Wie der Efeu so grün

GeschichteDrama, Freundschaft / P12
Castiel Debrah Lysander OC (Own Character) Rosalia Viola
02.03.2019
12.06.2019
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Überraschung und Schock


Kopfschüttelnd schaue ich der Meute Mädels dabei zu, wie sie sich in meinem Wohnzimmer breit macht. Jede von ihnen hat Taschen dabei. Die eine größer als die andere. Das Rosas dabei die mit abstand Gigantischste ist, wundert niemanden. Da sie ihre anderen Sachen nicht mit zum Ball nehmen, und ich morgen Geburtstag habe, habe ich mich entschlossen reinzufeiern. Ich bekomme eine wundervolle Party, ohne dabei etwas ausgeben zu müssen. Für einen Sparfuchs wie mich natürlich genial.
     Grinsend verschwinde ich in der Küche, um Getränke und Snacks zu holen. Wenn Rosa einmal anfängt, uns alle in Beschlag zu nehmen, benötigen wir eine gute Ausdauer. Schließlich lasse ich mich zwischen Rosa und Viola nieder, und verteile den Proviant. Neben Melody sitzt Iris, ein orangehaariges Mädchen mit türkisen Augen. Sie hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Daneben sitzt Kim. Eine dunkelhäutige Sportlerin mit schwarzen Haaren und grünen Augen, die nie ein Blatt vor den Mund nimmt. Kim ist die Größte in der Runde und ich bin schon gespannt, was sie heute Abend tragen wird.
     »Also Mädel, bevor wir beginnen, will ihr eure Kleider sehen und alles, was ihr noch für heute Abend dabei habt. Dann wird entschieden, ich welcher Reihenfolge ich mir euch vornehme.«, grinst Rosa breit in die Runde und ihrer Aufforderung folgend, packen wir unsere Sachen vor uns auf einen Stapel, damit Rosa sie inspizieren kann.
     Bei Melody und Viola hat sie nichts zu meckern, Iris rät sie, weniger Schmuck zu nehmen und an Kims Sachen würde sie gerne eine kleine Änderung vornehmen.  Schließlich bleibt sie vor mir stehen und mustert mein Kleid kritisch. Gespannt warte ich auf ihr Urteil. Ich weiß, dass sie mich ungern in diesem Fummel sieht, aber ich besitze nichts anderes und wer weiß, vielleicht kann Rosa noch was daraus machen. Nach einigen Minuten der angespannten Stille beginnt sie schließlich zu grinsen.
     »Das kannst du nicht tragen, aber wir haben da was für dich.«, meint sie schließlich und holt eine große Schachtel mit einer grünen Schleife aus ihrer Tasche.
     Perplex starre ich sie an. Was soll das bitte werden? Skeptisch betrachte ich das Päckchen, dass sie mir inzwischen in die Hand gedrückt hat und dann wieder die Gesichter meiner Freundinnen.
     »Nun mach es schon auf.«, fordert mich die Weißhaarige auf. Ich glaube, sie ist gespannter als ich. Wobei das bei Rosa nicht unüblich ist.
     Schulterzuckend mache ich mich daran, die Schleife zu lösen, und hebe den Deckel an. Was ich da sehe, stockt mir der Atem. Das fasse ich einfach nicht. Wie konnte sie nur? Ungläubig fahre ich mit der Hand über den weichen Stoff.
     »Bevor du etwas sagst, lass mich was erklären. Du sahst in diesem Kleid einfach total sexy aus und du hast dich in es verliebt. Ich hab mit Leigh telefoniert, nachdem wir aus dem Laden sind, aber innerhalb der kurzen Zeit konnten wir keinen Stoff auftreiben, der die gleiche Farbe wie deine Augen hat. Also haben Viola und ich uns was überlegt. Du hast ja morgen Geburtstag und da haben die Mädels und ich alle zusammengelegt. Sieh es als vorzeitiges Geschenk, immerhin wird man auch nur einmal Achtzehn. Und ich akzeptiere kein Nein, dass weißt du.«, beendet Rosa ihre Ansprache und schaut mich streng an.
     Langsam bilden sich Tränen in meinen Augen und kurz darauf läuft mir die salzige Flüssigkeit die Wangen hinunter. Erschrocken werde ich angesehen, aber da beginne ich zu lächeln.
     »Danke!«, sage ich aus tiefsten Herzen und meine es auch so.
Stürmisch umarme ich meine beste Freundin und dann auch den Rest der Bande. Mit so einem Geschenk hätte ich niemals gerechnet. Klar war das Kleid nicht gerade billig, aber wenn sie zu fünft zusammengelegt haben, geht das für mich in Ordnung. Dafür bin ich im Moment einfach viel zu glücklich.
     »Super!«, meint Rosa enthusiastisch und strahlt, »Dann lasst uns loslegen.«

