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Sonne, Strand und andere Probleme

von Pingulina
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin RM Suga V
03.03.2019
23.03.2022
72
335.065
41
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Dieses Kapitel
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19.08.2021 4.115
 
Die Sonne wars

15. Montag:


„Musst du uns so einen Schreck einjagen? Wo zum Teufel hast du gesteckt?“, schnauzte Jimin ihn auch prompt an, kaum dass er seine Umklammerung gelöst hatte und ihm wieder ins Gesicht sah. Blass sah er aus, mit sorgenvollen Augen, in denen Tränen glitzerten und dem harten Zug um den Mund etwas Schmerzhaftes gaben.

„Ich war mit Jin unterwegs…“, stammelte Taehyung verdattert. Gut, er hatte sich nicht abgemeldet, aber so einen Auftritt rechtfertigte das nun auch wieder nicht.

Ein hysterisches Schnauben verließ Jimins Lippen, ehe er erneut ansetzte. „Ohne was zu sagen? Und warum hast du dein Handy hier gelassen? Wir…“

„Nun atme mal tief durch und schau dir Tae an, der weiß gar nicht was du meinst“, mischte sich endlich Jungkook ein, bekam damit Jimins Aufmerksamkeit, samt bösem Blick und ein anklagender Finger wedelte dafür vor Taehyungs Nase herum.

„Aber… aber…“ Aus Hysterie wurde Verzweiflung und raubte ihm die Worte, während seine Hände zu zittern begannen. Als Einziger noch ruhig und entspannt stand Jungkook da, legte dem Älteren eine Hand auf die Schulter, griff mit der anderen nach Taehyungs Cola und hielt sie ihm vor die Nase.

„Trink einen Schluck und atme durch, dann kann Taehyung uns auch erzählen, warum er Ausflüge ohne sein Handy macht“, meinte er liebevoll und traf genau den richtigen Ton, um Jimin das tun zu lassen, was er wollte. Nickend griff dieser nach der Dose, nippte daran und drehte den Blick stumm zu dem Dritten im Bunde, dem nun erst auffiel, dass sein Handy echt nicht da war.

„Das war eine Überraschungsaktion von Jin. Wohl so überraschend, dass ich das Teil ganz vergessen habe. Liegt es oben?“, fragte er leicht verlegen nach und nestelte am Saum seines T-Shirts herum. Jungkook nickte und Jimin sah alles aber nicht zufrieden aus.

„Und was ist mit eurem Zimmer passiert? Die Matratze ist plitschnass!“, fauchte er leise und mit zu hoher Stimme. Sie stach Taehyung ins Herz als er die anhaltende Panik darin erkannte. Dabei wedelte er mit der Dose herum, sodass Jungkook sie ihm wieder abnahm und zurück auf den Tresen stellte.

„Gehörte mit zur Überraschung. Dusche im Bett“, meinte er ausweichend und grinste schief, schaffte es aber nicht Jimin damit aufzumuntern.

„Komm schon Jiminshi, es geht allen gut…“, setzte Jungkook mit sanfter Stimme an, schlang dabei die Arme locker um den Benannten, doch dieser fauchte bloß.

„Schwachsinn! Hobi geht es gar nicht gut und Tae war bis eben spurlos verschwunden! Wir denken du pennst noch und dann ist das Bett leer, nass und dein Handy noch da, du aber nicht zu finden! Was soll das?“ Nun flossen wirklich Tränen, die Jimin wohl nicht einmal bemerkte, sein Blick lag wütend auf Taehyung, doch seine Stimme sprach eine andere Sprach.

Die Lippen schuldbewusst zusammengepresst trat der Gerügte vor, wischte seinem Gegenüber die Tränen sanft von den Wangen und schlang ihm die Arme um die Schultern.

„Das wollte ich echt nicht. Wie gesagt, ich habe nicht gemerkt, dass mein Handy nicht da ist und hätte ich gewusst, dass ihr euch Sorgen macht, hätte ich mich irgendwie gemeldet.“ So treu wie möglich schaute er Jimin an, entlockte ihm ein Schniefen und ein unzufriedenes Grummeln.

