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nostra itinera

von Skillz
GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Han / Han Jisung Lee Know / Lee Minho
10.03.2019
12.04.2020
38
116.205
32
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Dieses Kapitel
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05.10.2019 3.066
 
Diese Nacht hatte Jisung wieder bei mir geschlafen.

Er lag mit dem Rücken zu mir und hatte das Gesicht in Richtung Wand gedreht.

Von hinten hatte ich den Arm über seine Hüfte gelegt und ihn an mich gepresst, die Nase zwischen seinen Schulterblättern, sodass ich seinen Geruch quasi inhalieren konnte.
Das war die erste Nacht nach etlichen, dass ich in Frieden geschlafen hatte. Ständig spürte ich die Wärme an meiner Brust und klammerte mich an diese.

Es war so beruhigend. Ich lag praktisch auf Wolken, die mit mir über den Schlafhimmel segelten.

Jisung selbst hatte scheinbar wie ein Stein geschlafen, denn als ich aufwachte, lag er noch immer neben mir. Seine Schultern hoben und senkten sich langsam und gleichmäßig aufgrund seiner ruhigen Atmung.

Ein wenig fasziniert strich ich über seine Taille, weil ich zum ersten Mal tatsächlich fassen konnte, dass er bei mir lag.

Dieses Mal war er geblieben.

Und es erfüllte mich mit derartiger Glückseligkeit. Ich wollte juchzen und Freudensprünge machen, allerdings hielt ich mich zurück.

In diesem Moment wurde mir ohnehin ein kleines Problem bewusst. Und es wurde stetig größer.

Normalerweise hatte ich keine Strapazen mit Morgenlatten. Aber vielleicht lag es daran, wie sein Körper sich bis jetzt an meinen presste und er so klein und zart gerade wirkte, so wie er sich auch leicht zusammen kugelte und absolut friedvoll schlief.

Ich biss mir auf die Lippe und versuchte, mich von ihm unauffällig zu entfernen.

Plötzlich schwang die Tür mit einem riesigen Knall ýqauf.

Erschrocken zuckte ich zusammen, woraufhin auch meine Hüfte hervorschnellte.

Jisung erwachte selbst mit einem Ruck, blieb aber ansonsten liegen, wahrscheinlich selbst davon geschockt, dass er nicht einmal fünf Sekunden wach war und sich bereits eine immer schlimmer werdende Erregung gegen seinen Hintern drückte.

,,Guten Morgen, meine Herren und Herren!", verkündete Jeongin und wurde von Hyunjins Stimme begleitet: ,,Was für ein wunderbarer Tag, um ihn produktiv zu gestalten!"

Ich schluckte schwer. ,,Och, Leute. Seid nicht so laut."

,,Chan hat uns die Erlaubnis gegeben, euch aufzuwecken", erklärte Jeongin, ,,Also raus aus den Federn!"

Ich könnte unmöglich genau jetzt aufstehen, weshalb langsam, aber sicher die Panik in mir hinauf kroch.

,,Wir kommen gleich. Gebt uns Zeit zum Umziehen", schaltete sich Jisung ein. Dafür, dass er vor ein paar Minuten noch tief und fest geschlafen hatte, klang seine Stimme ziemlich klar.

,,Ja, ist gut", antwortete Jeongin.

Kurz darauf knallte die Tür zu, woraufhin Chan sich lauthals beschwerte.

Ich atmete halbwegs erleichtert aus und wollte nun aufstehen, als Jisung seine Hüfte bewegte und seinen Po immer weiter in meinen Schritt drückte.

Ich hielt ihn an der Taille fest und unterdrückte Laute jeglicher Art, aber meine Hände zitterten bereits.

Jisung nahm diese kurz darauf und führte diese unterhalb seines Shirts, woraufhin er kaum hörbar keuchte.

