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Epidemic Band 2

von eiswolf23
GeschichteHorror / P16 / Gen
02.03.2019
18.02.2021
60
252.580
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Paul




“Sie sind wieder da.“ Ameisen krochen ihm das Hosenbein hoch in Richtung seines Arschs, Fliegen surrten um seinen Kopf herum, eine davon ließ sich auf seinen Hals herabsinken und saugte ihm etwas Blut aus. Der Winter, falls man die letzten viereinhalb Monate denn tatsächlich als Winter bezeichnen konnte viel schlimmstenfalls mild aus, die atomaren Feuersbrünste überall auf der ganzen Welt hatten allen Schnee geschmolzen der vom Himmel fiel ehe er überhaupt den Boden erreichte. Es war Ende Februar und schon jetzt sprossen die ersten Setzlinge wieder, Tauwasser tropfte in immer lauter schlagenden Tönen auf das modrige Laub das am Waldboden langsam verfaulte und zu Humuserde wurde. Eine Maus durchstöberte einen toten Baumstamm nach etwas zu Essen, ein Kuckuck sang zum Takt des Wassers dem ruhigen Klang eines noch tief schlafenden Waldes. Alte Buchen und Auen erhoben sich abseits der bröckelnden Straße, der P21 und die P-120 welche Witebsk mit Smolensk verbanden. Ragnarök war vorbei die Feuer erloschen, Witebsk war eine von den drei weißrussischen Metropolen die bei der Säuberung getroffen wurden um die Bevölkerung zu reduzieren und eine atomare Wüste zu schaffen die die Toten daran hindern sollte auch in den sicheren Norden vorzustoßen. Zumindest letzteres erwies sich als hoffnungslos, ihr Hunger war zu groß und der Winter zu heiß als das sich die Herden zurückzogen oder stark dezimiert wurden. Mit dem Frühling erwachte die Natur von Neuen, die Vögel flogen zurück, die Herden wanderten wieder nach Hause und die Infizierten folgten ihnen “Kopf oder Zahl?“ Juri kramte eine Münze aus seiner linken Jackentasche heraus und hielt sie ihm unter die Nase, Lenin sah zu ihm herauf.

Der Aufstand in Smolensk war vorbei genauso wie die kurzzeitige Judenverfolgung des Bischofs Iljaba, mit dessen Tod durch die Seuche hatten die Bewohner ihren geistlichen Führer verloren daher beriefen sie sich wieder auf ihren weltlichen Oberst Iwan Kasakow, dem Kommandanten der 346en GRU-Briegarde “Kopf du gehst, Zahl ich gehe.“ Er warf die Münze hoch durch die stickige Luft ihres modrigen Verschlags, ihr zusammengenageltes Nest aus Brettern und Ästen lag nur knapp drei Meter über dem Erdboden gut versteckt in der Astgablung einer alten Eiche gleich neben der Fahrbahn. Ein Tarnnetz überspannte ihr Dach und verdeckte die Sehschlitze aus der die Läufe ihrer Gewehre herausstachen. Ihr Versteck bot gerade so genug Platz das sie beide hier drinnen mit eingezogenen Gliedern darin Platz fanden, zwei Batterien Munition, ein Funkgerät und der Rest ihrer Ausrüstung alles um eine umgedrehte Kiste herum verteilt welche sie als Tisch benutzten auf der eine Karte der Umgebung mit zwei Messern festgenagelt waren. Ein muffiger Verschlag, eine Funkstation welche Smolensk ersten Außenposten in Richtung Nordwesten, nach Witebsk, die erste Kaserne mit fast vierzig Soldaten lag einen Kilometer weiter die Straße runter. Ein Netz von Funkstationen und Wachtürmen sicherte die Stadt rund um von der Außenwelt ab, die wenigen Scharfschützen darin konnten eine große Herde zwar nicht im Kampf besiegen doch sie konnten sie von Smolensk ablenken und sie zerstreuen.

Eine große Herde, mindestens zweihundertfünfzig Tiere zählte er als er durch das Zielfernrohr spähte, Witebsk war zwar getroffen worden aber das Feuer hatte nicht alle Infizierten erwischt einige hundert waren verschont und übers Land weitverstreut worden. Paralysiert zogen sie durch die leeren Wälder und ausgebrannten Ruinen der verlassen Städte, fanden andere Streuner und schlossen sich zusammen. Immer mehr Rudel fanden den Anschluss und mehr und mehr bis sich eine riesige Masse bildete die wie ein Heuschreckenschwarm fressen und verschlingend durchs Land zog in Richtung ihrer Heimat.

