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Sonne, Strand und andere Probleme

von Pingulina
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin RM Suga V
03.03.2019
06.05.2021
44
198.123
27
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Dieses Kapitel
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22.04.2021 6.221
 
Geständnisse im Schlafzimmer

14. Sonntag:


Jungkook indes sah Namjoon nicht mal ins Gesicht eher gegen die Brust, bevor er den Kopf etwas zur Seite schob, um Taehyung ins Gesicht blicken zu können, der sich mit einem bemüht lieben Grinsen zu ihm gedreht hatte. „Du hattest deinen Spaß schon mit Jin, damit ist dein Kontingent fürs Leute nerven für heute aufgebraucht“, informierte der Jüngste seinen Freund. Dieser schenkte ihm einen unverständigen Blick und tat sehr überzeugend so als wisse er von rein gar nichts, aber Namjoon spürte, wie das Gewicht auf seinen Beinen geringer wurde als Taehyung sich hochstemmte. Er selbst war noch mit Jungkooks Worten beschäftigt, analysierte sie in Windeseile und als die zu gut klangen, den Tonfall gleich hinterher. Ruhig, gelassen und etwas resigniert erheitert hatte Jungkook geklungen, kein bisschen wütend oder enttäuscht. War das nun gut oder der endgültige Beleg dafür, dass Jungkook sich verdammt gut verstellen konnte?

Er würde es bald herausfinden, Taehyung war aufgestanden, grinste Jungkook zu, schenkte Namjoon noch ein kokettes Zwinkern und steuerte die Glastür zur Veranda an. Nun war er mit Jungkook allein und hatte Angst was kommen würde. Doch eine Standpauke? Ignoranz? Würde er so tun als sei nichts gewesen?

Nichts von allem geschah, Jungkook nahm schweigend Taehyungs Platz ein, ließ ihm aber nicht die Freiheiten, die sein Kumpel Namjoon eben noch eingeräumt hatte. Jungkooks Arme schlangen sich um Namjoons Schultern und schon schmiegte er sich gegen den Älteren, drückte das Gesicht in die Kuhle zwischen Hals und Schulter und seufzte erledigt. „Es ist gerade mal Mittag und mir ist es jetzt schon zu viel. Erst kommt Weckkommando Jin, dann der Zerstörungstrupp und nun auch noch Taehyung, in all seiner Aufdringlichkeit. Ich brauche doch Urlaub vom Urlaub.“

„Du bist nicht sauer wegen Tae?“, purzelte es Namjoon über die Lippen, ehe ihm einfiel, dass es vielleicht klüger wäre Jungkooks Aufmerksamkeit nicht gerade auf dieses Thema zu stoßen, den schien ja aktuell anderes umzutreiben.

„Dass er dich belagert? Gut finde ich es nicht, aber sauer sein wäre nun doch übertrieben. Oder hast du ihn darum gebeten?“ Die Frage zuckte wie ein Blitz durch Namjoon, so heiß, dass er den belustigten Unterton, der sie ganz klar als Scherz auswies, nicht mitbekam.

„Natürlich nicht! Warum sollte ich?“, entfuhr es ihm etwas zu heftig. Brachte Jungkook dazu sich wieder aufzurichten und ihm in die leicht panischen Augen zu blicken.

„Ganz ruhig. Ich kenne Tae und seine Art und so wie ihr eben dagesessen habt müsste ich schon blind sein, um da Intentionen von dir rein zu interpretieren“, erklärte Jungkook ruhig und ernst, konnte sich ein Grinsen aber nicht ganz verkneifen. Es war schon niedlich wie ängstlich Namjoon wurde, wenn er Gefahr lief Jungkook könnte eine Situation fatal falsch verstehen.

„Da waren wirklich keine Intentionen… ich wollte nur… das sah nur so aus… ähm… Ich mach's echt nicht besser, oder?“ Langsam fing sich Namjoon wieder, der Schreck entließ ihn aus seinen Fängen, sein Denken setzte wieder ein und eine Welle Scham flutete seinen Geist. Wie peinlich konnte man sich bitte benehmen? War das noch normal oder sollte er zum Arzt?

Zumindest Jungkook störte es nicht, der lächelte zufrieden und sah ihm in die Augen. „Nein, aber es ist lustig.“ Damit lehnte er sich vor und küsste Namjoon zärtlich, drückte sich dichter an ihn. Als sie den Kuss schließlich lösten, kuschelte sich Jungkook wieder in seine vorherige Position, wollte die Außenwelt für einige Momente ausblenden.

„Weißt du Namjoon, ich hab' dich lieb und du hast immer das Recht dich zu erklären, bevor ich mein endgültiges Urteil fälle“, murmelte Jungkook gegen seine Schulter und versetzte Namjoons Denken in einen erneuten Ausnahmezustand. Hatte er sich verhört? Bitte nicht! Oder besser doch? Klang ganz so als habe Jin recht und das war selten etwas Gutes. Oder? Moment, wo war er noch gleich?

Vollständig mit sich und dem Universum überfordert schlang er einfach nur die Arme fest um den Jüngeren, legte ihm eine Hand auf den Hinterkopf, damit er sich nicht zu früh wieder aufrichtete und versuchte seine Gesichtszüge unter Kontrolle zu bekommen. Er war sich sicher zu schauen, wie eine Kuh, wenn es donnert und auch wenn er Jungkooks Lachen mochte, gerade wollte er nicht der Grund dafür sein, noch einen Schlag hielt seine Gefühlswelt nicht aus.

Den Jüngeren schien es nicht weiter aufzufallen, der genoss einfach nur die Ruhe hier im leeren Wohnzimmer und die Nähe zu Namjoon. Das mit dem Urlaub vom Urlaub hatte er durchaus ernst gemeint. Seine Ambitionen zu den anderen Chaoten an den Pool zu gehen waren daher gering. Lieber noch etwas hier sitzen und kuscheln, danach stand ihm eher der Sinn.