Ein wenig überfordert hielt ich inne und wusste nicht, ob ich mir einfach wünschte, mich in Luft aufzulösen. Es war ein berauschendes Gefühl - definitiv - aber ich war vor vielleicht mal zehn Minuten aufgewacht und wurde direkt konfrontiert.

,,Stopp", flüsterte ich, ,,Wir sollten … uns beeilen."

,,Das denke ich auch", meinte Jisung und drehte sich um, rollte sich über mich und setzte sich unmittelbar auf meinen Schoß. Daraufhin bewegte er sich wieder und sah mir dabei direkt in die Augen.

,,Was … so war das nicht gemeint … Warte", gab ich überfordert von mir und spürte, wie ich meine Füße verkrampfte und meine Finger sich im Bettlaken fest krallten.

Ganz konnte mein Gehirn das nicht verarbeiten und befand sich mit Sicherheit noch halb im Schlafen. Dennoch gab mein Körper natürliche Reaktionen von sich und erbebte unter Jisung, der sich nahezu ungeniert auf mir bewegte.

Meine Boxershorts wurde immer enger und ich merkte, wie sich bereits die ersten feuchten Flecken bildeten.

Jisung begann, leise aufzustöhnen. Es war hauchzart, fast wie ein Seidenschleier, allerdings reichte das, um mich in eine Unterstufe von Ekstase zu versetzen.

Leicht rollte ich mit den Augen und wanderte zögerlich mit der Hand über seinen Oberschenkel.

Dass die anderen da draußen auf uns warteten, war nahezu vergessen. Dafür war die Welle an Lust viel zu groß. Sie benebelte meine Sinne und fegte meinen Kopf komplett leer.

Ich senkte den Blick und erkannte, dass Jisung ebenso nicht unberührt war. Zuerst haderte ich noch, allerdings fasste ich dann doch zwischen seine Beine.

Es war unfassbar wie schmal seine Hüfte war, denn es war so leicht mit der Handfläche seinen kompletten Schritt zu überdecken.

Kaum drückte ich die Hand etwas hinein, entkam ihm ein kehliges Stöhnen, woraufhin er sich panisch in die Hand biss, um es zu ersticken. Gleichzeitig merkte ich, dass meine Hand ziemlich nass geworden war.

Langsam zog ich sie weg und betrachtete den großen Fleck auf seiner Unterhose.
Ich verkniff mir ein ,,Süß", auch wenn seine empfindliche Reaktion wirklich niedlich gewesen war. Leider hatte ich sein Gesicht beim Orgasmus nicht richtig gesehen, weil er die Hand davor gehabt hatte.

Er stützte sich mit den Unterarmen auf meiner Brust ab und rieb umso eifriger über meine Erregung.

Das Krampfen im Unterleib machte sich bemerkbar, woraufhin es eine kleine Explosion darin gab. Normalerweise hielt  ich mich zurück, um nicht so schnell zu kommen. Aber gerade war mir alles egal.

Ich drehte den Kopf ruckartig zur Seite und stieß einmal von mir aus gegen seinen Hintern, was ihm ein Keuchen entlockte, ehe ich ejakulierte.

Sofort fiel jegliche Körperspannung von mir ab, sodass ich wie bewusstlos auf der Matratze lag, unfähig zu glauben, dass ich gerade meine Morgenlatte mithilfe von Jisung beseitigt hatte.

,,Fuck", fluchte er und ich bekam von seiner leicht nasalen Stimme eine Gänsehaut, ,,Fuck, fuck, fuck." Er stemmte sich hoch und strich sich durchs ohnehin wirre Haar. Er zitterte an den Knien, während er ein paar Schritte ging.

,,Ich gehe mich umziehen", gab er Bescheid, bevor er zur Tür stakste.

Ich atmete bebend aus und warf die Decke zur Seite. Mit wackeligen Schritten suchte ich meine Klamotten zusammen und machte mich dann selbst auf den Weg zum Bad.

Dort begegnete ich Jisung, der sich gerade die Zähne putzte und mir nur einen flüchtigen Seitenblick schenkte, bevor er seiner Tätigkeit weiter nachging.

