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An Assassin Tale In London

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16
Evie Frye Henry Green Jacob Frye OC (Own Character)
12.03.2019
12.03.2019
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5.737
 
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Seid gegrüßt liebe Leseratten :D
Fühlt euch willkommen bei meiner Geschichte. Die Story wird sich teilweise an den Verlauf und Ereignissen des Spiels orientieren. Selbstverständlich KANN einiges OC rüberkommen, was aber normal ist ^-^ Ich bemühe mich, vieles diesbezüglich in Grenzen zu halten. Ich hoffe euch gefällt die Geschichte, wozu ich versucht bin wöchentliche Kapiteluploads durchzuführen :) Naaaaaatürlich freue ich mich über eure wertvollen Anregungen, Fehlerfunde und Meinungen - wenn ihr euch dazu herab begeben könntet :D Und nun, viel Vergnügen und bis bald! *chips, schoki & limo dalass*






Kapitel 1
Die Wege, die uns leiten.. oder von denen wir abweichen

Croyden
Völlig außer Atem kam Evie am Bahnhof von Croyden und bei ihrem lässig auf einem Stapel Kisten sitzenden Bruder Jacob an.
,,Will ich wissen, weshalb gerade ein ganzes Forschungsgelände explodiert ist?“ Jacob sah auf und musterte seine Schwester, die nach Luft rang. Evie stützte sich mit ihren Händen auf ihren Oberschenkeln ab und war gewissermaßen noch froh, es da raus geschafft zu haben.
,,Explosion? Welche Explosion meinst du nur?“, wich der andere Zwilling der Frage unschuldig aus. Jacob schnaufte.
,,Evie...“, tadelte der junge Assassine rau, während seine Schwester erklärte:
,,Das Eden-Artefakt explodierte und das ganze Labor gleich mit. Das war haarscharf!“
,,Welch Schock, dass ein magischer, hyperbolischer Metallbrocken explodieren kann.“ Jacobs Sarkasmus war nicht zu überhören, während er sich abstieß und grinsend auf seinen Füßen landete.
,,Du wusstest die Splitter nie zu schätzen, was aber nicht heißt, dass...“

,,So, so. Die Mission lief also nach Plan, wie?“ Eine Männerstimme näherte sich den beiden Geschwistern und beide wussten sogleich, wer der Mann war, noch bevor sie sich
zerknirscht umdrehten.
,,Abgesehen von einem winzigen Problem.“, gestand Evie und versuchte möglichst unschuldig zu klingen. Der Blick des Mannes wurde härter, ehe er nachhakte, wie winzig dies besagte Problem war.
,,Sie hat das Labor in die Luft gejagt.“, kam Jacob Evie zuvor, ohne einen funken Schuldbewusstsein, weder gegenüber seiner verpetzten Schwester, die seinen Namen knurrte, noch gegenüber dem Mann, der eine Ersatzvaterfigur bei den beiden einnahm.
,,Und du hast einen Zug entgleisen lassen, nicht?“, hielt George Westhouse Jacob mahnend vor, was seiner Schwester eine Genugtuung war und es sarkastisch kommentierte.
,,Ich war lediglich an Bord, als der Zug von den Schienen abkam. Mein Ziel ist eliminiert.“, rechtfertigte der jüngere Zwilling sein Missgeschick mit Nachdruck.
,,Brewster ist auch tot.“, setzte seine Schwester hinterher, in der kleinen Hoffnung, George könne die Fehltritte beider Missionen vergessen und sich auf die erledigten Ziele konzentrieren.
Mit Erfolg. Denn die Gesichtszüge des älteren Assassinen enthärteten und sein Blick wurde zufriedener.
,,Trotz eurer Spielchen waren es dann doch erfolgreiche Missionen – für euch beide.“
,,Und wie sieht es nun mit London aus?“, fragte Jacob George, der daraufhin bewusst schwieg.
,,Wir verschwenden unsere Zeit mit den kleinen, unbedeutenden Aufträgen. Wir könnten in London so viel mehr erreichen! Ich gehe jede Wette ein, dass die Templer gar nichts davon wissen, was wir hier für „erstklassige“ Arbeit leisten. So unwichtig ist das hier!“, spottete der junge Assassine.
Jacob war in Rage. Ihm war dies alles nicht mehr gut genug. Nicht wichtig genug, um etwas nachhaltig bewirken zu können. Unzählige Diskussionen gab es bereits mit George, der seinen Schützling immer davon abriet mit diesem Anliegen vor den Ordensrat zu treten.
,,Jacob, du weißt so gut wie wir alle, dass London seit unzähligen Jahrzehnten fest von den Templern kontrolliert wird. Sie sind für eine Handvoll Assassinen viel zu mächtig. Noch. Hab Geduld.“
Unverständnis machte sich in dem Gesicht des jüngeren Zwillings breit, bevor er sich mit einer abfälligen Handbewegung umdrehte.
,,Aber die Templer sind im Besitz eines neuen Edensplitters.“, klärte Evie schließlich auf.
,,Der einzige, der weiß, wie man sie benutzt und kontrolliert ist nun tot. Sie wissen nicht, wie sie ihn benutzen sollten. Unsere Gemeinschaft wird uns leiten. Euer Vater ist seinen Entscheidungen stets gefolgt und nie vom Weg des Ordens abgewichen.“
George musste seufzen, als die Zwillinge ihm sinnbildlich nicht mehr zuzuhören schienen.
,,Wir sehen uns in Crawley wieder. Ich erwarte euch da.“, stellte George zerknirscht klar und mit diesen Worten war er so unbemerkt und schnell verschwunden, wie er aufgetaucht war.