Die Münze flog hoch, das durchs Blätterwerk hereinfallende Sonnenlicht spiegelte sich in ihr wieder bis sie wieder in Juris behandschuhte Hand landete. Er durfte gehen “Sagen wir zwei von drei?“ Er schlug ihm leicht gegen die Schulter, hing sich sein Gewehr um und kroch zur Leiter “Gib schon mal Außenposten drei Bescheid, wir treffen uns am Bach.“ seine Glieder waren in der Enge und in der steifen Haltung taub geworden, er biss die Zähne zusammen und kletterte die wackeligen Sprossen herunter welche an einem Seil von dem Versteck herabhing “Ich nehme Altimar.“ Günther grunzte genervt und deutete verächtlich zum Bungalow hinter sich, das niedrige Gebäude glich einem Schuppen der bis zur Dachspanne unter der Erde lag. Moos bedeckte das schrägabfallende Dach, das Regenwasser wurde von einer Rinne im Boden aufgefangen welche es in einem Eimer auffing. Günther hockte davor zwischen den Wurzeln des Baumes die Axt stets griffbereit neben sich in den Stamm geschlagen, er schniefte sich den Rotz hoch und spuckte aus. Ihre Pferde wohnten in dem mit Stroh ausgepolsterten Stall im Boden wo sie mehr Platz hatten als sie. Vier Norwegische Fjordpferde waren hier angebunden, Alexei, ein Junge aus der Stadt kümmerte sich um sie, striegelte und fütterte sie, sorgte dafür das ihr Zaumzeug immer bereit war wenn sie mal wieder eine Herde weglocken mussten “Sind es viele?“ Er war mager wie eine Gerstenpflanze, mit einem runden Kinn aus dem noch keine Haare sprossen und großen blauen Augen. Er trug eine löchrige dunkelblaue Mütze auf dem Kopf, eine mit Stroh- und Moosfetzen beschmutzte Fleecejacke die wohl mal gelb gewesen war jetzt aber so verschmutzt war das sie eher ins rostbraune ging “Hunderte.“ Gab er mit einem knappen Lächeln zurück und schwang sich aufs Pferd.

Altimar war eine alte Stute, zäh und für die harte Arbeit im Wald gezüchtet worden, so wie alle Fjordpferde war sie nicht sehr anspruchsvoll, intelligent, witterungsfest und stark. Ihre schweren Hufen flogen nur so über das Laub hinweg und pflügten den mit Wasser vollgesogenen Waldboden um. Hauchdünne Nebelschwaden hingen in dem Geäst des Waldes und befleckten die Straße, der Asphalt war aufgeplatzt und mit Panzersperren versehen worden um Feinde abzuwehren, doch trotz Erosionen, heftigen atomaren Stürmen und der Arbeit der Speznas war es immer noch der schnellste Weg von Witebsk nach Smolensk. Die weißrussische Stadt war bis zum Ende hin mit über einer halben Millionen Flüchtlinge vollgestopft gewesen, wohl etwa ein Zehntel davon hatte überlebt und ging nun nördlich von Smolensk auf die Jagd nach Fleisch. Die im Zickzack angeordneten Hindernisse und Barrikaden hemmten sie nur wenig, wie Wasser um einen Felsen schoben sich die Toten an den Sperren vorbei, drängten sich zwischen den mit Stacheldraht umwickelten Drachenzähnen durch, stampften über die Nagelbretter in den Schlaglöchern. Einige stolperten, fielen hin und wurden von den nachrückenden Massen niedergetrampelt aber die Horde war riesig, bis zum Horizont hin spannte sich dieser schwarzgraue, verrottende Schwarm der sich wie eine Made durch ihr Land fraß und dabei nichts und niemanden verschonte. Er griff nach dem Martinshorn das er in seiner Umhängetasche mit sich führte und stieß hinein, der schallende Ton fachte die Meute an “Kommt schon! Kommt schon! Hier geht’s lang!“ Er trat Altimar kräftig in die Seite und trieb sie in Richtung Südwesten, weg von der Straße, weg von Smolensk, weg von Russland.

