Aller Anfang ist schwer

GeschichteAllgemein / P12 Slash
OC (Own Character)
02.03.2019
02.03.2019
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Hass durchflutete ihren Körper. Unbändiger, roher und ungezügelter Hass. Er füllte jede Lücke ihres Seins, jeder Winkel ihrer Gedanken war damit vergiftet. Fasern ihrer Muskeln wurden hiervon angetrieben und Adern wurden damit verstopft.
Nur so konnte sie den Schmerz ertragen, ihn aus ihrem Empfinden heraushalten.
Sie blickte wieder runter an ihren linken Unterarm, der auf der Decke lag. Der Anblick war abstoßend und zugleich faszinierend. Bis zum Ellbogen war der Arm so wie bei jedem anderen Menschen: mit Fleisch und Haut überzogen.
Aufgrund ihrer südländischen Herkunft war ihre Haut sonnengebräunt, was ihr hier in Brabak allerdings nie eine besondere Aufmerksamkeit einbrachte, waren hier doch fast alle aus dem Süden des Kontinents. Blasse Haut wäre hier ein Kuriosum gewesen.
Nach dem Ellbogen aber war nichts mehr hiervon übrig. Sie konnte es nicht wirklich begreifen, dass das ihr Arm sein soll, nur noch aus Knochen bestehend und durch irgendeine übernatürliche und dämonisch pervertierte Magie zusammengehalten.
Das wenige, was sie in der Anatomie des menschlichen Armes gelernt hatte konnte sie hier direkt erkennen: Elle, Speiche ragten aus dem Fleischstumpf knapp unter ihrem Ellbogen, nur um weiter unterhalb in die Handknochen überzugehen. Da waren keine Sehnen, Muskeln oder Blutadern. Verdammt, sie konnte sogar die Lücken zwischen den einzelnen Knöchelchen erkennen. Und trotzdem fiel ihr Arm nicht einfach auseinander. Und bei allen Niederhöllen, sie wünschte es sich in den letzten Tagen so oft, dass das passieren würde.
Die ersten Stunden waren die schlimmsten; unsägliche Schmerzen raubten ihr glücklicherweise mehrmals die Sinne. Aber sobald sie wach wurde kamen wieder diese Qualen über sie. Es schien, als wenn Feuer ihr nicht mehr vorhandenes Fleisch verbrennen würde, die Brandblasen mit Salz bestreut, der Rest in Säure aufgelöst würde, nur um wieder von vorne zu beginnen. Sie hatte eine sehr konkrete Vorstellung, was das für Schmerzen sein müssten: Höllenqualen. Das ist es, was einen in den Niederhöllen erwartet. Der Preis dafür, dass man seine Seele einem der Erzdämonen verpfändet. In ewiger Agonie solange gepeinigt, bis man allem Menschlichen und Göttlichem entsagte und bereitwillig eine neue Existenz annahm: die eines Dämons.
Aber dazu war sie nicht bereit. Jetzt erst recht nicht. Nicht wo sie einen kleinen Teil der Schmerzen probieren musste, die sie erwarteten, wenn sie den ultimativen Preis für Macht zu zahlen bereit wäre.
Aber der Hass war stark in ihr und sie wusste, dass sie das sehr nahe an den Abgrund führte. Dies ist die Verlockung, der sie nicht nachgeben durfte. Nur allzu schnell geht man damit ein Bündnis mit dem Herrn der Rache ein.
Zur Tatenlosigkeit verdammt, ihren Schmerzen ausgeliefert, denn lindernde Medikamente zeigten bei dieser Art der Verletzung keine Wirkung, ergab sie sich ihren Gedanken, wie sie sich an dem Verantwortlichen ihrer Misere rächen würde. Sie schmiedete unzählige Pläne, Alternativen hierzu, wägte Wahrscheinlichkeiten ab und erweiterte ihre Pläne wieder.
Letztlich kam sie zu dem Schluss, dass ihr eine schnelle Rache nicht möglich wäre, hierzu war sie zu schwach und auch in naher Zukunft nicht in der Lage. Ihre Fähigkeiten waren zu gering, sie war zu angeschlagen, musste viel mehr lernen und sich vor allem in Geduld üben. Die Zeit musste ihr Verbündeter sein, und das Ziel ihrer Rache niemals auch nur den leisesten Verdacht hegen, dass sie etwas plane.
Es schien, als wenn ein verlorener Teil ihrer Seele langsam gefüllt werden würde. Etwas was sie schon immer vermisste, ihr Leben lang. Ein Gefühl, bisher nie komplett gewesen zu sein.
Über all diese Gedanken hinweg wurde sie ruhiger und der Schmerz verschwand langsam. Es dauerte zwar viele Tage, aber dieses war der erste Schritt und zeigte ihr, dass sie auf dem richtigen Weg sei. Hierüber ließ sie die vergangenen Geschehnisse vor ihrem inneren Auge Revue passieren. Sie rief sich ins Gedächtnis, wie es dazu kam, dass sie jetzt hier in diesem Zustand lag.
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