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A Night to Remember

Kurzbeschreibung
OneshotHumor, Liebesgeschichte / P12 / Gen
11.03.2019
11.03.2019
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Mein Herz pochte wie wild als ich dem gut aussehenden Typen, den ich soeben auf der Party meiner besten Freundin Ella kennengelernt hatte, nach draußen folgte. Er machte ziemlich große Schritte, was mich schon sehr wunderte, da er meines Wissens nach nicht wenig getrunken hatte. Ich hatte währenddessen Mühe mit ihm Schritt zu halten. Immer wieder fragte ich mich wie Ella es schaffte die ganzen Leute zusammen zu bekommen. Ständig waren auf ihren Partys die ganzen Typen aus der Oberstufe und diesmal war es kein geringerer als Wincent Weiss.

Habe ich schon erwähnt das er derjenige ist dem ich gerade zu folgen versuchte?
Nein?
Doch tatsächlich entspricht es der Wahrheit, denn unter den ganzen Typen die dort rumliefen hatte ausgerechnet er mich angesprochen.
Mich - das Mauerblümchen unter den ganzen Models dieser Party. Ich hatte mit meinem Longdrink in einer Ecke gesessen und die Party von dort aus verfolgt. Nie im Leben hätte ich damit gerechnet das mich ein Typ ansprechen würde und schon gar nicht Wincent. Natürlich hatte ich gewusst das er dort sein würde, denn Ella hatte seit Wochen von nichts anderem mehr gesprochen. Wie jedes andere Mädchen fand ich ihn natürlich auch total toll, doch ich hatte ihn bis jetzt nur aus der Ferne betrachtet. Er war eine Klasse über mir und nie im Leben hätte ich mich getraut ihn anzusprechen.

Auf der Party stand er dann jedoch ganz unerwartet auf einmal vor mir und strahlte mich mit seinem unwiderstehlichen Lächeln an.
,,Hey, warum sitzt du denn hier so alleine rum?‘‘, hatte er gefragt und mich direkt in seinen Bann gezogen. Ich hatte noch nie so einen schönen Mann gesehen und mit Sicherheit sah er mir mein Staunen an, denn ich fühlte mich komplett unfähig ihm zu antworten.
Lediglich ein paar unverständliche Worte kamen über meine Lippen und nichtmal ich verstand den Sinn in ihnen. Die Musik war zudem so laut sodass meine Worte von ihr verschlungen wurden. Ich überspielte diese peinliche Situation mit einem unsicheren Lächeln und nahm schnell ein Schluck von meinem Longdrink.

Zu schnell wohlgemerkt, denn tollpatschig wie ich war verschluckte ich mich prompt daran. Ich begann wie verrückt zu husten und das der Alkohol in meiner Lunge brannte machte das Ganze nicht besser. Wincent zappelte nicht lange und fing an mir sanft aber bestimmt auf den Rücken zu klopfen. Nach ein paar Minuten war mein Hustenanfall überstanden, jedoch war ich nun knallrot im Gesicht. Zwar konnte ich mich nicht sehen, aber dennoch wusste ich es da ich regelrecht am glühen war.

So viele Peinlichkeiten in der kurzen Zeit, das musste man erstmal schaffen und der Abend war noch nicht zu Ende. Eigentlich hatte ich damit gerechnet das Wincent spätestens jetzt die Flucht ergreifen würde, doch zu meiner Verwunderung blieb er und wagte einen zweiten Versuch mich zum Reden zu bekommen.
,,Geht’s wieder?‘‘, fragte er total führsorglich während seine rechte Hand immer noch auf meinem Rücken ruhte. Ich nickte bloß, denn sprechen konnte ich nach wie vor nicht. Seine Hand verschwand und er deutete mir an ihm zu folgen, doch ich schaute ihn nur fragend an.
,,Komm mit, hier ist es viel zu laut.‘‘, antwortete er als Erklärung. Ich hatte keine wirkliche Kontrolle über meinen Körper, doch meine Füße schienen ihm folgen zu wollen. Zwar war ich auf Grund des Alkohols schon ziemlich wackelig auf den Beinen, doch ich schaffte es aufzustehen und ihm durch den Raum zu folgen. Wo wollte er bloß mit mir hin und wieso ausgerechnet ich? Immer wieder sah er sich zu mir um, vermutlich um zu prüfen ob ich ihm noch folgte. Aber ganz ehrlich, was blieb mir schon anderes übrig? Er war immerhin Wincent Weiss.

