Die Stadt auf dem Seerosenblatt

GeschichteFantasy / P6
12.03.2019
26.04.2019
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Die Geschichte vom gestohlenen Ring


Sebastian hatte eigentlich beabsichtigt, Herrn Schmidt schon am frühen Vormittag zu besuchen, dabei aber nicht mit seiner Mutter gerechnet, die sich während des Frühstücks zugleich an ihn und an Sven wandte: „Ihr beiden könnt mir heute einen großen Gefallen tun.“
„Und was sollen wir machen?“ fragte Sebastian.
„Es wäre sehr nett, wenn ihr den Einkauf erledigen würdet, da ich heute ein wenig saubermachen wollte. Ich habe schon auf einen Zettel geschrieben, was ich brauche. Es ist eine ganze Menge, aber zwei starke Jungen schaffen das bestimmt!“
Sebastian dachte kurz darüber nach, ob er erwidern sollte, daß nur ein starker Junge, nämlich Sven, am Tisch saß, entschied sich aber dagegen, und so gab er seiner Mutter lediglich die Antwort: „Dann machen wir das natürlich.“ Er war zwar nicht sehr begeistert davon, zusammen mit Sven einzukaufen, wollte aber seiner Mutter auch nichts abschlagen.
Sven sah ebenfalls nicht gerade erfreut aus, fügte sich aber gleichermaßen in sein Schicksal.

Sie brachen unmittelbar nach dem Frühstück auf, liefen durch einige Nebengassen und erreichten dann einen Wanderweg, der durch ein Landschaftsschutzgebiet führte; sie hätten auch die Hauptstraße entlanggehen können, zogen aber den Wanderweg vor, obwohl er eigentlich ein Umweg war - dafür blieben sie dort aber vor den Abgasen der Hauptstraße verschont.
Zirpende Grillen und zwitschernde Amseln begleiteten sie auf ihrem Weg; die meisten Vögel sangen schon lange nicht mehr, doch die Amseln ließen auch jetzt im Juli immer noch ihre Lieder ertönen. Nach einer Weile erreichten sie einen Weiher, und Sven las daraufhin einen flachen Stein auf, den er anschließend warf und auf dem Wasser springen ließ. Sven konnte dies ziemlich gut, und so prallte der kleine Stein auch fünfmal von der Wasseroberfläche ab, bevor er unterging.
Sven drehte sich um und fragte Sebastian grinsend: „Wollen wir mal sehen, wer von uns einen Stein häufiger auf dem Wasser springen lassen kann?“ Sebastian war bei weitem nicht so gut darin, Steine auf dem Wasser hüpfen zu lassen wie Sven, und Sven wußte das natürlich auch ganz genau. Svens Grinsen wurde noch breiter, als er hinzufügte: „Wer verliert, muß sich morgen früh auf einem Bein in den Garten stellen und ganz laut dreimal Kikeriki rufen!“
Sebastian überlegte, was er darauf antworten sollte: wenn er sich auf einen Wettstreit einließ, war es so gut wie sicher, daß er verlieren würde und am nächsten Morgen im Garten herumkrähen mußte; wenn er ablehnte, würde Sven ihn als Feigling hinstellen. Trotzdem erschien ihm dies zunächst als das geringere Übel; doch dann fiel ihm wieder der Ring ein, den er sich am Morgen in die Hosentasche gesteckt hatte, und als Sven gerade nicht hinsah, zog er heimlich den Ring aus der Tasche und steckte ihn an; sobald er das kühle Metall an seinem Finger spürte, erschien es ihm als Kleinigkeit, einen simplen Stein ein wenig auf dem Wasser tanzen zu lassen. Trotzig erklärte er: „Ich bin dabei!“
„Wie du willst“, erwiderte Sven. „Ich freue mich schon auf morgen früh!“ Damit las er einen Kiesel von geeigneter Form auf und warf ihn mit einer geschickten Handbewegung auf die Oberfläche des Weihers, und diesmal vollführte der Stein sogar sechs Sprünge, bevor er versank. Sebastian war klar, daß er das kaum übertreffen konnte; eigentlich sprach sogar alles dafür, daß er unterliegen würde, denn die von ihm geworfenen Steine hatten noch nie mehr als drei Hüpfer vollführt. Trotzdem war er guter Dinge, als er nun seinerseits einen Stein aufhob und zu seinem Wurf ansetzte. Er warf den Stein und verfolgte mit ungläubigen Blicken, wie dieser immer wieder hochsprang: nach dem dritten Aufprall ging der Stein immer noch nicht unter, sondern sauste weiter über das Wasser des Weihers; dann prallte er noch ein viertes Mal ab, ein fünftes und schließlich sogar ein sechstes Mal - erst dann ging er unter.
Eine ganze Weile sagte keiner der beiden Jungen etwas, bis Sven schließlich mit immer noch fassungsloser Miene das Schweigen brach: „Auch sechsmal. Also unentschieden. Vielleicht sollten wir es dabei lassen...“
„Hast du Angst, daß ich dich sonst schlagen könnte?“ fragte Sebastian etwas spöttisch.
„Unsinn, ich bin nur nett und erspare dir eine Niederlage“, behauptete Sven. „Das war bestimmt ein Glückswurf.“
Da Sebastian insgeheim auch dieser Ansicht war, beschloß er, es dabei zu lassen und sein Glück nicht noch mehr herauszufordern. Obwohl der Gedanke eigentlich absurd war, hatte er doch den Verdacht, daß er seinen großartigen Wurf dem Ring an seinem Finger zu verdanken hatte - und gerade dies hielt ihn von einem weiteren Versuch ab: vielleicht wirkte der Ring nur einmal auf solche Weise? Daher antwortete er nur: „Also gut. Dann bleibt es beim Unentschieden, und keiner von uns muß morgen im Garten krähen.“ Während er dies sagte, zog er den Ring schnell wieder ab und verstaute ihn in seiner Hosentasche. Anschließend setzten sie ihren Weg fort und besorgten im Supermarkt die Artikel, die Sebastians Mutter aufgeschrieben hatte.

Nach diesem sonderbaren Erlebnis brannte Sebastian noch mehr darauf, Herrn Schmidt den goldenen Ring zu zeigen. So lief er schon kurz, nachdem er und Sven vom Einkauf zurückgekehrt waren, zu seinem Freund, der sich diesmal in seinem Haus aufhielt und gerade den Fernseher laufen ließ, den er jedoch abschaltete, nachdem Sebastian ins Wohnzimmer eingetreten war.
„Ich lasse den Fernseher eigentlich nur laufen, um eine menschliche Stimme zu hören“, sagte Herr Schmidt und fragte anschließend: „Aber nun höre ich ja dich. Hast du schon in das Buch hineingeschaut?“
„Bisher noch nicht“, gestand Sebastian. „Ich bin auch nicht deshalb gekommen, sondern weil ich Ihnen einen schönen Ring zeigen wollte, den ich gestern gefunden habe.“ Damit holte er den Ring aus der Hosentasche seiner kurzen Jeans heraus und überreichte ihn Herrn Schmidt.
Herr Schmidt sah sich den Ring lange Zeit an, ohne zu antworten. Schließlich murmelte er leise, wobei er mehr mit sich selbst als mit Sebastian zu sprechen schien: „Ich hätte nicht gedacht, ihn noch einmal wiederzusehen, nach all den Jahren...“ Dann fragte er Sebastian: „Wo hast du den Ring entdeckt? In den Kellerräumen der Schloßruine?“
„Woher wissen Sie das?“ erwiderte Sebastian zunächst erstaunt, doch dann begriff er: „Sie kennen diesen Ring, nicht wahr?“
„Oh ja, sehr gut sogar, obwohl ich ihn das letzte Mal gesehen habe, als ich in deinem Alter war.“ Herr Schmidt klang dabei sehr müde und sehr traurig.
