Es gibt für alles ein erstes Mal

von Leviathan
OneshotDrama / P18 Slash
Chuya Nakahara Dazai Osamu
05.03.2019
05.03.2019
1
2926
10
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Die Figuren gehören nicht mir, der Plot schon.
________________________________________________
Sie hatten kein Wort mehr miteinander gesprochen, seit Chuuya die undichte Stelle beseitigt hatte.
Mori hatte Dazai dazu angehalten, Chuuya die Führung zu überlassen und ihm einen ausführlichen Bericht zu erstatten, wie er sich geschlagen hatte. Mori bezeichnete es als „richtungsweisend für Chuuyas Entwicklung“, doch im Grunde waren dies große Worte für etwas sehr Simples. Mord. Es war ein Test. Mori wollte wissen, wie weit Chuuya gehen würde und ob er dem Druck standhalten konnte.
Er konnte es nicht besonders gut, wie Dazai mit einem kurzen Seitenblick feststellte. Zugegebenermaßen hatte es sich Chuuya auch nicht besonders leicht gemacht. Wahrscheinlich hatte er den Blutdruck der großen Adern unterschätzt und hatte sich deshalb, gelinde gesagt, ziemlich eingesaut.

Wie versprochen hatte Dazai sich herausgehalten und damit hatte die Katastrophe ihren Lauf genommen. Chuuya stand unter Schock. Zum Glück waren sie allein im Raum. Dazai hatte mitgedacht und die Untergebenen hinausgeschickt, nachdem ihr Opfer an den Stuhl gefesselt worden war. Das Verhör war Chuuyas Aufgabe gewesen und wie immer waren bei ihm nach einiger Zeit die Sicherungen durchgebrannt. Dazai hatte sich im Hintergrund gehalten, sich gegen eine der vielen Kisten im Lagerraum gelehnt und beobachtet.

Chuuya stand nur da, vor dem leblosen Körper und starrte seine blutverschmierten Hände an. Im spärlichen Licht des Lagerraumes sah seine Haut aschfahl aus. Einige Tropfen Blut liefen ihm an Stirn und Wangen hinab, die Front seines Hemdes und seiner Hose waren blutgetränkt. Das Messer lag vergessen auf dem Boden, zu Chuuyas Füßen. Dazai betrachtete ihn forschend. Chuuyas Augen waren weit aufgerissen und er betrachtete fassungslos die Tropfen, die von seinen Händen auf den Boden fielen.

„Chuuya“, versuchte er ihn aus seiner Starre zu holen, bekam aber keine Reaktion. Dazai seufzte, als würde die Last der Welt auf seinen Schultern ruhen. Er massierte mit Daumen und Zeigefinger die Nasenwurzel, um nicht seine Contenance zu verlieren. Irgendwie musste er Chuuya ins Auto bekommen, bevor dieser einen Nervenzusammenbruch bekam. Und das, ohne bei den Untergebenen Misstrauen zu erwecken. „Chuuya“, sprach er ihn erneut an, diesmal legte er ihm eine Hand auf die Schulter. Als er immer noch nicht reagierte, drückten Dazais Finger fest zu. „Chuuya!“

Das riss Chuuya so heftig in die Gegenwart zurück, dass er zusammenfuhr. Anstatt eine scharfe Antwort zu geben, drehte er den Kopf in Dazais Richtung. Seine Augen waren noch immer unnatürlich weit aufgerissen.

„Du musst dich zusammenreißen, Chuuya.“ Langsam, zu langsam für Dazais Geschmack, wich der Ausdruck des blanken Horrors aus Chuuyas Gesicht. Man konnte ihm ansehen, dass er einen heftigen Kampf in seinem Innern führte. „Reiß dich zusammen, Chuuya“, wiederholte er und sah ihn unverwandt an. Ihm musste der Ernst der Lage bewusst werden, sonst würden unwichtige Details zu Mori durchsickern. Dazai drückte seine Finger um Chuuyas Schulter noch einmal fester zusammen, ehe er ihn losließ und auf die einzige Tür im Raum zusteuerte. Chuuya straffte die Schultern, hob sein Kinn etwas an und versuchte, seine sonst so stolze Körperhaltung einzunehmen. In Dazais Augen scheiterte er kläglich.