Während ich ihm also nach draußen folgte gingen mir ziemlich viele Dinge durch den Kopf. Vorallem fiel mir auf wie gut er mal wieder gekleidet war. Ich wusste zwar das er neben der Schule als Model arbeitete, aber das er auch privat so ein Stilbewusstsein hatte überraschte mich jedes Mal wieder aufs neue. Er trug eine schwarze Hose und ein weinrotes Hemd, dazu kombinierte er schwarz- weiße Sneaker. Diese Kombi war schlicht und gleichzeitig schick, weswegen sie mir gleich doppelt so gut gefiel.

Irgendwann waren wir draußen angekommen wo er sich schließlich zu mir umdrehte. Eine Weile lang sagte keiner von uns beiden etwas. Wir waren bloß zwei Menschen die während einer lauwarmen Sommernacht unter einer großen Eiche standen und sich anschauten. Es war nichtmal unangenehm ihn einfach nur anzusehen. Ich studierte sein Gesicht genau und versuchte mir jedes noch so kleine Detail einzuprägen, damit ich mich später ganz bestimmt an alles erinnern würde. Erstmal bemerkte ich das er überhaupt nicht so betrunken war wie ich erst dachte, denn seine braunen Augen leuchteten ganz klar im Licht der Straßenlaternen. Seine braunen Haare waren perfekt gestylt und trotzdem führten einzelne Strähnen ihr Eigenleben. Ganz allgemein zusammengefasst hatte er echtes Traummann Potential.

Noch immer wusste ich nicht was genau ihn dazu bewegt hatte mich anzusprechen und mit mir die Party für eine Weile zu verlassen. Ich war mir sicher das er bei der nächsten Gelegenheit flüchten würde, spätestens wenn er merkte das ich zu keiner Unterhaltung zu gebrauchen war.
,,Also, verrätst du mir nun was so jemand wie du ganz alleine auf dieser Party macht?‘‘, sagte er weswegen in meinem Kopf direkt alle Alarmglocken läuteten. Ich hatte eigentlich gehofft diese angenehme Stille noch ein wenig beibehalten zu können, doch scheinbar hatte er anderes im Sinn. Er wollte sich tatsächlich mit mir unterhalten. Ich suchte nach passenden Wörten, einer passenden Antwort, doch mein Kopf war wie leer gefegt. Sinnbildlich könnte man sich genauso gut eine leere Wüste vorstellen durch die ab und zu ein wenig ruthenisches Salzkraut rollt.

Wincent wartete immer noch auf eine Antwort und ich starrte ihn immer noch einfach nur an, was dazu betrug das die Situation wieder unangenehm wurde.
,,Ich bin nicht alleine hier … also schon irgendwie … aber Ella ist meine beste Freundin … und äh …‘‘, stammelte ich mir schließlich einen zurecht woraufhin er anfing zu lachen.
Himmel, sein Lachen klang wie Musik in meinen Ohren.
,,Ich versteh schon.‘‘, erwiderte er anschließend.
,,Verrätst du mir deinen Namen?‘‘
,,Maya.‘‘, nannte ich ihm nach einer gefühlten Ewigkeit meinen Namen. Ich weiß auch nicht warum ich ihm gegenüber so verdammt schüchtern war, aber es war einfach ungewöhnlich das er sich ausgerechnet für mich zu interessieren schien.
,,Maya …‘‘, wiederholte er meinen Namen sanft und wenn er ihn aussprach klang das sogar wirklich wunderschön.
,,Ich bin Wincent.‘‘
,,Weiß ich doch …‘‘, entgegnete ich leise und traute mich kaum mit ihm Blickkontakt zu halten.
,,Woher?‘‘, fragte er amüsiert und ich sah aus dem Augenwinkel wie er mich neugierig musterte.
,,Sogut wie jeder auf der Schule kennt dich …‘‘, redete ich mich raus um nicht zugeben zu müssen, dass ich schon seit einigen Monaten immer mal wieder ein Auge auf ihn geworfen hatte. Er wohnte praktischerweise in meiner Nachbarschaft, weswegen ich ihn jeden Morgen sah wenn er mit dem Fahrrad zur Schule fuhr. Manchmal ging er sogar zu Fuß und an diesen Tagen war der Moment wo er vor meiner Tür herlief immer ein kleines Highlight, da ich ihn länger betrachten konnte als wenn er Fahrrad fuhr. Klingt das irgendwie komisch? Bestimmt, ich sollte das lieber für mich behalten.
,,Ja scheint so. Hast du Lust ein wenig spazieren zu gehen?‘‘, lautete seine nächste Frage. Mein Herz machte innerlich einen Freundensprung und setzte gefühlt für einen Moment aus ehe es in doppelter Geschwindigkeit weiter schlug.
Hatte er diese Frage gerade wirklich gestellt? Oder bildete ich mir das auf Grund meiner Wunschvorstellungen alles nur ein?

