Der Fall des Kaito KID

GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P18 Slash
Conan Edogawa Heiji Hattori Kaito Kid / Kaito Kuroba Saguru Hakuba Shinichi Kudo
02.03.2019
22.09.2019
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Guten Morgen ihr süßen Leser,
*stellt Kaffee, Tee und Kakao bereit*
Ich hab heute Morgen schon wieder schmunzeln müssen. Wenn so ein Kapitel in die Korrektur geht, dann sieht das für eine Weile immer aus, wie eine farbige Bombe, da jeder von uns seine eigene Korrektur-Farbe hat, am Ende sieht man dann die vorherige Wörterzahl und die Neue: Vorher 6887, Nacher 7125
Ich frage mich dann immer, was ist da passiert? Aber oft sind es einfach nochmal genauere Beschreibungen, Emotionen oder Gedanken die hinzukommen und dem Kapitel mal eben 250 Wörter mehr schenken :D

Dieses Kapitel ist eher ein Übergangskapitel, es passiert dennoch viel wichtiges für den Verlauf. Kaito fängt an zu reden und auch über Shinichis Gefühle erfahren wir noch ein wenig mehr. Es gibt auch einen etwas größeren Zeitsprung, damit die Geschichte nicht zu langweilig wird und ich verspreche euch: Nächsten Sonntag wird es dann wieder heiß xD *spielt wetterfee*

Alter der Charaktere:
Conan/Shinichi & Ai: 17 (nach dem Zeitsprung: 18)
Kaito & Heiji & Hakuba: 22 (nach dem Zeitsprung: 23)

Sooo und nun wünsche ich euch auch im Namen von Snow ein paar spannende Minuten
LG Atheia

Als Kaito am nächsten Morgen erwachte, war er unglaublich erleichtert einen warmen Körper neben sich zu spüren. Er öffnete langsam die Augen und ließ sie über Shinichis Gesicht gleiten. Im Schlaf sah er zwar unglaublich friedlich aus, aber die Anstrengung und Aufregung der letzten Tage waren ihm deutlich anzusehen.
Um ihn nicht zu wecken, versuchte sich Kaito so wenig wie möglich zu bewegen und genoss es einfach, den anderen beim Schlafen zu beobachten, denn dieser lag, entgegen der üblichen Aufteilung, seitlich zu Kaito, so dass er sich nur spärlich hatte ankuscheln können. Er wollte eigentlich gar nicht darüber nachdenken, was man seinem kleinen Detektiv alles angetan haben könnte, aber er wusste auch, dass Shinichi darüber reden wollte und auch sollte. Vielleicht war es also gar nicht so schlimm, wie er es sich ausmalte.
Langsam begann Shinichi sich zu rühren und öffnete ein wenig die Augen. Als er Kaito erkannte, lächelte er leicht.
„Na du, gut geschlafen?”, fragte Kaito flüsternd und strich ihm sanft eine Strähne aus der Stirn.
„Besser als die letzten Tage”, antwortete Shinichi verschlafen. Den Moment der Zweisamkeit zerstörend, meldeten sich beide Mägen mit einem lauten Knurren und Shinichi musste lachen. „Wie spät ist es?”
„Gerade mal neun Uhr, so spät also noch nicht. Möchtest du Kaffee?”, fragt er lächelnd und beugt sich etwas vor, um zu tun was er unglaublich vermisst hatte: dem Kleinen einen Kuss auf die Lippen hauchen und ihm sanft durchs Haar zu fahren.
„Die anderen kommen erst heute Abend, du kannst dich also noch ausruhen. Ich kann dir auch Frühstück ans Bett bringen.”
„Kaffee wäre ein Traum, aber wir sollten aufstehen und etwas essen. Ich kann eh nicht mehr liegen”, redete er sich raus und zog Kaito frech noch mal zu sich, für einen zweiten leichten Kuss. Gerne ließ der andere sich ziehen, vertiefte den Kuss einen Moment und krabbelte anschließend aus dem Bett.
„Ich gehe dann schon mal den Kaffee kochen”, informierte er Shinichi und verließ das Schlafzimmer.
In der Küche schmiss er die Kaffeemaschine an und kochte sich selbst einen Kakao, nebenbei deckte er den Frühstückstisch. Im Zimmer rollte sich der Jüngere auf den Bauch und erhob sich dann schwerfällig. Eine schöne, heiße Dusche. Das wär jetzt was, aber das musste warten. Zügig zog er sich um und folgte dem Älteren dann runter.
„Mhh ich rieche den Kaffee.” Mit diesen Worten trat er in die Küche und sah Kaito entgegen.
„Hier bitte”, reichte Kaito Shinichi die Tasse und lächelte verliebt. Man hörte oben eine weitere Tür und wenige Minuten später folgte Chikage dem Beispiel von Shinichi.
„Ihr seid ja schon wach?”, fragte sie überrascht.
„Konnten nicht mehr schlafen”, beantwortete er die Frage seiner Mutter. „Auch Kaffee?” Auf ihr Nicken hin, stellte er ihr ebenfalls eine Tasse vor die Nase und nahm sich selbst seinen Kakao mit an den fertig gedeckten Tisch.
Shinichi hielt die Tasse gut mit beiden Händen fest und wärmte seine Finger daran. Er trank einen Schluck und genoss es sichtlich. Danach fingen sie an zu frühstücken. Wie gewohnt spärlich fiel Kaitos Frühstück aus, wobei die anderen normal aßen. Zwischendurch holte sich Shinichi eine zweite Tasse Kaffee.
Siedend heiß fiel Kaito ein, dass Sayuri-san heute kommen würde und hastig trank er seinen Kakao aus. Sie wollte um zehn Uhr da sein, hieß er hatte noch 15 Minuten Zeit zu duschen.
„Verdammt”, fluchte er und hechtete in Richtung Bad, sprang unter die Dusche und war binnen zehn Minuten mit allem, bis auf die nassen Haare, fertig. Belustigt sah Shinichi ihm nach und als er gerade dabei war diese trocken zu rubbeln, klingelte es bereits an der Tür, welche Kaito auch sogleich öffnete.
„Sayuri-san, hallo”, begrüßte er sie etwas atemlos und bat sie anschließend in die Wohnung.
„Hallo Kaito, wie ich hörte ist Conan wieder da?” Kaito bejahte dies und führte sie in die Küche. „Hallo Conan-kun, schön dich gesund wieder zu sehen. Ich denke für heute wäre es sinnvoll, wenn wir drei uns über das unterhalten, was passiert ist, deswegen möchte ich dich dabei haben.” Leider musste Shinichi ihr Recht geben. Sinnvoll wäre es.
„Hallo Sayuri-san, ich bin auch sehr froh gesund und munter wieder meinen Kaffee trinken zu können.” Chikage erhob sich.
