Liebe geht durch den Magen

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
SC Freiburg Werder Bremen
06.03.2019
01.07.2019
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Nils nahm sich also eine Flasche Wasser und ging ins Wohnzimmer, setzte sich aufs Sofa und zog das Handy raus. Schnell hatte er Nummer gewählt.

"Nils!" wurde er wenig später begrüßt. "Hast du dich verwählt oder rufst du mich tatsächlich schon wieder an?"

"Nee, das war schon Absicht. Hallo Sebastian."

"Was ist diesmal passiert? Hast du dir noch ein schwules Sorgenkind eingefangen?"

"Nein, eins reicht mir. Aber... ich..."

"Du was?" fragte Sebastian nach.

"Ich glaub, ich werde selbst sowas... ein schwules Sorgenkind", gab Nils leise zu.

Einen Moment herrschte Schweigen. "Ich glaub jetzt musst du mir auf die Sprünge helfen. Ich versteh grad nur Bahnhof."

"Ich hab ihn geküsst."

"Du hast was?"

"Meinen Mitspieler geküsst. Also... ich hab mich nicht gewehrt, und es war... es war ein guter Kuss, ein verdammt guter."

"Du hast...? Boah, Nils, hätte ich das geahnt!" lachte Sebastian und gab kurz darauf einen protestierenden Laut von sich. "Aua Alex. Das war nur ein Scherz."

"Mach dich nicht lustig", bat Nils. "Er ist jetzt abgehauen."

"Sorry", sagte Sebastian. "Das kam nur sehr überraschend. Erzähl mir doch mal genau, was passiert ist."

"Er... war gestern in ner Bar", fing Nils an und erzählte dann, wie er betrunken Lucas gewesen war, wie er ihn abgeholt und nach Hause mitgenommen und dann in seinem eigenen Bett gefunden hatte. Und wie sie sich dann geküsst hatten.

"Also hat er dich geküsst und du hast... mitgemacht", fasste Sebastian zusammen.

"Ja, kann man so sagen. Und... ich hätte nicht so schnell wieder aufgehört. Er..." Nils grinste schief. "Er ist eingepennt."

"Das ist gut. Also... ich weiß nicht ob es so klug gewesen wäre, wenn da mehr passiert wär."

"Ja, hast ja schon Recht. Er hat sich auch erst gar nicht dran erinnert..."

"Filmriss?"

"Ja, genau. Kam langsam wieder, aber er war nicht sicher, ob es nicht nur ein Traum gewesen ist."

"Und du hast es ihm jetzt erzählt und er ist geflohen?"

"So ungefähr. Wir haben noch kurz geredet, aber er wollte weg und nachdenken. Und mir auch Zeit lassen."

"Verständlich, oder?"

"Ja, klar, aber... ich fühl mich alleigelassen."

Sebastian seufzte. "Der Kuss hat dich ziemlich durcheinander gebracht."

"Ja, klar - hättest du etwas anderes erwartet?"

"Ja. Die normale Reaktion wäre gewesen, dass du den Kuss sofort abbrichst und deinem Kumpel die Meinung sagst. So reagieren normalerweise Männer, die nicht schwul sind."

"Aber ich bin auch nicht schwul", bemerkte Nils.

"Behauptet ja auch keiner. Du bist halt ein sehr offenes Bienchen und magst alle Blümchen."

Unwillkürlich musste Nils lächeln. "Ja, vielleicht."

"Ich will dir aber auch nichts einreden. Vielleicht war es einfach die Situation, der Moment. Du bist auch schon länger allein und da sehnt sich jeder nach ein bisschen Nähe."

"Ich bin gern mit anderen zusammen, das stimmt, aber besonders gern mit Lucas."

"Küss ihn nochmal", schlug Sebastian vor.

"Was?"

"Du hast mich schon richtig verstanden. Küss ihn nochmal. Dann merkt ihr beide, ob da mehr ist."

"Er wird mich nicht lassen."

Sebastian schnaubte. "Woher willst du das wissen? Einen hübschen Mann wie dich zu küssen... so ne Chance lässt man sich nicht entgehen."

"Er meint, dass ich verwirrt bin und einsam und ihn deswegen küssen will."

"Was auch beides stimmt. Du bist verwirrt, weil du einen Mann geküsst hast. Und du bist einsam."

"Aber das ist nicht der Grund, warum ich ihn küssen will - da bin ich sicher."

"Und warum willst du ihn küssen?"

Nils schwieg einen Moment. "Weil ich ihn mag. Und weil er gut küsst."

"Und meinst du, er mag dich auch?"

"Ich... ich glaub schon. Zumindest mag er mich als Freund. Also als ein Freund. Ob als mehr... ich weiß doch noch nicht mal, ob ich das will, das mehr."

"Kannst du dir vorstellen, Sex mit ihm zu haben?"

Instinktiv schüttelte Nils den Kopf, dann dachte er aber daran, wie er sich beim Küssen an Lucas geschmiegt hatte, und wie sein Körper reagiert hatte. "Ich... ich denke schon. Also... ich finde es jetzt nicht abstoßend oder so."

"Alex wirft mir grad vor, ich wäre sensible wie ein Bulldozer", schnaubte Sebastian. "Also, fassen wir zusammen. Du magst ihn, ihr versteht euch und seid gern zusammen. Du fandst seinen Kuss toll und würdest ihn gern wiederholen. Und du kannst dir auch vorstellen, dich nackt mit ihm durchs Bett zu wälzen. Oder über den Tisch. Oder so. Hab ich alles richtig verstanden?"

Nils spürte, wie er knallrot wurde. "Ja, irgendwie schon. Und Alex hat recht."

"Sollen wir lieber zurück zu den Bienchen und Blümchen?"

Während Sebastian auflachte, weil Alex ihn wohl gekitzelt hatte, dachte Nils über die Aufzählung nach. "Es stimmt alles. Wobei das mit dem Wälzen noch ein bisschen früh kommt."

"Käme es auch", sagte Sebastian leicht keuchend. "Aber es ist wichtig, dass du es dir vorstellen kannst. Sonst macht das nämlich keinen Sinn. Wenn du dich auf deinen Kumpel einlassen willst, dann muss vorher klar sein, dass du nicht bei der ersten Hand auf deinem besten Stück einen Rückzieher machst."

"Das glaub ich nicht. War schon sehr schön gestern Abend. Also... naja, da war seine Hand schon an eher... ungewohnten Stellen."

"Nils, du wilder Feger", lachte Sebastian. "Aber mal im Ernst - lass es langsam angehen."

"Wenn er überhaupt will."

"Wenn nicht, ist er ein riesen Idiot. Wo will er denn einen besseren Mann als dich finden? Meinen Alex bekommt er jedenfalls nicht."

"Und dich auch nicht", hörte Nils etwas leiser von Alex.

"Und mich auch nicht", wiederholte Sebastian. "Also los Nils, schnapp dir den Mann. Vielleicht entspannt er sich dann ja auch ein wenig und sieht nicht mehr alles so schwarz."

"Okay", beschloss Nils, das klang nach einem guten Ziel. "Und wie?"

"Ähm... tja... bind dir ne rote Schleife um und leg dich vor seine Wohnungstür?" schlug Sebastian grinsend vor.

"Ha-ha", knurrte Nils. "Hast du noch mehr so geniale Vorschläge?"

"Sorry, der musste sein", lachte Sebastian. "Rede mit ihm. Erzähl es ihm genauso wie du es mir erzählt hast. Sag ihm, wie sich der Kuss für dich angefühlt hat. Was er in dir ausgelöst hat."

"Du hast ihn doch auch schon kennen gelernt - er wird mir nicht glauben."

"Sei überzeugend. Ich glaube, dein Kumpel sehnt sich nach einem Partner. Vielleicht ist er auch deshalb so verbittert. Und wenn er dich auch mag, dann wird er dir glauben wollen. Und dann kannst du ihn auch überzeugen."

"Okay, ich versuch es. Und wenn er dich anruft - dann sag ihm das auch, ja?"

"Oh keine Angst, ich werde ihm sagen, dass er dich packen und in seine Höhle schleifen soll. Sonst kommt jemand anders und greift zu."

Nils lachte. "Ich werde mich nicht wehren."

"Gut. Wir beide wünschen dir viel Glück. Und wehe du hältst uns nicht auf dem Laufenden!"

"Mach ich. Ich wünsch euch noch einen schönen Abend."

"Dir auch", sagte Sebastian und legte dann auf.

Nils sah einen Moment lang das Handy an. Jetzt hatte er noch mehr zum Nachdenken. Allerdings hatte das Telefonat trotzdem gut getan.

Er fühlte sich einfach sicherer mit Sebastian und Alex als Mitwisser, die hinter ihm standen. Immerhin hatten Sebastians ziemlich direkte Fragen eins geklärt - er konnte sich durchaus vorstellen, Lucas wieder zu küssen. Und mehr noch. Er hatte den gestrigen Abend sehr genossen.

Davon musste er nun nur noch Lucas überzeugen. Aber das, das würde er morgen machen. Jetzt sollte er ins Bett - und vielleicht ein wenig von Lucas träumen. Mit einem etwas schiefen Lächeln stand er auf und ging ins Bad um sich fertig zu machen.

Dann kuschelte er sich ins Bett - dort hin, wo Lucas geschlafen hatte. Es war albern, denn es war weder Restwärme noch ein Geruch von Lucas übrig, aber er konnte sich das ja zumindest einbilden.

Er schloss die Augen und war tatsächlich schnell eingeschlafen.
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