„Worüber grübelst du nach? Ich höre deine Zähne knirschen“ brach Jungkook schließlich die eingekehrte Stille. Die tippelnden Finger auf seinem Rücken nervten langsam, hielten ihn vom Dösen ab und das schleifende Geräusch neben seinem Ohr machte es auch nicht besser. Konnte Namjoon sich bitte einen anderen Moment für seine Überlegungen suchen? Jungkook wollte hier immerhin ungestört schmusen.

„Sorry. I-ich frag mich nur wie Jin das da oben schaffen will“, log er fast fließend. Jungkook zu erklären, dass er gerade jedes einzelne Wort seines letzten Satzes auf die Goldwaage legte und darin herumdeutete, wie eine Wahrsagerin im Kaffeesatz, behielt er erstmal für sich. Er war noch zu aufgewühlt für das Thema, da kam er später drauf zu sprechen. Dann, wenn er es hoffentlich verdaut hatte und seinen Mut aus der hintersten Ecke herausgelockt hatte. Eine Aktion, mit der er sich nicht mehr als zu viel Zeit lassen sollte, der schien sich da langsam häuslich einzurichten. Seit wann war er eigentlich so feige geworden? Lag das an Jungkook?

„Wahrscheinlich gar nicht. Das ist schon heftig, was die anderen da veranstaltet haben“, erwiderte Jungkook auffallend unzufrieden. Behäbig richtete er sich auf Namjoons Schoß auf, rieb sich über die Augen und strich sich die Haare aus der Stirn.

„Sag nicht, du findest auch, dass das etwas viel war?“, wollte Namjoon unsicher wissen. Es lag ihm fern Jin zu verteidigen, der brauchte regelmäßig einen Schlag vor den Bug, sonst drehte er komplett durch, aber doch bitte nicht gleich mit dem Nagelbrett.

„Etwas ist gut. Ich finde es ist komplett drüber!“, entfuhr es Jungkook entgeistert. „Seinen Kleiderschrank auszuräumen und ihn damit zum Putzen des restlichen Hauses verdammen, okay. Aber das? Sein ganzes Bad hat geschwommen in sonst was und der Turm auf seinem Bett sah eher aus wie eine Skulptur.“

„Und du findest nicht, dass er das nach den ganzen Spielen und Intrigen mal verdient hat?“, hakte Namjoon mehr aus Spaß nach. Es war irgendwie putzig zu sehen, dass ausgerechnet Jungkook, der Jin nun so gar nicht leiden konnte, für diesen Partei ergriff.

„Dann müssten Hoseok, Yoongi und du mit putzen“, befand der Jüngere, verschränkte die Arme vor der Brust und blickte Namjoon streng an. Dieser fuhr mit den Fingerspitzen die Naht von Jungkooks Hose nach, bis er sie auf dessen Oberschenkel ablegte.

„Und außerdem hat er seit einigen Monaten Tae, der sorgt schon dafür, dass er regelmäßig eine verpasst bekommt“, fügte er noch an und seine erboste Haltung verlor etwas an Körperspannung.

„Sollen wir ein wenig helfen gehen? Zumindest um es auf ein Maß zu bringen, das er verdient hat?“, schlug Namjoon unsicher vor. Das war schon länger seine Intention, seit er es sich hier gemütlich gemacht hatte und dankbar dafür war, dass es nicht ihn getroffen hatte. Nur war ihm klar, dass Jin für Jungkook wohl ein Reizthema war, immerhin steckte der hinter Wetten und Spielen, die Jungkook immer wieder an den Rand des Nervenzusammenbruchs trieben.

Anstatt einer Antwort stand Jungkook auf und streckte die Hand nach ihm aus, zog ihn hoch als er danach griff und seufzte schwer. „Blöde Menschlichkeit… aber ja, lass uns helfen gehen.“

Überraschend schnell waren sie an der Tür von Jins Zimmer angekommen und Jungkook klopfte. Durch das Holz drang Jins Stimme nur gedämpft, wirkte aber deutlich gereizt als er antwortete. „Ich bin noch nicht fertig, haut ab!“

„Bist du angezogen?“, fragte Jungkook direkt zurück und grinste bei dem Anblick von Namjoons weit aufgerissenen Augen. Bitte was wollte der wissen? Oder besser, wobei genau wollte er helfen? Namjoon war bis eben von aufräumen ausgegangen.

Ähnliches musste sich wohl auch Jin gedacht haben, riss der doch in der nächsten Sekunde die Tür auf und starrte sie ungläubig an. „Was zum Teufel…“, stammelte er, als er die beiden vor sich sah, der eine überrascht, der andere frech grinsend.

„Gut, du bist angezogen. Dann sind wir gekommen, um dir zu helfen.“ Jungkook schenke ihm ein strahlendes Grinsen und amüsierte sich köstlich über den fassungslosen Blick des Älteren.

„Warum zum Kuckuck sollte ich hier nackt rumlaufen?“, keuchte Jin überfordert, tauschte einen Blick mit Namjoon, der aber auch nur hilflos mit den Schultern zucken konnte. Er verstand Jungkook gerade auch nicht. Lag vermutlich am fehlenden Urlaub, permanenter Stress sollte ja die seltsamsten Dinge mit Menschen anstellen.

„Ich wollte nur sichergehen. Einmal hat mir der Anblick gereicht“, erklärte Jungkook artig, zuckte dabei mit den Schultern und zack fing sich Jin einen bösen Blick. Der war nackt vor Jungkook rumgeturnt? Hatten sie das nicht schon geregelt, wer hier was bei dem Jüngsten durfte?