„Wollt ihr in der Küche bleiben?”, erkundigte sie sich und räumte kurz darauf den Tisch ab.
„Ich denke, das Wohnzimmer ist für uns alle gemütlicher”, wandte Hinata Sayuri ein. Kaito nickte, nahm den restlichen Kaffee in einer Thermoskanne und einen neuen Kakao für sich selbst mit ins Wohnzimmer. Shinichi und Sayuri folgten ihm, wobei Sayuri sich direkt in einen der Sessel niederließ, ihre Tasche stellte sie daneben. Kaito platzierte sich neben Shinichi auf der Couch.
„Wie geht es dir jetzt, wo du wieder hier bist, Conan-kun?”
„Gut. Wirklich gut. Es ist sehr angenehm nicht mehr von so vielen inkompetenten Menschen umgeben zu sein, wobei ich zugeben muss, dass der zweite Teil schon unterhaltsamer war”, antwortete Shinichi gelassen und trank von seinem Kaffee. Die Aussage ließ nicht nur Kaito etwas stutzen.
„Unterhaltsamer?”, fragte nun Kaito verwirrt, „Also ich fand das alles nicht sonderlich spaßig!” Er piekste Shinichi in die Seite und sah ihn böse an. Shinichi erwiderte den Blick unschuldig, doch zuckte leicht unter dem Piekser weg.
„Hör auf das ins Lächerliche zu ziehen, du hättest tot sein können!” Sayuri sah interessiert bei der Interaktion zu und lächelte. Vielleicht musste Kaito wirklich einfach mal aussprechen, was er dachte.
„Ein Risiko, das mit dem Beruf kommt. Dessen bin ich mir immer bewusst, Kaito. Aber, auch du hättest bei der lächerlichen Waffenhaltung dieses Max’ gelacht. Planen etwas, machen sich dann nicht mal schlau und heuern die dümmsten Verbrecher an, die sie auf die Schnelle wohl finden konnten”, erklärte Shinichi mit ernster Stimme, „Da war die zweite Entführung schon durchdachter und präziser ausgeführt. Außerdem waren die Sandwiches nicht so schlecht.” Kaito sah ihn nur kopfschüttelnd an.
„Das ist kein Spaß!”, knurrte er und sah auf seine Hände, „Ist dir klar, dass ich mir tierische Sorgen gemacht habe?” Ruhig sitzen fiel ihm zunehmend schwerer und so war er versucht aufzustehen.
„Kaito nicht, bitte bleib sitzen”, bat ihn allerdings die Therapeutin und sah ihn ernst an. Kaito murrte, setzte sich aber wieder richtig hin. „Conan-kun, sie wurden verletzt, wie ich gehört habe. Was ist genau passiert? Unter anderem kann ich die grobe Schilderung auch der Polizei zukommen lassen, die sie sowieso noch befragen wollen, dann brauchen sie es aber nicht doppelt zu erzählen.” Shinichi legte Kaito zur Beruhigung die Hand auf das Bein und wendete sich der Therapeutin wieder zu.
„Danke für das Angebot, aber ich werde mich sowieso noch länger mit Inspektor Megure unterhalten müssen. Es stört mich nicht, das Ganze doppelt zu erzählen. Nachdem ich niedergeschlagen wurde, bin ich in einem Lagerhaus aufgewacht. Danach wollte man mir klar machen, dass man mit Kaito noch eine Rechnung offen hatte und die zwei Ausgebüchsten haben sich mit meinem Handy in einen Nebenraum zurück gezogen. Ich würde sagen eine halbe Stunde später kam der eine, Reikon glaub ich, mit dem Handy wieder raus und hatte Kaito am Telefon. Sie wissen ja, wie man dann so ist. Selbstverständlich hab ich Kaito gesagt, er solle bleiben wo er ist. Das hat ihnen nicht ganz so gut gefallen und dieser Max hat einen Warnschuss zwischen meine Beine abgegeben. Weil das immer noch nicht genügte, hat man mir einen unschönen Streifschuss am Oberschenkel verpasst. Anschließend wurde aufgelegt und man knebelte mich.” Shinichi trank einen weiteren Schluck seines Kaffees.
Er wartete jetzt erstmal ab, ob jemand was sagen wollte und man merkte deutlich, dass er sehr locker damit umging. Kaito schluckte, griff nach Shinichis Hand und drückte diese. Besorgt und bedrückt sah er ihn an, zwar schien der andere sehr locker, aber allein der Gedanke daran, dass die zwei Menschen da waren, die sein Leben ein Stück weit zerstört hatten, ließ ihm übel werden. Sayuri schrieb stichpunktartig mit und sah dann wieder auffordernd zu Shinichi.
„Ich bekam danach gut eine Stunde, vielleicht auch mehr. Der Schlag auf den Kopf war doch ziemlich heftig gewesen, Zeit zum ‘erholen’ wie sie es nannten. Danach versuchte man mit einem schlecht gefertigten Ledergürtel, weitere Informationen über Kaito zu bekommen. Ich habe irgendwann das Zeitgefühl verloren und das Nächste was ich weiß war, dass ich in einem bequemen Bett und einem hellen Raum wieder aufgewacht bin. Dort hat mich ein Lakai der zweiten Entführungsgruppe mit Wasser und was zu Essen begrüßt. Wir haben uns recht nett unterhalten und dann war ich wieder allein. Es gab drei Mal am Tag etwas zu essen und immer wenn ich geklopft habe, bekam ich auch was zu trinken. Sie waren unvorsichtig und mit den neu gewonnen Kräften hab ich mich aus dem Staub gemacht.” Shinichi beendete seine ernste Erzählung und trank erneut von der Tasse.
Das der letzte Teil nicht ganz der Wahrheit entsprechen konnte, sah die Psychologin schon allein an der Haltungsänderung des jungen Detektivs, aber sie beließ es dabei, wollte nicht in ein Wespennest stechen, immerhin war sie nicht seine, sondern Kaitos Therapeutin.
„Es scheint, dass sie gut damit umgehen können. Die Täter wurden inzwischen auch alle gefasst. Hatten sie Albträume letzte Nacht?” Shinichi dachte einen Moment nach, bevor er mit dem Kopf schüttelte, immerhin konnte er ihr ja schlecht vertrauliche Informationen auf die Nase binden. „Nein, ich habe keine Albträume gehabt. Ich habe sehr gut geschlafen und fühle mich erholt. Es war auch nicht die erste Entführung, die ich erlebt habe. Wie ich bereits sagte, das kommt mit dem Beruf.” Shinichi drückte sacht Kaitos Hand, die leicht zitterte.
„In Ordnung. Kaito, wie geht es dir jetzt?”, wandte sie sich prüfend an den Ex-Dieb. Dieser zuckte mit den Schultern.
