Das größte Ei der Welt

von Tatu
GeschichteHumor, Mystery / P12
Castiel Dean Winchester Rowena MacLeod Sam Winchester
10.03.2019
28.03.2019
7
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Liebe Leser,
Heute geht es mit einem etwas längeren Kapitel weiter. Ein kleiner Ausgleich zu dem kürzeren ersten.
Vielen Dank für die ersten Sterne, die Favoriteneinträge und die Reviews. Ich habe mich riesig darüber gefreut.
Tausend Dank auch wieder an meine Beta-Leserin Maja32. Du bist der Fels in meiner Brandung!

Für die Nerds unter Euch, möchte ich erwähnen, dass es diesen Elefantenvogel, von dem Sam im ersten Kapitel erzählt hat, wirklich gab. Und versteigert worden ist das Ei tatsächlich auch, deshalb kann im Museum auch nur ein Foto hängen ;-)
Viel Spaß beim Lesen.
Eure Tatu



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Kapitel 2


Das Ei

Um zwei Uhr mittags erreichten sie Fayetteville. Sie hatten sich ein Zimmer gesucht und saßen nun in einem Diner. Es war eines dieser modernen Burger-Restaurants, wie man sie immer öfter sah. Alles war farblich abgestimmt und in einem dezenten Dunkelbraun gehalten. Selbst vor der Wandfarbe machte der Farbton nicht Halt. Dean tippte auf diese eigenartigen Namen ,Mocca‘ und ,Schoko‘. Er fand es blödsinnig, Farbtöne mit Nahrungsmittelnamen zu bezeichnen. Schließlich sagte man ja zu Rottönen auch nicht ,Ketchup‘ und ,Steak‘, was er für eine Diner allerdings viel treffender fand. Immerhin passten Burger und Schokolade nicht so gut zueinander, wie Burger und Steak oder Ketchup.

„Also, wo ist denn diese Ausstellung?“, riss Sam ihn aus seinen Gedanken.
„Im ,Museum of nature’ drei Straßen entfernt von hier“, sagte er und steckte sich ein paar Pommes in den Mund.
„Findest du es nicht auch eigenartig, dass man nicht weiß, von welchem Tier das Ei stammt? Ich meine, es könnte natürlich ein Dinosaurierei sein, aber wenn nicht? Vielleicht ist es ja von einem Wesen, das in unseren Bereich fällt?“, überlegte Sam und stocherte in seinem Salat herum.
„Daran habe ich natürlich auch schon gedacht. Oder denkst du etwa, dass ich das Ei nur angucken will, weil es einfach das größte Ei der Welt sein soll? Ich bitte dich. Wie lange kennst du mich?“
„Ich hatte mich schon gewundert. “
Sie aßen auf und machten sich auf den Weg zu dem Museum.

≈*≈


„Dean, ich würde mir diese Schaubilder sehr gerne etwas ausführlicher ansehen, kannst du mal ein bisschen langsamer gehen?“, sagte Sam leicht genervt. Er stand vor einer Tafel, die erklärte, was in dem aufgebauten Bild hinter der Glasscheibe zu sehen war.
„Tote Tiere, Sammy. Warum musst du denn die Tafel lesen? Das sieht man doch, was das ist. Eine Bärenfamilie in ihrer Höhle“, wies Dean seinen Bruder ungeduldig auf das Unübersehbare hin.
„Das sehe ich auch. Aber hier steht, wo sie gefunden wurden, das war hier im Ozark National Forest. Es waren die letzten Grizzlys, die hier gelebt hatten und sie haben diese Höhle nach den Bären benannt. Big Grizzly Cave“, erklärte Sam.
„Wie auch immer, ich bin hier, um das Ei zu sehen.“
„Es tut aber nicht weh, sich auch die anderen Exponate anzusehen.“
„Aber es ist langweilig“, antwortete Dean.
Sam schüttelte den Kopf.