„Dann ist es also Ihr Ring, und Sie haben ihn in der Schloßruine verloren?“
Wieder antwortete Herr Schmidt zunächst nicht, und Sebastian dachte einen Moment lang, daß sein Freund ihn vielleicht nicht richtig verstanden hätte. Doch endlich erwiderte dieser: „Nein, die Dinge liegen etwas anders. Ich habe den Ring nicht direkt verloren, und er gehört mir auch nicht. Ich habe ihn vielmehr gestohlen...“
„Gestohlen?“ wiederholte Sebastian ungläubig; Herr Schmidt wäre der letzte gewesen, dem er einen Diebstahl zugetraut hätte.
„Ja, ich habe ihn gestohlen. Ich tat es mit guten Absichten, aber meine Tat war letztlich vergeblich“, entgegnete Herr Schmidt trübsinnig.
Sebastian war sich einen Moment lang nicht sicher, ob er mehr darüber hören wollte, wie Herr Schmidt zu dem Ring gekommen war - und auf welche Weise dieser schließlich in die Kellerräume der Schloßruine gelangt war. Sebastian hatte immer bewundernd zu Herrn Schmidt aufgeblickt und es widerstrebte ihm ein wenig, nun in allen Einzelheiten zu erfahren, wie Herr Schmidt einen Diebstahl begangen hatte. Diebstahl war etwas gemeines und häßliches, etwas, das nicht zu Herrn Schmidt paßte. Zugleich war Sebastian aber auch sehr neugierig. Wem hatte sein Freund diesen Ring gestohlen, und warum? Und was war damals sonst noch geschehen?
So fragte er schließlich: „Und wem hat der Ring nun ursprünglich gehört?“
Darauf gab Herr Schmidt die seltsame Antwort: „Der Ring gehörte der Königin von Fabulien, die in der Stadt auf dem Seerosenblatt wohnte.“
Sebastian war ein wenig enttäuscht. Er hatte gehofft, endlich die Geschichte des Rings zu erfahren, doch die Antwort, die Herr Schmidt ihm gegeben hatte, klang eher wie der Anfang einer der Geschichten, die er Sebastian bisweilen zu erzählen pflegte. Hatte Herr Schmidt den Ring wirklich schon mal in der Hand gehabt, oder hatte er sich die Sache mit dem Diebstahl eben nur ausgedacht, um wieder mit einer neuen Geschichte anzufangen? Aber woher wußte er dann, daß Sebastian den Ring in der Schloßruine gefunden hatte? Sebastian beschloß, die Angelegenheit nicht auf sich beruhen zu lassen, und so fragte er nun: „Und wo liegt dieses Fabulien? Ich habe noch nie was davon gehört. Und die Stadt auf dem Seerosenblatt - das hört sich sehr sonderbar an. Was soll denn das für eine Seerose sein, auf deren Blättern eine ganze Stadt Platz hat?“ Sebastian wußte, daß manche Seerosenarten so große Blätter hatten, daß sich ein sechsjähriges Kind auf das Blatt setzen konnte, ohne daß das Blatt versank. Aber eine ganze Stadt? Oder war die Stadt so winzig klein, daß sie auf ein solches Blatt paßte?
Herr Schmidt aber antwortete: „Es ist kein Wunder, daß du noch nie etwas von Fabulien gehört hast, nur wenige Menschen kommen jemals dorthin. Wenn du willst, erzähle ich dir, wie ich nach Fabulien kam, und was ich über dieses Land, den Ring und die Stadt auf dem Seerosenblatt weiß...“
„Na, dann erzählen Sie mal“, sagte Sebastian daraufhin. Er war nun doch sehr gespannt, was Herr Schmidt ihm zu erzählen hatte - egal, ob es sich um eine wahre oder eine erfundene Geschichte handelte.
Herr Schmidt begann daraufhin mit seiner Geschichte: „Zunächst einmal solltest du wissen, daß ich nicht als ein Einzelkind aufwuchs, sondern noch einen zwei Jahre älteren Bruder namens Markus hatte. Schon damals, in meiner Kindheit, war die Schloßruine ein beliebter Spielplatz der Ulmendorfer Kinder, und Markus hielt sich dort besonders oft auf, manchmal viele Stunden. Was er dort so trieb, wollte er mir nie verraten.
