Lost Office Girl

GeschichteRomanze / P16
13.03.2019
15.05.2019
40
158326
10
Alle Kapitel
47 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Willkommen zurück, Ihr Lieben.
Ich bin wieder am Schreiben, werde, so oft es möglich ist und meine Zeit zulässt, diese Story aktualisieren, und hoffe, Ihr habt Freude am Lesen.
Bitte entschuldigt, dass ich nicht für jede Rezension eine Antwort hinterlasse, wenngleich ich sie aufmerksam lese, mein (leider) sehr stressiger Alltag lässt das zeitlich oftmals nicht zu. Gibt es Fragen, dann kann meine Antwort manchmal etwas auf sie warten lassen.
Seht es mir nach.

Zur Story …
Wenn man eine Geschichte Kapitel für Kapitel postet, können sich im Nachhinein Logikfehler ergeben, die der Autor erst erkennt und eliminieren kann, wenn die Story fertiggestellt ist.
Ich bitte Euch, auch diese nachzusehen.
Ebenso sieht es mit RS-Fehler aus. Ich glaub, die letzten Schnitzer findet man auch nach dem 10. Mal lesen nicht wirklich, aber ich bemühe mich, so wenige wie möglich zu machen.

Und jetzt … ohne weitere Vorrede geht es zurück zu Mister Cullen und Miss Swan
_____________________________________________________________________________