Endlich, nach gefühlten drei Stunden, wie Dean dachte, erreichten sie die Halle, in der das Ei ausgestellt war. Eigentlich lagen hier viele verschiedene Eier in den Schaukästen. Neben jedem Ei befand sich ein Foto von dem jeweiligen Tier, von dem es stammte. Wobei es sich hier ausschließlich um Tiere handelte, die es noch gab.
Ein paar Yards weiter hinten in der Halle befanden sich Dinosauriereier und ein Foto von einem mehr als kopfgroßen Eies. Darunter stand eine Beschreibung. Dean stellte fest, dass es sich um das Elefantenvogelei, von dem Sam berichtet hatte, handelte. Er schüttelte den Kopf, als er wieder an die Ausführungen seines Bruders denken musste. Sein kleiner Nerd-Bruder.
Er blickte nach links und erstarrte. Er hatte zwar gelesen, wie groß das Ausstellungsstück war, aber es live und in Farbe zu sehen, war doch ziemlich beeindruckend.
Es war pechschwarz und fast rund. Gar nicht so, wie man sich ein Ei vorstellte. Und es war gigantisch. Von der Oberfläche her erinnerte es Dean an eine Bowlingkugel ohne Löcher. Glatt und glänzend.

„Hier steht, dass es erst vor zwei Wochen gefunden wurde. Und nun rate mal wo“, informierte Sam ihn.
„Keine Ahnung, ich glaube, ich hatte gelesen, dass es in einer Höhle lag.“
„Genau. In der Big Grizzly Cave. Das nenne ich Zufall.“
„Wirklich? Steht da Genaueres?“, fragte Dean, der jetzt neugierig geworden war.
„Nein. Nur das es von Höhlenforschern entdeckt wurde. Und das, was du gestern schon berichtet hattest. Dass man nicht weiß, wie alt es ist und von welchem Tier es stammt. Und dass Untersuchungen nichts brachten.“
„Kommt dir das nicht auch komisch vor? Ich meine, wenn es ein altes Ei wäre, warum wurde es dann nicht früher entdeckt. Zum Beispiel, als sie die Bärenfamilie dort gefunden haben. Waren die eigentlich tot, als man sie entdeckt hatte oder warum sind die ausgestopft?“
„Ja, man hat sie tot in der Höhle gefunden. Jemand hatte sie erschossen. Der Täter wurde aber nie gefunden.“
„Naja, ich denke, als sie die Grizzlys da gefunden haben, wurde anschließend doch bestimmt die gesamte Höhle durchsucht, oder nicht? Wie konnten sie dieses verdammt große Ei übersehen?“, wunderte sich Dean.
„Am besten fragen wir mal bei dem Team nach, das die Bären entdeckt hatte. Komm, lass uns mal den Typ da hinten ansprechen.“
Sam zeigte auf einen Museumsangestellten, der gerade den Ausstellung-Saal verließ. Sie folgten dem Mann und erreichten ihn im nächsten Gang.
„Entschuldigen Sie“, sagte Sam. „Wir schreiben für die ,Wichita Post‘ und interessieren uns für das größte Ei der Welt. Können Sie uns eine Frage beantworten?“
„Natürlich, was wollen Sie wissen?“, fragte der Mann freundlich.
„Es steht auf der Tafel, dass es in der Big Grizzly Cave gefunden wurde. Können Sie uns sagen, wo genau, Stan?“, fragte Dean, der das Namensschild am Hemd des Angestellten gelesen hatte.
„Oh, ja. Das Ei lag direkt in der Mitte der Höhle. Es ist in der Tat erstaunlich, dass es nicht zerstört oder früher entdeckt wurde. Aber ich nehme an, dass es schlichtweg übersehen worden war, da es sich mit der Farbe in der Umgebung hervorragend eingefügt hatte“, erklärte Stan.
Dean und Sam warfen sich skeptische Blicke zu. Die Erklärung war eher unwahrscheinlich, aber anscheinend glaubte man das hier.
„Vielen Dank, das war sehr hilfreich“, sagte Sam. „Auf Wiedersehen.“
Sie verließen das Museum und gingen die Straße hinunter.