,,Ja genau. „Hab Geduld“, Schwester.“, spie Jacob verachtend heraus, während im Hintergrund ein Zug zu hören war und beide die Ohren spitzten.
,,Was hält uns auf? London ist mehr als bereit für seine Befreiung. Vergessen wir Crawley. Es gibt dort nichts mehr für uns.“ Jacob war euphorisch und hoffte damit seine Schwester anstecken zu können. Denn Evie war bekannt dafür, dass sie immer moralisch und mit Verstand handelte. Anders als Jacob, der impulsiv und unüberlegt an diverse Angelegenheiten herantrat.
,,Jacob, Vater hätte nie..“ Doch Jacob unterbrach.
,,Ach, Vater.. In London hättest du mehr Möglichkeiten seine Arbeit gewissenhaft fortzuführen. So wie er es sich bestimmt wünschte. Ich bin sicher, er würde es wollen!“
Und Jacob glaubte fest, genau damit seine Schwester bekommen zu haben. Wenn er die Vater-Karte für Argumentationen verwendete war es oft – nicht immer – aber oft wirksam. Evie schien einen Moment zu überlegen.
,,Dabei helfen, dass die zukünftigen Generationen nicht und nie wieder in den Händen der Templer liegen?“ Jacob ihr gegenüber nickte begeistert ab.
,,Hm, Jacob Frye, du könntest Recht haben.“ Erneut meldete der sich nähernde Zug im Hintergrund mit doppeltem Hupen und Jacob breitete fordernd seine Arme aus.
„Wollen wir?“ Evie lächelte sacht.
„Ja!“ Die Abenteuerlust und das Wisen, dass ihre Reise nach London streng verboten war, waren normalerweise wider Evies Natur. Diese rebellische Ader passte wohl besser zu ihrem Bruder. Doch in dem Moment packte sie Jacob am Arm und zog ihn mit sich. Ein kleiner Sprung und die Geschwister standen in einem offenen Güterwaggon des Zuges, der gerade den Bahnhof passierte, bevor sie ein paar Stunden später im Bahnhof von Whitechapel ankamen.


London
Die dichten Regenwolken, die noch in Croyden zu erblicken waren lichteten sich zügig in London und ließen bereits einige Sonnenstrahlen durchblitzen.
,,Guck dir nur diese Menschenmassen an. So was findest du in Crawley nicht.“ Jacob war begeistert, während Evie ebenfalls schmunzeln musste.
,,“Londons wogende See“. Wie Vater es beschrieben hatte. Lass uns Mr. Green ausfindig machen und anfangen zu planen.“, schlug Evie vor.
,,Wer war das noch gleich?“ Jacob klang wenig beeindruckt, doch natürlich fügte er sich.
,,Er ist der Assassine der über London wacht. Hörst du denn nie zu?“, schimpfte Evie genervt. Jacob setzte sich ein unschuldiges Grinsen auf und trat einen Schritt zurück, bevor er von einem kleinen Jungen angerempelt wurde.
,,Oy, pass auf!“, war die überraschte Aussage des jungen Assassinen. Das Kind war eingeschüchtert und bat um Verzeihung, ehe er sich schleunigst aus dem Staub machte und Jacob bemerkte, weshalb.
,,Komm gefälligst zurück du räudiger Dieb!“, brüllte er hinaus, bevor er los spurtete und die Verfolgung aufnahm und damit seine Schwester am Bahnhof stehen ließ. Die Verfolgungsjagd durchzog sich durch die engen und vollen Gassen. So schnell Jacob auch lief, er hatte das Gefühl dem Jungen nicht viel näher zu kommen. Zweifellos wusste das Kind genau um die verschlungenen Wege und Abkürzungen, um einen Verfolger abschütteln zu können und hatte gleichermaßen mehr als nur ein wenig Übung darin, weg zu laufen.
>Wie kann ein Bengel mit so kurzen Beinen nur so verflucht flink sein!<
Jacob rempelte einige Passanten an, die ihm um die Ecken unnötigerweise in die Quere kamen und strauchelte bei den Zusammenprallen gehörig, was den Vorsprung des Kleinen nicht weniger machte. Bei einigen anderen Menschen konnte Jacob die Zusammenstöße verhindern, indem er die Leute geschickt aus seiner Laufrichtung schubste und anrempelte. Als Jacob nach eine gefühlten Ewigkeit um einen Zaun bog, sah er wie der kleine Dieb durch zwei rot gekleidete Männer rannte und um die nächste Biege verschwunden war.
,,Fein, du kleiner Verbrecher, behalte es!“, rief er noch hinterher und zog damit unmittelbar die Aufmerksamkeit auf sich.
„Seht mal! Wen haben wir hier?“, fing einer von ihnen unheilvoll an, während sich beide dem Assassinen näherten.
,,Gesünder für euch, wenn ihr nicht fragt!“, quetschte Jacob zwischen zusammengebissenen Zähnen heraus und ließ seine Fingerknöchel knacken, als einer schon auf ihn losgehen wollte. Es entfachte ein Kampf zwei gegen einen. Jacob blockte den ersten Schlag gekonnt ab und teilte sogleich zwei, drei Mal aus, bis dieser am taumeln war und merkte, wie der nächste zur Pistole griff.
Reflexartig, noch bevor ein Schuss abgegeben werden konnte, wich Jacob zur Seite aus und hörte den Mann Sekunden darauf abdrücken und die Kugel nah hinter sich an ihm vorbei zischen.
Zum Gegenangriff ausholend, betäubte er den noch kampffähigen Gegner und verpasste ihm einen Kinn- und einen rechten Haken, bis dieser sich benommen schüttelte.
Doch Jacob war zu schnell und fertigte beide Rotröcke gleichzeitig ab, indem er dem taumelnden Mann seitlich das Knie wegtrat, dieser zusammensackte und ihm an den Haaren nach hinten reißend den Kopf auf den nassen, dreckigen Kies aufschlug.
Dem anderen brach er zeitgleich mit seinem Ellenbogen die Nase, packte ihm an seinen Arm, drehte ihn herum und trat ihn brutal krachend in den Rücken.
Grinsend betrachtete der Assassine sein Werk und trat über die ausgestreckten Gegner herüber.

