(A)sozial

GeschichteRomanze / P18
12.03.2019
07.09.2019
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… Eyke brachte sich in eine andere Position, indem er seine Beine über eine Armlehne schwang und mich auf diese Weise direkt ansehen konnte. Behagte mir ganz und gar nicht, aber lange blieb er so hoffentlich nicht sitzen. Sah nämlich nicht gerade bequem aus. „Na gut, wenn hier schon jemand die alleinige Macht für sich beansprucht…,“ mit Grabesmine zog er sein Shirt glatt, „… dann bloß keine neoliberalen Speichellecker fernab jeder Realität, sondern fortschrittlich und ökologisch denkende, aber vor allem wirtschaftsunabhängige, neutrale Menschen, die moderne Technologien fördern und das Steuersystem kippen. Umweltschädliches Verhalten muss massiv bestraft werden. Erdöl zur Herstellung von Kunststoffen muss zum Beispiel endlich astronomisch besteuert werden. Und die Subventionen in der Landwirtschaft müssen umgedreht werden. Die Ökos sollten alles kriegen, die konventionellen gar nix mehr. Die kriegen von den Konsumterroristen schon genug in den Rachen geschmissen. Satte Geldstrafen für überdüngte Felder müssen dann auch gleich mal her. Kerosin muss auch besteuert werden und Inlandsflüge gehören sowieso verboten. Außerdem sollten die Supermärkte endlich gesetzlich dazu verdonnert werden, nicht verkaufte Lebensmittel an gemeinnützige Einrichtungen abzugeben. Und Containern muss endlich legalisiert werden. Mir schwillt der Kamm wenn ich sehe, wie viel Tonnen an Nahrungsmitteln wir hier pro Jahr wegschmeißen. Und dann auch noch diejenigen verknacken, die einwandfreie Sachen, die andere wegwerfen, wieder aus´m Müll fischen? Solche Gesetze kann nur ´n Staat wie Deutschland erlassen. Blind vor Wohlstand.“ Verständnislos schüttelte er den Kopf und holte umgehend zum nächsten Gegenschlag aus. „Außerdem sollte Clean Meat oder In-vitro-Fleisch oder wie auch immer das heißt, staatlich bezuschusst werden. Und wenn wir schon dabei sind, alles auf links zu drehen, sollte jedes Jahr ´ne neue Bundesregierung gewählt werden. Diese ganzen Heckenpenner in Berlin bauen so unglaublich viel Scheiße, dass man sie jährlich abwählen können muss, bevor sich Lobbyarbeit wieder etabliert.“

Alles gute Ideen. Vor allem die letzte fiel bei mir auf fruchtbaren Boden. Aber eine toppte alles. „Du würdest Beyond Meat essen?“ fragte ich überrascht. Normalerweise definierten Männer Fleisch doch nur über niedergemetzelte, blutüberströmte Tiere. Aber er schien Veganismus noch offener gegenüberzustehen, als ich dachte.

„Klar. Du etwa nicht?“ fragte er nicht minder überrascht zurück.

„Naja, eigentlich fehlt mir der Geschmack von Fleisch nicht,“ erwiderte ich. Zugegeben, ich hatte zwei Aufschnitt-Alternativen die ich vergötterte und die ich morgens auf Brötchen oder Toast aß, um mich nicht nur zwischen Marmelade oder Schokocreme entscheiden zu müssen. Das reichte mir aber auch schon. V-Schnitzel, Vrikadellen, Vilets, Visch oder was es da mittlerweile nicht alles gab, hatte ich noch nie probiert. Danach gelüstete es mich einfach nicht. Trotzdem fand ich es gut, dass es sowas gab. Viele Veganer nutzten diese Angebote und vielleicht würde ich mich irgendwann auch noch  anders entscheiden. „Außerdem wird Beyond Meat im Moment noch mit Kälberserum hergestellt und das verträgt sich nicht mit meinen ethischen Grundsätzen,“ ergänzte ich.

„Dafür muss ´ne trächtige Kuh geschlachtet werden, ne?“

Angewidert nickte ich. Hier wurden zwar am laufenden Band illegalerweise trächtige Kühe geschlachtet oder ins Ausland verfrachtet, aber dass das ausgerechnet für Clean Meat gemacht wurde, war ja an Absurdität nicht zu überbieten. Glücklicherweise arbeitete man da auch schon akribisch an einem Herstellungsverfahren ohne Tiermord.