Er musste sich bücken als sie einen niedrig hängenden Ast passierten damit er nicht aus dem Sattel fiel, er ritt schnell, je nach Verwesungsgrad und Zustand der Infektion konnten die Toten beinahe vierzig Kmh erreichen selbst hier im Unterholz des Waldes “Paul? Paul kommen.“ Er griff nach dem Funkgerät an seinem Gürtel, Altimar war ein erfahrenes Tier das den Weg durchs Geäst gut kannte, er vertraute ihr und ließ mit einer Hand die Zügel los “Ich bin gerade beschäftigt.“ Gab er bissig zurück, das Knurren und Fauchen hinter ihm hallte in den Bäumen wieder “Außenposten fünf sagt sie hat noch eine Herde gesehen die aus Orscha zu uns hoch kommt.“ Orscha lag wie Smolensk am Fluss Dnepr, die Straße verlief fast parallel zum Wasser weshalb die wasserscheuen Infizierten sie für gewöhnlich mieden aber es gab andere Feldwege die geradewegs nach Norden führte und dabei die P21 schnitt “Dann treffen wir uns einen halben Kilometer Nördlich der Grenze und treiben sie dann nach Westen!“ Schrie er in sein Funkgerät und spähte über die Schultern, Paul musste sein Tempo gedrosselt halten damit die Herde ihn auch ja nicht verlor. Herden zerfielen leicht in Splittergruppen oder einzelne Streunerrudel wenn man sie zwischen das Gewirr aus Bäumen und Gestrüpp lockte, ein lautes Geräusch von einem brunstenden Hirsch oder das grelle Licht eines durchgebrannten Autoscheinwerfers lenkte ein einzelnes Tier ab, dann wurden andere auf ihn aufmerksam, der Herdentrieb nahm über und ehe man es sich versah lief die Halbe Gruppe wieder zurück in die Richtung von der man sie eigentlich fernhalten wollte. AAAARRRGGGHHHHH! Solche Einzelgänger tauchten dann in den Wäldern unter, verhedderten sich in einem Dornenbusch und verfielen in eine Art Ruhezustand bis sie wieder etwas aufschreckte. Eine dieser Streunerinnen sprang Altimar vor die Hufe.  

Ihre linke Gesichtshälfte war verbrannt, rissig, wie verkohltes Holz aus dessen Rinnen schwarzes Blut triefte, die rechte war leichenblass, mit grauen Sprenkeln übersäht wie fahler Schnee. Kastanienbraune Augen stachen aus ihrem Schädel heraus, die linke Augenbraue war verbrannt die rechte blutverschmiert. Ihr Oberteil war zerrissen, ihre rechte Brust klaffte halbabgerissen aus den Fetzen hervor, blaue Adern zogen sich wie ein Spinnennetz unter ihrer Haut hindurch, die Brustwarze hatte man ihr abgenagt “Man du bist mal echt ein hässliches Stück.“ Er griff an seine linke Satteltasche, die blanke Klinge schnitt ihr Gesicht einmal schräg quer von links nach rechts auf, verletzte ihr Gehirn und zerteilte ihr rechtes Auge, klarer farbloser Saft triefte aus ihrer leeren Augenhöhle. Sie klaffte nach vorne um, das Laub dämpfte ihren Fall etwas, schwarzer Eiter vermischt mit Sabber bekleckerte die Baumwurzeln. Ein zweiter Streuner, ein hagerer Kerl mit freiem, vernarbten Oberkörper, die fahle Haut hing ihm schlaff von den Rippen herab. Seine Augen waren nur noch zwei eingedrückt, schwarzangelaufene Flecken die sich in einem zerdrückten Schädel verkrochen seine Zähne hatte man ihm zu großen Teilen ausgeschlagen nur noch vereinzelte Stummel ragten aus seinen Kiefern heraus. Paul trieb sein Pferd knapp an ihm vorbei, seine Klinge fuhr scharf auf seinen Schädel herab und zerschlug ihn in der Mitte, Gehirnbrei spritzte empor als er tot auf die Knie fiel, die Herde geiferte und knurrte ihn an aber Altimar war viel zu schnell für diese versenkten, trägen Leichen. Laubreste und totes Geäst flogen hinter ihm im Galopp hoch. Ein steiler Abhang auf dem Altimars Hufe etwas ins Schleudern gerieten aber unten fing sie schnell sich wieder.

