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Sonne, Strand und andere Probleme

von Pingulina
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin RM Suga V
03.03.2019
25.11.2021
58
268.394
35
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Dieses Kapitel
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25.11.2021 4.859
 
Von Federboas und ihren Besitzern

17. Mittwoch:


„Warum grinst du schon die ganze Zeit, wie die Katze vorm Mauseloch?“, wollte Yoongi auf dem Weg zur Party schließlich von Jin wissen, als er ihn bereits das dritte Mal dabei erwischt hatte, wie er munter vor sich hin pfiff. Da dessen Blick hin und wieder zu Taehyung ging, war klar, mit wem es zu tun hatte, nur wollte Yoongi doch wirklich gerne wissen, was genau vor sich ging. Einfach abwarten war keine Option. Die frische Luft machte ihn gerade halbwegs klar, aber sein Pegel war beachtlich und Jimin in der Stimmung für Tanzen, Trinken und andere spaßige Dinge, denen er seine Aufmerksamkeit nur zu gerne schenken wollte. Was bedeutete, die Pläne des Abends der anderen wollte er jetzt in Kurzzusammenfassung, da er nicht würde zuschauen können.

„Ich habe einfach nur gute Laune. Darf ich das nicht?“, erwiderte der Ältere spitz und mimte den Gekränkten, stieß bei Yoongi aber nur auf ein Kopfschütteln und einen abwartenden Blick.

„Sicher doch. Alles nur, weil Taehyungs Hintern heute besonders gut in der Jeans aussieht“, fügte Yoongi sarkastisch an und lenkte Jins Aufmerksamkeit damit auf ein Detail, welches ihm heute wirklich noch entgangen war. Schnell stellte er fest, dass sein Kumpel recht hatte. Da sie hinter den anderen liefen, die sich vor ihnen munter miteinander unterhielten, hatte er beste Sicht und Vergleichsmöglichkeiten und das, was er da so sah, sah zum Teil sehr lecker aus. Allerdings hätte er auch sofort mit Yoongi oder Namjoon getauscht, der Erfahrung wegen, auch wenn Taehyung wirklich ein wenig vorne lag.

Leicht hypnotisiert von dem schwingenden Hinterteil vor ihm, zu dem seine Hand zu streben versuchte, hatte er glatt vergessen, dass da ja noch jemand neben ihm her lief, der ihn herzhaft auslachte, als er über einen hochstehenden Pflasterstein stolperte und leicht ins Straucheln kam. Yoongis fester Griff am Arm verhinderte schlimmeres und brachte Jin wieder ins hier und jetzt. „Weniger sabbern, mehr auf die Füße achten. Macht auch weniger Flecken.“ Dass Yoongi es dabei wirklich schaffte, auf einen Wasserfleck auf Jins Hemd zu zeigen, macht es für diesen nicht besser. Er wusste nicht, wo der Tropfen hergekommen war, aber gesabbert hatte er sicherlich nicht. Hoffte er zumindest.

Währenddessen waren Yoongis Gedanken weiter gewandert und ihm war eine Idee gekommen. Sein Blick wanderte zu Taehyung, dann wieder zu Jin und aus der Idee erwuchs eine Erkenntnis, die ihn überlegen ließ, ob Jimin dafür nicht doch ein oder zwei Lieder aussetzen würde, um es nicht zu verpassen. Jin entging das freche Grinsen seines Nebenmanns nicht und sein Magen zog sich unruhig zusammen. Wenn Yoongi wirklich auf dem richtigen Dampfer war, könnte der ihm seine Pläne vermiesen und das wollte Jin nun wirklich nicht.

„Dir ist schon klar, dass Tae zu aufmerksam ist, um es nicht zu merken“, warf Yoongi treffsicher in den Raum und entlockte Jin ein leicht gefrustetes Lachen. Gut, der wusste Bescheid, blieb nur zu hoffen, dass er lieber beobachten, als Strippen ziehen, wollte heute Abend.

„Klar, das ist gerade das Reizvolle daran. Ich will sehen, wie er das Problem löst“, gab Jin zurück, zwinkerte Yoongi dabei verschwörerisch zu und was er im Blick des Kleineren sah, gefiel ihm. Sehr schön, Yoongi würde nicht dazwischen gehen und damit war Jimin auch ausgeschaltet. Wenn sich nun Namjoon noch gut anstellte, war Jungkook auch aus dem Spiel und er konnte die Show genießen.


