Kämpfe-für das, an was du glaubst

von BatWolf
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
Elrond Erestor Glorfindel
13.03.2019
13.08.2019
9
21156
6
Alle Kapitel
21 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
 
„Nein, Glorfindel! Verdammt, du darfst nicht aufgeben.“
Aus Erestors Stimme sprach blanke Verzweiflung, doch der Krieger sah nicht gut aus.
Sie mussten schauen, dass sie ihn möglichst schnell und schonend nach Imladris und zu Elrond bekamen. Wenn einer ihm noch helfen konnte, dann war es Elrond.

Inzwischen waren auch die letzten Orks vernichtet, aber davon hatte Erestor nicht sonderlich viel mitbekommen. Er hatte sich komplett auf Glorfindel fokussiert und begonnen dessen Wunden mit Stoffstreifen, aus der Tunika ebenjenes Balrogtöters, zu verbinden.

Kurz darauf kam ein Soldat auf den verzweifelten Truppenführer zu und half ihm Wortlos den Seneschall auf Morben zu setzen. Erestor schwang sich hinter den großen Elben auf ihren Rücken, hastig trieb er die erschöpfte Stute an.
Er wusste, er konnte sich auf Sador verlassen, selbiger würde seine Soldaten heil nach Hause bringen, aber jetzt zählte erst einmal das Leben des Kriegers vor ihn.

Was sollte Bruchtal ohne seinen Seneschall machen?
Was sollte er machen?

Nach endlos wirkender Zeit hatte er wieder den Innenhof erreicht, an Glorfindels Zustand hatte sich augenscheinlich noch nichts verändert, er war nicht ansprechbar und Erestor musst auf Elronds Diagnose warten.
Selbiger wurde auch sogleich von einer Wache verständigt und eilte mit besorgtem Gesichtsausdruck den beiden entgegen.

Mit der Hilfe einiger Elben wurde Glorfindel unverzüglich in den Heiler Trakt gebracht. Erestor wich nicht von der Seite des großen Kriegers, aber wurde von Elrond aufgehalten, als er mit in den Behandlungsraum kommen wollte.
Er brauchte Ruhe und keinen Elben, der wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Gegend lief.
Denn genau das tat Erestor, verschwitzt und dreckig wie er war, lief er vor der verschlossenen Tür hin und her.
Ohne Beschäftigung, zum Warten verdammt.

Hätte er etwas anders machen können?

Was, wenn sie schneller gewesen wären?

Sähe es dann anders aus?

Ja, er hatte schon andere Soldaten verwundet gesehen, hatte viele von ihnen gekannt, ausgebildet. Für manche war er zu spät gekommen, konnte sie nicht mehr retten.

Sollte er auch diesmal zu spät gekommen sein?
Wo blieb Elrond nur so lange?

Es kam ihn vor als stände er schon Stunden hier. Verdammt, nichts zu tun,nur zu warten. Er war seinen Gedanken ausgeliefert. Den Schuldgefühlen.

Was wäre wenn…?

Komplett in seinen Gedanken verrannt, bekam er die Ankunft eines weiteren Elben gar nicht mit.
Gekleidet war dieser in bunten Roben. Als er eine Hand auf seiner Schulter spürte, zuckte er zusammen und blickte hoffnungsvoll auf.

Aber es war nicht Elrond, es war…
„Lindir. Was machst du hier.“ Seine Stimme klang angespannt, er machte sich Vorwürfe, bangte um den Krieger. Dabei hatte er sich doch geschworen, niemanden mehr an sich heran zu lassen.
Da sah er mal wieder den Beweis, so was tat nur weh.

„Setz dich hin!“ Wurde sein Gedankengang durchbrochen, es war Lindir, wer auch sonst. Ihn so anzufahren wagte nur der Sänger und Elrond, aber der war ja beschäftigt.
Ruckartig drehte der Berater sich um, funkelte den, am Boden sitzenden, Elben böse an. Dieser erwiderte seinen Blick ernst. „Du machst mich ganz nervös, mit deinem Herum Gerenne.“
Erestor wollte schon zu einer harschen Antwort ansetzen, ließ es dann aber doch bleiben, erschöpft glitt er die Wand herunter und blieb neben Lindir sitzen.

