Die Inquisitionsgarde

von LucyVT
GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
11.03.2019
08.05.2019
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Sie war ein Schatten, keiner sah sie. Sie lief über die Dächer der Stadt, den Schal fest über Mund und Nase gezogen, von Dachfürst zu Dachfürst, von Schornstein zu Schornstein.
Der Vollmond stand groß und unheilvoll strahlend am sternenklaren Himmel, doch dennoch war die Atmosphäre düster und bedrohlich. Die ganze Stadt schlief, kein Licht brannte mehr in den hölzernen Hütten und auch die Wachen waren nirgendwo zu sehen.
Da! Da war das Haus, in dem Ihr Auftrag auf sie wartete. Es würde heute schnell gehen...
Sie landete auf dem Dach und ließ sich geschickt durch ein offenes Fenster gleiten.
Ihre Bewegungen waren elegant und flüssig, wie eine Raubkatze schlich sie sich an ihr ahnungsloses Ziel heran, bis sie nur noch wenige Meter davon entfernt war. Der böse, dumme Nekromant hob gerade die Arme, um einen Fluch auszusprechen, als sie mit einem großen Satz in seinen Weg hüpfte.
„Haltet ein, Ihr Scheusal! Nie wieder werdet Ihr der armen Argonierfamilie schaden! Was sagt Ihr? Natürlich helfen wir auch Argoniern, denn wir sind tolerant und aufgeschlossen! Und nun kommt Ihr ins Gefängnis, wie die ganzen anderen bösen Buben!“, schrie sie und stützte heroisch die Fäuste auf die schmalen Hüften. Breitbeinig stand sie dem Bösewicht gegenüber, dessen langer Mantel im Wind flatterte, der aus irgendeinem Grund im Haus wehte. Tief sahen sich die beiden Kontrahenten in die Augen, warteten darauf, dass einer den ersten Schritt machte. Die Hand des Magiers zuckte über seinem verzauberten Dolch, doch er wagte es nicht, als erster zu ziehen.
Sie hatte genug von diesem Spielchen, jetzt würde er seine gerechte Strafe bekommen...
„Eisstachel!“, schrie sie, die Hand ausgestreckt und ihr Geschoss flog auf den Lausbuben zu und...
Verfehlte ihn.
„Autsch! Njola, was soll das?!“, oh nein! Das war der Endgegner, der da mit langen Schritten auf sie zu kam!
„Warum wirfst du mit Schneebällen um dich? Und sie sind auch noch halb gefroren! Das tut doch weh!“, zeterte das Monster weiter. Die schmutzigen grünen Augen funkelten sie böse an.
„Du hast genug gespielt für heute, jetzt antworte mir endlich!“, das Biest kam mit großen Schritten auf sie zu und zog ihr den Schal vom Gesicht.
„Och Mama, ich war gerade dabei, den Nekromanten zu fassen!“, rief das Mädchen enttäuscht, doch die großgewachsene Nord sah sie nur verwirrt an.
„Den was? Ach was solls, du könntest mir lieber mal beim Kochen helfen, als Stadtwache zu spielen!“
„STADTWACHE?! Mama, diese Stümper haben doch nichts drauf! Ich spiele Inquisitionsgarde!“, empörte sich Njola und starrte ihre Mutter böse an.
„Oh entschuldige bitte, dann hör doch auf, Inquisitionsgarde zu spielen und hilf mir beim Kochen“, verbesserte ihre Mutter sich augenrollend. Dann fiel ihr Blick auf den Schurken „Sag mal, ist das mein Mantel, den dein Schneemann da an hat? Mensch Njola, der ist jetzt ganz nass!“
„Um das Böse in der Welt zu besiegen, muss man manchmal Opfer bringen...“, murmelte Njola düster, ehe sie sich wieder an ihre Mutter wandte „Kann ich nach dem Essen zu Erik rüber?“
„Solange du meine Sachen hier Zuhause lässt und dich warm genug anziehst, meinetwegen.“
Kopfschüttelnd zog ihre Mutter dem Schneemann, ähh dem Schurken, den Mantel aus und lief wieder zurück ins Haus. Njola sah ihr hinterher, bis sie außer Sichtweite war.
Dann trat sie noch einmal schnell gegen den Oberkörper des Schneemanns, woraufhin dieser in sich zusammenfiel, ehe sie stolz grinsend ihrer Mutter folgte.

Njola aß gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Vater, doch sobald sie damit fertig war, sprang sie auf, warf sich ihren Mantel über, rief ihren Eltern ein kurzes „Bis später!“, zu und rannte aus dem Haus.
