Die Perfekte Welle

GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
09.03.2019
20.03.2019
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23 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
Hallo ihr Lieben,

heute etwas später, aber besser spät, als nie, oder?
Das nächste Kapitel wird am Montag kommen, am Wochenende ist zu viel Reallife, ihr kennt das sicher und sehr es mir nach :)
Ich wollte auch noch den fleißigen Reviewern danken! Ihr macht mich mit euren Worten so glücklich!
Und natürlich freue ich mich wieder auf eure Kommentare und Gedanken, deswegen scheut euch nicht!
Ich stell euch auch Kekse hin :)

Und nun viel Spaß beim Lesen!

Eure Katie
<3

*****************

Mein Handywecker klingelte erbarmungslos früh und ich drückte auf Snooze. Ich schaffte es nie, mit dem ersten Weckerklingeln aufzustehen, nicht um 5:00Uhr.

Um 6 würde ich mich mit Claire treffen. Am ‚Container‘. Und ich wollte bis dorthin joggen. Am Strand entlang. Das waren etwas über 4 Kilometer und ich würde etwa 30 Minuten brauchen. Nachdem ich das zweite Mal Snooze auf meinem Handy gedrückt hatte, musste ich mich beeilen, damit ich noch pünktlich kommen würde. Also schnell ins Bad, Bikini anziehen, Banane essen und Trinkflasche füllen. Schon war ich aus dem Haus, trabte im Dunkeln die Treppe zum Strand hinunter und ließ mein Haus schnell hinter mir. Rechts von mir konnte ich langsam den hellen Streifen am Horizont erkennen, wo in etwa einer halben Stunde die Sonne aufgehen würde.

Als ich am ‚Container‘ ankam, wartete Claire schon auf mich. Wir umarmten uns kurz zur Begrüßung und liefen dann weiter, die Bar hinter uns lassend. Das Ziel war ein Outdoor Workout Platz etwa 2 Kilometer weiter. Dort befand sich auch die Surfschule, in der Nate und ich nebenbei noch arbeiteten. Ich hatte mich bis zum Surfest in nicht mal mehr 3 Wochen aber von Matt, meinem Boss, beurlauben lassen, um so viel wie möglich trainieren zu können.

Claire und ich kamen an und schon begann der Drill. Klimmzüge, Kniebeugen, Burpees und Sit- ups. Im Anschluss ging es ins Wasser. Wir schwammen ein Stück raus, dem Sonnenaufgang entgegen und tauchten bis zum Grund. Ich musste Luft anhalten. So lange, wie möglich. Das war wichtig, wenn ich von meinem Board fiel und die Welle mich überrollte und für einige Zeit unter Wasser hielt.

Etwa eine Stunde später lagen wir beide erschöpft im Sand und ließen uns von den ersten Sonnenstrahlen trocknen.

„Ich glaube, du hast deinen Beruf verfehlt, Claire.“, sagte ich irgendwann und stöhnte, weil jeder einzelne Muskel in meinem Körper schmerzte.

„Du hättest Drill Sergeant bei der Army werden sollen.“ Wir lachten beide, bevor wir uns wieder hoch kämpften, um zurück zum Container zu laufen. Dort trennten sich unsere Wege, Claire fuhr nach Hause und ich lief die 4 Kilometer zurück zu meinem Haus.

Nach einer ausgiebigen Dusche, bei der ich allerdings ordentlich jammerte, als ich meine Haare wusch, setzte ich mich mit einer Acai Bowl auf den Balkon und las nebenbei mein Buch.

Am späten Vormittag legte ich mich nochmal hin, das machte ich oft, wenn ich so früh aufgestanden war und später noch arbeiten musste. Besonders in den letzten Wochen, seit ich mit den Vorbereitungen für das Surfest begonnen hatte. Irgendwie hatte ich seitdem ein erhöhtes Schlafbedürfnis und das gönnte ich mir auch ab und zu.

In der Bar war es heute ruhig, die meisten Stammgäste waren arbeiten, doch nach Feierabend würde sich das ändern.
Ich war gespannt, ob der Finne heute wieder auftauchen würde und beobachtete immer mal wieder die Treppe, die von der Straße zu unserem Strandabschnitt herunter führte. Ich wurde tatsächlich nicht enttäuscht und einerseits war ich etwas genervt, andererseits freute es mich aus mir unerklärlichen Gründen.
Er nickte mir schon von weitem zu, als er in Shorts und T-Shirt durch den Sand geschlendert kam. Er war wirklich groß, wahrscheinlich um die 2 Meter und gut gebaut, das konnte ich unter seinem Shirt erkennen. Wenn er doch nur mal seine dämliche Sonnenbrille abnehmen würde. Ich würde zu gern mal seine Augen sehen. Ich konnte so auch überhaupt nicht einschätzen, wie alt der war.

