Möge das Glück stets mit euch sein - die 34. Hungerspiele

MitmachgeschichteAbenteuer, Drama / P16 Slash
06.03.2019
26.06.2019
8
19501
3
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Dieses Kapitel
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Guten Morgen, meine Lieben,
heute melde ich mich aus dem dritten Distrikt, wo Sylvanas Arany und mein Fabian zwischen Fabriken,Motoröl und Staub aufgewachsen sind. Ich freue mich über ein Review zu den beiden - und natürlich auch über weitere Anmeldungen in der Liste der Tribute, zehn mutige Jungen und Mädchen brauche ich noch. Wer Interesse hat,guckt doch einfach mal ins erste Kapitel. Viel Spaß mit Arany, die vielleicht trotz aller Irrungen und Wirrungen mit ihrem besten Freund eine gute Frau Doktor abgegeben hätte,und mit Fabian, der sich beim Basteln gute Chancen ausrechnet - steht es doch eins gegen ein ganzes Distrikt.




Arany verbrannte sich die Zunge an ihrem Tee, natürlich tat sie das. Ihr Vater schaute kurz auf, lächelte sie halb an und starrte dann wieder auf die Tischplatte. Na, immerhin hätte sie ihn für eine Sekunde aufgeheitert - aber nur für eine Sekunde, wie sie mit einem verstohlenen Blick in Carters wie üblich sorgenzerfurchtes Gesicht über ihre Teetasse und den Rand ihres Buches sehen konnte. Ihr Mund brannte schmerzhaft. Nicht so vorschnell sein wäre eine Option - aber was ihr in anderen Bereichen des Lebens recht leicht fiel, war an diesem Tag beim Frühstück schwierig. Arany zog die Stirn kraus und versenkte die Nase wieder in ihrem Buch.
Im Hintergrund lief halblaut der uralte Fernseher, dessen Tonspur immer wieder Aussetzer hatte, aber das Buch und ihre roten Locken versperrten ihr die Sicht auf den Bildschirm, und das war ihr auch ganz recht so. Den ganzen Vormittag sendeten sie schon Vorberichte zu den Ernten, alte Zusammenfassungen und Interviews. Zum Wahnsinnigwerden.
Sie warf einen verstohlenen Blick zu Carter, der sichtbar bemüht war, sich seine Sorgen nicht anmerken zu lassen. Eine Welle von Mitleid erfasste Arany. Sie hasste es, ihren Vater so leiden zu sehen, seit Tod seiner Frau hatten die eh schon grossen Sorgen um seine Familie enorm zugenommen. Ein Blick hinüber zu ihrem Bruder, der gerade schweigend seinen Teller in die Küche trug, zeigte ihr, dass es ihm genauso ging. Zwei Jahre noch, zwei Jahre, dann wäre auch diese verfluchte Ausbildung vorbei. Fallow hatte es überstanden, und sie würde es auch schaffen, irgendwie, so schlecht standen die Chancen nicht einmal. Sie fuhr gedankenverloren mit der kribbelnden Zunge ihre Lippen nach. Das Buch lag unbeachtet vor ihr. Der Tee dampfte.  
Arany musste hier raus, das merkte sie. So gerne sie auch zuhause bei ihrem Vater und der beruhigenden Ausstrahlung ihres grossen Bruders war, heute war es ihr zu eng in dem kleinen Bungalow. Ausserdem musste sie unwillkürlich immer wieder einen Blick hoch zur Wand werfen, wo das strenge Schwarz-Weiß Bild ihrer Mutter sie mit den Augen zu verfolgen schien. Kurz überlegte sie, ob ihre Mutter es gutgeheissen hätte,wenn sie sich freiwillig gemeldet hätte - immerhin hätte es dafür bestimmt Anerkennung gegeben. Unwillkürlich begann ihre Armbeuge wieder zu jucken. Sie schauderte und griff nach ihrer Jacke über dem verschlissenen Küchenstuhl.
,,Ich bin kurz bei Kyle, ich hab ihm gestern versprochen, nach ihm zu sehen", rief Arany ins Wohnzimmer hinein, was unglaublich von den dünnen Wänden wiederhallte. Fallow steckte den Kopf aus dem Türrahmen und nickte. Seine dunklen Locken fielen ihm in die Augen. ,,Grüss den Kollegen von mir. Gute Besserung an ihn.". Ihr Vater sah nicht von der zerkratzten Tischplatte auf, und das war ihr ganz lieb. Hätte sie Tränen gesehen, würde Arany nicht wissen, wie sie reagieren sollte. Aber als er ,,Bis gleich, Vögelchen" antwortete, klang seine Stimme erstaunlich fest. Sie atmete erleichtert auf, als die rote Tür hinter ihr ins Schloss fiel.