„War wohl alles ein bisschen viel für dich, was? Erst der Kater, dann Hoseoks Zustand und auf der Suche nach dem Eimer noch zufällige festzustellen, dass Tae fehlt. Aber Tae ist wieder da und Hobi bekommen wir schon wieder hin“, bemühte sich Jungkook erneut ihn zu beschwichtigen und in Taehyung dämmerte es langsam, woher Jimins Zustand rührte. Eines war für ihn klar, zukünftig würde er sich mehr darum kümmern Jimin auf dem Laufenden zu halten, damit der sich keine Sorgen machen brauchte.

Ein hohes Summen schallte durch den Raum und verwirrt blickten sich Jungkook und Taehyung an.

„Das ist die Klingel vom Tor“, informierte sie Jimin, wollte sich losmachen, doch Jungkook schenkte Taehyung noch einen vielsagenden Blick und ließ die Arme sinken.

„Ich gehe und du knuddelst Taehyung, das ist besser.“

Leicht wehrte sich Jimin gegen die Anweisung, wollte sich aus Taehyungs Armen drücken und dem Jüngeren folgen, doch konnte nicht. Taehyung hielt ihn fest und schnell sah er ein, dass einer vollkommen ausreichte, um die Tür zu öffnen. Seufzend drehte er sich wieder zu Taehyung und bettete den Kopf auf seiner Schulter, die Arme locker um seine Hüfte geschlungen.

Hinter sich konnte er Stimmen hören und als er den Blick wieder hob, schloss Jungkook gerade die Tür und ein älterer Herr mit einem Koffer in der Hand nickte ihnen zur Begrüßung zu. „Der Kranke ist oben?“, fragte der Mann an Jungkook gerichtet, welcher zustimmend nickte und mit der Hand auf die Treppe deutete.

Der Arzt hatte gar nicht so lange gewartet, die Frage eher pro forma gestellt und er war bereits halb durch den Raum. Er kannte sich wohl aus, wenn er die erste Adresse war, die Jin anrief und was die vier Älteren immer so erzählt hatten war er sicher nicht das erste Mal hier. Jungkook warf den beiden Schmusenden noch einen Blick zu und folgte dem Arzt.

Noch einige Momente standen sie einfach so da, bis Taehyung beschloss, dass das nichts brachte. Er spürte, dass Jimin noch immer leichte zitterte und zweifelte etwas daran, dass das alles von der Sorge kam, so blass wie der Kleinere war. So löste er seine Arme vorsichtig, griff mit der einen Hand nach Jimins Fingern, mit der anderen nach seinem Getränk und bugsierte beides zum Sofa. Drückte Jimin auf die Poster und reichte ihm die Dose, während er den Fernseher anschaltete und sich neben ihn fallen ließ.

„Findest du es richtig jetzt fernzusehen?“, hauchte Jimin, den Blick zu den bunten Bildern gerichtet, die Dose in den Fingern drehend. Stumm sah Taehyung ihn an, legte eine Hand schließlich an den Boden der Dose, drückte ihn etwas nach oben und machte Jimin klar, dass er trinken und nicht spielen sollte. Folgsam tat dieser es, wanderte mit dem Blick aber zu seinem Nebenmann, in Erwartung einer Antwort.

„Wenn es etwas bringen würde, wenn wir es nicht tue, würde ich es sofort lassen. Aber gerade können wir nur abwarten und nichts tun außer uns ablenken“, erwiderte Taehyung bemüht ruhig und malte sich indes aus, wie schön es wäre, wenn sie Hoseok helfen könnten, indem sie den Fernseher einfach von der Veranda schmissen. Doch so leicht war das alles nicht und so sahen sie sich eben irgendeine Unterhaltungsshow an, in der die Menschen viel zu aufgesetzt fröhlich durch das Programm führten.

„Wiederholen die das schon wieder?“, kam es von der Seite als Yoongi sehen konnte was gerade lief. Ohne weitere Kommentare ließ er sich neben Jimin nieder. Fast flüchtig musterte er ihn, sagte aber nichts weiter, schob nur seinen Arm zwischen der Rückenlehne und dem Jüngeren hindurch, um ihm den Arm um die Taille zu legen.

„Du kennst die Sendung schon?“, ging Taehyung auf die Frage ein. Trotzt des Gesprächs der Show, war es erschreckend still im Raum und das vertrug er gerade gar nicht. Yoongi lachte auf, blitzte ihn, über Jimins Kopf hinweg, an und grinste wissend.

„Die wird jedes Jahr wiederholt. Ist 'ne Aufzeichnung von zweitausendzehn… glaube ich“, erklärte er nebenbei, ließ den Blick einmal zur Treppe schweifen, ehe er wieder zum Fernseher sah.

„Welches Team gewinnt?“, fragte Taehyung weiter als er endlich erkannte, dass die roten und grünen Bänder nicht Teil der schrecklichen Outfits waren, sondern Teamfarben.

„Keins. Im letzten Spiel bricht Streit aus und sie brechen ab.“ Fast ein wenig bedauernd klang Yoongis Stimme und ein weiterer Blick wanderte zu Taehyung, welcher ihn nur skeptisch anschaute.

„Warum sollten sie so eine Sendung immer wiederholen?“, hakte er nach. Das war immerhin total unüblich für diese Art von Shows, dass sich gestritten wurde, ging es doch immer um eitel Sonnenschein und wie lieb sich doch alle hatten. Das so etwas im Fernsehen aufgegriffen wurde, war zwar nichts Neues, aber in Satire-Sendungen und nicht im Originalformat. Yoongi indes zuckte aber nur mit den Schultern und nickte in Richtung Fernseher. Taehyung würde sich folglich die Show ansehen müssen, um es herauszufinden. Jimin hatte sich zwischenzeitlich gegen seinen Freund gelehnt, hielt mit der linken Hand aber Taehyungs Finger locke umschlossen und beteiligte sich nicht weiter an der Diskussion.

Leider ging die Show genau so schrecklich weiter, wie sie begonnen hatte, lenke sie kaum ab, dennoch schaltete niemand um. Alle konzentrierten sich mehr auf die Treppe und Geräusche aus dem oberen Stockwerk als auf alles andere. Nur hin und wieder zog Jimin die Aufmerksamkeit der anderen auf sich, wenn ihm ein leises Schniefen entfuhr und Yoongi ihn enger an sich drückte. Auch Taehyung war aufgerutscht, drückte seinen Oberschenkel gegen Jimins und strich ihm hin und wieder über den Unterarm, doch wirklich helfen wollte das alles nicht.

Als endlich Stimmen im oberen Stockwerk laut wurden, war der Fernseher schneller aus als Yoongi mitbekam und alle Blicke wanderten zur Treppe. Jimin hatte aufstehen wollen, doch hielt ihn sein Freund davon ab. Jungkook erschien in ihrem Blickfeld, schenkte ihnen einen irritierten Blick als er sich im Zentrum des Interesses wiederfand. Hinter ihm kam der Arzt die Stufen hinab, im kurzen Abstand von Jin gefolgt, der gerade noch telefonierte, allerdings auflegte als er die letzte Stufe erreicht hatte. Sofort verkrampfte sich Jimin, ein ängstliches Wimmern entfuhr ihm, welches die drei Neuankömmlinge allerdings nicht mitbekamen.

Es dauerte keine Minute, bis sich der Arzt verabschiedet hatte, dennoch fühlte es sich wie eine Ewigkeit an.

„Wen hast du angerufen?“ War es Yoongi, der sich zuerst zu Wort meldete und ihrer aller Sorgenfrage aussprach. Musste Hoseok doch ins Krankenhaus?

„Den Lieferdienst. Hier brauchen alle was zu essen und ich denke niemand hat den Kopf zum Kochen“, erklärte Jin recht ruhig, aber sichtlich geschafft und kam auf die drei zu. Unüblich für ihn schob er den Couchtisch etwas nach hinten und setzte sich anschließend auf diesen, um den dreien ins Gesicht schauen zu können. Jungkook indes stellte sich hinter das Sofa und stützte die Arme auf die Lehne, blickte Jin aber genauso neugierig an wie die anderen es taten.

„Also, die schlechte Nachricht ist, Hoseok hat einen Hitzschlag und Verbrennungen ersten und zweiten Grades auf dem Rücken, Armen und Beinen. Die gute Nachricht ist, nachdem er was zur Beruhigung und eine Flüssigkeitsinfusion bekommen hat, ging ihm schon wieder besser. Das Übergeben hat aufgehört und ihm ist nicht mehr schwindlig. Der Arzt hat ihm auch die betroffene Haut mit Brandsalbe behandelt, damit sind die Schmerzen erträglicher. Er soll heute noch was Essen und so viel trinken, wie er verträgt. Außerdem sollen wir die Nacht über bei ihm bleiben. Geht der Schwindel oder das Erbrechen wieder los, muss er ins Krankenhaus. Und zwar sofort! Ihr wisst, wie weit das weg ist“, berichtete Jin ruhig, blickte sie dabei im Wechsel an und blieb bei Jimin hängen.