Als ich nach mehreren Minuten immer noch nicht geantwortet hatte wiederholt er seine Frage ein zweites Mal. Oh mein Gott, es war also keine Einbildung gewesen. Wincent Weiss, der begehrteste Junge an meiner Schule wollte mit mir einen nächtlichen Spaziergang machen. Wie könnte ich da jemals ‘Nein‘ sagen? Da mir mal wieder die Worte fehlten nickte ich einfach nur, doch immerhin bekam ich ein einigermaßen freudiges Lächeln zustande.
Wir liefen los und entfernten uns immer weiter von Ella’s Haus.
Wincent schlug einen schmalen Pfad, welcher in einen kleinen Park führte, ein. Diese Gegend war mir ehrlich gesagt etwas unheimlich was er, aufmerksam wie er nunmal war, direkt bemerkte und instinktiv nach meiner Hand griff. Hier in Eutin war zwar noch nie etwas gravierendes passiert, aber man konnte ja nie wissen. Auch wenn ich mich mit Wincent an meiner Seite wirklich sehr sicher fühlte blieb ein leichtes mulmiges Gefühl zurück.

,,Alles gut? Du bist so ruhig.‘‘, stellte er nach einiger Zeit fest in der er durchgängig geredet hatte. Ach, das ich kaum was sagte fiel ihm jetzt erst auf? Ich war doch schon seit Beginn unserer Unterhaltung, obgleich es eher ein Monolog seinerseits war, ziemlich still.
,,Alles gut, ich hab nur im dunkeln etwas Angst.‘‘, teilte ich ihm ehrlich mit woraufhin er mich ein bisschen näher zu sich zog.
,,Wir können auch wieder zurück gehen.‘‘, schlug er vor.
,,Ja … das wäre mir ganz lieb … ich muss auch langsam mal nach Hause.‘‘, antwortete ich. Tatsächlich wäre ich gerne die ganze Nacht mit ihm durch diesen Park gelaufen, doch auf Grund der Tatsache das es hier doch ein wenig unheimlich war und meine Eltern morgen aus dem Urlaub zurück kommen würden, zog ich es doch vor nach Hause zu gehen da ich morgen früh noch aufräumen musste.

Eine halbe Stunde später standen wir vor meinem Haus. Wincent entpuppte sich als echten Gentlemann und begleitete mich bis vor die Haustür. Den kompletten Rückweg über hatte ich aus meinem Leben erzählt. Irgendwann hatte es einfach Klick gemacht und solange ich ihn nicht zu lange ansah war es auch kein Problem mehr mit ihm zu reden. Jetzt wo wir vor meiner Tür standen kam jedoch diese unangenehme Stille zwischen uns wieder auf.
,,Ich geh dann mal rein … wir sehn uns …‘‘, schaffte ich es zu sagen und das obwohl ich geradewegs in seine tiefbraunen Augen blickte.
,,Okay, wir sehn uns … schlaf gut.‘‘, erwiderte Wincent, den scheinbar auch eine leichte Unsicherheit überkam. Keiner von uns Beiden schien so recht zu wissen wie man sich jetzt am besten voneinander verabschiedet und so endete das Ganze in einem peinlichen Zwischending aus Umarmung und Hände geben.

