Veränderungen

von Adrija
GeschichteDrama / P16 Slash
Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley
12.03.2019
17.10.2020
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17.10.2020 7.424
 
Am frühen Morgen trat Harry in sein eigenes Zuhause. Er stützte sich an der Wand ab und fuhr sich mit der Hand über die Augen. Ausatmend sortierte er seine Gedanken. Er hatte noch so viel zu tun. Vorhin war er bei seiner Suche nach Narcissa einem Hehler von verbotenen Zaubertrankzutaten auf die Schliche gekommen. Drei Stunden hatte es gedauert, bis der Zauberer endlich von seinen Kollegen abgeführt worden und die gefährliche Ware sichergestellt worden war. Andere Auroren kümmerten sich nun darum, wo er diese Sachen herbekommen hatte, denn Thestral-Augen waren definitiv nicht leicht zu bekommen. Obwohl der Markt momentan deutlich günstiger war, da nach dem Krieg, sehr viele Leute diese Wesen sehen und daher auch besser jagen konnten.
Doch das alles hatte ihn natürlich aufgehalten. Nicht dass er erwartet hatte den Fall heute Nacht zu lösen. Stattdessen hatte er aber einige andere Sachen gehört, die beunruhigend waren und ihn unter anderem zu dem Hehler geführt hatten. Offenbar gab es Leute, die intensiv nach bestimmten verbotenen Zutaten suchten. Er hatte das den Auroren heute Nacht bereits kommuniziert und ihm war zugesichert worden, dass sie in diese Angelegenheit reinschauen würden. Was umso wichtiger war, da sich der 31. Oktober näherte und an diesem Tag viele Freaks aus ihren Löchern krochen und abartige Dinge anstellten. Genauso wie in der Walpurgisnacht. Das waren zwei Nächte in denen die Auroren praktisch alle im Dienst und bei der direkten Bekämpfung von Dunklen Magiern waren. Egal aus welcher Abteilung sie eigentlich kamen. Bereits die letzten Jahre hatte sich das als äußerst schwierig erwiesen mit den unterbesetzten Posten in jeder Abteilung.
„Master Harry ist schon wieder die ganze Nacht weg gewesen.“, grüßte ihn Kreacher deutlich missgelaunt, nachdem das Portrait von Walburga fertig war ihn in ohrenbetäubender Lautstärke als Blutsverräter und anschließend als Schlammblut zu beschimpfen. Offenbar wurde sie sich auch über die Jahre hinweg nicht einig darüber, was er denn nun war. Der Hauself war direkt vor ihm erschienen. Anschuldigend sah er ihn an.
„Hi, Kreacher.“, grüßte Harry zurück die Kritik ignorierend. Er betrachtete den Kissenbezug, den die schmale Gestalt als Kleidung nutzte. Ob er sich auch über Kleidung freuen würde? Also über Puppenkleidung, denn richtige Kleidung hatte er nicht haben wollen und es direkt als Beleidigung aufgefasst als Harry ihm diese Option angeboten hatte. Aber Malfoys Elfen trugen die Spielzeugsachen und schienen sich damit wohlzufühlen. Vielleicht sollte er Hermine mal fragen, wo dieser Schneider war, den sie aufgespürt hatte. Wenigstens hatte er aufgehört das abgenutzte, fleckige Ding zu tragen und neue Kopfkissenbezüge akzeptiert. Das Einzige, das er ansonsten an sich trug, war das kaputte Medaillon von Salazar Slytherin, welches er in der Regel um seinen Hals hängen hatte. Meistens unter dem Bezug, damit es nicht bei den Hausarbeiten schmutzig wurde. Eine Erinnerung an Regulus Black, die Harry ihm gelassen hatte, obwohl Kingsley immer wieder darauf drängte es zu den anderen unschädlich gemachten Horcruxen in die Mysteriumsabteilung zu geben. Nach dem Krieg hatten sie sehr schnell bemerkt, dass sie diese einst magischen Gegenstände wegschließen mussten, als sich ein Kult aus ehemaligen Todessern und sonstigen Verrückten um diese angefangen hatte zu bilden. Aber Harry hatte es nicht übers Herz gebracht seinem Hauselfen dieses Erinnerungsstück wegzunehmen. Und wer sollte es auch schon an sich bringen? Niemand wusste, dass es hier war. Nur Kingsley, Ron, Hermine und er. Der Zaubereiminister hatte darauf bestanden, dass dieses Wissen unter ihnen blieb. Erstens, damit nicht irgendjemand auf die Idee kam es entwenden zu wollen und zweiten, weil er keine Lust auf Diskussionen mit seinen Kollegen hatte, die ihn ohne Zweifel am Ende dazu zwingen würde, darauf zu bestehen, dass Harry es abgab. Also legte Kreacher es jedes Mal ab, wenn er das Haus für Besorgungen verließ, oder wenn Gäste sich im Haus befanden. Harry hatte ihm ganz klar gemacht, dass es verschwinden würde, wenn die Leute erfuhren, dass es hier war.
„Ich hoffe, Master Harry erwartet nicht, dass das Abendessen noch warm ist.“, grummelte der Hauself unzufrieden.
„Ich habe dir bereits vorgestern gesagt, dass ich die nächsten Nächte wahrscheinlich nicht hier sein werde zum Essen.“, antwortete Harry und schloss die Augen als ein bekannter Druck sich hinter seinen Augen aufbaute und massive Kopfschmerzen ankündigte.
„Kreacher hat immer für den Master des Hauses das Abendessen zubereitet.“, widersprach das Geschöpf lediglich und gab einen abfälligen Ton von sich. „Hat Master Harry außerhalb gegessen?“, fragte er dann.
„Nein.“, sagte Harry schnell. Er wusste, dass jede andere Antwort den Elfen nur noch grummeliger werden lassen würde. Außerdem entsprach es auch der Wahrheit. Seit dem furchtbar gelaufenen Essen bei Andromeda hatte er nichts weiter gegessen. Und es war inzwischen 12 Stunden her. Zwölf anstrengende Stunden. Wahrscheinlich war es gar nicht so verkehrt etwas zu sich zu nehmen, bevor er sich vielleicht noch drei Stunden hinlegen konnte, und dann wieder eine Besprechung hatte.
Also folgte er dem schmalen Gang entlang in das Esszimmer. Er hatte sich inzwischen sehr gut an dieses Haus gewöhnt. Nachdem alles vorbei war, hatte er mit Hilfe seiner Freunde das gesamte Haus umdekoriert, die furchtbaren Bilder abgehängt und mit neuen ersetzt. Alles war entstaubt, Möbel ersetzt und die Dekoration geändert worden. Er wollte definitiv nicht die Köpfe der Hauselfen weiterhin zur Schau gestellt haben, wo er sie dauernd sah. Stattdessen waren sie ordentlich begraben worden, so wie sich das gehörte. Doch das Haus schien auch seinen eigenen Kopf zu haben. Nicht jede Veränderung duldete es. So war es häufig genug passiert, dass Harry etwas rausgeworfen hatte, das nur wenige Stunden später erneut an seinem ursprünglichen Platz gestanden hatte, als wäre nichts gewesen. Auch hatte es nicht alle neuen Gegenstände akzeptiert, oder zumindest nicht in der ursprünglichen Form. So war Holz nachgedunkelt, oder frische Wandfarbe veränderte ihren Farbton, Möbel hatten ihren Ort gewechselt, Musterungen tauchten auf neuen Stoffen auf. Einige Sachen hatten sich auch keinen Millimeter von ihrem Platz wegbewegt, egal wie sehr er daran gezogen und gezerrt hatte.