„Aber Tofu nimmste doch, oder?“ wunderte er sich, wobei er sich schon wieder mit den Mücken anlegte.

„Ja, schon. Für Nudelsoßen. Aber Tofu ist kein Fleischersatz, sondern ein eigenständiges Lebensmittel,“ klärte ich ihn auf. Als potenzieller Ex-Karnist musste er das wohl erst noch lernen. Das rafften die ja nie.

„Meinetwegen. Jedenfalls sollte dieses Zeug subventioniert werden. Könnte den Welthunger beenden. Aber solange die Fleischmafia hier das Zepter schwingt, vergiss es. Die lassen den Rest der Welt verrecken, solange die Reibach machen. Deswegen sollten auch die Steuern auf Tierprodukte drakonisch angehoben werden und die pflanzlichen Alternativen brauchen von mir aus überhaupt nicht besteuert zu werden. Deutschland scheffelt in anderen Bereichen mehr als genug Schotter.“

„Ja, eine Frechheit ist das, dass die veganen Produkte mit neunzehn Prozent Mehrwert besteuert werden und Fleisch und Kuhmilch nur mit sieben.“ Jetzt regte ich mich mal auf und schämte ich im nächsten Moment sofort dafür. Hatte mich jemand gehört? Nein, so laut würde es schon nicht gewesen sein. Trotzdem fühlte es sich so unwirklich an, dass ich mich aktiv an einem Gespräch beteiligte. Das würde für mich wohl nie zur Normalität werden.

„Keine Frechheit,“ widersprach Eyke trocken. „Ganz normale Lobbyarbeit. Dafür reißen die sich kein Bein aus. Kurz beim Paten im Ministerium durchrufen und die Sache ist klar. Vegane Produkte dürfen ja beispielsweise auch nicht als cholesterinfrei gekennzeichnet werden, obwohl sie es sind. Dreimal darfste raten, wer dafür gesorgt hat.“ Bedeutungsschwer zog er sich mit dem Zeigefinger das untere Augenlid runter. „Das ist alles so gewollt, weil die pflanzlichen Produkte die tierischen benachteiligen könnten. Cholesterin ist ja ´ne Volkskrankheit und dann würde der ein oder andere vielleicht doch mal überlegen, die Alternative zu nehmen. Staatlich geförderte Wettbewerbsverzerrung ist das. Soviel zu deinem Rechtsstaat.“

Für einen Neu-Veganer kannte er sich aber gut aus. Mir war das mit dem Kennzeichnungsverbot zwar bekannt, aber den Glauben an den Rechtsstaat hatte er mir spätestens jetzt ausgetrieben. Das Wort nahm ich nie wieder in den Mund.

„Wie würde ´ne Welt aussehen, in der du gerne leben würdest?“ fragte er dann plötzlich und ließ mir seine volle Aufmerksamkeit zuteil werden. Sowohl das, als auch die Frage waren mir unangenehm. Bis auf einige wenige Aussetzer hörte ich ihm viel lieber zu, als mich selbst zu inszenieren. „Ich könnte mich mit deinen Vorschlägen anfreunden. Nur Tiere dürften überhaupt nicht mehr ausgebeutet werden. Ich bin für rein bio-veganen Anbau,“ antwortete ich deshalb kurz und knapp.

