Long And Sharp As Yours

GeschichteRomanze, Familie / P16
11.03.2019
18.03.2019
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So, das wars erstmal für diese Woche! Ich hätte nicht erwartet, dass ich so viel zum Schreiben komme, aber ich musste das einfach ausnutzen!
Da ich das ganze Wochenende über arbeiten muss, wird das nächste Kapitel aber erst frühstens am Montag online kommen^^


                                                                                                          ***


Das ist das erste Mal, dass mich jemand als Lady Alissa vorstellt, doch ich denke, daran könnte ich mich gewöhnen.
Um mich herum ertönt aufgeregtes und teilweise auch fassungsloses Gemurmel.
Niemand, wirklich keiner dieser Männer hat auch nur ansatzweise damit gerechnet, das hier heute eine Frau vor sie treten würde.
Und dann auch noch in einer Rüstung.
Mein Blick liegt noch immer auf Robb Stark, welcher ebenso irritiert erscheint, wie der Rest seiner Männer.
„Ich komme nicht aus dem Norden Lord Stark, doch ist es hier üblich seine Gäste in der Kälte stehen zu lassen und ungeniert anzustarren?“
Das scheint den jungen Wolf aus seiner Trance, denn er schüttelt sofort den Kopf.
„Nein, natürlich nicht. Verzeiht mir Mylady. Folgt mir.“
Er macht kehrt und geht zurück in das Zelt, aus welchem er gekommen ist.
Praxox will ihm schon folgen, doch ich halte ihn zurück und reiche ihm den Helm meiner Rüstung.
„Wartet hier draußen. Ich bekomme das alleine hin.“
Hoffe ich zumindest.
Kriegerische Verhandlungsgespräche habe ich zwar noch nie geführt, aber ich weiß sehr wohl, wie man mit Männern umgehen muss.
Wir werden ja sehen, wie weit mich die Spielchen bringen, die ich sonst immer mit den jungen Herren in Tyrosh gespielt habe.
Ich folge Lord Stark hinein in das Zelt.
Es erinnert mich an eben das Zelt, in welchem Maester Akur, Praxox und ich unsere kleinen Versammlungen halten.
Es gibt sogar einen Tisch mit einer Karte von Westeros und kleinen Holzfiguren, genau wie in unserem Lager.
Als ich diese entdecke, macht sich der dickbäuchige Mann, welcher gemeinsam mit der Frau in das Zelt getreten war, sofort daran, die Kriegspläne zu bedecken.
„Das wird nicht von Nöten sein, Ser Rodrik. Wenn ich Lady Alissa recht verstanden habe, gedenkt sie, sich uns anzuschließen.“
Hm.... Lord Stark scheint sich schneller wieder gefangen zu haben, als ich erwartet hatte.
Vielleicht ist er doch nicht so leicht zu handhaben wie ich zuerst annahm.
„Wenn ich sie Euch vorstellen darf Mylady. Ser Rodrik Cassel und meine hohe Mutter Catelyn Stark.“
Ich begrüße beide mit einem höflichen Nicken, bevor ich Ser Rodrik meine Aufmerksamkeit schenke.
„Ihr habt nichts vor mir zu befürchten. Ich kam mit meinen Männern nicht über die Meerenge, um Streit mit euch zu führen Ser Rodrik.“
Der alte Mann bäumt sich vor mir auf.
„Und warum betretet Ihr unser Feldlager dann in voller Rüstung und bewaffnet.
Leicht lächelnd streiche ich über den Griff meines Säbels, was den Krieger dazu veranlasst, ebenfalls zu seinem Schwert zu greifen, doch zieht er es nicht hervor.
„Ich bin zwar eine Frau, doch liegt mir viel an meiner Sicherheit. Auch wenn Ihr mich nicht als Feind anseht, was ich doch sehr hoffe, ziehe ich es vor, mir gewiss sein zu können, dass mir niemand sein Schwert in den Rücken rammen kann.“
Ich erhalte als Antwort nur ein leises Brummen seinerseits, doch das genügt mir fürs erste.