,,Fantastisch. Was hat diese Stadt sonst noch zu bieten.“, sprach er mehr zu sich selbst, als an jemand bestimmtes gerichtet. Just in dem Moment kam auch Evie dazu. Gekonnt ignorierend, was ihrem Bruder unter den Füßen lag verschränkte sie die Arme und zog ihre Augenbrauen hoch.
,,Wir haben nicht die Zeit zum trödeln, Jacob. Wir müssen Henry Green finden. Ich wette, ich kann immer noch besser klettern, Bruderherz.“ Arrogant lachte Jacob auf und rannte seiner vorgelaufenen Schwester durch den Hinterhof nach.
,,Nicht mehr seit wir Kinder waren!“ Natürlich war Evie gut im Klettern und genauso gut im Laufen, doch rein Evolutionstechnisch war es Jacob – so war er sich sicher – der immer ein Stück besser war, als seine ältere Schwester.
,,Ich werde trotzdem gewinnen!“, rief Evie siegessicher vor vorne zu ihm. Schnaufend legte Jacob einen Zahn zu und lief direkt auf ein Fabrikgebäude zu, an dessen Seite ein Seilzug angebracht war. Während Evie an dem Gebäude aus rotem Stein vorbei lief und die Straße bevorzugte, steuerte Jacob den Seilzug an, wo er – bei besagtem angekommen – das Seil mit seiner versteckten Klinge durchschnitt und dieses ihn durch das hohe Gewicht in Windeseile zum Dach katapultierte. Es war nicht mehr weit zum Aussichtspunkt.
Nur noch das Dach überqueren, über das gespannte Seil zum eigentlichen Ziel balancieren und dort die kurze Mauer hoch zum zweiten Dach klettern. Auf halbem Weg erkannte er unten seine Schwester, die gerade dabei war erst auf das Vordach von dem Gebäude zu klettern, auf welchem er schon zum letzten Kletterakt angesetzt hatte. Damit war sicher, dass er mal wieder gewonnen hatte und als er noch einen Meter höher das Ziel erreichte und Evie erst Sekunden später eintrudelte stand es sowieso fest.