Ich wusch mich schnell und zog meine Klamotten an, gesellte mich zu Jisung ans Waschbecken und begann ebenso, meine Zähne zu putzen. Es war ein wenig seltsam, nur das Schrubben der Zahnbürsten zu hören, während wir uns gegenseitig im Spiegel anschauten.

Jisung wurde etwas rot und drehte den Kopf weg.

Es war so verwirrend. Manchmal war er so dominant, manchmal war er so verdammt schüchtern. Nicht, dass ich irgendeine Seite vorzog, nur forderte er damit meinen Verstand und mein Herz dermaßen damit heraus.

Wir machten uns komplett fertig und begaben uns zu den anderen, die bereits im Wohnzimmer saßen und frühstückten beziehungsweise sie sich dem Frühstück langsam dem Ende zuneigten. Es war noch genug für uns Zwei da, weshalb wir uns schleunigst setzten.

Chan war eigentlich der Einzige, der noch mitten im Essen schien.

,,Der wievielte Teller?”, fragte Jisung und betrachtete den essenden Leader.

,,Teller Nummer Drei”, antwortete Seungmin und trank in Ruhe seinen Tee, während er in Kuschelsocken in den Schneidersitz ging.

Es war so süß, wie glücklich Chan beim Essen aussah und tatsächlich wirkte er relativ ausgeruht. Scheinbar hatte es ihm gut getan, mal wieder eine ruhige Weile mit Changbin an Musik zu arbeiten.

,,Du weißt, dass du kauen musst, bevor du schluckst”, wies Woojin ihn vorsichtig darauf hin.

Chan gab nur einen nuschelnden Laut von sich und stellte den Teller ab, bevor er sich mit einer Serviette über den Mund wischte. ,,Egal, ich wollte eigentlich über das Training sprechen”, meinte er, ,,Ich will heute >>School Life<< zu Ende machen und dann an den Siebener Performances arbeiten.”

,,Was ist mit Hellevator?”, warf Seungmin ein.

,,Das machen wir zum Schluss. Bis jetzt ist das der einzige Song, der halbwegs solide vonstatten geht”, erklärte Chan, ,,Heute üben wir >>School Life<< die erste Hälfte der Zeit nur mit den Tanzschritten und die zweite Hälfte will ich schon mit dem Gesang anfangen.” Er erhob sich und stapelte die Teller aufeinander. ,,In fünfzehn Minuten ist jeder fertig und wir gehen zusammen zum Entertainment.”

,,Was ist mit Jeongin?”, fragte ich und nahm noch schnell ein paar Bissen, bevor alles abgeräumt wäre.

,,Rehabilitation für die nächsten paar Tage. Wir gehen vielleicht noch zu einem Sportarzt und lassen ihn dort untersuchen” entschied Chan und brachte das Geschirr in die Küche.

Felix beugte sich nach vorne: ,,Kommt es nur mir so vor oder ist er angespannt, aber auf ruhige Weise?” Man merkte, dass Felix über diese Worte stolperte, weil er wohl nicht wusste, wie er es formulieren sollte, ohne, dass es absolut bescheuert klänge, aber jedem war klar, was er meinte.

,,Was? Nein, er ist nur ein wenig neben der Spur”, meinte Woojin mit seltsamen Unterton, bevor er ebenso begann, abzuräumen.

Verwirrt sahen wir uns alle gegenseitig an.

,,Ist was zwischen den beiden vorgefallen?”, fragte ich in die Runde.

,,Turteltäubchen”, kommentierte Hyunjin und gähnte herzhaft. Sonderlich fit sah er ja auch nicht aus.

,,Wie meinst du das?”, ging Felix darauf ein, ,,Wo ist ein Vogel?”

Kurz herrschte Stille, bevor wir allesamt anfingen zu lachen. Dadurch war die Stimmung schon einmal deutlich gelockert. Das Thema Chan und Woojin griff daher niemand mehr auf.

