dem Erzmagier und Urag gro-Shub bescheid, daß wir hier vielleicht etwas Bedeutendes gefunden haben. Es könnte sich um ein altes Grab handeln." Dann drehte er sich um und sagte:" Sheria du bleibst bei mir. Ich brauch dich hier."
Arniel und Siegurd wandten sich wortlos um und gingen in Richtung des Bootes, das immer noch an dem Rand der Insel befestigt war. Am Boot angekommen meinte Anriel: "Da ich hier die große Enddeckung gemacht habe, bist du jetzt wohl mit rudern dran." Sigurd biss sich auf die Lippen und dachte: "Jetzt stellt er sich auch noch als Held dar, aber ich werde es auf sich beruhen lassen." Er griff die Ruder und beide traten ihre Fahrt zu Akademie an.
Tolfdir fragte jetzt an Sheria gewandt: "So wie du eben das Tuch befreit hast, kannst du das hier nochmal anwenden?" Darauf antwortete sie: "Ich denke schon, ich muß nur Winkel, Stärke und Kraft etwas abändern. Muß ich davon ausgehen, hier etwas Lebendes zu finden?
Tolfdir machte einen nachdenklichen Gesichtausdruck: "Ich denke nicht, diese Insel ist irgendwann in der dritten Ära zugefroren und seitdem nicht wieder aufgetaut,  aber gehe trotzdem mit äußerster Vorsicht vor, wir wissen nicht was wir hier gefunden haben."

Nach einer Weile hatte Sheria, das Eis um den Fund herum perforiert und legte eine Hand in die obere Spalte. Sie tastete sich vorsichtig hinein und fand den berechneten Punkt, dort übte sie Druck aus und ein Knirschen war zu hören. Sie zog ihre Hand heraus und formte einen magischen Eisspeer. Den drückte sie dann in die Spalte und zog ihn etwas nach unten. Das machte sie an allen Seiten und zum Schluß war ein Knacken zu vernehmen. Jetzt packten Tolfdir und sie das Stück und zogen es heraus. In dem Eisblock befand sich eine Frau, eine Mer, aber ganz anders als Tolfdir oder Sheria sie kannten. Die Hautfarbe war Weißgräulich, die Augen ohne Pupille und die Kleidungsfetzen hatten einen bläulichen bis lila Schimmer, der je nach Blickwinkel auch mal grünlich oder rötlich schimmerte.
"Ich denke es ist an der Zeit unser Fundstück aufzutauen." sagte Tolfdir. Er und Sheria benutzen den Flammenstrahl und langsam schmolz das Eis.
Als fast alles Eis weg war, legte das Boot an der Insel an und der Erzmagier und Urag gro-Shub stiegen aus. Tolfdir bedeutete Sheria weiterzumachen und wandte sich dem Erzmagier zu. Die beiden sprachen miteinander und Sheria versuchte zu verstehen was die beiden sagten. Dann wandten sich die beiden an Urag gro-Shub und fragten ihn was er von dem Fund halte. Der Ork meinte, daß es sich hier allem Anschein nach um eine Maormer, eine Meerelfe handelte, die seit der dritten Ära nicht mehr gesehen wurden.
Plötzlich hörten sie ein leises Husten und Schnaufen aus Richtung Sheria. Die drehte sich erschrocken um, als ihr klar wurde, daß sie ohne darauf zu achten das gesamte Eis geschmolzen und mittlerweile den Körper erwärmt hatte. Aus der Gestalt die da aus dem Eis gekommen war, war ein leises Murmeln zu vernehmen, aber nichts verständliches. Tolfdir, der Erzmagier und Urag gro-Shub liefen zu Sheria herüber und versuchten zu erkennen, ob das was sie gehört hatten wirklich von der aufgetauten Mer kam. Alle standen jetzt um sie herum. Tolfdir streckte eine Hand in Richtung des Gesichts und spürte einen leichten Atem. Er richtete sich auf und sagte: "Wir brauchen Wiederherstellungsmagie, wo ist Collette? Sheria nimm bitte das Boot und bring Collette hier her. Wir werden dafür sorgen das du schneller bist." Als Sheria in das Boot gestiegen und abgefahren war, wirkte der Erzmagier über die Insel einen Zeitzauber, der die gesamte Zeit im Bereich der Insel anhielt und der wieder brach wenn jemand die Insel betritt.
In dem Moment als Sheria losfuhr war sie auch schon wieder da, mit Collette und Ancano hinter sich. Der Erzmagier blickte mißbilligend auf den Thalmorberater und fragte ihn, was er hier zu suchen hatte. Ancano antwortete: "Ich bin von Anriel informiert worden, daß hier etwas möglicherweise Wichtiges gefunden wurde und ich denke da sollte ich dabei sein." "Nun gut jetzt seid ihr ja hier, aber haltet euch zurück." sagte der Erzmagier und dachte in Bezug auf Anriel: "Diese kleine hinterlistige Petze, ich hoffe das der bald verschwindet."

Ancano blieb am Boot stehen, um zu beobachten was da vor sich ging und alles im Blick zu behalten, während Collette schnellen Schrittes zum Erzmagier eilte. Sie fragte ihn: "Was ist denn passiert und warum diese Eile und Geheimhaltung, Sheria wollte mir den ganzen Weg über nichts verraten?" Der Erzmagier blickte zu der Stelle an der die Mer lag und antwortete: "Wir haben da etwas gefunden. Es sollte eigendlich unmöglich sein das noch Leben in ihr steckt, aber wie es scheint ist hier das Unmögliche möglich geworden." Collette setzte sich sofort in Bewegung.

