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Sonne, Strand und andere Probleme

von Pingulina
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin RM Suga V
03.03.2019
23.03.2022
72
335.065
41
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Dieses Kapitel
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01.07.2021 4.131
 
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15. Montag:


Von wohliger Wärme umhüllt driftete Jungkook langsam aus dem Schlaf. Seine Hand glitt über den weichen Bezug des Kissens und ein zufriedenes Seufzen entfloh seinen Lippen. So entspannt war er seit einigen Tagen nicht mehr aufgewacht und er hatte es vermisst. Zufrieden brummend drehte er sich auf dem Rücken, reckte sich dabei und stieß gegen etwas Warmes. Sein Blick folgte seiner Hand und traf auf Namjoons Schulter, welcher bis eben hinter ihm gelegen hatte und noch immer friedlich schlief. Ein zufriedenes Lächeln legte sich auf seine Lippen bei diesem Anblick und eine feine Röte auf seinen Wangen folgte, als er merkte, dass der Ältere einen Arm um ihn gelegt hatte und dessen Hand nun gefährlich tief auf seinen Bauch gerutscht war.

Behutsam drehte er sich weiter, glitt mit den Fingern durch einige zerzausten Strähnen, die dem Älteren auf der Stirn lagen und die Erinnerungen an die Nacht kamen wieder hoch. Wie er Namjoon die Haare zerwühlte, ihn anflehte ihn zu küssen, ihn berühren wollte. Seltsamerweise war ihm das kaum unangenehm, eher fühlte er sich wohl bei der Erinnerung wie der Älter auf ihn reagiert hatte, ihm gab, was er brauchte und sich geben ließ, was Jungkook für ihn hatte.

Sein Blick glitt über das schlafende Gesicht, blieb an den noch leicht geschwollenen Lippen des Älteren hängen, die ein warmes Kribbeln auf seiner Haut auslösten. Er konnte nicht anders, streckte sich zu ihm und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen, strich ihm anschließend mit den Fingern über die Wangen und sah Namjoon zu, wie dessen Lider zu flattern begannen, während er erwachte.

„Morgen“, grummelte er mit rauer Stimme, ließ Jungkook erzittern, ehe dieser ihn anlächelte.

„Guten Morgen“, erwiderte er, bemerkte wie heiser seine Stimme klang und nun wurde er doch verlegen. Hatte er sie in der letzten Nacht doch so viel beansprucht? Er hatte es nicht mitbekommen. Seine Finger glitten in Namjoons Nacken, kraulten ihn als der Ältere die Augen wieder schloss, um weiterzuschlafen. Ein Brummen ertönte aus dem Kissen, in das Namjoon gerade noch die Nase gedrückt hatte.

„Muss ich wirklich schon aufstehen?“

„Wenn du mit mir frühstücken willst, schon“, kicherte Jungkook vergnügt. Er mochte das Brummen des Älteren und diese tiefe Stimme am Morgen, beides wirkte so warm und einladend, ließ ihn sich wohlfühlen.

Die Hand auf seinem Bauch wanderte höher, über seine Brust zu seiner Schulter, stützte sich schließlich daneben aufs Lacken. Noch ein Brummen als Namjoon sich leicht erhob, um sich über den Jüngeren zu schieben. Halb lag er warm und schwer auf ihm, stützte sich auf dem Unterarm ab, um Jungkook ins Gesicht zu sehen und blinzelte ihm verschlafen entgegen.

„Ich würde furchtbar gerne noch etwas mit dir kuscheln und schlafen“, erwiderte der Ältere schließlich, drückte ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen und einen zweiten auf die Wange. Glitt mit seinen Lippen dann weiter zu Jungkooks Hals und entlockte ihm ein zufriedenes Seufzen. Den Kopf leicht zur Seite geneigt machte er Namjoon mehr Platz und genoss die sanfte Liebkosung.

„Frühstücken und dann am Strand schmusen? Wie klingt das?“, versuchte Jungkook den Älteren aus dem Bett zu locken. Er wusste, was dieser hier im Halbschlaf versuchte und war nicht bereit sich darauf einzulassen. Die Sonne stand bereits viel zu hoch und er wollte bei so schönem Wetter nicht den ganzen Tag im Bett verbringen, auch wenn Namjoon verdammt gute Argumente zu haben schien. Seine Lippen machten einen exzellenten Job und die Finger, die über seine Haut geisterten, ebenso.