Sie lief, so schnell wie ihre kurzen Beine sie trugen, über das Gemüsefeld vor ihrem Zuhause, es war gerade tiefer Winter, daher musste sie nicht irgendwelche Pflanzen achten. Mit einem langen Satz sprang sie von einem umgekippten Eimer ab und hechtete damit über den hölzernen Zaun.
Dummerweise rutschte sie auf der anderen Seite auf einer gefrorenen Pfütze aus und schlitterte ein Stück den Weg hinunter, aber daraus machte sie sich nicht viel, sondern führte ihren Weg in Richtung des Gasthauses „Zur Frostfrucht“ hastig fort, sobald sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte.
Schon von weitem konnte sie den roten Haarschopf ihres besten Freundes Erik vor dem Haus ausmachen, er stand vor einem der Fenster auf den Zehenspitzen und spähte ins Innere des Gasthauses.
Njola verlangsamte ihren Schritt als sie näher kam und blieb ein Stück hinter Erik stehen. Verwirrt betrachtete sie ihn, er schien sie noch nicht bemerkt zu haben.
Schließlich obsiegte ihre eigene Neugier und sie tippte ihm auf die Schulter.
„Was tust du da?“, fragte sie mit schiefgelegtem Kopf. Erik wirbelte zu ihr herum, erst schien er sich ertappt zu fühlen, aber als er sie erkannte setzte ein begeistertes Funkeln in seinen Augen ein, das er nur hatte, wenn irgendetwas Aufregendes passierte.
„Du wirst es nicht glauben!“, flüsterte er grinsend.
„Hast du schon wieder Matschwasser ins Bierfass geschüttet? Du kannst Mralki sagen, dass ich dieses Mal wirklich nicht beteiligt war!“, antwortete Njola misstrauisch. Noch eine Standpauke von Eriks Vater wollte sie nicht über sich ergehen lassen.
„Nein, viel besser!“
„Besser als verrottete Tomaten in den Gästebetten?“
„Tausendmal besser!“
„Was ist es denn?“
„Rate mal!“
„Ich will nicht raten, du gewinnst bei Ratespielen doch eh immer!“, murmelte sie beleidigt. Erik verdrehte kurz die Augen, aber dann beugte er sich zu seiner Freundin rüber und flüsterte ihr ins Ohr.
„Im Gasthaus ist ein Mitglied der Inquisitionsgarde!“, sofort übertrug sich Eriks Aufregung auf sie. Mit großen Augen starrte sie ihn an. Genauso gut hätte er ihr sagen können, der Kaiser säße in der Gaststube, sehr viel mehr Ehrfurcht hätte sie da auch nicht empfunden.
„Du flunkerst doch!“, staunte sie, aber sie spürte das nervöse Kribbeln in ihrem Nacken. Inquisitionsgarde! Die größten Jäger von bösen Hexen und Zauberern in ganz Himmelsrand!
„Schau selbst!“, forderte er sie auf und bot ihr seinen Platz am Fenster an „Schau, dort am Feuer! Die Frau da trägt das Emblem!“
Tatsächlich.
Dort saß eine junge, hübsche Dunmer auf einem Hocker und wärmte sich die Hände am Feuer. Sie trug eine leichte Lederrüstung, ein großer Tornister lag neben ihr auf dem Boden und an ihrem Gürtel baumelte ein stählerner Dolch.
Und um ihren Oberarm war ein Scharlachrotes Band geschlungen, auf dem, geprägt auf eine Metallplatte, ein Kreis abgebildet war, der von vier Linien, die sich in der Mitte des Kreises kreuzten, geteilt wurde. Am äußeren Ende jeder Linie spaltete sich der Strich dreizackförmig auf.
Das war die Schutzrune, die die Inquisitionsgarde als Schutz gegen Illusionszauber nutzten! Njola hatte schon oft Bilder davon in ihren unzähligen Büchern über die Garde gesehen.
„Bei den Göttlichen!“, rief sie aufgeregt aus. Dort saß tatsächlich eine waschechte Hexenjägerin!
„Nicht wahr? Sie hat wohl einen Auftrag hier in der Nähe! Aber Vater sagte, ich solle sie nicht belästigen...“, sagte Erik enttäuscht. Deswegen hatte er also am Fenster gestanden. Auch Njola ließ den Kopf hängen. Zum ersten Mal in ihrem, zugegebenermaßen erst achtjährigem, Leben kam ein Hexenjäger in ihr kleines Rorikstatt und dann sollte sie sie nicht ansprechen? Das war ungerecht!
Oder Moment mal...