Nach der gescheiterten Verabschiedung wollte Wincent eigentlich gehen, doch was ich dann sagte hielt ihn direkt auf.
,,Fuck, ich hab meinen Schlüssel gar nicht dabei.‘‘, fiel mir auf während ich meine kleine Umhängetasche durchwühlte.
,,Hast du ihn bei Ella vergessen?‘‘, fragte er nach, doch das konnte ich nur verneinen. Mein Schlüssel lag genau in dem Haus vor dem wir gerade standen.
,,Verdammt, was mache ich denn jetzt … meine Eltern kommen erst morgen wieder und abgesehen davon das ich jetzt nicht mehr aufräumen kann bevor sie wieder kommen muss ich jetzt scheinbar in der Gartenhütte übernachten.‘‘, sprach ich in meiner Verzweiflung meine Gedanken laut aus.
,,Quatsch! Du schläfst ganz bestimmt nicht in einer Gartenhütte.‘‘, protestierte Wincent direkt.
,,Du kommst einfach mit zu mir.‘‘, fügte er noch hinzu und sein bestimmender Ton ließ keinen Spielraum für Ablehnung zu.
,,Bitte was? Nein … ich hab schonmal in der Gartenhütte geschlafen … das geht schon.‘‘, erwiderte ich perplex.
,,Kommt nicht in Frage. Du kannst bei mir schlafen.‘‘, wiederholte er sich und ich beschloss ihm nicht weiter zu widersprechen.
Still schweigend folgte ich ihm zu seinem Haus welches nur ein paar Straßen weiter stand. Er schloss die Tür auf und ließ mich eintreten. Bis jetzt hatte ich sein Haus lediglich von außen betrachten können, doch von innen sah es mindestens genauso schön aus, wenn nicht sogar noch schöner. Das was ich in der Dunkelheit erkennen konnte wirkte alles sehr freundlich und modern.
Zu gerne hätte ich mich genauer umgesehen, doch Wincent dirigierte mich direkt ins Obergeschoss. Wenn mir heute morgen jemand gesagt hätte das ich die nächste Nacht im Haus von Wincent Weiss verbringen würde, hätte ich ihn womöglich für verrückt erklärt. Diese Situation hätte ich mir in meinen schönsten Träumen nicht ausmalen können.

Ich folgte Wincent in sein Zimmer und war direkt überrascht wie ordentlich es hier war. Entweder er hatte damit gerechnet das er heute Nacht jemanden mit nach Hause bringen würde und hatte deshalb vorher aufgeräumt oder er war an sich einfach so durchstrukturiert. Sein Zimmer gefiel mir wirklich mehr als gut und das obwohl es nicht gerade groß war. Vor dem Fenster stand ein Schreibtisch an dem direkt ein großer Kleiderschrank grenzte. Rechts von mir stand ein 1,40m Bett und auf der anderen Seite befand sich eine gemütliche Sitzecke mit einem Zweimann Sofa und einem grauen Sitzsack. Hätte man mich gefragt wäre ich hier sofort eingezogen, doch diesen Gedanken behielt ich natürlich für mich.
,,Hier, das kannst du anziehen.‘‘, holte Wincent mich aus meinen Gedanken während er mir eins seiner T-Shirts und eine Jogginghose von sich zuwarf. Ach stimmt ja, ich hatte ja auch keine Schlafsachen dabei.
,,Danke … wo ist denn das Bad?‘‘, fragte ich direkt da ich mich ungerne hier vor ihm umziehen wollte.
,,Direkt gegenüber und in dem Schrank unter dem Waschbecken findet du auch eine Einmalzahnbürste.‘‘, antwortete er während er schon dabei war sein Hemd auszuziehen. Zu gerne hätte ich ihm weiter dabei zugesehen, doch ich wollte nicht das es wieder unangenehm zwischen uns würde, weswegen ich direkt ins Bad flüchetete.

Schnell machte ich mich etwas frisch, putzte mir mit besagter Einmalzahnbürste die Zähne und zog mich um. Ehe ich zurück ins Zimmer ging betrachtet ich mich im Spiegel. Ich sah total bescheuert aus. Seine Sachen waren viel zu groß. Das T-Shirt hätte ich ebensogut als Kleid tragen können und von der Jogginghose wollte ich gar nicht erst anfangen. Meine langen brauen Haare standen gefühlt in alle Richtungen ab weswegen ich sie etwas anfeuchtete und sie anschließend zu einem lockeren Dutt zusammenband. Ich konnte machen was ich wollte, aber mein Aussehen würde heute nicht mehr besser werden.