„Ich bin einfach froh, dass er wieder da ist und das diese Menschen endlich wieder gefasst sind, wobei ich mich ernsthaft frage, wie lange es wohl dauert, bis sie wieder ausgebrochen sind.”
„In den Teilen kann ich dich beruhigen. Deine Anwältin hat ziemlich Druck gemacht, es ändert sich jetzt wohl einiges an den Sicherheitsmaßnahmen.” Kaito nickte dazu nur, glaubte er das doch erst, wenn es wirklich wahr wurde und lehnte sich an Shinichi. „Nun, da Conan-kun uns jetzt alles erzählt hat, vielleicht möchtest du ja auch ein wenig reden?”, fragte sie vorsichtig nach und erntete einen panischen Blick.
„Lieber nicht”, nuschelte Kaito und senkte den Kopf. Er wusste, er musste eigentlich reden, aber jedes Mal wenn er es versuchte, bildete sich ein dicker Kloß in seinem Hals. Aufmunternd sah Shinichi ihn an.
„Hey, alles gut, wir sind da und dir wird hier nichts passieren.” Kaito schluckte hart, trank dann einen Schluck Kakao und blickte in die Tasse.
„Ich… ich hatte Angst. Es war alles okay, bis sie plötzlich mit im Raum waren und die Tür verriegelt hatten. Ich hab versucht es nicht direkt zu zeigen, aber was sollte ich machen? Sie… haben...”, er schluckte hart, „Sie haben mich angefasst und meine Hände zusammen gebunden. Dann… er…” Kaito brach ab, schluchzte auf und flüchtete aus dem Raum.
Shinichi blickte die Therapeutin bedeutungsschwer an, dann erhob er sich und folgte langsam dem Geflüchteten. Er fand ihn genau dort, wo er ihn auch vermutet hatte: Eingewickelt in die Decke auf dem Bett.
„Kaito?”, fragte Shinichi sanft und hockte sich vor das Bett. Weinend saß dieser da, fest eingewickelt in die Decke und starrte die Wand an.
„Ich konnte nichts tun, Shinichi”, flüsterte er erstickt, „ihre Hände, sie waren überall und sie haben… sie haben ihren… im Mund und … es tat so weh”, erzählte er weinend und stockend weiter. Das Sayuri inzwischen in der Tür stand und das Ganze stillschweigend beobachtete, bekam er gar nicht mit.
„Es tat einfach so weh.” Kaito zog die Beine noch mehr an, legte den Kopf auf die Knie und weinte hemmungslos. „Ich hatte solche Angst.” Shinichi rutschte etwas näher zum Bett und streichelte sanft durch Kaitos Haar.
„Es ist okay, Angst zu haben Kaito. Es ist normal Angst zu haben. Du bist hier sicher”, versicherte ihm Shinichi sanft. Kaito rutschte etwas an Shinichi heran und vergrub sein Gesicht an dessen Brust.
„Bleib bei mir”, wimmerte er und sah ihn mit vor Tränen verschleiertem Blick an. Sayuri gab Shinichi ein Zeichen, dass sie sich zurückziehen würde und verließ das Zimmer. Sie ging in die Küche, wo sie auf Chikage traf und unterhielt sich noch eine Weile mit ihr, so konnte sie eingreifen, falls Shinichi Hilfe brauchte. Unterdessen setzte sich Shinichi neben Kaito aufs Bett und nahm ihn sacht in die Arme.
„Ich bleibe bei dir, das habe ich doch versprochen.” Zärtlich streichelte er Kaito durchs Haar und wischte ihm sanft die Tränen von der Wange.
„Shin… danke… ich”, Kaito blickte ihm nun direkt in die Augen, „Du bist mir so wichtig und ich… ich liebe dich”, hauchte er und wartete gespannt auf eine Reaktion. Erneut strich Shinichi ihm über die Wange, diesmal die andere.
„Ich dich auch”, antwortete er, ohne den Blick von den geröteten Augen des anderen abzuwenden. Erschöpft lehnte der Ex-Dieb sich wieder an den Detektiv.
„Können wir einfach noch eine Weile hier liegen bleiben, bis die anderen kommen?”, fragte er matt und spürte, wie er immer müder wurde. Fest hielt Shinichi ihn in den Armen und legte sich dann zurück. Den Schmerz ignorierend, blieb er auf dem Rücken liegen und wog Kaito sanft in den Schlaf. Während Kaito langsam einschlief, verfluchte Shinichi in seinen Gedanken Ai und atmete tief durch, regulierte den Atem und nach einer Weile kam Sayuri noch einmal rein.
Kaito schlief so tief, dass er das kurze Gespräch nicht mit bekam. Anschließend schrieb er seiner Mutter eine Nachricht, damit sie sich keine Sorgen mehr machen musste. Einen Dank für ihre Hilfe fügte er an.

Shinichi hörte die Klingel und dann die bekannte Stimme. Ai war wieder mal früher gekommen und stand wenige Minuten später in der Tür. Kaito schien noch immer zu schlafen und so verharrte der Jüngere in seiner unbequemen Position.
„Komm rein, ich weck ihn gleich.” Ebenso leise wie er sie ins Zimmer bat, trat sie ein und betrachtete beide mit fragendem Blick. „Das heutige Therapiegespräch war sehr anstrengend.” Bekam sie als Antwort.
„Also habt ihr nicht durch geschlafen?”, fragte sie.
„Bis Neun, um Zehn kam Sayuri-san und gegen halb Zwölf ist er wieder eingeschlafen.” Er beobachtete, dass sie ihm einen schmalen Karton auf den Schreibtisch stellte.
„Er ist wohl unheimlich froh, dass du wieder da bist.” „Mh...” Erneut strich Shinichi ihm sanft durch das Haar. „Er hat geredet, weil ich es auch getan habe.” Überrascht sah Ai zum Bett, verzog dann aber mitleidig das Gesicht.
„Jetzt kann es nur noch bergauf gehen”, versuchte sie es mit aufbauender Tonlage. „Ich weiß. Ich weiß.... Aber mal was anderes, was war das für Desinfektionsmittel? Der Rücken brennt immer noch ziemlich und ich glaube nicht, dass Kaito den Anblick gerade verkraftet”, fragte er so leise wie möglich.
„Dann haben wir zu spät reagiert und es hat sich doch entzündet”, murmelte sie besorgt und sah ihn entschuldigend an. Shinichi seufzte, irgendwie hatte er das bereits befürchtet.
„Ich werde Chikage-Kaasan fragen, ob sie nachher Hand anlegen kann. Ist ja nur der Rücken, an den ich nicht selbst komme”, antwortete er und sah Ai an, diese nickte und tippte auf den schmalen Karton. Als Antwort nickte nun Shinichi leicht und Kaito begann sich zu regen. Gähnend wachte er auf und spürte sofort, dass noch jemand im Raum war. Panisch richtete er sich auf, sank aber erleichtert zurück, als er Ai erblickte.
„Haibara, hallo”, sagte er und rieb sich über die brennenden Augen. Fragend sah er danach zu Shinichi. „Wie spät ist es?” Sowohl Shinichi als auch Ai waren erleichtert, das er scheinbar nichts von ihrer Konversation mitbekommen hatte.
„Wir haben Viertel vor Fünf. Ich war einfach etwas früher da”, beantwortete Ai die Frage, bevor Shinichi etwas sagen konnte.
„Dann sollten wir wohl langsam aufstehen”, murmelte Kaito und schälte sich aus der Decke. Noch immer etwas müde stand er auf und verschwand im Bad, um sich das Gesicht zu waschen. Seine Augen waren immer noch etwas gerötet und leise fluchte er, bevor er zurück ins Zimmer ging.
„Ich gehe schon mal runter.” Er hatte die Kiste auf dem Schreibtisch gesehen und vermutete, dass die zwei noch was zu erledigen hatten. Bevor er ging, stahl er sich noch einen Kuss und verschwand, um das Wohnzimmer vorzubereiten.
„Sieht doch gar nicht schlecht aus”, kommentierte Ai das Verhalten und sah fragend Shinichi an.
„Mhm”, brummte dieser, raffte sich auf und fragte: „Würdest du nochmal?”
„Wenn du in unter zehn Minuten geduscht bist”, antwortete Ai mit dem Blick auf die Uhr. Eilig verschwand er aus dem Zimmer, genoss die kurze, heiße Dusche und kehrte halb angezogen ins Zimmer zurück. Ohne weitere Worte behandelte Ai den geröteten, tieferen Striemen am Rücken mit großer Sorgfalt, fast schon zärtlich und verband Shinichi.
„Um den Rest kümmer ich mich besser selbst. Danke!” „Ich hör die anderen schon, komm einfach gleich runter, wenn du fertig bist. Ich sag ihnen Bescheid”, meinte Ai bloß und verließ das Zimmer.
Währenddessen hatte Kaito das Wohnzimmer hergerichtet und öffnete die Tür, als es klingelte. Er führte sie direkt in den gemütlichen Raum.
Shinichi sah ihr nach, versorgte die restlichen Wunden und zog sich an. Wenigstens war die Salbe antiseptisch. Frisch geduscht, verbunden und angezogen, kam er als Letzter im Wohnzimmer an.

„Mensch, du hast dir aber Zeit gelassen”, beschwerte sich Heiji frech, was Shinichi nur dazu veranlasste genervt den Kopf zu schütteln.
„Du warst einfach zu früh. Also Leute”, er setzte sich neben Kaito, „was habt ihr Inspektor Takagi erzählt und was muss ich am sinnvollsten in den Zeugenbogen schreiben, den mir bestimmt jemand von euch mitgebracht hat”, fragte Shinichi und lehnte sich vor für Kaffee.
„Die halbe Wahrheit. Er weiß, dass wir da waren, aber nicht, was genau wir getan haben, eigentlich sollte unsere Anwesenheit auch nicht unbedingt zur Sprache kommen”, grübelte Heiji, „ansonsten erwähne nur Saguru, Haibara und mich, Kaito lass komplett außen vor, er soll deswegen keine Probleme bekommen.”
Heiji lehnte sich zurück, sah Saguru nicken und auch Ai stimmte zumindest dem letzten Punkt zu. „Am Ende zählt eh nur das Ergebnis.” Das war etwas, dass Shinichi hinbekommen würde.
„Alles klar. Also nichts Ungewöhnliches. Könnte lediglich mit den Aussagen von Snake und Viper kollidieren. Megure wird schon ein Auge zu drücken.” Mit dem Kaffee in der Hand lehnte sich Shinichi wieder etwas zurück und trank davon. Kaito war ungewöhnlich still, hielt sich an Shinichis Hand fest und hörte einfach zu. Auch Heiji war das aufgefallen und fragend sah er zu Shinichi, wagte es aber nicht, diesen darauf anzusprechen. Kaum merklich schüttelte Shinichi den Kopf, als er den fragenden Blick sah.
„Dann würde ich sagen, dass wir uns zu einer gelungenen Rettungsaktion gratulieren sollten”, meinte Heiji und grinste frech, „wir sind ein gutes Team.” Die anderen stimmten mit ein.
„Das sind wir”, antworteten Ai und Saguru gleichzeitig. Kaito entlockte dies ein leichtes Lächeln und er drückte sacht Shinichis Hand, würde sie aber nicht gehen lassen.
„Ohne euch hätt ich da noch ein paar Tage länger gesessen. Danke Leute. Ihr habt echt was gut bei mir.” Shinichi hielt Kaitos Hand fest und prostete mit dem Kaffee in die Runde.
„Da wird uns sicher was einfallen”, entgegnete Heiji grinsend und streckte sich dann. „Gibt es noch was zu besprechen? Wenn nicht, dann denke ich, dass wir euch jetzt etwas Ruhe gönnen sollten. Ihr habt euch sicher noch was anderes für heute vorgestellt.” „Ich denke wir sind fertig”, ergriff Ai das Wort und erhob sich als Erste, „Ich erwarte dich Samstag zur gewohnten Zeit.” Ihr Blick war dabei auf Shinichi gerichtet, welcher bloß nicken konnte.
„Vielleicht sollten wir uns öfter mal treffen?”, fragte nun Saguru und sah dabei vor allem Kaito an. Gerne würde er sich mit ihm aussprechen.
„Mal sehen”, antwortete Kaito nun und nahm damit Shinichi die Entscheidung einfach ab. „Ich bring euch noch zur Tür.” Kaito erhob sich. Sie verabschiedeten sich voneinander und gingen schließlich getrennte Wege.

~Mega Zeitsprung~

Die Tage zogen ins Land.
Shinichi kehrte bereits am nächsten Tag zurück in die Schule und machte später den Abschluss. Mit etwas Unterstützung war auch der Rest der Organisation um den Stein herum zerschlagen worden und Conan Edogawa durfte weiterhin alte Fälle bearbeiten. Gemeinsam mit Ai hatte er sich in die Uni eingeschrieben und sie bereiteten sich auf den Stoff vor.
Zwischen Lernen und Bewältigung der eigenen negativen Gedanken, hing Kaito seinem Freund, wann immer dieser nicht gerade arbeiten musste, am Rockzipfel. Richtige Ruhe hatte Shinichi nur noch an dem einen Samstag im Monat bei Ai, oder wenn er sich direkt nach der Uni in ein Café verzog. Kaito redete zwar gelegentlich über das was passiert war, zumindest in Bruchstücken, zog sich danach aber oft weinend zurück. Es war hart, aber der Magier spürte auch, wie es ihn nach und nach befreite. Nebenbei machte er sich Gedanken um Pandora und eines warmen Juli Tages im selben Jahr, wie Conan mit der Uni angefangen hatte, sprach er seinen Geliebten auf das Juwel an.