„Nach aufstehen…“, grummelte Namjoon gegen seine Haut, brachte Jungkook zum Lachen und stemmte sich wieder hoch. „Hunger?“

Der Gefragte nickte grinsend, wollte nicht so recht zugeben, dass es sein Magen gewesen war, der ihn weckte. Es reichte aus, damit Namjoon sich aufsetzte, die Decke damit von ihnen zog und nun wurde Jungkook doch befangen, als der Ältere nackt auf ihn saß und sich erstmal streckte. Dieser bekam davon nichts mit, rutschte vorsichtig von ihm herunter, schließlich aus dem Bett und streckte die Hand nach ihm aus.

Etwas unwillig war Jungkook schon, als er ins Bad gezogen wurde, immerhin hatten sie gestern erst geduscht, aber so klebrig wie sich seine Haut nach der Nacht anfühlte, führte wohl kein Weg daran vorbei. Dieses Mal beließen sie es aber wirklich bei einer schnellen Dusche, begnügten sich mit einer innigen Umarmung und zwei kleinen Küssen und standen schließlich, in Handtücher gehüllt, vorm Waschtisch. Wieder lieh sich Jungkook Kleidung von Namjoon und stockte beim Anziehen. Sein Blick war nur zufällig auf sein Spiegelbild gefallen, doch nun konnte er ihn gar nicht mehr abwenden.

Nackt ging er auf den großen Schrank mit der Spiegeltür zu und schnappte empört nach Luft.

„Namjoon!“, entkam es ihm gereizt und ein stechender Blick wanderte zu dem Benannten. Dessen Kopf ruckte erschrocken hoch, seine Miene wurde schuldbewusst als er Jungkooks Blick sah und wandelte sich in völlige Zufriedenheit als sein Blick an dessen Körper hinunterglitt.

„Was denn?“, fragte er bemüht unschuldig zurück. Sein breites Grinsen verriet ihn mehr als die aufgesetzte Stimme. Nein, er schämte sich nicht, nicht mal ein ganz kleines bisschen.

Fassungslos sah Jungkook erst ihn und dann sein Spiegelbild, besser seinen Intimbereich, an. Er hatte Namjoon gebeten ihm nur dort Knutschflecken zu verpassen, wo es keiner sah, er hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass der das so schamlos ausnutzen würde.

„Einen Edding zu nehmen und 'Eigentum vom Kim Namjoon' draufschreiben wäre einfacher gewesen“, meinte er sarkastisch und hörte wie Namjoon sich vom Bett erhob und zu ihm kam. Dicht hinter ihm blieb der Ältere stehen, besah sich sein Werk im Spiegel und lehnten sich zu Jungkooks Ohr. „Kannst ja mal die Punkte verbinden.“

Dafür kassierte er einen Hieb zwischen die Rippen und ein entrüstetes Schnauben. Jungkook ließ ihn kichernd dort stehen, während er sich fertig anzog. Unzufrieden stellte er fest, dass er von dieser Dreistigkeit nun wirklich nichts mehr sah. So peinlich es ihm auch gewesen wäre, dann hätte er Namjoon nun wenigstens eine Standpauke halten können, so allerdings waren ihm die Hände gebunden.

Vergnügt wie ein junger Welpe hüpfte Namjoon neben ihm schließlich die Treppe zur Küche hinunter, versuchte ihn immer wieder in ein Gespräch zu verwickeln und störte sich nicht weiter daran, dass er es nicht schaffte. Er ließ Jungkook machen, griff erst ein als dieser nach dem Frühstück zum Pool abschwenken wollte und zog ihn Richtung Strand. „Du hast versprochen, dass wir am Strand schmusen“, erinnerte er ihn lieb, blickte ihn dabei aus großen treuen Augen an und ließ Jungkook keine Wahl. Zwar war er noch immer eingeschnappt aber soweit sich deswegen den Tag zu ruinieren wollte er es doch nicht kommen lassen.

„Bist du sehr sauer?“, gluckste Namjoon ihm noch immer viel zu heiter zu als sie das untere Ende der Treppe erreicht hatten und ihre Füße im Sand versanken. Mit einem Grummeln antwortete Jungkook ihm, ehe er ihm auch den leicht beleidigten Blick zuwandte.