Es hatte zumindest für die Untergebenen gereicht, niemand hatte Chuuya auffallend mehr Aufmerksamkeit als sonst geschenkt. Dazai öffnete das Auto mit der Fernbedienung und ging zielstrebig auf die Fahrerseite zu. Chuuya folgte ihm wie mechanisch, bis er seine Hand nach der Beifahrertür ausstreckte. Mitten in der Bewegung stockte er und starrte auf seine blutverschmierten Finger. Das Blut war teilweise schon getrocknet und klebte unangenehm. Erschrocken zog er sich zurück und rieb beide Hände an seinem Mantel ab. Der Ekel stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Dazai konnte förmlich dabei zusehen, wie Chuuya die Erinnerung an das Geschehene nochmal Revue passieren ließ. Er ballte die Fäuste, um sich zusammenzureißen, doch als er nach der Klinke der Beifahrertür griff, zitterten seine Hände. Ohne ein Wort zu sagen, stieg er in das Auto und schlug die Tür etwas kräftiger als nötig gewesen wäre hinter sich zu.

Chuuyas Schultern waren angespannt nach oben gezogen, als er nach dem Gurt griff. Das Zittern seiner Hände verriet, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis er die Fassung verlor. Dazai konnte nicht genau einschätzen, was dann passieren würde, doch er hoffte, er würde es bis ins Hotel schaffen. Dort konnte er wüten wie er wollte. Mit traumatisierten Passanten konnte er sich nicht auch noch auseinandersetzen. Nach einem letzten prüfenden Blick zum Beifahrer startete er den Motor und fuhr los. So schnell wie möglich manövrierte er den Wagen zwischen den Containern am Hafen Richtung Straße.

Nachdem Chuuya den Gurt umgelegt hatte, dauerte es nicht lange, bis er sich zu winden begann. Der Gurt drückte das blutige Hemd gegen seine Brust. Es war kalt und feucht, lag unangenehm auf seiner Haut. Aus Reflex fasste er sich mit der rechten Hand an die Brust und fuhr heftig zusammen. Das Blut war mittlerweile geronnen und hatte schleimige Spuren hinterlassen. Sein schockierter Blick fuhr nach unten, auch die zweite Hand fand den Weg auf seine Brust. Er betastete die Spuren ungläubig. Sein Mund stand ein wenig offen, als er seine Hände auf Augenhöhe hob und die Fingerspitzen aneinander rieb. Dazai beobachtete ihn aus dem Augenwinkel, er konnte ahnen, was als nächstes passieren würde. Bevor Chuuya etwas sagen konnte, bremste er den Wagen. Beide Männer wurden durch den abrupten Halt etwas nach vorne gedrückt, Chuuya entwich alle Luft aus den Lungen. Dazai konnte dabei zusehen, wie Chuuya die blanke Panik packte.

„Chuuya“, begann er, doch dieser hörte ihm schon gar nicht mehr zu. Chuuya griff hektisch nach dem Verschluss des Sicherheitsgurts, doch durch das Zittern seiner Hände gelang es ihm erst beim dritten Versuch, ihn zu öffnen. Er stieß die Tür auf und stürzte Oberkörper voran aus dem Auto. Kurz kam er ins Straucheln, doch er fing sich im letzten Moment und hetzte zwei Schritte vom Auto weg, ehe er sich übergab.

Seufzend wartete Dazai, bis Chuuya zurück zum Auto kam. Seine Körpersprache signalisierte eindeutig, dass es ihm nicht gut ging. Er lief leicht vorn übergebeugt, die Schultern schützend hochgezogen und hatte seine Arme fest um seinen Magen geschlungen. Steif stieg er ein, schlug kraftlos die Türe hinter sich zu und verzichtete wohlweislich auf den Sicherheitsgurt. Er nahm ein paar tiefe Atemzüge, um die Übelkeit zu besiegen. Als er registrierte, dass Dazai nicht losfuhr, drehte er den Kopf in seine Richtung.

„Fahr schon los, Arschloch!“ Er hatte sich sehr bemüht, möglichst aggressiv zu klingen, doch selbst in seinen Ohren klang es leidenschaftslos. Dazai bedachte ihn noch mit einem seiner unergründlichen Blicke, eher er nickte und den Wagen erneut startete.

Chuuya war ungewöhnlich still. Er starrte wortlos auf die Straße, offensichtlich schwer damit beschäftigt, die Tatsache zu ignorieren, dass er blutverschmiert war. Ganz im Gegensatz zu Dazai, dem dieser Fakt mehr als bewusst war. „Mein Mantel liegt auf der Rückbank“, unterbrach er die Stille. Auf Chuuyas fragenden Blick hin erwiderte er nur: „Zieh ihn an.“

„Warum verdammt nochmal sollte ich deinen be-“, begann Chuuya, wurde jedoch von einem scharfen Blick Dazais gestoppt.

