Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Couches

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Anthony Lockwood Der Schädelgeist George Cubbins Lucy Carlyle
09.03.2019
06.04.2019
5
8.632
8
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
09.03.2019 1.478
 
Ich war anfangs unentschlossen, ob ich diese Story hochladen sollte, doch irgendwann dachte ich mir nur noch: Ach, Scheiß drauf! Was soll schon passieren? (Bitte lass niemanden OOC sein! T_T)
Dadurch ist sie aber schon etwas älter und der Schreibstil gefällt mir nicht mehr ganz zu 1000%. Der Titel...könnte besser sein, aber ich kann damit leben.
Es werden insgesamt fünf Kapitel, jeden Samstag eins.

Ach ja: Lockwood, Lucy, George und der Schädel sowie das Universum gehören Jonathan Stroud und nicht mir. Würden sie es, wäre Locklyle jedenfalls Canon.

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


„So, fertig!“, zufrieden verstaute ich die leere Tüte Eisenspäne, mit denen ich soeben eine Linie zwischen den Türrahmen gestreut hatte, in meiner Jackentasche. Wie üblich war dieses Vorgehen nur eine reine Vorsichtsmaßnahme, um beim Warten nicht von irgendwelchen Besuchern überrascht zu werden.

Nach getaner Arbeit ging ich zum Tisch der Küche, in welcher wir unseren provisorischen Stützpunkt errichtet hatten und ließ mich auf einen der vier Holzstühle plumpsen. Mir gegenüber hatte Lockwood Platz genommen. Seine Füße samt Schuhe ruhten auf der Tischplatte, die Nase hatte er zur Ablenkung in der neusten Ausgabe von Die feine Gesellschaft vergraben.

„Und Luce, schon irgendwelche „merkwürdigen  Geräusche“ gehört?“, erkundigte er sich. Im schwachen Dämmerlicht, welches von draußen durch das Fenster in den Raum schien, wirkte sein Gesicht unnatürlich blass.

Ich schüttelte den Kopf. „Nichts. Es ist einfach noch zu früh.“ Während ich mir Tee eingoss und einen Keks genehmigte, rief ich mir alle Informationen über unseren heutigen Einsatz ins Gedächtnis.

Unser Auftraggeber war eine vierköpfige Familie. Laut Aussage der Mutter, Mrs Rainst, hatten ihre Kinder schon immer nachts ein leises Summen oder Pfeifen vernommen. Sie alle waren der festen Überzeugung, dass es sich dabei um die friedliche Mutter von Mrs Rainst handelte, die beim Putzen über ihren Staubsauger gefallen, unglücklich aufgekommen war und Aufgrund ihres maßlosen Ordnungswahns keine Ruhe fand.

An sich zwar eine äußerst banale und alberne, aber nicht unmögliche Theorie. Daher hatten Lockwood und ich uns auch gefragt, weshalb die Familie den Geist nun so plötzlich loswerden wollte. Die Antwort darauf hatte George uns nur einen Augenblick später nach unserem Lachanfall gegeben: Merkwürdige Geräusche. „Merkwürdige Geräusche“, die seit kurzem auch die Erwachsenen nachts nicht mehr bedenkenlos schlafen ließen, von den Kindern ganz zu schweigen.

Mir ist zwar durchaus bewusst, dass Erwachsene keine Schuld dafür tragen, übersinnliche Aktivitäten nicht wirklich wahr zu nehmen. Dennoch sind solch unpräzise und lückenhafte Schilderungen immer unvorteilhaft. Bei sogenannten „merkwürdigen Geräuschen“ kann es sich folglich um so gut wie alles handeln. Ein harmloser Mauerklopfer könnte genauso gut auftauchen, wie ein Alb oder eine Maus. Letzteres wäre nicht unser Problem und somit auch die angenehmste Variante. Allerdings wären wir dann umsonst gekommen.

So waren wir vor zwei Stunden mehrmals unsere Ausrüstung durchgegangen und hatten uns auf den Weg zur Marney Road 21 gemacht. Eine Wohngegend, deren Vorgärten so penibel gepflegt waren, als ob jeden Moment ein örtlicher Rosenzuchtverein vorbeikommen würde, um den schönsten Garten zu küren. Auch wenn der Sieger vermutlich hätte ausgelost werden müssen.

