Und wenn mir nachts die Sonne scheint, ist keiner da, der mit mir weint

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
OC (Own Character) Till Lindemann
11.03.2019
09.11.2019
16
26137
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Ich trau mich schon fast nicht, dieses Kapitel hochzuladen. Ich wusste ewig nicht, wie ich mit der Story weitermachen will. Jetzt hab ich einen groben Plan und hoffe, der gefällt euch. Falls überhaupt noch jemand mitliest :D. Ich weiß, das Kapitel ist nicht besonders lang, aber es muss jetzt gerade erstmal  ein sinnvoller Übergang her.

Ich freu mich natürlich trotzdem wie immer über eure Meinung. <3
NonMagistra
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Wie eine Marionette der man die Fäden durchgeschnitten hatte, fiel sie plötzlich neben mir zu Boden. Ich konnte es wohl meinen guten Reflexen verdanken, dass ich sie kurz vor dem Aufprall noch auffangen konnte. Mein lautes Fluchen alarmierte nicht nur die Kollegen, sondern auch unseren zweiten Gast. Es versammelten sich bald sechs Personen in meinem Flur. Till ging auf mich los „Was hast du gemacht, Scholle?“ giftete er. „Ich? Ich hab gar nichts gemacht. Du hast Recht, die fällt ja echt einfach so um!“ echauffierte ich mich, um meine Besorgnis zu verstecken. Vielleicht fühlte ich mich auch ein kleines bisschen ertappt, weil ich sie heute abend durchaus eingehend betrachtet habe und zugeben muss, dass ich sie durchaus attraktiv fand. Aber ich würde den Teufel tun, jemals wieder eine Frau anzufassen, die zu Till gehörte. Die Lektion hatte ich gelernt. „Ach du meine Güte. Ist sie ohnmächtig? Sie hat heute aber auch eine Pechsträhne!“ ereiferte sich Daria. Tills Blick wurde panisch. „Wie meinst du das?“ Fragte er und griff Darias Oberarme. Gleich würde er sie wahrscheinlich auch noch anfangen zu schütteln. „Na, sie ist die Treppe runtergefallen heute Mittag. Und dann auch noch die Kopfschmerzen im Zug…“ sie stockte „Oh. Fuck. Meinst du –‘‘ aber Till schnitt ihr das Wort ab. „Paul, ruf einen Krankenwagen. SOFORT!“ brüllte er unseren Freund an, nur um dann sofort auf die Knie zu fallen und Annas Körper an sich zu ziehen. Er hob sie hoch, als wäre sie nicht schwerer als eine Feder und setzte sich mit ihr aufs Sofa. Ich wollte mir ihr Ohr ansehen, es schimmerte irgendwie rötlich. Doch Till ließ mich nicht. Er schirmte sie komplett ab, als würde ich ihr etwas antun. „Man, krieg dich wieder ein, ich tu ihr doch nichts! Aber dann guck du dir halt das Ohr an. Ist das Blut?“ Till wurde blass wie ein Gespenst und besah sich die Ohren. Nach nicht einmal 10 Minuten klingelten die Sanitäter. Till redete völlig zusammenhanglos von Hirnblutungen, Schädel-Hirn-Trauma und einem Autounfall, bis schließlich Olli alles nochmal und in richtiger Reihenfolge erzählte. Eins musste man Olli lassen: Er bewahrte zu jedem Zeitpunkt die Ruhe und war der letzte, der aus der Haut fuhr. Daria saß leichenblass neben Till, der nicht einmal die Sanitäter so recht an Anna heranlassen wollte. „Komm jetzt man, die müssen ihre Arbeit machen!“ Schneider zog den besorgten Till weg vom Sofa und redete beruhigend auf ihn ein. „Oh Jott, bitte lass dit jut enden. Ick mag die Klene echt ganz gern!“ flüsterte mir Paulchen zu, während er nach meiner Hand griff und diese fest drückte. Er hatte Recht, Anna schien anders zu sein als all die Mädels, die er sonst mal anschleppte. Ihnen gegenüber hatte ihr Frontmann immer eine gewissen Gleichgültigkeit gewahrt und vor anderen mit jemandem zu kuscheln, das war bei Till noch nie vorgekommen. Nicht mal bei Sofia. Aber bei Anna schien er Angst zu haben, ein Regentropfen könnte sie erschlagen. Vielleicht waren es die Umstände, unter denen sie sich kennengelernt hatten, aber trotzdem. Normal war so ein Verhalten für seinen Kumpel nicht.  Es wurde beschlossen, in Kontakt zu bleiben und Till und Daria morgenfrüh gegebenenfalls im Krankenhaus abzulösen, falls die Situation sich weiter hinziehen sollte.