„Der Arzt hat auch ein leichtes pflanzliche Beruhigungsmittel dagelassen, falls einer von uns was gegen den Schreck braucht“, fügte er noch an. Jimin reagierte nicht, während Yoongi nickte und seinem Nebenmann einen Kuss auf die Schläfe drückte.

„Darf ich zu Hobi?“, fiepte Taehyung fast schüchtern in die entstandene Stille hinein. Irritiert und doch belustigt sah Jin ihn einen Moment an, ehe er nickte.

„Ich komme mit“, beeile sich Jimin zu sagen und stemmte sich bereits hoch. Taehyung, kaum das Nicken Jins gesehen, war aufgesprungen, reichte ihm die Hand, welche sofort ergriffen wurde.

„Ich auch“, reite sich Jungkook ein und lief den beiden hinterher zur Treppe.

„Wirkt ja fast als sei Wandertag“, murmelte Yoongi kopfschüttelnd und blickte dann zu Jin. „Und wir warten aufs Essen oder willst du auch wieder hoch?“

„Lass mal. Leid ist nicht so meins. Es gibt schönere Anblicke“, scherzte Jin matt, blickte Yoongi dabei vielsagend an und beide waren sich einig. Ab dem Zeitpunkt, ab dem man nur noch warten konnte, wurde es unerträglich und das konnten beide nicht besonders gut ab, da ließen sie den drei Jüngeren gerne den Vortritt, die waren da besser drin.

Oben herrschte zwar reges Treiben aber auch unerwartete Zurückhaltung als die drei vor der geschlossenen Tür von Hoseoks Zimmer ankamen. Unsicher blickten sie sich an, dann ergriff Jungkook die Initiative, klopfte zügig und drückte die Türklinke nach unten, kaum dass sie hereingebeten wurden, schob Jimin dabei vor sich her ins Zimmer und suchte mit den Augen nach Namjoon. Wie erwartet saß dieser auf dem Sessel, den sie neben das Bett gezogen hatten, sprang aber artig auf als er die drei Jüngeren sah. Unnachgiebig zog der Jüngste Jimin zu dem Möbelstück und drückte ihn darauf nieder, während Taehyung die Tür schloss und erst einmal seinen Blick durchs Zimmer gleiten ließ.

Hoseok lag bäuchlings auf dem Bett, einige Kissen unter Kopf und Rumpf, damit er zwar etwas erhöht lag aber auch bequem. Die Hände lagen neben seinem Kopf, ganz so als wolle er sie unter diesen schieben, doch tat er es nicht. Im Näherkommen sah Taehyung, dass die Hände das wohl einzige sichtbare Stück Haut des Älteren war, die nicht rot glänzte. Als Hoseok mit einem leichten ächzend den Kopf weiter zu ihm drehte, um zu sehen, wer da noch gekommen war beeilte er sich weiter in den Raum zu treten, um ihm die Tortur zu ersparen und setzte sich schließlich pragmatisch vor Jimins Füße und damit genau in sein Blickfeld.

„Rot ist das neue braun?“, war das Erste, was ihm einfiel. Die Sorge macht ihn nervös. Was sagte man zu jemanden dem es offensichtlich schlecht ging? Er war nie gut darin gewesen zu trösten, ohne Witze zu reißen und zum Glück stieg Hoseok darauf ein, lachte leise und etwas atemlos und versuchte ihn aus seinen verhangenen Augen anzufunkeln.

„Genau und ich bin jetzt cool und ihr nicht“, bestätigte Hoseok und erst jetzt fiel Taehyung auf, dass er auch im Gesicht knallrot war, zumindest die eine Seite.

„Das mit dem cool würde ich bezweifeln“, kam es grinsend von Namjoon, welcher seinen Blick vielsagend über Hoseok gleiten ließ. Dieser streckte ihm die Zunge heraus und suchte mit den Augen nach Jungkook, schenkte ihm einen Bettelblick. „Wärst du wieder so lieb?“

Sofort nickte dieser, griff nach etwas auf dem Tisch an Fenster und stellte sich Seitlich ans Bett. Als Jungkook begann mit einem großen weißen Handtuch Hoseok Luft zuzuwedeln seufzte dieser entspannt und sein Blick klärte sich etwas.