„Du... Shin? Was machen wir eigentlich jetzt mit Pandora?”, fragte Kaito eines Nachmittags, während Shinichi seine Uni-Aufgaben erledigte.
„Du wolltest es doch zerstören, oder?” Shinichi hob den Kopf und sah fragend zu Kaito, welcher mit dem Stuhl direkt neben ihm saß und sich irritiert nickend an seinem T-Shirtzipfel fest klammerte. „Stimmt, du hast den Stein ja noch gar nicht gesehen. Wenn du möchtest, können wir morgen nach meiner letzten Vorlesung in die Villa und uns dort ein paar Gedanken machen. Ich hab eine Liste mit möglichen Methoden von Haibara bekommen, die liegt aber sicherheitshalber beim Juwel”, schlug Shinichi vor und lächelte zu Kaito.
„Klingt gut und ich vertraue da auf Ais Methoden. Was die Kleine anfasst funktioniert ja meist auch.” Kaito beugte sich nach seiner Aussage zu Shinichi und gab diesem einen sanften Kuss mit den anschließenden Worten: „Hab ich dir schon gesagt, dass ich dich liebe?” Sacht hatte Shinichi den Kuss erwiedert und legte anschließend seine Hand an die Wange des anderen.
„Hast du, aber ich höre es immer wieder gerne, denn ich liebe dich auch”, murmelte der angehend Student gegen die Lippen des Anderen, während er insgeheim der Aussage über Ai zu stimmte, dass ‘meist’ aber dabei strich. Es freute ihn, dass Kaito sich dazu durchringen konnte, auch anderen Menschen endlich zu vertrauen, denn Ai war zwar speziell, aber immer noch eine seiner engsten Vertrauten. Kaito schnurrte und nur zu gerne hätte er den Kuss tiefer gehen lassen, riss sich aber zusammen. „Sei noch schön fleißig.”
Etwas enttäuscht, schließlich war Kaitos Klammern nicht mit seiner Zärtlichkeit gleichzusetzen und die genoss der junge Mann immer, ließ Shinichi ihn gehen.
„Ist nicht viel zu tun. Das kann ich auch später machen”, wandte Shinichi vorsichtig ein, „Den Großteil kontrolliert eh keiner und wir haben gerade erst angefangen.”
„Hmm… dann könnten wir ja vielleicht nochmal Grenzen testen?”, frech grinsend setzte Kaito sich einfach seitlich auf Shinichis Schoß. Es war für beide nicht einfach: für Kaito nicht, da bei gewissen Aktionen immer noch Bilder in den Kopf geschossen kamen und für Shinichi ebenfalls nicht, da es für ihn inzwischen zu einer zwar süßen, aber ebenso fiesen Qual geworden war, unbefriedigt zu bleiben. Es war immer wieder ein innerer Zwiespalt zwischen Freiheit und Erregung, aber immerhin hatte sich Kaito mittlerweile etwas besser damit abgefunden, wenn er sich danach im Bad erleichterte. Shinichi legte behutsam die Arme um Kaitos Taille.
„Soweit wie du willst”, antwortete er ihm aufmunternd und knuffte den Älteren auf seinem Schoß frech in die Seite.
„Hey!”, empörte sich dieser lachend, beugte sich erneut vor und führte eine Hand in Shinichis Nacken. Zärtlich legte er seine Lippen auf die des Anderen und glitt mit der noch freien Hand sanft über Shinichis Rücken. So zärtlich wie Kaito die Lippen seines Freundes liebkoste, erwiderte dieser den Kuss und brummte dabei wohlig, auch wegen der leichten Zärtlichkeit am Rücken. Es waren Narben zurück geblieben, auf die der Detektiv gerne verzichtet hätte, aber nichts was ihn wirklich störte. Kaito hatte er am Ende sogar erfolgreich davon abhalten können ihm bei der Behandlung dort zu assistieren.
Shinichi zog ihn etwas enger und schloss langsam die Augen. Liebevoll kraulte Kaito ihn im Nacken, leckte sanft über die Lippen des anderen. Nach der sanften Aufforderung öffnete Shinichi behutsam die Lippen, er überließ Kaito sämtliche Führung und übte sich mehr oder weniger (eher weniger) gut in Geduld. Küsse waren kein Problem mehr, auch Shinichi oben ohne störte den Ex-Dieb nicht mehr. In dem Sinne hat die Therapie und das Reden bereits geholfen.
Sobald Kaito allerdings spürte, dass es ihn selbst erregte, trat er den Rückzug an. Jetzt aber war alles noch im grünen Bereich und er hatte gelernt sich unter Kontrolle zu halten, zumindest für eine Weile.
Shinichi fand es schade, dass Kaito noch immer Angst vor seiner eigenen Lust hatte, aber das würden sie auch noch hinbekommen. Er war gespannt wie weit sie heute kommen würden. Mit den Daumen streichelte Shinichi sanft über die Seiten seines Magiers. Die sanften Berührungen genießend ließ Kaito sich in den Kuss fallen, stupste sanft mit seiner Zunge die des anderen an und forderte sie zum Spielen auf. Ihre Zungen umkreisten einander, spielten vorsichtig und zart ihre bekannten Spiele.
Mit der einen Hand kraulte er sanft den Nacken weiter, die andere ließ er am Rücken hinuntergleiten und unter dem T-Shirt verschwinden, um mit den Fingern zärtlich über die warme Haut zu fahren. Unter Kaitos zarter Berührung seufzte Shinichi wohlig in den Kuss. Die Finger des Magiers fuhren über die Seite, den Rücken leicht hinauf und zart über die vereinzelten Narben. Es tat Kaito selbst etwas weh die Narben seines Freundes zu spüren, aber Shinichi hatte ihm versichert, dass er dabei keine Schmerzen empfand. Langsam löste Kaito den Kuss.
„Soll ich dich ein wenig massieren? Du bist total verkrampft vom vielen sitzen”, bot Kaito sanft lächelnd an und ein ‘Taktischer Rückzug’ ging beiden durch den Kopf.
„Das würdest du machen?”, fragte Shinichi etwas überrascht mit roten Wangen, nickte dann aber, weil er wusste, dass Kaito wieder einen Rückzieher machte. Gerade wo es interessanter wurde. „Gerne.”
Kaito zupfte verlegen an dem T-Shirt, welches Shinichi bereitwillig auszog und sich dann auf das Bett legte. Kaito positionierte sich daneben, nachdem er Creme aus dem Bad geholt hatte und gab diese, vorher angewärmt, auf Shinichis vernarbten Rücken. Entspannt bettete Shinichi den Kopf auf das Kissen, die Arme locker an den Seiten und den Blick leicht zu Kaito gerichtet. Die Temperatur der Creme war angenehm und er musste Lächeln.