„Was wenn er es nicht schafft? Was ist wenn ich zu spät war?“

Die Stimme war kaum zu vernehmen und ungewohnt unsicher. Ohne Fassade, dafür fehlte den Schwarzhaarigen gerade die Kraft.

„Er schafft es. Er ist stark und ein Kämpfer. Glorfindel hat schon ganz anderes überstanden, mach dir mal keine Sorgen.“ Diese ruhigen Worte kamen von Lindir, er hatte Erestor schon in vielen Situationen beiseite gestanden und gelegentlich schien Erestor das auch zu schätzen.

Normalerweise konnte es nicht zeigen, aber in diesen Moment war es einfach um den stummen Beistand dankbar. Gerade wollte er zu einer Antwort ansetzen, als die Tür hinter ihnen aufging, ein erschöpft aussehender Elrond stand da, erschöpft, aber erleichtert.

Augenblicklich sprang Erestor auf die Beine, strauchelte, doch die kräftigen Arme Elronds hielten ihn davon ab umzukippen.

„Wie geht es ihm?“

War seine erste Frage, als er sich wieder gefangen hatte. „Er ist außer Lebensgefahr, aber er wird vorerst nicht aufwachen, sein Körper braucht Zeit zu heilen.“

„Aber er wird doch aufwachen?“ vergeblich versuchte sich Erestor um eine neutrale Stimme, konnte die Sorge aber nicht so ganz aus ihr verbannen.
Elrond lächelte ziemlich verständnisvoll „Die Chancen stehen gut, jetzt kann ich nichts mehr für ihn tun und wir sollten uns erst Mal um dich kümmern.“
Verwirrt wurde der Herr Imladris angesehen.
Was meinte er nur damit?
Erestor ging es doch gut. Klar, er war erschöpft und machte sich Sorgen, aber das war nichts womit ihm der Heiler helfen konnte. Selbiger wies mit seiner Hand auf das Gesicht des Beraters. Dieser fasste sich verdutzt an die gewiesene Stelle, als er sie zurückzog, war sie Blut rot.
Er hatte sich ohne es zu merken einen tiefen Schnitt an der Wange zugezogen.

Die nächsten Tage änderte sich nichts an Glorfindels Zustand. Alle gingen wie gewohnt ihrer Arbeit nach, Erestor unterstützte die Garde noch stärker als zuvor, Glorfindels Stellvertreter Tindîr war mit dem Arbeitspensum alleine überfordert.
Der Berater wirkte auch wieder kühl und gelassen, er hatte seine Maske zurückerlangt, doch in ihm drinnen wütete ein Sturm.
Früh morgens wenn alle noch schliefen schlich er sich in das Zimmer des Seneschalls und saß en seinen Bett, er wusste auf Dauer war es nicht gut für ihn, er würde daran zerbrechen.
Und doch konnte er es nicht lassen und kehrte jeden Morgen von neuem zurück. Er musste sich allmählich eingestehen, dass der Goldhaarige ihn nicht kalt ließ, er mochte ihn.
Als Freund.
So saß er Morgen für Morgen da und erzählte ihm Dinge, Dinge die er ihm in wachen Zustand nie anvertraut hätte. Es tat gut sich alles von der Seele zu reden und doch nicht zu verraten, sich nicht zusätzlich verwundbar zu machen.
Denn trotz allem blieb er auf Abstand und akzeptierte seinen Sinneswandel nur zögernd.

„ Glorfindel, wach auf. Schon seit Tagen liegst du, hier. Unbeweglich. Die Garde braucht dich, ohne dich fällt alles zusammen. Wir schaffen das nicht allein. Tindîr braucht dich, ICH brauche dich. Verdammt, ich wollte niemanden mehr trauen, aber du hast es geschafft meine Linien zu durchbrechen. Enttäusche mich jetzt nicht. Bitte.“ Die letzten Worte waren regelrecht verzweifelt gesprochen.











Es war dunkel, er konnte nichts sehen.

Wo war er?