Ich öffnete den Kühlschrank, nahm eine Flasche Corona Extra heraus und wedelte damit in seine Richtung. Wieder erntete ich ein Nicken. Die geöffnete Flasche stand schon auf dem Tresen, bevor er sich überhaupt auf seinen Stuhl gesetzt hatte. Zumindest hatte er sich zu einem „Hey.“ hinreißen lassen. Das war es dann auch schon.

Am Dienstag lief es ganz genauso ab. Anscheinend bekamen wir eine Routine, der Finne und ich. Ich versuchte auch gar nicht mehr, ihm ein paar Worte aus den Rippen zu leiern. Wenn er nicht reden wollte, oder nicht mit mir reden wollte, dann war das eben so. Er wird schon seine Gründe haben.

*****

Nate und ich saßen schon seit 1,5 Stunden in seinem Pickup und ich kämpfte gegen die immer wieder aufkommende Müdigkeit an. Wir hatten Sydney gerade hinter uns gelassen und der Tag schickte sein erstes Licht über den Horizont. Nate hatte mich um 4:00 Uhr heute Morgen abgeholt, damit wir pünktlich um 6:00 Uhr am Surf Spot waren.

Das Wetter war grau, windig und auch ein bisschen nieselig. Als wir durch North Narrabeen fuhren, brannte nur vereinzelt Licht in den Häusern, sie meisten schliefen noch. Um die Uhrzeit und bei dem Wetter trauten sich eigentlich nur hartgesottene Surfer raus. Dazu zählte ich nun anscheinend auch. Wir parkten beim Surf Life Saving Club und liefen runter zum Strand. Die Wellen sahen mörderisch aus und für einen kurzen Augenblick fragte ich mich, warum ich mir das eigentlich antat.

Es war wirklich frisch heute, weswegen wir uns unsere Shortys anzogen, da wir auch eine ganze Weile im Wasser verbringen würden.

Schon das Rausschwimmen hinter die Brandung gestaltete sich als schwierig, da die Wellen im Rekordtempo über uns brachen und wir unter jeder einzelnen hindurchtauchen mussten. Da wusste ich, dass dieser Tag für mich eine ganz neue Herausforderung werden würde. Das Meer war unruhig und die Wellen kamen in Dreier-Sets. Mein Herz klopfte bis zum Hals. Es war zwar nicht das erst Mal, dass ich bei solch einem Wellengang surfen war, doch hier waren die Wellen nochmal gut 1 bis 1,5 Meter höher, als beim ‚Container‘.

„Okay, wir fangen ganz entspannt an. Such‘ dir eine Welle aus, paddle sie an und dann surf sie. Gewöhn‘ dich dran. Nachher musst du gegen mich antreten im Line up.“, instruierte mich Nate.

Ich sah mich um. „Wahrscheinlich nicht nur gegen dich...“, bemerkte ich und strich mir eine nasse Strähne aus dem Gesicht. Es waren bereits eine Handvoll Surfer auf dem Wasser und es würden sicherlich noch mehr werden.
Ich legte meine Hände wieder auf das Wasser, nahm die Energie auf. Nate belächelte das immer, aber so konnte ich die guten Wellen am besten spüren. Und da kamen sie. Ich drehte mein Board und paddelte los. Die erste Welle ließ ich vorbei ziehen, nahm die Zweite. Ich erwischte das richtige Timing für den Take Off und fuhr ein paar Bottom Turns, bevor ich im seichten Wasser wieder umdrehte und zurück zu Nate schwamm. Ich hatte keine Ahnung, wie oft ich mich noch zurück hinter die Brandung würde kämpfen können, so anstrengend war es.
Immer wieder ließen Nate und ich uns einfach treiben, um uns ein bisschen zu erholen.

„Er kommt aus Finnland.“, erzählte ich ihm irgendwann während einer dieser Pausen. Ich hatte keine Ahnung, wieso und warum ich gerade in diesem Augenblick darauf kam, doch Nate schien es nicht sonderlich zu überraschen.

„Wenn du den komischen Typen aus der Bar meinst, dann weiß ich das schon...“, sagte er und musterte mich neugierig.

Mit hochgezogenen Augenbrauen sah ich ihn an. „Hat Claire dir das erzählt?“, vermutete ich, doch mein Kumpel schüttelte den Kopf.
„Nö, das hat er mir selbst erzählt.“, zuckte er beiläufig mit den Schultern.

Ich sah ihn durch zusammengekniffene Augen an, einerseits, weil mir Nieselregen in die Augen lief, andererseits, weil ich dachte, ich hätte mich verhört.

„Ich habt euch unterhalten?“, hakte ich nach, darauf bedacht, es ganz beiläufig klingen zu lassen. Nate kannte mich aber zu gut und sah mich amüsiert an. „Klar, warum auch nicht?“
Ich konnte es nicht glauben. „Und über was habt ihr euch so unterhalten?“

„Warum interessiert dich das so sehr?“ Das Grinsen auf seinen Lippen konnte ich deutlich über den Wind hören.

