Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

nostra itinera

von Skillz
GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Han / Han Jisung Lee Know / Lee Minho
10.03.2019
12.04.2020
38
116.205
32
Alle Kapitel
57 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
15.11.2019 3.444
 
,,Jisung, ich mag dich. Ich mag dich wirklich.”

Ich blickte um die Ecke und entdeckte, Hyunjin, der Jisung so weit zurück drängte, bis dieser an die Wand lehnte. Mein Puls schoss sofort in die Höhe, als ich merkte, wie nahe sich die beiden standen.

,,Ich dachte, du hasst mich”, entgegnete Jisung, woraufhin ich nur leicht nickte als wollte ich das für mich selbst nochmal bestätigen.

,,Irgendwo tue ich das auch.” Hyunjin lehnte den Unterarm neben Jisungs Kopf und beugte sich hinunter. ,,Weil du viel zu perfekt bist. Es ist kaum zum Aushalten.”

Am liebsten wäre ich losgesprintet und hätte mich dazwischen gedrängt, doch ich war wie gelähmt. Nicht nur, dass ich mich so fühlte. Meine Gliedmaßen waren wirklich schwer wie Beton.

,,Was? Ich versteh’ das nicht.” Jisung stemmte die Hände gegen die Brust des Größeren und sank immer weiter in sich zusammen, während er immer verlegener wurde. Verlegen, aber nicht abgeneigt der Situation gegenüber.

Ich biss mir auf die Unterlippe und beobachtete voller Anspannung das Szenario vor mir, wobei meine Kehle sich immer weiter zuschnürte. Meine Finger kratzten über die raue Oberfläche der Wand und meine Füße fingen an, unfassbar zu jucken.

,,Du bist auch einfach wahnsinnig blöd.” Hyunjin überbrückte die letzten paar Zentimeter und presste den Mund auf den von Jisung.

Die Luft wurde daraufhin sofort kühler und mein Magen krampfte zusammen. Meine Knie wurden simultan dazu auf einmal butterweich, woraufhin ich mich doch an die Wand lehnen musste, um nicht umzufallen.

Der Schockmoment kam allerdings, als Jisung langsam die Arme um Hyunjins Hals legte und den anderen an sich zog, woraufhin sich der Kuss vertiefte.

Wie hypnotisiert starrte ich auf die beiden und brauchte eine Weile, um zu verarbeiten, was da gerade überhaupt passierte. Sobald mir das Ganze einleuchtete, wurde es nur noch kälter, dabei glühte in mir unfassbare Wut und Enttäuschung auf.

Eifersucht konnte diese Empfindung nicht einmal ansatzweise beschreiben, weil ich mich so fühlte als hätte ich einen riesigen Vulkan in mir, der fünfmal hintereinander ausgebrochen war, sodass statt Blut nun Lava durch meinen Körper zirkulierte.

Ich wollte am liebsten wegsehen, allerdings war ich entsprechend der Kälte wie angefroren, während noch immer die Hitze in mir weiter aufstieg.

Als sie sich lösten, konnte ich sehen, wie noch ein Speichelfaden ihre Lippen verband, was darauf hinwies, dass eindeutig die Zunge mit im Spiel gewesen war.

Jisung schien so zerbrechlich unter Hyunjin zu sein, aber gleichzeitig komplett hingerissen von dem Spektakel. Sein Brustkorb hob und senkte sich hektisch, während er mit leicht geöffnetem Mund nach Atem rang.

Fast gleichzeitig drehten sich die beiden zu mir um, woraufhin ich mich endlich lösen konnte und wegrannte.






Ich wachte nicht verschwitzt auf. Zum Glück.

Jisung lag nämlich noch neben mir. Der war auch schon wach und drehte sich zu mir um, ehe er die Hand auf meine Brust legte. ,,Hi.”

Ich blinzelte und griff etwas träge nach seiner Hand. ,,Hi”, flüsterte ich und schloss wieder kurz die Augen, atmete tief durch und musste erst einmal diesen Albtraum verarbeiten.

,,Ist was?”

Ich schüttelte den Kopf und hob diesen anschließend etwas, um festzustellen, dass niemand außer uns noch da war. ,,Schon wieder verschlafen? Alter, was ist das denn für ein Fluch?”

,,Training beginnt erst heute Nachmittag. Chan will sich heute nochmal mit JYP treffen wegen dem Broadcast”, erklärte Jisung, ,,Hat er vorhin kurz erklärt, bevor er raus gegangen ist.”