„Wie kommts, dass du heute beschlossen hast Krebs zu spielen? Mir hast du letztens noch gesagt, es sei dumm zu lange in der Sonne zu bleiben“, erkundigte sich Taehyung besorgt, strich ihm dabei vorsichtig über die Hand und lächelte Hoseok lieb an. Namjoon hinter ihnen entfuhr ein Schnauben, weiter sagen tat er jedoch nichts.

„Ich bin wohl doch dümmer als du… Bin eingeschlafen, das war nicht so clever…“, erklärte Hoseok betrübt und ließ nur noch mehr Fragen in Taehyung aufkommen. Eine Hand auf seiner Schulter hielt ihn davon ab sie zu stellen, schnell legte er den Kopf in den Nacken und fing Jimins Blick auf. Er verstand nicht alles was der Kleinere ihm sagen wollte, aber sehr wohl, dass er in diese Richtung nicht weiter fragen sollte.

„Und dein Gesicht? Ist die andere Seite auch verbrannt oder bist du bald zweifarbig?“ Damit änderte er die Richtung und brachte Jungkook und Namjoon zum Lachen und rang Hoseok ein resigniertes Seufzen ab.

„Drück mir die Daumen, dass sich die Haut im Gesicht einfach ganz schnell abpellt.“

„Laut dem Arzt hast du generell gute Chancen darauf, so schlimm wie die Verbrennungen sind“, kommentierte Namjoon und klang dabei wenig erheitert, eher ernst und leicht besorgt.

„Wären sie noch schlimmer tät es wenigstens nicht mehr weh!“, konterte Hoseok leicht gereizt und schenkte Namjoon einen tadelnden Blick. Jimin sog scharf die Luft ein und lehnte sich etwas vor, um Hoseok behutsam durchs Haar zu streichen. „Sag sowas nicht, es ist schon schlimm genug. Noch schlimmer und du wärst im Krankenhaus.“

„Wäre vielleicht besser. So ruiniere ich euch bloß den Urlaub.“ Hoseoks Stimme wirkte leicht verbittert, wärend er die Blicke seiner Freunde mied und auch Jimins Finger zu ignorieren versuchte. Der Kühle Wind und die Behandlung des Arztes ließen ihn aus seinem Hitzedelirium wieder auftauchen und in ihm kam der Wunsch auf, wieder dorthin zu verschwinden, wo die Nebel seine Gedanken verschluckten und ihm vieles davon nicht einmal mehr bewusst war.

„Schwachsinn! Erstens, das gehört zu einem richtigen Strandurlaub mit Freunden dazu. Taehyungs Auftritt war ja ganz niedlich aber nun wirklich ausbaufähig! Und zweitens, freu dich lieber hier zu sein, Jin bestellt tausendmal leckereres Essen als du im Krankenhaus bekommen würdest“, mischte sich nun auch Jungkook ein, fing kurz Hoseoks Blick auf und zauberte ihm ein betrübtes Lächeln auf die Lippen.

„Auch wahr. Jimin?“, wand er sich wieder an den Jüngeren, der ihm noch immer den Kopf kraulte. Sofort zogen sich die Finger erschrocken zurück und ein zustimmender Laut ertönte von dem Benannten.

„Magst du Tae auf stand bringen was los war? Wir brauchen hier keinen Eiertanz draus zu machen, aber darüber reden will ich auch nicht“ bat er schließlich und wand den Blick wieder ab. Unsicher tauschte Jimin einen Blick mit Namjoon, wollte von dem wissen, wie er auf die Bitte reagieren sollte und als dieser die Schultern zuckte und anschließend nickte, begann er zu erklären. Bedacht wählte er die Worte und versuchte es kurzzuhalten, dabei aber so genau wie möglich zu sein und behielt Hoseok genau im Blick, während er berichtete, wie sein Kumpel verarscht worden war.

Hatte es ihn vorhin noch vorwiegend wütend gemacht, war nun Trauer das vorherrschende Gefühl, welches all die heiße Wut schluckte und in Sorge, um den Älteren, verwandelte. Taehyung hörte es sich stumm an, sah dabei immer wieder zu Hoseok, welcher sich lieber die Bettdecke betrachtete und hin und wieder leise brummte. Ob als Zustimmung oder um gewisse Dinge nicht hören zu müssen war nicht ganz klar.

„Manchmal hasse ich es recht zu haben…“, brummte Taehyung als Jimin geendet hatte.

„Diese Worte aus deinem Mund. Ist heute schon Weihnachten?“, kam es lachend von der Tür. Jin, gefolgt von Yoongi, kam gut beladen in den Raum. Der Blick des Ältesten lag feixend auf Taehyung, welcher ihn giftig anfunkelte und dann wieder zu Hoseok sah. Dessen Mundwinkel zuckten leicht, doch die Traurigkeit wollte aus seinem Gesicht nicht so recht verschwinden.

„Hobi? Kannst du dich aufsetzen? Das ist beim Essen leichter“, wand Jin sich anschließend an den Kranken, während er darauf wartete, dass Namjoon den kleinen Tisch näher ans Bett heranschob und sie ihre Fracht darauf abladen konnten.

„Für Essen Schmerzen aushalten? Ich und mein Magen sind dagegen“, kam es kläglich vom Bett und brachte Jin zum Augenrollen.

„Du hast den Arzt gehört, du musst was essen. Und ich spreche aus Erfahrung, wenn ich dir sage, auf vollen Magen zu kotzen ist besser als auf leeren.“

„Bäh, Jin! Wir wollen hier gleich essen, mäßige dich gefälligst!“, schnauzte Taehyung den Ältesten direkt an und schaffe es damit endgültig Hoseok zum Lachen zu bringen. Dieser war dadurch beflügelt genug, um sich hochzustemmen und langsam hinzusetzen. Rückte dafür etwas umständlich an die Bettkante, um die Füße auf den Boden stellen zu können und nur auf der Kante zu hocken, damit seine geschundene Haut möglichst wenig Kontakt mit dem Stoff hatte.

„Die Salbe vom Arzt ist echt gut, ich hatte gedacht das tut mehr weh“, wunderte er sich ehrlich erleichtert als er endlich saß. Seine Freunde hatten mittlerweile die Tüten des Lieferdienstes ausgepackt und verteilten sich mit den Schalen und Boxen beladen vor und auf dem Bett. Bildeten dabei einem etwas kantigen Kreis, in dessen Mitte das meiste Essen zur Auswahl bereitgestellt wurde, nur Hoseok bekam eine bestimmte Schale in die Hand gedrückt und ein glückliches Lächeln zog sich über seine Lippen.

„Die ist, glaube ich, auch leicht betäubend“, erklärte Jin, noch mit verteilen beschäftigt und grinste Hoseok anschließend verschlagend an. „Dachtest du, du bekommst das schlechte Zeug?“

Um eine lockere Konversation bemüht aßen sie, machten Scherze, löcherten Taehyung und Jin nach ihrem Ausflug und ließen sich genau erklären, warum das Bett in Jungkooks und Taehyungs Zimmer noch immer nass war. Das zu berichten überließ der Jüngere Jin, der hatte es immerhin nass gemacht. Trotz der gelösten Atmosphäre behielten alle Hoseok gut im Auge, animierten ihn doch noch den ein oder anderen weiteren Bissen zu essen und vor allem viel zu trinken. Erst als dieser meinte, dass sein Magen nichts mehr vertrage, wenn er sich gleich wieder auf den Bauch lege, ließen sie ihn in Ruhe, auch wenn weiterhin prüfende Blicke in seine Richtung wanderten.

„Bezüglich der Nachtwache reichen Jimin und ich oder will von euch noch einer unbedingt hier bleiben?“, wollte Yoongi schließlich wissen als sich alle satt und zufrieden auf dem Boden lümmelten.  Hoseok hatte das Bett wieder für sich beansprucht.

„Sollte Jimin nicht auch lieber ins Bett? Er sieht nur unwesentlich besser als Hoseok aus“, warf Jin ein und blickte fragend zu Yoongi. Dem war das sicher nicht entgangen. Was sollte die Frage also?

„Versuchs. Ich freue mich, wenn du's schaffst. Drauf wetten würde ich aber nicht“, erwiderte Yoongi stumpf, woraufhin Jins Blick zu dem Jüngeren wanderte, welcher ihn aber nur neutral betrachtete. Soweit er wusste, war Jimin stets sehr besorgt um seine Freunde und kümmerte sich gerne um sie, aber war das noch gesund? So blass und unruhig wie Jimin wirkte, klang es nach keiner guten Idee, aber solange Yoongi dabei war, würde wohl schon alles gut gehen.