Siegessicher begrüßte Jacob Evie mit einem frechen Grinsen, welches nur für sie bestimmt war.
,,Nächstes Mal.“, versprach sie dennoch und setzte sogleich wieder an.
,,Und wo befindet sich nun das Geschäft von Mr. Green? Vater hatte es auf der Karte makiert.“
,,Also zum Klarstellen: Wir suchen einen Assassinen namens Henry Green – bei dessen Namen ich mich eigentlich schon nicht mehr halten kann – der in dieser schäbigen Straße ein Geschäft haben soll und welcher, wie du behauptest, „Der Wächter von London“ sein soll?“
Jacob machte sich einen Spaß daraus, die wenigen Fakten, die er hatte durch den Kakao zu ziehen und seine Schwester damit den Nerv zu rauben, wobei er Evies Behauptung unterstreichend  mit Gänsefüßchen versah. Augenrollend ermahnte ihn die junge Assassinin, sich doch gefälligst nicht so herablassend zu äußern. Beschwichtigend hob Jacob die Arme auf und ab.
,,Ich meine ja nur. Wenn er der „Wächter von London“ ist, dann wären wir erstens nicht hier und zweitens macht er dann seinen Job hundsmiserabel.“ Jacob brach in Gelächter aus, wobei Evie bereits ausholte, um ihren Bruder eine überzuziehen, doch sie stoppte in ihrem Tun, als sie im Augenwinkel etwas sah. Ein junger, braunhäutiger, schwarzhaariger Mann in Assassinenkluft betrat das Dach, auf dem sich die Geschwister befanden. Ebenso wie seine Schwester vor ihm drehte sich auch Jacob um. Nachdem er seine, auf den Schlag Evies vorbereiteten schützenden Arme senkte.
,,Es ist für einen Einzelnen schwierig gegen eine Stadt anzugehen, die sich dem Terror verschrieben hat.“
Der offensichtliche Assassine, der einen indischen Akzent an den Tag legte, antwortete ungebeten auf die mehr oder weniger herablassenden Vorwürfe Jacobs von vor ein paar Sekunden.
,,Zwei Assassinen. Ungefahr der gleichen Größe. Eine Frau, ein Mann..“ Er sah abwechselnd zu den Geschwistern, während er seine Aufzählung fortführte.
,,.. anfang zwanzig und etwas teuflisches in den Augen blitzend. Sie müssen die Frye-Zwillinge sein.“, schlussfolgerte der Mann vor ihnen. Seine Stimmlage war weich und klang herzlich.
,,Und sie sind dann..?“, verlautete Evie ihre Frage und verlangte misstrauisch nach Antwort.
,,Mein Name ist Henry Green, zu Diensten. Mein Beileid zum Tode ihres Vaters.“ Jacobs Auge zuckte kaum merklich bei der Anmerkung von Henry wohingegen Evies Lippen ein stummes Danke formten.
,,Was können wir über Crawford Starrick erfahren?“, unterbrach Jacob barsch das Schweigen, welches ihm zu wider war.
,,Wünscht der Rat also Informationen?“, fragte Henry daraufhin und ein Hauch von Skeptsis legte sich in seine Frage.
,,London muss geholfen werden, um eine bessere Zukunft für alle zu garantieren.“ Evie stellte sich neben ihren Bruder.
,,Ein Glück ist der Rat zur Einsicht gekommen und schickte euch zwei.“
,,Ja, ein Glück.“, murmelte Jacob sich seiner Schwester zuwendend. Beide wissend, dass auf keinen Fall durchsickern durfte, dass sie ohne Wissen des Assassinenrates in London eingereist waren.
Henry Green erzählte den Beiden, dass Starrick bereits ganz London unter sich hatte. Er beherrschte und befehligte die Gangs, die Bezirke, die Armen und die Reichen. Jede Industrie kontrollierte er und einige Wenige, die sich weigerten in Ausbeutung zu leben und sich gegen seine Machenschaften stellten wurden getötet. Jacobs Ohren klingelten heftig.
,,Ich bin der geborene Gangboss. Knallhart, aber fair. Jeder trägt Uniformen. Und ich kann alle Außenseiter, die Mut in den Knochen haben, vereinen. Wir brauchen einen Namen. Wir ziehen sie alle auf unsere Seite Evie!“
Jacob war Feuer und Flamme. Mit seinem Plan eine Gang ins Leben zu rufen, war er sich sicher, so auf den Straßen in Lichtgeschwindigkeit für Ordnung sorgen, und Starrick das Handwerk legen zu können.
,,Ja, super Idee. So in etwa wie du die Kartenspieler aus Oatbrook mit in den Fluss gezogen hast?“, spottete Evie, genervt von den albernen Ideen ihres jüngeren Bruders.
,,Ach, das war was ganz anderes, sie schlugen mich im Spiel. Lass es auf dich wirken, Evie. Wir nennen uns „The Rooks“.“, fidelte Jacob hoheitsvoll und rang die Arme in die Luft. Evie, die dasselbe ebenso gespielt tat, fielen die Arme kopfschüttelnd runter bei dem dämlichen Gangnamen, den ihr Bruder sich ausdachte.
,,Ist das wirklich dein Ernst?“
,,Irgend 'ne bessere Idee von dir?“, seufzte Jacob gedämpft.
,,Ja! Den E-d-e-n-s-p-l-i-t-t-e-r finden!“, diktierte Evie erbost, wobei Jacob verstädnislos auflachte und die Diskussion zu dumm fand, um diese noch weiter zu führen. Um die Situation ein wenig deeskalierend entgegen zu wirken, schlug Henry vor sich erstmal einen Überblick zu verschaffen und auf den Turm vor ihnen zu klettern. Jacob ließ sich nicht zweimal bitten und erklamm den Turm geschwind, unter ihm Evie und Henry zum Schluss. Die drei hockten sich in Position und ersahen einen Teil des Elends von Whitechapel.

