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Sonne, Strand und andere Probleme

von Pingulina
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin RM Suga V
03.03.2019
23.03.2022
72
335.065
41
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
05.08.2021 3.827
 
Imbisse und Klippen

15. Montag:


Wieder saßen sie im Auto, fuhren die leere Straße entlang und Jins Hoffnung erfüllte sich, Taehyung blieb ruhig, dachte dabei aber auch offensichtlich nach und der Ältere wusste nicht so recht, wie er das finden sollte. Der sicherste Weg, sich vor weiteren Fragen in diese Richtung zu schützen, wäre es, Taehyung für den Rest des Urlaubs kategorisch zu ignorieren. Was zwar schwer, aber nicht gänzlich unmöglich war, wenn man unter einem Dach wohnte. Immerhin waren sie nicht mal mehr eine Woche hier, er hatte sowas schon länger durchgezogen. Aber das würde leider auch bedeuten auf die liebgewonnenen Scharmützel mit Taehyung zu verzichten und da sah die Sache dann schon anders aus. Eine elende Zwickmühle und zu allem Überfluss beschwerte sich sein Magen seit einiger Zeit auch noch bei ihm und verlange nach Nahrung.

Mit einem erleichterten Seufzen stellte er den Wagen schließlich am Straßenrand ab und ergötzte sich an Taehyungs verwundertem Blick, als er sich scheinbar im Nichts befindend daran machte auszusteigen.

„Hast du mich heute nicht schon genug gepiesackt? Muss nun auch noch eine Horrorfilmszene, mit dir und mir mitten im Nirgendwo, folgen?“, quengelte der Jüngere unzufrieden, löste aber folgsam den Gurt als er sah, dass Jin bereits die Tür vorsichtig öffnete.

„Gehört alles mit zum Unterhaltungsprogramm. Also hör auf zu meckern und steig aus.“ Und schon war Jin aus dem Wagen verschwunden. Als Taehyung die Tür hinter sich schloss, stand der Ältere neben ihm, schloss das Auto ab, legte ihm einen Arm um die Taille und lotste ihn den Gehweg ein kleines Stück weiter, bis sie eine Abzweigung erreichten, die zwischen die hochgewachsenen Büsche führte. Zwar traute Taehyung es Jin nicht wirklich zu hier eine Horrorschau zu veranstalten, dennoch wurde ihm unwohl zu Mute und er atmete erleichtert auf als sich der Weg um eine Kurve wand und dahinter freie Fläche zum Vorschein kam.

Er sah den Himmel, ein Geländer und einen gepflasterten Platz, dahinter das Meer. Wie es schien, hielten sie auf einen Ort an der Steilküste gelegen zu und Taehyungs Hoffnung wuchs wieder, dass es doch was zum Essen und nicht was zum Gruseln geben würde. Als sie auf den Platz traten, war er erstmal enttäuscht. Außer einer kleinen Bude, vor der einige alte Plastiktische mit ebenso alten Gartenstühlen, die die Sonne längst ausgebleicht hatte, standen, gab es hier nichts. Den Ausblick ausgenommen. Die Bude sah wie ein Kiosk und Imbiss in einem aus und wirkte nicht so als wolle Taehyung dort wirklich essen. Er stemmte die Füße in den Boden, wollte nicht weitergehen als Jin ihn in die Richtung drückte und musste feststellen, dass Jin verdammt stark war, wenn er wollte.

„Nun zier dich nicht so und vertrau mir einfach. Das hier ist ein Geheimtipp und wird dir schon gefallen“, lachte Jin zufrieden mit seiner Reaktion. Den Jüngeren in ein stinknormales Restaurant zu bringen, in dem es durchschnittliches Essen gab wäre auch viel zu einfach gewesen. So gefiel ihm das Ganze schon besser und der maulige Ausdruck in Taehyungs Gesicht rundete den Tag aufs herrlichste ab.