Na ja, was solls. Neben ihm konnte ich so oder so nicht gut aussehen, egal was ich trug. Ich ging also zurück in sein Zimmer wo er nur in Boxershorts gekleidet auf dem Bett saß. Im ersten Moment schaute ich weg, doch schließlich erlaubte ich mir einen Blick auf seinen perfekten Körper. Das er gut gebaut war sah man natürlich auch wenn er etwas an hatte, aber wie er tatsächlich aussah verschlug mir glatt wieder die Sprache. Er hatte nicht nur ein ausgeprägtes Sixpack, sondern auch diesen V-Muskel in der Leistengegend bei dem jede Frau verrückt werden würde.
Wie ich ihn so musterte schaute er plötzlich hoch, weswegen ich meinen Blick direkt abwendete.
,,Ähm … wo kann ich denn schlafen?‘‘, fragte ich um die Situation zu überspielen.
,,Hier.‘‘, erwiderte er lediglich und klopfte dabei auf sein Bett.
,,Okay … und wo schläfst du?‘‘
,,Na auch hier … die kleine Couch ist ziemlich unbequem … also wenn du nichts dagegen hast mit mir in einem Bett zu schlafen …‘‘, stammelte er und fasste sich dabei unsicher in seine Haare die mittlerweile total zerzaust waren. In mir drin schreite alles danach wegzulaufen. Nie im Leben würde ich neben ihm schlafen können!
Meine aufkommende Panik überspielte ich mit einem ,,Kein Problem‘‘ und einem unsicheren Lachen.
Mit langsamen Schritten ging ich zum Bett, ließ mich darauf nieder und krabbelte an die Wand.
,,Gute Nacht.‘‘, sagte ich noch doch ich wusste schon das ich kein Auge zutun würde.
,,Schlaf gut.‘‘, erwiderte Wincent der sich nun ebenfalls hinlegte. Nur in Boxershorts wohl gemerkt.
Glücklicherweise lag ich mit dem Rücken zu ihm und so starrte ich eine ganze Zeit lang einfach nur die Wand an bis ich mir sicher war das Wincent eingeschlafen war. Sein ruhiger Atem ließ mich das zumindest vermuten, weswegen ich mich vorsichtig zu ihm umdrehte. Ich hatte Recht. Wincent lag auf dem Rücken und schlief tief und fest. Den Kopf hatte er in meine Richtung geneigt, sodass sich eine perfekte Sicht auf ihn bot. Seine sonst so makanten Gesichtszüge wirkten in dem wenigen Mondlicht, welches durch das Fenster hinein fiel, unfassbar weich. Er sah im allgemeinen total friedlich aus und ich konnte nicht leugnen das gerade tatsächlich mein schönster Traum in Erfüllung ging.
Eine ganze Weile schaute ich ihm einfach beim schlafen zu, doch irgendwann erschlich sich mir ein Gedanke, den ich leider nicht mehr los wurde.

Aus jahrelanger Erfahrung wusste ich wie ich morgens aussah. Absolut schrecklich! Was wäre jetzt also wenn Wincent morgen vor mir aufwachen würde? Das war nun wirklich eine absolute Horrorvorstellung, denn wie schon gesagt sah ich am Morgen einfach aus wie ausgekotzt. Ich war absolut nicht vorzeigbar und mied den Blick in den Spiegel solange wie möglich. Wincent wollte ich diesen Anblick um jeden Preis ersparen, doch das würde bedeuten, dass ich vor ihm wach sein musste um mich wenigstens ein bisschen herzurichten.
Stunde um Stunde verging in der ich auf Grund meiner Gedanken einfach nicht in den Schlaf fand. Ich hatte viel zu viel Angst davor nicht rechtzeitig wach zu werden und ihm somit einen riesen Schrecken einzujagen. Er gehörte nämlich definitiv zu der Sorte Mensch die einfach immer perfekt aussahen. Dazu konnte ich mich leider nicht zählen.

Mit diesen Gedanken schlief ich irgendwann doch noch ein und wurde am nächsten Morgen von Wincents sanfter Stimme geweckt.
,,Guten Morgen, Maya.‘‘, sagte er und mit einem Mal war ich hellwach.
Scheiße! Mein Plan war kläglich gescheitert. Ich schlug die Augen auf und bemerkte direkt das Wincent mich anschaute. Zu allem Übel hatte ich mich während des Schlafens sogar zu ihm umgedreht, weswegen er nun die volle Breitseite meiner morgentlichen Hässlichkeit zu sehen bekam.
Reflexartig zog ich mir die Bettdecke vors Gesicht und ohne drüber nachzudenken erwiderte ich: ,,Oh Gott, schau mich nicht an!‘‘
,,Wieso denn nicht?‘‘, fragte Wincent lachend und wirkte sichtlich verwirrt.
,,Ich bin morgens absolut nicht vorzeigbar und eigentlich wollte ich vor dir wach sein.‘‘, plapperte ich meinen Plan aus.
,,Red keinen Unsinn! Du siehst selbst so verschlafen total bezaubernd aus.‘‘, erwiderte er und brachte mich damit unweigerlich zum lachen.
Er zog mir die Bettdecke vor meinem Gesicht weg und schaute mich lächelnd an.
Und auch wenn ich mich morgens sonst wie der letzte Dreck fühlte, so hatten seine Worte doch etwas bewirkt. An diesem Morgen fühlte ich mich das erste Mal schön und mit einem Mal war neben ihm aufzuwachen doch keine Horrovorstellung mehr.
Ganz im Gegenteil … ich hoffte sogar, dass es nicht das letzte Mal gewesen war.
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