Ein Wink des Schicksals?

von Carrow
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
10.03.2019
15.04.2019
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17.03.2019 1.151
 
Während der nächsten drei Tage gingen sie unterschiedlich mit den neuen Umständen um. Mugi erledigte seine Aufgaben für das Projekt mit wenig Elan und beschäftigte sich eher mit der Frage, ob er sie nochmal für sich gewinnen konnte. Die Verlockung war zu groß und ihr Körper zu schön, um zu widerstehen. Ihr Charakter hatte sich gerüchteweise nicht viel verändert, doch sie war einige Zentimeter gewachsen, was ihrer Figur durchaus schmeichelte. Er war ebenfalls ein wenig gewachsen, sodass sie nach wie vor ungefähr zehn Zentimeter trennten. Ihr Haar war nun ein wenig länger und ihr Lächeln noch bezaubernder.

Im Gegensatz zu Mugi war Hanabi noch nicht bereit, sich intensiv mit ihrem Exfreund zu beschäftigen. Die Narben der damaligen Zeit waren für sie noch immer nicht komplett verheilt, weshalb sie nicht wusste, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollte. Und dass sie sich in der Schule dabei ertappt hatte, wie sie seine grünen Augen anschmachtete, machte die Sache nicht besser. Um nicht darüber nachdenken zu müssen stürzte sie sich mit Feuereifer in ihr Schulprojekt.

Als es Samstagmittag war überlegte Hanabi sich genau, was sie anziehen sollte. Es war sommerlich warm, aber der Abend versprach frisch zu werden. Gleichzeitig war sie sich nicht schlüssig, ob sie ihm gefallen wollte oder nicht. In letzter Minute entschied sie sich für ein schlichtes hellblaues Kleid, das kurz unterhalb ihrer Knie endete. Der Ausschnitt war nicht allzu groß, hatte breite Träger und keine Ärmel. Eilig packte sie ihre Unterlagen zusammen und machte sich danach auf den Weg. Die ungefähr zehn Minuten gingen ihre Füße wie von selbst. Sie kannten den Weg nur allzu gut.

Als sie vor seiner Wohnungstür stand kostete es sie große Überwindung, die Türklingel zu betätigen. Er öffnete die Tür augenblicklich und bat sie mit einer Geste herein. Sie ging hinein und schaute auf seine Kleidung: Er trug ein schlichtes weißes T-Shirt mit einer hellbraunen kurzen Hose. Wortlos folgte sie ihm in sein Zimmer, wo er bereits seinen Laptop und seine Notizen bereitgelegt hatte. Beim Besprechen achtete sie sehr darauf, das Gespräch ausschließlich bei schulischen Themen zu belassen. Auf seine Komplimente bezüglich ihres Kleides reagierte sie bewusst nicht, auch wenn es ihr insgeheim schmeichelte. Als die Beiden ihre bisherigen Ergebnisse und Ideen zusammenfassten wurde deutlich, dass sie besser vorbereitet war als er. Sie hatte Angst um ihre Note und neckte Mugi noch ein wenig, was er mit einem scherzhaft gemeinten “kleine Streberin” kommentierte.

Danach hockte sich Hanabi vor Mugis Laptop, um gemeinsam nach relevanten Sehenswürdigkeiten zu recherchierten. Mugi setzte sich eng hinter Hanabi und klebte mit dem Kopf regelrecht auf ihrer Schulter. Als sie sich dagegen wehren wollte, antwortete er nur scherzhaft “früher war das für uns vollkommen normal”. Obwohl er recht hatte, blieben seine Berührungen ihr unangenehm. Sie lösten mehr Gefühle in ihr aus, als ihr persönlich lieb waren. Es fiel Hanabi schwer, sich zu konzentrieren. Nach ungefähr einer halben Stunde schien die Liste der potenziellen Sehenswürdigkeiten endlos. Hanabi wusste nicht, wo sie kürzen sollten. Mugi hingegen schon. Er kürzte das Programm auf vier Punkte zusammen, kaufte online schon Mal die Eintrittskarten und fasste alle relevanten Wege in einem Dokument zusammen, welches er für sich und Hanabi ausdruckte.