Sein Pferd sprang über einen umgestürzten Baumstamm welcher von Pilsen und Würmern zerfressen wurde, ein Habicht schreckte aus dem Gebüsch hoch und landete auf einem Ast in den Klauen eine tote Elster haltend. Der Raubvogel schlug heftig mit den Flügeln, Regenwasser fiel von den Blättern auf ihn herab. Er steckte sein Schwert wieder ein und trappte weiter, Schwerter, Äxte, Hämmer oder auch nur grobe Stöcke waren altmodische jedoch auch sehr zweckmäßige Waffen mit der man immer noch Schädel zertrümmern konnte. Er drehte sich im Sattel um als das Kreischen lauter wurde, im Abhang hatte die Herde etwas Schwung bekommen und zu ihm aufgeholt, er nahm die Zügel enger an und trieb Altimar schneller voran. Weiter vorne kam eine enge Brücke welche über eine breite Schlucht führte, perfekt um wieder etwas Abstand aufzubauen, AAAaaarrgghhh!! Ein Schatten. Blut. Zähne. Weitaufgerissene, wahnsinnige Augen. Dann fiel er in den feuchten Dreck.

Er lag auf dem Rücken, der feuchte Matsch quietschte unter ihm auf aber das wurde von dem Knurren und aneinander schnappen der Zähne des Unholds übertönt der da auf ihm lag. Er hatte ihn gar nicht gesehen, nur eine schemenhafte Gestalt die aus einem Brombeerstrauch abseits des alten Trampelpfades, heraussprang und nach ihm langte. Seine toten Klauen vergruben sich in den Stoff seiner Uniform, er hängte sich mit seinem ganzen Gewicht an ihn und riss Paul aus dem Sattel heraus. Er beugte sich über ihn die Kiefer weitauseinander gerissen, Sabber triefte an seinen Lefzen herab, doch laut Dienstordnung trug er bei Einsätzen immer eine Maske die sein Gesicht verdeckte, der infizierte Eiter und der Speichel trieften einfach daran vorbei. Er war schwer, seine Gedärme waren vollgestopft mit Regenwasser, dem halbverdautem Fleisch seiner letzten Mahlzeit. Er war mit Dornenranken übersät. Paul griff nach seinem Hals, selbst durch seine Handschuhe hindurch spürte er die Dornen. Mit dem rechten Arm stemmte er den Kopf des Infizierten hoch während die linke Hand nach seiner hinteren Gürteltasche griff. Er hob den Toten hoch, spähte mit dem Kopf zurück, Altimar wartete geduldig neben ihm während hinter ihnen die Herde immer näher kam. Die Stute wurde närrisch und hob die Hufe an, Paul war ein durchtrainierter Elitesoldat aber das Virus verwandelte Menschen in Monster. Er spürte den Griff seines Messers das noch in der Scheide steckte, er griff danach aber der Verschluss war noch geschlossen, er zerrte daran aber es steckte fest, AArrrgghhh!!!!

Langsam erkannte er die Gesichter der schnellsten Tiere, die die ganz vorne die Herde anführten, die die am hungrigsten waren. Ihre Augen glühten vor Wahnsinn, Eiter und Blut triefte ihnen aus den Mündern heraus. Er zerrte an seinem Messer bis der Klettverschluss schließlich nachgab, die kurze Klinge drang durch den Unterkiefer tief in seinen Schädel ein. Kaltes Blut rann ihm zwischen den Fingerkuppen durch, er rollte sich auf den Toten und riss das Messer wieder heraus, der nächste Tote langte nach ihm, Altimar trat aus und wäre davon gestürmt hätte er nicht so schnell nach ihren Zügeln gegriffen hätte. Er lief neben seinem Pferd her, sprang an einem großen Baumstumpf ab und setzte sich wieder oben auf. Er trappte schnell über die Brücke und kramte in seiner Satteltasche einen verschnürten Sack heraus, das Metall klirrte in seiner Hand, er ließ die Krähenfüße hinter sich auf der Brücke fallen. Es waren rostige, ineinander verdrehte Nägel die egal wie man sie fallen ließ, immer mit einem Nagel nach oben zeigten. Es tötete die Infizierten nicht aber sie zerstachen ihnen die Füße damit sie stolperten und die nachrückenden hinter ihnen behinderten. Paul sah wie ein halbes Dutzend von ihnen auf die Knie fielen, sich mit den Händen abzustützen versuchten und in den Nägeln rollten bis ihre Leiber von oben bis unten mit Krähenfüßen bedeckt waren. Er lachte, wischte sich das Blut von der Maske und ritt weiter “Hey, Kumpel!“