»So, nur noch hier ein bisschen und dann sind wir fertig.«, verkündet Rosa konzentriert und zupft an Violas Haaren herum.
Mit großen Augen betrachte ich meine violetthaarige Freundin. Wenn ich es nicht wüsste, hätte ich sie wahrscheinlich gar nicht erkannt. Sie trägt ein einen Zweiteiler. Der Rock ist bodenlang und durch ein paar Lagen lila Tüll etwas ausgestellt. Das weiße Oberteil ist ein lockeres ärmelloses Shirt, das locker in den Rock gesteckt wurde. Sie trägt flache weiße Ballerinas und um ihren Hals hängt eine lange silberne Kette mit einer Feder als Anhänger. Ihr Gesicht ist dezent geschminkt, aber trotzdem wirkt sie beinahe wie ein anderer Mensch.
     Mein Blick streift die anderen Mädels. Kim trägt einen schwarzen Jumpsuit und goldene Highheels. Iris hat ein schlichtes bodenlanges rotes Kleid an. Das Oberteil liegt eng an und hat einen V-Ausschnitt mit breiten Trägern. Melodys hellblaues Kleid geht vorn bis zu den Knien und hinten fast bis zum Boden. Sie trägt leichte Absatzschuhe und ihre Haare sind geflochten. Rosa hat einen dunkel lilanen Zweiteiler aus Rock und Oberteil an, der ihren Bauch freilässt. Dazu trägt sie goldene Highheels, deren gigantischer Absatz mit Angst macht.
     Selbst ich trage unter meinem efeugrünen Kleid aus Nizza schwarze Highheels. Nicht gerade freiwillig, wohl gemerkt, aber ich gebe Rosa recht, es macht mich größer und lässt mich weiblicher wirken. Meine weißen Haare umrahmen lockig mein Gesicht. Ich trage keinen Schmuck und mein Gesicht ist so dezent geschminkt, dass es kaum auffällt. Habe ich mich damals im Laden mit dem Kleid allein kaum wiedererkannt, so ist es jetzt noch schwieriger.
     »Du bist richtig sexy.«, flüstert mir Rosa ins Ohr und grinst mir dabei im Spiegel entgegen, »Wenn er da keine Reaktion zeigt, dann weiß ich auch nicht weiter.«
Bei ihren Worten läuft mir ein Schauer über den Rücken und meine Hände werden taub. Schnell beginne ich sie zu kneten, um das Gefühl zurückzubringen.
     Der Gedanke, Castiel in ein paar Minuten zu begegnen, macht mich ganz nervös. Wenn ich versuche, mir die kommende Situation vorzustellen, ist mein Kopf komplett leer. Ich weiß nicht einmal, was ich mir genau erhoffe.

Ich erkenne schon von weitem, dass Castiel und Lysander vor dem Eingang der Turnhalle warten. Lys sieht fast aus wie immer, nur noch schicker und eleganter. Wenn das überhaupt möglich ist. Cas dagegen trägt eine schwarze Hose, ein weißes Hemd – welches bis zu den Ellenbogen hochgekrempelt ist – und darüber eine graue Weste. Einen Teil seiner Haare hat er in einem Zopf zurückgebunden. Wenn ich es nicht schon längst wäre, würde ich mich wohl spätestens jetzt in ihn verlieben.
     Bei seinem Anblick wird mein Mund sofort trocken und meine Hände beginnen zu kribbeln, als wären sie eingeschlafen. Mist, warum muss er auch so verdammt heiß aussehen?
     Wir gesellen uns zu den Jungs und lassen uns von ihnen begutachten. Sofort komme ich mir vor, wie Vieh auf einer Auktion.
     »Ihr sehr bezaubernd aus Mädels.«, meint Lysander schließlich und schenkt uns dabei sein bezauberndes Lächeln.
Nach ein paar Sekunden der Stille stößt er seinen besten Kumpel mit den Ellenbogen in die Rippen. Anscheinend haben wir Castiel die Sprache verschlagen.
     »Ja, gar nicht mal übel.«, sagt er schließlich mit einem Grinsen im Gesicht.
Er begutachtet uns noch einmal und bleibt dann bei mir hängen.
     »Du siehst aus wie ein richtiges Mädchen. Da muss ich wohl gut auf dich aufpassen.«, stellt er fest.
»Warum das denn?«, mein Herz schlägt bei seinen Worten schneller, doch ich versuche, amüsiert zu wirken, so wie ich es früher getan hätte.
     »Na is doch klar. Du bist doch immerhin so was wie meine kleine Schwester, da sollte ich die Typen verjagen, die dir zu nahe kommen.«, bei seinen Worten legt er mir einen Arm um die Schultern und drückt mich kurz an sich.
     Das Stechen in meiner Brust kommt mit so einer Wucht, das mir fast die Luft zum Atmen fehlt. Der Knoten in meinem Magen ist sofort wieder da, dabei bin ich ihn heute früh erst losgeworden. Alles in seinem Kopf dreht sich und kurzzeitig höre ich nur das laute Rauschen in meinen Ohren. Nun, Castiel hat eine Reaktion gezeigt, wenn auch nicht die erhoffte. Ich wusste ja bereits, dass sie alle so denken. Nicht einmal Amber sieht mich als ernsthafte Gefahr und dabei misstraut sie sofort jedem, der viel mit Cas zu tun hat. Aber das jetzt auch noch aus seinem Mund zu hören, meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt, gibt mir beinahe den Rest.
     Ich lächel gequält und nicke ihm zustimmend zu, als wir uns als Gruppe auf den Weg in die Turnhalle machen, aber es fällt ihm gar nicht auf.
»Unsensibler Idiot.«, murmelt Rosa, aber außer mir hört es keiner.
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