„Der sollte vielleicht auch geheim bleiben…“, murmelte Taehyung vor sich hin, ließ sich dennoch von Jin auf einen der Stühle drücken und sah ihm skeptisch nach als der, munter grinsend, zu dem kleinen Bestellfenster des Häuschens ging. Der Ältere musste etwas warten und so sah sich Taehyung nochmals um. Prüfte, ob er etwas übersehen hatte und stellte unzufrieden fest, dass dem nicht so war. Dennoch musste er zugeben, dass der Ort etwas hatte. Obwohl die Straße nicht weit weg war, hörte und sah man sie nicht, fühlte sich fernab von allem. Der Ausblick war himmlisch und immer wieder wehte ein warmer Wind über ihn hinweg, vertrieb die Hitze der Sonne, ohne ihn frieren zu lassen.

Schritte neben ihm rissen seinen Blick vom Meer los und ließen ihn zu Jin wandern, der mit zwei Gläsern Cola neben ihm stand, in denen die Eiswürfel knackten.

„Wir müssen noch kurz warten“, erklärte er ruhig, stellte Taehyung eines der Gläser hin, ehe er sich zu ihm an den Tisch setzte.

Nachdenklich glitten Taehyungs Finger über das spröde Plastik des Tisches, fuhren eine Rille nach, die irgendein Gast wohl vor Jahren hier hinterlassen hatte. „Deine Geheimtipps hier sind alle überraschend ruhig und harmonisch. Wie kommts?“

Jin lachte auf, zwinkerte ihn zu und lehnte sich entspannt zurück. „Ruhe ist für ein romantisches Date eine gute Grundlage. Findest du nicht?“ Aufreizend zog er die Augenbraue hoch, wanderte mit dem Blick über Taehyung hinweg und dieser seufzte schwer. Hatte er wirklich mit einer ernst gemeinten Antwort gerechnet?

„Klar und die hattest du früher mit deinen Eltern sicher zuhauf“, erwiderte er leicht gefrustet und nippte vorsichtig an seiner Cola. Kühl und spritzig rann sie seine Kehle hinab und erfreut stellte er fest, dass es sich nicht um eine Sirup-Automaten-Variante handelte.

„Sie bevorzugen ruhige Orte für den Urlaub. Abgeschiedenheit. Immerhin leben sie in der Stadt, arbeiten in der Stadt und das mit vielen Menschen. Niemanden sehen oder hören zu müssen ist da purer Luxus und nach dem haben sie im Urlaub durchgehend gesucht“, erklärte Jin träge lächelnd. Taehyung verzog unzufrieden den Mund. Jins Stimme klang aufrichtig, aber irgendwie passten seine Worte nicht ganz zu dem Bild das Taehyung hatte.

„Aber deine Eltern haben doch Geld, das Strandhaus ist der beste Beweis. Warum also hier essen, wenn sie es auch entspannt am Privatstand tun können?“

„Weil die Atmosphäre hier eine andere ist und die Menschen echter. Kein Personal, sondern Einheimische, die hier leben und ihr Geld verdienen, die dir Geschichten erzählen und nicht nur was du hören willst“ Es war Zufall, dass der Besitzer der Bude gerade in diesem Moment am Ausgabefenster erschien und Jin zu sich rief, aber er zeigte Taehyung was der andere meinte. Das wettergegerbte Gesicht des Mannes zeigte einen Menschen, der hier am Meer sein Leben verbrachte. Die Falten um die Augen und den Mund wirkten einladend, versprachen spannende Geschichten und viel Heiterkeit. Wieder glitt sein Blick über den Platz und langsam verstand er was Jin meinte. Dieser Platz hatte eine Seele, weit mehr als das Strandhaus, so wohnlich es auch war, sie haben konnte. Er war gewachsen, wie die Büsche und die Steilküste und fühlte sich friedlich an.

Sein Blick wanderte zurück zu Jin und schnell stand er auf. Der Ältere war gerade dabei zu überlegen, wie er alles an ihren Tisch bekommen sollte, als Taehyung auch schon neben ihm auftauchte und sie sich die Teller teilten. Dennoch musste Jin nochmal los, eine weitere Schale und das Besteck holen.