,,Seht nur, was Starrick London antut. Whitechapel riecht nur so vor Verbrechen. Es gibt Kinderarbeit überall, trotz der Gesetze. „The Blighters“ eine halsbrecherische Gang kontrolliert die Straßen und die Templer ziehen im Hintergrund die Fäden. Betroffen ist jedes Stadtteil. Von Southwark bis Westminster, von Lambeth zur Themse. Wir müssen die Stadt den Menschen zurück geben, die sie erbaut haben.“, erzählte Henry betrübt und sah hinaus auf die Straßen, Gassen, Hinterhöfe und Menschen.
,,Wir werden London und die Menschen von Starrick befreien. Sie haben mein Wort, Mr. Green.“, versprach Evie guter Hoffnung und sah ihren Gegenüber worthaltend an.
,,Und die Rooks.“, steuerte Jacob dazwischen, wobei es fast mehr bittend klang.
,,Miss Frye, Sie sind inspirierend. Nun kommt. Kehren wir zu meinem Geschäft zurück, dort bringe ich Sie auf den neuesten Stand.“ Henry ging vor auf und sprang von dem Turm inmitten eines unten stehenden Heuwagens. Jacob tat es ihm gleich und Evie folgte auf dem Fuße.
,,Seien Sie diskret. Kaylock sucht nach mir.“, klärte Green die Zwillinge auf und führte die zwei die Straße runter.
,,Wer soll das sein?“ Jacob klang wenig angetan und wenig interessiert, während er mit seiner Schwester hinter und neben Green her flanierte.
,,Er ist einer von Starricks Gang-Anführern.“, erklärte Henry und man hörte genau, wie viel Verachtung in diesem kleinen Satz mit schwappte.
,,Er ist hinter meiner Forschung des Vorläufer-Artefakts her.“
,,Dem Edensplitter.“, hauchte Evie feststellend heraus.
,,Was muss man über „The Blighters“ wissen?“, fragte Jacob schließlich um das Thema in eine für ihn interessantere Richtung zu lenken.
,,Starrick brauchte eine Armee, deshalb versammelte er den Abschaum der Unterwelt. Einige wollten dies nicht tolerieren und wurden regelrecht abgeschlachtet. Die „Clinkers“ aus Whitechapel sind die letzten, die übrig blieben. Aber für die Blighters sind sie keine Bedrohung.“
,,Dann sollten wir uns diese Clinkers mal ansehen, oder? Sowas brauchen wir.“, stellte Jacob schnell fest.
,,Das ist nicht dein Ernst, Jacob!“, blaffte Evie dazwischen. Nicht glaubend, dass ihr Bruder sich diese Idee wirklich so zu Herzen nahm.
,,Sie sind bereit sich gegen die Blighters zu stellen. Das ist meine Chance einzugreifen! Aufgepasst London, hier kommen die Rooks!“
Bevor auch nur einer eventuell was dagegen erwidern konnte, rannte Jacob bei der nächsten Ecke in einen älteren Mann rein, der sogleich viele Papiere fallen ließ. Verärgert äußerte sich der Mann über den fehlenden Anstand heutzutage.
,,Ja, ist mir aufgefallen.“, motze der junge Assassine verstädnislos antwortend.
,,Verflucht! So werde ich nie fertig!“, beklagte sich der Mann, als er sich die Papiere in den Händen stapelte. Er stoppte jedoch und sah hinauf in den Himmel.
,,Nur die Vorsehung weiß, wohin es diese Worte nun verschlägt.“ Irritiert blickte Jacob auch gen Himmel, während der Mann philosophierte und so vertieft schien.
,,Ich muss mich sputen und sie ersetzen.“ So setzte der alte Mann sich in Bewegung und trabte zu Evie und Henry, jedoch nicht ohne den dreien eine Einladung zukommen zu lassen.
,,Sollte den Herrschaften der Sinn nach einer Geschichte stehen, finden sie mich dort wo das Ale warm und die Gemüter heiß sind. Tataa.“ Und mit diesen Worten wand sich der Mann um und kehrte in den Pub neben ihnen ein.
,,Seltsamer Vogel.“, äußerte sich Jacob. Jedoch erklärte Green:
,,Das, Mr. Frye, war Charles Dickens. Er kennt einfach alles und jeden in London. Und wenn ich Sie wäre, würde ich diese Verbindung nutzen.“
Henry sah sich um und erblickte auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwei Gestalten, die auf die Assassinen zeigte. Die Frau lief eilig davon, als der breite Mann ihr etwas zuflüsterte. Henrys Alarmglocken schlugen aus.
,,Kaylocks Gang ist hier. Sie dürfen nicht wissen, wo der Laden ist.“
,,Wir werden sie in die Irre führen.“, beschloss Evie und Henry kramte in seinen Taschen, um die Zwillingen zwei Pistolen in die Hände zu drücken.
,,Nehmen Sie das. Die könnten Ihnen helfen.“
,,Da bin ich sicher.“, versicherte Jacob und grinste schlemisch beim Anblick der markanten Knarre.
,,Und nehmen Sie meine Kutsche!“, rief Henry und war um die nächste Ecke verschwunden. Die Geschwister machten sich sofort auf den Weg und stiegen einige Meter weiter auf die Kutsche auf, während Jacob einige Schüsse abfeuerte, um die sich nähernden Blighters auf sich aufmerksam zu machen. In Windeseile wurden sie von zwei bemannten Kutschen verfolgt, die keine Scheu hatten, die Assassinen zu rammen und vom Weg abkriegen zu wollen.
Evie startete ein Gegenmanöver und zog die Zügel der Pferde stramm nach links und rechts, trieb die Pferde an, die dadurch die gegnerischen Verfolger rammten und eine von ihnen an der nächsten eckigen Hauswand zerbarst. Um die andere versuchte sich Jacob zu kümmern. Er stieg aufs Dach, während der Schütze unweigerlich versuchte ihn mit seinen Schüssen zu treffen. Aus der Deckung heraus, gelang es Jacob einen Schuss freizusetzen der dem Fahrer genau durch seinen Kopf ging.
,,Das nenn' ich Teamwork.“ Jacob schob sich zurück auf den Fahrersitz.
,,Lass uns dann jetzt zu Mr. Greens Geschäft aufbrechen.“, forderte Evie und gab den Pferden die Richtung an, indem sie die Zügel leicht nach links zog. Einige Minuten und Diskussionen mit Jacob später, weshalb der übrig gebliebene Orden unter seiner Leitung aussterben würde und er deshalb niemals zum Meister ernannt würde, kamen die zwei bei Green's Curiosity Shop an.

,,Alles erledigt, Greenie.“, platzte es stolz aus Jacob heraus, stockte und sah sich in dem merkwürdigen Laden um, während er unweigerlich die Augenbrauen anziehen musste.
>Allerdings ein kurioses Geschäft.
,,Sehr gut. Hier sehen Sie.“, er deutete auf den Tisch vor ihm.
,,Im Laufe der Jahre gelang es mir einige Verbindungen zu schließen.“
,,Vielversprechend. Wir werden gezielte Hilfe..“
,,Gezielte Hilfe?“, schnaubte Jacob uneinsichtig. ,,Wir übernehmen die Gangs und verkleinern so Starricks Einfluss.“
,,Du siehst nur so weit, wie deine Nase lang ist, Jacob. Starrick hat überall seine Finger drin. Wir müssen dasselbe tun.“
,,Ganz richtig. Und deswegen brauchen wir die Rooks!“
Um Ellenlange Diskussionen möglichst du vermeiden, lenkte Henry ein. Er erklärte, dass er einen Vertrauten bei der Polizei habe, der nützlich sein dürfte. Er schlug vor, ebenso Kinder einzusetzen, da sie unbemerkt alles und jeden ausspionieren konnten. Jacob rümpfte die Nase, als Henry von Kindern sprach. In seinen Augen hatten Kinder nichts mit solchen Unterfangen zu schaffen und waren deshalb für Jacob alles andere als notwendig.
Henry stellte Clara O'Dea vor und beteuerte ihre Clevernis. Dann deutete er auf einen Steckbrief von Rexford Kaylock und erzählte, dass der Gang-Anführer bekannt war, vor allen Augen verschwinden zu können. Zuletzt übergab Henry den Geschwistern einen kleinen Zettel, woran ein kleines Bild geklemmt war.
,,Sie sollten sich dieses Templer-Ziel bei Gelegenheit mal ansehen. Und nun, passen Sie auf sich auf. Es ist gefährlich dort draußen.“
Jacob grinste verwegen und nahm sich den Zettel aus den Händen seiner Schwester vor.
,,Machen Sie sich mal keine Sorgen, Greenie. Schlägertypen empfange ich mit offenen Armen.“, war Jacobs sicherer Ausruf, bevor er sich nickend umdrehte und mit seiner Schwester den Laden von Henry Green verließ.
Den selben Tag verbrachten die Geschwister damit, Frederick Abberline aufzusuchen, von dem sie sogleich den Auftrag bekamen Homer Dalton gefangen zu nehmen und dem Seargant an einem entlegenen Ort zu übergeben. Mit Clara O'Dea sprachen sie als nächstes. Nachdem Clara durchaus schwerer als erwartetet aufzufinden war, informierte das Kind aus der Babylon Alley die Zwillinge von dem Leid der Kinderarbeiter und bat, diese für besondere Gegenleistung zu befreien.

,,Ein kleiner Gefallen, also.“, knurrte Jacob verärgert, als Clara die zwei so professionell abgefertigt hatte und Evie die erste Kinderbefreiuung in die Hände nahm.
,,Wir sehen uns danach. Und sei nicht eingeschnappt, jetzt bin ich mal dran!“, grinste die ältere ihren Bruder an, der beledigt neben ihr her ging. Als einige Stunden später die Arbeit von Evie erledigt war und sie Jacob ausfindig machte waren die Zwillinge sich einig, der letzte Ereignis zusammen zu bewältigen.
,,Es geht darum ein Blighters Lager zu infiltrieren, ohne dabei gefangene Clinkers in Gefahr zu bringen. Das erfordert Diskretion. Jacob..“, mahnte Evie an ihren Bruder gerichtet, der nun unschuldig abwank.
,,Ich schwöre..-“, zog er in die Länge. ,,... mit Diskretion vorzugehen und keinen in Gefahr zu bringen, bla bla..“ Jacob malte sich ein Kreuz auf die Brust, um seinen Schwur zu unterstreichen, während Evie die Augen rollte.
,,Na dann, los.“
Das Quartier war nicht weit entfernt und als beide ankamen und sich auf den Dächern einen Überblick verschafften, teilte sie ihre Aufgaben auf.
,,Du schaltest einige von dieser Seite des Daches aus und ich werde zur anderen gehen. Denk dran: Niemand darf dadurch aufmerksam gemacht werden.“, murmelte Evie, als sie schon dabei war sich in ihre Position zu begeben.
Es waren zehn Blighters anwesend und nur ein paar der Clinkers.
>Das dürfte kein Problem werden.
Wurfmesser wurden angesetzt und abgeschossen, als einige einzelne dumm genug waren außerhalb der Gruppe zu marschieren, wo niemand etwas mitbekam. Schneller als gedacht waren die Rotröcke erledigt und die Clinkers befreiten sich gegenseitig.
Die Gang-Fahne wurde unter tosendem Applaus verbrannt, bis jemand das Gelächter und Gejubel strickt unterbrach und sich Rexford Kaylock mit einigen Anhängern näherte. Und sogleich, ohne es zu wissen, befanden sich die Assassinen in dem Bandenkrieg von Whitechapel. Ein Kutsche fuhr vor aus der ein Mann austrat mit Zylinder und Frack, der auf die Zwillinge und die Clinkers zukam.
,,Mr. Kaylock hat ihre Drohung akzeptiert und seinen Zug auf den Kampf gesetzt.“, erklärte der Mann, der sogleich wieder in seine Kutsche stieg und davon fuhr. Irritiert musterten sich die Geschwister und den Feind gegenüber von ihnen.
,,Ihr tretet wohl gerne den falschen Leuten auf den Schlips, ich wäre da vorsichtig.“, fauchte der großgewachsene, breitgebaute Mann vor ihnen und ging umher, wie eine Raubkatze, die versuchte ihre Beute einzuschüchtern.
,,Den übernehme ich!“, rief Jacob seiner Schwester hinter, als er sich an den Fersen von Kaylock hing, der unmittelbar auf das nächste Dach verschwand. So schnell wie er war, kam Jacob kaum hinterher. Er konnte nur seine Adleraugen einsetzen, um heraus zu kriegen, wo lang er als nächstes wollte und ihn dort abfangen. Genau so verlief es auch. Jacob war nun unmittelbar hinter Kaylock, als dieser vom Haus auf die Straße sprang und Jacob einige Wurfmesser in seine Richtung abwarf, um den Mann ins Stocken zu bringen.
Den Vorsprung des Gegners aufgeholt bearbeitete Jacob Kaylock gnadenlos, doch er war zäh und teilte genau so gut aus, wie er einstecken konnte. Bis Rexford seine Waffe zog und auf den Assassinen zielte. Geschickt konnte Jacob dem Schuss ausweichen.
>Was du kannst, kann ich schon lange.

Als Kaylock unvorsichtig war, zog Jacob seine ihm von Green geschenkte Pistole und schoss mehrmals hintereinander auf Kaylock ein. Jedoch konnte Rexford sich von einem zu anderen Augenblick retten, in dem er den Arm gen Himmel streckte und etwas herausgeschossen kam, dass ihn von dem Platz mit Jacob davon trug. Dies tat er immer wieder, um von Dächern und Häusern zu wechseln und voran zu kommen, bis er schließlich an der Whitechapel Station ankam, wo das Abenteuer von Jacob und Evie erst am Vormittag begann.
,,Verdammter Feigling!“, schimpfte der Assassine bellend und nahm die Verfolgung nur widerwillig auf, doch während er einige Zeit später ankam, erwartete ihn Kaylock schon mit einer Handvoll seiner brutalsten Schläger.
,,Da bist du ja endlich, du hast mich warten lassen!“, spottete der Gang-Anführer, als er auf dem Dach seines langsam vorbeirollenden Zuges stand und mit einer Handbewegung seine Schläger auf Jacob hetzte.
,,So wie du kämpfst, kann es jeder, der nicht Manns genug ist!“, verurteilte der junge Assassine, als er ein paar Männern am Boden entwischte und direkt den Zug nahm, um auf selbigen zu springen.
,,Eins gegen eins, was Kaylock? Jetzt zeig mir, was in dir steckt!“, forderte Jacob hart und stürmte auf Kaylock zu, während er gleichzeitig einigen Männern beim Vorbeilaufen gehörige Tritte verpasste und diese vom Zug fielen.
Wie in Trance befanden sich nur sie selbst in Jacobs Fokus, bereit herauszufinden, wer der besser Kämpfer Whitechapels war. Erneut zogen beide Rivalen ihre Knarren und zielten auf sich. Jacob konnte zuerst schießen. Er war treffsicherer als sein Gegenüber, der zu lange zum anvisieren brauchte. Deshalb feuerte Jacob alles ab, was ihm gegeben war und schmiss sich nach Ende des Magazins auf Rexford um ihn hinzurichten.
Jacob zeigte keine Gnade. Er brach ihm die Arme, zertrümmerte ihm die Gelenke in den Beinen, schlug ihn grün und blau. Wenn Jacob in Rage war, wurde ein Monster in ihm entfesselt. Er schlachtete seine Gegner buchstäblich ab, so wie er es auch mit Kaylock tat und seine leblosscheinende Leiche gnadenlos vom Zug schmiss – vor den Füßen seines Gefolges.
Im Augenwinkel fiel Jacob die merkwürdige Konstruktion auf, die Kaylock vorher bei sich trug und nun auf dem Zugdach lag. Sie schien kaputt gegangen zu sein, doch das störte ihn wenig, als er das eigenartige Gerät betrachtete und kurzerhand für seins erklärte. Seiner Schwester und ihm gehörte nun übrigens der Zug des Gang-Bosses, was ihm auch mehr als eine Genugtuung war.
Als Evie mit den Clinkers dazu kam, forderten die Geschwister den Rest feindlicher Blighters auf, sich ihnen anzuschließen.
,,Die, die es nicht vorhaben bekommen nur einmal die Gelegenheit zu fliehen! Der Rest arbeitet von Heute an für uns!“, rief Jacob herrschaftlich heraus und wurde empfangen von nickenden Köpfen, Jubel und Achtung. Den Meisten war klar, dass es besser war sich anzuschließen und etwas unternehmen zu können, als zu fliehen und sowieso sterben zu müssen.

