Liebe meines Lebens

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Elrond Erestor Glorfindel Lindir
03.03.2019
03.11.2019
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Heute beginne ich mit einer weiteren Geschichte von Morgana. Ich musste für eine Weile eine Pause einlegen, weil bei mir irgendwie die Luft raus war, aber mir ist bewusst geworden, wie sehr ich meine Englisch-Kenntnisse durch das Übersetzen verbessern konnte. Das möchte ich nun fortführen.

Und dies tue ich gleich mit einem Mammut-Werk, das aus insgesamt 35 Kapiteln besteht. Die Geschichte ist spannend, traurig, teilweise wirklich hart an der Schmerzgrenze und voller Überraschungen. Dies ist meine liebste Story von allen, die Morgana geschrieben hat, denn sie zeugt von einer grossen Liebe.

Deshalb also heute das erste Kapitel.

Hier, wie immer, der link zum Original:

http://www.libraryofmoria.com/a/viewstory.php?sid=1115


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Liebe meines Lebens

Kapitel 1

Erestor ging unter den uralten, riesigen Bäumen umher, die diesen Teil des Waldes von Elronds privaten Gärten abtrennten. Er war hierher gekommen, um etwas Seelenfrieden zu finden, denn er musste seine Gedanken sortieren. Seine Beziehung zu Glorfindel konnte man bestenfalls als angespannt bezeichnen, und er konnte sich den Grund für den Riss zwischen ihnen nicht erklären oder was er getan haben mochte, um ihn zu verursachen.

Er legte seine Handflächen gegen eine freundliche Eiche, lehnte sich näher daran, bis auch seine Stirn den Stamm des Baumes berührte. Beruhigende Energie floss in seine Hände, reiste hinunter durch seine Arme, bis sie schliesslich seinen gesamen Körper wärmte und einhüllte. „Danke für dieses Geschenk,“ flüsterte er leise, dankbar für diese selbstlose Aktion des Baumes. Vielleicht konnte er seine Einsamkeit und seine Melancholie spüren. Sein langes, dunkles Haar fiel nach vorne und verbarg seine Züge, versteckte die ersten Tränen, die ihm in die Augen traten. Warum trieben Glorfindel und er von einander fort? Was hatte er falsch gemacht?

Die Konsistenz der Luft veränderte sich und alarmierte ihn darüber, dass sich jemand näherte. Er entliess einen tiefen Seufzer, er hatte gehofft, hier etwas Frieden zu finden, aber seine rastlosen Sinne waren nicht dazu fähig, sich zu beruhigen.

„Erestor? Mein Freund?“ Lindir kam langsam näher und gab damit Erestor die Gelegenheit, sich seiner Anwesenheit bewusst zu werden. „Warum bist Du hier, ganz alleine?“ Erestor hatte die Einsamkeit immer gehasst und hätte es immer bevorzugt, den Spaziergang durch die Wälder in Gesellschaft zu machen, anstatt alleine. „Stimmt etwas nicht?“ Er kam hinter Erestor zum Stehen, legte eine Hand auf die Schulter des dunkelhaarigen Elfen und drückte sie verständnisvoll. „Ich hoffe, Du weisst, dass Du jederzeit mit mir reden kannst.“ Er spürte die Gabe des Baumes ebenfalls, die stille Energie, die nun durch Erestor pulsierte.

Erestor fasste sich, wischte sich entschlossen die Tränen aus den Augen und steckte sich ein paar lose Strähnen seines Haares hinter die Ohren. Nachdem er einen tiefen Atemzug getan hatte, drehte er sich herum, um seinen Freund anzusehen. „Lindir.“

Erestors Ton enthüllte Lindir einiges, der auch prompt reagierte und seinen Freund in eine herzliche Umarmung nahm.Er rieb über Erestors Rücken und sagte: „Sprich mit mir.“ Ohne Erestor loszulassen, führte er den schwarzhaarigen Ratgeber zu einer Bank, wo sie sich niederliessen. „Was macht Dir solchen Kummer?“ Erestors schwimmende Augen liessen ihn schwer schlucken. Nachdem er, wie es ihm anerzogen worden war, riet, fragte er: „Ist es Glorfindel?“