Dennoch war es zu seinem Zuhause geworden. Es fühlte sich so an. Oder zumindest Teils, denn das keifende Bild von Walburga in der Eingangshalle hatte jedenfalls keiner von ihnen abbekommen. Momentan deckte Harry es immer wieder mit einem Laken ab. Manchmal reichte das für eine Woche, manchmal hielt es nur eine Stunde und war dann unauffindbar verschwunden. Und irgendetwas war immer wieder mit der Beleuchtung. Die Lichter gingen nicht immer an und flackerten seltsam, Vorhänge waren plötzlich zugezogen und Türen standen offen oder ließen sich nicht öffnen, oder schließen. Und Harry könnte schwören der Flur sei jeden Tag unterschiedlich breit. Er hatte auch versucht die knarrenden Dielen an einigen Stellen auszubessern, aber es hatte nichts geholfen. Es knarrte weiterhin.
Er setzte sich an den Esstisch und ein Teller mit Suppe erschien direkt vor seiner Nase. Daneben als Beilage geschnittenes Brot und eine Tasse Tee. Entgegen Kreachers Ankündigung konnte er durch den aufsteigenden Dampf jedoch sehen, dass die Mahlzeit sehr wohl noch warm war. Oder vielleicht gerade wieder aufgewärmt.
„Danke, Kreacher.“, wandte er sich an seinen Hauselfen. Der erwiderte seinen Blick einen Moment, dann drehte er sich um und ging vor sich hin grummelnd einfach davon. Harry lächelte. Er hatte den alten Miesepeter inzwischen wirklich ins Herz geschlossen. Was sicher zum Teil Hermines Einfluss war, die sehr viel mit ihm gearbeitet hatte. Gerade zu Beginn ihrer BELFER Karriere.
Mit der Mahlzeit, schwanden seine Kopfschmerzen wieder. Möglichweise war er einfach etwas dehydriert gewesen. Die vier Tränke, die er in den vergangenen zwölf Stunden getrunken hatte, waren sicher nicht der Rede wert gewesen.
Als er fertig war, ließ Harry das Geschirr stehen. Er wagte nicht zu versuchen es wegzubringen oder gar abzuwaschen. Kreacher wurde immer sehr ungehalten darüber. Etwas was Harry erst einmal akzeptieren musste. Irgendwie war es nicht so ganz aus ihm herauszukriegen, dass er hinter sich aufräumen musste.
Gähnend ging er ins Badezimmer und säuberte sich. Als er sich umzog, fiel ihm die kleine Phiole in seiner Hosentasche wieder auf. Er zog sie heraus und betrachtete erneut den silbrigen Inhalt darin.
Mit einem Blick auf die Uhr, stellte er fest, dass er noch drei Stunden und 48 Minuten hatte, bis er wieder in der Zentrale verabredet war.
Seufzend zog er sich zu Ende um und griff dann nach dem gläsernen Gefäß. Er würde zumindest einen kurzen Moment reinschauen. Er zog noch seinen Zauberstab aus seinem Kleiderhaufen und lief in sein Arbeitszimmer im ersten Stock.
Auf seinem Schreibtisch stapelten sich jede Menge Briefe, die er seit drei Tagen ignorierte. Kreacher hatte sie in verschiedene Stapel sortiert, je nach Absender und Wichtigkeit. Doch inzwischen konnte der Hauself gut einschätzen, was wichtig war und was nicht und da er ihm nichts gesagt hatte, gab es wohl nichts, das seine sofortige Aufmerksamkeit benötigte. Fest nahm Harry sich vor spätestens nach der kommenden Schicht die Briefe anzusehen.
Das Denkarium im Hause der Blacks hatte er erst nach einem Jahr gefunden. Plötzlich war ihm ein in die Wand eingelassener Schrank aufgefallen. Nun ja, er hatte ja auch einige Zeit für das Renovieren und Umdekorieren gebraucht. Wahrscheinlich hatte einer seiner Freunde den Raum aufgeräumt und ein gegen die Wand gelehntes Bild weggeräumt oder Ähnliches, was den Schrank zu Tage gefördert hatte. Letztendlich war die Präsenz des Denkariums der Grund dafür gewesen, weshalb Harry hier sein Arbeitszimmer eingerichtet hatte.
Harry zog die hölzerne Tür auf. Dann entkorkte er die Phiole und goss die Erinnerungen heraus in die prachtvoll verzierte Schale. Etwas unsicher sah er auf die silbrige Flüssigkeit herab. Doch er würde nicht herausfinden, was Andromeda meinte, wenn er es sich nicht selbst ansah. Also tauchte er hinein.
Das Zimmer, welches sich um ihn herum formte, erkannte er augenblicklich als Andromedas Wohnzimmer. Sie sah auf ein Buch in ihrem Schoß herab. Die lodernden Flammen im Kamin erhellten das Zimmer, durch das Fenster konnte er sehen, dass es Nacht sein musste. Es war etwas windig, aber sonst ruhig. Die Uhr an der Wand zeigte kurz nach zehn an. Es war friedlich.
Ein Klopfen an der Tür ließ nicht nur Harry, sondern auch Andromeda hochschrecken. Überrascht sah sie in Richtung des Hauseingangs, welchen sie aber aus diesem Zimmer ohnehin nicht überblicken könnte. Misstrauisch zog sie die Augenbrauen zusammen und ihren Zauberstab unter ihrem Ärmel hervor, bevor sie das Buch beiseitelegte und aufstand.  
An der Haustür, sah sie zunächst durch den Spion. Offensichtlich überrascht wanderten ihre Augenbrauen nach oben. Sie trat einen Schritt zurück und schien zu überlegen, was sie tun sollte. Doch dann, ohne den Zauberstab wegzulegen, öffnete sie die Tür.
Wie Harry bereits erwartet hatte, stand Draco Malfoy davor. Aus blutunterlaufenen von dunklen Ringen umrahmten hellgrauen Augen sah er Andromeda deutlich zerknirscht an. Seine Haut war aschfahl, die nassen Haare völlig durcheinander, klebten mit Hilfe von undefinierbarem Dreck in seinem Gesicht. War das Blut an seiner rechten Schläfe, welches seine Haare so rötlich verfärbte? Ein begleitendes bereits abheilendes Hämatom verhärtete den Verdacht. Seine feine Kleidung war triefend nass und sah aus, als hätte er sich damit im Matsch gesuhlt.