Die reiche Auswahl an Meeresspezialitäten überforderte Taehyung und so ließ er sich geduldig alles von Jin erklären. Probierte anfangs mit Skepsis, die sich mit jedem Bissen legte. Die vielen Teller trogen, hatten sie doch den Anschein erweckt mehr als genug für drei zu sein. Aber als alles leer war, waren beide lediglich satt und zufrieden, keine Bauschmerzen, aber auch kein Hunger mehr. Während des Essens nutzte Taehyung die Zeit Jin etwas weiter auszuhorchen, ihm war klar, dass er bei ihrem letzten Thema gerade nicht weiter kam und so suchte er sich etwas Seichteres. Fragte nach Jins Plänen für die Zukunft und war überrascht als er wirklich durchdachte Antworten bekam. Zwar war der Weg über das BWL-Studium zum Nachfolger von Jins Vater simpel, dennoch hätte Taehyung nicht erwartet, dass der Ältere das so ernst nahm. Wirkte er doch immer als würde er sich über nichts als Sex ernsthaft Gedanken machen. Aber dem war nicht so, als er seine Planung für die nächsten Jahre erklärte wurde schnell deutlich, dass er alle Fächer gut überlegt hatte, alles darauf abgestimmt den Umfang der Unternehmungen seiner Familie gut abzudecken. Dagegen fühlte sich der Jüngere fast dumm als er auf die obligatorische Gegenfrage, was er denn plane, mit einem Schauspielstudium antwortete. Er konnte noch nicht einmal die Richtung benennen, in die er wollte. Hielt er sich doch auch noch die Möglichkeit offen in die Musik zu gehen und dieser Leidenschaft zu folgen. Doch wider Erwarten nahm Jin das nicht zum Anlass ihn aufzuziehen, nickte nur ruhig und nahm seine Worte ernst, was selbst Taehyungs Eltern selten taten bei diesem Thema.

Positiv überrascht, aber auch leicht verwirrt stand Taehyung schließlich auf, folgte damit Jin. Sie brachten das Geschirr zurück und verabschiedeten sich von dem Besitzer, der mittlerweile Pfeife rauschend vor dem Imbiss in der Nachmittagssonne saß und in der Zeitung blätterte.

„Geht es jetzt direkt zurück oder hast du noch mehr auf dem Programm?“, fragte Taehyung eher zum Spaß, er rechnete nicht damit, dass noch mehr kam, hatte er für heute doch eigentlich nur schlafen geplant gehabt. Doch Jin grinste schon wieder und zog ihn zum Geländer und weg vom Weg zurück zum Auto.

„Einen kleinen Verdauungsspaziergang. Was sagst du?“, erwiderte er frech, hielt aber weiter aufs Geländer zu, brachte Taehyung genervt zum Schnauben.

„Wenn du einen zweiten Zusammenbruch sehen willst, müssen wir zurück zum Turm, hier habe ich keine Angst“, informierte er den Älteren schnippisch. Mittlerweile waren sie bei der Absperrung angekommen, die Taehyung bis eine Hand breit über den Bauchnabel ging. Demonstrativ stützte er sich darauf und sah sich um. Zwar ergriff ihn ein leichter Schwindel, aber den kannte er schon, der machte ihm keine Angst mehr.

„Ich wollte dir eigentlich nur zeigen, wo es hingeht“, meinte Jin gelassen, doch ein leiser Hauch Enttäuschung schwang in seiner Stimme mit. Fragend sah Taehyung ihn an und blickte dann den Hang hinab. Dort verlief ein breiter Weg, an beiden Seiten gesäumt von Häuschen, die bisher nicht zu sehen gewesen waren. Wirklich voll war es dort unten nicht, aber einige Menschen waren unterwegs und machten Taehyung neugierig.

„Was ist das dort?“, wollt er wissen und stieß sich vom Geländer ab, Jin war bereits einige Schritte beiseite getreten und bedeutete ihm ihm zu folgen.