Erestor wimmerte leise. „Du hast mir gesagt, ich solle besser nicht sein Liebhaber werden, aber ich habe Deinen Ratschlag ignoriert.“ Lindir und er waren rasch Freunde geworden, nachdem sie sich in Lindon zum ersten Mal getroffen hatten, um sich darauf vorzubereiten, Elrond nach Imladris zu begleiten. Der Minnesänger und der Berater hatten herausgefunden, dass sie sich in des jeweils anderen Gesellschaft wohl fühlten, und ihr gegenseitiges Vertrauen war innerhalb dieser letzten paar Jahrtausende bis zu dem Punkt gewachsen, wo sie einander uneingeschränkt einander anvertrauten. Ein solches Vertrauensverhältnis hatte er mit Glorfindel nie erreichen können. „Ich hätte damals auf Dich hören sollen.“ Lindir seufzte tief und benutzte eine Hand, um Erestors Kinn zu fassen, ihn dazu zu bringen, ihn anzusehen. „Sage mir, was passiert ist.“

„Glorfindel und ich sind nun für tausend Jahre Liebende, aber …. .“ Erestor schloss kurz seine Augen, und sein Herz krümmte sich vor Schmerz. „Ich glaube, es ist vorbei zwischen uns. Er begehrt mich nicht mehr länger auf diese Weise.“

„Wie kommst Du darauf?“ Lindir versuchte, zuzuhören, anstatt einen Rat zu geben. Als Erestor damals vor tausend Jahren zu ihm gekommen war mit der Neuigkeit, dass Glorfindel ihn zum Geliebten wollte, hatte er ihm davon abgeraten, dieses Angebot anzunehmen, aber Erestor hatte nicht zugehört. Er war sehr verliebt gewesen; völlig und leidenschaftlich verliebt; und der Berater hatte sofort zugesagt. Lindir hingegen hatte seine Zweifel gehabt. Er hatte befürchtet, dass Glorfindel, ein Krieger, der es genoss, Eroberungen zu machen, seines Liebhabers schnell müde werden könnte, und es schien so, als habe er Recht behalten. Denn was waren tausend Jahren für einen unsterblichen Elfen? „Was hat er dieses Mal getan? Oder was hat er versäumt, zu tun?“

Erestor hob schwimmende Augen und traf auf die wissenden von Lindir. „Er rührt mich nicht mehr an. Wenn wir des Nachts zu Bett gehen, dreht er sich von mir fort.“

„Ai,“ flüsterte Lindir, er fühlte, wie sehr das Erestor verletzte. „und wie lange geht das schon?“

„Ein paar Monate.“ Erestor lehnte sich zurück an Lindir und genoss den engen Kontakt. „Entweder ist er fort, um an den Grenzen zu patrouillieren, oder er trainiert seine Leute. Es gibt Nächte, wo er überhaupt nicht ins Bett kommt, und wo ich dann morgens alleine aufwache. Sein Ton mir gegenüber ist immer höflich, aber ihm fehlt die Zuneigung und die Begeisterung. Er ist meiner müde. Du hattest recht.“

„Ich wollte niemals recht haben,“ murmelte Lindir. „Ich wollte, dass Ihr Beiden glücklich seid.“ Er rieb noch immer Erestors Rücken und merkte erst jetzt wirklich, wie schwer sich Erestor auf ihn stützte, und instinkiv verstärkte er den Halt an seinem Freund.

„Ich hätte es wissen müssen, dass etwas nicht stimmt, als er nicht dazu bereit war, mich offiziell zu heiraten. Das eine Mal, wo ich es erwähnt habe, dass wir uns aneinander binden könnten, tat er so, als habe er es nicht gehört,“ sagte Erestor in einem betrübten Ton. „Was habe ich falsch gemacht? Ich verstehe es nicht. Ich habe immer so sehr versucht, ihm alles recht zu machen.“

„Vielleicht hast Du es zu sehr versucht und dabei einen Teil Deines eigenen Selbst verloren?“ vermutete Lindir vorsichtig. „Ich habe gesehen, wie Du Dich verändert hast im Laufe der Jahre. Du hast Dein Leben verändert, um in seines hineinzupassen.“

„So funktioniert doch eine Beziehung,“ sagte Erestor und runzelte die Stirn. „Es geht um Geben und Nehmen.“

„Aber möglicherweise hast Du zu viel gegeben und zu wenig genommen.“ Lindir hatte dies Erestor gegenüber schon einmal geäussert, aber damals hatte der andere Elf das vehement geleugnet. „Du lebst für ihn. Du versuchst, ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Und doch bittest Du nur selten um etwas oder bekommst etwas dafür. Glorfindel ist ein Krieger. Er denkt und handelt auf eine andere Weise als wir das tun. Wenn Du eine Schlacht führst, hast Du keine Zeit, über die Konsequenzen nachzudenken, die Vorteile oder die Gegner. Ein Krieger agiert zuerst und denkt dann später darüber nach. Bei uns ist es genau umgekehrt. Wir denken zu viel.“

Erestor liess sich Lindirs Gedanken durch den Kopf gehen und stellte fest, dass Wahrheit in ihnen lag. Glorfindel und er waren auf viele Arten verschieden von einander, und um mit ihm zusammen zu bleiben, hatte er sein Verhalten auf vielerlei Weise geändert. „Denkst Du, das macht mich weniger attraktiv in seinen Augen?“ Denn schliesslich war er nicht mehr die Person, in die Glorfindel sich verliebt hatte.

„Dazu kann ich nichts sagen,“ meinte Lindir nachdenklich. „Aber dass Du so schnell nachgibst, könnte mit diesem Verlust an Romantik zwischen Euch Beiden zu tun haben.“

„Seine Patrouille sollte noch vor Mitternacht zurück kommen; vielleicht kann ich dann mit ihm reden?“ Erestors Blick suchte Lindirs. „Vielleicht können wir uns noch mit einander aussprechen?“

„Das hoffe ich,“ sagte Lindir aufrichtig. Er mochte nicht daran denken, was passieren würde, wenn die beiden Elfen ihre Probleme nicht würden beheben können. Erestor war eine sanfte und freundliche Seele und verdiente jemanden, der ihn liebte. Es würde Lindir schmerzen, seinen Freund wieder alleine zu sehen, denn er wusste, dass Erestor Glorfindel von ganzem Herzen liebte. „Mache kleine Schritte, Erestor, oder Du könntest ihn vielleicht vertreiben.“

Erestor nickte und legte dann seinen Kopf an Lindirs Schulter. „Und wie steht es um Deine Liebe, mein Freund?“

Lindir räusperte sich verlegen und errötete. Selbst nach dreitausend Jahren schaffte er es noch immer jedes Mal, zu erröten, sobald Erestor ihn in dieser Sache ansprach. „Er ist beschäftigt, so wie er es immer ist. Ich geniesse die seltenen Abende, wenn er mich rufen lässt, um für ihn zu singen.“

„Ich denke noch immer, Du solltest Elronds Gefühlen auf den Grund gehen. Celebrian ist vor vielen Jahrhunderten nach Valinor gesegelt, und Du weisst, wie einsam er ist. Er mag es uns nicht zeigen, aber er ist es. Der einfache Umstand, dass er Gesellschaft sucht, sei es nun meine oder Deine, sollte Dir beweisen, dass er nicht alleine sein will.“

„Erestor, wir haben schon früher darüber gesprochen. Elrond ist weit ausserhalb meiner Reichweite. Ich bin ein einfacher Minnesänger, und er ist der Herr von Imladris.“ Lindir hatte sich bereits vor vielen Jahrtausenden darauf beschränkt, Elrond aus der Ferne zu lieben. Als er Elrond in Lindon zum ersten Mal begegnet war, war es Liebe auf den ersten Blick gewesen – für ihn. Aber Elrond hatte Celebrian als seine Gefährtin gewählt, und sie hatte ihm drei wunderbare Kinder geschenkt, die Lindir liebte, als wären es seine eigenen. „Ich habe gelernt, mein Glück in den Abenden zu finden, wenn wir zusammen sitzen und ich für ihn singe, während er die Harfe spielt. Das ist alles, worauf ich jemals hoffen kann. Und wage es ja nicht, ihm etwas zu sagen!“

„Ich habe Dir versprochen, still zu sein,“ erinnerte Erestor Lindir. „Und ich halte immer mein Wort.“ Ihre Blicke trafen sich, und beide lasen die Sehnsucht und die Einsamkeit in den Augen des Anderen. „Ich wünschte, wir beide hätten uns in einander verliebt. Das hätte die Dinge wesentlich einfacher gemacht.“Aber es hatte niemals so etwas wie Leidenschaft zwischen ihnen gegeben, nur einen tiefen Sinn von Vertrauen und Zugehörigkeit. Sie waren einander so nahe wie Brüder.

„Erestor, Du hast noch immer eine Möglichkeit, herauszufinden, was Glorfindel bedrückt und Eure Probleme zu lösen. Sprich mit ihm, bring ihn dazu, sich Dir zu öffnen.“

Erestor nickte, ihm wurde bewusst, dass er mehr hatte als Lindir jemals haben würde – einen Geliebten …. Habe ich denn noch einen? Oder habe ich ihn bereits verloren?

**********

Erestor konnte nicht schlafen. Stundenlang hatte er sich im Bett herumgeworfen und fragte sich nun, ob sich Glorfindel ihm überhaupt anschliessen und zu Bett kommen würde. Schon vor Stunden hatte er die Patrouille zurückkommen sehen, und er war in ihre Räume geeilt, um dort auf Glorfindel zu warten und ihn angemessen zu begrüssen. Aber Glorfindel war offensichtlich bei seinen Männern gebleiben, zog ihre Gesellschaft der seinen vor. Was mache ich falsch?

Er zog die Decke hoch bis über die Schultern, zog seine Knie an die Brust und legte die Arme darum. Seine Augen waren voller Sorge, sie waren auf den Vollmond gerichtet, dessen silberfarbene Strahlen ihr Zimmer erleuchteten. Nun, genau genommen, waren dies Glorfindels Räume. Er war hier eingezogen, als sie ein Paar geworden waren, und er hatte sich hier schnell zu Hause gefühlt. Aber mittlerweile kam er sich wie ein Eindringling vor, als würde er hier nicht hingehören. Vielleicht war es an der Zeit, wieder in seine alten Räume zurückzukehren? Aber er wollte nicht seine Sachen packen und gehen, das war so endgültig. Lindir hatte Recht, er musste herausfinden, was sie auseinander trieb, und sie mussten sich damit auseinandersetzen.

Gerade, als er die Hoffnung aufgegeben hatte, dass Glorfindel noch kommen würde, erregte eine Bewegung an der Tür seine Aufmerksamkeit. Er linste zur Tür und sah Glorfindel geräuschlos eintreten und die Tür hinter sich wieder schliessen. Sein Herz flatterte vor Liebe und Verlangen wie verrückt, als er den Blonden sah, und es fiel ihm schwer, im Bett zu bleiben und abzuwarten, was Glorfindel nun tun würde.

Der Captain zog sich aus und schlüpfte ins Bett, sagte aber kein einziges Wort. Erestors Herz setzte einen Schlag aus, als er sah, dass sich Glorfindel hinlegte und ihm den Rücken zuwandte. Hatte Glorfindel denn nicht bemerkt, dass er noch wach war? Oder ignorierte er ihn absichtlich? Es gab nur einen Weg, das herauszufinden. Langsam rutschte er hinüber, bis sich ihre Körper schliesslich berührten. Während er sich hinter Glorfindel an ihn drückte, legte er einen seiner Arme um Glorfindels Hüften und streichelte sanft die seidige Haut. „Ich habe Dich vermisst.“

Seine Finger bewegten sich durch die goldenen Strähnen, bis sie einen Teil des Halses freigelegt hatten, und Erestor drückte einen sanften Kuss auf die Haut. „Ich bin glücklich, dass Du wieder da bist.“

„Erestor… . ich bin müde,“ grummelte Glorfindel verstimmt und bewegte sich ein Stück von Erestor weg, brach so den intimen Kontakt. „Wir sind heute auf Orks gestossen, und es hat lange gedauert, bis wir sie alle niedermachen konnten. Ich würde jetzt lieber schlafen.“
Erestor schloss die Augen bei der Zurückweisung. „Ich möchte Dich nur halten.“

„Nicht heute Nacht. Ich muss schlafen.“

Glorfindel hatte damit aufgehört, sich von ihm wegzubewegen, und Erestor wurde klar, warum. Der Blonde balancierte bereits auf dem Rand des Bettes. Sich noch weiter weg zu bewegen hätte bedeutet, aus dem Bett zu fallen. Zurückgewiesen zu werden, brach im das Herz, und Tränen flossen ihm aus den blicklosen Augen, als er sich wieder auf seine Seite des Bettes zurückzog. Nachdem er sich auf seine andere Seite gelegt hatte, lagen sie nun Rücken an Rücken. Er legte die Arme um seine Taille, zog den Kopf nach unten und weinte bittere Tränen.

„Weinst Du?“

Erestor hustete nervös und wischte sich die Tränen fort. „Nein, jetzt nicht mehr. Du kannst jetzt schlafen, ich werde Dich nicht mehr länger stören.“

„Ich möchte nicht, dass Du weinst,“ flüsterte Glorfindel in einem erschöpften Ton. „Aber ich kann das jetzt nicht tun. Ich bin zu müde.“

„Ich verstehe.“ Erestor krümmte sich in eine embryonale Stellung zusammen, zog sich die Decke über die Schultern und entschied, dass er nicht noch mehr davon ertragen konnte. Vielleicht war es wirklich an der Zeit, in seine eigenen Räume zurückzukehren und Glorfindel den Freiraum zu gewähren, nach dem er sich so offensichtlich sehnte. Ein Teil von ihm hoffte noch, der Elda würde seine Hand nach ihm ausstrecken, nun, wo er wusste, dass Erestor litt, aber nichts geschah. Ein paar Minuten wurden die Atemzüge des anderen Elfen tiefer und gleichmässiger und teilten ihm mit, dass Glorfindel bereits eingeschlafen war. Für ihn würde es jedoch in dieser Nacht keinen Schlaf geben, zu bitter war der Schmerz darüber, dass er zurückgewiesen worden war.

Ich kann das auf keinen Fall noch länger ertragen. Es ist an der Zeit, diese Scharade zu beenden. Du liebst mich nicht mehr. Würdest Du es tun, würdest Du mich fragen, was los ist, anstatt mich zu ignorieren und einzuschlafen. Erestors Herz weinte sorgenvolle Tränen, ihm wurde bewusst, dass diese die letzte Nacht sein würde, die er in Glorfindels Bett verbrachte. Schon morgen würde er damit beginnen, seine Räume in Ordnung zu bringen und wieder dort einziehen.

**********

Es war keine Überraschung für Erestor, dass er sich morgens alleine im Bett vorfand. Glorfindel konnte sich völlig geräuschlos bewegen, wenn es notwendig war und hatte sich wahrscheinlich schon lange vor Sonnenaufgang aus dem Zimmer begeben. „Ich dachte, wir könnten uns deswegen aussprechen,“ flüsterte Erestor betrübt. Aber wie sollte er das tun, wenn Glorfindel nicht da war? Er war ihm selbst überlassen worden, sich damit auseinanderzusetzen.

Wie meistens morgens war er mit einer Erektion wach geworden, und es war eine Weile her, dass es Glorfindel gefallen hatte, ihn hart neben sich vorzufinden. Das letzte Mal, dass sie mit einander intim gewesen waren, war Monate her, und Erestors Körper sehnte sich nach der Intimität, die sie einst geteilt hatten. Der Duft des Blonden war in den Laken und in den Decken, und es spielte keine Rolle, wie sehr er sich im Bett hin und her wälzte, Glorfindels Duft drang in seine Nasenlöcher und machte ihn hart. Ungeachtet dessen, wie Glorfindel ihn behandelte, Erestor sehnte sich noch immer danach, dessen Hände auf sich zu spüren. Wie bei so vielen anderen Gelegenheiten morgens wickelte er seine Finger um sein hartes Fleisch und begann zu reiben. Sein Körper forderte Erlösung, und wenn er ihm jetzt nicht nachgab, würde er ihn den ganzen Tag lang heimsuchen.

Während er langsam rieb, schloss er seine Augen, stellte sich vor, Glorfindel sei noch immer bei ihm, und dass es die Hand des Blonden sei, die ihn zum Orgasmus brachte. Er holte sich all die zärtlichen, sanften Berührungen ins Gedächtnis zurück, die Glorfindel seinem harten Fleisch hatten angedeihen lassen und erreichte so schnell seinen Höhepunkt, aber als die trübe Flüssigkeit das Köpfchen verliess, brach wieder die hässliche Wahrheit über ihn herein und zerstörte die zeitweilige Fantasie, die er um sich herum gebildet hatte.

Er war allein. Glorfindel hatte ihn ohne ein einziges Wort verlassen, nicht einmal eine Notiz hatte er zurückgelassen. Was sagte ihm das? Es war an der Zeit, über ihn hinwegzukommen. Aber die Wahrheit war, dass er noch nicht dazu bereit war, weiterzumachen. Er wollte mit Glorfindel zusammensein, ihn halten, ihn beschützen, ihn lieben. Selbst nach tausend Jahren zersprang sein Herz noch immer vor Liebe zu dem Balrog-Schlächter. „Ach, Lindir,“ seufzte er schwer, „wie soll ich das verarbeiten, wenn er ganz deutlich kein Teil davon sein will?“

Noch einmal seufzte Erestor, legte seine Arme um die Taille und begann, sich langsam nach vorne und nach hinten zu wiegen, während er seinen Tränen freien Lauf liess.

**********

Erestor ignorierte den Umstand, dass ihm der Bedienstete einen äusserst befremdeten Blick zugworfen hatte, als er ihm auftrug, seine alten Gemächer in Ordnung zu bringen, sodass er wieder auf Dauer dort leben könne. Er war ganz besonders schlechter und brütender Laune heute, etwas, das nun öfter vorgekommen war, seit sich ihre Partnerschaft zu verschlechtern begonnen hatte. Er hatte sein Bestes versucht, es zu verbergen, aber es war immer und für alle sichtbar.

Als er sich schliesslich Elrond anschloss, um ihm bei seiner täglichen Arbeit zur Seite zu stehen, sass der bereits in seinem Schreibzimmer und arbeitete, und schon war seine heitere Maske wieder an ihrem Platz, jedenfalls glaubte er das, aber ein Blick von Elrond genügte, um ihm zu sagen, dass der Peredhel bereits wusste, dass ihn etwas bedrückte.

Elrond betrachtete seinen Obersten Ratgeber und konnte mühelos hinter die Fassade blicken, die Erestor so bemüht zur Schau stellte. Er wusste, dass seine Freunde um ihre Beziehung rangen, und bis jetzt hatte er sich herausgehalten. Aber Erestor sah schrecklich aus, und als Glorfindel am Morgen losgegangen war, um mit den Wachen zu trainieren, hatte der Blonde auch nicht besser ausgesehen. Jemand musste auf das alles reagieren, und es sah ganz danach aus, als fiele ihm diese Rolle zu. „Bitte setz Dich, Erestor. Ich habe frisch gebrühten Tee hier. Möchtest du eine Tasse?“ Hatte Erestor eigentlich gefühstückt? Als er Erestor nicken sah, goss er ihnen beiden jeweils eine Tasse ein und reichte seinem Freund eine davon.

Erestor setzte sich Elrond gegenüber und versuchte krampfhaft, den forschenden Blicken Elronds auszuweichen, aber ohne Erfolg. Elrond kannte ihn viel zu gut, um sich von seinem äusseren Erscheinungsbild täuschen zu lassen. „Danke,“ sagte er und nahm die Tasse entgegen. Während er sie in seinen Händen hielt, genoss er die Wärme, die die Flüssigkeit ausstrahlte. Er starrte in die Tasse hinein und erhaschte im wirbelnden Wasser eine Reflektion seiner brütenden Augen.

„Erestor, Du siehst danach aus, als ob Du reden wolltest,“ begann Elrond vorsichtig. „Vielleicht kann ich Dir ein zuhörendes Ohr anbieten?“ Er wollte ihnen helfen. Erestor und Glorfindel waren seine besten Freunde, und als die beiden Elfen ein Paar geworden waren, hatte er sich für sie gefreut.

„Ist das so offensichtlich?“ Mit einem Seufzen stellte Erestor seine Tasse ab. „Ich weiss nicht mehr, was ich tun soll.“Zaghaft suchte er den Blick von Elronds grauen Augen.

„Warum erzählst Du mir nicht, was Dich bedrückt? Ich kann nur dann helfen, wenn ich weiss, womit wir es zu tun haben.“ Elrond wollte keinen Druck auf Erestor ausüben, aber er wusste, dass sein Ratgeber hin und wieder einen kleinen Schubs in die richtige Richtung benötigte, wenn es darum ging, über seine Gefühle zu sprechen.

Erestor zuckte ergeben mit seinen Schultern. „Ich werde noch heute wieder in meine alten Räume zurückkehren.“ Er bemerkte den Schock in Elronds Gesicht und wandte rasch den Blick ab. „Die Dinge stehen nicht zum Besten zwischen mir und Glorfindel.“

„Es tut mir leid, das zu hören,“ sagte Elrond aufrichtig. „Ich möchte nicht neugierig sein, aber... was ist passiert? Ihr beide schient glücklich zu sein.“

Erneut zuckte Erestor mit den Schultern, und diesmal sah er auf den Boden, unfähig, dem prüfenden Blicken des Halbelfen noch länger standzuhalten. „Er hat das Interesse an mir verloren.“

Überrascht hob Elrond eine Augenbraue. „Was?“ Er erinnerte sich noch lebhaft daran, wie er die Beiden vor einigen Monaten in seinem Weinkeller vorgefunden hatten, wo sie sich liebten. „Das verstehe ich nicht.“

„Ich auch nicht. Er mag mich nicht einmal mehr berühren.“ Er rang seine Hände und nahm den Augenkontakt zu Elrond wieder auf. „Letzte Nacht habe ich stundenlang auf ihn gewartet, aber als er dann endlich kam, sagte er mir, er müsse schlafen. Ich wollte nur einen Kuss und ihn halten. Er fiel fast aus dem Bett bei dem Versuch, sich mir zu entziehen.“

Elronds Augen weiteten sich. Erestor war intelligent und listig, und sein Aussehen passte hervorragend zu seinem Charakter. Der Noldor Elf sah aussergewöhnlich gut aus, und so mancher Elf nannte Erestor eine sensible Schönheit, die er auch war; selbst Elrond war dieser Meinung. Elrond konnte es ich beim besten Willen nicht vorstellen, warum Glorfindel sich von ihm abwenden sollte. Sich gemütlich in seinem Stuhl zurücklehnend, studierte Elrond den anderen Elfen. Erestor Augen waren schwarz wie die Nacht, strahlten jedoch Wärme und Zuneigung aus. Das lange dunkle Haar war nur selten zu Zöpfen geflochten, denn sein Eigentümer liess es lieber lose fallen, und Elrond musste zugeben, dass Erestor der leicht wilde Ausdruck sehr gut zu Gesicht stand. Seine Züge waren feingliedrig ausgebildet, jedoch gab ihm eine stark ausgeprägte Kinnlinie einen leicht exotischen Eindruck, die vollen roten Lippen verlangten geradezu danach, geküsst zu werden. Der Umstand, dass der Ratgeber es vorzog, nur dunkle Roben zu tragen, diente nur noch dazu, die attraktiven Züge zu unterstreichen. Wie konnte Glorfindel ihn ernsthaft zurückweisen?

Er wusste, dass nahezu jeder Elf, der zu seinem Haushalt zählte, irgendwann einmal in Erestor verliebt gewesen war. Aber Erestor hatte sein Herz an Glorfindel verloren in dem Moment, wo sich der Blonde ihrem Haushalt angeschlossen hatte, und es hatte für den Berater niemals einen Anderen gegeben. Erestor liebte einzig und alleine Glorfindel – liebte ihn von ganzem Herzen. Glorfindel wusste, wie sehr Erestor ihn liebte, oder etwa nicht? Das Verhalten des Captains überraschte Elrond. „Hast Du schon mit ihm darüber gesprochen?“

„Ich habe es versucht, aber es ist schwierig, mit jemandem zu reden, der nicht anwesend ist, oder aber sein Bestes tut, Dich wegzustossen. Ich bin mir nicht sicher, ob Reden in dieser Situation noch helfen könnte.“ Elrond seufzte erschüttert. „Vielleicht ist es das Beste für uns, getrennte Wege zu gehen.“

„Aber Du liebst ihn noch immer.“

„Ich werde ihn immer lieben,“ erwiderte Erestor leidenschaftlich und starrte in Elronds Augen. „Er ist die andere Hälfte meiner Seele. Er ist der Einzige, mit dem ich mich jemals vollständig gefühlt habe.“

„Und dann willst Du ihn so einfach aufgeben?“ fragte Elrond verblüfft.

„Ich bin nicht der Einzige, der uns aufgegeben hat,“ stellte Erestor klar. „Ich habeversucht, mit ihm zu reden, ein klein wenig intimen Kontakt wiederherzustellen, aber er weist mich immer wieder ab. Es gibt nur einen gewisses Mass an Zurückweisung, das ich ertragen kann, und das geht jetzt schon seit Monaten so.“ Tränen bildeten sich in seinen Augen, aber er wollte vor Elrond nicht weinen und zwang sie zurück, fest entschlossen, seine Würde zu wahren.

Seufzend überdachte Elrond seine Möglichkeiten, denn es war nur zu offensichtlich, dass seine Freunde nicht dazu imstande waren, dieses Problem selbst zu lösen. „Möchtest Du, dass ich mit Glorfindel spreche und versuche, herauszufinden, wie er die ganze Angelegenheit sieht?“

„Ich möchte Dich nicht in unsere Probleme hineinziehen, Elrond,“ flüsterte Erestor, ein wenig überrascht, dass sein Freund ihm dieses Angebot machte.

„Ihr Beiden liegt mir sehr am Herzen, und ich möchte es gerne versuchen,“ bekräftigte Elrond, obwohl er ernsthaft besorgt war, dass sie nicht mehr miteinander redeten. Wenn die Kommunikation zwischen Liebenden erst einmal zum Stillstand kam, dann war das ein sicherer Hinweis auf weit grössere Probleme. „Vielleicht ist es ja nur ein dummes Missverständnis, das Ihr nie wirklich gelöst habt?“

Erestor schüttelte seinen Kopf. „Ich glaube nicht, dass es so einfach ist. Aber Du kannst es gerne versuchen. Möglicherweise hatte Elrond dort Erfolg, wo er selbst versagt hatte, aber irgendwie bezweifelte er das.