Ein Wink des Schicksals?

von Carrow
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
10.03.2019
15.04.2019
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Im Sommer ihres letzten Schuljahres steht bei den Oberschülern an Hanabis Schule ein letzter gemeinsamer Schulausflug nach Kyoto an. Es war in der Mitte, gegen Ende August. Das Wetter spielte verrückt, die Tage waren stürmisch… In jenen Tagen vor der großen Versammlung war das Wetter so launisch, wie die Schüler unruhig waren. Diese sahen dieser Versammlung mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits freuten sich die meisten auf den Ausflug. Andererseits war bekannt, dass für diesen Ausflug Zweiergruppen ausgelost wurden, die sich dann in Kyoto mit einem bestimmten Thema auseinandersetzen mussten. Dieses Thema mussten sie ungefähr eine Woche nach dem Ausflug in Form eines Vortrages mit Powerpointpräsentation vorstellen und sich danach einigen Fragen von Schülern und Lehrern stellen. Die resultierende Note ging dann zu einem hohen Anteil in die Note für Gesellschaftswissenschaften ein. Es war die Spannung vor der Auslosung, welche die Schüler in Atem hielt.

Unzählige Gerüchte der verschiedensten Jahrgänge schürten die Aufregung nur noch mehr. Es wurden schon Erzfeinde zusammen nach Kyoto geschickt und kamen als Freunde zurück. Ex-Partner hatten durch das Losglück erneut zusammengefunden und beste Freundinnen hatten nach dem Ausflug kein Wort mehr miteinander gesprochen. Mehr oder minder geheim hatte jeder Schüler und jede Schülerin des Abschlussjahrganges persönliche Favoriten in Bezug auf ihr Losglück. Hanabi hoffte auf Sanae oder ein Mädchen aus ihrer Clique. Sanae hoffte darauf, dass sie die lebensfrohe, hübsche indonesische Austauschschülerin als Partnerin bekam, um so ihre Chancen auf eine kurze Liaison mit ihr zu erhöhen.

Entsprechend aufgeheizt war die Stimmung, als sich die Schüler an jenem Morgen in der Aula versammelte. Die zuständigen Lehrer und Schülervertreter hatten alle Hände voll zu tun, die aufgeregte Meute zu beruhigen. Nach einer kurzen, ungefähr zehnminütigen organisatorischen Ansprache begann die Auslosung. Jede Gruppe bekam eine Kennnummer, die für die weitere Organisation wichtig war.

Nach dem organisatorischen Teil kehrte eine gespannte Stille ein. Die ersten Namen wurden aufgerufen. Es waren am Anfang vor allem Schüler aus den weniger bekannten Streberklassen, die das Losglück ereilte. Nach ungefähr einer halben Stunde wurde der Name der indonesischen Austauschülerin aufgerufen. Das Losglück war Sanae leider nicht hold. Als Partnerin wurde ein eher ruhiges Mädchen aus ihrer Clique zugeteilt. Sie umarmten einander kurz und ließen sich dann am Pult neben der Bühne registrieren. Dort erhielten sie einen Zettel mit der genauen Aufgabenstellung und verließen die Aula.

Kurze Zeit später wurde Hanabis Name aufgerufen. Gespanntes Warten breitete sich im verbliebenen Teil Clique aus, als der Schülersprecher einen weiteren Zettel zog und den Namen laut vorlas. Die Gruppe verfiel augenblicklich in eine Art Schockstarre. Das Los hatte entschieden, dass ausgerecht ihr Exfreund Mugi Projektpartner sein sollte. So unauffällig wie möglich suchten sie das Gesicht des Anderen in der Menge und nickten einander unsicher zu. Sie erhoben sich, gingen zum Pult und verließen den Raum.  

Nach einer etwas steifen Begrüßung suchten sie sich ein ruhiges Fleckchen in einem der Klassenzimmer. Wortkarg ließ Mugi Hanabi an seinen Laptop, da sie deutlich schneller tippen konnte als er. Mit wenigen Worten besprachen sie die Themenfindung. Nach ungefähr einer halben Stunde beschlossen sie, sich mit der Heianperiode zu beschäftigen. Da es das Zeitalter war, in dem die Schrift und Poesie erblühten, wollten sie sich auch mit der Entstehung der verschiedenen Schriften beschäftigen. Zu jener Zeit waren die Hiragana und Katakana entstanden und die Poesie hatten am damaligen Kaiserpalast in Kyoto einen hohen Stellenwert.

Als es zum Stundenende läutete, speicherte Hanabi die Links hastig ab und sie vereinbarten ein gemeinsames Treffen für den kommenden Samstagnachmittag bei ihm zu Hause. Bis dahin sollte jeder zu seinem Unterthema ein Konzept ausarbeiten und Ideen für zu besuchende Sehenswürdigkeiten in Kyoto sammeln. Zum Abschied überrumpelte Mugi seine Projektpartnerin mit einer kurzen Umarmung, bevor er sich zu seinen Freunden begab.

Am Abend dachten sie unabhängig voneinander über diesen Zufall nach. Sie beide hatten einander in irgendeiner Art und Weise vermisst. Auch wenn sie es sich nicht wirklich eingestehen wollten. Es war damals richtig, diese ungewöhnliche Beziehung zu beenden. Aber wie sollten sie nun damit umgehen? Wie viel Nähe konnten sie zulassen? Und vor allem: Wie sollten sie die zwei gemeinsamen Tage in Kyoto gestalten?
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