Ich war von Minute zu Minute verwirrter. ,,Hä, seit wann bist du wach?”

,,Vielleicht eine halbe Stunde”, antwortete er und lehnte den Kopf an meine Brust, ,,Also noch nicht lange.”

Hatte ich dann doch so tief geschlafen? Normalerweise wachte ich relativ schnell auf … Der Gedanke, dadurch angreifbar sein zu können, bereitete mir einen kleinen Schauer. Ich fühlte mich auf einmal so ausgeliefert, zumal Jisung mich während des Schlafens hatte beobachten können. Was, wenn man mir nach außen hin anmerkte, was ich träumte?

Der Gedankengang war paranoid, allerdings konnte ich es mir nicht verkneifen - zu geschockt war ich von meinem Albtraum.

,,Wir können uns also ein bisschen Zeit lassen. Zumindest solange, bis es Frühstück gibt”, erklärte Jisung und setzte sich auf. Seine Haare waren vom Schlafen ganz verwuschelt, was extrem niedlich aussah, zumal er nun anfing, zu gähnen, sich zu strecken und zu recken, wobei er sich die Augen rieb.

Noch immer liegend bewunderte ich seinen Morgenanblick und merkte, wie mein Brustkorb warm wurde.

,,Wir müssen mal durchlüften.” Auf die Aussage hin strampelte Jisung die Decke etwas weg und stand auf, bevor er zum Fenster schlurfte.

Ich hielt ihn fest in meinem Blick und beobachtete ihn aufmerksam dabei, wie er leichtfüßig zum Fenster schritt und an den Griff fasste, um es zu öffnen. Er trug einen meiner Pullover, weil ich ihm angeboten hatte, bei mir zu schlafen. Und da er zu faul war, um nochmal in sein Zimmer zu gehen, hatte er sich ohne zu fragen eins meiner Oberteile stibitzt. Es war ein dunkelgrüner Kapuzenpullover, der ihm bis zur Hälfte des Hintern reichte. Ansonsten hatte er noch seine Boxershorts an.

Schon alleine rein vom Aussehen her sah er wirklich knuddelnswert aus (deshalb war ich auch gestern so schnell eingschlafen), aber gleichzeitig hatte es etwas Reizendes. Ich wusste nicht, wieso ich so empfand. Vielleicht weil es Morgen war und meine Gedanken noch immer Karussell fahren wollten, anstatt sich endlich in die richtigen Ordnern im Hirn einzusortieren.

Ich merkte, dass meine Atmung automatisch ein wenig schneller wurde. Es wurde schlimmer, je länger Jisung einfach am Fenster stand und scheinbar die Morgenluft genoss, sich ein wenig hinaus lehnte und die Augen schloss, um jeden Moment quasi zu inhalieren.

,,Hast du auch eine Jogginghose?”, fragte er, ,,Mir ist kalt. Sind die in den Bündeln?”

,,Ne, die hab’ ich schon in den Kleiderschrank gepackt”, antwortete ich und sah dabei zu, wie Jisung das Fenster schloss und stattdessen dann auf Kipp stellte, zu meinem Kleiderschrank ging und die rechte Tür öffnete.

In der Mitte des Schranks befand sich ein schmaler Spiegel und ganz links eine weitere Schranktür, daher konnte er mich in der Reflektion ansehen, was er auch tat, mir kurz zulächelte und sich anschließend meinen Klamotten widmete.

Dabei rutschte der Pullover hoch und gab den Blick auf seinen Hintern frei. An sich ein ganz normaler Anblick, aber mir ging noch immer so viel durch den Kopf.

Wie Hyunjin ihn anfasste, ihn küsste, ihm den Verstand raubte.

Was, wenn es Jisung nervte, andauernd die Initiative ergreifen zu müssen?

Ich schnaubte leise und richtete mich auf. Mein Frust wuchs immer weiter und ich konnte es nicht verhindern, ihn wie hypnotisiert anzustarren.

Viel mehr konnte ich nicht nachdenken, stand auf und wankte auf Jisung zu, der sich gerade wieder zurück lehnte, weil er scheinbar eine ansprechende Hose gefunden hatte. ,,Darf ich die nehm…”

Ein ächzender Laut entkam ihm, sobald ich mich gegen ihn lehnte und die Hände links und rechts von seinem Kopf abstützte, bevor ich ihn an den Schrank presste.