„Lord Stark.“
Ich schaue wieder zu dem jungen Wolf, welcher sich bis jetzt zurückgehalten hat.
„Nicht ich bin Euer Feind. Der Feind hockt auf Casterlystein und vergiftet mit seinen Intrigen und Spielchen den Thron. Wir haben das gleiche Ziel vor Augen.“
Robb tritt näher auf mich zu, woraufhin ich ein wenig nach oben schauen muss, um in sein Gesicht blicken zu müssen.
„Ihr sagtet, Ihr habt die Meerenge passieren müssen. Wo kommt ihr her?“
„Tyrosh.“
„Und was veranlasst eine feine Lady aus Tyrosh mit ihrer kleinen Streitmacht nach Westeros zu ziehen? Was hat eine Tyroshi mit den Lannisters zu schaffen?“
Er ist skeptisch. Das ist gut. Das bedeutet, dass er nicht dumm ist.
„Ich bin keine Tyroshi. Nicht wirklich zumindest. Meine Familie stammt ursprünglich hier aus Westeros.“
„Wer seid Ihr?“
Nun tritt auch Catelyn Stark auf mich zu.
„Konntet ihr es noch nicht erraten? Ihr habt meine Botschaft doch erhalten.“
Robb nickt.
„Schnee und Regen wird auf Haus Lannister fallen. Der Schnee ist eine Anspielung auf Haus Stark. Der Regen... Ihr meintet, Eure Familie stammt aus Westeros.“
Ich schenke dem jungen Mann ein Lächeln.
„Ihr seid nahe dran, denkt weiter nach.“
Ich gehe langsam um den Tisch herum, der in der Mitte des Zeltes steht und nehme eine der kleinen Holzfiguren in Form eines Löwen.
Mit jedem Schritt den ich tue, klirrt das Metall meiner Rüstung.
„Ihr gebe Euch einen keinen Hinweis. Es gibt ein Lied, welches die Lannisters wohl recht gern hören. Ein Lied, mit dem sie meine Familie verspotten.“
Während ich meinen Weg durch das Zelt fortsetze, ruhen alle drei Augenpaare unablässig auf mir.
„Wisst Ihr es immer noch nicht Lord Stark?“
Ich bleibe stehe und schaue ihm in die Augen.
„Na schön, ein letzter Hinweis.“
Ich stelle den Löwen wieder auf den Tisch.
Aber nicht irgendwo hin.
Der Löwe steht nun in den Westlanden.
Südlich der Burg Bruch und südöstlich von Aschmark.
Dort wo einst die Burg meiner Familie stolz prangte.
„Und also sprach, und also sprach
der Lord von Castamaer,
Doch Reg'n nun beweint die Burg,
und niemand hört ihn mehr.
Ja, Regen fällt auf seine Burg,
und niemand hört ihn mehr.“

Zum Ende hin wird meine Stimmer immer leiser, bis sie irgendwann gänzlich verstummt.
Ich schaue in jedes einzelne ihrer Gesichter.
Purer Schock steht in ihnen geschrieben.
„Man wird Haus Regn wieder erhören. Ich werde lauter brüllen, als jeder Löwe vor mir. Und ich werde Krallen tief in Tywin Lannisters Kehle rammen.“
Catelyn Stark ist die erste, die etwas daraufhin zu sagen hat.
„Das ist nicht möglich. Haus Regn würde vernichtet. Es ist ausgestorben.“
„Es wurde nicht vernichtet. Nicht gänzlich. Mein Vater Roger Regn überlebte und führte die Linie der Familie weiter.“
Robb Stark umrundet schnell den Tisch und bleibt weniger Zentimeter vor mir stehen.
„Wieso sollte ich Euch vertrauen? Ihr habt keinerlei Beweise für Eure Herkunft.“
Erneut muss ich zu ihm aufschauen.
„Nein, ich habe keine Beweise. Nur mein Wort. Ich bin die Tochter von Roger Regn, einziges lebendes Mitglied dieser Familie und Erbin von Castamaer.“
Niemand im Zelt sagt etwas.