Nachdem die Sanitäter mit Anna verschwunden und Daria und Till aufgebrochen waren, um ihnen zu folgen, verabschiedeten sich auch Olli, Flake und Schneider. Nach einer Weile schlug auch Paul die Handflächen mit einem gedehnten „So…!“ auf die Oberschenkel und wollte sich erheben. Ich griff nach seiner Hand und hinderte ihn daran. „Willst du nicht heute hierbleiben? Irgendwie will ich grad nicht allein sein und… naja, du weißt schon.“ Paul nickte und streichelte mir über den Kopf. „Ok. Dann lass uns aber schnell ins Bad und dann ins Schlafzimmer wechseln.“ Er klang müde und genau so erschlagen, wie ich mich fühlte. Nach kaum zehn Minuten lagen wir im Bett. „Ich will mir gar nicht vorstellen, wie ich mich fühlen würde, wenn dir sowas passiert.“ Murmelte ich nach einer Weile in die Dunkelheit hinein. „Furchtbar. Janz schlimm, ick wüsst nich, wie ich dit packen würd.“ Ich gab ihm einen leichten Kuss auf die Stirn. „Wer weiß, wie oft man sowas im Leben findet?“ sinnierte ich. „Wat meenste? Die große Liebe und so?“ raunte Paul, während er seinen Kopf an meinen Oberkörper schmiegte. „Ja. Sowas wie die beiden da anscheinend schon nach 3 Jahren haben. Oder sowas, was uns nach wie vor irgendwie zusammenhält. Was, wenn man nur einmal im Leben die Chance auf sowas hat?“ Es kam nur noch ein gedehntes „Hmmm.“ Von meinem etwas mehr als nur besten Freund. Was auch immer Darias heilige Stories anging, in dieser Nacht hielten wir uns einfach nur aneinander fest und drückten alle Daumen für Anna. Trotzdem hatte sie Recht, wir hatten einfach diese besondere Verbindung. Schon immer.

Ich wurde wach, weil jemand telefonierend durch meine Wohnung lief. Deswegen schlief Paul eher selten bei mir. Er war ein unerträglicher Frühaufsteher. Ich hingegen empfand jedes unnötige Wecken vor 11 Uhr als grobe Grausamkeit. So langsam dämmerte mir jedoch der Grund seiner Unterhaltung. Kurz darauf tapste ein noch leicht verschlafener Paul in Unterwäsche und T-Shirt wieder ins Zimmer. Als er sah, dass ich wach war, setzte er eine schuldbewusste Miene auf. „Hey, sorry. Ick wollt echt nur kurz auf Klo, aber dann hat Till angerufen.“ Ich wiegelte ab „Schon gut, ich sag ja gar nichts. Wie siehts denn aus? Wie geht’s Anna?“ Paul kroch zurück unter die warme Decke. Der Regen eines ätzend kalt-feuchten Februarmorgens prasselte gegen die Fenster. „Ja dit war wohl echt ne knappe Nummer gestern. Da scheint wohl nen Blutjerinnsel von dem Unfall letzte Woche anjefangen haben zu bluten und durch den Treppensturz gestern isses nu geplatzt. Die mussten die halbe nacht operieren, sind aber wohl janz zuversichtlich, dat se wieder oofwacht.“ Fasste er zusammen. Ich strich nachdenklich über Pauls kalte Hände. „Hm, aufwacht? Heißt, sie ist bisher noch sediert?“ Paul nickte. „Ja, künstliches Koma. Dit Hirn muss erstma heilen und dit kann durchaus een- zwee Wochen dauern.“ Ich betete inständig, sie würde bald aufwachen. Sonst könnten wir Till für die anstehende Zeit inklusive Tour wohl vergessen.
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