Wo war Erestor?

Wo war irgendjemand?

Er schwebte hier, alleine. Alleine, in völliger Dunkelheit.

Was war geschehen?

Auf einmal sah er in der Ferne Licht, es war einladend und unweigerlich strebte er darauf zu. Er kannte das, er hatte es schon einmal gesehen. Vor vielen Jahren, damals war er durch das Licht gegangen, niemand hatte ihn aufgehalten. Er war lange nicht zurückgekehrt.
Dieses Mal war irgendwas anders, es wiederstrebte ihn dem Licht zu folgen, sich ihm zu ergeben.
Früher hatte er nichts mehr zu verlieren gehabt, aber nun, nun wollte er zurück, wusste jedoch nicht wie. Er kämpfte gegen den Sog, er wollte diese Welt noch nicht verlassen aus der Ferne hörte er eine Stimme.

„Glorfindel, komm zurück.“

Alles hallte und die Stimme klang seltsam verzerrt in seinen Ohren. Doch er wurde von ihr zurückgezogen, weg von dem Licht, weg von dem nahenden Tod.

Die Stimme kam ihm seltsam vertraut vor, nur wusste er sie nicht zuzuordnen. Das Licht entfernte sich wieder, wurde kleiner. Bis es schließlich ganz verschwand, er sah nichts, hörte nichts.
Er schien zu schweben, schwebte in der undurchdringlichen Finsternis.

Wie sollte er da heraus kommen?

Das Licht war fort, aber er wusste auch nicht wie er die Dunkelheit verlassen, aber das Licht nicht betreten, konnte.

Die Stimme!

Er musste der Stimme folgen, er lauschte, konnte aber nichts hören.

Stille.

Die Stille war undurchdringlich, genauso wie die Dunkelheit um ihn herum.
Er fühlte sich hilflos, er wollte zurück, aber konnte nicht. Manchmal meinte er etwas zuhören, leise weit entfernt. Aber immer wenn er genauer horchen wollte verlor sich das Geräusch in der Ferne.

Eine Stimme, es war irgendeine Stimme, da war er sich inzwischen sicher, aber eine andere als zuvor, diese Stimme war nicht die, die ihn vom Licht entfernt hatte. Diese würde ihm beim Aufwachen helfen.

Aber, schlief er überhaupt, was war passiert?

Fragen über Fragen und auf keine von ihnen wusste er eine Antwort.
Es war ein Mysterium, wie Erestor.

Warte Erestor?

Was war mit dem kriegerischen Berater?

Ging es ihm gut?

Er musste zurück. Zurück zu Erestor.
Wieder diese Stimme, diesmal meinte er vereinzelte Worte zu verstehen, die Stimme wurde immer bekannter. Sie war sanft, sanft und gehörte zu einem ihm wohl bekannten Elben.

Erestor!

Er hatte ihn gefunden. Mit aller Kraft strebte er in seine Richtung, zur Stimme, Erestors Stimme.
Diesmal gelang es ihm, er konnte sie verstehen, die Worte hören die sie formte. Der Berater klang niedergeschlagen, fast schon verzweifelt.

Die Worte trafen ihn tief ins Herz, er brauchte ihn. Glorfindel musste so schnell wie möglich zurück.

Gleichzeitig war da auch eine gewisse Freude, Erestor traute ihn! Er hatte es geschafft, vielleicht konnte er dem Elb jetzt endlich helfen.
Nur, dafür musste er erst einmal aufwachen. Ein schwieriges Unterfangen, aber immerhin konnte er seinen Körper inzwischen wieder spüren.
Das war schon mal ein Fortschritt. Er wollte die Augen öffnen, Erestor sehen. In seine Augen, die wie schwarze Teiche waren, blicken, unergründlich.

Doch die Augenlider waren schwer, so unendlich schwer, beim besten Willen konnte er sie nicht aufbekommen.
Er konnte wieder spüren, jemand hatte seine Hand genommen, er wollte zudrücken, seine Finger bewegen, um den Anderen zu zeigen, dass nicht alles verloren war.

Er hörte ihn und hatte auch nicht vor Erestor im Stich zu lassen.