„Draco?“, durchbrach Andromeda schließlich die Stille, offensichtlich unsicher, ob es sich bei ihm wirklich um ihren Neffen handelte. Die Sorge in ihrem Gesicht machte deutlich, dass seine Erscheinung sie beunruhigte, doch sie hielt ihren Zauberstab fest umklammert und trat weder heraus noch griff sie nach ihm. Die Schutzzauber wirkten nur, wenn sie sich innerhalb des Hauses oder dem Garten befand. Allerdings sah Harry, dass sie das Bedürfnis verspürte nach ihm zu greifen.
Für einen kurzen Augenblick starrte Malfoy die Hexe an, als sähe er einen Geist. Beinahe schien es, als wollte er zurückweichen, schwankte bereits, blieb dann aber stehen und schluckte. „Mrs. Tonks.“, grüßte Malfoy sie daraufhin mit gebrochener Stimme. „Ich…“, fing er an, unterbrach sich dann aber selbst wieder und wandte den Blick zu Boden, als würde er nach Worten suchen, die der Situation angemessen waren. „Ich habe Ihren Brief an Mutter gefunden.“
Wieder brauchte es einige Sekunden. Dann nickte Andromeda. „Ich habe mit einem Brief als Antwort gerechnet. Wenn überhaupt.“, sagte sie.
Ein verzweifelter Blick traf die Hexe als Malfoy wieder hochsah. „Ich hatte gehofft, Sie könnten sie besuchen.“, brachte er gerade so hervor. Seine Stimme klang nicht, als könnte er viel sagen, bevor sie komplett verschwand.
Wieder betrachtete Andromeda den jungen Mann auf ihrer Türschwelle. „Ich weiß nicht, ob das einfach so eine gute Idee ist.“, gab Andromeda zu bedenken. „Sie hat mir nicht zurückgeschrieben.“
„Ich flehe Sie an!“, brach es dann aus Malfoy hervor und er ließ sich vor ihr auf die Knie fallen, jegliche Zurückhaltung hinter sich lassend. „Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll.“, sagte er und beugte sich nach vorne, platzierte seine Hände auf dem Boden vor sich, sodass seine Haltung noch viel unterwürfiger wirkte. „Sie ist völlig apathisch. Sie hat Ihren Brief nicht gelesen. Sie weiß noch nicht einmal, dass es ihn gibt.“, erklärte er mit immer leiser werdender Stimme. Dass er überhaupt noch zu hören war, klang als würde es ihn deutlich anstrengen.
Unschlüssig sah Andromeda auf den Mann herab.
„Komm rein.“, sagte sie schließlich. „Es geht schneller über das Floo-Netzwerk.“ Sie trat einen Schritt zurück.
Überrascht sah Malfoy von seiner unterwürfigen Haltung herauf. Offenbar noch nicht wirklich fassend, was sie gerade gesagt hatte.
Mit den Augen rollend, trat sie heraus, packte ihn am Arm und zog ihn zurück auf seine Füße. Er wankte unsicher. Ihr besorgter Blick wanderte zu seiner Schläfe und sie fuhr mit einer Hand vorsichtig dort durch die Haare und wischte diese zur Seite, während sie ihm mit der anderen Halt gab. Harry konnte nicht erkennen, was es genau war, aber spontan erinnerte es Harry an eine Platzwunde.  
Ohne ein weiteres Wort zog sie ihn ins Haus. Sie beschwor ihren Patronus und schickte ihn die Treppe nach oben. „Gehen wir.“, sagte sie dann, griff erneut nach Malfoy und zog ihn durch die Wohnung ins Wohnzimmer. Malfoy ließ sich mitziehen. Weder sagte er etwas, noch wehrte er sich in irgendeiner Form. Es schien ihm sogar unangenehm nach ihr zu greifen und Harry sah, dass er unsicher in seinen Bewegungen war. Mehrere Male schossen seine Hände hoch, als wollte er nach ihr greifen und Halt bei ihr suchen, um nicht umzufallen, doch er vermied es jeglichen weiteren Kontakt herzustellen.
Als sie vor dem Kamin standen, griff Andromeda nach der Flohpulver-Dose, öffnete sie und hielt sie Malfoy hin. „Wenn das ein Trick ist, wirst du das sehr bereuen.“, versprach sie ihm.
Er schüttelte nur den Kopf, was ein Fehler zu sein schien, denn er stützte sich daraufhin am Kaminsims ab und schien Gleichgewichtsprobleme zu haben. Er machte einen Ausfallschritt zur Seite, um sein Gewicht abzufangen und gleich darauf war Andromeda wieder bei ihm und packte ihn am Oberarm. Sorge war in ihrem Gesicht zu lesen als sie ihren Neffen betrachtete.
Malfoy atmete ein paar Mal tief durch, bevor er wortlos in die Dose griff und das Pulver in die Flammen schmiss. Zusammen stellten sich beide hinein und verschwanden.
Die Szenerie wechselte und Harry fand sich in dem Großen Salon in Malfoy Manor wieder. Der riesige Raum war deutlich anders eingerichtet, als Harry ihn in den vergangenen Tagen zu Gesicht bekommen hatte. Es erinnerte ihn stark an die Einrichtung, die er aus seiner kurzen Gefangenschaft hier kannte. Halb erstarrt stand er innerhalb dieser Wände und erwartete jeden Moment Bellatrix irgendwo hier zu erblicken oder Hermines gequälte Schreie zu hören, doch dann riss Andromedas Stimme ihn aus seinem wieder aufkochenden Trauma heraus.  
„Draco!“, rief sie besorgt als Malfoy zu Boden ging. Sie war sofort an seiner Seite und verhinderte, dass er komplett nach vorne umfiel. Mit einem scheußlichen Geräusch förderte er seinen Mageninhalt nach außen. Harry war froh, dass er das nicht riechen musste. Doch es kam auch nicht wirklich viel aus ihm heraus. Anscheinend war sein Magen eh leer gewesen, denn außer etwas Magensäure fand sich nichts auf dem Boden wieder.
„Was in aller Welt ist passiert?“, wollte Andromeda wissen. „Warum bist du damit nicht im St. Mungos?“ Sie schüttelte den Kopf leicht und zog den jungen Mann an sich, sodass er halb in ihren Armen lag, als sie ihn gegen sich lehnte. Sein Körper wurde von einem Zitteranfall erfasst und Harry rechnete damit, dass er das Bewusstsein verlieren würde. Doch als es wieder aufhörte, schien er noch da zu sein.
„Mutter ist im Garten.“, krächzte er und versuchte sich wieder aufzurichten, was ihm kläglich misslang.
„Ich sehe gleich nach ihr.“, versprach Andromeda in ihrem beruhigenden Tonfall, als würde sie mit Teddy reden, der sich gerade furchtbar wehgetan hatte und in ihren Armen weinte. Behutsam strich sie Malfoy durch die Haare. Sie drückte ihn an sich und verhinderte damit jegliche weiteren Versuche ihrer Nähe zu entkommen. „Es ist ok. Ich kümmere mich um sie. Du kannst dich ausruhen.“, sagte sie dann und fuhr mit ihrer Hand über seinen Rücken.