„Ja. Da hast du eine Stelle meines Körpers, die du verschandeln darfst und du nutzt es so aus.“ Er schaffte es nicht den Vorwurf ganz rüberzubringen, störte er sich doch schon gar nicht mehr so sehr an den ganzen Flecken, aber so leicht wollte er den Älteren auch nicht davonkommen lassen.

„Ich konnte einfach nicht anders, du hast mich so verrückt gemacht“, erwiderte Namjoon nun endlich nicht mehr grinsend und wenigstens etwas verlegen, rieb sich dabei den Nacken und sah Jungkook lieb an. Dieser blies die Luft aus. Das war eine schwache Ausrede, die käme besser, wenn sich der Älter nicht so fern vom Alkohol gehalten hätte. Aber gut, sei's drum. Er konnte nun mal vieles behaupten, aber sicher nicht, dass es ihm nicht gefallen hätte und er erinnerte sich nur zu gut wie er selbst darum gebettelt hatte, dass der Älter nicht aufhörte, auch wenn ihm da nicht klar war was genau dieser da gerade anstellte.

Namjoon sah, dass Jungkook ihm nicht ganz glaubte und hoffte dennoch damit durchzukommen, den vollen Grund wollte er ihm nicht nennen müssen, fühlte er sich doch mittlerweile ziemlich dumm deswegen. Seine Eifersucht nervte ihn ja selbst, aber er kam nicht von ihr los. Nicht so schnell jedenfalls und nicht bei seinen Erfahrungen.

Jungkooks Finger an seiner Hand taten gut, wie sie ihn den Strand hinunter zu einer der Liegewiesen zogen und ihn darauf schoben. Es machte ihn glücklich als Jungkook hinterher krabbelte und sich auf ihn kuschelte. Es war ihm in der Nacht gekommen, als Jungkook friedlich atmend neben ihm lag und ihn das schlechte Gewissen nicht schlafen ließ. Es ging nicht um die Knutschflecken oder zumindest nur minimal. Es ging um die kalte Wut als er hörte wie Jungkook zu Jimin sagte, dass er ihn lieb habe. Er hatte sich in diesem Moment herabgesetzt gefühlt. Herabgesetzt von seinem Thron, auf dem er sich glaubte, nachdem Jungkook zu ihm sagte, dass er ihn lieb habe. Für einen kurzen Zeitraum hatte er gedacht es geschafft zu haben, etwas ganz Besonderes für Jungkook zu sein, etwas zu sein was sonst niemand für ihn war. Nach dem Abend, an dem Jungkook so gelöst mit seinen Freunden umging zu merken, dass dem nicht so war, tat weh und er fühlte sich verarscht. Hatte wieder den Fehler begangen Jungkook mit seinen Erfahrungen gleichzusetzen, die ihn gelehrt hatten, dass, wenn er nicht mehr bewundert wurde, alles zu Ende war. Er war durch eine harte Schule gegangen und diese trichterte ihm ein, dass nichts echt und alles nur gespielt war, es hatte ihn abstumpfen lassen und ihm gezeigt, dass nichts Bestand hatte, Worte hohl und ohne jede Bedeutung waren.

Nun musste er umschulen. Musste akzeptieren, dass Jungkook seine Worte meinte, wie er sie sagte und zu ihnen stand. Mitten in der Nacht, müde und erschöpft und dennoch ruhelos, war ihm aufgegangen, dass er nicht herabgesetzt, sondern eine Stufe aufgestiegen war. Er dachte auf der gleichen Stufe wie Jimin zu stehen wäre seiner nicht würdig und hatte dabei verkannt was für ein Vertrauensbeweis es war. Jungkook ging sparsam mit seinen Worten um, besonders mit solchen mit denen er Zuneigung zeigte. Er war sich sicher, dass der Jünger nur seinem engsten Kreis sagte, dass er ihn lieb hatte. Seinen Eltern, Jimin, vielleicht noch Taehyung. In diesen Kreis hatte er es geschafft und das machte ihn hibbelig und glücklich. Am liebsten hätte er Jungkook in die Arme geschlossen und ihn an sich gedrückt und nie wieder losgelassen, aber er wollte ihn auch nicht zu sehr bedrängen. Entspannt lag der Jüngere auf ihm, blickte aufs Meer und strich ihm gedankenversunken über den Arm, schien nichts von seinen Gedanken zu bemerken und auch das beruhigte Namjoon. Er wollte Jungkook nicht verletzten mit seiner eigenen Unsicherheit und ihm ebenso wenig das Gefühl geben nicht vertrauenswürdig zu sein.

„Kommst du mit ins Wasser?“ Jungkook hob den Kopf, funkelte Namjoon verspielt an und dieser lachte etwas gequält auf.

„Nur, wenn du mich nicht mehr als dreimal die Minute unter Wasser drückst“, erwiderte er und setzte sich auf als Jungkook von ihm rutschte.

„Bitte? Als würde ich sowas machen!“, beschwerte der sich, zog sich dabei bereits das T-Shirt aus und rutschte von den Polstern. „Aber ja, kann ich machen“, ergänzte er noch leise, lächelte Namjoon zu und ging voraus zur Wasserkante. Lachend schälte auch Namjoon sich aus seinem Oberteil und lief dem Jüngeren nach.

Jungkook gewöhnte sich schnell an das kühle Wasser. Etwas zu schnell, wenn es nach Namjoon ging, der wurde bereits nassgespritzt als er erst bis zu den Knien hineingewatet war. Kurz zuckte er noch, kämpfte den Drang nieder zurückzuweichen und hechtete dann einfach auf Jungkook zu, tauchte unter und biss die Zähne zusammen als die Kälte ihm einen kleinen Schock versetzte. Der hielt aber nicht lange an, gab ihn schnell wieder frei und so war er dem Jüngeren gewachsen, konnte sich gut gegen ihn wehren. Tobend kamen sie immer weiter hinaus, bis sie nicht mehr stehen konnten und sich etwa s beruhigten. Irgendwann drehte sich Namjoon auf den Rücken, ließ sich etwas treiben und Jungkook begann Bahnen zu ziehen, machte sich einen Spaß daraus den Älteren immer wieder zu drehen, wenn er an ihm vorbeikam und dieser ließ ihn, beobachtete die kleinen flauschigen Wolken am sonst strahlend blauen Himmel und spielte mit den Fingern in den Wellen.

Irgendwann rüttelte Jungkook an seiner Schulter, brachte ihn dazu aufzublicken und sah wie der Jüngere auf den Strand deutete. „Ist das Hobi? Wo will der denn so eilig hin?“

Sie sahen sich verwirrt an, auch Namjoon konnte Jungkooks Frage nicht beantworten. Er war sich nicht mal sicher, dass die Person, die dort so eilig den Strand entlanglief, wirklich Hoseok war, doch Jungkook schien sich sicher. Er schwamm bereits wieder auf den Strand zu und Namjoon folgte ihm wenig später.

„Hoseok!“, rief Jungkook mit den Beinen noch im Wasser, wedelte mit den Armen und die Person drehte sich zu ihm um. Es war der Gerufenen, auch wenn er schon etwas weiter weg war, dieser winkte jedoch nur einmal kurz zum Gruß, drehte sich dann wieder ab und schien schneller zu werden.

„Was ist denn mit dem los?“, murmelte Jungkook verwundert, während er an den Strand watete.  

„Will wohl seine Ruhe haben“, überlegte Namjoon, konnte seine Sorge aber nicht verbergen. Dass ausgerechnet Hoseok Ruhe haben wollte, war seltsam. Sonst bevorzugte er Aktion und möglich viel Trubel um sich herum, um zu entspannen.

„Möglich…“ Jungkook griff nach Namjoons Hand, verschränkte ihre Finger miteinander, während sie gemütlich über den Sand liefen. Er hielt noch einige Momente den Blick in die Richtung, in der Hoseok immer kleiner wurde und drehte dann den Kopf zu seinem Nebenmann.

„Gehen wir kurz hoch, was trinken? Ich hab' irgendwie Salz im Mund.“ Lachend nickte der Ältere, zog Jungkook auf ihrem Weg an der Liegewiese vorbei, um ihre Kleidung einzusammeln, die er allerdings in der Hand behielt. Noch tropften sie beide zu sehr, aber die Sonne würde sich schon darum kümmern.

„Es müsste langsam Mittag sein, oder?“, fiel es Jungkook auf der Treppe auf, auch sein Blick wanderte kurz in den Himmel, von dem die Sonne fast gerade auf sie herunter schien und nur kurze Schatten warf.