Mit sanften Bewegungen begann Kaito die verspannte Muskulatur zu lockern. Es tat gut. Besser als erwartet.
„Du hast wirklich zauberhafte Hände“, raunte der auf dem Bett liegende seinem Magier zu. Kaito grinste daraufhin frech und widmete sich dem Nacken des anderen. Sanft zog er seine Kreise und spürte, wie sich der andere immer mehr entspannte. Er beugte sich vor und setzte einen Kuss auf Shinichis Hinterkopf.
„Danke, aber du brauchst mir nicht schmeicheln.” Eine ganze Weile bearbeitete er den Rücken des anderen noch, bis er spürte, dass seine Hände lahm wurden.
„Besser?”, fragte er liebevoll. Shinichi hatte die Augen geschlossen.
„Sehr viel besser. Aber Kaito? Es ist okay, wenn du Lust auf mehr hast. Das ist normal…Ich… Es freut mich.”
Kaito versteifte sich bei der Aussage, erwiderte allerdings nichts, sondern lächelte nur leicht ertappt, ging sich die Hände und das Gesicht waschen, dann kam er zurück ins Zimmer. Für einen Moment genoss er den Anblick seines halbnackten Herzmenschen und kuschelte sich schlussendlich zu ihm ins Bett. Shinichi drehte sich auf die Seite, zog Kaito wieder sanft an sich und gab ihm einen kurzen Kuss.
„Danke. Was macht deine Arbeit?”
„Läuft ganz gut, der Chef ist zwar immer noch ein wenig skeptisch, weil er Angst hat, ich könnte was mitgehen lassen, aber er ist auch zufrieden, weil ich gute Ergebnisse in der Reparatur abliefere”, erzählte er, glücklich darüber, doch einen Job gefunden zu haben, auch wenn es nicht einfach gewesen war und viele ihn aufgrund der Haftzeit abgewiesen hatten. Shinichi schnaubte.
„KID hat bisher immer alles zurück gegeben. Die sollten sich glücklich schätzen, dass du dich überhaupt mit denen beschäftigst.” Für ihn war es einfach unverständlich, wie man ihn hatte ablehnen können. Man musste Kaito zwar zur Arbeit bringen und abholen, schließlich galt immer noch die Regel, dass er nicht alleine raus durfte und auch auf der Arbeit mussten diverse Auflagen erfüllt werden, aber Shinichi freute es, dass Kaito nicht mehr nur zu Hause sitzen musste.
„Es ist schon okay, er gibt mir immerhin die Chance mich zu beweisen und die werde ich nicht vermasseln”, besänftigte er seinen Freund und konnte es nicht lassen ihm nochmal einen Kuss zu geben. „Es tut gut, selbst etwas zu schaffen, der Tagesablauf und so, ich fühle mich wieder freier”, gab er noch gedankenverloren zu und zog die Decke enger um sie.
Den Tick mit der Decke würde er wohl nie wieder los werden. Auch nicht wenn sie Sommer und 34°C im Schatten hatten, so wie heute. Sachte strich Shinichi Kaito durch das Haar.
„Das verstehe ich gut und ich sehe auch, dass es dir gut tut. Aber lass mich einfach etwas schimpfen.” Er wollte Kaito nicht enttäuschen, auch wenn es unter der Decke nicht gerade kühl war blieb er liegen, rutschte noch was hin und her bis die Position bequem genug war, er aber nicht einschlafen würde. Kaito schmunzelte.
„Sag doch was”, meinte er dann lachend und zog die Decke mehr zu sich, so dass Shinichi nicht mehr ganz darunter lag.
„Ich freu mich auf morgen, dann hat das ganze Theater vielleicht endlich ein Ende.”

Der nächste Tag kam viel zu früh für Shinichis Geschmack. Es war einer der Tage wo er schon um acht zur ersten Vorlesung musste.
Auf dem Campus der Universität drückte ihm Ai als erstes einen Becher Kaffee in die Hände, bevor sie gemeinsam zur ersten Vorlesung gingen. Er hatte neben Kriminologie noch Recht und Informatik belegt. Ai war in ihren Wohlfühlbereichen Biologie und Chemie geblieben, hatte sich aber zum Informatikkurs breitschlagen lassen.
„Heute Nachmittag also? Soll ich alles vorbereiten?”, fragte sie, als sie durch die Tür in den Hörsaal gingen.
„Das wär klasse, dann haben wir ein Problem weniger. Ich denk mal wir sind so gegen Vier oder Fünf da.” Shinichi setzte sich mit ihr in die letzte Reihe, wo sie ihre Sachen auspackten und die Laptops starteten. „Weiß ich Bescheid. Mach ich fertig.” „Danke Haibara.”
Die Vorlesung begann. Heutiges Thema: Einstieg in die App Programmierung.

Kaito wurde wie jeden Morgen zur Arbeit gebracht und grüßte dort als erstes seinen Chef.
„Guten Morgen, Kuroba-san. Auf deinem Tisch liegen zwei defekte Uhren. Wäre gut, wenn du die diese Woche noch reparieren könntest.”
„Ich werde mich bemühen”, antwortete Kaito artig, verbeugte sich und ging zügig zu seinem Arbeitstisch. Auf ihm lagen zwei Uhren mit mechanischen Uhrwerk, also genau das, was Kaito gelernt hatte. Er nahm sich die Lupenlampe und zog sich den Stuhl heran. Vorsichtig löste er von der ersten Uhr den hinteren Deckel ab und arbeitete sich bis zum Uhrwerk vor. Krone und Kronenhalterung legte er in eine kleine Schale neben sich, mitsamt des Deckels. Schließlich hatte er das Herz der Uhr freigelegt und besah sich das Uhrwerk. Auf den ersten Blick sah alles ganz normal aus.
Die Zugfeder schien in Ordnung zu sein und auch die Zahnräder waren alle in Ordnung, einzig das Hemmungsrad wies einen Defekt auf. Es war eine ziemlich feinmotorische Arbeit sämtliche Räder ab zu montieren und vorsichtig beiseite zu legen.
Kaito hatte sich extra dafür kleine Schälchen beschriftet, damit er hinterher erkennen konnte, welches Rad, welches war und bloß keins vertauschte. Das Hemmungsrad musste er allerdings austauschen, das würde nicht mehr zu retten sein, da ein Zahn unwiederbringlich abgebrochen war.
Leise seufzend notierte er sich alles und ging schließlich mit dem Diagnosebogen zu seinem Chef. Dieser las ihn aufmerksam und nickte. Zwar war Kaito bereits ein vollwertiger Mitarbeiter, aber da er noch auf Bewährung war, musste der Chef regelmäßig einen Bericht über seine Arbeit und seine Mitarbeit abliefern und da war es der einfachste Weg für beide einfach die Beobachtungen, die Kaito bei der Arbeit machte, schriftlich abzugeben.