„Aber dein Vater hat doch nicht gesagt, dass ich sie nicht belästigen soll!“, rief sie begeistert, als ihr diese Idee kam. Auch Erik schien begeistert.
„Ja, du hast Recht! Und ich stehe nur zufällig hinter dir, wenn du mit ihr sprichst!“, die beiden Kinder grinsten sich breit an, ihr Plan war absolut wasserdicht.

Als Njola die schwere Tür zum Gasthaus aufschob, kam ihr direkt die vom Feuer erwärmte Luft entgegen, vermischt mit dem Geruch nach gebratenem Hirsch und Met.
Vorsichtig spähte sie in den Schankraum, doch Mralki war nirgends zu sehen, der Tresen war leer. Anscheinend war er gerade in einem der Schlafzimmer. Die Hexenjägerin sah nicht auf, als die Kinder hereinkamen, sie sah verträumt in die Flammen in der großen Feuerschale in der Mitte des Raumes.
Stück für Stück und etwas unsicher schlich Njola auf die Dunmer zu. Erst als sie kurz hinter ihr stand räusperte sie sich leise.
Sofort fuhr der Kopf der Frau herum, rote Dunkelelfenaugen musterten das Mädchen von oben bis unten, der Blick war prüfend, aber nicht abweisend. Außerdem gab es jetzt kein Zurück mehr.
Also nahm Njola all ihren Mut zusammen und fing an zu sprechen.
„Ähm, guten Tag!“, das war ein guter Anfang, höflich aber nicht zu förmlich. Oder sollte es förmlicher sein? Was war überhaupt die richtige Anrede für die Inquisitionsgarde? Hatte sie die Frau jetzt beleidigt? Noch könnte sie schnell weglaufen und es als Kinderstreich abtun...
„Hallo“, Njola fiel ein Stein vom Herzen, als die Dunmer mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen antwortete. Dann hatte sie wohl noch nichts falsch gemacht.
„Äh also ich bin Njola und das da ist Erik, der darf aber nicht mit Euch reden“, plapperte Njola also drauf los und hätte sich am liebsten direkt selbst gehauen. Das mit Erik hätte sie gar nicht erwähnen müssen.
„Mein Name ist Arveri Velrelas“, stellte sich die Dunmer vor „Und warum darf dein Freund nicht mit mir reden?“
In dem Moment öffnete sich die Tür zu einem der Schlafräume und Mralki kam heraus. Njolas Herz setzte einen Schlag aus und sie hörte, wie auch Erik einen Schritt zurück machte.
Er bemerkte die Kinder sofort und seine Gesichtszüge entgleisten ihm.
„Njola, Erik! Was macht ihr hier drinnen? Lasst die Dame in Ruhe!“, rief er, als er auf die Feuerschale zulief und fügte an die Dunmer gerichtet noch hinzu: „Es tut mir wirklich leid, ich hoffe, die Kinder haben Euch nicht gestört.“
„Es ist schon in Ordnung, danke“, sagte Arveri lachend und wandte sich wieder an Njola „Wolltest du etwas Bestimmtes?“
Njola überlegte kurz. Mralki hatte ihr jetzt auch gesagt, die Frau von der Inquisitionsgarde nicht zu belästigen, aber die hatte gesagt, es wäre in Ordnung... sie hoffte einfach, dass Eriks Vater ihr nicht böse sein würde.
„Ihr gehört zur Inquisitionsgarde?“, fragte sie also leise.
„Ja tatsächlich. Du hast schon von uns gehört?“, die aufgeschlossene Art der Dunmer lies Njola ihre Zurückhaltung vollkommen vergessen, deswegen rutschte ihre Antwort ihr sofort heraus.
„Ich habe alle Bücher über Euch gelesen und wenn ich groß bin, dann werde ich auch Hexenjäger!“, sprudelte sie drauf los. Erik schien seinen Mut auch wiedergefunden zu haben.
„Und ich auch!“, rief er.
Arveri sah die beiden erst überrascht an, dann lachte sie schallend auf und lächelte die Kinder an.
„Ich merke schon, ihr habt beide das Herz eines Kriegers. Wenn ihr euch gut schlagt, dann könnt ihr vielleicht wirklich irgendwann der Garde beitreten“, Njola strahlte bei diesen Worten übers ganze Gesicht. Eine Hexenjägerin hatte ihr gesagt, dass sie es schaffen könnte, auch eine zu werden! Das war der schönste Tag in ihrem Leben! Sogar noch schöner als der, an dem Erik Bauchschmerzen hatte und sie seinen Süßkuchen bekam.