Das Schweigen ist erdrückend.
„Das ist das erste und das letzte Mal, dass ich zu Euch kommen werde, um meine Unterstützung in diesem Krieg anzubieten. Ich habe 9.000 Schwerter, die ich mit Vergnügen gen Lannister richten werde. Ich verstehe nicht viel von Kriegsführung, doch ich bin nicht dumm. Ich weiß, dass ich allein nichts ausrichten kann. Aber ich weiß auch, dass Ihr jedes weitere Schwert in diesem Kampf benötigt. Ich bettle nicht darum, dass Ihr meine Hilfe akzeptiert. Lehnt sie ab und ich ziehe mich zurück nach Tyrosh. Glaubt mir, wenn ich Euch sage, dass ich sehr geduldig bin. Ich kann auch ein paar Jahre länger warten, um die Lannisters zu stürzen.“
„Ihr erwartet eine sofortige Antwort von mir.“
Es war keine Frage und doch verneine ich.
„Ich gebe Euch zwei Tage Zeit. Das sollte genügen, um Euch mit Euren Ratgebern auseinanderzusetzen. Ihr wisst ja, wo Ihr mich findet werdet.“
Ich mache mich daran, das Zelt zu verlassen, verharre kurz vor dem Ausgang jedoch noch kurz.
„Oh und ich erwarte natürlich, dass Ihr persönlich kommt. Alles andere würde mich kränken.“
Das sind meine letzten Worte, bevor ich endgültig gehe.
Draußen erwartet mich bereits Praxox, welcher mir meinen Helm reicht.
Gerade will ich mir diesen aufsetzen, da höre ich Lord Starks Stimme hinter mir.
„Lady Alissa! Wartet! Ich habe noch einige Fragen an Euch!“
Lächelnd drehe ich mich zu ihm um.
„Willigt ein und ich werde Euch all Eure Fragen beantworten. Überlegt es Euch gut. Ich habe kaum Forderungen. Alles was ich will ist Rache. Und natürlich den Sitz meiner Familie. Ihr habt zwei Tage. Ich erwarte Eure Antwort.“
Ich setze meinen Helm auf, stopfe diesmal aber nicht mein Haar hinein.
Mit aller Kraft ziehe ich mich auf den Sattel meines Pferdes.
Diese Rüstung ist wirklich schwerer als erwartet.
Wie können Männer darin nur kämpfen?
Ich greife nach den Zügeln und ignoriere all die neugierigen Blick um mich herum.
Ich muss zurück zu meinem eigenen Lager.
Wenn alles gut läuft, packen wir bald wieder alles zusammen und gesellen uns zu den Starks.


                                                                                             ***


„Er wird nicht kommen.“, murmelt Praxox zum wiederholten Male.
Das Ultimatum ist fast vorbei.
Fast zwei Tage ist es her, dass ich im Lager der Starks war und bis jetzt habe ich keinerlei Antwort erhalten.
Ich war mir so sicher, dass es funktionieren würde!
Wenn Robb Stark schon nicht die Neugier hier her treibt, dann doch wenigstens sein Stolz!
Immerhin wurde er von einem kleinen Mädchen mehr oder weniger auf die Probe gestellt!
„Er wäre dumm, wenn er meine Unterstützung ablehnen würde.“
Praxox schlägt mit der Faust fest auf den Tisch.
„Ihr hättet ihm keine Zeit lassen dürfen! Ihr hättet sofort eine Antwort von diesem Burschen fordern sollen. Warum habt Ihr das Zelt überhaupt so schnell wieder verlassen? In diesem kurzen Zeitraum hätte man niemals alle Details klären können! Ich wusste, dass es ein Fehler war, Euch allein mit Robb Stark sprechen zu lassen! Ihr seid eine Frau, Ihr versteht von alledem ja sowieso nichts!“
Ich beiße mir fest auf die Innenseite meiner Wange.
Es ist die Ungeduld, die aus ihm spricht, dennoch hat er nicht das Recht, so mit mir zu sprechen!