Liebe ist, dass Du mir das Messer bist, mit dem ich in mir wühle.
Franz Kafka

______________________________________________________________________________


Edward

Zwei Jahre später …


»Heute schon was vor?«
Edward runzelte die Stirn und sah sinnierend auf. »Ich …«
»Sorry, war ein Fake. Mir ist scheißegal, ob du was vorhast oder nicht, wir gehen heute Abend aus. Schließlich bist du verlobt und so.« Leise Würggeräusche ertönten. »Muss man da nicht feiern, oder so? Abschließen? Einen drauf machen? Stichwort Stripperin, die aus der Torte kommt?«
»Du sprichst vom Junggesellenabschied«, informierte Edward seinen besten Freund müde und fuhr sich mit der freien Hand über das Gesicht. »Wenn man sich verlobt, feiert man VERLOBUNG, und zwar das Paar an sich, also Mann und Frau und ein paar Gäste, wenn es besonders mies kommt … nicht versoffener mit total überarbeitetem Freund, weil er einen Grund sucht, sich mal wieder volllaufen zu lassen.«
»Da war das Stichwort«, sagte Emmett ungerührt. Seitdem er mit Rosalie aus seinem Langzeiturlaub von den Malediven zurückgekehrt war, braun gebrannt, mit fast blondem, von der Sonne gebleichtem Haar, relaxt bis ins Unerträgliche und mit KEINEM Ring am Finger, weil Rosalie und er es schlicht ablehnten, sich auf diese Weise zu verbinden, tyrannisierte er Edward. »Du bist überarbeitet, aus dir ist ein verdammter Schlipsträger geworden – äh, bekommt man mit so einem Ding um den Hals eigentlich Luft? Du bist total unentspannt und daran müssen wir was ändern. Heute Abend, The Crush, sei da oder …«
Es polterte, schmerzhafte Kratzgeräusche drohten, Edwards Trommelfell zu zerstören, aus plötzlich weiter Ferne ertönte Emmetts Fluchen, dann wurde das Handy aufgehoben und er meldete sich erneut. »Sorry, fallengelassen. Vergiss das mit dem Treffen …«
In Edward keimte neue Hoffnung, die sofort getötet wurde.
»… ich hol dich ab. Sicher ist sicher. Bis dann.«
Damit war das Gespräch beendet und Edward starrte den Apparat für ein paar weitere Momente fassungslos an. Seitdem dieser Idiot zurückgekehrt war, versuchte er, Edward zu bekehren. Allem voran zum Menschsein – wie witzig, Edward hielt sich bereits für den perfekten Menschen. Außerdem konnte er Edwards Verlobte nicht leiden, was dieser ja nun gar nicht verstehen konnte. Celicia Gordon war blond, sie war blauäugig, von erlesener Schönheit, mit perfekter Figur, mit perfekten Manieren, mit perfektem Ruf in der High Society – sprich, sie war für Edward die perfekte Partie.
Es hatte ihn ein Jahr gekostet, um all den Dreck, den die damalige Kampagne gegen ihn mit all ihren Ausläufern verursacht hatte, wieder loszuwerden. Natürlich hatte er das Erbe seines Vaters angetreten, etwas anderes war undenkbar gewesen. Aber er hätte nicht in seinen kühnsten Träumen mit den Schwierigkeiten gerechnet, die sich ihm damit offenbarten. Dass die solventen Mandanten, die teilweise seit Jahrzehnten von der Kanzlei vertreten worden waren, reihenweise absprangen, dass er nach und nach gezwungen war, die angestellten Anwälte und das gesamte Assistenzpersonal zu entlassen, dass auch die drei Etagen im Southern Tower, in denen die Kanzlei, seitdem er in den neunziger Jahren erbaut worden war, gesessen hatte, nicht mehr zu halten gewesen waren.
Er war auf die Räume im Haus seiner Eltern ausgewichen. Seine Mutter hatte einen gesamten Flügel schon vor etlichen Jahren für diesen Zweck herrichten lassen – nur war Carlisle Cullen nie wahnsinnig genug gewesen, sich unter die Dauerfuchtel seiner Frau zu begeben, weshalb der Tower zum Hauptsitz geworden war.
Tja, so konnten sich die Dinge ändern.
Edwards Haus war ein halbes Jahr nach dem Umzug der Kanzlei gefallen.
Es war überflüssig geworden, denn es ergab nicht den geringsten Sinn für ihn, nach seinem Arbeitstag, der nicht selten achtzehn Stunden währte, den Heimweg anzutreten. Viel einfacher war es, in das Apartment zu gehen, das seine Mutter weitsichtig, wie sie war, hatte einrichten machen. Es sollte Unabhängigkeit assoziieren, tat es für die allermeisten Menschen sogar, aber Edward wusste es besser.
Die Angst vor dem Alleinsein hatte seine Mutter befallen – eine Krankheit, unter der womöglich alle alternden Menschen über kurz oder lang litten. Sie wollte ihren Sohn, das Einzige, das ihr von ihrer Familie geblieben war, bei sich haben. Und sie schreckte auch nicht vor Manipulationen, um ihren Willen durchzusetzen.
Er sah es ihr nach.
Nach einem Jahr hatte er endlich wieder Unterstützung einstellen können.
Ein Jahr harter Knochenarbeit, der Jagd nach Mandanten und mit bergeweise, teilweise zermürbender Arbeit hatte zu diesem Zeitpunkt hinter ihm gelegen. Und hätte es das Familienvermögen nicht gegeben, dann hätte die Kanzlei diese Zäsur ganz sicher nicht überlebt.
Aber am Ende hatte er es geschafft.
Jeder Shitstorm wird irgendwann beendet, wenn man ihn mit stoischem Schweigen aussitzt.
Jeder Skandal gerät irgendwann in die Vergessenheit, besonders, wenn man akut daran arbeitet, sein Image in der Öffentlichkeit zu verbessern.
Edward hatte in etlichen TV-Sendungen als Rechtsexperte geglänzt, war auf nahezu jeder verdammten Spendengala gewesen, die seit dem Tod seines Vaters gegeben worden war, und hatte an jedem Benefiz-Turnier teilgenommen, das man ihm angeboten hatte. Zu den Events war er immer mit seiner Mutter erschienen, was ihm noch zusätzlich die Bonuspunkte als loyaler Sohn an der Seite der trauernden Witwe eingebracht hatte.
Nach einem Jahr war zum ersten Mal so etwas wie Licht am Ende des Tunnels aufgetaucht. Besonders in Sachen Mitch Dustin, der sein Sozius war und sich auf Familien- und Arbeitsrecht spezialisiert hatte, während Edward mehr und mehr zum Kenner des Strafrechtes wurde.
Noch wurde er von den alteingesessenen Juristen vielerorts belächelt, noch war sein Name nicht wirklich gefestigt, aber wenn er diesen Weg beibehielt, dann würde er sich in wenigen Jahren einen ähnlichen Ruf erarbeitet haben, wie ihn sein Vater in den letzten zwanzig Jahren seines Lebens innehatte.
Einen großen Sprung zum Erreichen dieses Ziels hatte seine Mutter in die Wege geleitet, als sie ihn auf einem Ball mit Celicia Gordon bekannt gemacht hatte. Tochter eines über die US-amerikanischen Grenzen hinweg bekannten Unternehmers, der sich auf die Herstellung von Windrädern und Photovoltaik-Elementen spezialisiert hatte und damit jährlich Milliardenumsätze schrieb. Sie war gebildet, eloquent, hoch angesehen – auch die Gordons wussten, wie das Spiel gespielt wurde –, und eine wahnsinnig gute Partie, denn Gordon Senior hatte in Aussicht gestellt, die Vertretung sämtlicher Firmenbelange in die Hände der inzwischen so kleinen, winzigen Kanzlei Cullen & Son zu geben. Fast trotzig hatte Edward den Namen beibehalten, hatte nicht klein beigegeben, hatte sich nicht brechen lassen, sondern geschworen, die Firma seines Vaters zu altem Ruhm und Glanz zu führen.
Wozu eben auch die Heirat mit Celicia gehörte. Dass er diese Frau nicht liebte, dass sie ihn nicht interessierte, dass er ihre Stimme manchmal als etwas zu schrill, ihr Verhalten öfter als etwas zu arrogant und ihr Auftreten meist als zu aufgesetzt betrachtete, war dabei nicht von Belang. Eine Seelenverwandtschaft wollte Edward mit ihr ganz sicher nicht aufbauen, sie sollte ihm nur beim Brillieren helfen. Wie seine Mom es über viele Jahre bei seinem Vater getan hatte.
Das Leben in der Upperclass war so einfach geregelt, so jenseits aller Emotionen, so logisch … so vorhersehbar, ohne Fallstricke und verborgene Stolperfallen. Edward genoss es regelrecht, den Wünschen seiner Mutter zu folgen, es hatte Zeiten gegeben, in denen er sich gefragt hatte, weshalb er diesen Pfad der Emotionslosigkeit überhaupt jemals verlassen hatte, weshalb er so dumm gewesen war, so was wie Lie…