In der U-Bahn war mir dann umso mehr aufgefallen, wie ungewöhnlich ruhig sich Lockwood bereits den ganzen Tag über verhielt. Weder hatte er sich groß über Georges schmutzige Unterwäsche auf dem Treppengeländer beschwert, noch war er mit einer übergroßen Portion Euphorie aus der Haustür gestürmt.

Auch jetzt saß er ganz entgegen seiner Art ohne ein Wort zu sagen auf seinem Stuhl und blätterte in der Illustrierten. Sein Tee stand unangerührt auf dem Tisch und die Dampfschwaden wandten sich ähnlich wie Geisternebel zur Decke empor.

In meinen Gedanken versunken wollte ich mir einen weiteren Keks angeln, als mir unsere Regel wieder einfiel. „Hast du dir schon einen Keks genommen?“, fragte ich daher. Lockwood antwortete ohne von seiner Zeitschrift aufzusehen: „Nimm dir so viele du willst. Ich habe keinen Hunger.“

Ich konnte nicht verhindern, dass ich skeptisch die Augenbrauen zusammenzog. Vielleicht hätte ich das nicht getan, wenn mir klar gewesen wäre, warum er keinen Hunger hatte. Aber wir hatten nichts gegessen bevor wir aufgebrochen waren und Lockwood hatte schon beim Mittagessen und Frühstück kaum etwas zu sich genommen. Dennoch stellte ich keine Fragen und nahm mir schulterzuckend einen weiteren Keks.

„So, dann wollen wir uns mal auf die Suche nach unseren „merkwürdigen Geräuschen“ machen. Vielleicht haben wir ja Glück und finden schon im ersten Zimmer ihre Quelle“, er setzte sein aufmunterndes „Alles-wird-gut“ Lächeln auf, welches allerdings ein wenig gezwungen wirkte und daher mehr an ein „Wird-schon-schiefgehen“ Lächeln erinnerte. Dann nahm er einen Schluck seines Tees (der offenbar bereits erkaltet war, denn kurz darauf verzog er leicht das Gesicht) und seine Ausrüstung und schritt aus der Küche. Den Kopf schüttelnd folgte ich ihm mit meinen eigenen Utensilien.



„Nichts. Hast du etwas entdeckt, Luce?“, ein langgezogener Seufzer kam über Lockwoods Lippen bevor er die Tür zum Esszimmer schloss.

„Das kann man wohl sagen“, immer noch fassungslos starrte ich ins Wohnzimmer, welches ich unter die Lupe genommen hatte. Dort, inmitten zweier schwarzer Ledersessel und einem kleinen Glastisch, konnte ich eine schwache, nahezu durchsichtige Gestalt ausmachen. Ein leises und beruhigendes Pfeifen erfüllte den Raum.

„Lass das gefälligst!“, fauchte ich Lockwood an, als ich bemerkte, dass jenes Geräusch nicht von dem Besucher, sondern von ihm ausging. „Ich wollte doch nur die Stimmung ein wenig unterstreichen“, verteidigte er sich gespielt beleidigt, hielt danach aber den Mund.

Ich dagegen schloss die Augen und öffnete meine Sinne. Ein trauriges Summen drang in meine Ohren, von dem ich mir sicher war, dass es diesmal nicht von Lockwood stammte. Ansonsten war es totenstill. „Das muss Mrs Rainst Mutter sein“, äußerte er meine Vermutung.  „Bis auf ihr Kleid sieht sie allerdings nicht wirklich angsteinflößend aus. Und dazu noch diese Schürze…gruselig!“

Da ich im Gegensatz zu ihm deutlich weniger erkennen konnte, nickte ich nur mit dem Kopf. Eins war mir allerdings klar: Dieser Geist war nicht die Ursache der „merkwürdigen Geräusche“. „Sollen wir sie trotzdem versiegeln?“, erkundigte ich mich, ohne meinen Blick von der Gestalt zu lösen. Sie hatte sich nicht einen Millimeter gerührt und starrte weiterhin traurig auf die verstaubte Oberfläche des Glastisches.