********



Das Haus, welches sie ansteuerten, wirkte zwar, zwischen den anderen, wie eines von vielen, doch die laute Musik und die beiden Türsteher, mit breitem Kreuz, muskulösen Armen, Sonnenbrillen in der Nacht und finsteren Mienen, verrieten den Ort der Party zuverlässig. Hoseok ging gemütlich auf sie zu, unterhielt sich kurz mit ihnen und schon wurden alle sieben durchgewunken und durften den Vorgarten betreten, in dem sich schon reichlich Menschen tummelten.

Sie schlängelten sich an lachenden, sich unterhaltenden, rauchenden und trinkenden Menschen hindurch zur offenstehenden Tür und betraten das Haus schließlich. Schon von außen war zu sehen gewesen, dass es nicht ansatzweise so groß, wie das von Jins Eltern, war. Der Gastgeber gab sich gerne reich, war es aber nicht wirklich. Er verdiente gut und konnte sich teuren Alkohol und exklusive Kleidung leisten und legte auf beides wesentlich mehr wert als auf allzu viel Platz. Das Ferienhaus war nur gemietet, verfügte aber über Garten, direkten Strandzugang und damit über ausreichend Platz für gute Partys. Was brauchte man bitte mehr? Abgesehen von einer guten Musikanlage?

In der Küche fischte sich Jin eine der Proseccodosen aus dem schmelzenden Eis im Kübel und verzog belustigt die Lippen, als er Jungkooks Blick bei dieser Auswahl sah. Er selbst hatte schon längst aufgehört sich über eine solche Infantilität wie edlen Alkohol in Dosen, aufzuregen und machte eben einfach mit. Während die anderen sich noch zum Teil über die Getränkeauswahl wunderten, war Taehyung schon weiter. Der wollte offensichtlich erstmal die Lage erkunden und nicht auf die Pärchen warten, die tiefgreifende Diskussionen über Dosen oder Flaschen mit seltsamen Inhalten führen mussten. Das bedeutete für Jin ebenfalls weiter zu müssen. Seine Aufgabe gerade war es, Taehyung im Blick zu behalten, um nichts von der Show zu verpassen.

Wie er bereits erwartet hatte, zog der Jüngere reichlich Blicke auf sich, was diesem nicht verborgen blieb und schon bei seiner ersten Runde durch das große Wohnzimmer, hatte er eine Handvoll Flirts angefangen und sich jeweils mit einem frechen Zwinkern auf später verabschiedet. Nun strebte er gerade zu der offenstehenden Flügeltür, um sich den Außenbereich anzuschauen. Viel würde er nicht zusehen bekommen, eine kleine Terrasse, dahinter ein kniehoher Zaun mit Tor und dann direkt der Strand, doch durch gut verteilte Boxen, war hier draußen genau so viel los wie auf der Tanzfläche, zu der das Wohnzimmer verwandelt worden war.

Da es allerdings zunehmend voller wurde, wusste Jin bereits, dass sie sich dem Herzen der Party langsam näherten und er sich einen guten Aussichtspunkt suchen konnte. Auf seinem Weg waren ihm bereits einige bekannte Gesichter untergekommen, das ein oder andere Begrüßungsküsschen hatte er eingesammelt und auf später vertröste, mit der Ausrede, erst eine Runde drehen zu wollen. Er konnte sich somit nicht beklagen, ohne etwas zu tun hatte er bereits drei vielversprechende Eisen im Feuer und war sich daher sicher, heute ganz bestimmt nicht allein ins Bett zu gehen.

Gemütlich gegen einen der Pfeiler der Terrassenüberdachung gelehnt nippte Jin an seinem Prosecco und beobachtete gespannt das Treiben am nahen Strand. Aus der großen Menschentraube hatte sich ein junger Mann gelöst. Gehüllt in eine enge schwarze, leicht glänzende Hose und einem offenen, pastellpinken Hawaiihemd, stach er schon genug hervor, doch die neongrüne Federboa, die er sich um der Hals geworfen hatte, ließ nicht mehr zu, dass er übersehen werden konnte. Taehyung hatte ihn sofort wahrgenommen und wohl auch die Aura, die von ihm ausging. Von Gästen umschwärmt war es nicht schwer ihn als Gastgeber zu erkennen und mit seinem feinen Sinn für Konkurrenz, hatte dieser Taehyung ebenfalls schnell ausfindig gemacht.