»Egal!«, knurrte er und warf das Telefon auf den Tisch. So, wie es war, war es gut, er befand sich auf dem richtigen Weg, der steil nach oben führte.
Celicia Gordon würde Teil seines Lebens werden – war es sogar schon – und selbst das war in Ordnung.
Es war …
* * *

»… totale Scheiße!«
Emmett, immer noch viel zu braun gebrannt, selbst für kalifornische Verhältnisse, sah ihn fast empört an, was bei dem riesigen Kerl so deplatziert wirkte, dass Edward fast gelacht hätte. Fast …
Sie fuhren in Emmetts Wagen an den Stadtrand, dorthin, wo sich die weniger vorzeigefähigen Bars befanden. Bars, in denen man sich nicht unbedingt erwischen lassen sollte, wenn man vorhatte, seinen Ruf zu wahren.
Der Kerl machte wirklich ernst, und Edward genoss es mit einem Mal. Nur Emmett gelang es, die Vergangenheit wiederzubeleben, noch einmal die Schatten jenes Mannes zutage zu befördern, der Edward einst war. Damals, bevor …
»Du entführst mich also aus nicht existenten Gründen in eine verruchte Absteige«, resümierte Edward.
»Wenn du es so ausdrücken willst«, erwiderte Emmett, ohne den Blick von der Straße zu nehmen. Wenige Augenblicke später fuhr er in eine Tiefgarage, und nachdem er seinen schwarzen Volvo – davon würde er wohl nie wieder loskommen – geparkt hatte, sah er ihn an. »Irgendwer muss es ja tun.«
Edward sparte sich jede Erwiderung. Das Lied war nicht neu, denn Emmett sang es bei nahezu jedem Treffen.