„Also, ich bin sicher, dass das ein Fall für uns ist!“, rief Dean aufgeregt. „Du kannst mir nicht erzählen, dass man so ein rundes Ding in einer Höhle einfach übersieht. Wenn du mich fragst, war das, als die Bären gefunden wurden, noch nicht da. Und das heißt, dass es erst vor kurzem gelegt wurde.“
„In den letzten zehn Jahren, um genau zu sein. Zu dem Zeitpunkt fanden sie die Grizzlys nämlich“, ergänzte Sam.
„Wir sollten uns morgen mal die Höhle angucken, finde ich“, schlug Dean vor.
„Okay, aber erstmal müssen wir wissen, wo die sich befindet.“
„Ja, das wird nicht das Problem sein, denke ich. Wahrscheinlich ist das eine der Pilgerstätten hier. Lass uns was essen gehen und dort die Einwohner fragen.“
„Du willst schon wieder essen?“
„Na hör mal, der letzte Burger ist immerhin schon vier Stunden her, Sammy. Moment, das heißt ja, dass ich ganze drei Stunden durch das dämliche Museum gelatscht bin!“, rief Dean empört.
Plötzlich hielt Dean inne und starrte auf die andere Seite der Straße.
„Was hält’s du von deutscher Küche? Da drüben ist ein bayrisches Restaurant.“
„Warum nicht,  solange es nicht nur Brezn, Sauerkraut und Schweinshaxe gibt.“
Sam zuckte mit den Schultern.
„Hoffentlich haben sie deutsches Bier, da freu ich mich schon drauf“, strahlte Dean.
Sie betraten die Gaststätte und mussten sich erstmal umsehen. Der Raum war mit Eichenmöbeln sehr dunkel eingerichtet, doch die weiß-blauen Tischtücher und Gardinen hellten den Raum optisch wieder auf. Auf den Fensterbänken und in den Ecken standen, wie Dean dachte, typisch deutsche Gegenstände herum. Vom Maßkrug über kitschige Figuren, war alles vertreten. Das gab dem Ganzen ein uriges Ambiente. Im Hintergrund lief leise Musik. Dean war froh, dass sie nicht lauter war, da ihm nicht gefiel, was er hörte. Es war noch früh und so kam es, dass sie die einzigen Gäste waren. Sie setzten sich an einen kleinen Tisch am Fenster.  

Als die Kellnerin an ihren Tisch trat, fielen Dean fast die Augen raus. Mein Gott, hatte die ein Dekolleté. Und der Rest war auch nicht zu verachten. Er schätzte sie auf Ende zwanzig. Diese bayrischen Dirndl waren doch herrlich. Dean überlegte sich schon, wie er die Blondine dazu überreden könnte, mit ihm ihren Feierabend zu verbringen.
Sie bestellten Bier und Dean entschied sich für Schweinebraten mit Knödeln und Sauerkraut, während Sam etwas skeptisch dem reichhaltigen Essen gegenüber war. Er bestellte dann eine Pilzpfanne mit Reis.
Als die Kellnerin, Inga, wie ihr Schild verriet, mit zwei vollen Bierkrügen zurückkam, strahlte Dean. Er nahm sogleich einen großen Schluck und rieb sich mit dem Handrücken den Schaum vom Mund.
„Ah, das tut gut.“

Als nach einer Weile das Essen folgte, konnte Dean kaum glauben, was er da vor sich sah.
„Mein Gott, das nenne ich mal eine vernünftige Portion.“
Sam, dessen Essen etwas kleiner ausgefallen war, lachte.
„Also, wenn du davon nicht satt wirst, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.“
„Können wir noch zwei Bier haben? Ach, und wenn es geht, noch mehr Soße, bitte?“, fragte Dean.
„Aber gerne doch“, antwortete die Kellnerin, schenkte ihm ein warmes Lächeln und verschwand wieder hinter der Theke.
Da geht doch bestimmt was, dachte Dean.
Wenig später kam sie mit den gewünschten Sachen zurück.
In dem Augenblick kam ein junger Mann in das Restaurant gestürmt. Außer Atem eilte er auf die Kellnerin zu und griff ihr an die Schulter.
„Inga, es ist schrecklich! Da draußen... im Wald ist ein Monster!“, schrie er entsetzt.
„Nun beruhige dich erst mal, Markus“, meinte Inga und sah entschuldigend zu den Winchesters.
„Ich muss mich für meinen Bruder entschuldigen. Ich bin gleich wieder bei Ihnen.“
Sie stellte die Bierkrüge und Deans Extra-Soße auf den Tisch und verschwand, Markus vor sich herschiebend, in der Küche. Laute Stimmen waren zu hören, doch verstehen konnte man nichts. Dean vermutete, dass die beiden sich auf Deutsch unterhielten.