Sein Finger bewegte sich endlich ein kleines Stück, das war zu wenig. Es blieb unbemerkt, noch einmal sammelte der Balrogtöter seine komplette Kraft, noch ein letzter Versuch, die Finger schlossen sich, langsam zwar aber es funktionierte. Diesmal hatte es gereicht.

„Glorfindel?!“
Die erleichterte und ungläubige Stimme des Beraters hörte sich wunderschön an. „Kannst du mich hören?“ Er drückte zu, war das anstrengend.

Auf einmal lösten sich die Kühlen Finger von den seinen.
„Ich gehe Elrond holen, warte kurz.“
Der Schwarzhaarige klang aufgeregt, er sprang auf, Glorfindel hörte ein Klappern. Erestor hatte einen Stuhl umgestoßen, das passte ja so gar nicht zu dem gefassten Elb.

Ein weiteres Mal versuchte er seine Augen aufzubekommen, dieses Mal schien es zu funktionieren, war aber gleichzeitig mit großer Anstrengung verbunden.
Direkt musste er sie wieder schließen, es wart viel zu hell. Beim nächsten Versuch war er vorbereitet und konnte sich allmählich an die blendende Helligkeit gewöhnen.
Sein Blick ging nach oben, an eine decke aus hellem Holz, verziert mit Schnitzereien, er lag in einem Bett in Bruchtal, das verrieten ihm eindeutig die kunstvoll geschnitzten Deckenbalken. Sein Körper war von einer dünnen Decke bedeckt, er trug eine weite Tunika, konnte er feststellen.
Aber diese war nicht von ihm, es war eines der Gewänder, die die Heiler verwundeten Elben gaben.

Vorsichtig hob er seinen Arm, es war anstrengend und tat etwas weh. Da war ein weißer Verband, so langsam kehrten auch seine Erinnerungen zurück.

Da waren Elladan und Elrohir gewesen, im Wald, dann kamen die Orks, er hatte gekämpft, nach einiger Zeit waren da seine Krieger gewesen, das letzte an das er sich erinnern konnte, waren Erestors schwarze Augen, dann war nichts mehr.

Ein Rätsel war ihm auch, wie er hier in das Bett gekommen war. Jetzt musste er im Haus der Heiler liegen.
Na toll, er konnte solche Aufenthalte mal so gar nicht ausstehen.

Was nutzte es, wenn er untätig herumlag? Die Orks wurden dadurch nicht weniger.  

Vorsichtig versuchte er sich ein wenig aufzurichten, sofort schoss ein stechender Schmerz durch seinen Körper und er sank zurück in die Kissen.
In diesem Moment klopfte es an der Tür, er wollte schon etwas erwidern, als diese sich auch schon aufschob und ein erleichtert lächelnder Elrond in der Tür stand.
Im Hintergrund konnte man Erestor erahnen, der Berater hielt sich unsicher zurück und schien nicht zu wissen, wie er sich in dieser Situation verhalten sollte. Elrond war inzwischen an sein Bett getreten, untersuchte ihn, bevor er auch die Verbände wechselte, ein strammer saß um seiner Brust, dieser stabilisierte, wie Elrond erklärte, einige gebrochene Rippen, ansonsten war er relativ glimpflich davon gekommen, etliche Schnittwunden, keine davon bedrohlich tief.

Es war der Blutverlust gewesen, der ihn in die Knie gezwängt und ihm die unfreiwillige Pause beschert hatte.

_________________________________________________________________________
So, Ferien sind schon was feines, man hat richtig Zeit.
Auf den vielfältigen Wunsch kommt hier schon das nächste Kapitel, ich hoffe es hat euch gefallen und ihr seid genauso erleichtert wie Erestor und Elrond, dass Glorfindel nichts allzu schlimmes passiert ist.

Danke wieder an die üblichen drei Verdächtigen: 123Noemie123, Sirii und Stormsky. Diesmal geht mein Dank auch noch an Sabi334 für ihr liebes Review, schön das meine Geschichte so gut bei euch ankommt.

LG
BatWolf
Review schreiben