Sie stand jetzt bei der aufgetauten Frau, die zusammen gekrümmt auf dem Boden lag. Sie wirkte ihre Heilungsmagie, während Sheria sie vorsichtig wärmte. Langsam kam die Frau auf die Knie und stand auf sehr wackeliegen Beinen auf. Tolfdir hielt sie und sagte: "Vorsichtig ihr habt eure Beine lange nicht gebraucht." Als Antwort bekam er einige leise Worte, aber verstand nicht was sie sagte. "Urag gro-Shub seid ihr der Sprache der Maormer mächtig und könnt übersetzten was sie sagt?" Der alte Ork kratzte sich am Kinn und antwortete: "Ich kann es versuchen." Er trat etwas näher und richtete einige Worte an die Frau. Sie schaute ihn verblüfft an und versuchte zu lächeln, doch es gelang ihr nicht. Dann sprach sie wieder etwas, das keiner außer Urag gro-Shub verstand. Tolfdir fragte nun: "Und was hat sie gesagt?" Der Erzmagier nickte.
Urag gro-Shub antwortete: "Sie ist sehr verwirrt, ihr Schiff erlitt Schiffbruch vor der Küste von Hochfels und sie trieb in einem kleinen Boot lange auf See, ihr Boot wurde an einem Felsen in der Nähe zerschmettert und mit den Trümmern wurde sie hier angespült. Ihr Name ist Neylu. Und..." "Und was?" fragte der Erzmagier ungeduldig. Der alte Ork schien rot zu werden als er erwiederte: "Sie sagte ich..."
"... ich spreche wie ein Kind in... in ihrer Sprache." Tolfdir mußte alle Mühe aufbringen nicht laut loszulachen. Auch der Erzmagier gluckste leise.
"Ich sehe ihr Schweigen einfach mal als Bestätigung, daß es gut läuft." sagte Urag leicht verstimmt und wandte sich wieder Neylu zu, die immer noch durch Collettes Hände Lebensenergien eingeflößt bekam. Wieder wechselten die beiden ein paar Worte woraufhin Neylu scharf Luft holte und sich ihre Haut weißlich verfärbte. "Was habt ihr getan?" stieß der Erzmagier hervor. "Zuerst hat sie gesagt, hier muß noch eine längliche Kiste mit Ausrüstung irgendwo liegen. Dann habe ich ihr erklärt was passiert ist und sie fragte welches Jahr wir haben. Die Reaktion eben kam auf meine Antwort." Sheria kam mit einer Kiste auf dem Arm auf Neylu zu und fragte, ob das die Richtige sei, sie hatte sie unter dem großen Loch gefunden, das Neylu hinterlassen hatte und sie aus dem Eis befreit. Augenscheinlich hatte Neylu kein Wort verstanden aber sie lächlte und Sheria nahm an, daß es die Richtige sein müsse.
Collette hatte mittlerweile von Neylu abgelassen. Die Kiste war etwa zwei Meter lang und schien aus tropischem Holz in einem dunklen Braunton zu bestehen, in der Mitte, knapp unter dem Deckel war eine Einlegearbeit aus weißem Stein mit einem bläulichen Schimmer, die eine Seeschlange, um einen Dreizack gewickelt zeigte. Neylu nahm einen scharfkantigen Stein und ritzte in ihren Finger, den Tropfen Blut der entstand drückte sie auf die Einlegearbeit, woraufhin sich die Seeschlange von dem Dreizack abwickelte und nun neben ihm stand. Mit einem Klicken sprang der Deckel einige Millimeter auf. Sie bückte sich und öffnete die Kiste. Dann streifte sie ganz unvermittelt die Stofffetzen ab und holte etwas aus der Kiste. Die drei Männer drehten sich schlagartig um, als Neylu entblöst vor ihnen stand, nur Ancano der sich immer noch im Hintergrund hielt blieb stehen. Sie streifte sich eine Art Unterwäsche aus Stoff und eine Rüstung aus einem unbekannten Material über, die denselben Farbton hatten wie die abgelegten Stofffetzen und zog einen Dreizack und einen Säbel heraus.
Ancano verlor bei dem Anblick der sich ihm bot völlig seine für ihn sonst so typische Reserviertheit, er riss die Augen auf, zog seinen Dolch, schrie: "Eine Seeviper, im Namen der Thalmor, du bist tot!" und stürzte nach vorne. Neylu nahm den Dreizack zur Hand und richtete ihn in Richtung Ancano. "Thalmor!" hörte man jetzt deutlich von ihr und sie war im Begriff sich auf Ancano zu stürzen. Die Männer rissen Ancano, die Frauen Neylu zu Boden. Alle redeten durcheinander und hielten die Beiden fest. Urag gro-Shub war der Erste der sich wieder gefangen hatte und drehte sich zu Neylu um. Er erklärte ihr die Situation und welche Ereignisse hier geschehen waren. Vom großen Krieg mit seinen Folgen für das Kaisereich und das Thalmoragenten überall geduldet wurden.  
Der Erzmagier versetzte Ancano eine schallende Ohrfeige und sagte energisch: "Ihr seid nicht befugt im Einzugsbereich der Akademie irgendwelche Torheiten zu begehen, sie steht unter meinem Schutz und solange das der Fall ist, werdet ihr ihr kein Haar krümmen, habt ihr mich verstanden." Ancano stand auf, er hatte jetzt seine Beherrschung wiedergefunden und blickte den Erzmagier arrogant an: "Ich hoffe ihr wisst welche Konsequenzen das nach sich ziehen wird. Ich werde Meldung erstatten über diesen Vorfall und das ihr einen Feind der Thalmor unterstützt." Daraufhin drehte er sich um und sagte: "Collette rudert mich zur Akademie."
Urag gro-Shub beugte sich zu Neylu und erklärte ihr, was sich da gerade zugetragen hatte. Sie schaute den Erzmagier an und lächelte dankbar.
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