Ich bin seine Lady!
„Ihr stellt meine Handlungen also in Frage?“
Ich muss Ruhe bewahren, wenn ich verhindern will, dass hier gleich alles aus dem Ruder läuft.
„Natürlich!“
„Und was hättet Ihr an meiner statt getan Praxox?“
Er ballt seine Hand erneut zu einer Faust.
„Ich hätte dem Jungen sofort vor die Wahl gestellt! Entweder er entscheidet sich sofort für uns oder wie gehen!“
„Und was denkst du, wäre seine Antwort gewesen?“
„Na er hätte zugestimmt! Er hätte nicht großartig Gelegenheit gehabt, darüber nachzudenken.“
„Und da liegt das Problem. Er hätte nicht darüber nachdenken können.“
„Das wäre ein Problem, weil...?“
Ich seufze leise.
„Versetzt Euch in seine Lage. Stellt Euch vor Ihr seid es, der  gegen die Lannisters in den Krieg zieht.“
„Das muss ich mir nicht vorstellen, dafür sind wir ja hier.“, unterbricht er mich, doch ich rede einfach weiter.
„Und jetzt denkt darüber nach, was Ihr tun würdet. Stellt Euch vor, Euer Vater sitzt in den Kerkern von Königsmund, angeprangert wegen Hochverrat. Stellt Euch vor, Eure Schwestern wären noch immer in den Fängen des Feindes. Ihr müsst jeden Schritt ganz genau durchdenken, sonst könnte das Leben von jeden von ihnen bald ein Ende finden. Und jetzt stellt Euch vor, eine Horde Fremder, aus einer fremden Stadt kommt zu Euch, behauptet, sie gehöre einer eigentlich ausgestorbenen Familie an und bietet ohne wirkliche Forderungen ihre Hilfe an. Was würdet Ihr tun?“
Praxox rümpft kaum merklich die Nase.
„Verzeiht mir Mylady, doch das kann ich mir nicht vorstellen. Ich hatte weder Schwestern, noch einen Vater. Ich würde jede Unterstützung annehmen, die mir geboten werden würde.“
Er verlässt im nächsten Moment bereits das Zelt und lässt mich mit meinen Gedanken allein.
Wie kann man nur so stur sein? Ich weiß, dass er es in seinem Leben nie leicht gehabt hatte, doch die Welt besteht nicht nur aus Krieg und Blut.
Männer eben.
Hoffentlich kann man mit Robb Stark besser sprechen, als mit dem Kommandant.
Wenn er denn überhaupt gedenkt, mich hier aufzusuchen, denn bis jetzt sieht es wirklich eher schlecht aus.
Ich beschließe, mich auf die Suche nach Maester Akur zu machen, um seine Meinung zu dieser Situation einzuholen.
Praxox hat mich verunsichert. Ich war mir so sicher, dass Lord Stark kommen würde.
Ich dachte immer, ich sei ein recht guter Menschenkenner...
Schnellen Schrittes stampfe ich durch das matschige Lager.
Von allen Seiten neigen die Männer pflichtbewusst den Kopf, als ich an ihnen vorbeiziehe, bis ich am Zelt des Maester angekommen bin.
Ohne großartig darüber nachzudenken, betrete ich es, doch muss ich im nächsten Moment feststellen, dass der alte Mann nicht allein ist.
Ihm gegenüber sitzt ein junges Mädchen, an dessen Kopf eine dicke und blutige Wunde klafft, welche Maester Akur mit einem Stück Stoff reinigt.
„Was geht hier vor?“
Maester Akur steht sofort auf und verneigt sich vor mir.
„Verzeiht Mylady, dass ich Euch nicht eher davon berichtet habe. Das ist Mahia.“
Einen Augenblick lang mustere ich das Mädchen, das völlig verängstigt auf dem Stuhl sitzt und wie gebannt auf den Fußboden starrt.
„Was tut sie hier?“
Maester Akur tritt einen Schritt zur Seite.