„Darauf will ich ja eigentlich auch hinaus. Aber das macht der gefräßige Deutsche nicht mit. Die tun immer so aufgeschlossen gegenüber Neuem, aber essen will´s dann keiner. Schon gar nicht dieses Clean Meat, weil kein Tier dafür getötet wurde. Dann heißt es wieder, das wäre alles künstlich und chemisch. Also kein Unterschied zu herkömmlichem Fleisch, aber davon will ja keiner was wissen. Na, Deutsche eben. Was willste erwarten?“ Pessimistisch winkte er ab. „Die Regierung wird auch alles daran setzen, das zu verhindern. Erstens stecken die ja im Arsch der Fleischmafia fest und zweitens bringt so´n putziger Schlachthof Gewerbesteuer und Arbeitsplätze. Das ist ja eh immer für alles die Standardausrede, alles beim Alten zu belassen und die Zukunft zu verweigern. Guck dir den Energiesektor an, ist doch das beste Beispiel. Arbeitsplätze sind immer der Vorwand, nix ändern zu können. Die wollen nur nicht, weil die nur Geld im Kopp haben. Aber es kann nun mal kein unbegrenztes Wirtschaftswachstum geben, wenn man die Umwelt schonen will. Und damit brüstet der Christenpöbel sich ja seit kurzem. Nur um dann nicht konsequent handeln zu müssen, finden die andauernd die haarsträubendsten Begründungen. Darauf, dass neue, klimafreundliche Technologien auch Arbeitsplätze schaffen, kommt hier vor lauter Borniertheit keiner mehr. Man muss doch mal das Positive daran sehen. Neue Märkte erschließen. Was is´n so schwer daran?“ Er stöhnte genervt, kratzte sich hinterm Ohr und ärgerte sich schon wieder mit den Mücken herum. Dank des selbst angemixten Anti-Bremsen-Sprays für Rudi und Harry, mit dem ich meine Klamotten eingedieselt  hatte, ließen die kleinen Lästlinge mich in Ruhe. Aber darüber, ob das alles wirklich so einfach war, konnte man sicherlich geteilter Meinung sein. Zweifellos brachte es große Herausforderungen mit sich, all diese Gebiete komplett neu zu strukturieren. Das stellte ich gar nicht in Abrede. Auf der anderen Seite war es unumgänglich, wenn wir die Zerstörung unser aller Lebensraums noch aufhalten wollten. „Wozu neue Märkte erschließen, wenn der Markt für das Alte floriert? Die Mühe machen die sich nicht, wenn es mit Mehraufwand wie zum Beispiel höheren Produktionskosten verbunden ist. Dann wird auch das Endprodukt teurer. Und dann heißt es wieder, dass man es gar nicht erst zu produzieren braucht, wenn es sich eh keiner leisten kann. Und was Nahrungsmittel angeht, sollen die Leute viel von dem konventionellen Mist essen, damit sie krank und fett werden und die Pharmaindustrie Gewinn macht. Die hast du nämlich vergessen.“ Jetzt hatte ich mich doch nochmal eingeschaltet. Aber trotz des unbehaglichen Gefühls hatte ich dieses Argument ansprechen müssen. Wie skrupellos die Lebensmittelbranche vorging, hatten wir ja gerade mit dem Cholesterin abgearbeitet. Die rotteten sich sogar noch mit der Pharmalobby zusammen. So eine Win Win-Situation konnte man sich schließlich nicht entgehen lassen.

„Du hast das System durchschaut, Hippie. Endlich mal jemand.“ Hätte Eyke sich in diesem Moment nicht wieder anders hingesetzt und dadurch unseren Blickkontakt beendet, hätte ich es tun müssen. Er sollte mich nicht loben. Ich wurde bestimmt rot im Gesicht. „Und wenn sich Ökolebensmittel und erneuerbare Energien keiner leisten kann…,“ fuhr er fort, während er sich etwas gequält den Rücken durchstreckte, „… sollten die vielleicht mal den Niedriglohnsektor abschaffen. Obwohl sich hier eigentlich niemand beschweren kann, dass er zu wenig hat. Die Reichen haben nur viel zu viel. Dann sollen sie doch gleich das Geld an sich abschaffen.“

„Das auch noch?“ kiekste ich. „Eine Welt ohne Geld? Wie soll das gehen? Mit Bitcoyns? Oder Kreditkarten?“