Lockwood fuhr mit dem Finger über die alte Kommode neben ihm und betrachtete ihn anschließend im schmalen Strahl seiner Taschenlampe. „Ich glaube, wenn hier einmal richtig Klarschiff gemacht wird, verschwindet sie von selber. Nur gehört putzen“, er wischte sich die Hand an seinem Mantel ab, „ soweit ich weiß nicht zu unserem Service.“ Gegen diese Aussage hatte ich natürlich nichts einzuwenden.

Wachsam stiegen wir die Treppe zum ersten Stockwerk Stufe für Stufe empor. Im Erdgeschoss des Hauses hatten wir, abgesehen von Mrs Rainst Mutter, keine übernatürlichen Aktivitäten bemerkt. Lockwood hatte zwar einen Todesschein im Wohnzimmer bemerkt, der allerdings bereits so verblasst war, dass er ihn beinahe übersehen hatte. Laut seiner Aussage hatte er ihn zuerst für eine ausgeblichene Teppichstelle gehalten. Ich vernahm ebenfalls immer ein leises Summen oder Seufzen, wenn ich an der Tür zum Wohnzimmer vorbeikam, konnte es jedoch ohne Probleme ausblenden. Ein Schmunzeln ließ meine Mundwinkel kurz nach oben zucken. Ein putzwütiger Geist war bestimmt noch niemanden untergekommen.



Wir erreichten das erste Stockwerk und sahen uns von der letzten Stufe aus um. Jeweils links und rechts von uns erstreckte sich ein schmaler Flur. An der den Wänden hingen einige eingerahmte Bilder, deren Motive ich wegen der Dunkelheit nicht klar erkennen konnte.  

„Ganz schön kühl geworden“, Lockwood schlug den Kragen seines Mantels hoch und zog das Kleidungsstück enger um seinen Körper. Ein Blick auf die fluoreszierende Anzeige meines Thermometers offenbarte mir, dass die Temperatur tatsächlich gesunken war. Es herrschten allerdings noch etwa zwölf Grad, weswegen ich seine Reaktion nicht wirklich nachvollziehen konnte.

„Ab jetzt bleiben wir zusammen. Wir werden uns zunächst die linke Seite vornehmen und anschließend mit der rechten fortfahren. Also, wenn ich bitten darf?“, er machte eine ausschweifende Handbewegung und setzte ein ermutigendes Lächeln auf. Doch ich ließ mich nicht beirren: „Oh nein! Ich war das letzte Mal dran! Und auch schon davor! Diesmal kriegst du mich nicht rum!“, trotzig verschränkte ich die Arme vor meiner Brust und wandte demonstrativ den Kopf zur Seite.

Bereits nachdem wir von unserem letzten gemeinsamen Fall in die Portland Row 35 zurückgekehrt waren, hatte ich mir fest vorgenommen, mich nicht mehr von Lockwood dazu überreden zu lassen, die Zimmertüren irgendwelcher heimgesuchten Häuser zu öffnen, wenn ich nicht an der Reihe war. Da konnte er noch so charmant Lächeln oder mir so viel Honig ums Maul schmieren, bis ich an dem Zeug erstickte; ich würde hart bleiben!

„Tja, dann bin wohl oder übel ich an der Reihe.“ Die mühsam errichtete Fassade meines Entschlusses, fiel mit einem Mal wie eine schlecht konstruierte Mauer in sich zusammen. Lockwood gab auf? Jetzt schon?! Einfach so, ohne Widerrede und aus freien Stücken?! DAS war definitiv merkwürdig!

Allmählich konnte ich wirklich nicht mehr leugnen, dass irgendetwas nicht mit ihm stimmte.





Hoffe es hat euch gefallen. Selbstverständlich freue ich mich über eine Rückmeldung (Lob oder konnstruktive Kritik) und entschuldige mich für sämtliche (Rechtschreib)Fehler.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast