Durch die Finsternis

von Renaklaue
GeschichteMystery, Familie / P12
OC (Own Character)
04.03.2019
09.11.2019
18
33866
9
Alle Kapitel
36 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Lange konnte Regenpfote nicht schlafen. Die Unruhe im Lager weckte sie aus ihrem wirren Schlaf auf. Schattenlilie stand neben ihr, sichtlich erschöpft. „Ich habe alles für Dachsjunges getan, was ich konnte. Jetzt können wir nur hoffen. Blitzjunges scheint aber alles überstanden zu haben.“, miaute sie gedämpft. Einerseits war Regenpfote erleichtert, zumindest einem der Beiden ging es gut, doch die Sorge um Dachsjunges blieb. Farnpfote selbst schlief neben ihr. „Er hat mir gut beigestanden. Wir sollten ihn schlafen lassen.“, informierte Schattenlilie schnell, als sie Regenpfotes Blick bemerkte. „Aber ich muss dich aus dem Bau bitten. Gleich kommen die Verletzten. „Klar.“, gähnte Regenpfote. Jeder Muskel schmerzte ihr, doch sie erhob sich und stapfte aus dem Bau.
Der DämmerClan lag angespannt in der Lagermitte, unruhig blickten sie zum Himmel. Dunkle Regenwolken hatten diesen für sich beansprucht, doch es beruhigte sie ein wenig. Das Feuer war keine Gefahr mehr für die Clankatzen. Noch konnte man in der Ferne Rauch aufsteigen sehen aber es war deutlich weniger als zuvor. Schnell erkannte Regenpfote die Kätzinnen wieder, die die Jungen zuvor getragen hatte. Die schwarze Kätzin mit orangenen Augen eilte sofort zu Regenpfote. „Wie geht es meinen Beiden?“ Kurz schluckte Regenpfote. Sie konnte schlecht die Königin anlügen! „Blitzjunges geht es gut. Er schläft gerade.“ Dennoch wollte die silberne Kätzin nicht die komplette Wahrheit verraten. „Und was ist mit Dachsjunges?“ Nun biss Regenpfote die Zähne zusammen. „Sie lebt. Farnpfote schläft neben ihr.“  Kurz verlor Düsterklaue ihre Fassung, alle Emotionen entglitten ihr. „Oh nein, nicht meine Liebe… Oh nein!“ Sie jaulte ihren Schmerz kurz der ganzen Welt entgegen. Die Trauer ließ ihre Stimme brüchig werden und doch war er so klar hinaus zu hören, sodass auch Regenpfote sie komplett spüren konnte. Elsterstern unterbrach sein Gespräch mit Eichenstern, um Düsterklaue beizustehen. „Was ist? Ich bin bei dir. Geht es um unsere Jungen?“
„Unsere Dachsjunges…“ Wieder jaulte sie auf, währenddessen Elsterstern fragend zu Regenpfote blickte. „Schattenlilie tut alles, was sie kann. Aber sie sagt, dass wir nur abwarten können.“ Auch Elstersterns Augen füllten sich mit Trauer, doch er blieb ruhiger. Behutsam drückte er sich seiner Gefährtin, ehe er nach seiner zweiten Anführerin rief. „Ich kümmere mich um den Clan.“, versprach Bernsteinherz. „Bleib du bei Düsterklaue.“
„Ich danke dir.“ Ehrenvoll neigte Elsterstern den Kopf vor seiner zweiten Anführerin, die kurz ihre Schnauze in sein Fell drückte.
„Ich komme helfen.“, bot Regenpfote an. Zwar tat ihr noch alles weh, doch sie wollte jetzt nicht schlafen. „Das ist lieb von dir. Wie ist dein Name?“, fragte die orange Kätzin. „Regenpfote.“
„Du und dein Mitschüler, wir stehen in eurer Schuld.“. Kurz blickte nun auch die zweite Anführerin zum Heilerbau. „Die Jungen sind erstmal in Sicherheit. Du kannst Blumenblatt helfen und fragen, wie es den Katzen geht. Blumenblatt schickt die Schwerverletzen zum Ältestenbau, die andere zum Anführerbau.“
„Okay.“

Der weiße Schüler Windpfote tat sich schwer mit einer ehrlichen Antwort, sodass Regenpfote langsam genervt war. „Zeig doch die Balle, die weh tut.“ Abwertend zuckte Windpfote mit dem Ohr. „Ach, eigentlich tut das gar nicht so weh.“
„Zeig dann einfach.“ Unruhig blickte Windpfote zur Seite. „Du tust Blumenblatt keinen Gefallen, wenn du etwas hast aber nicht sagst.“ Zögerlich hob er endlich seine Pfote und zeigte die verbrannte Balle. Nicht nur war die Balle um bluten, ringsherum hatten sich schon schmerzhafte Brandblasen entwickelt! „Du gehst sofort zum Ältestenbau!“, beschloss Regenpfote und ehe Windpfote protestieren konnte, stupste sie ihn an. „Zier dich nicht so. Komm, ich stütze dich.“ Plötzlich wirkte der Kater ziemlich bedröppelt. „Hey, ist doch alles gut.“, versuchte Regenpfote etwas verwirrt ihn aufzumuntern. Windpfote schien sich mit etwas rum zu schlagen, vielleicht hatte er deswegen gelogen? „Ja, vermutlich hast du recht.“, miaute er nachdenklich, dennoch noch nicht ganz zufrieden. Jedoch wollte sie nicht weiter nachfragen, schließlich war er ein Schüler aus einem anderen Clan. Wobei es in Vergangenheit keine Probleme mit dem DämmerClan gegeben hatte.
Vorsichtig lehnte sich Windpfote an Regenpfotes Schulter, um seine Vorderpfote schonen zu können. Langsam liefen sie zum Ältestenbau, wo Blumenblatt und Hasenfang die Verletzten versorgten. Ob Eichenstern das weiß? Aber der DämmerClan braucht jede Hilfe, die sie kriegen können… „Windpfote hat eine verbrannte Balle, die am bluten ist.“, miaute Regenpfote schnell.
„Ich kümmere mich gleich um ihn.“, erwiderte Hasenfang in der Arbeit vertieft. „Danke dir, Regenpfote.“
„Schon gut.“ Eigentlich wollte Regenpfote so schnell wie möglich weg, die Situation mit Hasenfang wirkte so unwirklich. Geschwind drehte sie sich weg und sah Eidechsenpfote, wie sie mit Bienenjunges und Falkenjunges an ihrer Seite die Krieger befragte. Aschenglut, der Vater der Jungen, blieb nah bei ihnen, störte sie aber nicht. Verwundert lief Regenpfote zu ihrem Mentor. „Sollten die Jungen nicht lieber zurück in die Kinderstube?“ Dieser hatte einen ruhigen aber neugierigen Blick. „Habe ich erst auch gedacht. Aber Eidechsenpfote fragte, ob sie die Jungen mitnehmen dürfte. Sie sagte, Jungen sehen mehr, als wir denken. Vor allem sehen sie die Wahrheit.“
„Wahrheit?“ Jetzt war Regenpfote noch mehr Verwundert. „Was für eine Wahrheit denn?“ Belustigt zuckten Aschengluts Schnurrhaare. „Das habe ich auch als erstes gedacht. Aber schau mal.“ Sie folgte den Blick ihres Mentors und sah, wie Falkenjunges mit aufgeplustertem Schweif vor einem älteren Krieger stand. „Das stimmt nicht!“ Aufgeregt sprang Bienenjunges um ihn herum, als wäre das ganze nur ein Spiel für sie. „Du hast sehr wohl schmerzen! Du hast dir die Hinterpfote verletzt!“ Der graue Kater schüttelte den Kopf. „Halb so wild, die jungen Krieger haben Vorrang. Ich könnte jetzt noch jagen gehen!“ Regenpfote fand auch nicht, dass der Krieger wirklich schwer verletzt wirkte. Doch Eidechsenpfote schien den Jungen zu glauben. „Zeig doch mal dein Hinterbein.“ Der Krieger wirkte damit nicht wirklich glücklich. „Nein, was soll das denn? Sind hier die Jungen etwa die Heiler!? Zu meiner Zei-“ Kurz stricht Eidechsenpfote mit ihrem Schweif über die besagte Hinterpfote und der Krieger schrie kurz vor Schmerz auf. Erschrocken hielt Regenpfote die Luft an. Hatten die Jungen wirklich recht gehabt? „Ich hole Schattenlilie!“, miaute Bienenjunges triumphierend. Falkenjunges nickte etwas unsicher. „Ich passe auf Sturmregen auf…“, versprach sie etwas leiser.
„Siehst du?“ Regenpfote spürte Aschengluts Atem an ihrem Ohr. „Die Jungen durchschauen jede Lüge.“ Beeindruckt nickte Regenpfote. Eidechsenpfote bemerkte jetzt erst, dass sie von Regenpfote beobachtet worden war. Freundlich winkte sie die silberne Schülerin zu sich. „Hallo, Regenpfote.“
„Woher wusstest du, dass die Jungen das können?“, fragte Regenpfote sofort beeindruckt. „Jungen sind besonders feinfühlig.“, erklärte ihre Freundin mit einem leichten lächeln. „Sie haben noch nicht viel gelernt, sie müssen sich also immer auf ihre Instinkte und ihr Bauchgefühl verlassen. Ich glaube, deswegen können sie es so gut.“ Falkenjunges blickte vorsichtig zu den Schülern auf. „Sind wir fertig?“ Schnurrend nickte Eidechsenpfote. „Ja, Sturmregen war der letzte.“ Der Kater hatte sich inzwischen hingelegt und versuchte seine verletzte Pfote zu entlasten. Er sagte nichts mehr.

Nachdem Schattenlilie Sturmregen untersucht hatte und eine Prellung festgestellt hatte, schienen auch wirklich alle versorgt worden zu sein. Inzwischen ging die Sonne auch wieder auf und dennoch herrschte reges Treiben in der Lagermitte. „Katzen des DämmerClans und des FunkenClans!“ Eichensterns Stimme ertönte über den Lärm und sofort verstummten alle Katzen. Er saß auf dem Flachfelsen, sichtlich erschöpft von der langen Nacht. Und dennoch hatte er nicht seine mächtige Ausstrahlung als Anführer verloren. „Ich muss euch nicht sagen, was passiert ist. Der DämmerClan ist hier in unserem Territorium vor erst willkommen. Ihr solltet ein paar Sonnenaufgänge bleiben, solange, bis eure Wunden geheilt seid und ihr stark genug zum Reisen seid.“ Spatzenstern lief vor dem Flachfelsen und neigte seinen Kopf. „Vielen Dank für deine Gültigkeit, Eichenstern.“, miaute er bedacht. „Und doch muss ich mir eingestehen, dass es mich beschämt als Anführer meines Clans auf euch angewiesen zu sein.“ Eidechsenpfote setzte sich etwas näher zu Regenpfote. „Es macht ihn Ehrenvoll, dass er so offen seine Gefühle äußern kann.“, flüsterte sie. „Er kann seinen Stolz hinunterschlucken. Er denkt für seinen Clan“, stimmte Regenpfote ihr zu. Spatzenstern drehte sich nun den ganzen Clan zu. „Ich bedanke mich aber auch bei euch allen. Vor allem bei vier jungen FunkenClan Katzen möchte ich mich bedanken, wenn es mir zu steht.“, fügte er mit einem Seitenblick zu Eichenstern hinzu. Dieser zuckte kurz mit dem Schweif, als stumme Zustimmung. „Falkenjunges, Bienenjunges, Farnpfote und Regenpfote. Bitte, kommt einmal kurz zu mir.“ Überrascht blinzelte Regenpfote. Sie wurde gerade von einem Anführer ausgerufen! Aufgeregt sprang sie auf ihre Pfoten. Doch als sie zu ihm tapste und die Blicke alle anderen spürte, war es ihr schon fast wieder unangenehm. Farnpfote, der bis vor kurzen noch geschlafen hatte, schlürfte schüchtern zu ihr. Falkenjunges sah angespannt aus, nur Bienenjunges preschte voller stolz zu Spatzenstern. „Falkenjunges und Bienenjunges, ich habe von den Heilern gehört, welche Arbeit ihr geleistet habt. Ohne euch hätten wir den Überblick verloren und hätten gar nicht gesehen, wer alles verletzt ist.“ Ehrenvoll neigte er den Kopf vor den Jungen, was Regenpfote die Sprache verschlug. Hatte es sowas überhaupt schon mal gegeben?! Ein Anführer, der sich vor ein paar Jungen verneigte?!
„Falkenjunges! Bienenjunges!“, riefen die restlichen Katzen im Chor. Besonders stolz wirkten natürlich Nussfell und Aschenglut. Als die Rufe verstummten, wandte sich Spatzenstern zu Regenpfote und Farnpfote. „Und euch beiden gebührt auch mein Dank. Ohne euch hätten es Dachsjunges und Blitzjunges gar nicht erst geschafft! Ihr habt meinen Clan geholfen und meine Jungen gerettet. Als Vater möchte ich mich bei euch bedanken.“ Wie ein wilder Vogel überschlug sich die Freude in Regenpfote und sie wusste gar nicht, wie sie diese richtig zum Ausdruck bringen konnte. Ihr Pelz wurde plötzlich angenehm warm und die Aufrichtige Dankbarkeit von Spatzenstern war noch schöner als das Gewissen, etwas Gutes getan zu haben.
Review schreiben