„Mit nix, das ´nen materiellen Wert hat. Tauschhandel. Ich reparier dir ´nen Zaun und du brutzelst mir ´n paar Grünkernbratlinge,“ erklärte er lachend. Fand er jetzt seine Anspielung so lustig, oder glaubte er doch nicht so recht an diese Idee? Mir gefiel sie jedenfalls, obwohl es totale Spinnerei war. Würde genauso wenig funktionieren, wie sein Gesellschaftsentwurf. Aber er überlegte wenigstens mal, wie es sein könnte. Das mochte ich an ihm. „Ich würd´s gut finden, wenn die Menschen sich mit dem, was sie können, gegenseitig weiterhelfen würden. Scheitert allerdings schon daran, dass hier kaum einer noch irgendwas kann, weil die sich für nix mehr interessieren, außer für sich selbst und immer alles fertig vorgesetzt kriegen wollen. Kapselpisse to go, Burger to go… Am besten gleich von Zuhause aus übers Internet liefern lassen. Bloß keinen Handschlag tun, man könnte sich ja bewegen. Dann doch lieber künstliche Intelligenz und ´nen Roboter, der uns füttert und die Schuhe zubindet. Bei dem Gedanken wird’s mir schlecht. In so ´ner digitalisierten Welt will ich nicht leben. Ist ja jetzt schon schlimm genug. Aber das… nä, echt nicht,“ schimpfte er, wobei das Lachen schnell von seinen Lippen verschwand. Da waren wir schon zu zweit. Vor dieser ganzen Digitalisierung gruselte es mir auch. Nicht nur, weil dafür Ratten Elektroschrott in den Kopf implantiert wurde. Abscheulichste Tierversuche, um die Faulheit der Menschen zu fördern. Die Schuhe zubinden konnte ich mir noch selber. Und denken sowieso. „Ich finde aber schon, dass manche Leute hier zu wenig Geld haben,“ sprach ich noch einmal an. „Die Kinder von Hartz Vier-Empfängern zum Beispiel. Die stehen im sozialen Abseits.“

„Stimmt. Aber meiner Meinung nach nur, weil die ganze Knete hier ungerecht verteilt ist. Könnte eigentlich auch gleich ´ne Reichensteuer hageln, ums gerechter aufzuteilen. Aber guck dir mal Kinder in Liberia oder dem Tschad an. Dann weißte, was Hunger und Armut wirklich bedeuten. Hier sehen die Menschen immer nur, was sie alles nicht haben. Aber sie sehen nicht, was sie gemessen an anderen dann doch haben. Es kommt halt drauf an, wo man den Maßstab setzt. Hungern muss im reichen Deutschland niemand. Kein Hartz Vier-Empfänger, kein Obdachloser. Dafür gibt’s zu viele caritative Vereine. Klar ist es scheiße, wenn Kinder oder von mir aus auch Erwachsene hier zur Tafel gehen müssen. Aber ich glaube auch, dass es für die Kinder selbst gar nicht mal so schlimm ist. Die suchen sich dann eben da ihre Freunde. Kompliziert wird’s in der Schule, wenn sie da mit Schülern aus gut betuchten Familien nicht mithalten können. Aber da liegt es ganz klar an den Eltern, korrekte Werte zu vermitteln und den Kindern nicht vorzuleben, sich über Prestigeobjekte zu definieren.“

Wieder ein interessanter Ansatz, der mich nachdenklich stimmte. Werte wurden ganz klar falsch gesetzt, da war ich völlig bei ihm, wusste ich das doch noch allzu gut aus meiner eigenen Schulzeit. Allerdings nicht, was Geld anbelangte. Davon hatten wir ja genug und das wussten meine Mitschüler, auch wenn ich mir nichts daraus machte. Gemobbt wurden deswegen in der Tat ärmere. Und dass sich daran nichts geändert hatte, hörte ich hin und wieder von Robin. Und das würde sich vermutlich auch erst ändern, wenn Moral und Anstand nicht nur an Schulen, sondern im Gemeinwesen wieder entsprechend berücksichtigt wurden. Irgendwie kam unser Gespräch in diesem Moment zum Erliegen, wodurch mir wieder einfiel, dass ich mich langsam mal auf den Heimweg machen musste. Obwohl Papa Schicht hatte und Mama bei einer Freundin zum Essen eingeladen war. Eigentlich könnte ich noch bleiben… Aber wozu? Wie es aussah, hatte Eyke nichts mehr zu sagen. Schade eigentlich. Seine Stimme wirkte heute irgendwie beduselnd auf mich. Eindeutig ein Indiz, hier zu verschwinden. Wofür sollte ich auch noch zusammen mit ihm hier rumsitzen? Es würde nur immer später werden. Und irgendwann dunkel. Das dauerte zwar noch ein Weilchen, aber ich war trotzdem keins der Mädchen, das sich allein mit einem halbstarken Wildfang im Dunkeln draußen aufhielt. Also erhob ich mich schwerfällig und hatte es nicht nur sofort im Rücken, sondern auch im Gesäß und in den Oberschenkeln. Beim nächsten Mal nahm ich ein Sitzkissen mit. Oder ich setzte mich gar nicht erst hin. Das würde unsere Unterredungen auch bedeutend kürzer halten und das war ja auch irgendwie mein Plan.