„Sieht gut aus, leider haben wir für dieses Modell aktuell kein Hemmungsrad da. Ich werde es aber direkt bestellen. Du kannst dann erst Mittagspause machen”, bot er Kaito an, welcher dankend annahm. Er schnappte sich seine Jacke von seinem Stuhl und machte sich auf den Weg nach draußen. Er hatte die Erlaubnis bekommen sich auf dem Hinterhof aufzuhalten, wo auch ein kleiner Tisch mit Stühlen stand. Da dieser Bereich noch zum Arbeitsplatz gehörte brauchte er hier auch keinen Begleiter. Bisher war es ja doch ganz gut gelaufen, das Auseinanderbauen war auch oft nicht das Problem. Das Zusammenbauen und hinterher wieder aufeinander abstimmen war da deutlich komplizierter. Aus dem Grund war er auch froh, dass er eine Woche Zeit hatte.
Nach der Mittagspause packte er die Teile der Uhr in eine Kiste mit kleinen Fächern und sortierte alles ordentlich, bevor er sie in seinen Schrank stellte, beschriftete und sich dann die nächste Uhr vornahm. Bei dieser verzog Kaito das Gesicht und schüttelte den Kopf.
Wie konnte jemand mit so einem alten Stück so rabiat umgehen. Er ärgerte sich insgeheim, denn das Deckglas war zerbrochen und auch das Uhrwerk im Inneren wies einige Schäden auf.
Vier Zahnräder waren gebrochen und die Zugfeder gerissen. Auch hier sortierte er, machte sich Notizen und versuchte zu retten, was zu retten war. Eines der Zahnräder hatte nur einen kleinen Riss und konnte von ihm in feinster Millimeterarbeit wieder repariert werden, die anderen waren nicht mehr zu retten. Es dauerte ziemlich lange und kurz vor Feierabend reichte er auch von dieser Uhr seinem Chef den Bericht. Dieser runzelte die Stirn.
„Ich frage mich ernsthaft was die Leute mit solch teuren Uhren eigentlich treiben, dass sie so zerstört sind”, grummelte der Chef und sah dann bestätigend zu Kaito. „Ein paar der Teile hab ich hier, die Zugfeder und auch eines der Zahnräder muss ich leider auch bestellen. Eigentlich echt traurig, damit verliert die Uhr einiges an Wert, aber wer so sorglos damit umgeht ist selbst schuld. In Ordnung, Kuroba-san. Gute Arbeit für heute, ich denke morgen oder übermorgen sind die Teile da, dann kannst du sie einbauen. Wenn es doch länger dauert ist das der Lieferzeit der Teile zuzuschreiben. Wir sehen uns dann morgen früh in alter Frische.”
Kaito lächelte. Das Lob tat ihm gut und er füllte sich in dieser Werkstatt mehr als wohl. Zurück an seinem Platz verpackte er auch diese Uhr sehr sorgsam und stellte die Kiste beschriftet in den Schrank. Schließlich schnappte er sich seine Jacke, verabschiedete sich von allen und löschte das Licht an seinem Arbeitsplatz, bevor er ging. Conan wartete bereits am Eingang auf ihn.

Pünktlich stand Conan vor dem Uhrengeschäft in dem Kaito arbeitete, holte ihn ab und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zur Kudo-Villa. Kaito war ungeheuer aufgeregt, nicht nur, weil sie heute Pandora zerstören würden, sondern auch, weil es das erste Mal seit über fünf Jahren war, dass er das Haus wieder betreten würde.
„Kaito…”, brummte Conan und sah den anderen mahnend an. Dieser erwiderte den Blick unschuldig dreinschauend, wusste er doch ganz genau was jetzt kommen würde: „Ja?”
„Ist gut jetzt. Ich weiß ja, dass du aufgeregt bist, aber dein Hibbeln macht mich nervös.” Conan sah ihn leicht strafend an, was Kaito dazu veranlasste wieder still zu werden, auch wenn es ihm unglaublich schwer fiel und einfach an der Hand seines Freundes durch die Straßen zu gehen.
Wenig später schloss Conan das Tor auf und führte Kaito ins Haus.
„Tadai Ma”, rief Conan und aus der Küche kam ein „Okaeri” zurück. Kaito erkannte die Stimme und irgendwie versetzte es seinem Herzen einen kleinen Stich, dass Ai hier bereits auf seinen Freund wartete.
„Habt ihr auch endlich den Weg gefunden?” Mit diesen Worten trat Ai, im üblichen weißen Kittel gekleidet, aus der Küche und lehnte sich in den Türrahmen.
„Hab dir doch gesagt, dass wir etwas später kommen.” Shinichi wendete sich, nach dem er die Schuhe ausgezogen hatte, zu Kaito um. „Geh ruhig mit ihr mit, ich hol nur eben den Stein”, sagte er und verschwand mit großen Schritten die Treppe hoch. Unschlüssig stand Kaito im Flur und sah seinem Freund nach.
„Kuroba-kun, lange nicht gesehen. Wie geht es dir?” Das holte ihn aus den Gedanken und er sah fröhlich zu Ai.
„Haibara, es ist wirklich lange her. Es geht mir gut und dir?” Auf ihren Wink mit der Hand folgte er ihr durch den Flur zu einer Tür. Er wusste, dass es dahinter zum Keller gehen würde.
Ai führte ihn durch diesen und Kaito musste überrascht feststellen, dass es eine Verbindung zwischen der Villa und dem Haus des Professors gab. Sie führte direkt in Ais Labor.
„Wow…”, staunend sah der Magier sich um.
„Na, dass ich mal den großen Meisterdieb begeistern kann…”, entfuhr es der jungen Frau, während sie Platz auf dem Bett machte, auf dem Zeitungen verteilt lagen. „Setz dich ruhig.” Das Angebot annehmend setzte sich Kaito auf das Bett. Da es ja nicht ihr Zimmer war, machte es ihm wesentlich weniger aus. Ai baute derweil auf einem freien Metalltisch diverse Gerätschaften und Gläser auf.
„Also… Hierhin verschleppst du ihn?”, fragte Kaito und sah sich in dem nicht so klassischem Labor um.
„Gemütlich, nicht wahr?”, fragte Ai, ohne sich umzudrehen. Ihre Worte trieften vor Ironie. „Aber ja, hier quäle ich ihn.” Dem jungen Mann fehlten etwas die Worte, doch bevor er etwas sagen konnte, wurde die Tür geöffnet. Shinichi trat ein, stellte eine Holzschatulle auf den Tisch, wo Ai diverse Dinge aufgebaut hatte. Neugierig gesellte sich Kaito zu ihnen.