Eines Tages wurde Markus plötzlich krank. Zunächst war ihm kaum etwas anzumerken, er wirkte nur trauriger als normalerweise, doch bald verfiel er in wirkliche Schwermut und begann zu fiebern. Schließlich rief meine besorgte Mutter, die uns allein aufzog (denn mein Vater war aus dem Ersten Weltkrieg nicht zurückgekehrt), einen Arzt, der jedoch nicht herausfinden konnte, woran Markus eigentlich litt.
Eines Abends rief Markus mich an sein Krankenbett und flüsterte mir mit schwacher Stimme zu: ‚Tommy, ich will dir nun mein Geheimnis anvertrauen, das ich so lange gehütet habe. Du hast dich gewiß schon oft gefragt, warum ich so viel Zeit in der Schloßruine verbringe.‘
‚Das habe ich mich wirklich oft gefragt‘, erwiderte ich mit einem Kopfnicken.
‚Eigentlich habe ich mich gar nicht in der Ruine selbst aufgehalten, sondern in einem verborgenen Land namens Fabulien. Die wenigsten Menschen gelangen jemals nach Fabulien, doch einer der Wege, die dorthin führen, befindet sich in den Kellerräumen der Ruine. Dort gibt es einen blauen Samtvorhang, der an einer Wand angebracht ist und scheinbar keinen Zweck erfüllt.‘
‚Und dieser Vorhang ist ein Durchgang nach Fabulien?‘ fragte ich ihn, wobei ich ein wenig den Verdacht hatte, daß Markus im Fieberwahn sprach.
‚So ist es‘, bestätigte Markus. ‚Kannst du dich noch an Frau Kokocinski erinnern, die Wahrsagerin, die früher in unserer Nachbarschaft gelebt hat? Von ihr habe ich erfahren, wie man nach Fabulien gelangt. Es ist ganz einfach. Man muß nur den Vorhang zur Seite ziehen und dabei die Worte sprechen:

Vorhang, gib den Weg mir frei,
Sei ein Durchgang, eins, zwei, drei!

Wenn man dies tut, dann kommt hinter dem Vorhang keine graue Wand zum Vorschein, sondern ein bogenförmiger Durchgang, und wenn man hindurchgeht, ist man schon in Fabulien. Es ist ein sehr schönes Land, in dem selbst die Winter sanft und mild sind, nicht so wie die garstigen Winter bei uns. Und doch ist mir dieses wunderbare Land zum Verhängnis geworden, denn als mich neulich dort aufhielt, war ich sehr durstig, und so trank ich Wasser aus einem Brunnen. Ich wußte nicht, daß es der Brunnen der Traurigkeit war, auf dem ein Fluch liegt. Dieses Wasser hat mich vergiftet, und kein Mittel, das unseren Ärzten bekannt ist, kann mich noch retten. Das vermag einzig ein goldener Ring, in den ein grüner Stein eingefaßt ist. Dieser Ring gehört der Königin von Fabulien, die in der Stadt auf dem Seerosenblatt ihren Wohnsitz hat.‘
‚Die Stadt auf dem Seerosenblatt?‘ wiederholte ich ungläubig.
‚Die Stadt auf dem Seerosenblatt‘, wiederholte Markus mit einem Kopfnicken und fuhr dann fort: ‚Diese Stadt liegt auf dem Blatt einer unermeßlich großen Seerose; ich habe die Stadt nie betreten, doch ich sah aus der Ferne die gewaltigen blauen Blüten der Seerose - wenn die Seerose blüht, so sind die Blüten überall in Fabulien zu sehen. Um mich zu heilen, mußt du den goldenen Ring der Königin in deinen Besitz bringen und mir an den Finger stecken, dann werde ich geheilt sein. Doch die Königin verleiht den Ring nicht, du wirst ihn ihr mit List abnehmen müssen. Und du mußt dich beeilen, denn ich spüre, daß mir nicht mehr viel Zeit bleibt!‘ Mehr sagte Markus nicht mehr, denn er war zu erschöpft. Tatsächlich waren dies die letzten Worte, die ich aus seinem Mund vernommen habe.