Er erkannte ihn nicht, das schwarze Metall und die grünlich schimmernden Brillengläser verdeckten die Augen, ein paar matschbraune Locken lugten unter seinem grünen Helm heraus und auf der linken Stirnhälfte hatte er eine kleine Narbe über dem Auge aber sonst verriet ihn nichts. Er trug die gleiche Uniform wie er mit dem Geäst und dem Moosstücken daran, zur Tarnung “Nah hast du was für mich?“ Er zog den Gesichtsschutz weit genug herab das er Diabobs harte Gesichtszüge und den dünnen Schnurrbart darunter erkennen konnte “Oh ja, zwei- bis dreihundert würde ich schätzen.“ Er nannte sich Diabob aber Paul bezweifelte das das sein echter Name war, aber er konnte vortrefflich schießen, kämpfen und reiten weshalb er ihn mochte “Na dann klink dich ein.“ Er deutete mit dem kurzen Speer in der Hand hinter sich in den Wald, auch er trieb eine große Herde von Außenposten fünf hier her “Ich hab hier mindestens nochmal hundert!“ Schrie er im Ritte zu ihm herüber, Paul spähte über seine Schulter hinweg, er erspähte die ersten sich träge durch den Wald schleppenden Schatten zwischen den Bäumen. Sie kamen von Südosten her, vereinten sich mit seiner Herde und hetzten ihnen nach. Diabob setzte die Maske wieder auf und ritt neben ihm weiter. Der Wald lichtete sich wieder nach einem halben Kilometer, eine kleine Herde Rehe graste auf den Weide- und Grasflächen doch scheuchte sie der Lärm der Horden zurück in den Wald, sie sahen gerade noch die letzten Nachzügler im Schatten des Waldes verschwinden ehe die aufgerissenen und mit Nägeln versehenen Füße der Toten die Wiese umpflügten. Der Wald schloss sie wieder ein, das Blätterkleid ging auf und zu bis sie nach einigen Stunden Ritt wieder an eine gut erhaltene Straße kamen die geradewegs nach Südwesten in Richtung Litauen “Die Straße führt sie direkt nach Vilnius!“

Er deutete mit dem Speer nach Westen und ritt um ihn herum, spähte mit dem Fernglas in Richtung der Wälder “Ich schätze mal wir haben noch gut neh´ halbe Stunde, spielen wir Karten?“ Einer Herde davon laufen war leicht, sie auszutanzen damit sie in eine andere Richtung liefen brauchte seine Zeit, wieder nördlich oder südlich um die Herde herumzureiten könnte Einzelgänger wieder von der Masse losreißen. Dann mussten Sie sie wieder mühselig zusammentreiben, einfacher war es da sich hinzusetzen und in Ruhe abzuwarten bis sie weitergezogen waren “Ich teil aus.“ Dafür hatten sie eigens abseits der Straßen Bunker, Garagen und Abstellkammern eingerichtet in der Vorräte und Ausrüstung für die Patrouillen gelagert waren. Natürlich bestand immer die Gefahr das Plünderer die Verstecke fanden, aber ihre Späher berichteten das es soweit im Norden keine Überlebenden südlich oder östlich der Grenze gab. Die Feuerstürme und der Saure Regen hatten sie alle verscheucht, und wer zu langsam war marschierte jetzt mit den Toten “Und wie lange hast du noch Dienst?“ Sie hockten in einer verlassenen Garage, gaben ihren Pferden was zu essen, eine Holzplatte auf einem leeren Ölfass diente ihnen als Tischplatte auf der sie ihre Einsätze drauf legten. Wertgegenstände aus der Alten Welt, Schmuck, Kaugummi, Zigaretten, Batterien, Diabob legte sogar ein altes Playboy Magazin in den Pott. Die Seiten waren zwar zerfledert und die Bilder etwa zwölf Jahre alt, dennoch war es in der jetzigen Zeit wertvoller als Gold “Noch vier Tage, hab gerade erst angefangen. Und du?“