„Aber für richtige Hexenjäger fehlt euch noch etwas...“, murmelte die Dunmer dann nachdenklich und besah sich die Kinder ausführlich. Dann schnippte sie mit den Fingern „Natürlich! Was ist ein Jäger ohne seine Schutzrune?“
Die Frau kramte kurz in ihrem Tornister, dann zog sie zwei kleine, schwarze, glatte Steine heraus, auf jedem davon war die Schutzrune eingraviert. Mit einem Lächeln gab sie jedem der Kinder einen der Steine. Sowohl Njola als auch Erik starrten sie ehrfürchtig an, sie konnten ihr Glück kaum fassen.
„Sie sind zwar nicht so stark, wie die die ich trage, aber sie halten zumindest ein wenig Magie von euch ab“, erklärte die Dunmer routiniert. Njola sah von ihrem Stein zu Arveri, zurück zum Stein, zurück zu Arveri.
Dann fiel sie der Frau um den Hals.
Diese wirkte zuerst etwas überrumpelt, erwiderte die Umarmung dann jedoch lachend.
Als sich das Mädchen wieder von ihr löste, hatte es Tränen in den Augen.
„Ich fürchte, ich muss jetzt aber langsam mal weiter, ich hab noch ein paar böse Hexen aufzuhalten“, meinte Arveri dann zwinkernd, hob dann ihren Tornister hoch und ging zu Tür. Noch während sie diese öffnete drehte sie sich nochmal zu den Kindern um.
„Achja, Njola, Erik! Wir sehen uns dann in ein paar Jahren bei der Garde!“, rief sie noch, ehe sie nach draußen verschwand.


12 Jahre später
Endlich war es soweit.
Sie hatte lange die Gerüchte in der Stadt verfolgt, um mitzubekommen, wann die Rekrutierung für die Garde wieder stattfand.
Das Hauptquartier der Inquisitionsgarde war geheim, nur Mitglieder wussten um den Weg dahin, um zu verhindern, dass sie von Hexen angegriffen wurden.
Nur alle drei Jahre kam eine offizielle Abordnung von Jägern nach Weißlauf, um neue Rekruten aufzunehmen. Und heute waren genau diese drei Jahre seit der letzten Rekrutierung vergangen.
Njola zupfte unruhig an ihrer Robe herum.
Sie saß an einem Tisch im Gasthaus zur Beflaggten Mähre, vor ihr ein karges Abendessen, während die Wirtin den Tresen abwischte.
Das Gasthaus war gut besucht, sowohl einige Ortsansässige als auch Reisende saßen im Schankraum tranken, lachten und unterhielten sich. Ein Barde spielte gerade eine schnelle Melodie auf seiner Laute und warf dabei jeder vorbeigehenden Frau vielsagende Blicke zu.
Njola war nervös. Die junge Nord saß jetzt seit geschlagenen vier Stunden in der Taverne und die Garde war noch immer nicht aufgetaucht. Sie fragte sich, wie viele andere Gäste wohl aus dem gleichen Grund wie sie hier war, aber fragen wollte sie niemanden. Nicht, dass sie sich im Tag geirrt hatte!
Nein, das durfte nicht sein. Viel zu lange hatte sie auf den heutigen Tag hingearbeitet, das Datum unzählige Male nachgerechnet. Es musste heute sein.
Sie würde nicht die letzten fünf Jahre an der Akademie von Winterfeste verbracht haben, nur um jetzt noch einmal drei Jahre zu warten, bis sie endlich der Garde beitreten könnte...
Plötzlich öffnete sich die Tür. Njola hatte schon beinahe, keine Hoffnung mehr, dass es die Garde war, alle fünf Minuten kamen irgendwelche regulären Gäste herein, doch sobald diese Neuankömmlinge den Raum betraten, verstummte mit einem mal alles.
Die Gespräche brachen ab, abrupt endete das Lautenspiel, keiner wagte es, noch ein Geräusch von sich zu geben.
Alle Augen waren auf die Gruppe gerichtet, die gerade zur Tür hereinkamen.
Ganz vorne lief ein Kaiserlicher, ein großgewachsener Mann mit kurzen, pechschwarzen Haaren. Seine Augen waren schmal und eigenartig grün, wodurch sie ein wenig an Schlangenaugen erinnerten, und blickten mit einem Ausdruck, der nur als maßlose Arroganz zu bezeichnen war, über die versammelten Gäste. Er trug eine edel gearbeitete Stahlrüstung, sowie einen reich verzierten Zweihänder.
Direkt dahinter folgte eine Orkfrau, die ihren Vorgänger um einen Kopf überragte. Sie war gigantisch, mit gefährlich funkelnden, gelben Augen und zu einem wilden Zopf geflochtenen, schwarzen Haaren. Die orkische Rüstung, die sie anhatte, trug noch zu ihrem martialischen Erscheinungsbild bei, ebenso wie die ebenfalls orkische Streitaxt an ihrem Rücken.