Der Trainingsplan lief sogar tatsächlich einmal wieder halbwegs. Zumindest gab es keine größeren Komplikationen.

Nur das Singen bereitete mir Magenkrämpfe. Das Tanzen an sich war wirklich kein Problem, aber ich war nervös und gleichzeitig konnte ich nicht aufhören, so wahnsinnig viel zu denken. Es ließ meine Stimme zittern und unsicher wirken.

,,Minho, bitte konzentriere dich”, wies mich Chan ein wenig streng darauf hin und verschränkte die Arme, während er uns beobachtete.

Ich riss mich am Riemen und beendete meinen Part zumindest einmal akzeptabel. Dennoch war es nicht wirklich zufrieden stellend, was ich auch an Chans Gesicht bemerkte, aber ich kommentierte das nicht, sondern war einfach nur froh, als wir eine Pause einlegten.

Jeongin dehnte seine Füße und wippte dabei auf und ab. Er schien leise vor sich hin zu singen, zumindest so lange, bis Chan ihn dabei unterbrach und scheinbar etwas mit ihm besprechen wollte.

Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, wie Jisung das Studio verließ.

Ich handelte impulsartig und folgte ihm, wobei ich die Tür hinter mir zu zog.

,,Wow, manchmal glaube ich, dass wir Telepathie besitzen”, sprach Jisung, der stehen geblieben war. Dennoch kehrte er mir weiterhin den Rücken zu. ,,Ich habe spontan daran gedacht, mit dir sprechen zu wollen.” Leise kicherte er.

Ich fand das nicht lustig. Das war alles kein Spiel oder Spaß mehr. Ich war verwirrt und frustriert, hatte keine Ahnung, wohin ich mit all meinen Gefühlen und Hormonen sollte.

Manchmal glaubte ich, dass Jisung schlicht und ergreifend verliebt in mich war. Manchmal glaubte ich aber auch, dass er aus dem Affekt handelte. Ich war da, ich hielt ihn, ich mochte ihn.

Sehr.

Viel zu sehr.

Woher sollte ich denn wissen, was er beabsichtigte?

,,Jisung, ich weiß nicht, was ich tun soll”, begann ich zu reden.

Langsam drehte er sich zu mir um. Er seufzte. ,,Das weiß ich auch nicht. Ich kann dich nur unterstützen.”

,,Kannst du das? Und wieso verwirrst du mich dann?”

,,Du bist nicht besser. Gestern hast du dich noch gewehrt und heute Morgen warst du auf einmal komplett anders.”

Ich lehnte mich an die Wand. Dieses Gespräch führte zu absolut nichts. Wir drehten uns ständig im Kreis und Jisung tanzte mir wie bescheuert auf der Nase herum.

Es gab schon genug Probleme in der Gruppe. Musste er noch sein persönliches Drama hinzufügen? Oder bemerkte er nicht einmal, was er da eigentlich anrichtete?

,,Wenn du willst, dass ich mich von dir fernhalte, tue ich das. Nur sag’ es mir jetzt. Sonst werde ich noch daran kaputt gehen”, sagte Jisung knapp und scharte mit dem Fuß.

Tatsächlich überraschten mich diese ehrlichen Worte und sie lösten ein Kribbeln aus. Alleine der Gedanke, ihn von mir fernzuhalten, tat einfach nur weh.

Ich schüttelte darum den Kopf. ,,Was passiert ist, ist passiert. Und ich will es auch nicht rückgängig machen.” Ich trat einen Schritt näher auf Jisung zu. ,,Mir ist es wirklich wert, das alles aufs Spiel zu setzen.”

Jisung zog den Kopf ein und unterdrückte wahrscheinlich die Hitze in seinen Wangen. Verlegen spielte er am Saum seines Oberteils. ,,Also sollen wir einfach so weitermachen? Du denkst, das macht uns glücklich?”

,,Keine Ahnung. Aber nichts zu unternehmen, ist für mich auch keine Option.”