„Da ist es drin?”, fragt der Magier und die anderen beiden nickten synchron, während Shinichi die Schatulle öffnete und Kaito die Halskette zeigte. Andächtig holte der Magier die lange, goldene Kette mit dem Edelstein daran heraus.
„Und das…?”, fragte Kaito leise.
„Ich habe es selbst geprüft, Kaito. Das ist ohne Zweifel Pandora”, beseitigte Shinichi das Misstrauen und Kaitos Augen leuchteten.
„Dann man ran an den Speck! Wie machen wir den Aquamarin kaputt?” Kaito war voller Tatendrang und krempelte die Ärmel hoch.
„Na na na”, wies Ai ihn zurecht, „ihr beide setzt euch auf das Bett und ich werde mit den Chemikalien hantieren.” Kaito sah sie verwirrt an.
„Aber, Aquamarine sind nicht säureempfindlich, außer du hast Flusssäure. Laugen schaden ihnen genauso wenig.” Jetzt war es an Ai ihn mit einem skeptischen Blick zu mustern.
„Bist du dir sicher, dass das ein Aquamarin ist und nicht ein anderer Edelstein?”, fragte sie ernst, immerhin würde er dann den springenden Punkt haben und man könnte so ziemlich alles auf ihrer Liste streichen.
„Ja. Sehr sicher.” Denn wenn Kaito eines wusste, dann wie man einen Edelstein erkennt und das war weder ein Topaz noch ein synthetischer Stein in seinen Händen.
„In Ordnung. Mr. Kaito KID. Wie zerstören wir ihn dann?”, fragte Ai etwas bissig mit verschränkten Armen. „Hitze!”, antwortete Kaito selbstbewusst und wie aus der Pistole geschossen.
Ai drehte sich wortlos um und begann damit in einer der vielen Kisten zu kramen. Kaito sah ihr überrascht nach, aber Shinichi legte ihm die Hand auf die Schulter und schüttelte den Kopf. Irgendwas hatte Kaito mit der Aussage in Ais Kopf in Bewegung gesetzt, jetzt durfte man sie nicht stören. Tonlos seufzend sah Kaito Ais Rücken an, dann blickte er wieder zu Shinichi, welcher ebenfalls Ai beobachtete und runzelte kurz die Stirn. Ihm gefiel der Blick nicht, mit welchem sein Freund die junge Wissenschaftlerin musterte und erneut piekste es unangenehm in seinem Herzen. 'Ich brauche mich wirklich nicht zu wundern, wenn er sich doch anders umschaut, immerhin kann ich ihm trotz der langen Zeit nicht das geben, was er braucht/verdient hat.' Unsicher griff Kaito die Hand seines Freundes und drückte sie, das brachte Shinichi dazu sich zu seinem Freund umzudrehen und ihn aufmunternd anzulächeln.
Zehn Minuten später hatten sie den Tisch abgeräumt und Ai den Bunsenbrenner aufgebaut. „Kudo, hol die Gasflasche”, wies sie Shinichi forsch an, welcher den Befehl sofort und ohne Widerworte befolgte. Kaito fragte sich, wie viel Zeit der andere hier verbracht haben musste, doch dann fiel ihm wieder ihre Wortwahl ein.
„Ihr habt ihn also zusammen gefunden?”, fragte er neugierig und beobachtete Ai dabei, wie sie diverse Schalen und Zangen zurecht legte, sowie Sicherheitsbrillen rauskramte.
„Ja. Hab ich doch gesagt. War nicht einfach ihn zum Reden zu bringen”, erzählte sie mit abwesender Stimme und kehrte mit drei Schutzbrillen an den Tisch zurück. Jetzt sah sie Kaito direkt an.
„Keine Sorge, er hat sehr lange gebraucht, bis er mit der Sprache rausgerückt ist und ich habe viele Opfer von ihm gefordert. Du kannst ihm vertrauen.” Ihre Worte erleichterten Kaito nur teilweise. Die Art, wie sie es sagte, machte ihm Sorgen, aber Shinichi schien ihr trotz allem zu vertrauen. Der Detektiv hatte ihr sogar die Suche nach Pandora anvertraut und bewusst seine Befreiung in ihre Hände gelegt… Er fragte sich, ob er das gleiche bei Aoko getan hätte und sein Blick wurde trüb.
„Hab die Flasche”, rief Shinichi und betrat den Raum wieder, was Kaito aus seinen Gedanken riss. Des Ex-Diebes Gesicht hellte sich wieder auf und Ai schloss den klassischen Bunsenbrenner an die Gasflasche. Alle drei zogen ihre Schutzbrillen auf, Ai machte den Stein von der Kette ab und stülpte den Schutzkasten über den Brenner. Die Zange, die den Stein festhielt, führte sie durch das Loch und hielt den Stein direkt in die Flamme. Gespannt beobachteten sie den Prozess, bis plötzlich das Juwel anfing zu knacken. Damit nichts in die Flamme fallen konnte schob Ai fix eine Schale drunter, in die das Juwel bei der Hitze als weiße Plättchen zerbröselte.
„Also, Mr. Kaito KID. Ich würde sagen: Auftrag ausgeführt. Juwel zerstört”, verkündete Ai und erleichtert warf sich Kaito Shinichi an den Hals. Überschwänglich gab Kaito ihm einen Kuss und drehte sich rasant um, damit er auch Ai in die Arme nehmen konnte. Diese allerdings hob die Hände mit der Zange in der Hand und sagte: „Wag es dich.” Das brachte Kaito ziemlich schnell von seinem Vorhaben ab und er nickte perplex.
„Danke. Wirklich. Danke!” Kaito sah Ai mit leuchtenden Augen an und sie nickte lediglich. „Ich entsorg das und ihr könnt euch noch etwas freuen.” Shinichi warf ihr noch einen bedeutsamen Blick zu.
Gesagt, getan. Ai räumte auf und Kaito klammerte sich an Shinichi.
„Wir haben es geschafft”, murmelte der Ältere dem Jüngeren ins Ohr. Shinichi strich ihm mit den Händen über den Rücken.
„Das haben wir. Jetzt ist alles vorbei.” Kaito ließ erschöpft den Kopf auf die Schulter des etwas Kleineren sinken und hielt ihn eng an sich gedrückt.
„Ich bin so froh…” Shinichi spürte, dass seine Schulter nass wurde und malte sanfte Kreise auf den Rücken des Magiers.
„Wenn ihr dann nichts dagegen habt, würd ich euch gern los werden. Ich hab noch was anderes zu tun.” Mit diesen Worten scheuchte sie die beiden Männer aus ihrem Labor und sie kehrten durch den Keller zurück in die Kudo-Villa. Verweilten noch eine Weile in dem Haus voller Erinnerungen und machten sich dann auf den Heimweg.
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