,,Hyung, was tust du da?” Er versuchte den Kopf zu mir umzudrehen und ich hörte bereits die Verwirrung aus seiner Stimme.

Ich atmete rasselnd aus und presste die Lippen auf seinen Nacken, ein wenig unsicher darüber, was ich eigentlich tun wollte. Ich schloss die Augen und konzentrierte mich auf das Gefühl von seinem Rücken an meinem Oberkörper, wobei ich Gänsehaut bekam. ,,Was glaubst du denn?”

,,Ich … weiß es nicht.” Gegen Ende wurde er immer leiser und schien ein wenig in sich selbst einzusinken. Er scharte mit den Füßen, allerdings hatte er dazu schnell keine Möglichkeit mehr dazu, weil ich ihn umso fester gegen das Holz drückte.

Daraufhin kam ein wimmernder Laut von ihm. ,,Minho”, entkam es ihm mit kratziger Stimme.

Ich ging darauf gar nicht ein, weil mein Kopf ab da einfach abschaltete und meinem Körper die Führung überließ. Und der drückte sich von selbst mit dem Unterleib gegen den von Jisung, woraufhin der ganz sicher spüren musste, was für eine Stimmung ich gerade besaß.

Es lag eine unfassbare Spannung in der Luft als wäre sie kurz vorm Zerreißen. Man hörte nur das unregelmäßige Atmen von ihm, weil ich versuchte, meine Atmung weitgehend unter Kontrolle zu halten.

Ein Keuchen entkam aus seinem Mund, als ich anfing, meine Hüfte zu bewegen.

,,Minho”, wiederholte er, dieses Mal eher mit quengelndem Laut, ,,Fu…" Der Rest des Fluchens ging in einem heiseren Stöhnen unter.

Ich biss sanft in seinen Nacken und drängte mich weiter zwischen seine Beine, woraufhin ich meine Erregung in seinen Schritt pressen konnte. Das Blut rauschte in meinen Ohren, während ich die Reibung vom Stoff vor allem an meinen Oberschenkeln spürte.

Ein allzu vertrautes Gefühl spannte sich in meinem Bauch und verknotete die Fäden zu einem Knäul an Erregung, woraufhin ich selbst anfangen musste, zu keuchen.

Jisung versuchte sich, zu bewegen, was ich jedoch verhinderte, indem ich meine Hüfte nach vorne schnellen ließ und er somit etwas gegen den Schrank knallte.

Zuerst wollte ich sofort ablassen, gerade als er einen erschrockenen Laut von sich gab, aber am Zittern seiner Hände und der sonstig ausbleibenden Reaktion, erkannte ich, dass er lediglich überfordert, aber nicht abgeneigt war.

Ich fuhr mit den Händen seine Seiten entlang und hielt ihn an der Taille fest, während ich nun regelmäßig mit der Hüfte ausrollte und die Reibung dadurch konstant hielt. Dennoch wuchs dazu stetig meine eigene Lust, woraufhin ich die Nase in seinem Nacken vergrub und provokant dagegen atmete.

Etwas empfindlich stöhnte Jisung leise auf und kratzte mit den Fingernägeln über das Holz. ,,Ist alles in Ordnung bei dir?", fragte er mit kehliger Stimme. Fast ein wenig piepsig.

So einen Ton hatte ich von ihm noch nie gehört. Ich gab ein leises Knurren von mir, basierend auf der Wut über den Albtraum.

Aber davon wusste er ja nichts, weswegen er nur laut schluckte.

Trotz allem war ich noch immer extrem aufgeregt und hatte Sorgen, ihm wehzutun, weshalb ich kurz inne hielt, um ihn zu beobachten.

Daraufhin gab er einen kleinen Japser von sich und fing an, sich selbst am Schrank zu reiben. Seine Knie bebten dabei leicht, wobei er mit den Handflächen etwas verzweifelt über das Holz fuhr.

Ein wenig irritiert beobachtete ich diese Tätigkeit, bis mir einleuchtete, dass er das nur tat, weil ich aufgehört hatte.

Mit dieser Erkenntnis legte sich eine Art Schalter um, sodass ich mit den Händen zwischen seine Beine fuhr bis sie mit den Flächen auf der Innenseite seiner Oberschenkel anlagen. Ich begann dann wieder mit der Bewegung meiner Hüfte, wobei es langsam in einen Stoßen wandelte.