Es dauerte nur wenige Momente, bis Malfoy schließlich das Bewusstsein verloren hatte. Vorsichtig legte Andromeda ihn auf dem Boden ab. Sie betastete seinen Kopf.
„Master Draco sollte nicht auf dem Boden liegen.“, riss eine Stimme Andromeda aus den Gedanken. Erschrocken sah sie hoch, den Zauberstab bereit in ihrer Hand. Doch da standen nur zwei Hauselfen. Beide waren mit jeweils einem dreckigen, zerrissenen Kissenbezug bekleidet und schraken zurück bei Andromedas Reaktion auf sie. Harry erkannte Tink und Vert. Verängstigt traten sie zwei Schritte nach hinten und schienen sich unsicher, ob ihre Anwesenheit hier tatsächlich so eine gute Idee war. „Tink wollte nicht unhöflich sein, Mrs. Tonks. Tink denkt nur, es wäre besser Master Draco in sein Zimmer zu bringen.“, versuchte der Elf kleinlaut zu erklären und sank so sehr in sich zusammen, wie es ihm nur irgend möglich war. Keinerlei Vergleich zu dem Verhalten, das Harry inzwischen von ihm gewohnt war.
Andromeda betrachtete die beiden, dann beschloss sie offenbar, dass sie keine Gefahr waren und senkte ihren Zauberstab.
„Ich will ihn lediglich untersuchen. Danach könnt ihr ihn gerne ins Bett legen.“ Sie versuchte zu lächeln, doch es war offensichtlich, dass sie es sich aufzwang und definitiv nicht wirklich etwas passendes dazu fühlte. Wie angekündigt besah sie sich den Bewusstlosen und entdeckte noch Schürfwunden an den Händen und Unterarmen. Sein linker Arm war komplett verunstaltet. Dort, wo die Überbleibsel des Dunklen Mals hätten sein sollen, war kaum etwas zu erkennen. Eine große Fläche an Schorf bedeckte beinahe die gesamte Innenseite des Unterarms. Der bloße Anblick ließ Harry sich seinen eigenen Unterarm schützend gegen den Bauch pressen.
Schließlich sprach sie ein paar Heilzauber auf den Slytherin. „Ich werde ihn mir nachher noch einmal ansehen.“, sagte sie an die Hauselfen gewandt, die mit Argusaugen jede ihrer Handbewegungen beobachtet hatten. Vert wirkte beinahe, als würde er in Betracht ziehen sie in den Wald zu verbannen, sobald ihm auch nur ein Handgriff missfiel. „Wenn ihr wollt, könnt ihr ihn ins Bett bringen.“
Sofort sprangen die beiden Hauselfen vor und ließen Malfoy schweben. Andromeda überließ es ihnen und machte sich auf den Weg nach draußen. Sie trat in den Garten und wurde von heftigem Regen begrüßt. Mit einem Wink ihres Zauberstabs erstellte sie eine Barriere, sodass die Tropfen um sie herum von unsichtbarem Widerstand abprallten. Es dauerte einige Minuten, bis sie eine am Boden kauernde Gestallt im Zentrum des Gartens erblickte. Sie eilte zu ihr hinüber.
Narcissa Malfoy saß in der aufgeweichten Erde am Boden. Klatschnass. Ihre hier noch komplett blonden, ebenfalls verdreckten Haare klebten an ihr und sie betrachtete wie versonnen die vor ihr wachsende Pflanze. Die gleiche Pflanze, von der Neville so begeistert gewesen war. Diese Rosenart. Zumindest sahen die roten Blüten danach aus. Doch es gab keine Dornen und die Blüten sahen sehr groß aus. Außerdem schienen die einzelnen Blütenblätter in verschiedenen Farben zu schimmern, als leuchteten Edelsteine direkt unter der ersten Zellschicht hervor. Offenbar handelte es sich hierbei um eine magische Pflanze.
Narcissa schien überhaupt nicht mitzubekommen, dass jemand zu ihr gekommen war. Die Finger ihrer rechten Hand strichen andächtig über eine der Blüten. Harry fiel auf, dass auch bei ihr die Haut an den Händen abgeschürft und beschädigt war. Der Rest der Arme war von langen Ärmeln bedeckt. Doch in ihrem Gesicht prangte an der Stirn ein Hämatom, dass sich über ihre Schläfe zu ihrer Wange zog. Auf der anderen Seite leuchtete passend dazu eins auf der Wange. Der Rock ihres grünen Kleides war an einer Seite aufgerissen und ansonsten in keinem besseren Zustand als die Kleidung ihres Sohnes.
„Cissy?“, sprach Andromeda ihre Schwester vorsichtig an. Es folgte keine Reaktion. Nachdem das mehrere Male so war, griff sie letztlich nach Narcissas Hand. „Cissy?“, wiederholte sie eindringlicher.
Wie in Trance drehte sie ihr das Gesicht zu. Leere blaue Augen starrten sie an.
„Hey.“, sagte Andromeda und lächelte verzweifelt. Sie bewegte eine ihrer Hände nach oben und strich ihrer Schwester vorsichtig die blonden Strähnen aus dem Gesicht, immer darauf bedacht nicht unnötig auf die malträtierten Hautpartien zu drücken. Es kam keine Reaktion. Es schien als würde Narcissa ihre Schwester nicht einmal erkennen. Eigentlich schien es, als würde sie nicht einmal erkennen, dass da ein menschliches Wesen bei ihr kniete. „Draco hat mich hergeholt.“ Jetzt blinzelte Narcissa mehrfach und schüttelte den Kopf leicht. „Er war etwas überfordert und…“, fuhr Andromeda fort, während ihre Schwester anfing sich etwas umzusehen. „… ist vorhin bei mir aufgetaucht. Ich denke…“
„Wo ist mein Sohn?“, schnitt Narcissa ihr auf einmal alarmiert scharf das Wort ab. Ihr Blick klärte sich etwas. „Draco!?“, rief sie dann mit leichter Panik in ihrer Stimme, wich von Andromeda zurück und sah sich hektisch um.
„Er ist in seinem Zimmer.“, informierte Andromeda sie in ruhigem Tonfall. „Willst du ihn sehen?“, bot sie ihr dann an.
Narcissa sah sie misstrauisch an. Wieder blinzelte sie mehrmals, zog die Augenbrauen zusammen und versuchte offenbar die Person vor sich zu erkennen. „Anda?“, wollte sie dann unsicher wissen.
Lächelnd nickte Andromeda und bot ihr eine Hand an. „Lass uns ins Haus gehen.“
Narcissa brauchte einen Moment in dem sie ihre Schwester nur anstarrte. Dann versuchte sie sich von alleine aufzurichten, scheiterte aber und akzeptierte schließlich die angebotene Hilfe. Gemeinsam liefen die beiden Frauen zurück ins Haus. Als sie eintraten standen zwei Hauselfen an der Tür, Miri und Lai, wenn Harry sich nicht irrte, in ihren schmutzigen Kopfkissenbezügen und hielten den beiden Handtücher entgegen.
