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Von der Eule und dem Raben

von Fhaiye
KurzgeschichteAllgemein / P12
07.03.2019
07.03.2019
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In einem Wald, gar nicht unweit von hier, unterhielten sich einst zwei Tiere.
Zwei Vögel – gar bekannte Wesen.

Die Eule, stolz und weise. Und der Rabe, einfältig und besserwisserisch.
Es entbrannte eine hitzige Diskussion. Der Rabe wollte partout nicht hören, blieb stur bei seiner Meinung.
Unbelehrbar – die Eule verlor beinahe die Geduld. Doch sie war nicht töricht, behielt die Fassung.

Der Rabe war der Meinung, dass der Wald nur den Vögeln gehöre. Sie seien stolze Tiere, sie können fliegen, sie seien majestätisch und hätten es gar nicht nötig auf der niederen Erde zu kriechen.
Sie seien deshalb erhaben, gar etwas Besseres, als die übrigen Waldbewohner, denen dieses Privileg nicht vergönnt sei.

Die Eule hingegen lachte ob der Torheit des Raben.
„Herr Rabe, hast du bedacht, dass niemand sein Los selbst gewählt hat? Was macht dich zu etwas Besserem, als etwa den Dachs oder das Kaninchen? Wir sind alle Lebewesen, haben dieselben Rechte und Pflichten. Wir atmen dieselbe Luft, bewegen uns auf dem gleichen Planeten, leben unter den gleichen Himmelskörpern. Es gibt nichts Schöneres, als im Einklang mit allen anderen Tieren zu existieren – ganz gleich, welcher Art wir angehören.“

Der Rabe hingegen schüttelte verdrossen seinen Kopf und schnatterte wie verrückt.
„Verstehst du denn nicht? Die Pflanzenfresser unter diesen niederen Kreaturen bedrohen unseren Lebensraum, bedrohen uns. Wir müssen sie fürchten. Sie gehören hier nicht her – nicht in unseren Wald, nicht in unser Gebiet.“

Die Argumentation des Raben stimmte die Eule sehr traurig.
Das Zusammenleben aller Lebewesen hatte über Jahrhunderte wunderbar funktioniert.

Der Rabe hatte genug, wollte nicht weiter mit der Eule diskutieren.
Hatte er doch sowieso keine starken Argumente auf seiner Seite – das wusste er sehr wohl.

Er erhob sich, stieg in die Lüfte empor – kam nicht weit.
Ein Jäger schoss ihn mit seiner Büchse bei dem Versuch, sein eigentliches Ziel zu treffen.

Noch bevor der Rabe den, von ihm verabscheuten, Erdboden berührte, war er tot.



Und die Moral von der Geschicht‘:

Manchmal sind die vermeintlichen Gefahren, die wir am meisten fürchten nicht die, die eine wirkliche oder gar die größte Bedrohung darstellen.
Es hilft ungemein seinen Kopf einzuschalten und gerade in der heutigen Zeit nachzudenken.

Sein eigenes Handeln und das der Mitmenschen zu reflektieren, wenn andere es schon nicht für nötig halten. Nicht einfach alles ungefiltert wiederzugeben, was man aufgeschnappt hat.

Ein Appell an alle: denkt nach und seid aufmerksam!

Die Fabel ist auf Grund einer persönlichen Erfahrung mit einem unliebsamen Mitmenschen entstanden.

Danke fürs Lesen!
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