Endlich lächelte er. ,,Gut. Für mich nämlich auch nicht.” Er stellte sich auf die Zehenspitzen und beugte sich nach vorne, allerdings legte ich die Hand auf seinen Mund.

,,Trotzdem will ich einen Kompromiss.”

Stirn runzelnd schaffte Jisung wieder Abstand zwischen uns. ,,Einen Kompromiss?”

Ich nickte. ,,Diese Streitereien mit Hyunjin … Die müssen aufhören.”

Sofort wollte Jisung widersprechen, doch ich unterbrach ihn. ,,Stopp. Ich will nichts hören.” Ich legte die Hand auf seine Schulter und zog mit dem Daumen sanfte Kreise darüber. ,,Ich will keine unnötigen Konflikte haben. Beseitige das und wir reden nochmal über uns.”

Jisung haderte mit sich, bevor er schlussendlich doch zusagte.  

Zum ersten Mal glaubte ich, doch Struktur in dem Chaos erkennen zu können. Jisung müsste nur das Problem mit Hyunjin klären und dann bliebe eigentlich nur noch die Sache mit Jeongins Verletzung und eben der Broadcast.

Alles nur halb so wild.

Wir kehrten zurück zu den anderen und setzen das Training bis abends fort.


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Normalerweise waren die meisten zu erschöpft nach dem Training, weshalb schnell geduscht und schließlich entspannt wurde. Dieses Mal waren die meisten jedoch noch immer guter Laune und beschlossen daher, gemeinsam einen Spieleabend zu veranstalten.

Ich saß auf der Couch und sah Changbin, Seungmin und Jeongin dabei zu, wie sie Jackstone spielten. Es war amüsant, wie regelmäßig alle bis auf Seungmin daran verzweifelten.

Sein Blick wurde starr, als er die Steine anvisierte und die unterschiedlichen Schritte des Spiels durchging, nahezu mühelos alle auffing, woraufhin Gejohle ausbrach. Auch ich musste anerkennend klatschen, weil es extrem beeindruckend war, wie geschickt Seungmin mit dem Händen spielte.

,,Ich will als Nächstes Uno spielen”, wünschte sich Jeongin, woraufhin Changbin die Karten aus dem Schrank holte.

,,Spielst du dieses Mal mit?”, fragte Changbin mich.

Ich nickte. Für Jackstone fühlte ich mich zu ungeschickt. Ich war gut im Koordinieren, aber bei so etwas fühlte ich mich einfach nur langsam, daher hatte ich dabei lediglich die Rolle des Zuschauers übernommen.

Ich rutschte vom Sofa und hockte mich an den Tisch dazu, während Seungmin die Karten in Windeseile mischte und dann jedem von uns welche austeilte.

Es war seltsam, wie entspannt ich war. Es tat um ehrlich zu sein auch gut, Jisung gerade nicht zu sehen, weil ich das Gefühl hatte, dass wir uns somit selbst ein wenig sortieren konnten, ohne vom anderen abgelenkt zu werden.

Ich nahm die Karten und fächerte sie auf, während ich meine Farb- und Nummernauswahl betrachtete.

Jeongin hatte gerade seine erste Karte hingelegt, als wir einen ohrenbetäubenden Krach aus einem der Schlafzimmer hörten.

,,Was zur Hölle?!”, gab Changbin nahezu empört von sich.

Wir starrten uns alle an, bevor wir uns gleichzeitig erhoben und der Lärmquelle nach gingen. Kurz darauf flog die Tür zu einem der Räume auf und wir standen vor Jisung und Hyunjin, die sich in Kampfposition begaben.

,,Nimm. Das. Zurück!”, keifte Jisung und verengte die Augen.

Mir lief es kalt den Nacken hinunter. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, wie irritiert die anderen waren. Mehr noch: geschockt.