Narcissa ignorierte sie komplett während Andromeda eines entgegennahm und dann ihrer Schwester die Treppe hoch half.  Sie sagten nichts zueinander. Was auch nicht nötig war, denn Narcissa Malfoy schien nur einen Gedanken zu haben, dem sie Beachtung schenken konnte. Und das war ihr Sohn.
Sie stürzte in sein Zimmer, Tink und Vert zuckten sofort zurück und waren im nächsten Moment verschwunden, wo er auf dem Bett mit einer dünnen Decke über sich lag. Schlafend. Oder bewusstlos. Es war schwer zu sagen. Harry sah sich kurz um. Das Zimmer sah genauso aus, wie er es vor zwei Tagen kennengelernt hatte. Nun, vielleicht waren hier etwas weniger Bücher, die den Raum vollstapelten und auf dem Nachttisch lag nur eine Phiole mit einer milchigen Flüssigkeit. Aber Harry kannte auch das Problem mit Erinnerungen. Sie waren eben nur Erinnerungen. Es hätte sich ein Drache in diesem Zimmer befinden können, wenn Andromeda den nicht wahrgenommen hatte, würde er hier nicht auftauchen, egal wie gründlich Harry sich umsah.
Narcissa setzte sich an die Bettkante und ergriff die linke Hand ihres Sohnes, während sie ihm mit der anderen Hand über die Stirn strich. Tränen liefen ihr über die Wangen als sie eine Entschuldigung nach der anderen murmelte und einen Kuss auf seine Finger drückte.
Die Erinnerung wechselte. Doch sie blieben in Malfoys Zimmer. Andromeda saß auf einem Stuhl am Bett mit einem Buch in der Hand. Auf dem Nachttisch stand nun außer der Phiole eine Kanne mit Tee und zwei Tassen. Die eine war leer, aber benutzt, während in der anderen bräunliche Flüssigkeit war aus der noch Dampf emporstieg.
Im Bett lag Malfoy weiterhin bewusstlos. Seine verschmutzte Kleidung war noch die Gleiche, weshalb Harry nur vermuten konnte, dass zwischen der letzten und dieser Erinnerung nicht allzu viel Zeit vergangen war.
Seine Mutter lag neben ihm im Bett, ebenfalls schlafend. Doch sie hatte sich umgezogen und trug nun ein schwarzes, sauberes Kleid. Ihre Haare waren zurückgekämmt und mit einer silbern glitzernden Spange am Hinterkopf befestigt. Die Hämatome in ihrem Gesicht waren noch sichtbar, aber deutlich weniger auffällig und auch die Aufschürfungen an ihren Händen waren kaum noch zu sehen.
Als Malfoy zuckte, sah Andromeda von ihrem Buch auf. Prüfend betrachtete sie ihn und gerade als sie den Blick wieder senkte, zuckte er erneut. Gequält verzog er das Gesicht und gab einen halb erstickten Laut von sich. Andromeda stand auf, lies ihr Buch auf dem Stuhl zurück und setzte sich an die Bettkante.
„Draco.“, sprach sie ihn an und legte ihm eine Hand an die Schulter. Sofort schreckte er hoch. Mit panischen Augen starrte er sie an und wich nach hinten zurück. Mit Wucht stieß er gegen das Bettgeländer und brachte alles zum Wackeln. Gehetzt sah er sich um, rutschte näher an seine Mutter heran, einen Arm schützend über sie ausstreckend, als erwarte er einen Angreifer von ihr abwehren zu müssen. Heftig atmend fixierte er schließlich Andromeda. Langsam schien die Erinnerung wieder zurückzukommen. Die Panik in seinen Augen verschwand allmählich und er richtete seinen Blick nach unten auf die Bettdecke, von der er sich freigestrampelt hatte. Seine Hände zitterten und er ballte sie zu Fäusten.
„Es ist ok, Darling.“, ertönte Narcissas Stimme. Sie richtete sich auf und streckte ihre Arme aus, um ihren Sohn an sich zu ziehen. Der ließ sich widerstandslos in ihre Arme fallen, die sie um ihn schloss und liebevoll mit ihren Händen über seinen Rücken und seine Arme strich.
Erneut änderte sich die Erinnerung und Harry stand im Großen Salon des Malfoy Anwesens. Am Kamin waren inzwischen die Couch und Sessel um den Tisch verteilt aufgebaut, die Harry bereits kannte. Jedwede andere Einrichtung war spurlos verschwunden. Andromeda saß mit Narcissa daran. Sie tranken Tee und unterhielten sich über Sachen, von denen Harry ziemlich sicher war, dass das der Inhalt einer typischen Ausgabe der Hexenwoche war. Narcissa lachte und strich sich eine Strähne weißer Haare nach hinten. Ihr schwarzes Kleid war ausladend und zu ihren Füßen saß Hazel und angelte nach einer der Verzierungen, die sich für den Kater offenbar interessant bewegten. Die Aufmerksamkeit der Frauen richtete sich auf die Tür, in der Tink erschien, gekleidet in einen Smoking. An seiner Hand hielt er Teddy, der sich verschlafen die Augen rieb und eher grummelig aussah.
„Teddy!“, rief Narcissa begeistert aus und stellte ihre Teetasse ab, um auf den Jungen zuzugehen. Sie hockte sich vor ihn hin mit einem breiten Lächeln auf ihren Lippen. „Ausgeschlafen?“, fragte sie und nickte Tink einmal zu, der sich andeutungsweise verbeugte und Teddys Hand in ihre legte. Das Kind nickte nur und gähnte herzhaft, bevor es die Arme ausstreckte und sich von Narcissa hochheben ließ. „Oooh, na das sieht mir aber nicht besonders wach aus.“, sagte sie neckisch und stupste ihn auf die Nase mit einem Zeigefinger. Das Kind grummelte nur eine Antwort darauf und vergrub sein Gesicht an ihrer Schulter. Glücklich lächelnd drückte sie einen Kuss auf seinen Kopf und lief zurück zu ihrem Sessel, wo sie sich mit ihm auf ihrem Schoß wieder hinsetzte und das Gespräch mit Andromeda wieder aufnahm, während Teddy langsam in ihren Armen wacher wurde. Schließlich fing sie wieder an sich mit ihm zu beschäftigen und zu spielen. Sie wirkte so entspannt und gelassen dabei. Es war völlig offensichtlich, dass sie ganz genau wusste, was sie tat, als der Junge auf ihrem Schoß lachte und vor Vergnügen quiekte, während sie Grimassen schnitt und seltsame Geräusche von sich gab und immer wieder einen Kuss irgendwo in seinem Gesicht platzierte.