Erst, als sie auf den gepolsterten Hockern am Tresen des Crushs saßen, wandte er sich ihm wieder zu. »Was ist dein Problem mit Celicia?«
Emmett genehmigte sich einen großen Schluck von seinem Whisky und sah in dem nur spärlich beleuchteten Raum um, dessen Boden sich spiegelte und der neben der Bar über etliche kleine runde Tische verfügte, zur Bühne, auf der sich gerade eine halb nackte Brünette mit großen Brüsten, Pferdeschwanz und stark geschminkten Augen graziös zur Musik bewegte.
»Also erstens der Name …«
»Was ist damit?«
Emmett zuckte mit den Schultern. »Na ja, er ist eine Krankheit.« Er musterte seinen Freund mit erhobenen Augenbrauen, und Edward musste lachen. Ob er wollte oder nicht.
»Du musst zugeben, dass sie dafür nichts kann.«
»Richtig, aber es scheint, die Eltern hätten ihn ganz gut getroffen.«
DAS hinterfragte Edward besser nicht, denn er wusste genau, was Emmett damit meine. Ja, Celicia stammte aus der Upperclass, fühlte sich deshalb den allermeisten Menschen auf dem Planeten überlegen und ließ das auch jeden, mit dem sie es zu tun bekam, wissen. Besonders, wenn es sich um einen Untergebenen handelte.
So lief das nun mal in seinen Kreisen … die auch Emmetts Kreise waren – jedenfalls die seiner Eltern.
»Außerdem ist sie nicht dein Typ.«
Entnervt sah Edward seinen Kumpel jetzt doch an. »Was zur Hölle weißt du über meinen Typ?«
Emmett blieb ungerührt. »Du stehst auf brünett und cool, nicht blond und zickig. Okay, zickig vielleicht schon, aber blond? Dein einziger Versuch in diese Richtung schlug … fehl.« Er grinste.
»Was …« Der Rest, der Worte blieben ihm im Hals stecken, denn in diesem Moment hatte eine neue Bedienung die Szene betreten – was wohl der zunehmenden Anzahl der Barbesucher geschuldet war. Ihm war, als hätte ihm jemand mit Anlauf in die Eier getreten. Nicht in den Magen, nicht in die Leber, auch nicht ins Gesicht – nein, es waren seine Hoden, die sich zusammenzogen, die plötzlich zu glühen schienen, so sehr, dass es Übelkeit erzeugte und er sich instinktiv zusammenkrümmen wollte.
Stattdessen starrte er sie an, unfähig, den Blick abzuwenden.
Sie war groß, fast krankhaft schlank, ihr Haar hatte sie wie damals, an jenem Abend, als er sie zuletzt sah, zu einem Pferdeschwanz gebunden der wie flüssige Seide ihren schmalen Rücken entlang floss und ihren in einer superengen Jeans steckenden Hintern berührte. Sie trug Heels, die sie mit Sicherheit früher nicht gewählt hätte, bewegte sich auf ihnen jedoch sicher genug, als dass dies ihr erster Versuch darin sein konnte. Die Brüste waren mittels eines engen Bustiers bedeckt, das nur geringfügig mehr Haut verdeckte, als ein normaler BH. Dazu waren sie auch noch so gepusht, dass die Halbmonde daraus hervorragten. Seidige Haut, die er ungewollt unter seinen Fingerspitzen fühlte, als hätte er gerade noch darüber gestrichen. Ihr flacher Bauch war nackt und selbst auf die Entfernung konnte er das winzige Piercing ausmachen, das sie damals schon gehabt hatte. Sie trug Make-up – zum ersten Mal sah er sie auf diese Art, mit Smokey Eyes, deren Lidschatten weit über die Lider hinaus aufgetragen war, ebenso wie der Lidstrich. Die Lippen glänzten in einem hellen Rouge – aber es tat ihrer Schönheit keinen Abbruch.
Hatte jemals etwas dieser Schönheit Abbruch tun können?
Einer Schönheit, die in seinen Augen schmerzte, als hätte sie ätzende Fähigkeiten?
Die dafür sorgte, dass sich seine Eier wie glühende Kohlen anfühlten?
Der es gelang, auch über die Distanz zwischen ihnen ihre vernichtende Aura über ihn auszubreiten, sodass seine Kehle plötzlich wie zugeschnürt war und alles mit einem Schlag hochkochte, was er jemals für diese Person empfunden hatte?
Edward fühlte das Glas in seinen Händen, es erschien ihm wie der einzige Rettungsanker, als er es an die Lippen führte und den Inhalt in einem gigantischen Schwall leerte. Dabei fühlte er sein Herz in einem fast unmenschlichen Stakkato gegen seinen Brustkorb schlagen und er litt urplötzlich unter Atemnot.
Raus hier! war der einzige Gedanke, der es in sein vorderstes Bewusstsein schaffte.
Raus hier, bevor es zu spät ist!
 
'