Dadurch dass ich ihn zwischen den Beinen hielt verhinderte ich jedoch, dass er allzu stark gegen den Schrank prallen konnte.

Jisungs Wange presste sich gegen den Spiegel, wobei er ausatmete, sodass er an der betroffenen Stelle beschlug. Bei genauem Hinsehen war auch zu erkennen, dass er die Augen etwas nach hinten rollte.

Ich fuhr mit dem Mund wieder seinen Nacken hinab und zog mit den Zähnen am Kragen den Pulli etwas hinunter, bis ich warme, nackte Haut traf.

Sofort bildete sich eine Gänsehaut, als ich mit der Zunge darüber fuhr und dann hinein biss, bevor ich daran saugte.

Überrascht zuckte Jisung zusammen und verkrampfte augenblicklich an jedem Zentimeter seines Körpers, bevor er einen wohligen Laut von sich gab und sich gegen den Schrank lehnte.

Damit reagierte ich auf der Stelle und hielt ihn an der Hüfte fest, damit er nicht einfach hinab rutschen konnte. Ich ließ wieder mit den Lippen von ihm ab und vergrub das Gesicht stattdessen in seiner Halsbeuge, atmete warm dagegen und biss dort etwas hinein, dieses Mal jedoch nicht mit der Absicht irgendeine Spur zu hinterlassen.

Irgendwann registrierte ich die Tatsache, dass Jisung immerzu auf den Boden starrte und sich dabei mit den Händen an den Schranktüren abstützte.

Ich hob sein Kinn an und küsste über seinen Kieferknochen. ,,Schau’ dich ruhig an.”

,,Was?”, kam es atemlos zurück.

,,Der Spiegel”, erwiderte ich daraufhin.

Es war seltsam, aber ich wollte sehen, wie er auf sein eigenes Ebenbild reagierte. Die Wangen rot, die Augen weit aufgerissen mit absoluter Orientierungslosigkeit in ihnen.

Ich hauchte einen Kuss auf seinen Mund und schaute selbst in den Spiegel.

Unter Zögern folgte Jisung meinem Beispiel und erstarrte, fast als hätte Medusas Fluch ihn erwischt. Er blinzelte mehrmals und machte den Mund auf, offensichtlich peinlich berührt, was scheinbar der Grund war, wieso er sonst nichts von sich geben konnte.

Genau in dem Moment stieß ich wieder zu, was ihn zum Stöhnen brachte. Automatisch hielt er sich die Hand vor den Mund und wandte sich beschämt vom Spiegel ab, wahrscheinlich im Klaren, dass er nicht so laut sein durfte.

,,Wieso so verlegen? Es sieht süß aus”, neckte ich und fuhr mit einer Hand unter den viel zu großen Pullover, um an seinen Bauch zu tasten.

Er zuckte unter der kalten Berührung zusammen.

,,Sonst bist du doch sonst immer lustig drauf. Was ist los?” Die Worte rollten plötzlich mit Leichtigkeit über meine Zunge. Wie, wusste ich auch nicht so wirklich, aber ich konnte mir diese Kommentare beim besten Willen nicht verkneifen. Dafür war das Euphoriegefühl viel zu groß. Ihn endlich aus der Fassung bringen zu können, befriedigte dermaßen mein Selbstwertgefühl, dass ich mich beinahe wie in Trance befand. Gieriger Trance, weil ich immer mehr wollte, mehr sehen wollte, mehr anfassen wollte.

Ich presste die Lippen auf seine und hätte ihn im Affekt der Situation mit Sicherheit auch in einen Zungenkuss verwickelt, scheute mich jedoch davor, da wir beide noch keine Zähne geputzt hatten.

,,Minho, hör’ auf …”

Ich stoppte und sah ihn an, blickte in seine Augen. ,,Willst du das wirklich?”

,,Wir sollten frühstücken gehen”, meinte Jisung und lächelte mich schwach an, während er sich ein wenig drehte, sodass er schlussendlich den Rücken gegen den Schrank lehnen konnte. Dabei versuchte er, den Pullover runter zu ziehen.

Hatte ich irgendetwas falsch gemacht?

Mit hochgezogenen Augenbrauen sah ich ihn an, ehe ich ein wenig grinste. ,,Dir ist es peinlich.”

Ein wenig empört schnappte Jisung nach Luft. ,,Mir ist gar nichts peinlich!”