„Willste nach Hause?“ fragte Eyke und stand auch auf.

„Mhm,“ bestätigte ich nickend.

„Kannste mich tragen?“

Leise stöhnend verdrehte ich die Augen und ging los. Der Simulant schleppte sich hinterher und stolperte in seiner Transusigkeit irgendwann über seinen offenen Schnürsenkel. Nach Halt suchend ruderte er mit den Armen und fand ihn ausgerechnet an meiner Schulter. Seinem schwankenden Gewicht konnte ich jedoch nicht standhalten und ehe ich mich versah, riss er mich mit sich zu Boden. Ungelenk landete ich halb auf ihm drauf und konnte mich überhaupt nicht orientieren, weil meine offenen Haare mir die Sicht nahmen, als sich auch schon Anthrax auf Eyke stürzen wollte. In sprichwörtlich blindem Aktionismus stürzte ich mich auf meinen Hund, wobei ich Eyke mehr oder weniger versehentlich mein Knie in die Rippen stieß. Ich hatte Mühe, Anthrax zu mir rüber zu zerren, aber irgendwie schaffte ich es dann, ihn zu beruhigen und sah schleunigst zu, von Eyke runterzukommen und mich aufrecht hinzusetzen. „´Tschuldigung. Haste dir wehgetan?“ erkundigte er sich umgehend.

„Nein,“ antwortete ich mucksch. Etwas angesäuert war ich schon. Im Normalfall sollte ich ihn jetzt beschimpfen und wütend von dannen stapfen, weil er mich nicht nur ohne Vorwarnung angefasst, sondern auch noch zu Fall gebracht hatte. Dass es nur ein Reflex war, ging gerade so als Entschuldigung durch.

„Wirklich nicht?“

„Nein, wirklich nicht. Aber binde dir mal die Schuhe ordentlich zu, oder brauchst du dafür vielleicht doch einen Roboter?“ Anschnauzen musste ich ihn trotzdem nochmal, bevor ich aufstand und meine Leggings entstaubte.

„Gleich morgen,“ versprach er und rappelte sich auch endlich hoch. „Deine Haare gefallen mir, so wild. Gekämmt sind sie auch schön. Aber so ist noch besser.“

Fing der schon wieder an? Warum brachte er mich immer wieder so in Verlegenheit? Ich spielte die Situation herunter, indem ich einfach weiter ging. Für den Rest des Weges nahm ich gehörig Abstand von ihm und entsprechend frostig war auch die Stimmung zwischen uns, die ja eigentlich schon ein wenig angetaut war.

„Tut mir leid, okay?! War keine Absicht mit dem Sturz. Aber das Kompliment nehm ich nicht zurück,“ betonte er, als wir vor Rudis und Harrys Weide angekommen waren. „Wenn du meine Entschuldigung nicht annimmst, kann ich heute Nacht nicht schlafen.“

Er sollte schon allein wegen der drückenden Wärme nicht schlafen können, aber ich hatte ja schon mal festgestellt, dass er ein charmanter Lügner war. Seine Unschuldsmine unterstrich das nur. Ich wusste nicht wieso, aber auf einmal schmeichelte es mir, dass er auf das Kompliment bestand. „Ja, ja, angenommen. Tschüß,“ wimmelte ich ihn ab, bevor er noch irgendetwas machen oder sagen konnte, was mich durcheinander brachte. Wie zum Beispiel dieses Lächeln, mit dem er mich schon die ganze Zeit ansah. Manchmal konnte er Dinge tun, bei denen ich gegen meinen Willen dahin schmolz. Damit ich nicht völlig in den Groupie-Modus verfiel, ging ich jetzt besser.

„Hippie!“ hielt er mich noch einmal auf, woraufhin ich mich umdrehte. „Bis morgen!“

Morgen… wenn ich diesen Zustand bis dahin nicht wieder los wurde, konnte das ja heiter werden…
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