Die Toten schlugen mit ihren Schädeln gegen die Betonwände und das Gatter, aber es war kein Versuch ihr Versteck zu stürmen, die Herde zog blind an ihnen vorbei und schrammte gegen die Garage. Sie selbst und ihre Pferde waren den Lärm inzwischen gewöhnt “Ich bin eigentlich mit meiner Schicht durch aber letzten Dienstag hab ich vergessen Meldung zu machen als ich so ein altes Gasthaus durchsucht hab. Ich war über drei Stunden offline darum muss ich nochmal eine Woche Dienst schieben.“ Er nippte an seiner Bierflasche und gab nochmal neu, ihr Oberst hatte angeordnet dass die Wachposten auf den Funkstationen die Verstecke je für eine Woche bemannten ehe der Schichtwechsel erfolgte. Sie schliefen und aßen in den Aussichtspunkten, erleichterten sich im Wald in einer selbstgemachten Latrine und versorgten die Pferde, es war ruhig um Smolensk geworden seit dem Feuer. Ihr Oberst aber würde sagen, Stille trügt, er vorsuchte da optimistischer zu sein “Hey ich glaub die sind weg?“ Er sah von seinem Blatt auf und horchte hin, er hörte Rotkehlchen zwitschern, Wasser das von der Regenrinne her in ein halbvolles Fass tropfte. Ein leichter Wind ließ die Nadeläste über ihnen zittern, sonst war da nichts, er legte seine Karten hin und stieg auf eine der Kisten hinten an der Wand. Die Fenster waren vergittert und mit Dreck beschlagen dennoch erkannte er die Herde, die letzten Nachzügler zogen gerade eben an ihnen vorbei Richtung Ausland. Ein letzter der nicht zur Herde gehörte saß in einem liegen gebliebenem Auto fest das abseits der Straße in einen Graben gefahren war “Alles klar.“ Diabob griff an sein Funkgerät “Station fünf, bitte kommen. Die Herde ist weg.“ Er schmiss seine Karten hin und trank seine Flasche aus “Alles klar Jungs, kommt zurück.“

Die Pause war vorbei, sie tranken aus und legten die Karten auf den Tisch, er verlor “Ich hasse dich.“ Diabob grinste frech und sammelte seinen Gewinn ein, Paul ging zu Altimar und sattelte sie, als ein lautes Motorengeräusch sie inne halten ließ. Paul spähte durch die verdreckten Glasscheiben “Wir kriegen Gesellschaft.“ Sie waren zu zweit, beide auf Motorrädern, Harleys die schon lange keine Werkstatt oder eine Waschanlage mehr gesehen hatten, sie trugen Mäntel aus grober Wolle, der links sogar eine Stola aus Tierfellen wie ihm auffiel. Keine Helme, ihre Köpfe waren mit Stofffetzen und Schallen umwickelt, wie mit einem Turban “Los komm schon, da ist wieder einer!“ Sie sprachen russisch aber sie gehörten nicht zu ihnen “Hirten.“ Sagten sie fast synchron mit einem verächtlichen Ton. Bevor Bischof Peter Iljaba gestorben war hatte er eine große Anhängerschar um sich versammelt, der Großteil der gemeinen Bürger und die aus der alten Polizei entstandene Bürgermiliz hingen oft wie gebannt an seinen Lippen, sie folgten auch ohne zu zögern seinem Befehl alle andersgläubigen zu verhaften und Zwangs zu taufen, sie zu töten wenn sie sich weigerten. Iljaba hatte die Seuche als Jüngstes Gericht proklamiert und es als seine heilige Pflicht angesehen Smolensk, Russlands Tor zum Westen, als ein Bollwerk neu zu errichten gegen die die Krieger Gottes gegen die Dämonen kämpfen sollten. Er sagte die Seuche sei die Strafe Gottes an die Sünder, das sie Rechtschaffenden nichts anhaben konnte, das Russland das neue Heilige Land sei und sie das außerwählte Volk. Ihr Präsident Alexander Gradoschki unterstützte ihn dabei, er wollte das russische Volk wieder in einem Glauben einen so wie früher. Die Grenzstädte sollten zu Bistümern werden und nur wer sich zum Orthodoxen Glauben bekennt durfte weiter ins sichere russische Inland reisen. Seine Priester und Anhänger nannten sich selbst Hirten, die Bewahrer des Glaubens und Hüter des Paradises.  