,,Ja, genau. Absolut klar.” Ich schob den Pullover hoch und drückte die Hand zwischen seine Beine, woraufhin er sich umso stärker gegen den Schrank presste. ,,Wenn es nicht so peinlich ist, wieso willst du dann aufhören? Ist es so schlimm, von mir angefasst zu werden?” Die Aussage hatte einen dezent ernsthaften Unterton. Trotz der ganzen Provokation und dem ganzen Witz an der Sache, wollte ich ihn dennoch nicht drängen oder Dinge tun, die ihn unwohl fühlen ließen.

Jedoch kam ich nicht umhin zu glauben, dass er es wollte. Seine Worte sprachen derzeit dagegen, aber jeder Ausdruck, jede Geste, jeder Atemzug stand für sein Verlangen.

Ich griff mit den Fingerspitzen unter den Bund seiner Boxershorts und sah ihn dabei fest an.

Nun regte er sich überhaupt nicht mehr.

,,Jisung? Du musst mit mir reden.”

,,Was soll ich denn noch sagen?” Er unterdrückte ein Schmollen.

Ich rollte mit den Augen und schmunzelte ein wenig. ,,Sag’ mir, was du willst.” Ich fuhr mit der Hand nun komplett unter seine Unterwäsche und tastete mich ein wenig voran.

Jisung atmete tief durch und wollte offensichtlich etwas sagen, als wir Schritte auf dem Gang hörten und kurz darauf ein paar Stimmen, darunter die von Jeongin und Felix.

,,Sind die noch immer am Schlafen?”

,,Vielleicht sollten wir sie wecken.”


,,Ja, sonst verpassen sie Frühstück.”

Ich zögerte keine Sekunde, sondern hob Jisung hoch, eilte innerhalb von weniger als zwei Sekunden zum Bett und fiel mit ihm quasi auf die Matratze, ehe ich notdürftig die Decke über uns warf.

Er schnappte nach Luft und drehte den Kopf zur Wand, während ich es mir irgendwie auf ihm bequem machte.

Gerade rechtzeitig, denn im nächsten Augenblick schwang die Tür auf.

,,Meine Güte, ihr kommt ja wohl nie aus den Federn”, beschwerte sich Jeongin. Hinter ihm standen Felix und Seungmin. ,,Kommt endlich zum Frühstück.”

Ich versuchte einen möglichst verschlafenen Blick aufzusetzen und hob den Kopf an. ,,Ja, gebt uns ein paar Minuten.”

Damit ging die Tür wieder zu und ich konnte endlich aufatmen.

Etwas irritiert wandte ich den Kopf jedoch nach unten, sobald ich etwas Nasses an meinem Bauch spürte.

Jisung fing an zu wimmern und zog die Beine an, bevor er das Gesicht im Kissen vergrub.

Noch ein paar Sekunden und ich verstand, was los war.

,,Ich lag doch nur auf dir”, meinte ich irritiert. Gut, ich lag genau zwischen seinen Beinen, aber so wirklich angefasst hatte ich ihn ja trotzdem nicht.

Jisung biss sich auf die Unterlippe und bewegte sich unter mir. ,,Tut mir leid”, murmelte er, ,,Dein Bettlaken …”

,,Kann man ja auswechseln. Ist doch nicht schlimm.”

Bei genauerem Hinsehen erkannte ich, dass Tränen in seine Augenwinkel traten, wobei er tief durchatmete.

Ich setzte mich auf und drehte sein Gesicht zu mir. ,,Nicht schlimm, okay? Hey, Jisung. Es ist nur ein Bettlaken, deswegen musst du nicht weinen.”

Er nickte bloß und kroch unter mir hinweg, um aufzustehen. Dann drehte er sich zu mir um und schaute mich an. ,,Dein T-Shirt …” Mit schuldbewusstem Blick scannte er meinen Oberkörper.

,,Ich werde daran schon nicht sterben”, meinte ich abwinkend. Ich war kein Stück sauer, immerhin hatte ich die ganze Situation überhaupt erst verursacht. Zumal ich es süß fand. So dumm und komisch es klang: Es war süß. Er war süß.

Jisung war wirklich zum Schießen süß.

,,Geh’ lieber schon mal Zähne putzen. Ich komm’ gleich nach.”

Jisung gab ein leises ,,Okay” von sich und tapste aus dem Zimmer.