Ein Schmunzeln glitt über Jins Lippen, als er den Blick von Alessandro sah. So zumindest ließ sich der gute Mann nennen, dass er Koreaner war, war nicht zu übersehen, aber das störte niemanden. Die leicht verengten Augen, der pikierte Zug um den Mund, schon allein die Anwesenheit des hübschen Jungen, der so viel Aufmerksamkeit bekam, die Alessandro doch für sich haben wollte, störte ihn ungemein. Dessen Finger zuckten immer wieder zu seiner Hosentasche, in der sich die Umrisse seines Smartphones abzeichneten, auf dessen Kurzwahltaste er zweifelsfrei seine Türsteher hatte, um ungebetene Gäste entfernen zu lassen.

Aber Taehyung wäre nicht Taehyung, wenn er das alles nicht bemerkt hätte. Jin staunte nicht schlecht, als er in Taehyungs Blick Bewunderung las, die Augen groß, die Lippen leicht geöffnet, als wären sie mitten im „Woohw“ erstarrt. Mit langsamen, fast bedächtigen Schritten hielt er auf Alessandro zu, welcher ihn mit einer interessanten Mischung aus Ablehnung und Verwirrung musterte.

Jin stand zu weit entfern, um über die Musik hinweg zu hören, was Taehyung sagte, aber Alessandros Miene verfinsterte sich schlagartig, doch seine Finger zuckten nicht mehr und je länger Taehyung sprach, umso mehr entspannten sich seine verkrampften Gesichtszüge. Schon fast entspann stand er da und mit einem Mal war da wieder tiefste Verachtung in seinem Blick, die Schultern spannten sich und seine Finger begannen an der viel zu engen Hosentasche zu fummeln. Doch dann stockte er plötzlich. Taehyungs Hand lag auf seinem anderen Arm, tat dort nichts weiter als ihn minimal zu berühren und schon veränderte sich wieder der Blick des Gastgebers. Über erstaunt zu geschmeichelt und dann weiter zu selbstzufrieden, während Taehyung die Finger wieder verzog und sich die Hand fast etwas beschämt vors Gesicht hielt.

„Der Kleine ist verdammt gut“, meinte eine bekannte Stimme neben Jin und als dieser den Blick kurz von den beiden nahm, wunderte er sich nicht Yunho neben sich stehen zu sehen. Er hatte sich die Haare lang wachsen lassen, in einem lockeren Zopf lagen sie ihm über die Schulter und die Spitzen klemmten zwischen seinen Fingern, wurden gezwirbelt, während er den Blick über das Schauspiel, einige Meter vor ihnen, gleiten ließ. Als Jin nichts erwiderte, wand er kurz den Blick zu ihm, lächelte ihn an und nickte dann zu den beiden am Strand. „Kennst du ihn?“

„Ja. Er gehört zu unserer Gruppe und ich bin echt gespannt, wie lange er braucht, bis er Alessandro um den Finger gewickelt hat“, erklärte Jin zufrieden. Zwinkerte Yunho dabei zu und entlockte diesem ein Lachen. „Meinst du, er schafft das? Er ist genau der Typ Mann, den Alessandro mit Vorliebe rausschmeißen lässt, da er ihm die Show stiehlt“, grübelte sein Nebenmann und schielte dabei immer wieder neugierig zu Jin. Dieser ließ die beiden kurz aus den Augen, immerhin schien Alessandro gerade in einen Monolog verfallen, den Taehyung eifrig abnickte, da hatte er kurz Zeit. Genießend glitt sein Blick über Yunho, welcher mal wieder blendend aussah. Stellte sich fast die Frage, warum er keine Angst hatte, rausgeschmissen zu werden. Wohl, weil er einer der wenigen Freunde von Alessandro war, was ihm das Recht gab eventuell besser als er auszusehen und eben auch Gäste zu seiner Party einzuladen. Nur in ein weißes Leinenhemd aus groben Stoff und einer ausgewaschenen Jeans gekleidet, wirkte er fast etwas zu leger für die Gäste hier, doch der Schnitt und seine Haltung gaben all dem etwas Edles, was die teuersten Stoffe nicht hätten zaubern können und so wunderte es Jin wenig, dass gerade sehr viele Blicke auf ihnen ruhten. Er hoffte nur, dass Alessandro sich dadurch nicht von Taehyung ablenken ließ, immerhin wollte Jin das große Finale sehen.