Ein guter Plan doch Iljaba war größenwahnsinnig geworden, oder schon immer gewesen, er nahm sich zu viele Freiheiten heraus, behauptete nur Gott stehe über ihm und das er allein die Stimme des Herrn verstehen würde, tja Hochmut kommt vor dem Fall. Er war tot, sein vieles Fasten, die Selbstgeißelung, das fast vollständige verzichten auf Komfort und Medizin, zwei seiner Anhänger starben während des Gebets oder kurz davor. Er fiel Bischof Iljaba an und tötete ihn, aber Hagen Matwej, der ehemalige Polizei- und Milizchef von Smolensk wollte es nicht glauben dass sein Prophet sterben konnte wie ein gewöhnlicher Sterblicher. Er gab den Speznas die Schuld, ihnen, und versuchte gegen sie zu putschen aber noch bevor er überhaupt zum Schlag ausholen konnte vernichteten sie die Bürgermiliz und töten über drei Viertel ihrer Mitglieder aber Matjew und einigen seiner Offiziere gelang die Flucht seither versteckten sie sich irgendwo in den Hill Countrys. Sie waren das das wussten sie aber die Hirten verhielten sich ruhig, sie überfielen keine Patrouillen oder Konvois, sie griffen nicht an oder zeigten sich auch nur. Man sah ab und  zu einen Schatten zwischen den Bäumen hindurch huschen oder einen alten Fußabdruck in der Nähe der Baumgrenzer zur Stadt aber sonst nichts, sie waren zu Geistern geworden “Was machen die da?“ “SSSCCHHHH!!“ Er deutete ihm an still zu sein, die beiden schien genau zu wissen was sie wollten.

Sie spähten über die Schulter um sich zu vergewissern das die Herde vorbei zog und gingen dann zu dem Infizierten in dem geschroteten Auto hin. Einer der zwei klopfte belustigt gegen die Scheibe was den Toten nur noch wilder machte, der andere kramte eine dicke Stoffecke aus Schafsfellen heraus die er sich um den linken Unterarmwickelte. Der andere zog einen Holzschläger vom Rücken herunter “Bereit?“ Der mit dem Schläger griff nach dem Griff der Autotür gegen die der Infizierte mit dem Schädel schlug, der mit dem gepolsterten Armschützer legte seine übrige Bewaffnung und seinen Rucksack ab. Er stellte sich breitbeinig vor die Autotür hin und hob schützend den linken Arm hoch, so als wolle er den Untoten damit abwehren “Bereit.“ Sein Partner riss die Tür auf, wie zu erwarten stürmte der Infizierte auf das erste Stück Fleisch los das er sah in dem Fall den geschützten linken Arm. Der Untote stürmte auf ihn zu, obwohl der Hirte sehr stämmig zu sein schien riss ihn der Zombie einfach um, beide fielen zu Boden, der Hirte mit dem Rücken voran ins feuchte Gras der Untote auf ihn drauf und schlug ihm die Zähne tief ins Polster. Sein Partner holte mit dem Schläger aus und schlug ihn in den Nacken, der Schlag reichte nicht aus um ihn zu töten, er trieb nur die Zähne des Infizierten tiefer in die Daunen hinein. Er schlug noch zweimal zu, er war sehr darauf bedacht ihn nicht zu töten sondern nur das er sich immer fester in dem gepolsterten Arm seines Freundes verbiss “Okay, ich glaub das müsste jetzt reichen!“ Er wirkte relativ ruhig dafür dass ihm ein Untoter den Arm abkaute, er hob ihn hoch damit sein Partner frei ausholen und zielen konnte machte aber keinerlei Anstalten ihn zu töten “Bist du sicher? Ich hab keine Lust mit einer Zange wieder groß die übrigen rauszuziehen also hast du alle?“ Der Hirte unter dem Toten stöhnte, genervt nicht verängstigt “Ja und jetzt mach schon verdammt.“