„Erzähl‘ es mir einfach.“, verlangte ich und musterte Nate weiterhin mit festem Blick.

„Nichts weiter. Nur, dass er schon seit anderthalb Wochen in Australien ist, ihm Sydney aber zu laut und bunt war und er deswegen beschlossen hatte, mit dem Auto weiter südlich zu fahren.“, erzählte Nate und beobachtete mich ganz genau.

Ich musste lachen. „Und wir sind in Wollongong ja so viel weiter südlich...“ Es waren gerade mal 80 Kilometer bis nach Sydney. „Da hat er es ja richtig weit geschafft.“

Nate ließ sich lediglich zu einem schiefen Schmunzeln hinreißen.

Die Tatsache, dass sich der Finne sowohl mit Claire, als auch mit Nate unterhalten hatte, wurmte mich wirklich, doch ich versuchte, mir gegenüber Nate nichts anmerken zu lassen. Ich überlegte aber, ob ich in den letzten Tagen, seit er das erste Mal am ‚Container‘ aufgetaucht war, irgendetwas gesagt oder getan haben könnte, was ihn dazu veranlasst hat, mich weitestgehend mit Missachtung zu strafen, doch mir fiel nichts ein.

Nate riss mich aus meinen Gedanken, als er mich plötzlich mit dem Geschrei von „Los, los, los!“ aufschreckte, sodass mir sofort Adrenalin in die Adern schoss. Er hatte sich schon auf sein Brett gelegt und wartete nur noch darauf, dass ich es ihm gleich tat, um unser angekündigtes Wettrennen zum Line Up zu starten. Nachdem ich realisiert hatte, dass wir nicht in ernsthafter Gefahr schwebten, rollte ich nur mit den Augen, paddelte aber los und versuchte, Nate auszustechen. Er war schneller und bekam die Welle vor mir. Ich brach den Paddleangriff ab, wendete mein Board und paddelte in etwa dorthin zurück, wo wir gestartet waren. Ich wartete auf die nächste gute Welle, die ich dann ohne Wettkampfgefühl ganz in Ruhe surfte. Als ich Nate wieder hinter der Brandung traf, wirkte er fast ein wenig beleidigt.

„Wo warst du? Du hättest mich einholen müssen, Ruby.“ Seine Stimme klang vorwurfsvoll. „Dann jag‘ du mir nicht so einen Schrecken ein...“, beschwerte ich mich.
„Ich wollte doch nur, dass du das Adrenalin spürst, was du beim Wettkampf auf jeden Fall auch in dir tragen wirst. Training unter Realbedingungen nennt sich das.“

„Ja, aber so? Ich dachte, es ist irgendwas passiert...“

„Konzentrier dich auf dein Training und nicht auf irgendwelche exotische Typen.“, ermahnte er mich.

„Was?“ Da war es. Das kleine Monster namens Eifersucht. Dabei hatte er erstens gar kein Recht darauf, eifersüchtig zu sein und zweitens, selbst wenn er das Recht gehabt hätte, gäbe es keinen Grund dafür. Der Finne und meine nicht existierende Beziehung zu ihm schien Nate mehr zu beschäftigen, als mich.

„Ach, nichts.“, wich er mir aus und stierte auf den Horizont.

Ich seufzte und schüttelte den Kopf. Ich hatte jetzt keine Lust, mich mit Nate zu streiten, auch wenn man sich auf dem offenen Meer ganz wunderbar anbrüllen konnte. Es wäre nicht das erste Mal, doch nach unzähligen Kämpfen, die ich heute schon mit der Brandung ausgetragen hatte, fehlte mir die Kraft für diese Auseinandersetzung.

„Lass uns noch ein paar Wellen nehmen und dann zurück fahren, okay?“, schlug ich versöhnlich vor. Nate brummte etwas unverständliches, bevor er nickte und mich kurz darauf wieder anlächelte. Er war noch nie nachtragend gewesen und konnte kleine Meinungsverschiedenheiten schnell abschütteln. Das mochte ich so an ihm. Er war einem nie lange böse.

Als wir am Auto ankamen, um uns umzuziehen, war ich überrascht, wie die Zeit vergangen war. Es war bereits kurz nach 15:00 Uhr. Plötzlich knurrte mein Magen, ich brauchte unbedingt was zu Essen. Auf dem Rückweg hielten wir bei Nando’s, im Zentrum von Sydney, denn ich hätte es definitiv nicht ohne zu Essen bis nach Hause geschafft. Ich bestellte mir einen Smashed Avocado & Feta Burger mit Süßkartoffelpommes und hätte eigentlich noch mehr essen können.

Die restliche Strecke fuhr ich, damit Nate sich auch ein bisschen ausruhen konnte. Zu Hause fiel ich nach meiner Dusche todmüde ins Bett und schlief fast auf der Stelle ein. Da war es gerade mal 20:00 Uhr.

tbc

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Warum nur ist Nate so eifersüchtig?
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