Als Inga nach ein paar Minuten wieder herauskam, sah sie sehr blass aus.
Sie kam zu Sam und Dean hinüber und meinte: „Es tut mir leid, aber wir schließen. Es ist etwas Schreckliches mit einem engen Freund passiert. Das Essen geht natürlich aufs Haus.“
„Oh, das tut uns leid“, sagte Sam einfühlsam. „Darf ich fragen, was geschehen ist?“
„So genau weiß ich das nicht. Aber er wurde im Ozark National Forest von einem Tier getötet.“
„Das war kein Tier, das war ein Monster!“, mischte sich Markus nun ein.
„So ein Schwachsinn, du hast das wahrscheinlich nur vor Aufregung nicht richtig gesehen“, schimpfte Inga.
„Wie sah das Tier denn aus?“, fragte Dean.
Markus sah ihn an, als ob er abschätzen wollte, ob Dean vertrauenswürdig wäre. Also setzte Dean hinterher: „Glauben Sie mir, wir haben schon eine Menge verrückter Sachen gesehen.“
Markus überlegte kurz und begann dann zu erzählen: „Es sah aus, wie das Ding, dass bei uns immer in der Ecke da drüben stand, nur viel, viel größer. Ein Riesen-Hase mit Reißzähnen, Flügeln und einem Hirschgeweih auf dem Schädel.“
„Ich sage doch, das ist Blödsinn. Du hast dich bestimmt verguckt, du stehst unter Schock“, meinte Inga kopfschüttelnd.
„Es war der Wolpertinger! Da bin ich mir sicher!“, rief Markus aufgebracht.
„Der was?“, fragte Dean.
„Der Wolpertinger ist ein bayrisches Fabelwesen, niemand weiß genau, wie es aussehen soll. Es gibt ganz verschiedene Vorstellungen. Aber die gängigste ist, dass es ein Hase mit Entenflügeln und Hirschgeweih ist. Es gibt Tierpräperatoren, die solche Wolpertinger herrichten. Wir hatten so ein Modell hier in der Ecke stehen.“ Sie deutete auf einen leeren Platz in der Ecke an der Bar. „Vor ungefähr drei Wochen hat das wohl jemand mitgehen lassen.“
„Haben Sie ein Bild von dem vermissten... ähm... Wesen?“, fragte Dean.
„Nein, leider nicht“, sagte Inga.
Sam hatte sein Handy während der Unterhaltung hervor gekramt und zeigte jetzt ein Bild auf seinem Handydisplay.
„Sah es ungefähr so aus?“
„Ja, genau, das ist es!“, rief Inga überrascht.
Markus machte einen langen Hals, um das Bild auch sehen zu können.
„Genau das war das Monster im Wald. Aber es war riesig!“
„Im Westen der USA gibt es ein ähnliches Fabelwesen. Es heißt hier Jackalope.“
Sam zeigte ein anderes Bild, das ein Kaninchen mit einem Bockgeweih darstellte.
Dean sah sich das Wesen an und meinte: „Sieht aus, als hätte sich der Osterhase als Rentier verkleidet. Fehlt nur noch die rote Nase. Wer sollte so ein hässliches Ding denn klauen?“
Die anderen drei starrten ihn wortlos an.
„Nicht witzig, Dean“, zischte Sam.
Inga räusperte sich.
„Ich weiß es auch nicht. Das ist die Ecke, in der Markus und seine Freunde immer sitzen. Vielleicht hat es ja einem von denen gefallen.“
Sie sah zu Markus hinüber, der verlegen zu Boden sah.
Dean beobachtete die Reaktion und hatte das Gefühl, dass Markus etwas verschwieg. Aber das war nicht seine Angelegenheit. Also fragte er Markus nun: „Können Sie uns sagen, wo Ihnen das Wesen begegnet ist?“
„Ja, bei der Big Grizzly Cave.“
„Wie kommen wir da hin?“, fragte Sam.
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