,,War doch ein guter Anfang, findest du nicht?“, fragte er schmunzelnd seine Schwester, der er folgte und in den Zug eintrat.
,,Geräumig und eigentlich gemütlich, oder was denkst du, Jacob?“ Ihr Bruder holte gerade Luft zum Antworten, als eine Frauenstimme sie unterbrach.
,,Eher werfe ich mich vor den fahrenden Zug, als meine Bertha noch eine Meile für diese Bastarde zu fahren.“ Eine rundlichere Frau saß auf dem Sofa des Waggons in den die Assassinen stiegen.
,,Kaylocks Zug hat den Bahnhof verlassen.“, erklärte Jacob stolz und begann die Frau vor ihm zu mustern.
,,Ach.“, prustete die Dame aus. ,,Hat man da noch Töne. Und ihr zwei Hübschen seid?“
,,Mein Name ist Evie Frye. Und das ist mein Bruder Jacob.“, stellte Evie sich und ihren Bruder charmant vor, bevor Jacob symbolisch seine Mütze zog und nickte.
Die Frau erhob sich und klopfte sich die Hände auf ihrem Kleid ab.
,,Sehr erfreut. Agnes MacBean mein Name.“
,,Entzückt.“, säuselte Jacocb zuckersüß und fing sich Evies Ellenbogen in seiner Seite ein.
,,Und ich war der Annahme befördert zu werden. Jetzt bin ich wohl arbeitslos, hm?“, stieß Agnes geknickt heraus, doch Evie bot ihr an, einfach für die Fryes zu arbeiten.
,,Kriegt ihr es hin, mehr zu zahlen als schlechte Küchenreste?“
,,Ah, gerade so.“, versicherte der jüngere Zwilling mit einem schiefen Grinsen.
,,Fein.“, stieß Agnes hervor und klatsche in die Hände. ,,Ich präsentiere Agnes und Bertha. Lady und Lokomotive. Wir stehen zu Diensten.“ Agnes verbeugte sich schauspielernd, als auch Henry dazu kam.
,,Ich bin dann mal bei der Arbeit.“ Und während Henry mit einer Kiste voller Bücher hereintrat, Jacob dabei anrempelte und sich Agnes verdrückte, konnte man die Begeisterung in seinen Augen kaum ignorieren.
,,Wie praktisch! Ein Versteck auf Schienen.“, erfreute sich der Inder an dem neuen Versteck und stellte seine Kiste ab. Jacob brummte derweil, dass Green ihm keines Blickes nach dem anrempeln würdigte und drückte sich deshalb an ihm und seiner Schwester vorbei, um seine neueste Errungenschaft zu inspirieren.
,,Ja, es war erstaunlich einfach. Dann können wir nun endlich die Spur von..“ Evie stoppte.
,,Jacob?“ Angesprochener drehte seinen Kopf der Schwester hinter sich zu.
,,Das ist wichtig.“, erläuterte sie.
,,Ich rühre keinen Muskel, solange das nicht repariert wurde.“, murrte der Assassine unzufrieden und widmete sein Interesse wieder dem Pistolenähnlichen Gegenstand.
,,Ich denke, ich kenne genau den richtigen für solche Aufgaben.“, ließ Henry verlauten und lächelte sacht. Jacob schlich ein teuflisches Grinsen in den Mundwinkel, während er seine Augen einen Spalt verengte.
,,Da bin ich mir sicher, Greenie.“, raunte Jacob heiser und ließ sich geschmeidig auf einem großen Sessel nieder.
,,Agnes.“
,,Ignoriere ihn am Besten. Das erspart dir die Kopfschmerzen.“, witzelte Evie an Henry gerichtet, der die Aussage Jacobs nicht gut zu deuten schien.
,,Im Grunde seines tiefdunklen Herzens kann er auch mal nett sein.“ Evie lächelte aufmunternd und machte sich ran die Bücherkiste auszuräumen.
,,Donnerblitz!“, fluchte Agnes, als sie Jacobs Rufen nachkam.
,,Keine fünf Minuten schippe ich Kohle in den Kessel und werde unterbrochen.“ Jacob auf dem Sessel streckte sich indess und gähnte genüsslich.
,,Sag mal, wie viele Schlafabteile hat Bertha?“, fragte er ohne Umschweife und linste durch ein halb geöffnetes Auge zu Agnes, die sich den Nasenrücken rieb.
,,Jacob!“, fauchte seine Schwester perplex. ,,Sieh gefälligst selbst nach!“
,,Das einzige, was ich mir jetzt ansehen werde ist die Gegend.“, seufzte ihr Bruder schwermütig und begann raus zu dackeln, um vom Zug zu springen.
Es war noch nicht allzu viel Zeit die verstrichen war, während ihres Aufenthaltes in London. Doch in die wenigen Tagen lebten sich die Geschwister mehr und mehr im Zugversteck ein, kämpften und  stritten über die besten Abteile und gingen Spuren nach, die ihnen ihre Sympathtisanten zuflüsterten. Jacob verbrachte häufig und gerne seine Freizeit in diversen Kampfclubs und stichelte einen neuen Bekannten, Robert Topping, dazu an, die Wetten in die Höhe zu treiben. Evie tat so, als hätte sie keine Freizeit. Denn zwischen Aufträgen vergrub sie ihre Nase in unzähligen Büchern, die Henry mitbrachte, um sich so mit ihm beratschlagen zu können.


Crawley
George saß vertieft über seinen Papieren am Schreibtisch seines Hauses in Crawley. Es war zum Haare raufen. Er hätte Evie und Jacob schon längst hier antreffen müssen. Natürlich hatten sie nicht auf ihn gehört, was auch sonst. George kam nicht umhin den Kopf zu schütteln und zu hoffen, dass sie in keinen Schwierigkeiten steckten. Und so war es, dass George das Klopfen an seiner Tür gar nicht vernahm. Sein Kopf über dem schweren Papier gesenkt, auf Händen abgestützt und selbiger voller Grübeleien.
,,Na, worüber denkst du schon wieder nach?“, fragte hinter ihm eine Frauenstimme und erst jetzt bemerkte er, dass sich zwei Arme um seine Schultern gelegt hatten. Schwerfällig hob George seinen Kopf und ließ ihn nach hinten fallen, woraufhin er einen vorsichtigen Kuss auf die Lippen erhielt und beide genussvoll seufzten.
,,Es sind nur.. die Fryes. Sie haben sich nicht mehr sehen lassen, geschweige denn sich abgemeldet. Ich fürchte das Schlimmste.“ George konnte nicht anders und rieb sich die Stirn, während er sich auftat und die junge Frau musterte, die zuvor noch ihre Arme um ihn gelegt hatte.
,,Was hast du in der Hand?“, fragte er ansetzend, ohne seinen Blick von ihr zu nehmen. Die Frau holte zögerlich einen Brief hervor, der mit einem Klecks rotem Wachs versiegelt war. Bei genauerem Hinsehen war das erkaltete Wachs mit einem Assassinen-Stempel eingedrückt worden.
,,Ein Brief vom Orden. Er kam vorhin an.“, erklärte die Grünäugige, woraufhin sie George den Brief übergab und er ihn sogleich öffnete. Geduldig ewartete die Frau eine Reaktion um lesen zu können, was möglicherweise in dem Brief stand. George' Kiefer spannte sich an und sein Blick wurde starr. Verärgert zerknüllte er den Brief und warf ihn gegen die Wand, an die der Brief abprallte und leise zu Boden ging.
,,Gute Nachrichten?“, spottete die Brünette belustigt und verschränkte die Arme vor ihrer Brust.
,,Sie sind dort.“, antwortete George verbissen und sammelte schnurstracks einige Sachen zusammen. Ein Augenbrauenzucken ihrerseits war die Folge, bevor er weiter sprach:
,,Mach dich bereit. London erwartet uns.“
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