Trockenphase

von AnAn
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
Cleo Sertori Emma Gilbert Lewis McCartney Rikki Chadwick
06.03.2019
06.03.2019
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Als ich die Stufen zu dem Haus meiner Eltern hochschritt, wurde mir zum ersten mal klar, wie sehr ich das alles hier vermisst hatte. Schon fast zwei Jahre, seit dem Beenden meines Studiums, war ich nicht mehr hier gewesen. Ich atmete tief ein, dann drückte ich auf die Klingel. Der altbekannte Ton erklang und ich hörte Stimmen, die hektisch diskutierten. Dann öffnete sich die Tür und Sam, meine Stiefmutter strahlte mich an. Ich hatte sie und meinen Vater nur selten getroffen und mir war bisher nicht aufgefallen, wie grau ihre Haare bereits waren oder wie müde ihre Schultern herabhingen. Doch trotzdem schloss sie mich herzlich in ihre Arme und ich fühlte mich ein Stück weit Zuhause. Drinnen fand ich meinen Vater und... meine Mutter?! Ich konnte mich kaum an unser letztes Treffen erinnern, weniger noch an die letzte Zusammenkunft zwischen ihr und Dad. Aber das war natürlich eine Erklärung für die angespannte Stimmung. Auch während dem Essen wurde es nicht besser. Meine kleine Schwester Kim konnte mitten im Semester nicht einfach hierherkommen - ihre Universität war noch weiter entfernt als meine - und zwischen meinen Eltern herrschte Eisesstille.
“Ich konnte einfach den Gedanken nicht ertragen, dass du endlich mal ganz in der Nähe bist und wir uns nicht sehen, Schatz.“, lächelte meine Mutter und schob mir den Fisch rüber. “Ich hab ja nur per Zufall von dem Klassentreffen erfahren, dein Vater hätte mir sicher nicht Bescheid gesagt.“
Ein Blick zu Dad zeigte, dass ihm eine Erwiederung auf der Zunge lag, aber er um des Friedens willens nichts sagte.
“Erinnerst du dich an deine Klassenkameradin Tiffany? Ihre Mutter ist in meinem Yogakurs und sie hat vorige Woche berichtet, dass Tiffany ein Kleid hat anfertigen lassen. Dann hat sie unauffällig versucht von mir zu erfahren, was du anziehen wirst, aber ich kannte natürlich den Anlass nicht und konnte ihr gar keine Auskunft geben. Ach apropros Kleid, was hast du denn mitgebracht? Wenn du willst können wir noch in die Mall fahren, ein paar Stunden sind es ja noch....“
Während ihrem Monolog hatten mein Vater und Sam die Mahlzeit beendet und waren in der Küche verschwunden. Auch ich stand auf und unterbrach meine Mutter: “Mom, das ist mega nett, aber ich hab schon alles mitgebracht. Außerdem wäre es mir lieber, wenn ich Zeit zum Haare waschen und Schminken hätte.“ Mom öffnete ihren Mund, aber anscheinend fiel ihr dagegen kein Argument dagegen ein und sie lächelte.

In meinem Zimmer sah alles noch genauso aus wie zu meiner Highschool Zeit. Meine alte Tagesdecke und die Kissen, die Fotos an der Wand über dem Schreibtisch und der Perlenvorhang im Durchgang zum Badezimmer, alles sah so aus, als wäre ich nie weg gewesen. Meine Reisetasche schmiss ich aufs Bett und drehte den Wasserhahn an der Badewanne auf. Während ich dem Wasserspiegeln zusah wie er stieg drehten meine Gedanken sich um unser letztes gemeinsames Jahr. Anders als erhofft hatte unser Geheimnis unsere Trennung nicht verhindert. Zeit, Entfernung und neue Bekanntschaften hatten dafür gesorgt, dass unser Kontakt abschwächte. Einzig Bella versuchte immer noch beharrlich gemeinsame Treffen zu organisieren und besuchte mich mit ihrem Sohn Charlie regelmäßig.
Doch in den letzten paar Monaten war ich mit meinem Job als Reporterin nicht nur ausgelastet, sondern teilweise völlig ausgelaugt gewesen und auch unsere Treffen mussten eingestellt werden. So war das Klassentreffen ein willkommener Anlass zum Wiedersehen gewesen, auch wenn ich dem ganzen mit gemischten Gefühlen entgegensehen musste.
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