„Erzähl Lady Alissa das, was du mir erzählt hast.“
Obwohl ich einige Meter von ihr entfernt stehe, kann ich das Zittern ihrer Hände ganz eindeutig sehen.
„Mein Vater ist... war ein Bauer. Vor vier Tagen kamen Lannister Soldaten auf unseren Hof. Sie forderten alles Gold und sämtliche Pferde, die wir besaßen. Sie meinten, sie würden auf Befehl des Königs handeln und jeder müsse seinen Teil zu diesem Krieg beisteuern...“
Ich kann mir denken, worauf das hinauslaufen wird, doch ich lasse das Mädchen weitersprechen.
„Mein Vater weigerte sich, ihnen zu geben, was sie wollten. Er schickte mich ins Haus, da habe ich die Schreie schon gehört... I-Ich glaube sie haben ihn umgebracht.“
Sie fängt leise an zu schniefen und wischt sich mit dem dreckigen Ärmel ihres Kleides über das Gesicht.
„Ich bin weggelaufen. In den Wald hinein. Sie sind mir gefolgt, doch irgendwann konnte ich sie abhängen...“
Noch eine Familie, die die Lannisters zerstört haben. Eine weitere Waise, die sie auf ihrem gierigen Streitzug nach Macht hinterlassen haben.
„Die Wunde an deinem Kopf, wie ist das passiert?“
„Ich bin gestürzt und habe mir den Kopf angeschlagen. Danach haben mich diese Männer gefunden. Eure Männer und brachten mich her. Ich dachte zuerst, es wären auch Lannister Soldaten...“
Natürlich dachte sie das. Ich ließ alle Banner aufstellen.
Überall prangen stolze Löwen.
Nur sind es keine Lannister Löwen.
„Wir sind keine Lannisters, du musst vor uns keine Angst haben.“
Leicht lächelnd setze ich mich auf den Stuhl direkt vor ihr.
„Maester Akur, lasst doch bitte ein Bad in meinem Zelt vorbereiten. Und besorgt etwas warmes zum Anziehen für Mahia.“
„Ich kümmere mich sofort darum.“
Er geht und lässt uns beide zurück.
Sie könnte ein Spion der Lannisters sein...
Ich betrachte das Mädchen vor mir ganz genau.
Sie ist von dünner, ja fast schon magerer Statur. Wie es scheint hat sie noch nie genug zu essen bekommen.
Ihr Kleid ist dreckig und zerlöchert, wahrscheinlich von ihrer Flucht vor den Soldaten.
Wenn es denn stimmt, was sie sagt.
„Wie alt bist du Mahia?“
„13 Mylady.“
Drei Jahre jünger als ich.
„Und hast du irgendwo noch weitere Verwandte? Einen Onkel, zu dem du gehen kannst? Was ist mit deiner Mutter?“
Sie fängt an, an dem Stoff ihres Kleides zu zupfen.
„Meine Mutter starb bei meiner Geburt. Bis auf meinen Vater hatte ich niemanden. Ich kann nirgendwohin...“
Ein Mädchen, das aus dem Nichts auftaucht, ist wirklich mehr als nur verdächtigt, doch aus einem mir unerklärlichen Grund glaube ich ihr.
„Nun... ich bin die einzige Frau hier in diesem Lager. Ich könnte weibliche Gesellschaft gebrauchen. Und eine Zofe, die mir ab und zu zur Hand geht. Wenn du einwilligst hier zu bleiben, muss dir aber bewusst sein, dass wir in den Krieg ziehen. Uns werden sicherlich noch einige feindliche Soldaten begegnen. Sollten wir besiegt werden, wird man uns schänden, uns schlagen und wahrscheinlich auch umbringen. Also überlege es dir gut.“
Zum ersten Mal hebt Mahia langsam ihren Kopf, wobei ihre braunen Haare so zur Seite fallen, dass ich endlich in ihre ebenso braunen Augen blicken kann.
„I-Ich... würde ich gehen, wüsste ich nicht wohin...Ich bin ganz allein. Wenn ich bleibe, werdet Ihr dann auf mich aufpassen?“
Vorsichtig greife ich nach Mahias Hand.