Leise seufzte ich und stand auf, um mein Bett abzuziehen. Am besten sollte ich die nächste Ladung an Wäsche selbst übernehmen, damit niemand irgendwelche unangenehmen Fragen stellen könnte. Obwohl es ohnehin unklar wäre, wie der Fleck entstanden war. Im Endeffekt könnte ich eventuell mit der Ausrede ,,Da ist mir was drauf gekippt” davonkommen.

Und wenn nicht, würden sich die anderen bestimmt denken, dass ich alleine meinen Spaß hatte. Wer käme denn auch darauf, dass sich zwei Member aus einer Gruppe küssen und anfassen würden?

Alleine der Gedanke bereitete mir einen Schauer, weil er mich daran erinnerte, dass das alles von außen gesehen absolut falsch war.

Es war falsch, Jisung so anzusehen, so anzufassen und so mit ihm zu reden. Es war auf so vielen Ebenen zum Verfluchen und dennoch … konnte ich nicht ablassen.

Ich konnte und wollte vor allem diesem Drang nicht mehr widerstehen, da er mich von innen derartig zerstören könnte.

Ich wechselte mein Oberteil und trug die Wäsche ins Bad, wo auch der Wäschekorb stand. Später brächte ich ihn runter in den Salon.

Jisung stand am Waschbecken und putzte seine Zähne.

Ich wusch zuerst mein Gesicht und tat dann dasselbe. Dabei fiel mir auf, dass er möglichst meinen Blick vermied.

Er war mir schlichtweg ein einziges Rätsel. Einerseits schien er ganz erpicht darauf zu sein, Erfahrungen zu sammeln, andererseits überforderte es ihn so sehr, dass er letzten Endes nahezu unter Strom stand.

Ich betrachtete die Kette, die um seinen Hals funkelte, bevor mein Fokus auf unser Spiegelbild überging.

Der Anblick hatte etwas so Alltägliches. Wir beide bei einer belanglosen Tätigkeit, schweigend nebeneinander, während die Schmuckstücke um unsere Hälse Bände sprachen. Für ein paar Sekunden konnte ich mir einbilden, dass das normal war. Dass wir nicht hier, sondern ganz woanders waren. Woanders, aber dafür tatsächlich wir selbst.

Ich holte mein Handy aus der Tasche meiner Jogginghose und überreichte es Jisung. ,,Mach’ ein Selfie”, meinte ich nuschelnd beim Zähne putzen. Vielleicht würde ihn das ja aufmuntern angesichts dessen, dass ihn der Instagrambeitrag von Woojin und mir gestört hatte.

Verwirrt schaute er das Handy an und wurde rot. Er machte es an und wurde umso röter, als er entdeckte, dass ich ihn als meinen Hintergrund hatte. Schnell wischte er weg zur Kameraoption und hob das Smartphone in die Höhe.

Ich legte die Arme um seinen Bauch und trat ganz dicht hinter ihn, sodass ich das Kinn abstützen konnte. Die Kette fiel dabei über seine Schulter.

Jisung schaute in den Spiegel, während ich auf den Handybildschirm blickte.

Er knipste ein paar Bilder und gab mir schließlich das Handy zurück.

Wir spülten unsere Münder aus, bevor Jisung sein Gesicht wusch.

,,Die Bilder sind schön”, meinte ich und schaute mir die Aufnahmen an, ,,Willst du eins veröffentlichen?”

Es war selten, dass Fotos einen Augenblick und eine Atmosphäre perfekt einfangen konnten, doch wenn ich persönlich die Bilder ansah, kam in mir all die Wärme hoch, die Jisung mir gab. Es war so simpel und dennoch wunderbar anzusehen.

Jisung mit verstrubbelten Haaren, meinen Pullover tragend und einer Zahnbürste im Mund gehörte nun auf jeden Fall zum Weltbild meiner Ästhetik.

Er sah selbst auf das Handy und lächelte endlich wieder. ,,Wenn du willst”, antwortete er ein wenig zögerlich.

Ich suchte das beste Foto aus und setzte es auf Instagram, bevor ich noch einen kleinen Satz in die Beschreibung packte.

Wir hoffen, ihr habt einen guten Start in den Tag~
#straykids #morgenfreude #gemeinschaftlicheszähneputzen

Bei den Hashtags schüttelte Jisung nur den Kopf. ,,Du bist so komisch, Hyung.”

,,Ich weiß.”
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast