Running with the Wolves

von Miss Foxy
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16 Slash
09.03.2019
15.05.2019
4
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„Hier rein!“ rief die rothaarige Frau und stieß die Tür eines kleinen Hauses im Wald auf. Nathan, welcher den blauhaarigen Jungen trug, betrat das Haus. Es war schön eingerichtet. Er stand in einem kurzen, breiten Gang. Geradeaus war eine offenstehende Glastür, welche zum Wohnzimmer führte. In dem Gang waren noch weitere vier Türen, die jedoch geschlossen waren. Nathan schaute sich kurz um. Das Haus war in einem etwas altmodischem Stil eingerichtet, irgendwie gefiel ihm das. „Hier.“ sagte die Frau, lief an ihm vorbei und öffnete die zweite Tür von rechts. „Du bist heute aber sehr gesprächig, Clara.“ meinte Nathan mit einem sarkastischen Unterton, ging in den Raum und legte ihn auf das Sofa dort drin. Der Raum war klein, er war gerade mal so groß, dass dort ein kleiner Schrank, das Sofa und ein Schreibtisch reinpassten. Clara verließ das Zimmer, nur um kurze Zeit später mit Verbandszeug wiederzukommen. Nathan stellte sich an die Wand gegenüber des Sofas und ließ Clara den Jungen behandeln. Er selbst konnte das kein bisschen. Hatte er früher auch nie gebraucht, seine Wunden hatten sich immer von alleine geheilt. Und obwohl er nun schon seit zwanzig Jahren menschlich war, hatte er sich nie wirklich verletzt. „Wir sollten ihn in ein Krankenhaus bringen.“ unterbrach Nathan irgendwann die Stille, aber Clara schüttelte den Kopf. „Er wurde von einem Werwolf angegriffen. Die meisten Ärzte wissen von uns und erkennen das Werwolfsgift sofort. Und wie du vielleicht weißt, sind Werwölfe nicht gerne gesehen. Sie würden ihn töten.“ widersprach die rothaarige, „außerdem, er wird sowieso sterben. Der Werwolf, der ihn angegriffen hat, war ein Omega, kein Alpha. Dass ein Mensch von einem Omega oder Beta verwandelt wird, ist fast unmöglich.“ Nathan seufzte. Der Kleine war doch noch so jung, höchstens 17 Jahre. Und er sah nicht so aus, als wäre er ein schlechter Mensch. Er hatte es ganz bestimmt nicht verdient, so zu sterben. Oder überhaupt so jung zu sterben. „Du sagtest fast. Heißt das, es gibt eine Chance, dass er das überlebt?“ Clara nickte leicht. „Ja. Aber ich würde mich nicht an diese Chance festklammern. Ich habe noch nie gehört, dass jemand das überlebt hat. Und ich habe mit vielen Wölfen gesprochen.“ antwortete sie und schaute den Jungen mitleidig an. Sie schien fertig zu sein. Sie nahm ein Tuch und wischte sich das Blut von den Händen. „Was liegt dir eigentlich so viel daran, ihn zu retten? Du kennst ihn doch gar nicht.“ fragte die rothaarige neugierig und setzte sich auf das Sofa, darauf bedacht, den Jungen nicht zu berühren. Nathan zuckte mit den Schultern. „Er ist ungefähr in Matt's Alter, vielleicht ein oder zwei Jahre jünger. Matt war 18 als ihr ihn getötet habt. Er hatte auch noch sein ganzes Leben vor sich und ich habe die Angst in seinen Augen gesehen. Der Junge erinnert mich an ihn.“ sagte er leise und konnte nicht verhindern, dass sich eine Träne löste und seine Wange herunterfloss. „Das ist zwanzig Jahre her...“ murmelte Clara, doch Nathan erkannte ihren schuldbewussten Blick. Sie hatte es sich selber nie verziehen. „Ich vermisse ihn trotzdem. Er war der Erste und der Einzige Mensch, den ich je geliebt habe. Da spielt es keine Rolle, wie lange das her ist.“ Clara nickte und sagte nichts weiter dazu. Es schien der 37 Jährigen unangenehm zu sein, darüber zu reden. Sie hatte noch nie ein Wort dazu gesagt, bis heute.

Die beiden schwiegen für die nächsten Stunden. Während Clara sich ein Buch geschnappt hatte, hing Nathan seinen Gedanken nach. Es war schon komisch, nach so vielen Jahren wieder hier zu sein. In diesem Wald, wo er eigentlich nie wieder hin wollte. Er hatte auch nicht gedacht, dass er sich mit Clara unterhalten könnte, ohne sie umzubringen. Doch als er sie gesehen hatte, hatte er bemerkt, dass er gar nicht mehr wütend auf sie war. Sie war jung gewesen. Gerade mal 17 und schon der Alpha des größten Rudels Amerikas gewesen. Sie hatte einen Fehler gemacht und aus denen lernt man. Dank ihr ist ihr Rudel nun stark und viele Werwölfe hatten sich ihr angeschlossen, denn ihres war eines der wenigen Rudel, die keine Menschen töteten oder gar fraßen. Und trotzdem ist es einer der stärksten. Ihr war damals eine große Bürde auferlegt worden. Hätte Nathan dies damals schon erkannt, hätte er sie nicht so hängen lassen, sondern ihr geholfen. Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als der Junge auf dem Sofa, anfing schwer zu atmen, sich herumzuwinden und stark zu schwitzen. Das ließ auch Clara aufschrecken. „Ist das normal?“ fragte Nathan und wurde nervös, als Clara den Kopf schüttelte. „Das sollte nicht passieren. Nicht, wenn er stirbt und auch nicht, wenn er sich verwandeln wird. Äußerst merkwürdig.“ meinte Clara stirnrunzelnd und sog tief die Luft ein. „Er schwitzt das Werwolfsgift aus!“ rief sie plötzlich so laut, dass Nathan zusammenzuckte. „Was bedeutet das?“ fragte er, jedoch ist Clara schon aus dem Zimmer gerannt und kam nach kurzer Zeit mit einem alten, dicken Buch wieder hereingestürmt. „Komm her! Hier wird davon erzählt. Dort steht, dass manche Menschen, die das Blut von den allerersten Werwölfen in sich tragen, gegen das Wolfsgift immun sind. Das heißt, unser Freund hier ist nicht nur gegen das Gift immun, sondern auch ein Nachfahre von Anya oder Sean ist! Und ich dachte, diese Blutlinie wäre ausgestorben und nur noch Isabels würde existieren! Weißt du, was das heißt?“ fragte sie aufgeregt. „Ähm... Nicht wirklich.“ sagte Nathan, welcher nur Bahnhof verstand. „Dass er überleben wird, du Hohlbirne! Und, dass er im Grunde schon ein Werwolf ist, nur müssen seine Kräfte aktiviert werden. Wie das gehen soll, weiß ich aber nicht.“ antwortete Clara, welche aufgeregt auf und ab hüpfte. Nathan verstand die ganze Aufregung jedoch immer noch nicht. „Das ist ja schön und gut, aber warum freust du dich denn so sehr?“ Clara blieb stehen und sah Nathan mit einem „Ist-das-dein-ernst“-Blick an. „Anya und Sean waren diejenigen, die die ganze Welt gerettet haben und es geschafft haben, einen jahrhundertelangen Krieg zwischen Menschen und Fabelwesen zu beenden! Das ist, als würdest du den Sohn deines Lieblingsschauspielers treffen!“ Nathan schüttelte ungläubig den Kopf. Er hatte noch nie verstanden, warum man immer so viel Trubel um berühmte Menschen machen musste. „Mal anderes Thema, wenn er angeblich immun gegen das Gift ist, warum reagiert er dann da drauf?“ wechselte Nathan das Thema. Clara zuckte mit den Schultern und schaute in das Buch. „Hier steht alles in der alten Werwolfsprache geschrieben, ich kann das nicht eins zu eins übersetzen. Ich glaube, hier steht eher, dass das Gift sie zwar weder tötet, noch groß schadet, es aber trotzdem raus muss... Oder irgendwie. Keine Ahnung. Es ist lange her, seit ich etwas in dieser Sprache gelesen habe.“ erklärte Clara, die nun wieder ruhiger war. „Werwölfe haben eine eigene Sprache?“ fragte Nathan verwundert. „Jep. Früher mal. Jetzt nicht mehr. Nur noch wenige Wölfe können die alte Sprache sprechen und lesen.“ antwortete die Werwölfin und schaute wieder zu dem bewusstlosen Jungen, welcher nun wieder still und ruhig atmend da lag. Nun hieß es warten, bis er aufwachte.


Als es am nächsten Morgen zum Unterricht klingelte, hielt Quentin ständig nach Colin Ausschau. Er spürte eine Angst, die jede Sekunde stärker wurde. Sie hatten ihn alleine gelassen, zusammen mit einem aggressiven, riesigen Wolf. Waren weggerannt, wie Feiglinge, als der Wolf den Blauhaarigen gebissen hatte. Quentin hatte sich irgendwann so schlecht gefühlt, dass er Judith davon erzählt hatte, welche dies sofort an die Polizei weitergeleitet hatte. Es wurde zwar Blut, und zwar sehr viel Blut, gefunden, aber keine Leiche. Und Quentin hatte immer noch die Hoffnung, dass Colin gleich einfach in den Klassenraum spazieren würde – was natürlich nicht passierte. Was hatte er überhaupt für einen Grund gehabt, Colin schon wieder zu mobben? Er wusste es gar nicht mehr. Es hatte ihm Spaß gemacht, zu sehen, dass jemand schwächer war, als er. Aber jetzt... Der Lehrer betrat den Klassenraum. Sein Blick war so ernst, dass jeder verstummte. Er fing gleich an zu reden: „Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, wurde Colin gestern von einem Wolf angegriffen.“ Die Schüler fingen an, leise miteinander zu reden und der Klassenlehrer wartete, bis wieder Ruhe eingekehrt war, „Da keine Leiche gefunden wurde, kann davon ausgegangen werden, dass er zwar noch am Leben, aber schwer verletzt ist.“- „Oder gefressen!“ - unterbrach ein Schüler ihn. Judith, die neben Quentin saß, drehte sich wütend um. „Halt die Klappe, Mike!“ zischte sie ihm zu und schaute dann wieder nach vorne. Auch der Lehrer schaute den 16 Jährigen strafend an und redete weiter: „Falls ihr also irgendwas seht, oder wisst. Meldet euch bei der Polizei.“ Kurz danach fing er auch schon mit dem Unterricht an. Quentin schaute immer wieder zu Judith, die konzentriert auf ihr Blatt schaute. „Wie geht’s dir?“ fragte er irgendwann. „Gut.“ sagte die Blonde und bearbeitete weiter ihre Aufgaben. Der 15 Jährige seufzte. Er konnte verstehen, dass sie nicht mehr mit ihm redete. Er hatte riesige Scheiße gebaut. „Verdammt!“ rief er plötzlich, was die Schüler zusammenzucken ließ. Quentin interessierte das nicht, stand stattdessen auf und lief aus dem Raum, in die Jungstoilette. Dort ging er in eine Kabine, schloss sie ab und holte tief Luft. Warum kümmerte das Ganze ihn überhaupt? Er hasste Colin, es konnte ihm egal sein, was mit ihm passierte. Aber das war ihm nicht. Ganz im Gegenteil. Was war nur mit ihm los?
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