Es war nicht weit zu Kyles Wohnung, Arany war den Weg schon tausendmal gelaufen in den letzten Jahren. Der Kies knirschte unter ihren Schuhen und ein frischer Wind fegte ihr die roten Locken aus dem Gesicht, als sie die verfallene Treppe hochkletterte. Ihr bester Freund wohnte über der Schmiede, in der er arbeitete - und er hatte es sich immer noch nicht zur Gewohnheit gemacht, seine Tür abzuschliessen, wie sie kopfschüttelnd merkte. Sie drückte die knarrende Tür auf.
Kyle war nicht allein, das sah sie sofort, und als sie entdeckte, wer ihm da auf dem Sofa Gesellschaft leistete, musste sie unwillkürlich grinsen. Sie hatte draussen kein Motorrad gesehen,aber Naryna, die sich jetzt hastig aufrichtete und die blonden Haare hinter die Ohren steckte, sah doch recht gehetzt aus. Arany umarmte ihre Freundin,die recht außer Atem schien, und war für diese kleine Ablenkung sehr dankbar. Im Hintergrund hustete Kyle, aber als sie ihm über Narynas Schulter einen Blick zuwarf, zwinkerte er ihr zu.
Ihre Freundin glättete verlegen den rosa Rock, den sie trug. ,,Gut siehst du aus. Darling, ich muss nach Hause,ich wollte nur kurz vorbeikommen. Wir sehen uns spätestens um zwei, ja?". Sie war immer noch ausser Atem, aber Arany erkannte deutliche Sorge in ihrem Blick. Dabei hatte sie mit am wenigsten zu befürchten. Sie drückte Narynas Hand. ,, Keine Sorge, ja? Bis gleich. Dreh nicht durch.". Sie war schon halb aus der Tür und winkte hektisch über die Schulter. Dann krachte die Tür. Einen Moment später prusteten Kyle und Arany los - was allerdings durch einen weiteren Hustenanfall von Kyle unterbrochen wurde. Arany sah ihn fragend an, er winkte ab und liess sich halb zurück aufs Sofa sinken. ,, Na, Vögelchen." , hustete er. ,,Ich dachte, du wärst wieder vollkommen gesund.". Sie zog eine Augenbraue hoch. ,, Hört sich aber nicht so an.". ,, Ach, Frau Doktor.". Seine grauen Augen blitzen in typischer Kyle-Manier, als er sie angrinste. ,, Ich werde doch bestens versorgt hier.". ,, Lass das.". Sie zupfte an einer widerspenstigen roten Strähne.
Irgendwo in einer anderen Welt wär sie tatsächlich gerne Frau Doktor gewesen - anstatt hier ihr Leben zwischen Autos und ihrem überbesorgten Vater zu fristen, mit Noten, die besseres zugelassen hätten, wie sie die Stimme ihrer Mutter unwillkürlich in ihrem Hinterkopf hörte. Arany schüttelte sich.
,, Bestens versorgt,von Naryna,mh? Unsere Lady wird jetzt Sanitäterin? Das wird der Familie aber gar nicht gefallen." lachte sie. ,, Ich wusste gar nicht, dass sich meine besten Freunde neuerdings so gut verstehen.". Kyle zwinkerte ihr zu. ,, Keine Sorge, Vögelchen, du weisst doch, du bist die Einzige für mich. Zumindest meint das das ganze Distrikt zu wissen.". Er knuffte sie in die Seite, dann wurde er ungewöhnlich ernst. ,, Arany, mach dir keine Gedanken um mich, du hast dich so lieb gekümmert in den letzten Tagen,ich habe nichts.".Sie sah den jungen Mann an,der mittlerweile fast zur Familie gehörte, und ein Gefühl von Wärme breitete sich in ihr aus. Kyle war fast ein Bruder für sie,so viel Mist  wie sie zusammen schon veranstaltet hatten,nach all den verrückten Abenteuern, die damit endeten, dass sie ihn wieder zusammenflicken durfte. Ohne ihn wär Distrikt 3 noch düsterer, als es eh war. Irgendwo draussen brummte ein Jeep vorbei und wirbelte eine Staubwolke auf.
Sie nahm seine Hand. ,, Na, wenigstens scheinst du kein Fieber mehr zu haben. Mach dich nicht verrückt, Kyle, das passt nicht zu dir. Es ist so unwahrscheinlich. Naryna und ich schaffen das schon. Du und Fallon hatten auch Glück. Ach ja, ich soll dich grüßen. ".Er nickte fahrig und unterdrückte ein erneutes Husten. ,, Ich bin bei euch,ja? Wenn du wieder nach Hause gehst,komm ich mit, und dann holen wir Naryna ab.". Gedankenverloren fuhr er das Muster auf der Sofalehne nach. ,, Kyle, das ist doch Unsinn. Bleib hier, solange es geht.". Langsam wurde es Arany zu ernst, Kyle war sonst immer derjenige, der sie aufmunterte. ,, Ausserdem, willst du die Liebespaar-Geschichte noch weiter anheizen, jetzt,wo du ja anscheinend aus all den netten Damen hier eine gefunden hast ?". Er grinste halb,sein typisches Kyle-Grinsen. ,, Lass die Erwachsenen in Ruhe, du Vögelchen." Arany atmete auf und ließ sich auf seine Brust sinken. Er roch nach Zuhause. ,, Ach Kyle", seufzte sie. ,, Lass uns irgendeinen Unsinn anstellen."




Fabian zuckte zusammen, als seine Mutter ihm recht unsanft die scharfe braune Flüssigkeit auf die Fingerkuppen tröpfelte. Es brannte höllisch. Lana schüttelte verärgert den Kopf, und zu seiner Besorgnis sah er,dass Mama mit den Tränen kämpfte. Er biss sich auf die Lippen. ,, Also wirklich, Kind.". Lanas Stimme zitterte, als sie das überschüssige Iod abwischte. ,, Sich an so einem wichtigen Tag die Hände verbrennen, ohne Grund. Was wird Papa sagen ?". Die Wirkung ihrer Worte wurde allerdings dadurch unterbrochen, dass sie Fabian danach sofort fest in den Arm nahm und Probleme hatte,ihn wieder loszulassen. Er tätschelte ihr hilflos den Arm und verkniff sich den Kommentar,dass Papa wahrscheinlich ziemlich stolz wär, wenn er heute Abend sehen würde, dass er eine wunderbare Spannungsfehlerschaltung aufgebaut hatte - vielleicht ein bisschen zu gut. Seine Fingerkuppen brannten immer noch. ,, Ach Mama.". Er war bemüht, mit den nassen Fingern nirgendwo dranzukommen. ,, Sieh mal,rein logisch betrachtet ist das doch alles nicht so wahrscheinlich. Stell dir vor, ich bin ein Prozent, ein Prozent vom ganzen Distrikt. Wenn man in Betracht zieht,dass mein Alter in Verhältnis zu den Losen...".
Weiter kam er nicht, da Lana widerwillig gegen die Tränen lachen musste. ,, Kleiner Mathematiker, du kommst auch echt nach deinem Vater." Sie rückte die zu große Brille zurecht und zerwuschelte ihm die braunen Haaare. ,, Die sind auch wieder viel zu lang geworden in der kurzen Zeit ", murmelte sie. Dann fiel ihr Blick auf die Badezimmerfliesen, auf denen sich deutlich braune Flecken abzeichneten. Sie fluchte halblaut. Hinter ihrem Rücken stahl Fabian sich lautlos davon.
In seinem Zimmer fiel sein Blick sofort auf das Gewirr von Kabeln und Voltmetern auf seinem Schreibtisch,dass immer noch so dastand wie vor der kleinen Explosion - bis auf den beißenden Geruch, der Fabian husten ließ. Schell öffnete er ein Fenster, wobei er aufpassen musste,nicht über das Gewirr von Schulbücher und Spielzeug zu fallen,welches den Boden vollständig bedeckte. Draussen hörte er lautes Hupen. Gespannt steckte er den Kopf aus dem Fenster und staunte über die riesigen Lastwagen mit dem Kapitollogo seitlich auf der Plane. Jedes Jahr kamen sie einmal, und jedes Jahr war er beeindruckt von ihrer Grösse. Irgendwann, das war ein Gedanke, der Fabian seit der Schule beschäftigte, irgendwann würde er auch so ein Ding fahren, am Steuer sitzen und tausend Pferdestärken mit wenigen Hebeln bändigen - nur ohne das Logo. Das Voltmeter piepste, als er wieder Spannung in den Stromkreis brachte,sorgsam darauf bedacht, den Draht diesmal nicht zu berühren. Es surrte leise. Fabian lächelte. So sollte es sein.

Lana fand ihn zwei Stunden später in exakt der selben Position, mit den Händen am Stromregler und dem Kopf so nah am Anzeiger, dass seine Brille sich fast von selber verabschiedete. Als sie sich einen Weg durch das Chaos bahnte, straffte sie die Schultern. Fabian sah auf und lächelte seine Mama an. ,, Schau, jetzt läuft er wieder!" . Seine Wangen glühten und Lana musste sich heftig zusammenreissen, um ihre Stimme unter Kontrolle zu behalten. ,,Komm, kleiner Mann. Zeit, dich fertig zu machen, bevor Papa kommt.". Fabian zuckte mit den Schultern. Wenn es nach ihm gehen würde, könnte er auch so zum Ernteplatz kommen - nicht, dass er je etwas um sein Aussehen gegeben hätte. Aber wenn es sein musste. Gähnend stand er auf und versuchte, die Tränen in den Augen seiner Mutter zu ignorieren. Eins gegen ein ganzes Distrikt. Es war viel zu logisch, um Angst zu haben. Trozdem vermied er diesmal den Blick auf die Kapitollaster, als er zurück ins Bad schlurfte.

Der Mentor: Callux Whisper  (31) Callux hat sich den Namen selbst gegeben - und mit dem neuen Namen auch sich verändert. Aus einem sechzehnjährigen Schüler aus gutem Hause wurde vor fünfzehn Jahren eine Kunstfigur,ein düsterer jünger Mann mit tiefliegenden Augen und schwarz gefärbten Haaren. Damals schaffte er es, in einer Arena auf Hitze und Feuer nicht den Verstand zu verlieren und tötete später im Schutz des Rauches ungesehen mit feinen Drahtschlingen um die Hälse der Gegner. Callux ist ein sehr ruhiger, bedächtiger Mensch,der scheinbar in seiner eigenen Welt lebt und bis jetzt noch nie einen Tribut durchbringen konnte. In seinem Distrikt gilt er als schräger Vogel,wird aber durchaus für seine Besonnenheit geschätzt:er ist einer der wenigen Sieger, die scheinbar unbeschadet wiedergekommen sind, nur ruhiger. Ohne Partnerin hat er es allerdings schwer.
Mentoren-Punkte: /

Der Betreuuer: Misha Sunshine (38)
Und nein,auch Misha heisst nicht wirklich Sunshine - zu seiner Art passt es allerdings auch nicht wirklich. Für einen Kapitolbewohner wirkt Misha wenig auffällig,und auch sonst bleibt der Mann mit den braunen Locken kaum im Gedächnis ... wären da nicht die hartnäckigen Gerüchte über eine Beziehung mit Callux.

Die Stylisten: Emmeline und Joshua Denver (20)
Die Zwillinge mit den auffällig grünen Haaren sind neu im Geschäft und frisch von einer der größten Modeschulen des Kapitols. Nur ihrer Jugend ist geschuldet,dass sie sich noch nicht um Distrikt 1 oder 4 kümmern dürfen - aber wer weiß,was die Zukunft bringt.  Sie müssen noch Erfahrung sammeln,aber an Ideen fehlt es sicher nicht.
Stylisten-Rang: /
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