Als nächstes betrat eine Dunmer den Raum. Njolas Augen funkelten kurz auf, doch schnell erkannte sie, dass diese Elfe nicht Arveri war. Diese Frau war ein Stück kleiner als Njola Arveri in Erinnerung hatte, außerdem waren sowohl ihre Haut, als auch ihre Augen deutlich dunkler. Sie hatte beinahe schwarze Haut. Über ihrer rechten Wange spannte sich ein dunkelrotes, rankenartiges Tattoo. Ihre Augen wirkten eigenartig... leer? Sie zeigte keinerlei Gefühlsregungen, während sie durch die Tür kam, auch nicht als alle Leute sie anstarrten.
Sie trug eine feste, enganliegende Lederrüstung, sowie zwei Kurzschwester, die überkreuzt an ihrem Rücken hingen.
Njola dachte schon, die Dunkelelfe wäre die letzte gewesen, doch dann trat noch ein Mann ein.
Er war der Größe nach zu urteilen ein Nord, beinahe machte er der großen Ork Konkurrenz, und hatte dunkelbraune, etwas längere Haare und ein leichter, dunkler Bartschatten bedeckte seine Wangen und sein Kinn. Er trug ebenso wie der Kaiserliche eine Stahlrüstung und an seinem Rücken hing ein großer, runder Schild. Eine Waffe konnte sie auf den ersten Blick allerdings nicht erkennen.
Doch das eigentlich Besondere an diesem Mann waren seine Augen. Sie waren leuchtend gelb, wie die Augen eines Falken und genauso berechnend und unnahbar fielen sie jetzt plötzlich auf Njola. Sie zuckte zusammen, als sie bemerkte, dass er sie ansah. Es hielt nur einen Augenblick an, aber trotzdem hatte sie sofort Respekt vor dem Mann.
Sobald sein Blick nicht mehr an ihr hing, schüttelte sie kurz den Kopf, um wieder klar zu denken, dann fiel ihr etwas auf, durch das ihr Herz einen Satz machte.
Alle vier der Neuankömmlinge trugen das scharlachrote Band mit der Schutzrune um den Oberarm.
Fast unbewusst fuhr Njolas Hand zu ihrem Hals, an dem der Runenstein, den sie von Arveri bekommen hatte, an einem Lederband baumelte. Sie hatte sich damals nicht getraut, ein Loch hineinzubohren, deshalb hatte sie einfach ein paar Fäden drum gebunden, die den Stein hielten.

Die Gruppe schritt durch den Schankraum, jeder machte ihnen direkt Platz. An einem Tisch in der hinteren Ecke des Zimmers ließen sie sich schließlich nieder und steckten die Köpfe zusammen.
Beinahe gleichzeitig fing die Musik wieder an zu spielen und die Leute nahmen ihre Gespräche wieder auf. Die Wirtin schickte ihre Schankmaid mit drei großen Krügen zu den Gardenmitgliedern, ohne dass diese etwas sagen mussten. Anscheinend war man hier bereits an ihre Anwesenheit gewöhnt.
Njola atmete tief durch.
Nur wenige Meter von ihr entfernt saß ihre Chance auf das Leben, dass sie sich schon immer gewünscht hatte. Sie musste nur noch aufstehen, rübergehen und sich vorstellen. Also los!
Doch sobald sie sich erhob, merkte sie, wie ihre Beine einknickten.
Sie war nervös.
Sehr nervös.
Seit Jahren hatte sie sich diesen Moment vorgestellt, wie sie mutig an die Gardenmitglieder herantrat und ihnen verkündete, dass sie nun einen neuen Jäger hätten.
Aber jetzt, da es soweit war, schlotterten ihre Knie.
Du bist kein Kind mehr.
Mit diesen Worten im Kopf nahm sie all ihren Mut zusammen, stellte sich gerade hin und ging mit großen Schritten auf den Tisch zu, an dem die Hexenjäger saßen, zu. Es gab kein Zurück.
„Guten Abend“, sagte sie. Sie war selber überrascht, wie fest ihre Stimme dabei klang.
Dann fielen die Blicke von vier Augenpaaren gleichzeitig auf sie.

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Und eine weitere Skyrim Fanfiktion!
Ich habe große Lust auf das Projekt und hoffe darauf, auch einige andere Leute zu finden, die sich das antun wollen :D
Also, vielleicht hört man ja von euch?
Liebe Grüße
Lucy ^^
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