Jin brauchte den Blick gar nicht erst zu sehen, um die Gefahr zu bemerken, die roch er schon zehn Meter gegen den Wind und gefühlte Minuten bevor sie aufkam. „Wenn du ungefragt morgens in mein Zimmer platzt, musst du damit rechnen!“, verteidigte er sich schnell und hoffte seinen Kopf erfolgreich aus der Schlinge gezogen zu haben. Ein wütender Namjoon war nur lustig, wenn der auf wen anders wütend war.

„Da wir das geklärt haben zurück zum Punkt. Brauchst du Hilfe oder können wir gehen?“, bemühte Namjoon sich darum, das Gespräch wieder auf gesittetere Themen zu lenken. Das mit Jin würde Jungkook ihm nochmal erklären dürfen, aber bitte später, gerade schwirrte ihm noch zu viel im Kopf herum, den nackten Hintern seines Kumpels konnte er da nicht auch noch gebrauchen.

„Meint ihr das ernst?“, hakte Jin misstrauisch nach, lehnte sich dabei an den Türrahmen und gab den Blick auf das Chaos in dem Raum frei.

„Ist das ein Nein?“, erwiderte Namjoon heiter. Jin so zu sehen hatte was, seine Laune stieg mit jeder Sekunde.

„Beim Schlafzimmer schon, ins Bad setze ich keinen Fuß.“ Spaßbremse Jungkook blieb leider ernst, nickte zu dem Berg auf Jins Bett und dieser folgte seufzend mit dem Blick.

„Na wenn das so ist, kommt rein.“ Damit machte er den Weg frei, ging zurück zur offen stehenden Badezimmertür. Vom Zimmer aus konnte man sehen, dass sich schon einiges getan hatte und von der Tropfsteinhöhle hauptsächlich noch Schlieren auf allen Oberflächen übrig geblieben war.

„Wie kommts, dass ihr helfen wollt?“ Jin versuchte wirklich beiläufig zu klingen, schaffte es aber nicht den Argwohn aus seiner Stimme zu verbannen. Die leise Angst, dass die beiden nur noch mehr Unheil anrichten wollten, klopfte bei ihm an, auch wenn er Namjoon eigentlich besser kannte. Dieser hatte wenig dagegen, wenn er mal eins auf den Deckel bekam, aber nochmal nachtreten würde er nicht, selbst wenn er gerade wütend auf ihn war und dazu hatte er aktuell keinen Grund… hoffte Jin zumindest. So schnell wie sich die Dinge hier entwickelten, war er sich nicht sicher immer alles mitzubekommen, aber immerhin wirkte Jungkook ganz zufrieden und das war die letzten Wochen über ein sehr zuverlässiger Indikator für Namjoons Laune gewesen.

„Um Jungkook zu zitieren 'Blöde Menschlichkeit'. Man könnte auch sagen, dass wir der Meinung sind, dass der Streich etwas zu weit gegangen ist.“ Das 'Wir' ging runter wie Öl, gab Namjoon einen kleinen Vorgeschmack davon, wie es sein könnte, wenn er es hinbekam aus Jungkook und sich ein Wir zu basteln. Erst jetzt fiel ihm auf, dass hier gerade noch etwas Wichtiges passiert war, sie waren sich in ihren Werten einig, empfand im ähnlichen Maße Recht und Unrecht. Es mochte banal klingen, aber dennoch ließ es Namjoon etwas warm ums Herz werden. Wo sie wohl noch übereinstimmten und wo nicht. Er wollte es wissen, lieber jetzt als gleich, aber leider hieß es erstmal aufräumen und das statisch korrekt, wollte er nicht unter einem Gerümpelturm begraben werden.

„Aber gegönnt habt ihr es mir schon“, rief Jin lachend aus dem Bad.

„Einen zerlegten Kleiderschrank schon. Sodom und Gomorra nicht“, erklärte Jungkook konzentriert. Er war aufs Bett geklettert und versuchte gerade den Sessel vom Turm herunterzubekommen, ohne ihn umzuschmeißen. Wie Hoseok den da allein hochbekommen hatte war ihm ein echtes Rätsel. „Namjoon halt bitte mal gegen sonst gibts gleich 'ne Lawine“, kommandierte er den Älteren zu sich, welcher auch brav folgte.

„Uff… da haben wir uns ja was eingebrockt“, schnaubte der, nachdem er sich den Turm genauer angesehen hatte. Das würde dauern.


********



Es war Nachmittag als Jin endlich fertig mit putzen, schrubben und polieren war. Das Haus glänzte wie neu und sein Stolz kannte keine Grenzen. In seinem Übermut hatte er sich Hoseok geschnappt und ihm all die Ecken gezeigt, die er in der letzten Woche übersehen hatte. Dieser hatte mäßig interessiert zugehört und lieber immer wieder auf seinem Handy herumgetippt. Jin konnte nicht sagen was ihn daran so störte, wollte sich seine Sorge seinem Kumpel gegenüber nicht eingestehen und schob es daher auf dessen Unaufmerksamkeit. Das war aber auch unverschämt, er bemühte sich hier immerhin eine bessere… Reinigungsfachkraft? Oder doch Menschen? aus Hoseok zu machen… Wie dem auch sei, der ignorierte seine Versuche gekonnt, dieser Banause!

„Hast du schön gemacht. Was hältst du davon, wenn wir zur Belohnung nachher essen gehen? Grillbuffet mit anschließender Happy-Hour im Strandclub“, schlug Hoseok schließlich vor, würdigte Jin keines Blickes, tätschelte ihm aber immerhin etwas den Rücken.

„Ach, kellnert Lover Boy seit neuestem?“, schoss Jin direkt zurück. Seine Hochglanzoberflächen einfach so zu ignorieren hatte nun mal folgen.

