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Trockenphase

von AnAn
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Cleo Sertori Emma Gilbert Lewis McCartney Rikki Chadwick
06.03.2019
06.03.2019
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06.03.2019 548
 
Mein Meerjungfrauenschwanz ragte wie gewohnt ein ganzes Stück über den Badewannenrand hinaus. Wie ich es vermisste im Meer zu schwimmen! Das Gefühl der Freiheit und Leichtigkeit, diese unbändige Kraft, die die Fähigkeit verlieh alle Sorgen zu vergessen.
Als ich schließlich, in mein Handtuch gewickelt vor meinem Bett stand und meine Reisetasche durchwühlte musste ich mir seufzend eingestehen, dass meine vorige Behauptung meiner Mutter gegenüber eine glatte Lüge gewesen war. Ich hatte kein Outfit vorbereitet um genau zu sein hatte ich gar keine Klamotten dabei, in denen ich mich sehen lassen konnte. Die einzige Lösung bot mein alter Kleiderschrank, der nur noch die Klamotten enthielt, die ich nach dem Abitur nicht mitnehmen wollte, also kaum Aussichten. Tatsächlich stieß ich genau auf drei Kleider, die in Frage kamen: Das Kleid von meinem Abschlussball, das sowohl einen seltsamen Schnitt, als auch ein grelles, unausstehliches Grün hatte und somit ausschied, das von meinem achtzehnten Geburtstag, dessen Reißverschluss ich dank meines damaligen Mangels an Holz vor der Hütte nicht mehr schließen konnte und das Kleid, das ich auf Sams und Dads Hochzeit getragen hatte. Dank des verstellbaren Neckholderträgers passte es immer noch, auch wenn meine Brüste etwas höher saßen als gewohnt. Der leichte, apricotfarbene Stoff fiel ungewohnt um meine Beine und auf einmal spürte ich wieder den Sand zwischen meinen Zehen und Lewis Hand in meiner, kurz bevor er die Hochzeit velassen hatte und für Monate verschwunden war. Ich schüttelte den Flashback ab und stellte mich vor den Badspiegel. Wenigstens mein Make-Up konnte zeigen, dass ich mich in den vergangenen fünf Jahren verändert hatte.
Unten im Wohnzimmer fand ich nur Mom vor, sie saß auf dem Sofa und sah die Nachrichten. Ihr Blick war traurig, aber als sie mich sah verschwand der Ausdruck und wich einem freudigen Strahlen.
“Schatz, du siehst ja umwerfend aus! Dieses Kleid und deine Haare sind so lang! Wie glücklich du wirkst.“
“Danke Mom.“
Ich ließ mich neben sie fallen und drehte die Lautstärke runter.
“Ich war richtig überrascht hier alles so verändert zu finden. Sam scheint deinem Vater gut zu tun, ich habe es selten so ordentlich hier gesehen.“
Ihre Stimme wurde leiser und ihre Augen wirkten auf einmal traurig. Ich schwieg. Sie hatte uns damals für einen anderen Mann verlassen, mit dem sie meines Wissens immer noch zusammenlebte, es war schwer Empathie zu empfinden.
“Ach, reden wir über etwas anderes. Woher kommt denn dieses Kleid, das kenne ich ja gar nicht.“
Ich hatte zwar kein großes Mitleid, aber ihr das auf die Nase zu binden fiel mir trotzdem schwer.
“Ach keine Ahnung, irgendein kleinerer Anlass in meinem Abschlussjahr. Ich hatte es total vergessen, aber es schien einfach perfekt zu sein. Wo sind denn Dad und Sam?“
“Irgendeine Erledigung bei der Reederei. Sag mal Kleine, was hältst du davon, wenn wir noch einen Kaffee trinken gehen und ich dich dann bei deiner alten High School absetze? Du hast noch eineinhalb Stunden Zeit.“
Ich überlegte einen Moment, doch dann nickte ich. Eigentlich hatte ich mich auf eine Stunde Ruhe oder sogar Meer gefreut, aber das traurige Gesicht meiner Mutter, wie sie hier alleine inmitten all der alten Erinnerungen saß, ihrem alten Haus, dessen Bewohner ohne sie weitergelebt hatten, ließ mir keine Wahl.
Sofort sprang sie auf und griff nach ihrem Autoschlüssel.
“Na dann, komm! Worauf wartest du?“
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