Miracles can happen every day

von sjoe
GeschichteRomanze / P18
Johannes Thingnes Bø
14.03.2019
25.05.2020
62
108.028
20
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14.03.2019 1.429
 
hei!
eigentlich ist meine Maxime inzwischen, eine Story erst zu posten, wenn ich sie fertiggestellt habe, aber jetzt passt das gerade so gut mit der Biathlon-WM und überhaupt...

viel Spaß beim Lesen!

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DISCLAIMER: Die Handlung ist, bis auf die Renn-Ergebnisse, frei erfunden, ich kenne die real existierenden, vorkommenden Personen nicht, die Charaktere sind der Realität entliehen. Ich verdiene kein Geld damit.

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Das Piepsen kündigte den Eingang einer Nachricht an und Johannes bog den Arm nach hinten, um mit geschlossenen Augen und ohne die Position ändern zu müssen, nach seinem Mobiltelefon zu tasten, welches auf dem Nachttisch neben dem Bett lag.

Als er es gefunden hatte, öffnete er dann doch die Augen, entsperrte den Bildschirm und tippte auf das kleine Briefsymbol.

„Ich weiß nicht, ob ich das aufregend finde.“

Er runzelte die Stirn und überlegte, auf was sich dieser Satz beziehen könnte, aber es fiel ihm kein passendes Gespräch oder dergleichen ein.

Eine Nummer als Absender gab auch nicht viel Aufschluss, aber das musste nicht unbedingt etwas heißen.

Es war zwar nicht so, dass er seine Nummer wie warme Semmeln verteilte, aber es konnte durchaus passieren, dass er vergaß, einen Kontakt zu speichern.

„Was?“ fragte er deshalb einfach mal zurück, um sofort mit einem leisen aufseufzen den Arm wieder sinken zu lassen und die Augen zu schließen.

Er hatte im Sprint beim Liegendschießen drei Fehler geschossen und dann ordentlich Gas gegeben, um trotzdem ein gutes Ergebnis einzufahren. Mit seinem sechsten Platz war ihm das auch einigermaßen gelungen.

Allerdings war er jetzt ziemlich k.o., weshalb er schon wieder weggedöst war, als irgendwann die Antwort einging.

„Ein Wochenende mit dir zu verbringen!“

Okay, nun war klar, dass diese Nachrichten nicht für ihn bestimmt waren.

Er hatte niemandem ein Wochenende mit sich in Aussicht gestellt, was vor allem der Tatsache geschuldet war, dass heute mit dem ersten Rennen in Sjusjøen die neue Saison begonnen hatte.

Allerdings bedeutete das doch wohl nicht, dass er nicht trotzdem darauf antworten konnte, oder?
Vielleicht wurde das ja jetzt ganz interessant?

Zumal er im Moment ohnehin nichts Besseres zu tun hatte.  

„Und warum nicht?“

Diesmal kam die Antwort fast postwendend: „Wir kennen uns doch kaum!“

Nun musste er grinsen. Die Lady war also eher eine von der zurückhaltenden Sorte.

„Sind solche Wochenenden nicht dazu da, einander besser kennen zu lernen?“

„Was gleich zu setzen ist mit ‚eine Runde poppen‘? Nein, danke!“

„Nur eine Runde?“ dachte er schmunzelnd, tippte aber: „Bösartige Unterstellung!“

„Ach komm, jetzt tu nicht so!“

Ganz unerfahren war sie also nicht.

„Nun ja, ich will nicht leugnen, dass das auch eine Rolle spielen könnte, aber meistens macht auch das mehr Spaß, wenn man sich ein wenig besser kennt!“

„Ich wusste es!!!“

Er schnaubte amüsiert über den so offensichtlichen Triumph: „Hast du ein Zölibatsgelübde abgelegt oder wo ist das Problem?“

„Boah, SO typisch Mann!!! Nein, ich habe kein Zölibatsgelübde abgelegt, aber trotzdem gehe ich nicht einfach mit jemandem ins Bett, dem es nur darum geht, ein wenig Spaß zu haben und eine weitere Zahl abhaken zu können, ehe die Nächste an der Reihe ist! Dazu bin ich mir zu wertvoll!“

Auch wenn das nicht seiner Meinung entsprach und er froh war, dass nicht alle Frauen diese Einstellung hatten, beeindruckte ihn das irgendwie.
Vor allem auch die Tatsache, dass sie so offen zu ihrer Haltung stand.

Allerdings wusste er nicht so recht, was er jetzt darauf antworten sollte und beschloss, es erst einmal dabei zu belassen.

Anscheinend war er dann eingeschlafen, denn als er kurz vor dem Abendessen, zu dem Emil, mit dem er das Zimmer teilte, ihn weckte, auf sein Mobiltelefon sah, zierte wieder ein kleiner Umschlag sein Display: „Was denn? Und jetzt zu feige, darauf zu antworten?“

„Nein. Beim Nachdenken über eine adäquate Antwort eingeschlafen.“

„Das ist jetzt nicht dein Ernst!“

„Doch. War ein anstrengender Tag heute.“

„Wie bitte?“

Shit! Jetzt hatte er sich wohl verplappert!
Aber da er jetzt ohnehin den Speisesaal betrat, stellte er noch schnell den Ton auf lautlos und ließ das Gerät in die Hosentasche gleiten.



Da in der Runde wie immer viel Geflachst wurde und das Essen außerdem ziemlich gut war, dachte er gar nicht mehr an die Nachrichten.
Anschließend ging er noch auf ein paar Runden Billard in den Clubraum, so dass sein Blick erst wieder auf das Handy fiel, als er auf dem Rand des Bettes saß und sich den Wecker für den nächsten Morgen stellen wollte.