„Früher Nachmittag würde ich schätzen“, bestätigte Namjoon und schmunzelte als sich Jungkooks Schritte etwas beschleunigten. Eine ausgelassene Mahlzeit ging nun auch wirklich nicht. Wäre er auch so versessen aus Essen, wenn er regelmäßig trainieren würde? Jungkook konnte es sich auf jeden Fall erlauben, trotz der Mengen, die er verdrückte, sah er zum Anbeten aus.

Als sie zum Pool kamen, tauschten sie einen verwunderten Blick. Er lag verweist da. „Wo sind denn alle? Noch am Pennen?“, murmelte der Jüngere verwundert, blickt sich suchend um, fand aber nichts was auch nur auf eine frühere Anwesenheit einer ihrer Freunde hindeutete. Namjoon zuckte mit den Schultern. Möglich war es, oder die lagen auf der Couch und sahen seine neue Lieblingskochsendung und konnten ihm dann später berichten, wie das denn nun mit den Nudeln ging.

Doch schon am oberen Ende der Verandatreppe wurden sie schlauer. Jimin saß, mit einem großen und bereits halb leeren Glas Wasser in der Hand, am Tisch und blickte über die Brüstung, drehte das Gesicht jedoch zu ihnen als er sie kommen sah.

„Guten Morgen ihr zwei“, begrüßte er sie recht leise, wirkte noch etwas blass um die Nase und brachte Namjoon zum Lachen.

„Das ist aber ein später Morgen“, erwiderte er, Jimin zuckte aber nur mit den Schultern und stellte das Glas vor sich ab. Sie gingen um den Tisch herum zu dem Kleineren, dort ließ Jungkook Namjoons Finger los, um Jimin zu drücken und ihm durchs Haar zu wuscheln. Beleidigt lachte dieser auf, strich sich durch die zerzausten Strähnen, regte sich aber nicht weiter auf. Namjoons Blick wanderte über den Tisch, neben Jimins Glas stand ein weiters, fast leeres und ein Krug mit Wasser und Zitronenscheiben. Da Jungkook noch mit dem Kleineren beschäftigt war, drehte er sich zur Tür, um weitere Gläser zu holen.

Drinnen traf er auf Yoongi, welcher in der Küche herumwerkelte und ihn skeptisch entgegenblickte als er auf ihn zu hielt. „Ich will nur Gläser holen. Eine Tätigkeit, die ich unfallfrei ausführen kann. Du bist einer meiner besten Zeugen.“ Wehrte er gleich jegliche Skepsis ab und entlockte Yoongi ein Schnauben.

„Bei dir kann man sich nie sicher sein, was du nun wieder kaputt machst“, erwiderte der Ältere, machte ihm aber brav Platz als Namjoon an ihm vorbei zum entsprechenden Schrank ging. Mit den beiden Gläsern in der Hand betrachtete er Yoongi, der schnippelte gerade Obst, aber auf den Herd standen noch einige Töpfe, die zeigten, dass hier vor nicht allzu langer Zeit gekocht worden war.

„Ist noch was übrig?“, fragte er mit einem Nicken zum Herd und Yoongi zog verwirrt die Augenbraue hoch. Sein Blick glitt über Namjoon, blieb an den beiden Gläsern hängen und huschte dann zur Veranda.

„Nimm den mit raus und gib ihn Jimin, dann bring ich die Reste mit“, seufzte Yoongi. Es war ja irgendwie süß, aber auch immer wieder anstrengend, wie oft die Jüngeren gefüttert werden mussten. Namjoon nickte sofort, griff nach dem gereichten Obststeller und ging zurück nach draußen.

Jungkook hatte sich mittlerweile neben Jimin gesetzt, welcher sich leicht steif zu ihm gedreht hatte. Da hatte wohl jemand noch einen kleinen Kater. Es juckte Namjoon in den Fingern, doch er beherrscht sich, stellte den Teller möglichst leise vor den Jüngeren und sah Jungkooks hungrigen Blick.

„Ein Gruß aus der Küche. Der Chefkoch kommt auch gleich“, informierte er Jimin und dieser nickte langsam.

„Nimm ruhig“, meinte Jimin dann zu Jungkook, schob ihm den Teller ein Stück entgegen. Dieser zögerte, seine Finger tippelten unruhig auf dem Tisch als er sich die Auswahl besah.

„Besser nicht, sonst bekomme ich noch ärger von deinem Schatz.“ Jungkooks Worte klangen traurig, sah das Obst doch wirklich lecker aus. Er konnte Jimins mangelnde Begeisterung nicht nachvollziehen.

„Gut erkannt Jungkook“, kam es von hinten, ein verschlagenes Lachen schwang in der Stimme mit. Leicht weiteten sich Jungkooks Augen als Yoongi auf seiner Höhe hielt, ihm einen Teller hinstellte und weiterging. Die Geste war eindeutig genug, dass er wusste, dass das für ihn war und schon lagen seine Finger an den Stäbchen, die in dem Haufen Reis steckten und er probierte vorsichtig was er da feines bekommen hatte.

Yoongi war indes bei seinem Stuhl angekommen, bedeute dem hibbeligen Namjoon sich zu setzen, ehe er sich selbst niederließ und den Obstteller wieder vor Jimin zog. „Das wird aufgegessen, nochmal lässt du nicht die Hälfte über“, informierte er seinen Freund, der seufzend das Glas abstellte und nach einem Stück Mandarine griff.

„So schlimm, dass du wieder nichts essen magst? Du weißt, dass es so nicht besser wird“, mischte sich Jungkook kauend ein, warf Jimin einen mahnenden Blick zu und dieser stöhnte genervt auf. „Wenn ihr mich alle einfach in Ruhe lassen und es in meinem Tempo geschehen lassen würdet, wäre das alles kein Problem.“ Es war ein leises Grummeln, etwas kläglich und Jimin liebäugelte dabei damit, den Teller beiseitezuschieben und den Kopf auf die Tischplatte zu legen, aber wehren musste er sich dennoch.

„Wenn dein Tempo nicht bedeuten würde, dass du heute fast gar nichts isst, wäre es in Ordnung.“ Trotz der strengen Worte glitt Yoongis Hand in Jimins Nacken, kraulte ihn zum Lohn, dass er nun zum Apfel griff und weiter aß.

„Also nicht wieder alles auf Ex und durcheinander“, grinste Jungkook, schob sich eine große Portion Reis in den Mund und kaute mit vollen Backen, brachte Jimin damit zum Lachen und vertrieb die trübe Stimmung aus seinen Augen.

„Hab' ich gestern eigentlich noch was angestellt, außer mein kleiner Abschuss? Die letzte Stunde ist etwas verschwommen“, wollte er schließlich wissen. Langsam kam die Farbe zurück in sein Gesicht, auch wenn Yoongi ihm noch immer Obst anreichte, da Jimin sich stetig versuchte aus der Affäre zu ziehen.

„Das mit Jin weißt du noch?“, grübelte Namjoon, wollte erstmal abtesten, wie weit Jimins Erinnerungen gingen.

„Das ich ihm die Tour versaut habe? Ja, das ist noch präsent.“ Wie teuflisch der Kleine doch lächeln konnte. Es war jedes Mal ein gruseliges Phänomen und jagte nicht nur Namjoon einige Schauer über den Rücken.

„Also bis zu den Kurzen an der Bar ist alles noch recht lückenlos, war danach noch was?“, konkretisierte er die Frage, nachdem er kurz nachgedacht hatte.

„Du hast noch eine Lobrede auf Jungkook gehalten, wie toll er doch sei und wie sehr du ihn vergötterst“, fügte Namjoon breit grinsend an und war etwas enttäuscht als Jimin nur nachdenklich nickte. Selbst Yoongi zeigte mehr Reaktionen als der Jüngere. Müsste dem das nicht eigentlich peinlich sein?

„Stört dich das nicht?“, hakte Namjoon daher nach und betrachtete Jimin fragend, welcher lediglich überrascht den Blick hob und ihn verwundert anschaute.

„Nö, warum? Es stimmt immerhin und wenn ich betrunken bin, darf ich Jungkook das auch sagen, ohne dass er mich haut.“ Damit brachte er den Benannten zum Husten und Yoongi zum Lachen, Namjoon fiel keine passende Reaktion ein und so schaute er Jimin einfach nur verwirrt an. So ganz ging dessen Plan nach diesem Kommentar nicht mehr auf, knuffte Jungkook ihn doch verlegen gegen den Arm.

„Wisst ihr was mit Hoseok ist? Der ist eben so schnell den Strand runter verschwunden“, versuchte Jungkook plump das Thema zu wechseln, dieses hier wurde ihm zu unangenehm.

Jimin wollte antworten, bekam aber gleich das nächste Stück Obst zwischen die sich öffnenden Lippen geschoben und strafte Yoongi mit einem bösen Blick, während er abbiss.