„Eine kleine Fischersiedlung. Davon gibt es hier einige. Ein bisschen weiter links von hier aus gibt es eine schmale Bucht, die sich ideal als Hafen eignet“, erklärte er, während er auf das Ende des Platzes, rechts von ihnen, zuhielt. Im Näherkommen erkannte Taehyung, dass dort eine Treppe hinab ging und das flaue Gefühl stieg wieder in ihm hoch. Ein abgesicherter Abgrund machte ihm kaum Probleme, mit sehr steilen, schmalen Treppen sah das aber schon wieder anders aus.

„Bis eben noch so mutig…“, feixte Jin vergnügt und ließ ihm den Vortritt. Mit langsamen Schritten ging Taehyung voran, hielt den Blick fest auf die unebenen Stufen gerichtet und musste schwer schlucken, ehe er antworten konnte.

„Ich habe weniger Probleme mit der Höhe, als damit irgendwo runterzufallen“, presste er gestresst hervor, blinzelte vorsichtig um sich und stellte erleichtert fest, dass er die Hälfte bereits geschafft hatte.

„Wer fällt schon gern in den Tod?“, sinnierte Jin, hielt sich aber ansonsten zurück und sprach den Jüngeren nicht wieder an, ehe sie unten waren. Dort hakte sich Taehyung bei ihm ein und schlenderte gemütlich mit ihm den Weg entlang zu den Häuschen, ließ sich dabei von Jin erklären, was das für Läden waren, an denen sie vorbei kamen und genoss das ruhige Treiben auf dem Weg.

Hinter einer Kurve eröffnete sich schließlich der von Jin beschriebene Haffen und eine weitere, diesmal größere Siedlung, zusammengequetscht auf dem schmalen Stück Land am Fuße der Steilküste. Hier waren die Häuser größer und die Wege breit genug für Autos und LKWs, die Menschen und Fische transportierten. Auf der anderen Seite der Bucht konnte man die Umrisse einer Straße erkennen, die hinauf führte und diesen kleinen Ort mit dem Rest der Welt verbannt.

Sie umrundeten einmal die Bucht und machten dann kehrt, da ihnen die Straße zu steil war. Zwar gab es nicht viel zu sehen, neben Wohnhäusern noch eine große Halle in der wohl Fisch gelagert und verarbeitet wurde und den Anleger der Schiffe, der mittlerweile gut gefüllt war, aber wirklich spannend war all das nicht. Dennoch genoss Taehyung das beschauliche Treiben hier, alle gingen ihrer Arbeit nach und beachteten sie nicht weiter, ließen sie stille Zeugen sein, etwas was er unheimlich gerne war. Nebenher plauderte er munter mit Jin und ließ den Blick wissbegierig schweifen.

Wieder zurück auf der anderen und auch wesentlich ruhigeren Seite ließen sie sich schließlich auf einer Bank nieder, ohne ihre Diskussion über Filme abreißen zu lassen. Taehyung hatte nicht vermutet, dass Jin sich in diesem Thema auskannte. Entsprechend überrascht war er als er feststellte, dass er und der Älteren einen ähnlichen Geschmack hatten und sich ganz wunderbar über die verschiedenen Titel streiten konnten. Es ging so weit, dass es Jin schließlich zu viel wurde und er einen Themenwechsel forderte, aber bereits eine Fortsetzung des Gazen in Aussicht stellte. Zufrieden nickend nahm Taehyung es an und grübelte darüber was er noch so wissen wollte. Immerhin war Jin gerade in Erzähllaune, das musste genutzt werden.

„Gut, wenn ich nicht mehr über Filme reden darf, wie wäre es dann mit Yoongi und Namjoon“, begann er grübelnd und hatte prompt Jins argwöhnischen Blick auf sich.

„Was soll mit den beiden sein?“

„Nichts. Ich habe mich nur gefragt, ob die was mit deiner aktuell auftretenden schlechten Laune zu tun haben. Immerhin behauptest du ja steif und fest, dass es dich nicht nervt, dass du wegen den beiden nicht bei Jimin und Jungkook laden kannst“, führte Taehyung munter weiter aus und ignorierte gekonnt den verkniffenen Ausdruck in Jins Gesicht.

„Wenn ich bei den beiden landen wollen würde und es schaffen würde, wären Yoongi und Namjoon kein Hindernis, sondern die armen Deppen, mit denen ich hinterher einen trinken gehe, weil sie verarscht wurden“, korrigierte er schnippisch, brachte Taehyung damit aber nur zum Lachen. Der merkte auch so, dass er auf der richtigen Fährte war, noch nicht ganz am Ziel, aber immerhin näherte er sich.

„Hast du es versucht?“

„Nicht solange ich keinen konkreten Verdacht habe“, zischte Jin ob dieser Unterstellung. Immerhin war er durchaus loyal, wenn er jemanden als Freund bezeichnete. Das bedeutete sowohl Finger weg vom Freund als auch diesen schonungslos auffliegen lassen, wenn er ein falsches Spiel spielte.

„Verdacht, dass sie untreu sind? Oder wohin gehend?“ Taehyung machte das Thema sichtlich Spaß, auch wenn er eigentlich wusste, was Jin meinte. Immerhin hatten die anderen schon reichlich Geschichten erzählt, wie Jin und Namjoon sich gegenseitig die Freunde ausgespannt hatten, um dem anderen zu zeigen, was für eine miese Ratte der war. Was leider immer gestimmt hatte und wohl mit dafür verantwortlich war, dass deren Ambitionen in Sachen Beziehung eher dürftig ausgeprägt waren.

„Generell veraschen. Untreue, Geld aus der Tasche ziehen, manipulieren aus welchem Grund auch immer. Sowas eben. Würdest du das bei deinen Freunden nicht machen?“, gab er herablassen zurück und Taehyung runzelte gespielt nachdenklich die Stirn.

„Ich würde dafür nicht mit denen ins Bett steigen, aber auffliegen lassen auf jeden Fall“, erwiderte er angriffslustig und Jin brauchte einen Moment, bis er das Glitzern in Taehyungs Augen verstand. Wie würde er reagieren, wenn einer seiner Freunde von Taehyung enttarnt werden würde? Zu ihnen hallten oder ihnen den Kopf abreißen? Hoffte er einfach, dass es nicht so weit kam…

„Aber ich schließe aus deinen Worten, dass deine unambitionierten Versuche der letzten Zeit auf ausreichend Desinteresse gestoßen sind, um dich erstmal zufriedenzustellen“, fasste Taehyung schließlich zusammen als Jin einfach nicht weitersprechen wollte.

Dieser zog eine Augenbraue skeptisch nach oben und ließ seinen Blick prüfend über den Jüngeren gleiten. „Zweifache Körbe wurden noch nie schöner beschrieben als von dir in diesem Moment.“

Fast ein wenig verlegen fächerte sich Taehyung Luft mit der Hand zu und blickte mit einem leichten „Hach“ in den Himmel, ehe sein Blick wieder stechend zu Jin wanderte. „Gut, das ist es nicht. Hat es mit Hobi zu tun? Willst du was von ihm und weißt nicht, wie du es den anderen verkaufen sollst?“

Der Anblick war mal wieder göttlich! Taehyung wollte eine ganze Fotowand voller Porträts auf denen Jin so hübsch entsetzt und entgeistert schaute. Dieser vergaß kurz zu atmen und schnappte anschließend empört nach Luft als Taehyungs Kichern ihn aus seinem Schock riss.

„Klar und mein neuester Weg der Verführung ist Wettkampf und Mobbing, hat bisher immer wahnsinnig gut funktioniert. Deshalb war ich auch so sauer über das Kondom auf der Lampe! Alles Eifersucht“, spottete er und versuchte Taehyung für den Schreck mit Blicken zu erdolchen. Was unterstelle der ihm bitte? Er mochte Hoseok, aber als Freund und keinesfalls als mehr! Er war weder sein Typ, noch hatte er Interesse daran mit einem seiner besten Freunde etwas anzufangen. Immerhin gingen seine Beziehungen regelmäßig schief und sein Kredo war daher seit einiger Zeit, nur etwas mit Menschen anzufangen, auf die er notfalls auch wieder verzichten konnte.

„Aber immerhin hat er verhütet, das muss man ihm anrechnen“, machte Taehyung bemüht ernst weiter, schaffte es aber nicht ganz sein Lachen zu unterdrücken. Eigentlich war ihm wenig nach Lachen zumute, er kam nicht weiter und das nervte ihn. Er spürte, dass er nicht weit von der Lösung entfernt war, hatte das Gefühl sie bereits zu kennen, doch sie wollte ihm einfach nicht einfallen.

„Es mag etwas verpeilt sein, die Dinger auf die Lampe zu schießen, aber so dämlich keines zu benutzen ist er sicher nicht“, wiegelte Jin ab. Er wollte noch etwas ergänzen aber sein Handy hielt ihn ab, klingelte munter und als er auf das Display schaute, stutzte er. Wenn Yoongi ihn anrief, stimmte etwas nicht und auch auf Taehyungs Stirn erschienen Falten als der ihm über die Schulter schaute.

Schnell nahm Jin den Anruf an, stellte auf Lautsprecher, da Taehyung eh einen Weg finden würde mitzuhören und hielt das Gerät vor sie beide.

„Was gibt’s?“

„Wo steckst du?“, kam es direkt zurück. Jin verzog missbilligend den Mund.

„Nicht mal ein Hallo? Ich bin enttäuscht.“

„Spar dir das, wir haben hier Probleme, die größer sind als dein Drang nach Aufmerksamkeit“, stöhnte Yoongi, klang dabei gehetzt und klapperte mit irgendwas herum.

Ein fragender Blick huschte von Taehyung zu Jin, welcher nur mit den Schultern zuckte.

„Das ist Höflichkeit und kein Aufmerksamkeitsdrang. Aber ich bin noch unterwegs, gut vierzig Minuten weg vom Haus. Was ist passiert?“ Yoongis Stimme machte ihn unruhig, wenn der sich seine Sorge anmerken ließ, gab es wirklich ein Problem.

„Hoseok ist in der Sonne eingepennt. Er ist heute Vormittag an den Strand und Jimin und Jungkook haben ihn vor einer knappen Stunde da wieder eingesammelt. Sein ganzer Rücken ist rot, ihm ist schwindlig und jetzt hat er auch noch angefangen in einer Tour zu kotzen“, berichtete Yoongi mit einem Mix aus Genervtheit und Sorge in der Stimme. Dazu kamen die Worte noch recht schnell, wirkten eingeübt und in Jin schrillten die Alarmglocken.

„Sicher, dass er den ganzen Tag in der Sonne war?“, hakte er nach und zog Taehyung von der Bank, mit schnellen Schritten machten sie sich auf den Rückweg.

„Ja, sagt zumindest sein Rücken. Der sieht echt übel aus.“

„Gut, ich mache mich auf den Weg. Versucht ihm was zu trinken einzuflößen und zu kühlen, nasser Lappen auf die Stirn oder so, Hauptsache nah am Kopf“, instruierte Jin ihn und verabschiedete sich schließlich. Kaum aufgelegt beschleunigte er seine Schritte.

„Warum so besorgt? Bei meinem Sonnenstich warst du auch gelassener“, erkundigte sich Taehyung neben ihm. Einfach nur, weil Jin ernst wirkte, versuchte er gar nicht erst Scherze zu machen oder ihn an einer allzu schnellen Heimkehr zu hindern. Etwas in dem Blick des Älteren ließ seinen Magen sich zusammenziehen. Wenn sowohl der immer gleichgültige Yoongi als auch der Lebemann Jin plötzlich Nerven zeigten war Vorsicht geboten, er verstand nur noch nicht ganz wieso.

„Es gibt einen großen Unterschied zwischen Sonnenstich und Hitzschlag. Zweiteres kann, im schlimmsten Fall, tödlich enden.“

Das war eine Antwort mit der Taehyung nicht gerechnet hatte und die ihn erstmal verstummen ließ. Darüber nachdenkend, ob er in dieser Situation irgendetwas Nützliches tun konnte, eilte er einfach nur neben Jin her und schnaufte erleichtert durch als sie wieder im Auto saßen. In Jin hatte es die ganze Zeit über gearbeitet und kaum waren sie losgefahren, rief er über die Freisprechanlage eine Nummer aus seinem Telefonbuch an. Zunächst wunderte sich der Jünger noch, bis sich der Angerufene als Arztpraxis vorstellte und Jin den Arzt zu sprechen wünschte. Das Gespräch war kurz, eine schnelle Schilderung der Situation und eine grobe Zeitangabe, wann der Doktor bei ihnen wäre, schon legte er wieder auf und der Wagen versank in Stille.


********



Das Haus lag ruhig da, wirkte so friedlich wie immer und beunruhigte Taehyung damit unangenehm. Innerlich hoffte er auf einen wirklich bösen Scherz seitens Yoongi. Schon allein Hoseoks armen Rücken zuliebe. Doch diese Hoffnung zerschlug sich in dem Moment als sie das Haus betraten.

Schon von der Tür aus konnten sie Yoongi in der Küche stehen sehen. Leicht ratlos sah er sich um, sein gehetzter Blick heftete sich an Jin, kaum dass dieser im Türrahmen erschien. Sofort eilte er um den Küchentresen herum auf den Älteren zu, stockte ganz kurz als er Taehyung hinter ihm ins Haus treten sah.

„Gut, du bist auch wieder aufgetaucht. Ein Problem weniger“, murmelte er halblaut zu dem Jüngeren, verwirrte diesen, doch ignorierte die irritierten Blicke geflissentlich. „Hobi geht’s nicht besser, ich würde sagen eher schlechter“, informierte er im nächsten Moment Jin und dieser nickte eilig.

„Tae, bleib du bitte hier und lass den Arzt rein, ich schau mal nach Hoseok“, bat er geschäftig auf dem Weg zur Treppe.

„Du hast schon den Arzt gerufen?“, wunderte sich Yoongi auf seinen Fersen, blickte noch einmal schnell zu Taehyung, welcher leicht verloren vor der Eingangstür stand und lief dann weiter.

„Auf dem Weg hier her. Klang übel was du gesagt hast.“ Und weg waren die beiden, die Treppe hinauf und außerhalb Taehyungs Sichtfeld. Noch immer nicht wissend was er tun sollte trat er einige Schritte weiter in den Raum, die unruhigen Finger ineinander verschränkt. Suchend glitt sein Blick durch die Gegend und blieb am Kühlschrank hängen. Etwas zu trinken wäre doch eine gute Idee, das gab auch seinen Fingern etwas anderes zu tun als sich die Haut von selbigen zu knibbeln. Am liebsten wäre er auch nach oben gegangen und hätte sich selbst ein Bild gemacht, aber Jin hatte recht, jemand musste hier bleibe und die Tür öffnen.

Zwar war es schön zu wissen nützlich zu sein, dennoch war Warten schwer und eine Welle aus Erleichterung durchströmte ihn als er am oberen Ende der Treppe Schritte hörte. Seine Dose Cola auf dem Tresen abstellend blickte er erwartungsvoll den Geräuschen entgegen und sah wie Jimin die Stufen hinab eilte, Jungkook in gemäßigterem Tempo hinter ihm.

Mit fast gehetzten Schritten hielt Jimin geradewegs auf ihn zu und zog ihn in eine feste Umarmung als er Taehyung erreichte, klammerte sich an ihn als sei er Jahre verschollen gewesen und murmelte leise etwas in sein Haar, was der Umarmte jedoch nicht verstand. Klar war nur, Jimin ging es gerade gar nicht gut. Zu gerne hätte Taehyung ihn auch umarmt, aber der Kleinere drückte ihm die Arme an den Körper und mehr als ein wenig unbeholfen mit den Händen wedeln konnte er so nicht.

Jungkook hatte mittlerweile zu ihnen aufgeschlossen, strich Jimin über den Rücken und warf Taehyung tadelnde Blicke zu. Dieser hing noch immer überfordert in der Umarmung und wusste nun noch weniger als vorher was los war.
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