Sein Partner legte den Schläger kurz beiseite, er packte den Infizierten am Haarschopf und riss ihn mühselig von seinem Partner herunter, er stemmte sich am Asphalt ab und erst jetzt tötete er ihn, er stieß ihm sein Messer in den aufgeschlagenen Nacken. Er brach ihm das Genick und half seinem Freund auf “Töten wir sie.“ Hirten waren Geächtete, Vogelfrei und daher zum Abschuss freigegeben. Auch wenn die Herde immer noch in Hörweite war hatten sie genug gesehen. Paul und Diabob gingen zu ihren Sätteln, sie hatten zwar Gewehre dabei aber man vergeudete keinen Schuss erst recht nicht wenn er eine Horde Toter aufschrecken würde. Stattdessen griffen sie nach den Bögen und den Köchern mit Pfeilen an ihren Satteln “Ich erledige rechts den Mit dem Schläger, du schnappst dir den mit dem Polster, Oberst Kasakow will sicher noch mit ihm reden.“ Das Frack mit den zwei Hirten stand an der hinteren Fassade der Garage sodass sie unbemerkt leise die Tür öffnen und auf ihre Plätze gehen konnten. Sie hätten auch leicht beide gefangen nehmen können aber das wäre ein zu großes Risiko gewesen, und es gäbe dann noch ein Maul mehr zu stopfen. Sie standen mit den Rücken zur Wand, Diabob zählte lautlos von drei herunter und spannte die Sehne an, Paul drehte sich um er sah wie der Hirte mit dem Schläger getroffen zu Boden ging. Sein Partner versuchte zu seinem Motorrad zu rennen, wo er seine Waffe abgelegt hatte damit sie nicht ausversehen losging, aber Paul war schneller, er stieß den Geächteten zu Boden und schlug ihm mit der linken Faust gegen den Kehlkopf die dicken Laken davor waren kein echter Schutz. Er rollte ihn herum, verdrehte ihm die Arme auf dem Rücken und band seine Hände mit Kabelbinder zusammen, dabei erkannte er dass der Hirte unter den dicken Polstern seines linken Armes schon einen Armpanzer aus Stahl trug. Er hatte ihn wohl einem Ritter aus einem Museum gestohlen so wie er aussah doch der Stahl hatte die Zähne des Infizierten abgewehrt, irgendwie zumindest “Die sammeln ihre Zähne ein.“

Die Kiefer des Infizierten waren tief in das Metall- und die Stofflagen vorgedrungen, die Zähne selbst hatten das Metall durchbohrt und waren darin stecken geblieben, darunter trug der Horte noch einen ledernen Armschützer “Was habt ihr Irren davon?“ Er drehte ihn um, riss den mit Zähnen überspickten Panzer ab, aber er war noch nicht wieder so weit das er sprechen konnte und selbst wenn, wirkte er nicht so als gehöre er zu der Gesprächigen Sorte von Menschen “Ich hab da so neh Theorie.“ Diabob sah sich die Ausrüstung der Hirten an und entdeckte dabei auch einen halbvollen Köcher mit Pfeilen n einer der Gepäcktaschen “Die reißen ihnen die Zähne aus um damit Pfeilspitzen zu machen.“ Er warf ihm einen der Pfeile zu, die Spitze war aus weißem Stoff zuerst hielt er es für Elfenbein, was auch stimmte den Elfenbein waren nur herausstehende Zähne und den gleichen Stoff fand man zum Beispiel in menschlichen Fingernägeln wieder. Er hielt die Spitze gegen das Licht und drehte sie vorsichtig herum, es war ein angespitzter Schneidezahn wie ihm auffiel, zur Pfeilspitze zu recht geschliffen “Seid ihr schon so verzweifelt?“ Er hielt ihm die Pfeilspitze unter die Nase aber er grinste ihn nur zufrieden an “So ist es gut lächle solange du noch kannst, spätestens wenn wir Zuhause sind wird das Lachen vergehen.“ Er lächelte zurück und hievte ihm über sein Pferd “Die haben irgendwas vor.“ Kommentierte Diabob das Verhalten der beiden Hirten “Ja, ich weiß. Los komm schon, wir haben noch viel zu tun.“
 
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