„Ich brauche keine Aufpasser!“, meldete sich Hoseok unzufrieden zu Wort und sah sie schmollend an.

Schnaubend zog Namjoon eine Augenbraue hoch und erwiderte seinen Blick. „Ach nein? Also war das eine freiwillige Aktion?“ Dabei machte er eine Geste, die seinen ganzen Rücken mit einschloss und der Liegende schob beleidigt die Unterlippe vor.

„Ist doch nur zur Vorsicht. Du hast uns allen einen gehörigen Schrecken eingejagt“, bemühte Jungkook sich zu beschwichtigen. Wirklich schaffen tat er es nicht und Jin wurde es zu bunt.

„Zwei Aufpasser sollten reichen, wenn es Probleme gibt, weckt einfach einen von uns. Der Optik nach erst Jungkook und Namjoon und wenn das nicht reicht, mich und Tae“, bestimmte er und ließ einen auffordernden Blick durch die Gruppe schweifen. Alle nickten, Hoseok brummte unzufrieden, doch der bekam kein Mitspracherecht.

So beendete sie den Abend. Jimin blieb bei Hoseok sitzen unterhielt sich locker mit ihm, während die anderen aufräumten und Yoongi ihr Bettzeug holen ging, damit sie es sich für die Nacht auf den Sesseln gemütlich machen konnten.

Namjoon und Jungkook waren so freundlich Müll und Reste in die Küche zu bringen und schickten die restlichen beiden ins Bett.

Leicht irritiert stellte Jin fest, dass Taehyung ihm müde hinterher tapste und sich damit Schritt für Schritt von seinem eigenen Bett entfernte.

„Dank dir ist meine Matratze noch nass, da schlaf ich heute ganz sicher nicht“, erwiderte er auf Jins skeptischen Blick, als der ihm, mit seinem breiten Kreuz, den Weg ins Zimmer versperrte.

Der Ältere wollte schon zu einer spitzen Bemerkung ansetzen, besann sich dann aber und beschloss, dass es so wohl besser war. Es hatte ihn bisher nie gestört, wenn Taehyung neben ihm geschlafen hatte und insgeheim freute er sich sogar jemanden zum Kuscheln zu haben.

Als es schließlich dunkel im Zimmer war, beide eingekuschelt im Bett lagen, drehte sich Taehyung zu seinem Nebenmann und sah in seine Richtung. Im Zwielicht konnte er lediglich Jins grobe Konturen erkennen, aber das war angenehmer als ins Dunkle zu sprechen.

„Hobi geht es wirklich gut?“, fragte er leise, selbst überrascht, wie ängstlich seine Stimme klang. Ein Gefühl, welches er sich die gesamte Zeit über nicht erlaubt hatte zu spüren, was aber seit ihrem Aufbruch am Hafen stetig präsent war.

Der Stoff neben ihm raschelte als Jin vorsichtig nach ihm tastete und ihn schließlich über den Kopf strich.

„Er wäre im Krankenhaus, wenn es nicht so wäre. Mach dir nicht so viele Gedanken und versuch zu schlafen“, brummte er müde. Der lange Tag hatte ihn geschlaucht und seit ihm der Arzt versichert hatte, dass Hoseok wieder auf dem Dampfer sei, wenn er es schaffte etwas zu essen und es bei sich zu behalten, entließ ihn auch langsam die Sorge aus ihren Fängen.

„Du meintest vorhin, sowas kann tödlich ausgehen“, machte Taehyung dennoch weiter. Wusste dabei nicht, ob es Vorwurf oder Frage war. Alles war überschattet von einer dumpfen Angst und er hoffte innerlich, dass es ein böser Scherz gewesen war.

„Kann es auch. Zu lange in zu großer Hitze zu sein ist nun mal gefährlich. Die anderen haben schnell reagiert und Hobi wird wieder“, murmelte Jin. Seine Hand wanderte weiter, erreichte Taehyungs Hinterkopf und bedeutete ihm, mit sanftem Druck, näher zu rücken. Schließlich ruhte Taehyungs Kopf auf seiner Brust und Jins Finger strichen ihm beruhigend über den Unterarm, bis er merkte, dass der Jünger eingeschlafen war. Erleichtert seufzend schloss auch er die Augen und nahm sich vor, die anderen keinen ganzen Tag mehr allein zu lassen, die stellten bloß Blödsinn an, wenn keiner auf sie aufpasste.
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