Harry stand da und beobachtete diese Interaktion zwischen den beiden. Er war sich nicht sicher, was er davon halten sollte. Narcissa kümmerte sich so liebevoll um das Kind. Als wäre es ihr eigenes und Harry verspürte einen Knoten in seiner Brust. Tante Petunia hatte ähnliche Albernheiten mit Dudley betrieben. Diese gesamten Verhaltensweisen, die Eltern ihren Kindern entgegenbrachten, waren für ihn seltsam unnatürlich. Als er angefangen hatte Teddy mit zu erziehen, hatte er so viel lernen müssen. Zu Beginn hatte er sich benommen, als wäre er alleine auf einer einsamen Insel groß geworden. Erst Andromeda hatte ihm beigebracht, was er tun musste und was Babies und Kinder in so jungem Alter benötigten. Noch immer war sein Verhalten gegenüber Teddy häufig nicht instinktiv, wie es bei jedem anderen zu sein schien. Er beobachtete die Szene weiter und letztendlich fingen Narcissa und Teddy an sich gegenseitig zu fangen und zu verstecken. Narcissa streife sogar ihre Schuhe ab, um besser mit dem Kind mithalten und eben barfuß durch den gesamten Salon rennen zu können. Ihre Haare lösten sich aus ihrem Dutt und fielen unordentlich ins Gesicht und über ihre Schultern. Doch sie lachte ebenso laut wie Teddy es tat und wälzte sich spielerisch auf dem Boden mit ihm. Harrys Herz schmerzte. Benahmen sich Mütter so? War es das, was er verpasst hatte? Was ihm genommen worden war? Was Draco Malfoy gehabt hatte?
Die Erinnerung verschwamm. Als nächstes befand Harry sich wieder in Andromedas Haus. Sie sortierte am Esstisch durch einige Boxen. Es waren ihre Fotoboxen. Als Harry näher herantrat und drauf sah, waren erkannte er einige der Bilder. Auf einem sah er sich selbst mit Ron und Molly, die Teddy auf dem Arm hielt. Er erinnerte sich daran. Das war erst etwa zwei Monat her gewesen. Er wusste das, weil Ron auf dem Bild noch den Kratzer an der Stirn hatte, den er sich bei einem Einsatz zugezogen hatte.  
Es klopfte an der Tür. Sie legte die Fotos neben die dazugehörige Box und lief zur Tür.
„Bei Merlin!“, rief sie aus. Vor der Tür standen Malfoy und Parkinson. Malfoy stütze sich an Parkinsons Schultern ab, während einer ihrer Arme um seine Mitte gewickelt war, offensichtlich um ihm eine bessere Stütze zu sein, der andere sorgte dafür, dass er nicht von ihrer Schulter abrutschte. Sein Gesicht war mit Blut besprenkelt und generell schien die eine Hälfte seiner Roben darin getränkt worden zu sein. Seltsam aussehende dunkle Äderchen lugten unter seinem Kragen hervor und wuchsen seinen Hals entlang nach oben.
„Wir brauchen Hilfe.“, kommentierte Parkinson und trat ihren Freund mit sich ziehend in das Haus. Sie hatte einen Schnitt über ihrem rechten Auge, der durch ihre Augenbraue durchlief und aus der genug Blut lief, dass ihr Gesicht auf der Seite komplett rot war, ihren Hals entlanglief und ihr weißes Hemd verfärbte. Der linke Ärmel sah verkohlt aus und die Haut darunter verbrannt.
„Was ist passiert?“, wollte Andromeda wissen. Sie transfigurierte die Kommode neben dem Eingang in eine breite Liege, auf der Parkinson Malfoy ablegte.
„Gryffindors sind passiert.“, sagte sie bitter. „Diese feigen Arschlöcher haben uns in der Winkelgasse attackiert. Sie waren zu sechst. Anders trauen sie sich wohl nicht an uns heranzutreten. So viel zu den Tapfersten von uns allen!“, zischte sie wütend.
Harry sah zu, wie Andromeda Heilungszauber auf ihren Neffen anwandte, der eher in einem halb komatösen Zustand zu sein schien.
„In der Winkelgasse?“, hakte sie nach. „Da sind doch so viele Leute!“
„Pff.“, gab Parkinson abfällig von sich. „Zwei Auroren standen da und haben zugesehen. Ich bin sicher, sie waren äußerst amüsiert.“
Andromedas schockierter Blick war für einen Moment auf Parkinson gerichtet, bevor sie sich daran erinnerte, dass Malfoy dringend wieder ihre Aufmerksamkeit brauchte. Harry sah zu, wie die dunklen Äderchen sich langsam wieder zurückzogen, bis nichts mehr davon zu sehen war.
„Wir sollten euch beide von einem Heiler untersuchen lassen.“, sagte sie schließlich.
„Oh nein.“, wehrte Parkinson ab. „Die Pfuscher machen das nur schlimmer.“
„Pansy, ich habe eine Grundausbildung in diesen Dingen, aber was, wenn jemand einen Fluch genutzt hätte, den ich nicht heilen könnte? Ihr könnt das Mungos nicht bis an euer Lebensende meiden.“
„Das Lebensende würde dann wahrscheinlich deutlich früher kommen als nötig!“, zischte Parkinson und verschränkte die Arme vor der Brust. Schmerzerfüllt schrie sie auf und fluchte als ihr verbrannter Arm mit dem anderen in Kontakt kam. Schnell zog sie ihre Arme wieder auseinander.
„Was soll das jetzt wieder heißen?“, verlangte Andromeda zu wissen. Sie griff nach dem Handgelenk der jungen Frau, keine der verbrannten Stelle berührend, und hob ihren Arm etwas an, bevor sie sie ebenfalls auf die Liege dirigierte, sodass Parkinson sich schließlich daraufsetzte. Andromeda fing sich an um die Verbrennung zu kümmern.
„Theo?“, sagte Parkinson nur und wartete offenbar auf eine Reaktion. Doch außer Verwirrung bekam sie nichts. „Erzählt Draco dir denn gar nichts? Theo ist ins Mungos gegangen als sie ihn erwischt haben. Nicht nur, dass sie ihn nicht richtig behandelt und mit einer noch halb offenen Wunde nach Hause geschickt haben, er hat von ihnen eine Schmerztinktur zur alleinigen Weitermedikation bekommen. Doch es ging ihm immer schlechter und schließlich hat Draco die Tinktur gesehen und ihm aus der Hand geschlagen als er sie einnehmen wollte. Diese verdammten Penner haben ein Toxin hineingemischt. Hätte Draco die seltsame Verfärbung nicht bemerkt, hätte es ihn vielleicht umgebracht!“
Andromeda wurde blass. Sie schien nicht glauben zu wollen, dass diese Geschichte etwas mit der Wahrheit zu tun hatte, aber offenbar schloss sie es auch nicht komplett aus. Malfoy regte sich neben ihnen wieder und Parkinson griff mit ihrem unverletzten Arm nach seiner Hand.
Sein Blick richtete sich auf sie. „Bist du okay?“, wollte er wissen.
„Ha!“, lachte sie gekünstelt auf. „Das fragt der Richtige!“ Sie zog seine Hand nach oben und drückte ihre Lippen auf den Handrücken.
„Ew. Du schmierst mich mit deinem Blut voll.“, kommentierte er lediglich und verzog die Mundwinkel in gespieltem Ekel. Doch er ließ ihre Hand nicht los. Und sie seine eben so wenig. Voller Erleichterung lachte sie.  