„Wer kellnert wo?“, wollte auch direkt Jimin wissen, der gerade zur Tür hereinkam und sie frech angrinste. In beiden Händen leere Flaschen haltend ging er auf den Tresen zu, wage es aber nicht sie, nach Jins bösem Blick, auf der blitzblanken Oberfläche abzustellen. Landeten die eben in der Spüle, bis Jimin den Schrank geöffnet hatte, in dem die anderen leeren Flaschen auf Gesellschaft warteten. Jin indes genoss noch kurz den Anblick, er hatte heute noch viel zu wenig nackte Haut gesehen und Jimins Badehosen-Auftritt mit Sonnenbrille im Haar tat seinen müden Äuglein gut und machte ihn gleich wacher.

„Lover Boy, im Strandclub“, erklärte er schließlich grinsend, als er merkte, dass der niedliche Hintern auch ein Gesicht hatte, welches ihn fragend anschaute. Huch, da war ihm doch fast der Faden abhandengekommen, sowas aber auch.

Neben ihm knurrte Hoseok leise und löste endlich den Blick vom Display. „Er kellnert dort nicht! Ein Bekannter von hier hat mir nur Bescheid gegeben. Jin, du solltest noch wissen wie gut das Grillbuffet dort ist.“

Jimins Augenbraue wanderte interessiert nach oben und kaum schob Hoseok sein Handy auf dem Tresen in seine Richtung hing er auch schon darüber und ignorierte die bösen Blicke seitens Jin. Der sollte sich nicht aufregen, alle hatten bereits seine Putzleistung abgenickt und ihn vom Wienern befreit.

„Uh, das klingt gut und danach noch Cocktails, die anderen werden begeistert sein. Und Jin...“, er hob den Blick zu dem Benannten, welcher ihn noch leicht beleidigt anschaute. „Das heißt, nicht kochen und nicht die Küche schmutzig machen.“

„Jetzt verstehen wir uns, Herzchen“, erwiderte Jin verschlagen, lehnte sich dabei etwas zu Jimin vor und funkelte ihn wohlwollend an.

„Gut, während ihr noch flirtet, geh ich mal die anderen fragen.“ Damit schnappte Hoseok sich sein Handy und marschierte Richtung Freiheit aka der Verandatür.

„Ich glaub er mag dich nicht“, grübelte Jimin ihm nachblickend und wand sich dann zu Jin, der in die gleiche Richtung schaute.

„Das befürchte ich auch. Eine Idee was ich da machen kann?“

„Ihm weniger Geschichten von schmutzigen Ecken erzählen? Habe gehört das ist immer eine schwierige Sache in Beziehungen.“

„Aber man muss sich doch auch die Wahrheit sagen können, sonst hat die ganze Beziehung keinen Sinn.“ Ehrlich nachdenklich klang Jin, grinste dabei aber viel zu zufrieden und strafte seinen Ton Lüge.

„Ja, aber der Ton macht die Musik. Sei etwas einfühlsamer mit ihm“, erklärte Jimin, lächelte ihm verbindlich zu und schnappte sich die zwischenzeitlich herausgekramten Flaschen. „Kommst du mit an den Pool oder willst du dich noch etwas in der Arbeitsfläche spiegeln?“

Eine Frage über deren Antwort Jin länger nachdenken musste als ihm lieb war, die Arbeitsplatte sah aber auch toll aus nach seinem Einsatz. Doch Jimins schwingender Hintern hatte dann doch eine größere Anziehungskraft und lockte ihn nicht nur ins Freie, sondern bis runter an den Pool, an dem die andern sich munter unterhielten. Wie es schien, war Hoseoks Vorschlag auf große Zustimmung getroffen, immerhin schwärmte Namjoon gerade laut und ausschweifend von den herrlichen Grillkünsten der Küche im Strandclub. So war schnell klar, wie sie den Abend gestalten würden und auch, dass sie mit zu den ersten gehören wollten, die das Buffet stürmten.


********



„Kooookie…, bitte, bitte nicht wieder so ein olles T-Shirt!“, quengelte Taehyung verzweifelt, rollte sich dabei übers Bett und schlug sich theatralisch die Hände vors Gesicht. Jungkook schnaubte nur belustigt und sah nicht ein Taehyung weiter zu beachten, lieber zog er sich sein schlichtes weißes T-Shirt über den Kopf und strich es glatt.

„Komm schon, du hast doch so schöne Hemden, es muss ja nichts Ausgefallenes sein, aber etwas mehr ist doch drin. Namjoon würde sich auch freuen“, versuchte er es nun mit seiner neu zurechtgelegten Taktik, leider mit mäßigem Erfolg. Zwar zuckte Jungkook leicht zusammen, drehte sich aber dennoch recht zufrieden vorm Spiegel.

„Wenn ich ihm so nicht gefalle, kann er mir gestohlen bleiben.“ Das war zwar eine glatte Lüge, aber das musste er Taehyung ja nicht gerade auf die Nase binden.

„Könntest du bitte aufhören mit Logik zu kontern und dir stattdessen was anderes anziehen?“, startete Taehyung einen letzten verzweifelten Versuch, sah aber auch, dass Jungkook sich bereits in den Haaren herumfummelte und die Klamottenfrage für ihn damit wohl geklärt war.

„Damit ich schicker als Jin bin, ihm die Tour vermassele und mir dann sein Geheule anhören darf? Nein danke, ich bleibe so“, feixte Jungkook munter und sah nicht wie Taehyung mit einem Mal kerzengerade im Bett saß. Dem war siedend heiß eingefallen, dass Jungkook ja nicht sonderlich gut auf ein gewisses Spiel zu sprechen war und er selbst vorhatte heute erneut zu punkten und der Jüngere das sicher mitbekommen würde. Schöner Mist aber auch. Was nun? So tun als sei nichts und auf das Beste hoffen oder ehrlich sein und auf das Beste hoffen?

„Ähm Kookie?“, krächzte Taehyung etwas heiser, hatte damit aber sofort Jungkooks fragenden Blick auf ich. Sorge und Argwohn spiegelten sich in diesem.

„Hat es mit Jin zu tun? Das eben sollte nur ein Witz sein.“ Einfach mal ins Blaue vermuten und hoffen, dass Taehyung nicht mit den Infos der falschen Sorte um die Ecke kam, denn so wie der andere gerade aussah hatte Jungkook das starke Gefühl nicht wissen zu wollen, was dieser loswerden wollte.

„Im gewissen Sinne.“ Nein, das machte es nicht besser! Weder für Jungkook, der schaute noch etwas argwöhnischer und überlegte schon sich die Ohren zuzuhalten, noch für Taehyung, der hatte auf einmal einen dicken Kloß im Hals.

„Eventuell habe ich, in der Nacht als Hobi sich verplappert hat, Jin dazu gebracht, dass ich in das Spiel einsteigen kann“, fiepste er kleinlaut und seltsam leise, schaute dabei schuldbewusst zu Jungkook auf und fürchtete dessen Reaktion.

Dessen Augen wurden groß, während er sich ganz zu seinem Kumpel drehte und ihn leicht überfordert musterte. Warum zum Kuckuck wunderte ihn das nun so gar nicht? Nicht nur liebte Taehyung solche Spiele, noch mehr liebte er es Jin darin zu schlagen. War der Ältere doch während dieser vermaledeiten Wette geradezu aufgegangen und hatte Jungkook gezeigt, wie sehr er sich sonst immer zurücknahm, da Jimin und er keine Lust auf derlei Dinge hatten.

„Aber du liegst in Führung, oder? Alles andere ist inakzeptabel“, bestimmte er schließlich, verschränkte dabei die Arme vor der Brust und blickte Taehyung streng an. Dieser wusste zwar nicht was er erwartet hatte, aber das irgendwie nicht, auch wenn es ihn freute. Unsicher rutschte er auf dem Bett hin und her und traute dem Frieden nicht.

„Du bist nicht sauer?“, hakte er daher vorsichtig nach und behielt Jungkook im Blick. Der Jüngere war netterweise ein miserabler Lügner und sein Gesicht dabei die größte Petze.

Doch dieser blieb ruhig, lachte lediglich auf und schüttelte etwas den Kopf. „Warum sollte ich? Du baggerst nicht bei mir rum und machst keinen Hehl daraus, dass es dir nur um eine heiße Nacht geht. Das mag moralisch fraglich sein ist für mich aber kein Grund, um auf dich sauer zu sein.“ Ganz bewusst ließ er einen gewissen Namen dabei aus, die Erinnerung zwickte immer noch ganz fies im Magen. Es änderte aber nichts daran, dass es ihn nicht störte, tat es bei Jin und Hoseok ja auch nicht. Beide waren Single und erwachsen, sollten sie eben.

„Heißt das es ist okay, weil ich nicht bei dir bagger oder dass ich deshalb nicht bei dir baggern darf?“, purzelte es Taehyung über die ungestümen Lippen, ehe er die Worte aufhalten konnte. Sein kindischer Kopf wieder, er wollte ein ernstes Gespräch führen, spürte eine zunehmende Anspannung und der musste mit dummen Sprüchen dazwischen kommen. Schön, dass wenigstens Jungkook es lustig fand, Taehyung selbst verzweifelte lieber etwas an sich.

Mit wenigen Schritten war der Jüngere bei ihm, bückte sich zu ihm runter, legte ihm eine Hand vertrauensvoll auf die Schulter und sah ihn verheißungsvoll an. Wo hatte er das denn gelernt? Taehyung rieselten ja schon warme Schauer über den Rücken.

„Wenn du bei mir landen willst, erwarte ich, dass du damit aufhörst. Ansonsten erwarte ich, dass du gewinnst und Jin zum Heulen bringst!“ Damit zwinkerte er Taehyung nochmal zu, zauberte ihm eine leichte Röte auf die Wängchen und richtete sich wieder auf.

„Ehrlich gesagt überrascht es mich zwar, dass du jetzt dabei bist, aber wundern tut es mich nicht. Es klingt nach genau der Sorte Wettkampf in der du voll und ganz aufgehst“, grübelte er weiter, während er sich schon wieder zum Schrank drehte und sich nochmal prüfend im Spiegel betrachtete.

„Stimmt auffallend und ja ich liege in Führung, aber Jin ist gut, der holt immer wieder auf“, erklärte Taehyung hinter ihm, krabbelte dabei vom Bett und gab sich kämpferisch. Jungkook wunderte diese Aussage wenig, etwas anderes hatte er von ihrem Baggerkönig auch nicht erwartet.

„Sag Bescheid, wenn ich helfen kann… aber nicht, wenn schon Kleidung fehlt, da bin ich raus“, rettete er sich gerade noch so, hatte sehr wohl das Funkeln in Taehyungs Augen gesehen, auch wenn der hinter ihm stand, dem Spiegel sei Dank.

„Also stehst du nicht für Punkte zur Verfügung, sehr schade aber auch.“ Das Taehyung seinen Blick dabei fast etwas hungrig über seine Kehrseite wandern ließ entlockte Jungkook ein nervöses Lachen. Er wusste, dass Taehyung gerne solche Witze machte, sich aber nie ernsthaft versucht hatte auf diese Weise zu nähern, etwas unangenehm war es dennoch.

„Nein tut mir leid, damit kann ich leider nicht dienen“, bemühte er sich locker und etwas frech über die Lippen zu bringen und rang Taehyung ein Grinsen ab.

„Sehr schade“, kommentierte dieser garniert mit einem übertriebenen Seufzen. „Ich geh dann mal Jin etwas sabotieren, du hast mir ja immerhin einen klaren Auftrag erteilt.“ Damit hopste er auch schon motiviert in Richtung Tür.

„Fair Play ist also nicht so dein Ding?“, grinste Jungkook ihm nach. Gekonnt drehte sich Taehyung wieder zu ihm um und funkelte ihn verschwörerisch an.

„Nicht, wenn es um Mister Blitz und Blank geht.“ Und weg war er, im Eiltempo verschwunden und ließ Jungkook kopfschüttelnd zurück. Nicht dass er etwas dagegen hatte, wenn Taehyung sich Vorteile verschaffte, aber musste er dabei so verdammt gruselig sein?

Seufzend blieb Jungkook stehen, wartete noch einige Momente und öffnete schließlich den Schrank. Kurz überkam ihn der Wunsch die Tür abzuschließen, aber das war ihm dann doch zu albern. Taehyung würde sich von Jin nicht verscheuchen lassen und alle anderen waren anständig genug erzogen, um zu klopfen.

So holte er die große Papiertüte mit den neuen Sachen hervor, die Taehyung ungefragt für ihn ausgesucht hatte und sich weigerte sie zurückzugeben. Schon einmal war er sie durchgegangen und war an ihnen gescheitert, zu wenig entsprachen sie seinem Geschmack. Dennoch musste er zugeben, dass ihm die meisten Sachen verdammt gut standen und nach dem ganzen Drama der letzten Tage hatte ihn nun doch etwas das Bedürfnis gepackt Namjoon zu zeigen, um wen er sich hier bemühte und dass er sich gefälligst anstrengen sollte und sich glücklich schätzen konnte, bei Jungkook Chancen eingeräumt zu bekommen.

Akribisch ging er die einzelnen Oberteile durch, für eine der hautengen Hosen fehle ihm die Motivation, immerhin wollten sie auch essen gehen. Eines nach dem anderen hielt er vor sich, legte es aufs Bett und besah sich das nächste.

Schließlich war er sich sicher, so wurde das nichts! Wenn man ihn mit diesen Dingen allein ließ, endete er nur in seinem liebsten gammle Shirt und das wollte er nicht schon wieder bringen.

Kurzentschlossen verließ er das Zimmer und hatte bereits geklopft, bevor im richtig bewusst wurde, dass das nicht die beste Option war. Aber zu spät, Namjoon hatte die Tür bereits geöffnet und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. „Kookie, was gibt’s?“

„Ich brauch mal deine Hilfe. Hast du etwas Zeit?“, erwiderte er schnell, wollte sich nicht durch Nachdenken von seinem Entschluss abringen lassen. Namjoon nickte sofort und wollte ihm schon Platz machen, um hereinzukommen, doch Jungkook winkte ab, griff nach seiner Hand und zog ihn mit sich. Der Ältere schaltete schnell, schloss die Tür von außen und trabte artig hinter ihm her.

Zügig verfrachtete Jungkook den Älteren in sein Zimmer, schloss die Tür sorgfältig, während sein frisch gebackener Gast sich umsah. Kein Taehyung weit und breit, das war ein gutes Zeichen. Durch diese Erkenntnis entspannt drehte sich Namjoon zufrieden lächelnd zu dem Jüngeren und stutzte, der schaute recht nachdenklich aus der Wäsche und besah sich lieber Dinge auf dem Bett als Namjoon. Nach kurzer Musterung folgte Namjoon dem Blick, konnte mit dem munteren Durcheinander an Stoffen aber nicht viel anfangen und so wartete er stumm bis Jungkook sich erklärte.

Dieser seufzte schließlich tief und blickte ihm erschreckend ernst in die Augen. „Ich bin unfähig mich anzuziehen“, stellte er fest und Namjoons Augenbraue wanderte verwundert nach oben.

„Du siehst doch klasse aus. Wie kommst du da auf diesen Gedanken?“ Gut das war etwas geschwindelt. Jungkook sah aus wie immer, wie an einem normalen Schultag, aber dennoch gut, sehr gut sogar, wenn es nach Namjoon ging. Er zumindest mochte den Anblick.

„Sehr gut, dafür bekommst du ein Fleißsternchen und nun setz dich da rüber und hilf mir beim Entscheiden. Es gelten nur ehrliche Meinungen, geht oder geht nicht. Vielleicht will ich nicht hören! Soweit alles klar?“, kommandierte Jungkook noch immer ernst, machte nebenbei eine scheuchende Handbewegung zu dem Sessel beim Fenster und Namjoon tat einfach wie ihm geheißen. Als er saß nickte er Jungkook zu, als Zeichen die Regeln verstanden zu haben, auch wenn ihm noch nicht ganz klar war was nun passieren würde.

Jungkook machte nicht lange rum, drehte sich zum Bett zog sich im nächsten Moment das Shirt über den Kopf und griff blind in den Haufen vor sich, zog eines der Oberteile heraus und begann sich wieder anzuziehen. Namjoons Glück war es, dass Jungkook ihn gerade nicht anschaute, sein breites Grinsen hätte ihm sicher keine weiteren Pluspunkte eingebracht. Ein erstes Urteil hatte sich in ihm bereits gebildet: Shirt weg und hier geblieben! Leider nicht sehr alltagstauglich, besonders nicht bei einem hungrigen Jungkook.

Der Jüngere hatte sich mittlerweile fertig umgezogen und drehte sich mit leidender Miene zu Namjoon. Dieser musste sich ein Lachen verkneifen und bemühte sich um einen möglichst neutralen Ausdruck. „Das sind die Sachen die Tae ausgesucht hatte?“, fragte er nach dem Offensichtlichen. Das bauchfreie Shirt mit dem Riss quer über die Brust hatte sich Jungkook sicher nicht selbst ausgesucht. Auch wenn es ihm ausgezeichnet stand, er brauchte nur etwas selbstbewusster schauen und ihm würden die Menschen nur so zu Füßen liegen. Brachte das Teil doch sein Sixpack gut zur Geltung, auch die gestählte Brust blitzte vielversprechend hervor und schrie geradezu danach erkundet zu werden. Je länger Namjoon sich das Oberteil betrachtete, umso trockener wurde sein Mund.

„Ja. Was sagst du?“, kam es monoton von Jungkook, mit einem Unterton, der um ein Nein nur so zu betteln schien.

„Es steht dir ganz ausgezeichnet, aber da du dich offensichtlich nicht wohlfühlst, ein klares Nein.“

Verblüfft blickte Jungkook ihn an und sortierte seine Verwirrung erstmal intern, bevor er auch nur versuchte sie in Worte zu fassen. „Das verstehe ich nicht.“ War der Konsens aus seinen Überlegungen.

„Naja, optisch ist alles bestens, es betont deine Vorzüge, die Farbe steht dir. Aber so unwohl wie du dich darin fühlst, kommt das alles nicht rüber und damit ist es raus“, erklärte Namjoon gelassen, lächelte Jungkook dabei aufmunternd zu und verunsicherte ihn damit zusätzlich. Wollte er ihm damit sagen er solle sich zusammenzureißen oder dass es in Ordnung war sich unwohl zu fühlen?

Diese Frage brachte er jedoch nicht über die Lippen, nickte nur stumm und drehte sich wieder zum Bett, zog sich das Teil aus, warf es auf den Nein-Haufen und griff nach dem Nächsten. Super, weiße Spitze… Vielleicht sollte er sich einfach unter dem Haufen vergraben und sich dafür hassen überhaupt auf die Idee gekommen zu sein das hier auszuprobieren. Und was bitte hatte ihn geritten Namjoon zu fragen? Er hatte Jimin als besten Freund verdammt! Der hätte zwar gelacht, das Gesehene aber artig mit ins Grab genommen.

Während der Jüngere mit seinem Selbsthass kämpfte, genoss Namjoon den Anblick. Jungkook hatte aber auch einen schönen Rücken, der Sport zeigte seinen Effekt in vollendeter Perfektion wie der Beobachter befand. Er mochte das Spiel der Muskeln unter der Sanft gebräunten Haut schon länger und auch heute enttäuschte ihn der Anblick nicht.

„Und das?“ Dieses Mal bemühte Jungkook sich, nicht ganz so gequält zu schauen, eher neutral, aber der Zug um den Mund verriet ihn. Das Teil war im hellen Licht an manchen Stellen fast durchsichtig. Ein Umstand, den auch Namjoon bemerkte, welcher sich nun langsam doch etwas zu trinken wünschte. Wo war bloß ein kühles Bier, wenn man es brauchte?

„Ich würde sagen wie eben. Es sieht klasse aus, steht dir ausgezeichnet und gefällt dir gar nicht“, fasste Namjoon seinen Eindruck zusammen, behielt seine sonstigen Gedanken für sich. Etwas sagte ihm, dass er aktuell mehr Pluspunkte sammelte, wenn er Jungkook nicht sagte, dass er ihn wirklich gerne länger in dem weißen Hemd mit Spitzendetails sehen würde.

Erleichtert atmete Jungkook aus, drehte sich schnell um und kämpfte mit den Knöpfen. Fein und filigran, wie die Dinger waren, machte seine Eile es ihm schwer sie ordentlich zu öffnen, doch aufreißen wollte er das Hemd nicht, dann konnte er es nicht mehr zurückgeben. Dabei ging es ihm nicht um Jins Geld, er wollte das Teil nur sicher verwahrt hinter dicken Schaufensterscheiben wissen!

„Warum machst du das eigentlich, wenn du die Sachen so scheußlich findest?“, kam es von hinten und Jungkooks Schultern sanken etwas herab.

„Keine Ahnung… Irgendwie hat es mich genervt, dass ihr euch alle immer so schick macht und ich wie der Penner der Gruppe aussehe. Ich dachte ich versuch's mal, Taehyung hat immerhin einen guten Geschmack und sich beim Aussuchen Mühe gegeben, aber… naja…“ Er ließ den Rest offen, Namjoon wusste auch so was er meinte. Immerhin hatte dieser bereits richtig erkannt, dass Jungkook keinem der Kleidungsstücke etwas abgewinnen konnte und er hatte sie alle bereits einmal angehabt, sich darin vorm Spiegel begutachtet und gebetet, dass es nie einer herausfinden würde. Es war ihm ehrlich peinlich sich in sowas gezwängt zu haben, auch wenn einiges dabei war, was Taehyung so oder so ähnlich bereits getragen hatte und darin alles aber sicher nicht peinlich ausgesehen hatte. Musste wohl am Selbstvertrauen liegen, das lief Jungkook leider schreiend davon, wenn er den Tüten mit den neuen Klamotten auch nur zu nahe kam.

Das weiße Hemd mit zu viel Durchblick wanderte zu dem ersten Teil und wieder wanderte Jungkooks Hand in den Haufen, griff zu, faste zwei und ließ eins wieder fallen. Schön, er steigerte sich, von Spitze zu Seide, da hatte er die Nachtwäsche ja bald durch…

Dieses Exemplar hatte neben langen weitfallenden Ärmeln auch noch einen seltsamen Kragen. Genauer gesagt bestand der Kragen aus einem bereiten Band, das man vorne binden konnte. Der Schnitt wie der Print – braun mit orangenen Kreisen darauf in denen sich wiederum braune Kreise tummelten – erinnerte Jungkook unangenehm an die Siebziger.

Als er sich umdrehte spürte er wie der Stoff sich auf seiner Haut bewegte, was ihm einen Schauer über den Rücken jagte, dicht gefolgt von einem erschrockenen Zusammenzucken, als ein Pfiff ertönte. Schockiert blickte er zu Namjoon, welcher ihn wohlwollend betrachtete und sich schließlich erhob als Jungkook, unfähig zu jeglicher Reaktion, einfach stehenblieb und ihn anstarrte.

Mit wenigen Schritten war er bei dem Jüngeren, drehte ihn sanft um, damit dieser sich selbst betrachten konnte und stellte sich hinter ihn. „Elegant, ausgefallen und nicht zu schick, ich finde es perfekt für heute“, raunte Namjoon ihm ruhig ins Ohr, pflanzte Jungkook damit aber nur einen leichten Krampf in den Magen.

Bitte nicht! Er wollte nicht mit einem Oberteil, welches ihn an die Blusen auf den Jugendfotos seiner Mutter erinnerte, unter Leute müssen!

Namjoon hinter ihm schnaubte belustigt als er die blanke Panik in Jungkooks Augen sah. Er selbst fand das Hemd umwerfend, besonders an Jungkook, aber wieder blieb er dabei, wenn sich der Jüngere nicht wohlfühlte dann nicht, auch wenn sich der Stoff wirklich fantastisch anfühlte.

Vorsichtig schlang Namjoon die Arme von Hinten um den Jüngeren, hauchte ihm einen Kuss auf den Hals und riss ihn damit von seinem Spiegelbild los. Mit einem Bettelblick drehte der sich zu ihm, flehte ihn stumm an so nicht rausgehen zu müssen und zauberte Namjoon ein Schmunzeln auf die Lippen. „Langsam verstehe ich, warum du letztens in deinem Lieblingsshirt los wolltest. Das hier stresst dich wohl mehr als man vermuten könnte.“

Eine sanfte Röte schlich sich auf Jungkooks Wangen, welcher betreten den Blick abwandte, einen Finger unter den Kragen schob und diesen etwas vom Hals wegzog, um besser Luft zu bekommen. „Naja, das ist so gar nicht mein Stil und ich weiß einfach nicht, ob das noch modisch oder einfach nur noch lächerlich ist“, murmelte er vor sich hin, hoffte etwas Namjoon hätte ihn nicht gehört, doch dieser nickte verstehend.

„Was hältst du von einem Kompromiss?“

Sofort wurde Jungkook hellhörig. Klang so als käme er mit etwas weniger Schrecklichem davon, das hoffte er zumindest. Ein schnelles Nicken folgte auf Namjoons fragenden Blick und dessen Arme entließen ihn auch schon. Kurz flammte Widerwille in Jungkook auf. Musste er ihn dafür loslassen? Ein wenig Kuscheln konnten seine Nerven gerade gut gebrauchen!

Doch Namjoon machte auch noch einige Schritte von ihm weg und steuerte geradewegs auf den vermaledeiten Haufen aus Kleidung zu, dem Jungkook im Ganzen nichts abgewinnen konnte. Scheinbar zielstrebig sortierte er die Sachen und hielt Jungkook schließlich eines vor dir Nase.

„Versuch das mal, ansonsten ziehst du doch das T-Shirt von vorhin an“, erklärte Namjoon bemüht locker, wollte nicht verraten, dass er innerlich betete, dass Jungkook bei diesem Hemd bleiben würde. Er hatte gesehen, wie Taehyung es ausgesucht hatte und schon im Laden gedacht, dass es Jungkook hervorragend stehen würde. Es nun gleich Live zu sehen zu bekommen, machte ihn unerwartet nervös.

Skeptisch nickend griff Jungkook nach dem Hemd und ließ es gleich wieder aufs Bett fallen, um sich erneut auszuziehen. Ein Moment, in dem Namjoon lieber schnell wieder zu seinem Sessel ging, er brauchte den Abstand sonst war die Versuchung einfach viel zu groß.

Schnell war das eine Seidenmonster ausgezogen und Jungkook griff nach dem zweiten. Zumindest mochte er das Material und das Hemd war schwarz, ohne hervorstechende Details und damit das schlichteste was Taehyung herausgesucht hatte. Lediglich die Ärmel stachen leicht hervor, sah das Hemd doch aus als seien die einst langen Ärmel an der Schulternaht abgerissen worden. Einige lose Fäden unterstützten den Eindruck und bildeten einen harten Kontrast zu dem edlen Dessin des Hemdes. Diese Auffälligkeit verschaffte Jungkook nicht nur etwas mehr Frischluft, sondern setzte seine Arme auch gut in Szene.

Als er sich im Spiegel betrachtete fand er es gar nicht mehr so schrecklich wie beim letzten Mal. Ob das daran lag, das Namjoon es empfohlen hatte oder er nicht wieder alle andern vorher anhatte und mit den Nerven am Ende war, konnte er nicht sagen. Lediglich die Erkenntnis, dass er so sein Vorhaben, heute eines von Taehyungs Stücken anzuziehen, wohl doch noch umsetzen konnte geisterte durch seinen Kopf. Gut, der Schnitt war enger als sonst, betonte seine sportliche Figur, aber es spannte nirgends oder engte ihn ein, damit konnte er folglich leben.

„Du siehst das erste Mal nicht aus als wolltest du dich unter der Bettdecke verstecken und nie wieder rauskommen“, kicherte Namjoon vergnügt und fing sich dafür einen pikierten Blick.

„Also bitte! So kindisch bin ich nun auch nicht“, beschwerte sich Jungkook, drehte sich schwungvoll um, stützte eine Hand in die Taille und schob die Hüfte leicht zur anderen Seite. Überrumpelt weiteten sich Namjoons Augen und als Jungkook ihm auch noch frech zuzwinkerte, wurde ihm mit einem Schlag heiß. Wo war der unsichere, die Welt hassende Jungkook von vor drei Minuten hin? Den bräuchte er bitte zurück, wenn er seinem Vorsatz, das Zimmer heute doch noch zu verlassen und mit den anderen zumindest essen zu gehen, treu bleiben wollte!
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