Während sie am Laptop saß, ertappte Hanabi sich dabei, wie sie seinen Körper etwas musterte. Seine Gesichtszüge waren etwas markanter geworden, was ihr mehr gefiel, als sie sich eingestehen wollte. Doch bevor sie gedanklich zu sehr abgleiten konnte, rief sie sich seine Geschichten mit den Lovemotels ins Gedächtnis. Nein, mit einem solchen Mann wollte Hanabi nicht mehr als nötig zu tun haben. Als er ihr schließlich den Gesamtbetrag für die Eintrittsgelder nannte, hatte sie leichte Bauchschmerzen. Ihre Mutter war nicht wirklich arm, aber bei diesen Preisen würde sie wohl ihren wohlhabenden Opa um etwas Reisegeld bitten.

Als sie alles besprochen hatten, wusste Hanabi nicht länger, was sie sagen sollte. Es war kurz nach sechs, also wollte Hanabi schnell nach Hause, um ihrer Mutter bei der Zubereitung des Abendessens zu helfen. Mugi hingegen war da anderer Meinung. Als sie alles besprochen hatten, fragte er sie über die letzten Monate aus. Was sie getan hatte, welche Ausflüge sie gemacht hatte, ihre Katze… Anhand der Aushänge wusste er, dass ihre Leistungen nun deutlich besser waren als damals. Sie wurde ein wenig rot, als sie schüchtern zugab, ihre freie Zeit überwiegend fürs Lernen zu nutzen. Sie traf sich gelegentlich mit Sanae und ihrer Clique, aber eine enge Bindung hatte sie zu keinen weiteren Menschen aufbauen können.

“Zu keiner Frau oder keinem Mann?” frage Mugi explizit nach.

Hanabi atmete vor der Antwort nochmal tief durch: “Weder noch, ich sehe mich nach wie vor als Einzelgängerin” erwiderte Hanabi unsicher. War es wirklich schlimm, sich auf die Schule zu konzentrieren? Immerhin werden wir in einigen Monaten ihren Abschluss machen. Dies erscheint mir nach wie vor sinnvoller, anstatt krampfhaft an Menschen zu klammern, die mich doch nur wieder enttäuschen werden?”

Sie hatte ich entschieden, diesen Weg zu gehen und ein paar Treffen mit ihrem Exfreund würden daran nichts ändern. Diese Fragerei machte sie wütend. Aber wenn er schon so explizite Fragen stellte, konnte sie das wohl auch tun und fragte schnippisch:

“Wie viele Frauen hast du letztes Jahr im Bett gehabt?”

Mugi glaubte, sich verhört zu haben. Hatte sie das jetzt wirklich gefragt? Ihr ernster Gesichtsausdruck zeigte, dass sie es ernst meinte. Also musste er wohl oder übel antworten. So leicht wollte er sich allerdings nicht aus der Reserve locken lassen: “Sehr viel weniger als du glaubst. Du bist nicht die Einzige, die sich verändert hat.”

Hanabi schaute auf die Uhr: Es war fast sieben Uhr abends. Zeit zu gehen. Mit einem bissigen “Ich gehe jetzt. Du musst mich nicht begleiten, ich kenne den Weg nur allzu gut.” Verabschiedete sie sich und eilte nach Hause.

Dort war ihre Mutter mit der Vorbereitung des Abendessens fast fertig. Ihr entging nicht, dass ihre Tochter durch den Wind war. Den geistesabwesenden Gesichtsausdruck von Hanabi kannte sie nur allzu gut. Aus ihren Erzählungen vermutete sie den Grund. Mit dem Exfreund eine Gruppenarbeit zu erledigen war kein Zuckerschlecken. Allerdings vermutete sie, dass Hanabi eventuell noch Gefühle für Mugi haben könnte und verkniff sich daher, nachzufragen. So wie sie Hanabi kannte, würde sie ihr von selbst erzählen, wenn sie sich sortiert hatte. Stattdessen berichtete Hanabi von einigen organisatorischen Angelegenheiten der Klassenfahrt. Die Preise für die Eintrittsgelder war nicht ohne, aber die Mutter vertraute da vollkommen auf ihren Ex-Schwiegervater. Der Vater von Hanabi mochte vor fünf Jahren verstorben sein, doch dessen Vater kümmerte sich so gut wie möglich um seine einzige Enkelin.

Am nächsten Tag besuchten Hanabi und ihre Mutter den älteren Herrn in seiner gemütlichen Wohnung mit einem selbstgebackenen Kuchen im Gepäck. Der Kuchen schmeckte dem älteren Herrn ausgezeichnet. Als die Schülerin von der anstehenden Klassenfahrt erzählte, leuchteten ihre Augen regelrecht, was dem gutmütigen Opa sehr freute. Er drückte ihr zum Abschied einen gut gefüllten Umschlag in die Hand und wünschte ihr viel Spaß in Kyoto.
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