„Nun, das ist alles, was ich soweit tun kann.“, sagte Andromeda schließlich. Der Arm hatte das aggressive Rot verloren. Man konnte noch sehen, dass etwas nicht in Ordnung war, aber es wirkte nicht mehr, als wäre es schmerzhaft. „Du solltest morgen noch einmal vorbeikommen. Und über Nacht eine Regenerationssalbe auftragen.“ Dann richtete sie ihren Zauberstab auf ihr Gesicht. „Episkey.“, murmelte sie und der Schnitt an ihrem Auge schloss sich nahtlos. Es folgte ein Säuberungszauber und das Blut war von ihrer Haut verschwunden. Doch das am Kragen rot verfärbte Hemd verriet weiterhin, dass etwas passiert war.
„Danke, Andromeda.“  Parkinson stand wieder auf und Malfoy setzte sich an den Rand der Liege. Schmerzerfüllt verzog er das Gesicht dabei.
„Du solltest auch morgen vorbeikommen.“, wandte die ältere Hexe sich an ihren Neffen. „Du brauchst ein paar Wundheilungstränke.“ Sie trat direkt vor ihn, und Parkinson machte einen Schritt zur Seite, damit sie gut an ihn herankam. Seinen Umhang zur Seite schiebend, versuchte sie danach das Hemd aufzuknöpfen.
„Es ist in Ordnung.“, meldete Malfoy sich zu Wort und legte seine eigenen Hände auf ihre, um sie aufzuhalten. „Ich habe genug Tränke um mich selbst zu behandeln. Danke, Dromeda. Es tut mir leid, dich einfach so gestört zu haben. Aber Mutter ist nicht zu Hause und wir wussten, dass du mit Heilung deine Erfahrungen hast.“
Andromeda sah aus, als würde sie in Tränen ausbrechen wollen. Dann schlang sie ihre Arme um den jungen Mann vor sich und zog ihn in eine Umarmung. „Du bist hier immer willkommen.“
Malfoy ließ seinen Kopf auf ihre Schulter sinken und schloss seine Arme um ihre Taille. Sie blieben einen Moment so stehen.
Noch völlig sprachlos von dem Geschehen, bemerkte Harry wie Andromedas Haus um ihn herum verblasste. Als nächstes hörte er Gelächter. Es war ein seltsamer Kontrast zu der vorherigen Erinnerung. Diesmal fand er sich in Andromedas Garten wieder. Er sah Andromeda, Narcissa und Malfoy im Sandkasten sitzen. Sie sprachen miteinander, aber ihr Hauptaugenmerk lag auf Teddy, der zusammen mit Hazel durch den Garten sprang und silbrig-weißen Gestalten hinterherrannte. Erstaunt trat Harry näher. Er kannte Andromedas Patronus. Der Kolibri wurde begleitet von einer mächtigen Löwin und einem flinken Fuchs, die ihre Runden durch den Garten drehten und vor Teddy davonrannten. Hermines Otter schwirrte ebenfalls zwischen ihnen umher. Irritiert sah Harry sich um. Er konnte sie nirgendwo sehen. Vielleicht war sie im Haus.
Harry trat näher an die Gruppe der Erwachsenen heran.
„…. wird alles leichter machen, Draco.“, hörte er Andromeda sagen.
„Nein.“, antwortete der Slytherin nur kurz und strickt.
„Narcissa, bitte, rede mit deinem Sohn.“, bat Andromeda erschöpft seufzend und schüttelte den Kopf.
„Als ob ich verhindern könnte, dass er sich so stur und bockig benimmt, wie Teddy.“, gab diese zurück, warf Malfoy einen herausfordernden Blick zu, doch der verschränkte nur die Arme vor der Brust und schien zu schmollen.
„Draco, wir können das nicht ewig so machen. Harry wird es irgendwann herausfinden. Und ich möchte ehrlich gesagt nicht, dass er plötzlich aus dem Kamin kommt während ihr da seid und es so erfährt.“, erklärte Andromeda. Sie lachte auf, als Teddy sich auf den Fuchs stürzte, der sich in silbrige Schwaden auflöste und direkt neben dem Kind wieder materialisierte. Das Kind drehte sich grinsend auf den Rücken und der Fuchs fing an ihm über die Wange zu lecken, was ihn dazu brachte in Gelächter auszubrechen. Auch wenn Harry vollkommen klar war, dass sie einander unmöglich wirklich anfassen konnten. Doch die Magie war durchaus spürbar. Man konnte durchaus fühlen, wie der Patronus einem gegenüber gesinnt war, wenn er nähertrat. Eine Berührung konnte ein Gefühl von Geborgenheit und Vertrauen auslösen, aber ebenso von Gefahr und Abneigung. Nun, offenbar handelte es sich hier eher um ersteres.
„Ich weiß wirklich nicht, warum du dich derartig zierst.“, ergriff sie dann erneut das Wort. „Hermine gehört inzwischen zu deinen engsten Freunden, das hättest du zuvor auch nie erwartet.“
„Ja, ich bin mir sicher Auror Potter wird unglaublich begeistert sein, dass ich mich in eurer Nähe aufhalte. Oder Hermines. Warum ist das überhaupt auf einmal so wichtig? Habt ihr euch zusammengeschlossen? Hermine geht mir mit dem Thema seit Wochen auf die Nerven.“
„Offenbar nicht gründlich genug. Warum hast du so eine Angst davor?“, hakte Andromeda nach. Doch Malfoy antwortete nicht. Harry hatte zumindest erwartet, dass er abstritt Angst davor zu haben. Aber er tat es nicht. Stumm starrte er auf Teddy, welcher wieder dabei war ziellos auf und ab zu rennen.
„Ich werde ihm irgendwann davon erzählen müssen, Draco.“, fing Andromeda dann wieder an. „Teddy wird euch nicht ewig Coco und Sasa nennen.“
„Ich weiß.“, gab Malfoy dann zu und fuhr sich mit einer Hand über das Gesicht. „Das wird ein verdammtes Desaster.“
„Das muss es nicht.“, meldete sich plötzlich Hermines Stimme zu Wort. Die junge Frau stand mit Krummbein in ihren Armen am Sandkasten. Der orangefarbene Kater strampelte bereits vor Ungeduld und wollte runtergelassen werden. Sie erfüllte ihm den Wunsch auch gleich, streichelte noch einmal durch das gepflegte Fell ihres Tieres, das gab ein zufriedenes Miauen von sich und sprang dann davon in den Sandkasten um einmal bei jedem Anwesenden über den Schoß zu laufen, seinen buschigen Schwanz in jedermanns Gesicht zu hauen und sich schließlich in Malfoys Schoß zusammenzurollen und zu schnurren. „Siehst du? Krummbein denkt auch so.“, fügte Hermine hinzu und erntete nur einen zweifelnden Blick. Sie kletterte auch in den Sandkasten und setzte sich neben Narcissa, welche ihre Hand tätschelte und sie aufmunternd anlächelte, bevor sie sich vorbeugte und einen kurzen Kuss auf ihre Schläfe drückte. Es war offenbar nichts Ungewöhnliches, denn keiner starrte die beiden an, wie Harry es gerade tat. Hermine lächelte nur glücklich und drückte ihren Kopf als Antwort noch einmal in einer vertrauten Geste gegen den Blondschopf der älteren Hexe, bevor sie sich deren Sohn zuwandte. „Draco, du warst unerträglich in der Schule, keiner versucht das abzustreiten, aber zum Glück hast du angefangen für dich selbst zu denken und Harry wird das sehen. Ich mache mir eher Sorgen um Ron. Er ist derjenige, der nachtragend ist.“
„Weasley ist unwichtig. Ist mir egal, was er denkt. Er hat mit niemandem direkt zu tun, der mir wichtig ist.“, kommentierte Malfoy dann und erntete ein beleidigtes Räuspern von Hermine.