„So gut ich kann.“
Tränen glitzern in ihren Augen, als sie plötzlich von ihrem Stuhl regelrecht aufspringt und die Arme um meine Hüfte schlingt.
Zögernd lege auch ich meine Arme um sie.
Sie ist eine Waise. Genau wie ich.
Von jeden auf dieser Welt allein gelassen.
Als Frau vollkommen hilflos.
Ich kann sie nicht fortschicken, doch ich hoffe für sie, dass sie wirklich kein Lannister Spion ist.
„Lady Alissa, Männer der Starks sind soeben eingetroffen.“, ertönt eine Stimme von draußen und ich lasse Mahia langsam los.
„Ich muss gehen. Maester Akur wird bald zurückkommen und sich um dich kümmern. Er wird dir alles bringen, was du benötigst, sag es ihm einfach.“
Mahia zittert noch immer, doch ich hoffe es liegt nun mehr an der Kälte, anstatt an der Angst, die sie verspürt.
Ich stehe auf und nehme eine der Decken, die auf Maester Akurs Bett liegen.
„Hier.“
Vorsichtig lege ich den Stoff um ihre Schultern und verfrachte sie zurück auf den Stuhl, auf dem sie gesessen hat, bevor ich mich vergewissere, dass kein Blut von ihrer Wunde an meinem Kleid klebt.
„Warte hier. Ich werde später noch einmal nach dir schauen.“
Das Mädchen nickt leicht und obwohl ich ein schlechtes Gewissen habe, sie jetzt einfach allein zu lassen, sollte ich die Starks nicht warten lassen.
Vor dem Zelt wartet bereits einer meiner Männer, welcher mich zu unsren Gästen führt.
Als ich das Zelt betrete, warten bereits einige Männer darin, doch Robb Stark springt mir sofort ins Auge.
„Lord Stark, Lady Stark. Es freut mich, dass Ihr doch noch die Zeit fandet, mir einen Besuch abzustatten.“
Er hat seine Mutter mitgebracht.
Was soll ich davon halten?
„Ihr habt mir zwei Tage Bedenkzeit gegeben, habt Ihr das schon vergessen?“
Ich betrachte die anderen Anwesenden.
Ser Rodrik ist dabei und ein junger Mann, den ich nicht kenne, doch er kann nicht viel älter als Robb sein.
„Nein, das habe ich nicht vergessen. Ich hätte nur nicht erwartet, dass Ihr für Eure Entscheidung wirklich so viel Zeit benötigt. Ich bin es nicht gewohnt, dass mich jemand warten lässt.“
Der mir fremde junge Mann lacht leise auf.
„Das glaube ich gern.“, grinst er und mustert mich ganz offensichtlich.
„Und wer seid ihr, wenn ich fragen darf Lord...?“
Er tritt einen Schritt auf mich zu, streckt seine Brust nach draußen und hebt das Kinn.
„Ich bin Theon Graufreud,-“
Er will weitersprechen, wahrscheinlich um noch weitere Titel an seinen Namen zu hängen, doch ich falle ihm ins Wort.
„Ah, Graufreud. Der Name sagt mir etwas. Haus Graufreud von Peik. Die gescheiterte Rebellion gegen Robert Baratheon richtig?“
Seine stolze Haltung verliert ein wenig an Kraft und er kommt noch näher auf mich zu.
„Das ist-“
„Das reicht Theon!“
Lord Stark legt dem jungen Graufreud eine Hand auf die Schulter und zwingt ihn somit stumm, wieder nach hinten zu treten.
„Deswegen sind wir nicht hier.“
„Nein, Ihr seid hier, weil ihr Fragen habt, nicht wahr Lord Stark? Und ich bin gewillt Euch diese Fragen zu beantworten. Ihr müsst nur einwilligen, mit mir gemeinsam in den Krieg gegen die Lannisters zu ziehen.“
Nun bin ich diejenige, die auf den jungen Wolf zutritt.
„Also Lord Stark. Wie habt Ihr entschieden?“
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