Da es Abend war, lief ich nicht gleich los, sondern wartete bis zum Morgen. Die ganze Geschichte kam mir reichlich fantastisch vor, trotzdem war ich entschlossen, zumindest einen Versuch zu unternehmen, nach Fabulien zu gelangen. Also lief ich zur Schloßruine, begab mich in die Kellerräume und zog den blauen Vorhang zur Seite, wobei ich das Sprüchlein aufsagte, das ich von Markus am Abend zu hören bekommen hatte. Da ich immer noch alles, was Markus mir erzählt hatte, für einen Fiebertraum hielt, rechnete ich nicht ernsthaft damit, daß irgend etwas geschehen würde, doch siehe da: Markus hatte die Wahrheit gesprochen! Hinter dem Vorhang kam nun tatsächlich ein Durchgang zum Vorschein, und als ich hindurchging, betrat ich das wunderbare Land, von dem mein Bruder mir berichtet hatte.
Ich will jetzt gar nicht im einzelnen erzählen, was ich auf dem Weg in die Stadt erlebte. Dadurch, daß ich die riesigen Blüten der Seerose in der Ferne sah, fiel es mir nicht allzu schwer, den richtigen Weg zu finden. Ich erreichte schließlich den See, in dem die Seerose blühte, und endlich wurde ich auch in die Stadt eingelassen.“
„Und wie sind Sie an den Ring herangekommen?“ fragte Sebastian gespannt, obwohl er große Zweifel daran hatte, daß die Geschichte, die er gerade zu hören bekam, der Wahrheit entsprach.
„Das war einfacher, als ich dachte. Die Königin war bereit, jeden Besucher der Stadt zu empfangen, sogar einen kleinen Jungen wie mich; dabei sah ich, daß sie den von mir so begehrten Ring am Finger trug. Offenbar muß sie sehr müde gewesen sein, oder sie muß alles, was ich sagte, als sehr langweilig empfunden haben, denn während sie mit mir sprach, schlief sie plötzlich ein. Auf gut Glück versuchte ich, ihr den Ring vom Finger zu ziehen, und zu meiner eigenen Überraschung gelang es mir, ohne daß sie aufwachte; im Gegenteil, sie schien sogar in einen immer tieferen Schlaf zu fallen. Als ich den Ring vollständig von ihrem Finger gelöst hatte, lief ich so schnell wie möglich hinaus und machte mich sofort auf den Heimweg.“
„Und was geschah dann?“
Mit zunehmend brüchiger Stimme fuhr Herr Schmidt fort: „Ich gelangte ohne Schwierigkeiten nach Hause, doch ich kam zu spät. Als ich eintraf, war Markus bereits gestorben...“
Herr Schmidt konnte nicht weitersprechen, und er begann zu Sebastians Bestürzung bitterlich zu weinen. Allmählich gewann er seine Fassung zurück und fuhr fort: „Mein Schmerz war grenzenlos, und in meinem Kummer lief ich wenige Tage später wieder in die Kellerräume der Schloßruine, und dort schleuderte ich zornig den Ring, der Markus nicht mehr hatte retten können, in die Dunkelheit. Später bereute ich, was ich getan hatte und suchte viele Male nach dem Ring, um ihn wieder zurückzugeben, aber es gelang mir nie, ihn zu finden. Irgendwann gab ich die Suche auf, und seitdem habe ich die Schloßruine nie mehr betreten. Der Ring muß dort Jahrzehnte lang gelegen haben, bis du ihn nun endlich gefunden hast. Und jetzt möchte ich dich um einen großen Gefallen bitten, Sebastian.“
„Was soll ich denn machen?“
„Ich bitte dich darum, den Ring wieder in die Stadt auf dem Seerosenblatt zurückzubringen. Für mich ist der Weg inzwischen zu weit und zu anstrengend. Wie du nach Fabulien gelangst, weißt du nun, und wenn du erst einmal dort bist, wirst du bestimmt auch die Stadt finden. Willst du dies für mich tun?“
Obwohl er nicht recht wußte, was er von der sonderbaren Geschichte halten sollte, antwortete Sebastian: „Ich verspreche es.“
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