„Außer dir. Aber du denkst zum Glück auch für dich selbst.“, fügte er dann noch schnell hinzu.
„Was ist das Problem, Draco?“, schaltete sich seine Mutter nun wieder ein. Sie hob eine Hand an und fuhr ihm durch die Haare. „Was macht dir so eine Angst davor ihn zu treffen?“
Malfoy mied die Blicke der anderen und sah auf Krummbein in seinem Schoß herab. Der Kater rieb seinen Kopf an seinem Knie, sodass Malfoy anfing ihn zu kraulen, was mit nur noch lauterem Schnurren quittiert wurde.
Malfoy sank in sich zusammen, als wollte er unsichtbar werden. Er presste die Lippen aufeinander und wirkte als würde er jeden Moment auseinanderbrechen.
Und dann sprang Teddy in den Sandkasten. „Attacke!“, brüllte er, hob Sand auf und warf es unkoordiniert in generelle Richtung der Erwachsenen.
„Teddy!“, rief Andromeda erschrocken. Krummbein miaute unzufrieden und sprang aus der Gefahrenzone. Hazel sprang dafür mit hinein, gefolgt von jedem Patronus. Im Sandkasten wurde es ziemlich voll.
„Ich denke, das ist mein Stichwort das Essen vorbereiten zu gehen.“, kommentierte Andromeda und entstieg der Sandfalle. „Cissy, würdest du mir helfen?“
Selbst lachend kitzelte ihre Schwester Teddy gerade durch, beugte sich nach vorne und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn. „Du kleiner Frechdachs!“, sagte sie glücklich, bevor sie von ihm abließ, ihr schwarzes Kleid etwas abklopfte und Andromeda folgte. Der Kolibri flog Andromeda hinterher, während die mächtige Löwin noch einmal über Teddys Gesicht leckte, dann das gleiche bei Malfoy machte und schließlich Narzissa hinterhersprang.
Die Erinnerung endete und die nächste setzte wieder in Andormeds Wohnzimmer ein. Der kleine Teddy hatte ein dickes Märchenbuch in seinen Armen, das aussah als würde es ihn tragen und nicht umgekehrt. Harry kannte das Buch. Er hatte seinem Patenkind auf dessen Wunsch hin dauernd daraus vorgelesen.
Andromeda und Narcissa saßen sich unterhaltend auf der Couch. Doch anstatt zu ihnen zu gehen, fand der kleine Junge seinen Weg zu Malfoy, welcher im Sessel daneben saß und geistesabwesend vor sich hinstarrte. Zu seinen Füßen spielten ein silbrig-weißer Fuchs und Hazel miteinander.
„Coco.“, quäkte Teddy und schmiss das Buch vor ihm zu Boden, was die beiden Tiere hinter den Sessel flüchten ließ. Es riss Malfoy aus seinen Gedanken und er zuckte leicht zusammen. Erschrocken sah er nach unten und Teddy direkt an. Sofort löste sich der versteinerte Gesichtsausdruck und ein Lächeln breitete sich auf den Lippen aus. Es war der gleiche Effekt, wie schon bei Harrys letzten Besuch bei Andromeda. Dieses simple Lächeln erhellte sein Gesicht so sehr, dass man ihn als gutaussehend beschreiben könnte.
„Dort wo wir gestern stehengeblieben sind?“, fragte er und hob das Buch auf. Nickend ließ Teddy sich als nächsten hochheben und auf Malfoys Schoß platzieren. Er lehnte sich mit dem Rücken gegen seine Brust und blätterte durch die Seiten des Buches, welches Malfoy aufgeschlagen vor ihn hielt.
„Da!“ Teddy tippte mit dem Finger auf eine Seite und Malfoy begann vorzulesen. Doch er las anders vor, als Harry das für gewöhnlich tat. Er überdramatisierte bestimmte lächerliche Szenen und sprach alle Charaktere ziemlich anders, machte piepsende Stimmen, wenn es sprechende Mäuse waren und nutzte einen tiefen grollenden Ton, wenn ein Drache zu Wort kam, brüllte gefährlich, wenn das Monster angriff und klang außer Atem, wenn der vorgelesene Charakter gerade gerannt war, er blies Teddy ins Ohr, wenn eine Windbö erwähnt wurde und wackelte so heftig mit den Beinen, dass Teddy sich festhalten musste bei einem Erdbeben.
Fassungslos besah sich Harry diese skurrile Szene. Es wirkte immer unwirklicher, je länger er hinsah. Als das Märchen schließlich zu Ende ging und die Szenen ruhiger wurden und keine Erdbeben oder plötzliche auftauchenden Monster es weniger aufregend machten, war Teddy am wegdösen. Er hatte sich umgedreht und seine Arme um Malfoys Brustkorb geschlungen. Die Augen waren nur noch einen spaltbreit offen. Und als Malfoy die letzten Sätze vorlas, fielen sie komplett zu. Malfoy legte das Buch beiseite und schlang einen Arm um Teddy, drückte einen Kuss auf seinen Kopf und murmelte ein „Gute Nacht.“ in die Haare hinein. Ein Lächeln blieb auf seinen Lippen zurück und es schien, als würde er einfach die Nähe des Kindes genießen. Auch wenn Harry jetzt schon sah, dass Teddy das grüne Hemd an dem er lehnte irgendwann vollsabbern würde, so wie er sein Gesicht da hineindrücke. Er hatte da eigene Erfahrungen gesammelt.
Die Umgebung verwischte und Harry fand sich wieder in seinem Büro. Sein Blick war nach unten gerichtet und er starrte in die silbrige Flüssigkeit in der Schale vor ihm.
Nun, wenigstens wusste er jetzt, was Teddy meinte, wenn er beim Vorlesen von Harry verlangte `die Stimmen´ zu machen. Und er wusste, dass er das nicht einmal ansatzweise so gut hinbekam wie Malfoy. Ehrlich gesagt brachte Malfoy das auf ein ganz anderes Level, das mit den sagenhaft schlechten eigenen Versuchen gar nicht vergleichbar war.
Er wusste nicht was er von dem Gesehenen halten sollte. Es war eine komplett andere Sicht von Draco Malfoy. Und die warf Fragen auf.
Mit einem Blick auf die Uhr stellte er fest, dass er nur noch zwei Stunden hatte, bis er mit den anderen verabredet war.
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