„Weil du ein scheiß Blutbad angerichtet hast und so wohl kaum durch eine Hotelllobby spazieren kannst.“ Eine Handbewegung in Richtung des blutverschmierten Hemdes erstickten die nächsten patzigen Antworten im Keim. Genervt und angeekelt presste Chuuya seine Lippen fest zusammen. Nach einem letzten Zögern drehte er sich halb in seinem Sitz um, um den Mantel an sich zu nehmen. Wenn Dazai nicht Recht gehabt hätte, hätte er ihm dieses verdammte Baumwollteil in den Rachen gestopft. Nur um noch einen draufzusetzen, griff Dazai nach seinem Einstecktuch in der Brusttasche und hielt es Chuuya hin. „Unter dem Sitz liegt Wasser. Wisch dir das Gesicht ab. Anfänger.“ Er unterstrich seine Aussage noch mit einem genervten Augenrollen und Kopfschütteln. Chuuya hingegen erstarrte auf halbem Wege dabei, das Tuch anzunehmen. Sein Gesicht?

Eilig klappte er den Sichtschutz von der Decke und betrachtete sein Gesicht in dem kleinen Spiegel. Starre, aufgerissene Augen stierten ihm entgegen. Dazai hatte Recht, sein Gesicht war unnatürlich blass, dafür aber übersäht mit kleinen Blutsprenkeln und verlaufenen Tropfen. Er sah einfach erbärmlich aus. Chuuya senkte den Blick und griff links unter den Sitz. Rechts, so wusste er, war eine Waffe untergebracht. Er selbst hatte sie vor einiger Zeit für Notfälle dort abgelegt. Nach kurzem Suchen fand er die Flasche, zog sie hervor und tränkte das Tuch mit zittrigen Fingern. Wieder stieg Panik in ihm auf, erdrückender als zuvor. Sofort begann er damit, mit dem Tuch über sein Gesicht zu reiben. Er übte so viel Druck mit seiner Hand aus, dass seine Haut sich sofort rötete.

Interessiert beobachtete Dazai ihn weiterhin aus dem Augenwinkel. Chuuya war auf seinem Sitz vor gerutscht und schien so langsam komplett die Kontrolle zu verlieren. Wie im Wahn rieb er sich das Gesicht ab. Einige Zeit ließ er ihn gewähren, doch dass Wischen wurde immer exzessiver, bis Dazai ihn schließlich stoppte. „Du solltest die Knöpfe schließen, wir sind jetzt da.“

Nervös ließ Chuuya das Tuch in seinen Schoß fallen und begann hastig die Knöpfe zu schließen. Er verzog das Gesicht, als der Mantel das feuchte Oberteil erneut gegen seine Brust drückte.

„Reiß dich zusammen.“ Ganz klar eine Warnung. Chuuya ballte zur Antwort die Fäuste und stieß die Tür auf.

Die kalte Brise, die ihm ins Gesicht wehte, tat gut. Für einen kurzen Moment atmete er nicht mehr nur den metallischen Geruch von Blut ein. Gierig sog er die Luft in seine Lungen, ehe er um das Auto herumging und zu Dazai aufschloss. Letzterer sah zu ihm hinab, hielt kurz inne und öffnete die Tür zum Rücksitz. Unter dem Fahrersitz zog er Chuuyas verbeulten Hut hervor und setzte ihm diesen auf den Kopf. Chuuya sah überrascht zu ihm auf, doch Dazai winkte ab. „Dein Haar hat auch einiges abbekommen.“

In der Lobby trennten sich die beiden. Chuuya, der möglichst wenig Aufmerksamkeit erregen wollte, steuerte auf die Aufzüge zu, Dazai ließ sich an der Rezeption die Schlüsselkarte aushändigen. Es erschien Chuuya wie eine Ewigkeit, bis der Aufzug endlich vor ihm hielt und sich die Türen öffneten. Dazai schaffte es gerade noch, sich durch die Türen zu drängen. Sofort als der Aufzug sich wieder schloss, begann Chuuya hektisch die Knöpfe des Mantels aufzuknöpfen. Er hatte sich wirklich lang genug zusammengerissen und konnte seine Verzweiflung nicht mehr zurückhalten. Er musste einfach aus diesen Klamotten raus. Er musste.

„Damit solltest du zumindest warten, bis wir im Zimmer sind.“

Wäre Chuuya in einer besseren Verfassung, hätte er Dazai sein widerliches Schmunzeln mit der Faust vom Gesicht gewischt. Doch er hatte keine Energie dafür übrig. Er musste aus diesen Klamotten raus. Schnellstens. Er hatte schon seine Hose aufgeknöpft, als die Aufzugtüren sich auf ihrem Stockwerk öffneten. Es war zu spät, als dass noch etwas auf den Fluren losgewesen wäre, doch Dazai hielt Chuuya mit einer ausgestreckten Hand auf. Bevor sie aus dem Aufzug stiegen, sah er sich im Gang um. Nur um ganz sicher zu gehen. Erst dann winkte er Chuuya heraus und zu ihrem Zimmer. Der wütende Blick, den er erntete, ließ Dazai schmunzeln. Kaum hatte er die Türe geöffnet, stieß Chuuya ihn zur Seite und lief schnellen Schrittes auf das Badezimmer zu. Selbst hinter geschlossenen Türen konnte Dazai ihn kotzen hören.

Während Chuuya duschte, zumindest lief das Wasser im Badezimmer seit geraumer Zeit, führte Dazai einige Telefonate. Zuerst rief er einen der Handlanger an und orderte frische Kleidung für Chuuya sowie einen neuen Mantel für sich. Dann schrieb er Kouyou eine SMS. Sie hatte ihn darum gebeten, sie zu informieren, ob Chuuya überlebt hatte oder nicht. Sie war seine Mentorin, vielleicht lag es daran. Dazai konnte es bis heute nicht ganz verstehen. Zum Schluss wählte er Moris Nummer. Er wusste, dass der Bericht längst überfällig war.

„Wie hat er sich geschlagen?“, fragte Mori ohne Umschweife, ohne jegliche Begrüßung.

„Gut.“ Dazai ging die Lüge ohne Probleme von den Lippen.

„Also hat er seine Aufgabe erfüllt.“

„Ja, hat er.“

„Fabelhaft.“ Man konnte förmlich Moris schmieriges Grinsen durch die Leitung hören. „Hat er es verkraftet, oder kotzt er sich die Seele aus dem Leib?“ Beide Männer lachten leise.

„Ich musste einmal auf dem Weg halten.“

„Gut, gut. Beobachte ihn weiter und stell sicher, dass er keine Dummheiten macht.“

Ehe Dazai etwas erwidern konnte, legte er auf. Mit zusammengebissenen Zähnen schmiss er sein Handy auf das Bett. Seit wann war er zum Babysitter abgestellt worden? Voller Unmut ließ er sich der Länge nach auf das Bett sinken. Mori verlangte ernsthaft von ihm, im Hotel zu bleiben und darauf zu warten, dass Chuuya seine Wunden geleckt hatte? Er würde sich zu Tode langweilen. Ein Blick Richtung Badezimmertür und kurzes Lauschen versicherten ihm, dass Chuuya wohl auch eine halbe Stunde ohne ihn auskommen würde. Er würde an der Hotelbar auf den Handlanger mit der Kleidung warten und den ein oder anderen Sake genießen. Sollten Mori und Chuuya doch zur Hölle fahren.

Als er eine dreiviertel Stunde später mit einigen Tüten in der Hand zurück in das Zimmer kam, war alles wie er es verlassen hatte. Inklusive des laufenden Wassers. Es fiel ihm auf, doch noch war es nicht besorgniserregend. So wie Chuuya reagiert hatte, würde er sicher noch etwas Zeit brauchen, um sich zu beruhigen. Schulterzuckend stellte Dazai die Tüten neben die Badezimmertüre, seinen neuen Mantel legte er über einen Sessel im Wohnzimmerbereich. Er hätte vom Bett aus fernsehen können, doch danach stand ihm nicht der Sinn. Er ging um das Bett herum und rief den Zimmerservice. Sake für sich, einen Cabernet für Chuuya. Einen Drink würde er sicher gebrauchen können.

Das nächste Mal, als Dazai auf die Uhr sah, war wieder eine dreiviertel Stunde vergangen. Über anderthalb Stunden war Chuuya nun schon im Bad. Langsam wurde es verdächtig. Augenrollend leerte er den Sake und erhob sich schwerfällig vom Bett. Natürlich hatte er es sich in der Zwischenzeit gemütlich gemacht. Warten konnte auf Dauer anstrengend werden.

„Chuuya?“, fragte er, gefolgt von deutlichem Klopfen an der Badezimmertür. Vergebens wartete er auf eine Reaktion. „Chuuya, wenn du nicht rauskommst, komme ich rein.“ Lauter und deutlicher als zuvor. Doch das Einzige, das Dazai hörte, war das Wasserrauschen der Dusche. Dieser kleine Freak hatte sich doch nicht tatsächlich etwas angetan? Mit genervtem Blick starrte er die Tür an. Das konnte doch nicht sein Ernst sein.

„Chuuya, ich komme jetzt rein. Gnade dir Gott, solltest du bewusstlos und voller Kotze irgendwo liegen!“ Mit Schwung stieß er die Tür auf. Natürlich hatte der kleine Freak die Türe nicht abgeschlossen. Die Szene, die sich ihm darbot, war nicht das, was er angenommen hatte. Chuuya wirkte quicklebendig, nur irgendwie ziemlich verstört. Dazai legte den Kopf schief.
Chuuya stand am Waschbecken und rieb wie ein Verrückter mit einem Schwamm über seine Hände und Unterarme. Seine Haut war feuerrot und sah wund aus. Dazu schien er gar nicht bemerkt zu haben, dass Dazai zu ihm gestoßen war. Sein Blick war starr, sein Gesichtsausdruck unergründlich. Zumindest für Dazai.

„Chuuya, du musst jetzt damit aufhören verrückt zu spielen.“ Es war ein Befehl, der auf taube Ohren stieß. Dazai trat auf ihn zu und riss ihm ohne weitere Vorwarnung den Schwamm aus der Hand. „Hör auf, bevor es sich infiziert!“

Die erste Ohrfeige traf ihn so schnell, dass er nicht reagieren konnte. Die Zweite kam vorhersehbar, sodass er den Schwamm fallen lassen und Chuuyas Handgelenk ergreifen konnte. Überrascht sah Chuuya erst Dazais Hand an, dann zu ihm auf. Er hatte sich erschrocken, das war selbst für Dazai klar zu erkennen. Doch der Schreck wich der Wut. So ungezügelt, dass sich Chuuyas Gesicht zu einer zornigen Fratze verzog. Geistesgegenwärtig ergriff Dazai auch Chuuyas anderes Handgelenk. Auf eine weitere Ohrfeige, oder einen Faustschlag konnte er getrost verzichten.

„Lass mich los!“, brüllte Chuuya und versuchte sich loszureißen. Als das nichts half und Dazai seine Finger nur fester um seine Handgelenke schloss, wehrte er sich heftiger. Er versuchte ihn mit einem seiner Knie zu erwischen, rutschte jedoch vom Rippenbogen ab. Es reichte aber, um Dazai zusammenzucken zu lassen.

Sie rangelten wortlos miteinander, bis Chuuya keuchend und kraftlos mit seiner Stirn gegen Dazais Schlüsselbein sank. Perplex sah er auf den roten Haarschopf nieder. Er musste wirklich erschöpft sein, wenn er gerade bei ihm einen Moment der Ruhe suchte. Dazai führte Chuuyas Arme auf dessen Rücken und legte sie knapp über dem Handtuch über dem Steiß ab. Vorsichtshalber hielt er die Handgelenke weiter fest, doch sein Griff lockerte sich deutlich. Das war wohl das, was in Dazais Welt einer Umarmung am nächsten kam.

Dazai hatte es sich nach dem ganzen Drama auf dem Bett bequem gemacht. Lustlos zappte er durch das Fernsehprogramm. Er wartete, mal wieder, auf Chuuya. Als dieser endlich – endlich! – aus dem Badezimmer trat, nun komplett angezogen und scheinbar kaum noch verstört, schaltete er den Fernseher wieder aus. Dazai musterte ihn, er konnte jedoch nichts Auffälliges an ihm ausmachen. Die Panikattacke war vorbei.

Chuuya ging zielstrebig auf den Tisch zu, auf dem Dazai, den er keines Blickes würdigte, die Flasche Cabernet mit einem Glas drapiert hatte. Anstatt des Glases, ergriff Chuuya die Flasche, nahm ein paar tiefe Schlucke und stellte sie geräuschvoll wieder auf den Tisch.

„Dazai?“

„Hm?“

„Wenn du jemandem hiervon erzählst, schlitz ich dir im Schlaf die Kehle auf.“

____________________


Danke, Chibi.
Review schreiben