Als Yunho scharf die Luft einzog, schnellte Jins Blick wieder nach vorne und reichlich verwundert erblickte er Alessandros wutverzerrtes Gesicht. Ein schneller Blick zu Taehyung zeigte, dass dieser gerade auf den Boden, besser gesagt seine Schuhe, blickte, deren Spitzen er ganz betreten gegeneinander tippen ließ. Den Kopf gesenkt, die Hände hinterm Rücken verschränkt, wirkte er wirklich schüchtern oder reumütig. Jin konnte es nicht sagen, aber es wirkte wohl erstaunlich gut, denn egal was Taehyung nun gerade sagte, Alessandros Blick wurde mit einem Mal weich, seine harten Züge brachen auf und eine seiner Hände wanderte zu seinen Augen, um über dessen Winkel zu wischen und im nächsten Moment geschah, was Jin nicht für möglich gehalten hatte.

„Umarmt Alessandro ihn da gerade?“, hauchte Yunho fassungslos, blickte verdattert zwischen dem Strand und Jin hin und her, doch auch Jin konnte nur erstaunt nicken. Sah verdammt danach aus, oder er hatte Sand im Auge. Vor lauter Überraschung trank er einen großen Schluck aus seiner halb leeren Dose und hielt diese dann seinem Nebenmann hin. Doch auch diesem half der Schluck nicht wirklich, noch immer drückte Alessandro Taehyung an sich, strich ihm über den Rücken und redete auf ihn ein, den Blick dabei so ergriffen, als habe er gerade einen Straßenhund adoptiert.

„Du suchst doch sicher Hoseok, oder?“, warf Jin schließlich ein, einfach nur, um sich von diesem verstörenden Bild abzulenken. Die übermisstrauische Diva Alessandro war auf den Teufel Taehyung hereingefallen. Jin hatte damit gerechnet, dass Taehyung ihn um den Finger wickeln würde, aber dass er es so allumfassend tun würde, nein, damit hatte er nicht gerechnet.

„Ja. Eine Idee, wo er steckt? Auf der Tanzfläche war er nicht“, erwiderte Yunho noch immer leicht fassungslos, den Blick nicht vom Strand lösen könnend.

„Dann schau jetzt nochmal nach. Jungkook wird ihn da sicher bereits hin gezerrt haben oder die stehen noch in der Küche und diskutieren über die bekloppte Getränkeauswahl und bedanken sich innerlich bei mir, dass ich sie zum Vorglühen gezwungen habe“, erklärte Jin grinsend, nickte dabei Richtung Wohnzimmer und entlockte Yunho ein helles Lachen. „Wir sehen uns später“, verabschiedete er sich, hauchte Jin noch einen Kuss auf die Wange und verschwand im Getümmel.

Als Jin wieder zum Strand blickte, hatte sich das Bild verändert. Alessandro hatte ihm den Rücken zugekehrt, unterhielt sich mit seinen Jüngern, Taehyung war auf den ersten Blick nicht zu sehen. Suchend flog Jins Blick umher, doch erst ein Ziehen an der Dose in seiner Hand ließ ihn fündig werden. Er lockerte den Griff und überließ den Rest des Getränks dem Jüngeren, welcher etwas unzufrieden den Mund verzog, nachdem er feststellen musste, dass mehr als ein halber Schluck nicht übrig war.

„Dein Plan ist wohl nicht ganz aufgegangen“, meinte Taehyung spitz und gab Jin die nun leere Dose zurück. Dieser nahm sie entgegen, schüttelte aber leicht den Kopf. „Glaubst du wirklich?“

„Er hat mich nicht von der Party geschmissen. Das ist doch der Grund, warum du mir auf den Fersen warst und hier nun so sensationsgeil rumstehst“, giftete Taehyung selbstzufrieden und lehnte sich ebenfalls gegen den Pfeiler, stand dabei mit dem Gesicht zu Jin und so trennte sie nicht mehr viel, was zuließ, dass sie sich so leise unterhalten konnten, dass die Umstehenden ihr Gespräch nicht mitbekamen.

„Dass er das nicht schafft, war mir bewusst, dass du eine gute Show liefern würdest, aber auch. Und ich liebe gute Shows“, raunte Jin ihm entgegen, strich ihm mit der freien Hand über die Wange und lehnte sich noch etwas vor „Besonders, wenn du mitspielst.“

Taehyung schnaubte nur abfällig, ließ seinen Blick kurz zum Wohnzimmer schwenken und richtete ihn dann wieder stechend auf Jin. „Und nebenbei flirtest du noch munter mit Hoseoks Date“, warf er ihm unverblümt und überraschend scharf vor. Huch, was war denn nun in den gefahren?

„Eifersüchtig?“, scherzte Jin, erhielt aber nur ein weiteres Schnauben und der Blick seines Gegenübers verfinsterte sich noch etwas mehr. Gottchen, was der ihm wohl gerade innerlich wieder unterstellte. War Taehyung eigentlich bewusst, dass er der Teufel der beiden war und nicht Jin? Der war der geile Bock! Was auch nicht viel schmeichelhafter war, den Älteren aber auf die richtige Fährte brachte.

„Er wollte nur Hallo sagen und fragen, wo Hobi ist. Ich habe ihm gesagt, was ich vermute und er ist abgezogen, also pack die Lanze wieder ein, du Ritter in weißer Rüstung“, raunte Jin Taehyung frech ins Gesicht und ließ sich kein bisschen von dessen brennenden Augen beeindrucken. Er war sich ziemlich sicher, dass nicht echte Wut, sondern blankes Kalkül dahinter stecken und das war im aktuellen Fall wirklich die bessere und unbeängstigerende Variante.

„Du lässt so einen heißen Fang so einfach entwischen?“, hakte Taehyung gleich mal nach und brachte Jin zum Lachen. Dieser sah ihn tadelnd an und tippte ihm mit dem Finger gegen die Nasenspitze, woraufhin Taehyung den Kopf wieder etwas zurückzog und sie sich besser in die Augen schauen konnten. „Wenn dieser heiße Fang mehr Interesse an meinem Kumpel hat, als an mir, schon. Hier gibt es mehr als genug Auswahl und Hoseok hat 'ne schwere Zeit hinter sich. Du Naseweis.“

„Vom Ritter zum Naseweis? Karriere rückwärts oder was wird das hier?“, grummelte Taehyung, als Jin einfach nicht auf ihn anspringen wollte. Der war ihm viel zu entspannt, dann brauchte er eben andere Wege, um seine Nerven zu strapazieren. Einfach nur so, weil er das breite Grinsen mal fünf Minuten abstellen wollte. Doch Jin ließ ihn nicht, zwinkerte ihm noch einmal frech zu und drehte sich dann um und ließ ihn stehen. Verdattert blieb Taehyung zurück und fragte sich, was in den Älteren gefahren war, sonst ließ der doch auch nie ein Wortgefecht aus und nun zeigte er keinerlei Ambitionen mit einzusteigen. War die Auswahl wirklich so gut oder hatte der Alkohol dem Älteren nicht gutgetan?

Darüber grübelnd folgte er Jin wieder ins Innere des Hauses und machte sich auf den Weg zur Küche. Jin war indes ins obere Stockwerk verschwunden, auch wenn hier nicht viel los war, einmal nachsehen, ob hier nicht noch eine Nummer vier und fünf rumliefen, konnte er ja immerhin. Schnell hatte er Erfolg und wurde am Ende des Flures charmant daran gehindert gleich wieder umzudrehen. Doch genauso schnell zeigte sich, dass der Charme nur eine dünne Schicht an der Oberfläche war und sich darunter eines der üblichen Biester versteckte. Ein heißes Biest, aber dennoch nicht ganz das, was Jin diesen Abend suchte. Es war nun mal seine Tradition zum Ende des Urlaubs hin sich etwas Nettes zu suchen, hübsch, sexy und unkompliziert. Wäre Hoseok ihm nicht zuvor gekommen, wäre es wohl mal wieder Yunho geworden, aber nun gut, der war schon weg, also musste er weiter suchen. Etwas belächelte er sich selbst für diese Tradition, aber er mochte es, die Zeit hier mit einer angenehmen Urlaubserinnerung ausklingen zu lassen und nicht mit dem Gedanken an die Biester, Diven und Egoisten, mit denen er den Rest des Sommers zu verbringen pflegten. Dafür machte er auch Abstriche im Bett, nur die Optik, die musste bitte immer noch stimmen.

Also begab er sich zurück in die Küche, sicherte sich eine weitere Dose Prosecco, fragte sich, ob in einer Stunde wohl noch etwas da sein würde, so gut geräumt wie die Auswahl bereits war und unterhielt sich munter mit weiteren Gästen. Von denen konnte nur leider keiner so recht sein Interesse erregen. Entweder zu eingebildet oder zu langweilig. Wo war die goldene Mitte geblieben? War das die letzten Jahre wirklich noch mehr gewesen oder waren seine Ansprüche gestiegen? Wohl leider letzteres, da er verdammt viele der Anwesenden kannte und diese nun, trotz anderer Erinnerungen, viel zu leicht in eine der Kategorien eingruppieren konnte.

Dennoch ließ er sich den Spaß nicht nehmen, tanzte, trank, schaute zwischendurch nach seinen Freunden und fragte bei Jungkook nach, wo Jimin und Yoongi abgeblieben waren. Der berichtete ihm grinsend, dass die schon abgezogen sein, waren wohl beide schon etwas zu erschöpft vom Tag. Was genau der Jüngere damit meinte, wollte er nicht verraten, dem Grinsen nach hätte Jin auf Sex getippt, aber er bezweifelte stark, dass Jungkook Andeutungen in diese Richtung tätigen würde und entschied sich für Federball am Strand. Im Sand war das aber auch auslaugend, kein Wunder, dass die beiden vorhin schon so unkonzentriert waren. Sicherlich hatte Jimin sich noch Yunho angesehen, ihn auf Herz und Nieren geprüft und hatte sich dann nachhause eskortieren lassen. Ein Gedanke, der Jin zum Lachen brachte und den er folglich mit Jungkook teilen musste, als der ihn misstrauisch beäugte.

Da Namjoon, heute ganz heiß aufs Tanzen, den Jüngeren anschließend wieder zurückforderte, wanderte Jin weiter, beschloss etwas frische Luft schnappen zu wollen und gesellte sich daher zu den Feiernden an dem Strand. Hier fand er schließlich auch Taehyung wieder, welchen er etwas aus den Augen verloren hatte. Der Jüngere war aber auch gut darin immer genau dann zu verschwinden, wenn Jin mal kurz nicht hinschaute. Allerdings hatte Jin auch nicht gezielt nach ihm gesucht oder versucht ihn im Blick zu behalten, aufgefallen war ihm Taehyungs permanentes Verschwinden dennoch und irgendwas sagte ihm, dass der das mit Absicht gemacht hatte.

Gerade war der Jüngere jedoch zu beschäftigt, um sich vor Jin zu verstecken, versuchte er doch den unwilligen Schönen vor sich zu betören und hatte sich damit eine wirklich harte Nuss ausgesucht. Jin kannte den Kerl, zwar nicht seinen Namen, aber das Gesicht von früheren Urlauben und er wusste, dass er nicht auf Typen wie Taehyung stand. Was wohl genau der Grund war, warum Taehyung ihn ausgesucht hatte, immer wieder eine neue Herausforderung. Die Kerle, die ihm nach einem Lächeln schon zu Füßen lagen, waren da einfach zu leicht.

Jins Blicke blieben jedoch nicht unbemerkt und schnell hatte er die Aufmerksamkeit von Taehyungs Auserwählten auf sich gezogen und mit einem Mal war da auch echtes Interesse in dessen Blick. Wie Jin schon erwartet hatte, ging er mit Taehyung nun auf einmal auch auf Tuchfühlung, was diesen zwar im ersten Moment freute, aber auch fast sofort misstrauisch machte. Jin besah sich das Bild noch einen Moment und überlegte, ob er die beiden lassen sollte und Taehyung seinem Schicksal übergab, doch ein fixer Gedanke ließ ihn grinsen. Eine Erinnerung flammte in ihm auf und schon lenkten ihn seine Schritte zu den beiden, ein verführerisches Lächeln auf den Lippen.

Der Kerl, der sich gerade noch alibimäßig an Taehyung heranmachte, bekam glänzende Augen, je näher Jin kam. Unterließ es dabei aber nicht, zu versuchen, cool und desinteressiert zu wirken und machte mit seinem kläglichen Versuch weiter, Jin vermeintlich eifersüchtig machen zu wollen. Nur leider war er dabei so dilettantisch, dass Jin sich wirklich zusammenreißen musste, ihn nicht schallend auszulachen. Wenn er wirklich kein Interesse vortäuschen wollte, sollte er die Bettelblicke besser lassen und das zufriedene Grinse gehörte dann auch nicht auf seine Lippen.

Kein Schritt trennte Jin mehr von den beiden, Taehyung hatte ihn noch nicht gesehen, versuchte das offensichtliche Desinteresse des anderen noch zu ignorieren und ihn mit allen Mitteln wieder für sich zu begeistern. Zarte Berührungen am Arm, ein leichtes Stolpern, welches ihn sich enger an sein Gegenüber pressen ließ, weiche Lippen, die ihm dabei wie zufällig über die Wange strichen. Jin entschied beim Näherkommen, dass der Kerl ein Trottel war. Da hatte er das beste Beispiel für Subtilität vor sich und benahm sich wie der Elefant im Porzellanladen.

Die Augen des jungen Mannes wurden Teller groß, als Jin sie erreichte, Taehyung aber nicht zur Seite schob und sich ihm widmete, sondern dem Jüngeren eine Hand an die Seite, die andere ans Kinn legte, seinen Kopf zur Seite drehte und etwas in den Nacken zog. „Mach einfach mit“, raunte er ihm flüchtig zu und küsste ihn auch schon. Aus den Augenwinkeln sah er, wie Taehyung sich erschrocken in das Hemd seines Gegenübers krallte, als er sich kurz verspannte, ehe er, nach einem Moment des Zögerns, tat, was Jin von ihm verlangt hatte und auf den heißen Kuss einging. Kurz, aber intensiv plünderte Jin die Lippen und den Mund des Jüngeren, ließ ihn erzittern, behielt dessen Tanzpartner dabei aber durchgehend im Blick und sah, wie dieser schwer schluckte.

Mit einem zufriedenen Brummen entließ er Taehyung wieder, behielt die eine Hand an seiner Seite und griff mit der anderen an ihm vorbei, legte sie an die Wange des anderen Mannes und betrachtete ihn neugierig. „Wenn hast du denn da schönes gefunden?“, fragte er an Taehyung gerichtet, auch wenn seine Augen wieder die des anderen fesselten. Wie erwartet schaltete Taehyung schnell, auch wenn er sich den ein oder anderen skeptischen Blick zu Jin nicht verkneifen konnte. Er spürte unter seinen Fingern, wie unruhig der Fremde wurde, wie er trocken schluckte und sein Blick fast ein wenig panisch immer wieder zu Taehyung schweifte, ehe er wieder an Jin hängen blieb.

„Choi. Ein wirklich guter Tänzer“, berichtete Taehyung schließlich und hatte offensichtlich beschlossen, sich auf Jins Spiel einzulassen. Die Stimme freundlich und ein wenig aufgeregt, dabei noch eine Hand auf Jins Rücken schiebend. Dass sie eventuell ein Paar sein könnten, war nun mehr als glaubhaft. Ein warnender Blick musste aber dennoch sein, Jin drückte ihn dafür nur etwas dichter an sich und ließ seine Hand weiter in Chois Nacken wandern. Diesen durchlief ein Zittern, als Jin ihn näher zog und sein Lächeln etwas verruchter werden ließ. „Schön dich kennenzulernen, Choi.“


********



„Macht Jin sich da gerade einen Dreier mit Taehyung klar?“, wand sich Jungkook leicht fassungslos an Namjoon, welcher bis eben gerade noch höchst zufrieden hinter ihm getanzt hatte und sich dabei an den Jüngeren schmiegen konnte. Was gleich doppelt vorteilhaft war, kuscheln und ein wenig hin und her wippen als Tanzen verkaufen zu können. Dass dieser nun beides mit einer Frage nach Jin auflöste, schmeckte Namjoon folglich kein bisschen.

„Wundert mich, dass er erst heute auf die Idee kommt. Ich hätte erwartet, dass er das schon viel früher versucht“, meinte Namjoon abweisend und versuchte Jungkook wieder umzudrehen, doch der wehrte sich erfolgreich. Nein, er hatte heute schon zwei seiner Freunde beim Sex beobachtet und auch wenn einem Teil seines Hirns klar war, dass die beiden es sicher nicht mitten auf einer Party treiben würde, war sein Fantasy schon zehn Schritte weiter, quasi bei der Zigarette danach und dafür war sein Alkoholpegel schon wieder viel zu niedrig. Ergo passierte das logische, sein Fluchtinstinkt setzte ein und als er beim Suchen nach dem Ausgang, auch noch Hoseok wild knutschen in der Ecke stehen sah, griff er nach Namjoons Hand und zerrte ihn hinter sich her zur Tür.

„Was ist denn mit dir los?“, schnaufte der überrumpelt und mit schweren Koordinationsproblemen seiner Füße kämpfend. In dem dichten Gedränge war es eh schon schwer voranzukommen, von Jungkook urplötzlich mitgerissen zu werden, machten es da einem Wunder gleich, dass Namjoon noch stand und nicht schon auf der Nase lag.

„Mir ist hier zu viel Sex in der Luft, ich brauch Abstand… und was zu trinken…“, murmelte Jungkook halblaut vor sich hin. Bei Namjoon kam nur Sex und was zu trinken an, doch leider ließ Jungkooks Tonfall auf keine allzu positive Kombination dieser beiden Worte schließen. Aber immerhin hatte Jungkook beschlossen, die Flucht nicht allein anzutreten, sondern sah Namjoon wohl als festen Teil seiner Planung und das tröstete diesen weit mehr, als noch ein paar Stündchen enges Tanzen es gekonnt hätten.

Ein wenig hatte Namjoon erwartet zur Lösung eines von Jungkooks Problemen in die Küche geschleift zu werden, aber wie sich zeigte hatte der Jüngere den richtigen Riecher und versuchte gar nicht erst dort noch etwas aufzutreiben. Es war Stunden nach Mitternacht, wer sich da nicht selbst etwas mitbrachte, saß auf dem trocknen, so handhabte Alessandro es nun mal. Eine Tatsache, von der Jungkook zwar bisher nichts wusste, hinter der er sich aber mit Freude verstecken würde, sollte sie ihm jemals jemand erzählen und ihn nach dem Grund fragen, warum er auf den Ausgang zuhielt und so schnell er konnte so viel Abstand hinter sich und die Party brachte, wie sein schwankender Gang erlaubte. Wer hatte den Boden eigentlich so uneben verlegt? Auf dem Hinweg war der doch noch hübsch ordentlich und gerade. Hier musste die Stadt dingend mal ran, oder seine Leber, um den sinnesverzerrenden Alkohol abzubauen…irgendwer musste auf jeden Fall irgendwas tun!

„Nun mach mal langsam, ich komm kaum mit. Vor wem sind wir denn auf der Flucht?“, japste Namjoon hinter ihm, noch immer mehr stolpernd als laufend, bei Jungkooks schnellem Schritt. Dank den Schlenkern, die der Jüngere unvorhersehbar einlegte, kam Namjoon einfach zu keinem klaren Takt für seine Schritte, was ihm das Laufen fast unmöglich machte.

„Vor übersprudelnden Hormonen…“, murmelte Jungkook vor sich hin und wurde langsamer, entließ auch Namjoons Handgelenk aus seinem Klammergriff und wartete kurz, bis dieser neben ihm war, ehe er gemäßigter weiterging. Erfreut stellte er fest, dass der Weg mit einem Mal auch wieder ebener wurde, Namjoon konnte sich darüber noch nicht freuen, der rieb sich noch das Handgelenk und musste erstaunt feststellen, wie viel Kraft der Jüngere in seinen Fingerchen hatte.

„Was hast du gesagt? Ich hab' dich leider nicht verstanden“, fragte Namjoon schließlich nach. Nur Wortfetzen waren bei ihm angekommen und aus denen wurde er nicht schlau, ein Blick in Jungkooks Gesicht sagte ihm aber, dass der sich sicher nicht wiederholen würde.

„Mir wurd's einfach ein bisschen zu viel“, meinte der auch schon ausweichend und sah ihm dabei mit einer leidenden Miene an, die Namjoon davon abhielt weiter zu bohren. Auch wenn er wirklich gerne gewusst hätte, wer Hormo war.

Kurz ließ Namjoon die Antwort sacken, schluckte seinen bissigen Kommentar alla, sonst bist du doch auch immer mittendrin, herunter und blickte kurz in den dunklen Himmel. Einzelne Sterne funkelten über ihnen, erhellten zusammen mit dem Mond die stille Nacht, in der nichts weiter als ihre Schritte zu hören waren. Einige Atemzüge lang genoss er die frische Luft in seinen Lungen, merkte erst jetzt wie stickig es im Haus gewesen war, obwohl die Türen durchgehend offen standen. Die Ruhe und die Kühle machten ihn etwas klarer im Kopf und förderten dennoch einen gewisse Benommenheit zutage, die sich wie eine dicke weiche Decke um seine Gedanken legte und alles ein wenig netter und leichter wirken ließ.

Den Blick wieder senkend schielte er zu Jungkook herüber, welcher angestrengt den Boden betrachtete und Mühe zu haben schien, ohne Schlenker geradeaus zu laufen. Ein Schmunzeln legte sich auf Namjoons Lippen. Er stupste Jungkook leicht gegen den Arm, winkelte dann seinen eigenen etwas an und deutet mit Blicken darauf. Kurz huschte Jungkooks Blick verwirrt über ihn hinweg, dann verstand er und ein dankbares Lächeln bildete sich auf seinen Lippen, ehe er sich unterhakte und sich wieder etwas entspannte. Hin und wieder merkte Namjoon ein leichtes Ziehen am Arm, wenn Jungkook aus dem Gleichgewicht geriet, musste gegenhalten und genoss das Gefühl, Jungkook auf diese Wiese ein klein wenig unterstützen zu können, so dafür zu sorgen, dass er sich wohler fühlte.
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