„Der hatte heute Morgen wohl eine unschöne Begegnung mit dem Freund seines Lover Boys“, erklärte er zusammenfassend. So ganz hatte er das aufgebrachte Gestammel des anderen nicht verstanden. Aber zwischen Schimpftiraden und der puren Verzweiflung war klar geworden, dass Hoseok wohl verarscht worden war.

„Das ist hart“, kommentierte Jungkook leise und blickte zu Jimin. Er wusste, dass sein Freund mehr dazu zu sagen hatte, das sah er in seinem Blick und hoffte nun doch, dass Yoongi ihm eine kurze Essenspause einlegen ließ.

„Hinterhältig, um genau zu sein! Der Kerl macht das wohl regelmäßig, meinte Hoseok. Der Freund von dem war wohl schwer geknickt, aber so eine gute und leider auch dumme Seele, dass er Hobi sogar noch hergefahren hat, damit er den weiten Weg nicht laufen muss.“ Seine Stimme wurde immer empörter und um Beruhigung bemüht stopfte er sich schnell das gereichte Stück Obst in den Mund, kaute grob, schluckte schnell und ließ den Blick zwischen Namjoon und Jungkook wandern.

„Hobi meinte, dass es wohl schon das dritte Jahr in Folge sei, dass der ihm fremd ging. Immer im Sommerurlaub. Er sei lediglich froh, dass es diesmal nur einer sei und der auch noch so nett. Irgendwie ist der Freund ja zum Knuddeln, aber ich wette um alles, dass Hobi nicht der Einzige war“, echauffierte sich Jimin weiter, stieß Yoongis Hand unwirsch zur Seite und griff nach seinem Glas. Nach einigen großen Schlucken fixierte er die anderen beiden wieder mit seinem Blick.

„Mahl ehrlich, wie dämlich muss man sein, dass zweimal mit sich machen zu lassen und auch beim dritten Mal noch so gutherzig zu sein, die Affäre nachhause zu fahren? Ich an Hobis Stelle wäre da nicht eingestiegen. Wer weiß schon was der geprellte Freund wirklich mit einem vorhat. Hier wieder sicher anzukommen ist da reines Glück!“

„Bist du gerade sauer über Hoseoks Leichtsinn oder darüber, dass ihm übel mitgespielt wurde?“, fragte Jungkook nach, lehnte sich dabei in seinem Stuhl zurück und schob den nun leeren Teller zufrieden von sich.

„Beides! Es ist unmöglich was der Kerl abgezogen hat. Aber egal wie verletzend das für Hoseok auch war, so leichtsinnig zu sein, also wirklich! Ein Glück, dass er heile hier angekommen ist!“

„Die Standpauke durfte Hoseok sich übrigens vorhin auch schon anhören. Mit einigen Tränen am Ende“, berichtete Yoongi lahm, erwiderte Jimins tadelnden Blick und hielt ihm das letzte Stück Apfel hin. Wütend schnappte dieser es ihm aus der Hand und biss schnaubend ein Stück ab.

„Kein Wunder, dass Hobi vorhin weitergelaufen ist als du ihn gerufen hast. Nach dem ganzen Drama am frühen Morgen braucht selbst er mal ruhe.“ Namjoons Hand glitt über Jungkooks Arm, blieb auf seiner Hand liegen und drücke sie sanft.

„Stimmt wohl. Wir sollten nachher mal nach ihm sehen, wenn er nicht wieder von selbst auftaucht“, grübelte er und blickte zum Meer hinaus. Von hier aus konnte man vom Strand nur einen schmalen Streifen sehen und so weit wie Hoseok gegangen war, war er sicher außer Sichtweite.
„Und Jin und Tae? Haben die sich schon blicken lassen?“

„Jins Auto ist weg, der ist also beschäftigt und ich tippe mal das Taehyung noch schläft, wenn er denn schon wieder hier ist“, meinte Yoongi schulterzuckend. Die beiden waren immerhin groß, nichts worum er sich Sorgen musste also. Sein Blick glitt lieber wieder zu seinem Freund und zufrieden stellte er fest, dass der schon wesentlich frischer aussah. Noch nicht ganz wie das blühende Leben, aber die Wangen waren wieder zart rosa und die Augen glänzten angriffslustig als Yoongi nach der einsamen Erdbeere auf dem sonst leeren Teller griff.
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