„Was bitte war an dem Abstimmungstreffen für das Referat heute anstrengend?“

Okay. Das klang doch jetzt eher nach Uni, als nach Schule oder? Hoffentlich, denn auf ein minderjähriges Girlie hatte er keine Lust.

„Ich hatte in der Nacht davor nicht so viel Schlaf…“, redete er sich heraus, in der Hoffnung, sich daraufhin doch noch nicht als falscher Empfänger outen zu müssen.

„Lass mich raten: gesoffen?“ kam direkt die Antwort.

Na, die hatte ja nun wirklich einen schlechten Eindruck von ihrem vermeintlichen Gegenüber, kein Wunder, dass sie keine Lust auf ein Wochenende mit dem hatte.

Vielleicht sollte er es doch lieber schnell auflösen, nicht, dass sie sich aufgrund seiner Antworten doch noch anders überlegte?

Andererseits konnte er das ja immer noch tun, wenn sie etwas in der Richtung andeuten sollte. Im Moment machte ihm dieser anonyme Schriftwechsel einfach zu viel Spaß.

„Nein. Trainiert!“ Und das war nicht mal gelogen. Er hatte am Abend zuvor noch eine Runde im Kraftraum eingelegt, weil er sich so ruhelos gefühlt hatte, dass er befürchtet hatte, nicht einschlafen zu können.

„Oh. So lange?“

„Länger, als eigentlich geplant, ja. Und dann dauert es ja danach immer noch eine Weile, ehe man geduscht hat usw.“

Vor allem, wenn dann Vetle, der auch noch eine Einheit auf dem Laufband absolviert hatte, in der Dusche auftauchte und man sich noch eine Wasserschlacht mit diesem liefern musste.

Das einzige, was er diesbezüglich unterschlug, war die Tatsache, dass es trotzdem nicht allzu spät geworden war.

Schließlich war heute ein Wettkampf angesagt gewesen. Genau wie morgen auch.

Deshalb betrat er nun eilig das Bad und putzte sich die Zähne.

Als er zurückkam, grinste der bereits im Bett liegende Emil breit und meinte mit Kopfbewegung in Richtung Handy: „Neue Flamme?“

„Nein. Eine verirrte Nachricht, die in ein ganz amüsantes Hin und Her übergegangen ist.“

„Aha. Und wer ist das?“

„Keine Ahnung. So weit sind wir noch nicht.“

„Und weiß sie – ich nehme doch an, es ist eine sie?“

Auf Johannes‘ Nicken fuhr er fort: „Weiß sie, wer du bist?“

„Nope. Und das kann gern auch noch eine Weile so bleiben!“ Damit griff er nach dem Mobiltelefon.

„Genau deshalb mache ich abends keinen Sport!“ hatte sie geantwortet.

„Aber morgens oder wie?“

„Ja. Und nein, ich lege keinen Wert auf Gesellschaft dabei!“

Johannes grinste. Sie hatte wohl Angst, dass er ihr anbieten könnte, sie dabei zu begleiten: „Lass mich raten: Du gehst joggen?“

„Jep. Vorzugsweise aber Snowboarden.“

„Morgens?“ war er nun überrascht.

„Najaa, die Lifte in Tryvann öffnen ja erst um 10… Außerdem geht das natürlich nur, wenn vormittags keine Veranstaltungen sind.“

Tryvann. Aha. Sie wohnte also in Oslo oder Umgebung. Und sie studierte. Vermutlich. Denn Schule hatte man in der Regel jeden Tag.

„Dafür hat es Flutlicht und du könntest bis 22 Uhr fahren. Theoretisch.“

„Mhm. Und praktisch kann ich dann vor 1 Uhr nicht schlafen…“

Nun musste er sich wirklich einen Kommentar verkneifen, der besagte, dass es Mittel und Wege gäbe, um diesem Problem abzuhelfen.
Denn das wollte sie ja nicht.

Und er sollte auch nicht solche Kommentare schreiben wollen, schließlich wusste er gar nicht, mit wem er da eigentlich kommunizierte.

„Das klingt ungut. Damit mir das jetzt nicht passiert, sage ich mal: gute Nacht und schlaf gut!“  

Damit stellte er den Nachrichtenton ab und legte das Telefon mit dem Display nach unten auf dem Nachttisch neben sich ab.

„Sieht sie wenigstens gut aus?“ wollte Emil dann wissen.

„Keine Ahnung?“

„Hat sie kein WhatsApp-Profilbild von sich?“

„Das waren SMS…“

„SMS? Lebt die hinterm Mond?“ riss der Ältere die Augen auf.

„Keine Ahnung. Vielleicht ist ihr Datenvolumen schon verbraucht?“

„Mh. Das wäre natürlich eine Möglichkeit. Na, egal. Nacht!“ Damit machte er das Licht aus und drehte sich auf die Seite.

Johannes lag noch eine Weile da und dachte über den Nachrichtenaustausch nach.

Spätestens am Montagmorgen musste er wohl aufklären, dass sie nicht mit demjenigen hin und her schrieb, von dem sie ausging. Oder?

Ob sie dann sehr sauer sein würde? Oder sollte er es eher darauf ankommen lassen? In der Hoffnung, dass dann die Neugierde überwog?

Denn wenn er ehrlich war, war er das inzwischen über alle Maßen.

Neugierig auf die Frau, die hinter den Nachrichten steckte. Warum auch immer.
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