,,Du bist ein Lügner … nein, ein Heuchler! Ich ersticke noch an der Luft, die ich mit dir teilen muss!”, spuckte Hyunjin quasi zurück und jeder schnappte nach Atem. Es war offensichtlich, wie schockiert alle darüber waren, dass er solche Worte in den Mund nehmen konnte.

,,Du bist doch der Heuchler”, knurrte Jisung und machte einen gefährlich großen Schritt auf den anderen zu.

Plötzlich packte Hyunjin ihn an den Schultern und krallte die Finger hinein, woraufhin Jisung ächzte und mit den Füßen nach seinen Beinen trat.

Keiner wusste so recht, wie er reagieren sollte. Wahrscheinlich passierte es daher so spielend leicht, dass die beiden sich unmittelbar vor unseren Augen anfingen, zu prügeln. Und mein Gehirn verarbeitete nur langsam den Ernst der Lage dabei.

Sich bewusst zu machen, wie lange sie dem kompletten Team eine Masche vorgelegt hatten, bereitete einem Unbehagen. Dementsprechend war es erst recht der blanke Horror zu sehen, wie sie ungeniert sich gegenseitig schlugen, ohne auch nur auf uns zu achten. Das unterstrich den Ernst der Lage überhaupt in erster Linie.

Endlich setzte sich Changbin in Bewegung und griff nach Hyunjins Unterarm, um ihn weg zu zerren. Daraufhin schaltete sich scheinbar auch etwas in Seungmins Kopf um, woraufhin er sich Jisung schnappte und ihn in die entgegengesetzte Richtung zog.

Es gab unfassbar viel Gerangel, Gekeife, Geschreie, welches in meinen Ohren dröhnte.

Ich selbst fühlte mich so ziemlich hilflos und schuldig, auch wenn ich in diesem Augenblick eigentlich wirklich keine Zeit dafür gehabt hätte, Selbstmitleid zu schieben.

Nur war mir ebenso klar, dass ich das Dilemma indirekt ausgelöst hatte. Auf meinen bescheuerten Vorschlag hin war Jisung zu Hyunjin gelaufen und jetzt zerriss mehr oder weniger unmittelbar vor mir das Band unserer Gruppe, sofern ich mir anschaute, wie sich die Member auf unterschiedliche Seiten drängten.

,,Lass mich los! Lass mich los!”, tobte Jisung und es war furchteinflößend, wie gereizt seine Stimme klang, nahezu eine Oktave überschlug und die Luft wie Papier zerschnitt. Sein Gesichtsausdruck war dabei nicht minder verstörender.

Ich hatte bis jetzt nicht einmal seinen Zorn so offenkundig gesehen. Es machte mir Angst.

Hyunjin war stärker als Changbin, weshalb er sich losreißen konnte und nun auf Jisung zuging. ,,Wenn ich mit dir fertig bin, dann kannst du ohnehin nichts mehr sagen. Also spar’ dir dein Gekreische”, meinte er und schob Seungmin zur Seite, wobei der Jüngere lächerlich leicht wirkte. Aber wahrscheinlich pumpte das Adrenalin eine hulkartige Kraft durch Hyunjins Körper, weswegen er alle Hindernisse problemlos wortwörtlich zur Seite schieben konnte.

Ich löste mich endlich aus der Starre und wollte ihn aufhalten, weil ich ernsthafte Sorgen hatte, dass er Jisung zerhacken könnte, aber das war gar nicht nötig.

,,Was ist hier los?”

Augenblicklich hielten alle inne und drehten simultan zur Tür.

In deren Rahmen stand Chan und hatte die Arme verschränkt. Sein Blick war undefinierbar. Eine seltsame Mischung aus streng, geschockt sowie enttäuscht. Es war gruselig sowie herzzerbrechend.

Ich hatte ihn noch nie so erlebt.

Anschließend wandelte sich Chans Gesicht und er zog die Augenbrauen zusammen. Sein Ausdruck wurde nun mehr leidend als streng.

,,Jisung? Hyunjin?”
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